Faust: Ein Gedicht

Part 10

Chapter 102,691 wordsPublic domain

Als wie durch nächt’gen Zauber festgebannt, Steht regungslos und ohne Lebenszeichen Hier Faust an eines schwarzen See’s Rand. Der rings von finstern Felsen starr umwunden: An diese stoßen schwere, schwarze Wolken, In solcher düstern Nacht gewalt’gen Stunden. Doch mögen sich die grausen Schatten spalten An dieser Felsen frechen, festen Stirne, Mag über Haid’ und Flur der Sturmwind walten: Nicht trifft’s den See im schwarzen Felsengrunde, Ihn jagt kein Sturm, daß ihm die Wogen rollen, Er scheint nur mit der Unterwelt im Bunde. — Denn oftmals, da das Mondlicht freundlich lacht Und ihn durchglühet in die tiefsten Gründe, Wenn stumm der Sturm in milder Liebesnacht: Dann, dann beginnt’s sich in dem See zu regen, Dann schäumt die Wog’ in schreckenhafter Bildung: Ein einsam nächt’ges tobendes Bewegen! Und wie sie sich bis in die Wolken bäumt, Die wilde Fluth in trunkener Entzündung, Wie Berg und Thal toll durch einander schäumt, Ist sie auch schnell in wenigen Sekunden, Gleich einem Becher, der jäh ausgeleert, Bis auf den Grund in wildem Braus entschwunden. Und wie wenn sie zum Himmel aufgeschwollen Die Wellen gräßliche Gebilde zeugen, Die weißen Spitzen in einander rollen. So zeigt der Fluthen wunderlich Verschwinden Ein grass’ Gewimmel schrecklicher Gestalten, In diesen unermessnen Felsengründen. Der Schlangenproteus diese Räthselform; In wunderbar bizarrer Zwiegestaltung, Ganz abgewichen von der Schöpfung Form. Und andre viele seltene Gestalten, Die durch einander auf dem schwarzen Grunde Sich freundlich wirren, und sich feindlich spalten. Erstiegest du der Felsen steile Höh’ Das hochgereckte, schwärzliche Gerüste, Daß dir zu Füßen liegt der dunkle See. Dann sahst du nichts, so weit dein Auge reichte, Als dürren Sand bis in die Wolkensterne, Der deinem Blick auch keinen Halmen zeigte. Nicht einer Fichte trauernde Figur, Nicht eines Schilfes winddurchsäuselt Rohr Kein armes Moos auf dieser todten Flur. Der Sturm, der hier entfesselt seine Zügel, Kein trocknes Blatt und keine dürre Nadel Trägt er auf seinem ungeduld’gen Flügel. Der trockne Staub ist hier der Blüthenschnee Die blüh’nden Bäume jene Felsensäulen; Getränket von dem schwarzen todten See. Und Wolken sind die Vögel die hier fliegen, Die schwarzen finstern geisterhaften Schaaren, Die sich in dieser Bäume Laub vergnügen. Versank dir, da du irrst auf solchem Raum, Allein in öder mitternächt’ger Stunde, Die bange Seel’ in einen stummen Traum: Dann scheint dir wohl im Phantasien-Tanze Wenn auf den Grund der See just ausgeflossen, In solchem Bild das schauerliche Ganze: Es ist die Hand die einem Becher hält, Der dem die Hand, er hat ihn ausgeleert, Daß er auch keinen Tropfen mehr enthält. Nun schleichet er, ein schmachtendes Gerippe, Noch immer schleppend jenen leeren Becher, doch wie auch dürstet seine dürre Lippe, Er kann ihn nicht mit einem Tropfen füllen: Ihn zu dem heißen gier’gen Mund zu führen Um den gewalt’gen Fieberdurst zu stillen. Schau hier, wie die fünf Furchen meilenlang Verlaufen diesen Felsensee umklammernd, Fünf krampf’ger Finger zuckend wilder Drang: Solch Gleichniß hätte Faustus wohl erkannt, Doch starr stand der am gräulichen Gestade, Als wie durch Höllenschwüre festgebannt. — Wie ob des todten Meers schwermüth’gen Wogen, Kein Vogel fliegt ohn’ daß er niedersinke, Vom giftgen Hauch erstickend angezogen: So stirbt in Faustus Seele jedes Bild, Das sonst verklärend seinem Gram erstanden, Durchstürmt er Fluren noch so öd’ und wild: Wär’s ihm vergönnt an Träumen sich zu weiden, Die angeglüht von flamm’ger Phantasie Umflatterten die