Fauna der Nassauischen Mollusken
c. Gehäuse plattgedrückt, scharfrandig, aber der Kiel nicht
abgesetzt.
Gehäuse oben flach, unten gewölbt, sehr klein, drei Umgänge, der Kiel ganz am oberen Rande des Umgangs.
_Pl. cristatus_ ~Drp.~
Gehäuse linsenförmig, von beiden Seiten gleichmässig zusammengedrückt, Kiel ganz in der Mitte.
_Pl. complanatus_ ~Drp.~
Gehäuse scheibenförmig, oben gewölbt, unten glatt, Kiel am unteren Rande des Umganges, innen 2 Querscheidewände.
_Pl. nitidus_ ~Müll.~
98. Planorbis corneus ~Linné~.
Grosse Tellerschnecke.
Gehäuse oben tief eingesenkt, unten seicht ausgehöhlt; grünlich oder bleigrau hornfarbig, die äussere Wölbung der Umgänge am dunkelsten, oben schwach, unten meist stark weisslich, dicht feingestreift und daher seidenglänzend; die 5-6 ziemlich regelmässig stielrunden, oben durch eine ausgehöhlte, unten durch eine tiefe Naht vereinigten Umgänge nehmen reissend schnell zu, so dass die beiden ersten sehr klein sind, der letzte Umgang ist oben etwas flach und fast stets mit netzartigen Eindrücken versehen, mitunter wie gehämmert. Mündung mondförmig gerundet; Mundsaum einfach, auf der Mündungswand durch eine flache, weissliche Lage von Schalensubstanz zusammenhängend, schwarz gesäumt, innen mit weissem Saum, dahinter der Schlund dunkelbraun. Höhe 10-12 Mm., grösster Durchmesser 30-36 Mm., kleinster 24-30 Mm.
Thier purpurschwarz, gegen das Licht wie Sammet reflectirend, Fühlhörner sehr lang, dünn, mit verbreiterter, zusammengedrückter Basis. Es legt mehrmals im Sommer 36-40 Eier zu flachgewölbten, braunweissen Laichen vereinigt.
In seiner Verbreitung gleicht dieses Thier ganz der _Limnaea stagnalis_, mit der es fast immer zusammen vorkommt. Auch es geht nicht in die Gebirge hinauf und fehlt desshalb im ganzen Lahngebiete, ist aber im Rhein- und Mainthal allgemein verbreitet. Im Main nur einzeln in den durch die Uferbauten abgetrennten Tümpeln. Sehr häufig in der Rheinebene, dem sogenannten Ried, von wo ich Exemplare erhielt, die dem von ~Dunker~ in der neuen Ausgabe von ~Martini-Chemnitz~ abgebildeten _Pl. grandis_ durchaus nichts an Dicke nachgeben. Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, dass ich aus Königsberg in der Neumark Exemplare besitze, die vollkommen so gut als Originale zu der erwähnten Figur hätten dienen können, wie das eigentliche Original unbekannten Fundortes in der ~Cuming~’schen Sammlung; die Art ist demnach in die Synonymie von _Plan. corneus_ zu verweisen.
Eine sehr interessante Form findet sich im grossen Abzugsgraben der Schwanheimer Wiesen, der schlammigen Boden und ziemlich reiche Vegetation hat und sein Wasser aus moorigen Wiesen und einigen Waldquellen erhält. Dieselbe ist constant flacher, als die Exemplare aus dem Main, analog der schwedischen _var. ammonoceras_, und an den inneren Windungen immer stark cariös, so dass manche Exemplare im Inneren durch Verlust der Embryonalwindungen ganz durchbohrt sind; viele hatten eine Oeffnung von 2 Mm. Durchmesser in der Mitte, ein anderes war sogar noch an einer zweiten Stelle durchbohrt. Dabei waren fast sämmtliche Exemplare, die ich dort sammelte, ca. 20, mehr oder weniger abnorm gewunden, indem die Windungen an einem und demselben Exemplar bald über, bald unter die normale Windungsebene hinausgingen. In einigen fanden sich im letzten Umgang auch perlenartige Perlmutterconcretionen.
99. Planorbis marginatus ~Draparnaud~.
Gerandete Tellerschnecke.
_Syn._ _Plan. complanatus_ L. (_non_ ~Drp.~), _umbilicatus_ ~Müller~.
