Part 10
Meine Mama sagte immer zu mir noch in den sogenannt +guten+ Zeiten: „Wenn wir die 20000 Kronen wirklich +hätten+, die wir jährlich +ausgeben+, so hättest du ein Recht, uns Vorwürfe zu machen, daß wir sie +ganz+ ausgeben! Da wir sie aber +nicht+ haben und +dennoch+ ausgeben, ist es eine Taktlosigkeit von dir!“
*
Die „Anständigkeit“ einer Frau hängt +ausschließlich+ von ihrem „Akt“ ab. Ist dieser +vollkommen+, dann +muß+ sie immer „unanständig“ bleiben! +Nur+ das Bewußtsein, nicht +allen+ zu gefallen, bringt sie dazu, sich einem +einzigen+ anzuhängen!
*
Nur das Gefühl, demnächst „aus dem Leim zu gehen“, erzeugt bei der Frau eine Art von +Talmitreue+!
*
Wenn die schöne Frau keine +Phantasie+ hätte! Dann könnte sie sich es nicht +vorstellen+, wie es wäre, wenn sie +den+ oder +jenen+ erhören würde! So aber -- -- -- hat sie Phantasie!
*
An eine schöne Frau +glauben+, ist dasselbe, wie es glauben, daß der Kuckuck im Sommerwalde +nur+ für +uns+ seinen bezaubernden Ruf erschallen lasse!
*
„Vous me déshabillez tout-à-fait sous mes vêtements, avec vos yeux!“ sagte eine Süße zu mir.
LIEBESGEDICHT
Was du mir +spendest+, zahl ich dir +zurück+, mit anständigen Zinsen, mit dem Gelde meiner Seele, meines Geistes, Anna! Wuchergeschäfte wollen wir nicht machen -- -- -- dazu sind wir +beide+ zu intelligent. +Zu bald+ würde der Übervorteilte es spüren! Und +traurig+ werden! +Atonie+ der Seele! +Reinliche+ Geschäfte der Seele und des Leibes geziemen dem Weisen des Daseins! Und wir +sind+, wir +sind+ nun einmal da in +dieser+ Welt, können uns nicht +entziehen+, auf die Dauer! Was du mir +spendest+, zahl ich dir gern und leicht zurück; und meinem +Geiste+ hast du +deinen+, wenn auch +von mir+ erworbenen, entgegenzubieten, und noch dazu gratis die weißen Beine und die goldenen Haare und die Kinderbrüste! Siehe, ich muß mich also direkt anstrengen, das durch Anmut meines Geistes und Kraft und Weltenweisheit auszugleichen, was du +von selbst+ durch Schicksals Gnade spendest! Drum sind wir, siehe, leider dennoch ewig in eurer Schuld, Anna! Ein Blick von dir -- -- -- und im Schuldbuch steht: „Peter, du schuldest ihr noch Milliarden!“
REVANCHE
Sahest du heute, ängstlichen Blickes, in meinen Augen die Gespenster der Entfremdung, Mädchen -- -- --?! Und sahest mich an, flehentlichen Blickes, und konntest nicht sprechen, was du so gern sprechen wolltest, und konntest dich nicht rühren und mir um den Hals fallen?! Und bliebest +verbittert+ stehen, wie umgewandelt von meiner Ungnade, +erbittert+ über das Schicksal und die Welt?! Siehe, +so, so+ bin +ich+ einst gestanden vor +jener+ --. Und weil ich weiß, +wie+ es tut, nehm ich dich also wieder in Gnaden auf, Mädchen!
DIE „UNGLÜCKLICHE“ LIEBE
Aber wenn ich deine Hand beim Abschiede im Restaurant berühre oder auf der Straße?!?
Feiere ich da nicht meine Hochzeitsnacht mit dir, fast +physiologisch+?!?
Und siehe, dein Geliebter steht vielleicht dabei und schaut, und sagt zu mir halb mitleidig: „Servus, verrücktes Huhn --!“
Und küss ich nicht die Innenfläche meiner eigenen Hand, die +deine+ Handinnenfläche für einen Augenblick lang sanft berührt hat?!?
Gibt uns der „+seelische Selbsterhaltungstrieb+“, diese immanente Angst vor dem Zerstörtwerden, nicht +Zaubermittel fast+, uns zu erretten aus der Not der Seele?!?