Schwärme seiner Leiden. Er stehet auf des schroffen Vorsprungs Rand, Als einer der etwas hinabgeschleudert, Tief in den See vom schwarzen Felsenstrand. Noch ringelt sich ein riesenhafter Ring, Rings nach den Ufern wohl die einz’ge Regung, So diese Fluth von Menschenhand empfing. Und wie die ersten Ringe fast verwallt, Da bilden sich noch einmal klein’re Ringe, Hinrollend nach dem starren Strandbasalt. Und jedesmal durchschimmert es die Fluth, Als wie vom Roth der Gluthenabendsonne, Und jedesmal war es von Menschenblut: Das erstemal war es ein Mädchenleib Den er hinabgerollet in den See, Auf ihren Knieen lag das arme Weib: Die Hände streckt sie flehend ihm entgegen, Die bitten starr gefaltet um das Leben, Denn ihre Lippen kann sie nicht bewegen. Bleich ragen in die stumme, trübe Nacht, Von Fleisch und Beine die fünf Krucifixe, So starr als wie aus weißem Stein gemacht: Doch er ergriff die Schneide, die Satan, Sorgsamer Bursch’, ihm in den Gürtel steckte: Wild rollt sein Aug’, laut knirscht er mit dem Zahn: Laut pocht sein Herz, als donnert es Triumph, Daß dieser Geist begehe blut’gen Frevel, Wie schlägt es an die Rippen höhnisch dumpf: Als ob es spräch’ nun hab’ ich’s bald errungen, Daß ich der dunkle Sklave mich befreie, In dieses Geistes schweren Dienst gezwungen. Daß ich erhole mich von solchem Werke, Drin ich gehorcht so viele Stunden, Tage, Arbeitend bald mit Schwäche, bald mit Stärke. So spricht das Herz: und als ein Hochverräther Zieht strammer es die rothen wirren Schnüre, Die seinem Herrn gelegt der Uebelthäter. Das Aug’ steht still: auf einen Punkt gerichtet, Schaut’s unverwendlich fest und starr hernieder, Durchzuckt von einem Strahle der vernichtet; Und wie in ihm die finstre Gluth sich facht: So schwell’n auf seiner Stirn die dunklen Adern So wird’s in seiner Seele stumme Nacht; Das Mägdlein sinket auf den schwarzen Stein, Kein weh, kein Ach ertönt aus ihrem Munde Es dehnet sich und reckt sich das Gebein: Das Blut still rieselnd fließet aus der Munde, Die sich am Halse weit und klaffend öffnet, Schwer ist und schaurig diese nächt’ge Stunde: Dann schleudert er noch in des Zornes Gluth Das arme rasch verblutende Geschöpf Zuerst hinnieder in die schwarze Fluth. Und dann wie schon der Busen sich ihm engt, Von schreckenhafter wilder Qual bestürmet, Die Lippe von dem Athem schier versengt. Da schleudert er das Messer in die Fluth, Und beidemal glimmt’s wie vom Sonnenroth Und beidemal war es vom Menschenblut. “Ich morde dich, so rufet der Verruchte Weil ich dich liebe, wie ich nie noch liebte Und mehr als lieben sollte der Verfluchte, Und da ich meinen Wankelmuth wohl kenne, Daß ich so irr’ von der zu jener schwanke, Weil ich im Teufel für euch alle brenne, Und weil ich wahr geliebt dich, dir gelebt, Ein sanft’rer Klang aus meinen reinen Tagen, In deiner Brust mein tiefstes Herz durchbebt. Und weil wenn ich vom Satan angetrieben, Mich stürzend in der andern Dirnen Arme Zuerst dich würde schmerzlich tief betrüben: Und du darauf um dich an mir zu rächen, Auch einem andern Manne würdest fröhnen, Mußt’ diese Schneide deine Brust zerbrechen, Ich mochte nicht, noch konnt’ ich von dir lassen: Unwiderstehlich werd’ ich fortgetrieben. Doch durfte dich kein andrer Mann umfassen, Mocht’ ich zuhöchtst von allem Weib dich leiden, So treibt es mich bis in die tiefste Seele Um dich die Männer alle zu beneiden!” So redet er, erkaltend von dem Grimme, So lautete sein klügelnd Raisonniren; Und endlich stirbt ihm zitternd seine Stimme. Er blickt mit Schaudern in den Höllenteich, Der fest und starr als ein Gestorbner ruht, Die Wolk’ umbraust den Stern so weiß und bleich.

