Faust: Ein Gedicht

Part 8

Chapter 82,819 wordsPublic domain

Faust wandelt auf und ab im Corridor: In prachtvoll mondeslichter Abendstunde: Des Nordmeers Stimme schlägt zu seinem Ohr Und still und zärtlich seufzt’s aus seinem Munde, Sein Blick ist friedlich, seine Stirne rein, Das Haar geregelt, neu sein Mäntelein; Die blankste Feder wallt vom sammtbarette, Und um das Wamms hangt eine goldne Kette. Die felsumgränzte helle Meeresbay Strahlt ihm in wunderhellem Wiederscheine Das Trümmerschloß erhöht so keck und frei, Auf starrer Felsen schwarz bemoostem Steine. Und wie der volle Mond dann höher wallt, Und statt der zarten goldnen Lichtgestalt, Die in dem Meeresgrund sich sanft gewiegt, Der wüste Schatten trübe niederkriecht! Faust schauert in der Einsamkeit Da hoch und höher sich sein Busen hebet. Er hört ihr Klingen das ihn oft erfreut Dies ernste Säuseln, wies sein Ohr umbebet. Was tönet dieser Laut der trüben Nacht, Dies Fächeln wie von vielen, vielen Zweigen, O unbegriffen und unausgedacht, Dies schwirre Plaudern in dem tiefsten Schweigen. Es ist kein stürmisch Herze das so schlägt Nicht Meer nicht Baum vom Nachtwind aufgeregt. Es ist kein Lispeln einer scheuen Lippe, Kein schrecklich Zittern wachender Gerippe. Allein den Geist versetzt dies dunkle Schwirren, In eben solche räthselhafte Wirren Und es versenkt in bängliche Gefühle, Gleich wie der Wellen und der Zweige Spiele. Da winkt’s ihm durch der Scheiben rundes Glas, Mephisto steht auf einem spitzen Stein Der dürre Wicht so häßlich und so graß Und murmelt heiser: “jetzo geh’ hinein!” Faust sieht der zween Finger dürre Knochen Die ihm so altverständig lüstern winken: Er fühlet bänglich seinen Busen pochen, Und seine Keckheit scheint ihm zu entsinken. Doch schreitet er mit Fassung Sitt’ und Ziere Gesetzten Schrittes auf die nächste Thüre. Drin sitzt am rauhen Tische von Basalt, Bei dumpfen Lämplein eine Weibsgestalt Ein bleiches Wesen, hager, knochendürr So still und starr, als hätt’ es keine Seele, Das blonde Haar zerrupft und schrecklich wirr, Das blöde Aug’ in tiefer, finstrer Höhle. Die Wang’ ist dürr und blässer als der Tod, Die blut’ge Lippe färbt den Busen roth. Und wie sie in das trübe Flämmchen schauet, Und an den trocknen Spindelfingern kauet, Murrt sie in kläglich jammervollem Laut Schwer aus dem tiefsten Busen: “Braut!” Dann küßt sie heftig die verdorrte Hand, Und zuckt es in der Leuchte trübem Brand, Vor ihrem Hauch, dann schreckt sie wild zusammen, Und wirft sich wüthend auf den kalten Boden, Flucht grasse Flüche, die der Höll’ entstammen, Und reißt und fetzt vom Leib’ die schwarzen Loden. Und als verlosch das Lämpelein Traf sie wie Blitz der Vollmondschein. Da tobt sie noch unmenschlicher, und wilder, Was sah in diesem Licht ihr Geist für Bilder Die noch vor Menschenauge nicht geschwebt, Bis sie erstarrt zur grausen Leich entstellt, Ganz wie man auf dem Kirchhof sie begräbt, Ein schrecklich Unding auf den Boden fällt. Faust sah mit starrem Blick das wilde Spiel. Es fesselt ihn, einschläfernd sein Gefühl, Und sein Besinnen, doch wie er erwacht, Erfaßt’s ihn selber mit des Wahnsinns Macht, Er stürzt hinaus als Hertha eben, Der arme, bleiche, nackte Wurm, Gepeitscht von ihres Wahnes Sturm Emporstieg an des Fensters Eisenstäben. Hin zu Mephisto, der an weicher Düne sitzt Und seinen Kopf im Arme schläfrig stützt. “Verfluchtes Thier, ruft er zum Feinde Gottes Was machst Du mich zum Spielwerk deines Spottes? Was machst Du mich zu dem wahnsinn’gen Kinde Verheitzend mir des Himmels Seeligkeit Da ich ein arm, unglücklich Scheusal finde Zerknickt Gott weiß! von welchem Herzeleid! “Ihr hattet ich so baar und kahl gemacht, Ich war so todtenmatt und dumpf befangen! Du Teufel hast Dir’s wieder angefacht Das dir gehorchet dieses Gluthverlangen. Was ließt du’s nicht als eine Leiche, Wie es in meinem Busen lag begraben, Nun wars nicht klug, da ich die Hand dir reiche Also mich jetzt zum Narrn zu haben! Einen kurzen Sonnenblick von Illusion, Ein Blumenbett an dem Abgrunde, Wohl noch einmal verdient ich schon, Von Dir dem widerspenst’gen Hunde!” Wie so er sprach, steigt an dem Eisenstab Die arme bleiche Hertha auf und ab. Sie regt sich sacht’ als ob im süßen Traume Sie schweb’ am Zweig vom Lebensbaume, Daran die schönsten Früchte lächeln, Deß’ Blätter seelig sie umfacheln. Wem der Gedank’ in stillem Kreis sich regt, Wem Tag auf Tag gleichsinnig sich bewegt Von keinem Leid und Gram gerührt, Von keinen Wonnen exaltirt Der ahnet nichts von solchen unermess’nen Abgründen, in dem felsenfesten Herzen: In welche die zerrung’nen und zerfreßnen, Gefühle, schneidend wilde, bange Schmerzen, Herniederzieh’n in ihre Todtenhöhle Das Ich, den heil’gen Götterhauch der Seele. Ein dumpfes Echo nur darf noch erklingen Im Grunde liegt es mit gebrochnen Schwingen. — Mephisto der sich kurz besinnt, Zu dem erzürnten Doktor so beginnt: “Thu mir’s zur Liebe, sei nicht böse! Von solchen Kleinigkeiten kein Getöse. Es thut mir leid ich habe Dich gequält! Mich trifft nicht Schuld, wenn das Gedächtniß fehlt. Ich irrte mich blos um ein halbes Jahr Da war beim Teufel Alles wahr, Was gestern ich Dir an der Magd gelobt, Die dorten so gar unverständig tobt! Der Satan hol’s, vergaß ich’s eben Zween Prinzen hatt’ ich sie zum Bräutlein schon gegeben. Dem Prinz von Wales, und dem von Turindur, Zween Herrn wie sie zu wünschen nur! Doch bis nur still — schau nicht so kummervoll Wir finden wohl noch eine die nicht toll! Ein holdes Täubchen soll Dir nicht entgehn. Ich weiß schon was, — — doch laß mich’s noch bedenken, Und sollt ein Fürstenkind zum Teufel gehn, Glück auf! Dir Faust und Deinen Liebesschwänken!”

Die alten Zecher

Wie sie vorübergehn am Meeresschlosse, Schaun sie ins Fenster in dem Erdgeschosse. Es ist erhellt, vom gothischen Oval Liegt schwanken Lichts der helle Wiederstrahl, Auf schönen, langgestreckten Wellen, Die brüllend an dem Felsenrand zerschellen. Von drinnen braust ein gleich gewaltig Lärmen, Als wie von Zechern, die beim Glase schwärmen Ihr Singsang tobt so brüllend laut Als wie die tolle Sturmesbraut, Wie Wellen wild entsetzlich klingt, Wenn in den Händen ein Pokal zerspringt. Die übernächt’gen, wüsten Schlemmer waren Drei dürre Greise mit schneeweißen Haaren! Sie füll’n das Glas aus hohem schwarzem Krug, Und zechen frisch und wacker Zug um Zug. Die Stirne schwillt, das Auge glüht und stieret. Und bubenhaft die Zung extravagiret. Der Teufel spricht: hörst du, so hab’ ichs gern Das sind Gesellen von meinem Schlag und Kern, Die so versaufen ihren Herzensgram, Die bittre Reu’ die tiefgefühlte Schaam. Solchen allein kann ich’s nach Wunsche machen, Sie würden mich verhöhnen und verlachen, Wenn ich sie nicht nach bester Möglichkeit Bedacht mit Sorg’ und schwerem Herzeleid! Für sie ist das nur Anlaß zur Erquickung, Bei eines Bechers toll erschall’ndem Lärm, “O Himmel! Himmel! welche finstre Schickung! Schrein sie: o Trost! gießt Wein mir ins Gedärm! Was thäten sie die lange, lange Zeit, Hetzt’ ich sie nicht zu Luft und Heiterkeit. Die Welt wünscht drum sie noch nicht zu den Teufeln. Sie thun: so heißt’s damit sie nicht verzweifeln. Sich, jene schmale, trockene Gestalt, Die an die graue Säule sich gesetzt! Horch, wie die schwere Zunge säuisch lallt, Schau, wie er sich am süßen Safte letzt! Sieh die verdorrte, gelbe Runzelwange! Sein Schloß lag rechts dort an dem Felsenhange, Es ist verbrannt und liegt in Asch’ und Staub, Sein Sohn durchschweist Gebirg’ und Moer auf Raub! Sein Weib ist Kupplerin, die Tochter Hur’! Bewunderst du die himmlische Natur? Und jener mit dem ausgezackten Bart, Der in das Glas mit stierer Wonne starrt: Dem auf der Stirn der Ader fast zerspringt. Und dessen Lippe tolle Rede klingt: Dem ward unlängst bei Hof das Schwerdt zerbrochen, Der Herzog hat kein Wort mit ihm gesprochen. Auf ewig ist befleckt sein alter Adel Vom alten Gothen stammend ohne Tadel!” Mephisto schweigt: er hat sich fast erhitzt Und sondern Glanz sein fahles Auge blitzt. Faust, der ihn gar gespannt gehört, Mit solchem Wort sich wieder zu ihm kehrt: “Nicht hast du mir erzählet von dem dritten Der zwischen beiden sitzet in der Mitten?” “Der, sagt Mephisto, mit der strupp’gen Stirn, Der sich die Hand zerschlug am scharfen Splitter, Der kleine Kerl ist Vater von der Dirn’ Die dorten balancirt am Eisengitter, Wie ist das Thier von ganzer Seel’ vergnügt, Da ihn die Wuth des Rausches toll durchfliegt. Was schaust du mich so gar verzweifelt an? Ich geh hinein zu dem charmanten Mann! Du willst nicht mit! So bleib’ indeß hier draußen, Du hörst so gern das Sturm: und Wellenbrausen. Und find’st die Nacht am Meer so intressant, So warte hier ein wenig an dem Strand. Beschau des Mondes tief ergreifend Sinken Ich gehe blos hinein, um mal zu trinken. Sie leeren da ein Gläslein alt und gut, Und die Gesellschaft hat mein muntres Blut!” Er schlüpft sturmrasch durchs dunkele Portal, Unmenschlich wilder Lärm erdröhnt im Saal: “Auf du und du, auf ewiglich der deine!” Das leere Glas zerklirrt am Säulensteine. Gewalt’ger braus’t die Nacht, die Fluth, Der Mond versinkt in voller blut’ger Gluth, Faust nässt die Stirn in dunk’ler Welle Da ihm vor Aug’ und Sinne nicht gar helle.

Paraklet

Die Nacht ruht auf dem Tannenwald, Und schauerlich Gewölke wallt Wie flügellahme Raben todtenmatt, Dem Monde nach, der sich erhoben hat. Die schwarze Brut schleicht traurig, müd’ und schwer Ein unabsehbar langes, düstres Heer: Als müßten sie mit blutigem Gefieder, Von Zweig zu Zweige hüpfend sinken nieder: Und Faustus liegt das Haupt in seiner Hand, An eines tiefen Waldsees moos’gem Rand: In dessen Wog’ die volle Mondesgluth Entzückend schönen Schimmers ruht: In dessen Wog’ der finstre Tannenbaum Den Schatten wirft in seinem wanken Traum. — — Und er erglüht in seinen Phantasien, Die ihm allmächtig durch den Busen fliehen, Der lindste Laut der geistervollen Nacht Gedanken in der regen Seele facht. — “Ich seh’ dich Schwermuth! ruft er ganz entzückt: Ans Herz der wunderschönen Nacht gedrückt. O himmlisch seid ihr liebliche Geschwister Die ihr bei dieser Bäum’ Geflüster In dieses See’s tiefdunkler Fluth Im Wiederglanz des Mondes schlummernd ruht. Von mir laßt Schläferinnen euch begrüßen, Laßt diesen Anblick meine Seel’ genießen: Ich sprach zu Euch so oft als nie, Ein Mensch in seiner Leiden Phantasie!” Die Woge wallt, die Tanne flüstert, Der Mond bald hell und bald verdüstert, Das wirre Spiel der Schattenschaar, So zahllos wie die Sterne war. — — Wie kein verfinsternd Wolkenbild, Den blendend glimmen Mond verhüllt, Der als ein sinnverwirr’nder Zauberspiegel Hoch fluthet über Waldesgrund und Hügel, Als stumm die dürre Tanne steht Im starren See die Well’ nicht geht, Gleich war die Nacht so schweigend, so entbrannt, Auf immerdar und ewig festgebannt: Der hohe Mond so ewig klar, Ohn’ Regung und unwandelbar: “Nein, ruft er in den dunkeln, stummen See, Zu sanft schaut ihr für meinen kranken Busen, Für meines Herzens tief empfunden Weh, O Nacht! o Schwermuth! glichet ihr Medusen, Die mich erstarr’nd zu kaltem, wüsten Stein Vertrockneten die Adern im Gebein: Nicht wie ihr dorten so beseeligt ruht, In dieses Himmels nächt’ger Wiedergluth, Das schwarze Haar so schwesterlich verschlungen, Von euren Armen liebevoll umdrungen, Zartinnig Lipp’ an Lippe festgesaugt, Vom Athemzug die Stirne mild umhaucht, Nein! stürzt von Felsen blutig nieder, Verwachs’nes Zwillingspaar, das hassend ringt, Und seinen Arm so glatt als Schlang und Hyder Erstickend um der Schwester Nacken schlingt! Ich trag’ euch nicht in dieser Engelsmilde, Erscheinet mir in einem finstern Bilde!” Und er springt auf, und in dem Mondesschein, Dringt in den Wald noch tiefer er hinein Durch wilden Busch, durch dorniges Geheg’, Bahnt ohne Rast er seinen finstern Weg. Sein Sinn verwildert und sein Haar wird wirre In dieser unermess’nen Waldesirre. Und wie er nun so lange fortgestürmt, Da Abends sich die rothe Wolke thürmt, Gelangt er an des Schauerwaldes Rand, In ein geöffnet wunderschönes Land: Ein Kloster steht auf milder Au, Ein Haus, zernagt vom Altersgrau: Am Wald ringsum nicht mehr die finstern Bäume, Die bebenden der dumpfsten Schwermuth Träume, Die in dem Sturm so herzerstickend wehn, In Windesstill’ so todtenschweigend stehn. Ein junger Wald von Weiden, Sycomoren, Umsäuselt sanft des Klosters Bau: Wie betend zu dem Herren, und der Frau Der Allbarmherzigen, die ihn geboren. — Wie neigen sie in stiller Andacht Feier, Des Gipfels Laub, als wär’s ein schwarzer Schleier, Wie sind sie von der Abendgluth umwallt, Als trüge Kerzen eine Bußgestalt: So steht der junge, milde Baum, Am wüsten, öden Waldessaum. Und dieses Kloster in der Abendsonne Erschimmerte wie in extat’scher Wonne: Es gleicht so weiß, und engelgleich Der Märtyrin, die welk und bleich Erblickt das grasse Opferfeuer, Entflammt vom Heidenungeheuer. Schon walln die Flammen immer gelber, “Bist du die Tochter Christi, hilf dir selber!” Und wie die Sonne, tiefer, dunkler Gluth Schon auf des fernsten Berges Gipfel ruht, Da ist sie wie der hehre Hochaltar, Umstellt von einer flamm’nden Rosenschaar: Hier spricht man heilig diese Märtyrin, Der bittern Leiden milde Dulderin: In Mondslicht, das drüben sich erhebt So weiß und bleich ihr Geist vorüberschwebt. — Im Garten unter einer schlanken Weide Da saß ein Abt, im ersten, schwarzen Kleide. Ein wundermilder, hoher, greiser Mann, Der über einem alten Buche sann. — Faust war ergriffen, diese stille Milde Des schönen Greisen freut ihn. Nicht so las er, wenn er zum Steingebilde, Dem Götzen Flamm’n im Busen glühn, Bei seinem Buch erstarrend sich vergaß, Daß er wie Hyacinthus an der Quelle, Sein eigen Bild anstierend in der Welle Der Geisterfluth als eine Leiche saß. Gebietend den Gedanken, den Gestalten, Ein Engel Gottes schwebt der Geist des Alten. Die Mönche sang’n ein sanftes heiliges Lied, Den süßen Gruß: o salve Paraclete! Verglommen ist die Abendröthe In ferner Bäume dunkelem Gebiet. — ——— O salve sancte Paraclete O lux beata trinitas, Miraculosa unitas! Vos dulces angeli salvete! Et o viri mysteriosi, Qui conspexistis gloriosi, Aeternum et sanctissimum In facie nostrum dominum. Lux ecce cadit aurea, Portamus lilia nitida! Cantamus dulcia cantica, Dum surgit nox mirifica! Plasmator! des, ut resistamus Malefico, et ut vincamus In tuam ipsam gloriam! Plasmator misericordiam! O salve sancte Paraclete! O lux beata trinitas, Miraculosa unitas! Vos dulces angeli salvete! ——— An diesem Abend zu der schönen Stunde Stehn Faustus und Mephisto hier beisammen, Und solch Gespräch ertönt aus ihrem Munde, Da dunkle Wolken um das Mondbild schwammen, Da in dem Schein des Klosters Fenster glühten, Als wären’s Blätter eines Buchs voll Mythen, Das für die Nacht in ernster Andacht Trieben Mit goldner Schrift der fromme Mond geschrieben. So redet Faust, sein Auge glüht begeistert, Und süße Wehmuth hat sich sein bemeistert. “O sage mir, hast du ihn je gesehn? Ihn, weicher jetzt mit seines Geistes Wehn, Als hört ich nie die Hölle und ihr Lied, Allmächtig, unabwendbar mich umflieht! — Die Wehmuth ist es, die mich so errettet, Und mich an ihn auf Augenblicke kettet! — Wie sahst du ihn, als welch elender Wurm, Verkrochst du dich vor seiner Stimme Sturm, In banger Dumpfheit, sie nicht zu verstehn? In welches Thal versenget und entblättert Verbargst du dich, von seinem Blick zerschmettert? Mephisto Wie schwatzest du gleich einem irren Pater So wenig als wie du sah ich des Weltalls Vater, Und wie bei euch auf der verdrehten Welt, Ist es damit im Höllenreich bestellt! Es geht von ihm, auch solche frost’ge Sag, Doch fragen gar zu wenig wir danach, Und ohne Macht ist der verschollne Klang, Der ausgesungne, echolose Sang. Faust Du sahst ihn nie! nie hat er seine Hand, Zerknickend dir um deinen Hals geschlungen, Sein Fuß trat nie dich in des Kraters Sand! Am Abgrund hat er nie mit dir gerungen? Mephisto Ich krieche kecklich durch die Erd’ und Hölle, Und hab’ mich nie an ihn gekehrt, So wenig als an eine Kirchenschwelle, Und niemals hat er meiner auch begehrt. Die alte gute Mutter Natur, Ich brauche sie gar oft als meine Hur’, Das wirst du wohl an ihren Gaben, Ohn’ sondre Müh’ empfunden haben. — Er sprach’s und schwieg, darauf hub er wieder an: “Doch eins drängts mich dir noch zu sagen Von dem, was ich dir offenbaren kann, Der Rolle, die mir übertragen, Des ganzen Spiels bin ich oft herzlich müde, Und sehn’ mit Schmerzen mich nach Tod und Friede! Schwer ists verdammt, stets Humorist zu sein! Voll Tück und List und lust’gen Teufelei’n. Auch wird der Weinkrug einem leer zuweilen, Dann möcht’ ich gar wie alle schrein und heulen! — — Hätt ich die Macht, als der, der es erschuf, Hätt’ seines Armes Kraft mein Pferdehuf, Mich trieb es nicht blos zu zernagen, Als blöder Wurm, nein zu zerschlagen Die schlechte Welt mit einem Mal, Und zu vernichten Luft wie Qual. Jed’ Leben, jed’ Bewußtsein zu zerstören, Zuletzt Ihn und mich selbst wär mein Begehren! — So gut wie ihr hab ich oft meine Stunden, Wo ich die ganze Leerheit schwer empfunden! Was ist das nun sich mit ‘nem armen Herrn, Von Doktor, als wie Ihr, herumzuzerrn! Ich ließ euch gern in Gottes Namen gehn, Es ist mir Pflicht! mir Drang! ich kann nicht widerstehn! O sei verflucht! erbärmlich Hundeleben! Ich kann nicht mal wie ihr, dem Teufel mich ergeben! — Nennt mich ‘nen Hurensohn nennt mich ‘nen schlechten Affen, Ich sei nun, wer ich will, ich habe nicht geschaffen! Doch still, damit ich nicht aus dem Charakter falle! Und vorwärts, frisch in meiner Rolle! Eins nach dem andern, so erliegen Alle! Ist diesmal doch ein Faustus die Parole!”

Das Elixir des Mönches