Gehäuse mittelgross, scheibenförmig, unten fast eben, oben etwas ausgehöhlt, hornbraun, fein aber dicht und deutlich gestreift, daher seidenartig glänzend, mit einzelnen, entfernt stehenden Wachsthumstreifen. Es ist meistens mit einem fest aufsitzenden, schwer zu entfernenden Ueberzuge von schwärzlicher Farbe bedeckt; reine Exemplare, die nach ~Hartmann~ in der Schweiz eben so häufig sein sollen, als schwarze, habe ich nie gefunden. Die 5-6 sehr allmählig zunehmenden Umgänge sind nach unten fast flach, nach oben stark gewölbt, daher auch die Naht oben sehr tief, unten seicht. Der letzte Umgang ist nicht sehr erweitert, nach unten hin durch einen deutlich abgesetzten, fadenförmigen Kiel eingefasst, den man der ungleichen Wölbung wegen nur von unten, nicht auch von oben sieht. Die Mündung ist quereiförmig, nach aussen nicht zugespitzt, innen durch den Kiel auf der Mündungswand herzförmig ausgeschnitten. Mundränder einfach, scharf, auf der Mündungswand deutlich verbunden. Höhe 2,5 Mm., Breite 9-12 Mm.
Thier schwärzlich bis tiefschwarz, mit blässeren, bisweilen röthlichen Fühlern; es kann sich sehr weit ins Gehäuse zurückziehen. Im Vorsommer setzt es mehrere Laiche, jeder 10-12 Eier enthaltend, ab.
~Varietäten.~ Nicht selten findet man Exemplare, bei denen auch die Unterseite etwas gewölbt ist, so dass der Kiel mehr in die Mitte rückt und auch von oben her sichtbar wird. Solche Formen, die ~Jan~ als _Plan. submarginatus_ beschrieb, werden mitunter für die folgende Art gehalten.
In schlammigen Teichen und Gräben, an Wasserpflanzen und schwimmenden Blättern sitzend. Im Aquarium kriecht er gern aus dem Wasser am Glase empor und klebt sich über dem Wasserspiegel mit der Unterseite fest. Ich weiss nicht, ob das ganz freiwillig geschieht, aber manche Exemplare mochte ich noch so oft ablösen und ins Wasser werfen, nach kurzer Zeit fand ich sie wieder in der alten Stellung.
Die gerandete Tellerschnecke ist weiter verbreitet, als _corneus_, fehlt aber auch im Dillthal und im oberen Lahnthal. Dagegen findet sie sich in den Altwassern der Ohm bei Marburg und im botanischen Garten daselbst, vielleicht eingeschleppt, wie _Hel. arbustorum_ und _fruticum_. Bei Giessen habe ich sie nie gesehen. Bei Weilburg nach ~Sandberger~ selten; in einem Sumpfe bei Limburg (~Liebler~). In der ganzen Rhein- und Mainebene allenthalben gemein.
100. Planorbis carinatus ~Müller~.
Gekielte Tellerschnecke.
_Syn._ _Helix planorbis_ ~Linné~.
Gehäuse scheibenförmig, sehr zusammengedrückt, unten bis auf den letzten Umgang ganz flach, oben eingesenkt, blass hornfarben oder horngrau, sehr fein gestreift und daher glänzend, meistens ohne bituminösen Ueberzug. Der letzte Umgang ist auch nach unten etwas gewölbt, der Kiel rückt dadurch ziemlich genau in die Mitte und ist von beiden Seiten her gleich gut sichtbar; er ist noch schärfer abgesetzt, wie bei der vorigen Art. Die einzelnen Umgänge nehmen rascher zu als bei _marginatus_; sie greifen an der Oberseite stärker über einander, als an der Unterseite und scheinen dadurch oben dichter gewunden, als unten. Naht oben tief, unten nur sehr seicht. Mündung nach aussen zusammengedrückt und zugespitzt, innen durch den Kiel auf der Mündungswand stark ausgeschnitten. Dimensionen wie bei _marginatus_.
Thier grau mit hellerer, durchscheinender Sohle, am Saum mit schwärzlichen Pünctchen; Fühler bleichröthlich.
Weniger flache Exemplare, die dadurch der in der Mitte gekielten Varietät von _marginatus_ nahe treten, nannte ~Hartmann~ _Pl. dubius_, von ~Charpentier~ _Pl. intermedius_; durch sie wird die Unterscheidung mitunter erschwert, so verschieden eigentlich die extremen Formen sind; besonders häufig werden an Orten, wo der ächte _carinatus_ fehlt, Formen von _marginatus_ dafür gehalten.