Grinnus

Sie sitzen auf zerfallenem Altane An der Ruine, deren Modersteine Verworfen liegen auf dem dürren Plane, Bis dort zu des Gebirges schwankem Haine. Starr ragen mit den abgeschlagenen Jochen Die Riesensäulen in die Finsterniß: Der rothe Mond ist durch den Dunst gebrochen, Durch schwerer Wolken jäh geborstnen Riß. Wer sich dem mondesnächtigen Entzücken Hingab, da diese Flur er überschauet, Dem schienen die gebrochnen Brücken Zu stillen Geisterwelten fortgebauet. Der füget Stein an Stein der schwarzen Trümmer, Fort und empor in die Unendlichkeit, Bis ihm der Bau versank im Mondesschimmer, In seines Träumens Unermeßlichkeit. So bau’n der Seele schweifende Gefühle. Das Aug’ schaut stier zum Schutt zur dumpfen Nacht. Die Wogen rollen in dem ew’gen Spiele Vom Hauch der wilden Finsterniß gefacht. Die schwarzen Fichten neigen ihre Wipfel Der wilde, düstre, mitternächt’ge Chor, Daß durch die Schluchten brausend durch die Gipfel Und durch die Trümmer wüst’ der Lärmen gohr. Den Stolzen im Gebirg, die in dem Grimme, Der sie erzürnt, die Gegend rings durchbrausen, Antwortet der Gestrüppe heisere Stimme, So in den Trümmern, an den Steinen hausen. Das kleine, lump’ge, dürre Zwerggesindel: Der schwarze Dorn, der auf den Steinen kriecht, Die Atropa mit ihrer Wurzelspindel, Die krötengleich in finst’rer Nische siecht. Die Palma auch, die fremde, hagre, kranke Von bösem Stern auf jenen Achitraven Gepflanzt: es neigt sich matt der Stamm der schwanke; Ein Emir, der im Sterben winkt den Sclaven. Also verhallt, was die gewaltig zürnen, Bis in des dürren Hafers schwatzend Blatt, Tief in den Schutt, murrt’s nach was auf den Firnen Des Berg’s, der Riesenstamm gemurmelt hat. Und jene sitzen stumm auf den Altan: Ein Krug mit Wein steht auf dem Trümmerschafte, Sie schau’n einander fest und düster an Und trinken rasch vom starken Flammen-Safte. “Könnt’st du, so redet Faust nach langem Schweigen, Gesenkten Blickes dumpf und monoton, Könnt’st du mir nur noch einen Dienst erzeigen, Du strupp’ger, harrzerzaus’ter Höllensohn! Schaue die Unzahl Stein hier auf der Flur, Dort bis zum Berg verstreut, hier bis zum Meere: Der Macht, des Ruhmes letzte schlechte Spur, Und dann vernimm, was ich von dir begehre! Du kennst die Mähr’ aus lang entschwunden Jahren [2] Im braunen Band steht sie in meinem Schrank, Wie, da voll sünd’gen Trotz die Menschen waren, In wilder Fluth der ganze Stamm versank. Und wie es dann dem Einen ward gewährt, Dem bess’ren, der gelebet unbescholten, Der sich nicht widersetzet, nicht empört: Damit die Gotteseinheit würd’ vergolten: Daß, warf er Steine hinter seinen Rücken, Die Menschheit aus dem Tod ihm auferstand; So will auch ich mich zu den Steinen bücken, Vom Berge drüben bis hierher zum Strand. Wie jener Götterfreund ins Leben rief, Was in die Nacht entsunken und verschwunden, Was im Vergehen dumpf und qualvoll schlief, Emporrief in des Daseins freie Stunden: So wandle mein Gedank’, der Gott verblieb, Die Trümmern, so ich heb’, in all’ die Jahre, Da ich mit dir dies wilde Leben trieb. Und nehm’ sie nach einander von der Bahre. Daß ich mein Sein auf’s Neue mir erschaffe Durch dieses Schutt’s beseligend Verwandeln, Wo ich nicht mehr verzage, nicht erschlaffe, Wo ich als Mann mag leben und mag handeln.” Er schweigt und harrt, daß der erwidernd spricht, Doch der sieht starr hinab und redet nicht. Faust greift mit Hast zum schwarzen, vollen Krug Und trinkt in einem langen, gieren Zug. Und drauf, als er lechzend sich satt getrunken, Ist wieder trüb’ er in sich selbst versunken. Der Mond schwoll hoch, er steht ob der Ruine Mit seines Antlitz’s Grabesmiene. — Auf dem verwitterten kopflosen Bild Der Cariatide, die zerstäubt, zerspillt, Am Eingang steht, erhoben noch den Arm Nach jener Last, die ihr zu Hohn und Harm: Ein Rabe schläft, und lüftet matt die Flügel, Es saust im Baum, es schäumt im Vogenhügel. Da springet Faustus wild entsetzt empor, “That ich nicht recht, schreit dem er in das Ohr That ich nicht recht? Du mußt es mir bezeugen: So ward sie mir auf immerdar zu eigen! Sie sitzt auf meinem Schooß, trinkt meinen Wein Sie denkt mit mir, sie ward mein Fleisch und Bein. Am See, am See drin keine Woge wallt, Verband ich ewig mir die blasse Weibsgestalt!” Und wie er’s sagt, aus Meeresgrunde bricht Das Morgenroth in glühndem Strahlenlicht: Aus farb’ger Wog’ der goldne Tag ersteigt Und seinem Blick sich eine Insel zeigt, Die in der nächt’gen Fern verborgen, Dem Meer enttaucht am lichten Morgen; Auf ihr ein Hain aus Schlanken Pappelbäumen, Die weben, beben in den Dämm’rungsträumen: Im schwanken Laub erglänzt von Marmorstein: Die hohe Säul im Morgensonnenschein, Ein plattes Dach mit einem Götterbilde: Hell schimmerts von dem Fittich, von dem Schilde. Schön liegt der Tempel, üppig wallt der Hain Im blauen Meer, im Morgensonnenschein: Vergleichbar jenem Haine von Kolon Zu dem der Theber blinder Fürst geflohn.

[2] Ovid. Metamorph. Lib. I. 245. sqq.

Gebrochner Leib

Die Vesper klingt der Glocken Feierlauten Vom Dom, der rechts am Platz Ambrosius war, Zur Winterszeit: rings aus den dicht beschneiten Gebäuden fließt der Beter dunkle Schaar. Das reine Haus, das sich der Jesu: Glaube In hehren, ernsten Wölbungen verträumt, Dem Falken gleicht es mit der bunten Haube, Wie ihm die Zinn das Dämmrungsroth umsäumt: Er steht so kühn als höb’ er schon die Schwingen, Doch er erblindet von der goldnen Blende. – Drin in dem Tempel hebt es an zu klingen, Des Weihrauchs Ring umflieht die Nischenwände. Es klingt des Priesters ernst Rezitativ, Wie rauscht’s, da all’ in ihre Kniee fallen, Wenn sie des rothen Knaben Schelle rief: “Der Herre hab’ Erbarmen mit euch allen!” Bei der Kirchthür steht eine hölzerne Bank, An einem Pfahl, so ‘n Kästlein trägt, Wer nun dem Herrn bezeugen will den Dank, Thut wohl daß drin er einen Pfennig legt. Darum, daß drüber es ist angeschrieben: “Wer mich recht aus des Herzens Grund mag’ lieben, Wer will einen Schatz im Himmel erwerben In dieses Kästlein leg’ er einen Scherben, Sei’s auch wohl gering, und sei’s wohl klein, Mir wird es lieb und euch nützlich sein. Geht zu wie ich sprech’ im Evangelisten, So thut nach meinem Wort ihr lieben Christen!” Besetzt das Bänklein ist von Krüppeln, Alten Mit greisem Haar, mit langen schwarzen Krücken, Die wohl mit Andacht ihre Hände falten Und sich in Demuth vor dem Herren bücken. Und einer kauert an des Bänkleins Ende, Der sitzet stumm und ernst für sich allein. Der faltet nicht die magern, gelben Hände, Und in kein euge mater! Stimmt er ein. Sein Aug’ ist blöd’, Gicht frißt in feinen Gliedern, Die Brust geknickt: ein gar zu kranker Mann; Er sitzt entfernt von seinen Leidensbrüdern, Und blickt von ihnen keinen einz’gen an. – Es ist ein fressender, unbänd’ger Schmerz Der ihm das Mark durchwühlet und durchbraust; Er betet nicht, er schlägt sich nicht ans Herz, Der blöde Krüppel ist der wilde Faust. – Die Orgel schweigt und ite missa est! Erklingt’s beschwicht’gend aus des Priesters Munde: Beendet ist der Andacht stilles Fest, Und weithin schallt der Thurm es in die Runde. Der fromme Beter steht vom kalten Boden, Drei Ave’s noch spricht er in einem Odem, Auf Herz und Stirn des Kreuzes reines Zeichen, Verbeugend sich vor all dem stummen bleichen Gebild an jedem leuchtenden Altar, Dann taucht er in des Beckens heil’ge Fluth, Unfern der Säul, wo’s Armenbänkchen war Drei Finger, und empfiehlt sich Gottes Huth. So wall’n sie rauschend aus des Domes Halle Im Herzen, in dem Antlitz milden Frieden: Und auch die Krüppel, Kranken gehen alle, Hinaus zur Thür, die armen Lebensmüden Da draußen stürmt es durch die schwarze Nacht, Der Schnee treibt lange, hochgethürmte Wogen. Es donnert an die Pforten, daß es kracht, Und an der Fenster steile Riesenbogen. Nur Faustus bleibt, der arme finstre Kranke Er überschauet blöden Aug’s den Dom; Verfolgt bewußtlos, was der matte schwanke Schatten hinmalt vom nächtigen Phantom: Des Lämpchens Schatten, dess’ umwölkter Schein, Am Weihebecken flimmert noch allein. Und später noch, es war nach Mitternacht, Da hinkt der Krüppel durch die Straßen sacht; Hoch liegt der Schnee: harsch fegt der Sturm, Es schau’rt den armen Menschenwurm. Todt liegt der Biebelhäuses Gang, Kein Licht erstrahlt die Reih’ entlang: Die Nacht ist Herrin, und sein Lämpelein Stört sie mit seines Irrlichts schwankem Schein. Sie blickt durch der Scheiben schwarzen Kreis, Tanzt auf dem Thurm in sonderer Weis’ Hat ihre Luft am Wolkenzug, Und an des Sturms gewalt’gem Spruch. Drei trockne Fichten stehn dort oben, Wo man das Hochgericht erhoben. Von Rabennestern schwarz umwunden Vom Sturm zerpeitschet und zerschunden. So raget es ein Bild voll Schauer Hoch ob der dumpfen Reichsstadt Mauer. Faust keucht hinan den Babelthurm der Sünder, “Hier find’ ich ihn, hier wohnen seine Kinder!” Und drauf: “o meine Brust! Mein krankes Bein!” Er setzet sich auf einen schwarzen Stein Von dem der Sturm gefegt den Schnee, Er ruhet sich, das Herz schlägt ihm so weh; “Mephisto!” ruft er drauf gewaltig laut, Den Ruf entführt die Windesbraut, Doch Niemand kömmt, er bleibt allein, Auf seinem schwarzen Ruhestein. “Mephisto!” ruft er oft und zahllos oft, Daß ihm die Ader pocht und klopft. Er stehet auf, er ruft was oft er rief. – – Der Sturm fegt gleichen Tons die dunkeln Fichten Er sinkt zurück zum Stein und ächzet tief, Und als er sucht sich wieder aufzurichten, Ist seine Krück’ ihm in den Schnee geschlüpft. Da schallt es, wo die Fichtengruppe stand: Der Rabe krächzt, es kommt was angehüpft, Und drückt die Krück’ ihm in die welke Hand.