Und wenn wir ihr beim Anziehen, beim Ausziehen ihres Paletots behilflich sind, vor allen Leuten, haben wir da nicht Schauer mysteriöser Zärtlichkeiten, die der +Beglückte+ vielleicht im Bette nicht einmal empfindet mit ihr, da sie dort zum „Weibchen“ wird, gleich allen, die +schon+ waren, und die +noch+ kommen werden oder könnten! Die +Art+ besiegt das +Individuum+!
Ist’s nicht ein +Ausgleich+ unseres +Unglück-Glückes+?!?
Könnt ihr uns unsere Hochzeitsnächte rauben, ihr +Beglückten+?! Wir haben sie +hinterrücks+ -- --.
Wir haben sie sogar in der „+Phantasie der Frauen+“, die uns +nicht+ erhören! Wie, wenn sie uns erhörten, träumen sie manchmal?
Einmal, aus Laune oder Ungezogenheit und Neugier?! So Gnadenspenderin spielen?!? Teufeline?!?
Was vor dem +halben Einschlafen+ des Nachts die Frauennerven sich +halb erträumen+, thront +oberhalb+ moralischer Gesetze! Niemand kann’s +verwehren+!
Drückt ihr, +Beglückte+, vielleicht je den Rand ihres Trinkglases verstohlen an eure Lippen, ja +umküßt ihn+ ganz, mit zärtlicher Geschicklichkeit, wenn der Tisch frei geworden ist von Gästen im leeren Speisezimmer?!?
Küßt ihr die Orangenschalen, die sie geschält hat?!?
Küßt ihr die +lippengeheiligten+ Gabelzinken?!?
Schleicht ihr euch hin, wie Jäger auf die Beute, Haselnußschalen aufbewahrend, Traubenstengel, von ihrem geliebten Teller?!?
Gebt ihr dem Stubenmädchen, das euch dabei ertappte bei eurer heiligen Handlung, zehn Kronen, daß sie verschwiegen bleibe?!?
Habt +ihr+ solche +Schliche+ nötig, +glückliche+ Unglückselige?!?
Und einmal sagte mir ein junges Stubenmädchen: „Ich nehm kein Geld, ich +gönn’s+ der Frau!“
Ein +Nichts+ wird eine +Kirche+!
Und die Sehnsucht, ihr Kleid zufällig zu berühren, wird ein +Fanatismus+!
Das Kleid wird zum +Symbole+ ihres Leibes!
Die lose Kleiderfalte, die absteht, wird zu ihrer Haut!
Wir können ihren Leib berühren in ihrer losen Kleiderfalte. Wir!
Man berührt ihr Kleid, und man kann wieder schlafen, schlafen, +von da an+, wie wenn’s ein Schlafmittel wäre für zerstörte Nerven!
Man schläft ein, wie ein weinendes Kindchen einschläft, dem man gewährte, wessen es bedurfte -- --.
Friedevoll versinkt man in bessere Welten.
Weil man ihr Kleid berührt hat -- -- --.
Ihr armen +Glücklichen+, was braucht ihr +alles erst+ zu eurem Glücke?!?
Uns aber weht ihr Atem unwillkürlich an beim Sprechen und macht uns bereits selig -- -- --.
Das alles nennen sie dann unsere „+unglückliche Liebe+“!
VARIATION ÜBER EIN BELIEBTES THEMA
+Verwöhnt sein+, ist das schreckliche Unglück der schönen Frauen. Infolgedessen haben sie +nichts+ von ihrem Leben, sondern +nur noch+ Neid, Eifersucht, Eitelkeit. „Ich bin es so +gewöhnt+“, ist der tückischste +Mord+ an der Seele. Denn siehe, sie wünscht stets und stets +überrascht+ zu werden!
Was ihr gewohnt wird, macht sie +leblos, tot+. Sie hört +allmählich+ auf zu +funktionieren+, wird starr, hart, sogar bösartig. Ein gütiger Blick zu +ungewohnter+ Gelegenheit! Und die Seele errötet dir vor Freude. Das was sie stets bekommt und stets, läßt sie bleich. Und dennoch wäre es tiefste Kultur, das Gute, das man hat, +stets+ zu empfinden als eine Gnade Gottes! +Dazu+ sollte man ein Kind erziehen, daß es in jeder Schachtel seine besonderen Schätze hat und daß ein Pfirsich ist wie Feiertag! Schöne Frauen haben +nichts+ von ihrem Leben. Sie sind zu sehr daran gewöhnt, schön zu sein!
Wenn eine Häßliche acht Tage lang schön sein könnte! Eine Schöne viele Tage unscheinbar! Ein Bettler vierzehn Tage lang reich! Ein Reicher hie und da bettlerisch! Um aus +Gewohntem+ Schätze auszulösen für die Seele, muß man schon fast der Weltgeist selber sein!
PARTE
Einmal mein wirkliches echtes +nicht+ konventionelles Beileid! Zum Heldentode eines der +allerkultiviertesten+ Menschen:
Unser lieber Bruder
=Dr. jur. Herbert Fries=
=Fähnrich i. d. R. des k. u. k. Feldkanonen-Regiments Nr. 42=
ist am 7. September 1914 bei Rawaruska gefallen und wurde auf dem Ortsfriedhof in Rzyczki bestattet.
+Inzersdorf+ bei Wien, Oktober 1914.
=Dr. Edgar Fries=, =Elisabeth Freiin v. Pereira=, =Dr. Egon Fries=, =Lyda Wittgenstein=, =Hertha Fries=, Leutnant i. d. R. =Dr. Egbert Fries= im Felde.
AN DIE KOKETTE
Soll ich verzeihen, daß es schon wieder regnet?!? Und wenn es sein muß, immer wieder regnen wird?!? Darfst du denn um etwas mich um Verzeihung bitten, das +außerhalb+ deines guten Willens ist?!? Ich kann verzeihn, daß du unanmutig gehst, nicht schwebst in freudigen Leichtigkeiten -- -- --; obzwar’s mein Auge ärgert und es lieblos macht --; schwerfällige Nymphen sind ein böser Gegensatz -- -- --. Ich kann’s verzeihn, denn Übung könnte bei gutem Willen es noch mählich ändern -- -- --. Doch wie soll ich dir die „inneren Mächte“ verzeihn, dein Schicksal, das du miterhalten hast in deinen Nerven?!? Soll ich dir Vater, Mutter, Großeltern verzeihn und alle deine Ahnen?!? Wenn du’s von mir verlangst, verzeihe ich! So verzeihe ich der Kreuzotter, die den Todesbiß gibt wegen nichts. Sie sticht -- weshalb, niemand kann es ergründen! Ja, ich verzeih und sterbe! Aber ist es anständig, Verzeihung zu verlangen, zu erwarten, für Sünden, die man dennoch nicht lassen kann?!? So eine Frist sich zu verschaffen von verlogenem Frieden?!? Darf die Kokette uns um Verzeihung bitten?!? Sieh, Rosita, ich werde also dein gutmütiges Bemühn gerührt betrachten -- -- --; ja, tief, tief gerührt! So schau ich zu, wie eine edle Seele mit ihren Höllen kindisch kämpft -- -- --. Verzeihung, tragischstes aller Worte! Kann ich verzeihen, daß es wieder regnet?!? Und wenn es sein muß, immer wieder regnen wird?!? Geliebteste, laß uns ohne Verzeihung leben! Die Sünden sind des Tages und der Stunde -- -- -- vielleicht lohnt sich das Ganze doch der Qual!
SPLITTER
Wenn ich jemanden bitte, eine Sache, die mir wert und lieb ist, nicht anzurühren (man schaut nämlich mit die Augen, net mit die Pratzen), so ist +er+ beleidigt. „No no no, i friß Ihnen nix weg!“ „+Hoffentlich+,“ sage ich, „das wär noch schöner!“
*
Ich habe eine Freundin, die immer eine Ausrede hat, um +dazubleiben+; und eine, die immer eine Ausrede hat, um +nicht+ dazubleiben. Jetzt denke ich in einem fort nach, welche mich weniger stört!?
*
Aphorismen sind das, was, wenn es einem anderen einfällt, er daraus einen langen Essay macht! Gott sei Dank fällt es ihm aber nicht ein!
*
Ich teile die Frauen ein, man muß nämlich alles einteilen, in solchene, die +immer+ denken: „Wie wäre es doch, wenn +dieser+ oder +jener+ -- -- --!?“ Und in solche, die das +nie+ denken. Die ersteren sind allein gefährlich! Aber auch die anderen sind nicht ungefährlich. Denn wenn sie bei einem +picken+ bleiben, bleiben sie +picken+! Und +das+ ist nicht jedermanns letzte Träumerei!