Mehr in klaren, ruhigen Gewässern, in grösseren Teichen und Seen, in unserem Gebiete nicht sehr verbreitet. Häufig bei Marburg (C. ~Pfr.~). Nicht häufig bei Hanau im Lamboiwald, Bulauwald, den Rückinger Schlägen, bei Mühlheim, Dietesheim (~Speyer~). In den Mainzer Festungsgräben (~Thomae~). Hier und da in der Mainebene; in der alten Nied bei Nied und in einer Lache an der Chaussee daselbst (!).
101. Planorbis vortex ~Müller~.
Flache Tellerschnecke.
_Syn._ _Pl. compressus_ ~Michaud~.
Gehäuse ganz flach zusammengedrückt, flacher als bei einer anderen Art, unten ganz platt, oben etwas ausgehöhlt, durchscheinend, schmutzig gelb, etwas glänzend, fein gestreift. Die sieben Umgänge nehmen sehr langsam zu, sind oben etwas convex, gewissermassen dachförmig, unten ganz platt und greifen oben mehr auf einander über, als unten, so dass die obere Spirale enger erscheint, als die der kaum geritzten Unternaht. Der letzte Umgang ist verbreitert und geht nach aussen allmählig in einen scharfen, aber nicht fadenförmig aufliegenden Kiel über, der meist unter der Mitte herläuft. Mündung lanzett-herzförmig. Höhe etwa 1 Mm., Breite 8-10 Mm.
Thier sehr schlank, braunröthlich mit weisslichen Fühlern. Trotz seiner Dünne ist es unschwer aus dem Gehäuse zu entfernen.
Man findet sie mit Vorliebe in den mit Wasserlinsen bedeckten Gräben und Teichen der Ebene; aus dem Gebirge und auch aus dem unteren Lahnthal ist mir kein Fundort bekannt; dagegen ist sie in der ganzen Mainebene und um Mainz, sowie rheinaufwärts im Ried gemein.
102. Planorbis contortus ~Müller~.
Runde Tellerschnecke.
Gehäuse klein, scheibenförmig, aber im Verhältniss zum Umfange ziemlich hoch, oben nur wenig eingesenkt, unten perspectivisch genabelt, braun, sehr fein und dicht gestreift. Die sieben nur sehr wenig zunehmenden Umgänge sind von der Seite her zusammengedrückt und sehr eng, wie ein Riemen, aufgerollt. Mündung etwas schief, schmal, mondförmig. Höhe 1,5 Mm., Br. 4-6 Mm.
Thier braunschwarz, Fühler aschgrau, durchscheinend, an den Spitzen wenig verdickt. Es setzt im Vorsommer 5-10 Laiche ab, die immer nur wenige Eier enthalten.
Auch diese Art fehlt an der oberen Lahn und im Dillthal. ~Sandberger~ fand sie selten bei Weilburg, ~Thomae~ um Idstein. In der Mainebene um Frankfurt in allen Gräben und Lachen häufig. In Gräben am Hof Goldstein. Bei Sulzbach (~Wiegand~). Bei Hanau häufig (~Speyer~). In einem quelligen Teiche bei Niederrad.
103. Planorbis Rossmässleri ~Auerswald~.
Rossmässlers Tellerschnecke.
Gehäuse niedergedrückt, oben etwas vertieft, unten weit ausgehöhlt, genabelt, braungelblich, äusserst fein gestreift und daher schwach seidenglänzend. 4 fast stielrunde Umgänge ohne Kiel oder Kante, sehr schnell an Breite zunehmend, so dass der letzte sehr vorwaltet. Mündung durch die Mündungswand sehr wenig mondförmig ausgeschnitten, fast senkrecht, ziemlich gerundet, jedoch fast immer etwas gedrückt und an dem Puncte, wo Aussenrand und Innenrand in einander übergehen, mit einer mehr oder weniger deutlichen Andeutung einer abgerundeten Ecke. Mundsaum mit einer starken weissen Lippe, aussen mit einem feinen, schwarzen Saum. Höhe 1½ Mm., Br. 5 Mm.
In Gräben um Frankfurt von Herrn ~Dickin~ gefunden.
104. Planorbis albus ~Müller~.
Weissliche Tellerschnecke.
_Syn._ _Pl. hispidus_ ~Vall.~, _villosus_ ~Poir.~, _reticulatus_ ~Risso~.
Gehäuse ziemlich klein, bräunlich oder grauweisslich, selten rein weiss, sehr fein netzförmig gestreift (nicht behaart, wie manche angeben), daher etwas rauh und nur matt glänzend, oben ziemlich flach, nur in der Mitte etwas eingesenkt, die untere weit genabelt. Umgänge 3-4, ungekielt, gerundet, der letzte im Verhältniss zu den übrigen auffallend erweitert, so dass ~Hartmann~ das Gehäuse nicht mit Unrecht posthornförmig nennt, und gegen sein Ende hin fast immer frei von dem, das übrige Gehäuse bekleidenden Schmutzüberzuge. Mündung rundlich, nur wenig durch das Hineinragen des letzten Umganges ausgeschnitten, weit und sehr schief. Mundsaum geradeaus, scharf, oben auffallend vorgezogen. Höhe 1-1½ Mm., Durchmesser 4-7 Mm.
Thier sehr klein, graubräunlich mit helleren Rändern; Fühler fadenförmig, schmutzig-gelblich.
Diese Form steigt auch in die Gebirge empor und ist desshalb allgemein verbreitet. Einzeln findet sie sich noch in der Lahn um Biedenkopf und höher hinauf in der Perf. Im Weiher am Steinsler Hof bei Weilburg, bei Braunfels, in der Weil (~Sandb.~). In den Anschwemmungen der Dill (~Koch~). Im unteren Teich des Schlossgartens zu Biebrich, in der Wellritzbach (~Thomae~). Einzeln im Main im todten Wasser. Selten bei Hanau im Lamboiwald, Puppenwald, Ehrensäule, nächst dem Römerbad neben der Chaussee nach Rückingen; bei Dietesheim, Hochstadt bei der alten Ziegelei; im Metzgerbruch bei Frankfurt; in der Teufelskaute bei Steinheim (~Speyer~). Im Waschteiche bei Niederrad häufig.
105. Planorbis laevis ~Alder~.
Glatte Tellerschnecke.
_Syn._ _Pl. cupaecola_ ~v. Gall.~, _Moquini_ ~Req.~, _glaber_ ~Jeffreys~, _regularis_ ~Hartm.~
Gehäuse niedergedrückt, beiderseits im Centrum vertieft, dünn, durchscheinend, schmutzig hellgrüngelblich, sehr fein gestreift, glänzend; Umgänge 4, gedrückt-stielrund, ohne Kante, ziemlich schnell zunehmend; Mündung sehr schief, quer eiförmig-gerundet, kaum etwas mondförmig ausgeschnitten; Mundsaum durch eine dünne aufgedrückte Lamelle zusammenhängend, dünn, einfach. Höhe 1 Mm., Durchmesser 4 Mm.
Zunächst mit _albus_ verwandt, aber durch die Kleinheit, den Mangel der Sculptur, sowie die geringere Erweiterung des letzten Umganges davon genügend unterschieden. Diese erst von wenigen Fundorten bekannte Tellerschnecke wurde nach einer gütigen Mittheilung des Herrn Professor ~Sandberger~ im Sommer 1869 durch Herrn A. ~Römer~ in mehreren Exemplaren im Salzbach bei Wiesbaden entdeckt.
106. Planorbis leucostoma ~Michaud~.
Weisslippige Tellerschnecke.
Gehäuse scheibenförmig, niedergedrückt, oben etwas concav, unten flach, röthlich gelb, durchscheinend, fast ganz fein gestreift, glänzend, gewöhnlich mit einem schwärzlichen Ueberzuge bedeckt; die 6 sehr langsam zunehmenden Umgänge sind oben sehr stark gewölbt, unten sehr flach, der äusserste ist nur sehr wenig breiter, als der vorletzte; er hat nach unten hin eine stumpfe Kante, auf der die Unternaht, die, wie auch die obere, stark bezeichnet ist, hinläuft. Mündung fast gerundet, durch die Kante aussen nur schwach eckig, ohne herzförmigen Ausschnitt, innen mit einer schwachen, weissen Lippe. Höhe ¾-1 Mm., Br. 4-6 Mm.
Thier grau, Fühler weisslich und so lang als Kopf und Fuss des Thiers zusammen.
Diese Form scheint in unserem Gebiet selten zu sein. ~Sandberger~ fand sie selten in der Lahn bei Weilburg, ~Thomae~ bei Mombach. Ich selbst fand sie nicht selten im Lahngenist bei Biedenkopf. Bei Mönchbruch (~Ickrath~).
107. Planorbis spirorbis ~Müller~.
Gekräuselte Tellerschnecke.
Gehäuse scheibenförmig, auf beiden Seiten etwas concav, meist mehr auf der unteren, gelblich, glatt, ziemlich glänzend, mit Ausnahme des letzten Umganges von Schmutz bedeckt. 5 Umgänge, rascher zunehmend, als bei _leucostoma_, stielrund, unten etwas abgeplattet, mit einer schwachen, stumpfen Kante. Mündung gerundet, Mundsaum innen mit einer ziemlich starken, weissen Lamelle belegt, die aussen durchscheint; Mündungsränder auf der Mündungswand durch eine glänzende Lamelle verbunden. Höhe ¾-1,5 Mm., Breite 3-5 Mm.
Thier roth mit braunem Kopf und Hals; Fühler hellroth, Augen schwarz.
In den Mombacher Sümpfen nicht selten (~Thomae~). Nicht selten um Hanau an vielen Puncten (~Speyer~).
108. Planorbis cristatus ~Draparnaud~.
Kleinste Tellerschnecke.
_Syn._ _Pl. nautileus_ ~Gmel.~, _imbricatus_ ~Müll.~
Gehäuse sehr klein, ziemlich plattgedrückt, gekielt, oben fast flach, unten offen genabelt, zerbrechlich, zart, durchscheinend, etwas glänzend, meist aber mit Schlamm überzogen. Umgänge drei, sehr schnell zunehmend, an den Seiten zahnartig gerippt, die Rippen oben vorspringend, aber bei älteren mitunter ganz verschwindend. Mündung schief, länglich rund, Mundsaum zusammenhängend, der rechte Rand abgerundet vorgezogen, der linke seicht ausgebuchtet. Höhe 0,5 Mm., Breite 1-1,5 Mm.
Thier gelblichgrau. Lebt im stehenden Wasser an faulenden Pflanzenstoffen.
In der Salzbach an der Kupfermühle, sehr selten (A. ~Römer~). Zwischen Mombach und Budenheim (~Thomae~). In stehendem Wasser um Frankfurt (~Heynem.~). Im Rüstersee bei Frankfurt; an der Chaussee von Hanau nach Rückingen neben dem Römerbade links (~Speyer~).
109. Planorbis complanatus ~Draparnaud~.
Linsenschnecke.
_Syn._ _Pl. fontanus_ ~Mont.~ (_non_ ~Linné~), _Pl. lenticularis_ ~Sturm~, _Pl. nitidus_ der Engländer.
Gehäuse vollkommen linsenförmig, von beiden Seiten her gleichmässig abgeflacht und durch den scharfen Kiel in zwei Hälften getheilt, zart, durchsichtig, sehr fein gestreift, gelblich hornfarbig. Die 4 Umgänge greifen etwas weniger auf einander über, besonders oben, als bei der folgenden Art, desshalb ist die Spirale verhältnissmässig grösser, Unterseite mit deutlichem, ziemlich engem Nabelloch, Mündung spitz herzförmig, Mundsaum einfach; Aussenrand nicht sehr vorgezogen. Höhe 1 Mm., Br. 3 Mm.
Thier graugelblich mit 2 von den Fühlern ausgehenden dunkleren Linien über den Rücken, Augen schwarz.
An faulenden Blättern und Stengeln in stehenden Wässern. Im Salzbach bei Wiesbaden nicht selten an Ceratophyllum (A. ~Römer~). Im Metzgerbruch bei Frankfurt. Im Lamboiwald und an der Ehrensäule bei Hanau (~Speyer~). In der alten Nied; in einer Lache an der Chaussee vor Nied, aber nicht mit _nitidus_ zusammen, wie ~Rossmässler~ als Regel angibt.
110. Planorbis nitidus ~Müller~.
Glänzende Tellerschnecke.
_Syn._ _~Segmentina lineata~_ der Engländer.
Gehäuse klein, oben gewölbt, unten ziemlich flach genabelt, gekielt, aber der Kiel mehr nach unten gerückt, als bei voriger Art, glänzend, durchscheinend, fein gestreift, braungelb. Die 3-4 Umgänge greifen weit übereinander und werden durch den scharfen, aber nicht abgesetzten Kiel in zwei ungleiche Hälften getheilt. Obernaht eine feine Spirale, Unternaht in dem engen Nabelloch nicht sichtbar. Mündung des weit vorgezogenen Mundsaumes wegen sehr schief, etwas schief herzförmig; Mundsaum einfach, braun gesäumt, bogig. Im Inneren des letzten Umgangs findet man an zwei ganz bestimmten Puncten, 2 Mm. und 3,5 Mm. von der Mündung entfernt, das Lumen durch drei schmale, glänzend weisse Lamellen verengt, die nur eine schmale, dreistrahlige Figur zwischen sich lassen. Höhe 1-1½ Mm., Breite 3-4,5 Mm.
Thier schwarzbraun mit gelblichen Fühlern.
Die eigenthümlichen Verengerungen im Inneren unterscheiden diese Art von allen anderen Planorben, und man hat sie desshalb als _Segmentina_ abtrennen wollen. ~Rossmässler~ macht schon im ersten Hefte der Iconographie darauf aufmerksam, dass die Scheidewände, die etwas an die Kammern der Ammoniten erinnern, immer in derselben Entfernung von der Mündung stehen, und dass man nie mehr als zwei findet; entweder bildet sie das Thier erst nach Vollendung des Gehäuses, dann wären die kleineren Exemplare ausgewachsen, -- man findet aber nie Exemplare ohne Scheidewände, -- oder es bricht sie von Zeit zu Zeit ab und baut neue weiter vor.
In Teichen und Lachen an faulenden Rohrstengeln und Blättern, besonders zwischen den faulenden Baumblättern am Boden; wo sie vorkommt, gemein, aber im Gebirge ganz fehlend.
Im Bienengarten bei Nassau, selten, in den Mombacher Sümpfen (~Thomae~). Bei Frankfurt am Sandhof, auch sonst in stehenden Gewässern. Um Hanau nicht selten (~Speyer~). In der Alberslache bei Schwanheim (~Ickrath~).
Zwanzigstes Capitel.
XVIII. ANCYLUS ~Geoffroy~.
Mützenschnecke.
Gehäuse napf- oder mützenförmig, mit einer kurzen je nach der Art nach rechts oder links gewandten Spitze als Andeutung des Gewindes.
Thier die Schale ganz ausfüllend, aber sich nie aus derselben herausstreckend, mit einer breitlappigen Oberlippe am Kopfe und kurzen, cylindrischen, zusammenziehbaren Fühlern, an deren inneren Seite die Augen sitzen. Fuss kurz, elliptisch. Kiefer aus mehreren Stücken zusammengesetzt. Zunge bandförmig verlängert, die Zähnchen alle gleichgestaltet, aber nach dem Rande hin an Grösse abnehmend, die Reihen schräg gestellt. Athemöffnung und Geschlechtsöffnung liegen bei der einen Art links, bei der anderen rechts, und zwar immer der Windung entgegengesetzt. Die männliche Geschlechtsöffnung liegt hinter dem entsprechenden Fühler, die weibliche weiter zurück, so dass sie sich nur abwechselnd, nicht wechselseitig begatten können. Doch findet man hier nie Ketten zusammenhängend, wie bei den Limnäen. Beim Kriechen erscheinen nur die Fühler über dem Rande der Schale, nie der Fuss.
Man hat diese Schnecken, die ganz einer _Patella_ im Kleinen gleichen, lange für Kiemenathmer gehalten und zu den _Cyclobranchien_ gestellt; ihre Athmungswerkzeuge sind aber dieselben, wie bei den Limnaeen.
In neuerer Zeit trennt man die beiden bei uns vorkommenden Arten von einander und nennt die linksgewundene Art als Gattung _Acroloxus_ oder _Velletia_.
Sie legen 4-6 Eier auf einmal, in eine sternförmige Figur angeordnet; Entwicklung wie bei Limnaea.
Es kommen bei uns die beiden deutschen Arten vor, _A. fluviatilis_ mit mehr runder Basis und rechtsgewunden, und _A. lacustris_ mit schmal-ovaler, länglicher Basis und linksgewunden. Exemplare von _fluviatilis_, bei denen ein Perpendikel vom Wirbel über das Gehäuse hinausfällt, nennt F. ~Schmidt~ in Laibach _deperditus_; eine gute Art dürfte es schwerlich sein. Ausserdem hat Herr ~Bourguignat~ das Geschlecht mit einer Unzahl neuer Arten bereichert, die wir aber auf sich beruhen lassen wollen.
111. Ancylus fluviatilis ~Linné~.
Runde Mützenschnecke.
Gehäuse napfförmig, graubräunlich, glanzlos, innen glatt, glänzend, bläulichweiss; die Spitze nahe am hinteren Rand stehend, selbst über denselben hinausragend, rechtsgewunden. Mündung ziemlich rund. Höhe 2-3 Mm., Längsdurchmesser 3-6 Mm., