Part 3
Faust O sieh Mephisto, sieh dort wandelt sie, Lucretia Frangimani, Und traurig ist sie: Wesen hochgeliebt Sag’ mir; wer hat so tödtlich dich betrübt? Vor jedem Heil’gen kniet sie betend nieder, Und lispelt reuig die latein’schen Lieder. Lucretia! höre! Dein Geliebter sieht, Wie du dich Gott zu sühnen bist bemüht! Jetzt nimmt die trauernde das heilige Mahl! Den langen Schatten, der sich zu mir stahl, Möcht’ ich an meinen heißen Busen legen, Gleicht er auch einem häßlichen Phantom, Verzerrt und schwarz; erhörte milder Seegen Das fromme Kind im düstern Klosterdom! Mephisto Du phantasirst. Doch ich als echter Teufel Ich hasse diese Magd mit ihrem Zweifel. — Was hat sie dir gar Großes denn gewährt, Daß sie also nach reu’ger Sühne lechzet, Die eklen feuchten Keller spät durchstört So jämmerlich geberdet sich, und krächzet? Faust Schweig höhn’scher Spötter! Diese Büßerin Ist schön! Mir rauscht es wild durch Herz und Sinn! O ich bereu! — mich faßt ein fiebernd Sehnen Nach ihren reinen göttergleichen Thränen! O eine jed’ ist ein Strom der Himmelsgnade Näßt ich doch meine Lippen in dem Bade! Lucretia, ich habe dich gekränkt, mein Leben, Mein ist die Schuld! dir ist schon lang’ vergeben! Mephisto Du armer Schwärmer! — sie gleicht einem Kind, Das wurd’s nur ein klein wenig kastigirt, Erbärmlich schreit und heult und toll und blind Unsinnig jämmerlichen Lärm vollführet. Dann spricht der Vater: hör! du ringst danach, Ich geb dir was zu weinen Schlag auf Schlag! Um das, was du ihr thatst, solche Lamente Ein Kuß ein Blick; sie braucht wohl noch die Sakramente. Faust Weh! Weh! Jetzt langt sie das Flagell hervor, Nein, dies ertrag ich nicht! Mephisto So geh’ zu ihr Dort hinten an dem kleinen Gitter Chor Steht halb geöffnet der Sakristei Thür. — Mephisto sagt’s; Faust folgt dem guten Rath, Eilt in den Dom, kniet vor Lukretien nieder, Und spricht: vergieb, daß ich so zu Dir trat, Doch nimmer treff die Geißel deine Glieder! Lucretia Ich soll nicht sühnen, was ich schwer gefehlt, Mir hast du’s bös im Sinn, in stiller Stunde Stört weltlich mich das Wort aus deinem Munde! Laß mich, bis ich zur Tugend mich gestählt, Und rein mich ring in meiner Schwestern Bunde, Die sich mit mir dem Himmelsfürst vermählt. — Faust Hier öffne meiner Adern glüh’nde Rinnen, Laß mich zu Tode bluten: dich verschone Dir, Dir gebührt die Himmelskrone! Und dich zu geißeln — schreckliches Beginnen! Hier meine Hand und hier mein bloßer Arm! Hier lösche sich dein wilder, heißer Harm! — — So redet dieser, und noch immer sieht Mephistos häßlich Antlitz durch die Scheiben Er höhnt und lacht, wie sich das ziert und zieht, Und trotz dem allerliebsten, närrschen Sträuben Spielt in dem Aug’ der roth: Wiederglanz Der Luft, die in des Herzens Gründen sprüht! Hier meine Hand — hier mein entblößter Arm — Ja! hättst du nicht ein Herzchen roth und warm! Er sagt’s und reibet sich die gelben Hände, Ich kenn’ den Anfang und ich kenn’ das Ende. — Die bleiche Büßerin hält Faustens Hand, “Nein geh!” spricht sie und lasse mich alleine Ich liebte dich und hab’ es dir bekannt. Doch jetzt — doch jetzt, bin ich nur noch die Seine! Faust Ich geh’, gehorch dir: doch dies eine Mußt du gewähren, heil’ge, himmlisch reine! Gieb mir das Lämpchen dort: und laß mich gehn, Und jene Laub’ im Klostergarten sehn, In der ich dich erblickte und dich liebte, Und dir die ernste Himmelsandacht trübte! Ich seh den stillen, wundersüßen Ort, Häng’ drin das Lämpchen an, und schleich mich fort. Lucretia Dein frommes, kindlich reines Resigniren Hat mich gar tief gerührt, nein laß mich mit Dir gehen, Ich will dich zu der stillen Laube führen, In der du mich zum ersten Mal gesehn. Ich fühl mich stark! was kann mir dann geschehn? Sie langt das Lämpchen von der Säulenblende, Nimmt Faustum an die Hand; in ernster Majestät Durchwandelt sie die Gänge die ohn’ Ende, Und in einander wunderlich gedreht. Wie war sie schön im dunklen Kleid der Nonne: So bleich: doch diese klare Blässe glich, Des Todten nicht, und auch nicht der Madonna, Der Schmerzensmutter, als der Sohn verblichen Nicht Marmors Blaß: es war erblaßte Gluth, Zu streng gefacht vom rothen Herzens-Flügel. Und ihrer Augen aufgeregte Fluth, Durchflimmerte ein Wolkenheer ohn’ Zügel, Der wilde Zug der wogenden Gedanken. Der Schwärmer Faustus schreitet still daher; In der Ergebung fromm bescheidnen Schranken Nun dreht die Thür sich auf der Angel schwer. — Bald decket sie der Laube dunkles Dach. Aus des Jasmines schwanenweißer Blüthe Strömt dumpfig süßer Hauch in das Gemach. Erbauet war die lieblich stille Hütte, Aus dieser Blume, die im Ost gezeuget Im weichen Orient, und seltner Bau! Von ihr umranket, ernst und düster steiget Die trauernde Cypress’ ins nächt’ge Grau. An einen Zweig hängt sie die düstre Leuchte: So traulich schwebt am finstern Grün ihr Schein! Sie schweigen, matter Zug des Nachtwinds scheuchte Die Blätter, Faust fährt auf: “hier warst Du mein! Ich danke dir, ich habe sie gesehen, Die Laube meiner selig stillen Träume. Leb’ wohl! ich geh! jetzt will und muß ich gehn, Lebt wohl, ihr heil’gen vielgeliebten Bäume! — Ich fliehe: sinkt der Tag in deiner Zelle, Gedenk in dämmerlicher Einsamkeit Des düstern Freund’s: er irrt auf finstrer Welle Des öden Schicksals: unbegrenztes Leid Verschleiert seiner Phantasie Gestalten: Du lebe fort in deinem keuschen Walten! Bet’ nie für mich: Bet’ nie für mich; es schreit, Und krächzt ein Höhner das Gebet für mich. Leb’ wohl! Leb wohl! ich denk gar oft an Dich. Lucretia deckt die Augen mit der Hand, Von ihren Fingern fließen heiße Zähren. Faust wollte gehn; schon hat er sich gewandt: Sie sagt nicht: bleib! möcht doch zu gehn ihm wehren. “Nicht Lebewohl! Ich hab’ dich so geliebt. Ohn’ Lebewohl soll ich verlassner scheiden! Lucretie! Was hab’ ich denn verübt? — Sie schweigt in übermäßgem, stummen Leiden Seufzt tief; Faust greift nach ihren Händen. Sie spricht nicht, wankt nicht; als mit wilden Küssen Er sie bedeckt in flammendem Genießen. Sie ächzt, und ihre Thränen woll’n nicht enden, Doch spricht sie nicht; sie weint: und wanket nicht, Tritt nicht zurück, und eilt zum Kloster nicht. Als er sie wie unbändig an sich ziehet, Weint sie: Doch tritt sie nicht zurück und schweigt, — Als Kuß auf Kuß auf ihre Lippen glühet, Weint sie, doch wankt sie nicht; flieht nicht und schweigt. Plötzlich vergeht am Zweig die kleine Leuchte, Gelöscht mit einem pfeifend scharfen Hauch; Kein Fünkchen mehr, daß es gebrannt, bezeugte; Auf einmal todt, und schwarz ohn’ Dampf und Rauch. Die Zweige schütteln duftig schaudernd sich; Indeß am Tannen-Busch einfältiglich Die Arm’ auf seiner dürren Brust verschränket Geht still vergnügt Mephisto ein und aus, Lächelt behaglich für sich hin und denket: Er ist der Herrgott bei dem Apfelschmauß. ——— Faust und Mephisto auf einer Hochebene. Morgendämmerung. Mephisto Siehst du, ich habs gesagt! Sie ringt danach, Nun hat sie was zu weinen Schlag auf Schlag! Faust O nicht doch! wiß! mir ist es eine Schmach Und ärgert mich und dauert mich herzinnig: Dar arme Kind so schön, so zart, so sinnig! O wo mag jetzo sie alleinsam weilen Und beten, jammern und verzweifelt heulen. Mephisto! hör! Ich fürcht’ es gar zu sehr: Das überlebt sie nun und nimmermehr. Noch tönt der grasse Schrei zu meinen Ohren, Als sie zu spät sich meinem Arm entwand: Weh’ mir! ich bin auf immerdar verloren, Es bleibt nur Tod, so sagt sie und verschwand. — Mephisto Es kömmt anders als du denkst — doch weißt du wohl Bei Wasser ist leicht zu verzagen: So nun, daß dich kein Vorwurf treffen soll, Rath ich dir diesen Krug ihr hinzutragen. Der Wein ist schön, und es wird mir gar schwer Daß ich ihn geb’! alt ist er wie das Feuer Und stammt mit jenem von der Schöpfung her: Doch weißt du ja: Du bist mir gar zu theuer! Ein Trunk: sie ist gerettet, ist befreit: Das Blut mit lohem Flügel durch die Ader Gehetzt, erfrischt der Seel’ Lebendigkeit, Von Nerv’ zu Hirn mit üpp’ger Kraft; der Hader Verdampft: und reuemüthige Moral Setzt nimmermehr auf’s warme Herz den Stahl. Faust Ich bring’s ihr gern: wie komm ich jetzt hinein? Mephisto An ihrem Fenster baumelt eine Leiter: Sie harrt auf dich, und hält sich ganz allein; Doch sei auch du zum Morgengruße heiter, Und schau nicht gar so kummervoll darein Nun geh! sei klug und laß dich Niemand sehn, Sonst ist es um das arme Ding geschehn.
Faust geht und nimmt den Krug im Arm in Acht, Rings um ihn liegt noch tiefe Dämmernacht. Jetzt steigt empor aus düstrem Nebelgrunde Bleich und gigantisch, seltsam anzuschaun, Der Klosterbau, die leuchtende Rotunde. Laut tönt sein Schritt durch’s nächt’ge Graun. Im nahen Garten rauscht belebter Zug Des Dämmerwindes — sonst ist tiefe Stille. Schwarz sind die Fenster all’, und keinen Flug Von Schatten bringt die Nacht: denn düstre Hülle Umflatterte des Himmels Lichtgestalten. Hier hängt das Seil: Faust stieget keck hinan, Sein Fuß ist sicher und die Schnüre halten. Jetzt langt er dem Fenster oben an. Es ist geöffnet, doch kein Licht erhellt Den dunklen Raum: Faust ruft Lucretia! Lucretia um Alles in der Welt Erwach! dein armer Freund ist wieder da, Lucretia schweigt, als wenn sie ruhig schliefe. Faust bebet vor dem hohl erklungnen Laut Des eignen Rufs, und vor der dumpfen Tiefe Der bodenlosen Nacht ihm schrecklich graut. Da seufzt’ es vor ihm: schrecklich seufzt es da, Wie fährt er auf, als stäch ihn eine Natter Tief in sein Herz; vernichtend seufzt es da, Noch einmal und noch einmal todtenmatter; Ihm schweigt der Puls, und eh’ er sichs versah, Ist ihm der schwere Krug hinabgeschossen, Zerspringt am Stein, und eine Flamme schnellt Sich gelb empor: ersteigt die schwanken Sprossen Der Leiter und die Zelle wird erhellt. Er sieht Lucretian auf den nackten Dielen Dicht an dem Fenster, rothe Tropfen stocken Am Busentuch, die weißen Hände wühlen Unmerklich noch in ihren braunen Locken. Es nagt blitzschnell die Flamm von Sproß zu Sprosse Und leckt an seinen Sohlen, er erbebt, Ruft Hülfe, daß es klingt durch die Geschosse Des stummen Hauses, Glockenruf belebt Die öde Nacht herab vom Wächterthurm. Bald läuten näh und ferne Glocken Sturm. Faust sieht ringsum — er fühlt sich ohn’ Besinnen — Halbnacktes Volk, mit klagender Gebehrde, — Gewalt’ge Ströme Wassers rinnen Aus Haar und Bart ihm und er fällt zur Erde. ——— In eines Kerkers dumpfigen Gemäuer, Liegt einsam Faust in stiller Mondesnacht; Er sieht verstört und blaß, ein Ungeheuer Von Traum umschwebt ihn, und er weint und lacht. — Im Hof vollendet sich ein großer Bau, Ein dürrer Scheiterhaufen ist errichtet, Die Hölzer sind gezimmert, und genau Und kunstgemäß ist Alles aufgeschichtet. Nicht in der Mitte fehlt der lange Pfahl. Der Mond, der volle, seltsam aufgeregte, Blickt in des Fensters längliches Oval, Und wie sich der Gefangene bewegte, Im Traum die Arme senket und erhebt, Ein tiefgefärbter Schatten macht’s ihm nach, Und jeder Laut, den seine Stimme belebt, Sich vielfach an dem Kreuzgewölbe brach. Oft seufzt er schwer und ruft “Lucretia, Du vielgeliebte! bleibe nur da! Komm nicht zu mir, ich werd dich künftig brauchen, Bleib still, bleib still und spar dein süßes Blut, Und wenn ich in der Hölle werde rauchen, Koch mir davon ein Tränklein kühl und gut! Siehst du den hagern Greis mit dürrem Arm, Der harrt auf mich und wird schon ungeduldig, Leb woht! leb wohl! du meine Lust, mein Harm, Faustus muß fort, er ist’s dem Alten schuldig! Hu! wie du blaß wirst, und dein Lockenhaar Lucretia! Ist eine Wolkenschaar!” — So faselt Faust, da klopft es an die Thür, Mit streng gebieterischem Ungestüm Ernst und gesetzt mit sittsammer Manier Tritt Freund Mephisto ein, in dem Kostüm Welches die Herrn Großinquisitoren tragen, Es fehlt ihm nichts zu dem vollkommnen Staat, Auch nicht ein Fältchen und nicht Knopf nicht Kragen, Und die Perück’ vollendet den Ornat. Faust läßt nicht ab vom wilden Deliriren, Und spricht so rasch und so veränderlich, Wie eine Flamme sich im Sturme dreht, “O Doktor höret auf zu phantasiren”! Beginnet der: wär nicht Mephisto ich, Ich selber würd’ von diesem Zeug verdreht! Du armer Knab’ sitzst erst zehn Tag gefangen, Dein Bart ist armlang wie mein Pferdeschweif, Läss’st immer du sobald die Flügel hangen, Bist du zur Hölle lang noch nicht reif!” Faust schlägt die trüben Augen auf, erblickt Die seltsame possierliche Figur, Die große Kraus’ in Falten fein geknickt Und der Perücke ungeheure Schur. Ihm schwand zum andern Mal der schwache Sinn. Und wieder spricht er wilde Phantasie’n; Mephisto zupft ihn bei dem welken Kinn; “Nun, steh nur auf, ich bin ja nur der Teufel, Nimm hier dies Kleid, drin kannst du leicht entfliehn, Und überlaß mir alle fern’ren Zweifel!” Faust seufzet sich besinnend, steht vom Lager, Und ziehet aus das arme Sünderkleid, “Verdammt! speicht der, “wie bist du schon so hager; Wie ruinirt dich noch die Traurigkeit! Also verwechseln ihre Kleider beide, Mephisto soll den armen Sünder machen, Faust sieht sich an, trotz allem seinem Leide, Muß er als Inquisitor sich belachen. Und in dem braunen, här’nen Büßerkleide Des Teufels niederträchtiges Gesicht. “Nun geh’ spricht der, du ausgedorrter Wicht, Erwart du auf dein Hügel mich da drüben, Da kannst du ruhig schlafen nach Belieben! So geht dir Jedermann gern aus dem Wege Du hübscher Kerl von der Justizpflege!” Faust schleicht davon mit frohem Angesicht: Im schaurig stummen, dumpfen Frohngelaß, Spaziert Mephisto ruhig hin und wieder. Am Fenster steht er in dem Mondenlicht, Sieht zu dem dürren Scheiterhaufen nieder, Und schwatzt und lacht und treibet tausend Spaß. Die Spindelmütz von weißer Leinewand, Zieht grüßend er, als nickten ihm Bekannte, Er wirft Kußhände mit der langen Hand, Als recommandirt’ er sich ‘ner alten Tante.
So wie es dämmert wird’s im Kloster helle, Ein Lämpchen zündet sich in jeder Zelle Man wickelt Fackeln in der Morgenfrüh Und zupfet Werg, als wäre es Charpie. — Und Faustus steht allein, Auf des einsamen Berges sand’gem Gipfel. An eines Grabes frisch aufgeworf’nem Rain. Schwarz ist der Himmel, Sturm durchbraust die Wipfel Er sieht den Hügel ohne Schmuck und Zier, “O!” ruft er aus: “Die Ahnung sagt es mir, Hier ruht Lucretia, mein theures Leben! Seh’ ich dies arme Grab sich nicht erheben, So sorglos aufgeworfen und geründet, Als wie der Wandersack dem ungeliebten Kind, Geschnüret und gepacket ist geschwind! Ja hier ruhst Du, für die mein Herz entzündet! Ich möchte Dich umarmen noch als Leiche! Vergöttert Dich so ewig meine Liebe? Wie oft wenn ich beschaut das starre, bleiche Reliquium der wunderbar’n Getriebe Im stillen Saale der Anatomie, O so entgöttert, so entblättert waren sie! Und nimmer Schauer ich empfand, Wenn ich erfasset ihre kalte Hand! Dort hab’ ich viele Nächte zugebracht, Ohn’ daß die Wimpern zuckten: unvergessen Blieb mir der Zweck der stillen Forschungsnacht. Ich bebte nie und war frivol, vermessen! Und sah nur träge, dumme, dumpfe Masse. Ein wild Gewirr von Nerven und Gefäßen, Und nicht entsinn’ ich mich, daß ich zum Hasse Zu Abscheu, Liebe wär’ geneigt gewesen! Doch Dich Lucretie! Dir möcht’ auch so ich sehen, In Dein geliebtes Angesicht das bleiche: Umlispelt mich nicht Deines Athems Wehen, Wär’ es genug, daß ich die Hand Dir reiche! — — Doch weh mir! Daß der kalten fünfe Zahl, Die Flamme noch in meinen Pulsen zündet, Aus Grabesnacht ein geisterheller Strahl, Der Lieb’ den Weg in meinen Busen findet. Soll ich Dich ewig lieben! wird Dein Leib Mir nie zur Leiche und bleibt ewig Weib?” ——— Da tönt ein ungeheueres Geheule, Empor zu Faustus aus dem Klosterthal, Und eine riesenmäß’ge Feuersäule, Flammt hoch empor mit blendend hellem Strahl. Wie jauchzten unten die im Henkermuth! Doch sieh! Da wächst ein ries’ger Priapus Ein glühender Colossus aus der Gluth Bis an die Wolken fast in schnellem Schuß. Die Klosterfrauen fliehen durcheinander, Und jammern schrecklich ob der Zauberei; — Da steht so frisch als wie ein Salamander, Mephisto neben Faustus frank und frei. Er will zerbersten schier vor tollem Lachen; “Sahst du,” sprach er: “sahst du den Priapus, O den verkohl’n sie nie, wie sie’s auch machen, Und was war’s mir für höllischer Genuß, Wie sie so schuldbewußt die Augen wandten, Und in einander floh’n in Angst und Graun, All’ dieses Volk, und viele Vettern, Tanten Der Klerisei, die hier, sich zu erbaun An deines Leibes süßem Fettgeruch Versammelt waren mit dem Singebuch. — Der Lärm tos’t fort, die Flamme jagt im Sturm, Die Asche sinket, man beginnt zu läuten Die Glocke zum Gebet vom alten Thurm, Den bösen Spuk zu ban’n für ew’ge Zeiten.