*
Wollen Sie +alle+ Fäden in der Hand haben, um Menschen wie Marionetten zu dirigieren?!? Nehmen Sie doch +nur+ die +drei+ Fäden: +Eitelkeit+, Geldgier, Sexualität! Schon +danach+ tanzen sie ganz korrekt. Nehmen Sie aber +noch dazu+ die +drei+ anderen Fäden: Neid, Eifersucht und Stupidität, so haben Sie ein ganz nett ausgeführtes Marionettenspiel! Wenn Sie z. B. der Dame Ihres Herzens, sagen wir nämlich +Herzens+, sagen: „Artur gefällt Ihnen also ernstlich?! Er hat gesagt, Sie hätten keine aristokratischen Fingernägel!“, so lassen Sie schon die öde Puppe ganz nett tanzen! Oder zu einem Herrn: „Marie sagte, im Schwimmkostüme auf dem Bild enttäuschten Sie! +Sonst+ wären Sie ein ganz netter Mensch!“
*
Man muß sich „nach der Decke strecken!“ Ja, aber nach der leichten, wärmenden, schützenden!
*
Wenn eine Frau häßlich ist und es +spürt+, wird sie entweder eine +Viper+ oder eine +Heilige+!
Wenn eine Frau schön ist und es +spürt+, wird sie entweder eine +Hetäre+ oder -- -- -- eine +reiche Hausfrau+!
Nun werdet ihr mir sagen: „Aber, Herr Altenberg, es gibt doch auch noch +andere+ Menschen!“
Ja, im verklärten Lichte eures +Idiotismus+, nicht in dem düsteren Scheine unserer +Weisheit+!
*
Wenn eine schöne Frau „aus dem Leim gegangen ist“, so ist in ihr +eine ewige Trauer+. Aber das sieht nur der Dichter. Weil er selbst in ewiger Trauer ist über die Unzulänglichkeiten der Welt.
*
Wenn man sich +nicht+ umbringt, so lebt man weiter. Aber +lebt+ man wirklich weiter?!
*
+Verlogenstes+ Wort: „Ich hab ihn +sehr gern+, aber er geht mir auf die Nerven!“
*
+Ideale+: Ich trage ihm +ebenso gern+ das Nachtgeschirr hinaus als ich ihm den Tee serviere!
*
„Sagen Sie aufrichtig, Herr Peter, ist Ihnen ein Stück Emmenthaler wie Sie sagen ‚mit tränenfeuchten großen Augen‘, nicht doch lieber auf einer silbernen Schüssel kredenzt mit silbernem Messer?!“
„Nein, auf einer lasierten Bauern-Tonschüssel und mit den Händen!“
*
„Haben Sie also gar keinen Sinn für Raffinement?!“
„Ja, für das Raffinement idealer Finger, idealer Fußzehen, geraden Rückens, gewölbtesten Brustkorbes, federnden Ganges, der Eidechsenanmut, reinsten Teints, süßesten Atems und für das Raffinement leicht weinender Seele!“
*
Keine Frau hat doch eine Ahnung, +was+ ein Dichter ist, einer, der um alle Gemeinheiten und Ungerechtigkeiten der Welt sich abhärmt und daran krank wird! Für sie ist ein Dichter einer, was +für sie+ schwärmt! Nebbich! +Kann+ man denn ernstlich für sie schwärmen, wenn sie nicht +mindestens+ so zart, so nobel, so feinfühlig ist wie +eine+ Dichterseele?!
*
+Einsicht+ nehmen, in die Dinge des Lebens, Vorbereitungsklasse, sogenannte Taferlklasse, Abc-Taferlklasse des Lebens!
+Voraussicht+: +Reife+ des Lebens! Abiturium!
+Einsicht+ ist: Der Tag und die flüchtige vergängliche Stunde!
+Voraussicht+: Die Ewigkeit! Die ewige +Entwicklung+!
*
„Ehret die Frauen! Sie flechten und weben -- --.“
Aber +nur+ die, die wirklich flechten und weben!
*
Was du an deinem Hunde an Zärtlichkeit +vergeudest+, +entziehst+ du den Menschen. So groß, meine Liebe, ist dein Zärtlichkeitskapital +ja doch nicht+, daß du es +nach allen Seiten+ hin spenden könntest!
*
Meine +Gedanken+ sind +gut+! Gebt +ihr+ die guten +Taten+ dazu! Damit das +Ganze+ einen Sinn habe!
*
Nachdem Dr. Egon Friedell das tiefste Buch geschrieben hatte, über das +moderne Werden+, über mich, hat er mich prompt +verleugnet+! Weil die +anderen+ das Buch nicht +verstanden+ haben, absichtlich nicht verstehen +wollten+! Nicht ein jeder ist eben zum +Märtyrer seiner+ höheren +Erkenntnisse+ geboren! Es muß auch -- -- -- +gute+ Schriftsteller +schlechtweg+ geben!
*
Man kann nur +gute Geschäfte+ machen wollen, nicht schlechte! Auch „+schenken+“ muß ein recht günstiges Geschäftchen sein, das man im stillen mit seiner eigenen Seele effektuiert! Ein nettes Profitchen an +innerer+ Befriedigung muß dabei herausschauen!
*
Auf dem Antlitz eines jeden steht es genau eingeschrieben und deutlich abzulesen, ob er einem eine besonders feine Zigarette mit Freuden oder mit Leid anbietet!
*
Dichter sein ist, ein besseres +Gedächtnis+ haben für Eindrücke, für schlechte und gute! Das rumort dann in einem und will irgendwie heraus! Einem Dichter kommt es zufällig bei der Seele heraus!
*
Jeder Mensch will sich ununterbrochen über irgend etwas +hinwegtäuschen+. Dazu sollen ihm +die anderen+ behilflich sein. Die es +nicht+ tun, sind dann „unliebenswürdige Naturen“!
*
Die Lebenskunst ist, jemandem eine +entsetzliche+ Wahrheit sagen können, +ohne+ daß er beleidigt ist! Seine Waffe nämlich ist: „Ich bin beleidigt!“ Du mußt in der Lage verbleiben, ihm noch einen zweiten und dritten Schuß zu versetzen. +Beleidigt+ darf einer erst sein, bis es +mir+ paßt, nicht +ihm+!
*
„Sagen Sie mir, daß ich gut aussehe!“ „Bezahlen Sie mir dafür zehn Kronen?!“ „Ja!“ „Soviel ist es Ihnen wert?! Sie sehen miserabel aus!“
*
Es gibt, nach Gottes Plänen, nur eine Entwicklung +nach aufwärts+. Aber +ein jeder+ muß dazu extra noch ein bißchen +beitragen+, daß es doch nicht vielleicht zufällig +nach abwärts+ gehe! Auch +das+ liegt nämlich in Gottes Plänen!
*
England hat sich für Belgiens Neutralität eingesetzt, die +Deutschland+ mißachtet hat?! Hätte sich England auch für Belgiens Neutralität eingesetzt, wenn +Frankreich+ sie mißachtet hätte?! Nun also!
*
Japan läßt sich in europäische Interessensphären hineinziehen. Das heißt, es läßt sich +ausnützen+ und +anschmieren+! Wenn nur alle wüßten, daß es in keiner Sphäre des menschlichen Wirkens keine Freundschaft nicht gibt, sondern +nur+ Geschäftchen!
*
Kann man von seinem „behandelnden Arzte“ verlangen, daß er uns frage: „Hat Sie vielleicht Ihre Geliebte geärgert?!?“ Also, dann +kann+ man, +soll+ man von seinem „behandelnden Arzte“ +gar nichts+ verlangen! Er hätte nämlich als +anständiger Mensch+ hunderttausend Fragen zu stellen! Aber das wäre geradezu +unanständig+! Er fragt daher diskret: „Magen?! Darm?!“ Sexuelle Dinge fragt er schon nicht. „Sie sollten eine Zeitlang, sechs Monate, +keusch+ leben!“ Arzt, Mensch, Ochs, willst du deine „+Praxis+“ denn ganz einbüßen?!? Sei also nicht naseweis!
*
„Wenn ich dir sage, du habest ‚+semmelgelbe+‘ Haare, bist du gekränkt, Geliebte. Wenn ich dir sage ‚+weizengelbe+‘ Haare, bist du versöhnt. Wenn ich dir sage ‚sonnengelbe‘ Haare, bist du +befriedigt+!“
*
Die reichen Juden haben die Nüchternheit erfunden! „As ma Geld hat, was braucht ma Schnaps?!“
*
Zeit-+Diebinnen+: „Können Sie sich morgen vielleicht von 6-10 +für mich+ freimachen?!“
*
„Für jemanden muß man doch um Gotteswillen da sein, der einen brauchen kann!“ sagte der Mann und ließ sich von einer Wanze sein Blut wegtrinken!
*
Er sagte nicht „+Geliebte+“ zu ihr, denn das ist +kein Ehrentitel+. Er sagte: „Du +Mehrerin+ meiner Lebens+kräfte+!“
An eine herzlose Kokette: „Mit einem Wort, Fräulein, wo Sie hintreten, wächst kein Gras mehr!“
*
Schlecht sein ist gar nicht so schlecht wie +dumm+ sein!
*
Der Dumme hat eine Ausrede für sich. Daß er dumm ist. Das ist das Gefährliche. Daß man es für eine +Entschuldigung+ hält. Es ist -- -- -- eine +Anklage+!
*
„Der flämische Dichter Emile Verhaeren hat eine gewisse wenn auch entfernte Ähnlichkeit in seinem Naturempfinden wie Sie, Herr Peter!“ sagte eine schöne Dame zu mir.
„So, findet er auch, daß Spinat die +schönste+, weil die +gesundeste+ Pflanze ist?!?“
*
Wenn man immer +sich besinnen+ würde: Dr. Herbert Fr. hat mit 28 Jahren den Heldentod erlitten, kann nicht mehr En-Aala dickes Format rauchen, nicht mehr +einschlummern+ und gestärkt +erwachen+, nicht mehr Mitzi Thumb bewundern, nicht mehr froh sein seiner ökonomischen Sorgenlosigkeiten -- -- -- nun, was +wäre+ dann?! Dann würde man ihn vielleicht +noch immer+ um seinen raschen leichten Heldentod +beneiden+!
*
Eigenlob -- duftet: „Ich habe +nie+ einen Taktfehler begangen, außer, wenn ich ihn begehen +wollte+!“
*
Wenn du ein Schwein schlachten zusehen kannst, ein Reh erschießen, einen Fisch abschlagen, dann kannst du auch eine Menschenseele abschlachten!
*
Wieviel edle Rücksicht haben Frauen für ihren Papagei, der nur ewig „Lora“ schreit, und wie wenig Rücksicht für ihre Dienstboten!
*
Die +Ehre+ einer Mutter müßte es sein, ihr Töchterchen +besser+, +tiefer+ zu verstehen, als es Tolstoi, Dostojewsky, Hamsun, Altenberg +verstünden+, wenn sie sie +kennen lernten+! Aber sie verstehen sie +schlechter+, +flacher+ sogar als ein jeder ihrer konventionellen begehrlichen Liebhaber und Verehrer! Und dann beklagt sich die Mutter über „Entfremdung“! Sie, diese +Fremdeste+!
*
Mein Stubenmädchen und das reizende böhmische Küchenmädchen hatten direkt nichts mehr zu beißen. Infolgedessen kauften sie sich für das letzte Geld die Delikatesse „Wassermelone“, eine riesige dunkelgrüne Kugel, innen fleischfarbig mit schwarzen Kernen, aßen sich +toll+ und +voll+, und hatten die ganze Nacht Bauchkrämpfe. Als ich ihnen Vorwürfe machte, sagten sie: „Etwas will man doch auch um Gotteswillen von seinem Leben haben!“ Ja, +Bauchkrämpfe+!
*
Die Natur zeigt uns, daß der Spätherbst nicht minder prächtig, anziehend, romantisch ist als der Vorfrühling! Jedes hat +seine+ Prächte! Geist und Seele seien +eure+ Prächte, +Spätherbstler+!
*
Sich +altern fühlen+, heißt, daß man schon längst alt ist und vielleicht +immer+ war! „Solang mir noch mein Zigarrl schmeckt“, ist nur eine senile Stupidität. „Solang mich noch die Almwiese freut“, ist eine jugendliche Menschlichkeit!
*
Wenn der Patient doch wenigstens ganz +aufrichtig+, ganz +wahrheitsgetreu+ dem Arzte sein Leiden schildern möchte! Dann würde der Arzt +noch weniger+ verstehen als bei einer für +seine+ Auffassungskraft +adaptierten+ Schilderung seitens des Kranken! Dieser erzählt eben nur gerade so viel als er glaubt +noch+ verstanden zu werden! +Also+ gar nichts Wahres über seine eigenen Mysterien und Rätselhaftigkeiten! Ich bin nicht gegen +das+, was die Ärzte +wissen+! Ich bin nur gegen das, was sie +nicht+ wissen! Ich bin gegen +das+, was sie zu wissen +glauben+! +Skeptizismus+ über sein Wissen ist: Entwicklungs-+Möglichkeit+ zu Neuem, Besserem! Also fast schon +Religion+! +Ad astra!+
*
Wes Brot ich esse, des Lied ich singe!
Das sagen auch so viele +dadurch allein+ anständig gebliebene Frauen.
Aber ist das wirklich etwas so Heroisches?!
Viel heroischer wäre vielleicht: Wes Brot ich esse, des Lied singe ich noch lange nicht!
*
Alle Menschen machen sich etwas vor, das heißt sie machen es natürlich +nicht+, aber sie +hoffen+ es, ohne ernstlich davon überzeugt zu sein. Außer die ganz Stupiden! Nur dem Dichter können sie nichts vormachen, daher +verehren+ sie ihn, weil sie nicht den +Mut+ haben, ihn zu +hassen+, as er doch a +Dichter+ is! Aber +gern+ haben sie +den+ nicht, der weiß, +was+ für ein Klumpert sie sind!
*
Etwas Schreckliches +aus Haß+ zu sagen, +das+ verstehe ich. Aber etwas +aus Hetz+ zu sagen, damit sich einer „+giftet+“, +das+ verstehe ich +nicht+. Worte seien +Geschosse+ in einem +ernsten+ Wortgefechte!
*
Ein jeder hat sein „+Packerl+“ hienieden zu tragen. Am schwersten der +Diskrete+, der niemand davon erzählt. Der andere gibt wenigstens einen Teil der Last ab, an den Tragesel, den er mit seinen Erzählungen +belästigt+!
*
Wenn man denkt, welche +Männer nicht+ erhört werden, und welche +Skier-Matadore+ erhört werden, dann -- -- -- weiß man +alles+!
*
Kannst du eine Frau zärtlich liebhaben im Momente, da sie gähnt oder das Gähnen mit Anstrengung zu unterdrücken sucht?! Siehe, solcher Augenblicke gibt es aber Hunderttausende!
„Weshalb sind Sie so streng mit uns, Herr Peter?!“
„Seid ihr nicht +noch strenger+ mit uns, die wir doch nicht +anmutig+ zu sein haben!?“
*
Die Roheit der Menschen zeigt sich nicht erst im Krieg, sondern bereits im privaten friedlichen Verkehre!
*
Der +Hochstand+ der Chirurgie beweist +nur+ den +Tiefstand+ der „+internen+ Medizin“! Statt zehn Jahre +vorher+ den Krebs zu diagnostizieren und zu +heilen+, +operiert+ man den bereits +unheilbar+ gewordenen zehn Jahre +später+!
*
+La danseuse.+
Tu as deux chances -- -- -- ta +danse+ et ton +lit+!
La danse est éternelle, et le corps +flétrit+!
*
+Briefwechsel.+
„Venez demain avec moi au théâtre. Et puis, nous verrons!
Sophie.“
„+Non+, je ne viendrai pas. La manière dont vous avez donné la main à monsieur B. de G., m’a fait +subitement+ écrouler +toutes mes tendresses+, comme Messine sous la cendre fatale!
P. A.“
*
Ein junges Mädchen, das in meinem Zimmerchen an der Wand einen gelben getrockneten Dornrochen hängen sah, sagte: „Er sieht aus wie ein kleiner Teufel! Aber die wirklichen Teufel sind die, denen man es gar nicht ansieht!“
*
„Weshalb haben Sie diesen schrecklichen Fisch über Ihrem Bette hängen, diesen Dornrochen?! Gefällt er Ihnen vielleicht?!“
„+Märchenwunderwelt+ des Meeres! Aber das verstehen Sie nicht, mademoiselle!“
„O doch! Ein anderes Wort für ‚Exzentrizität‘!“
„Jawohl, ein +anderes+ Wort!“
*
„Herr Peter, Ihre kleinen Sachen -- -- --.“
„Sie meinen wohl meine +kurzen+ Sachen -- -- --.“
„Also gut, Ihre +kurzen+ Sachen, aber weshalb so kleinlich und empfindlich sein?! Ich wollte ja sagen: gefallen mir sehr gut!“
„Ja, wollten Sie mir denn vielleicht sogar mitteilen, daß Ihnen meine +kleinen+ Sachen auch noch +mißfallen+?!“
*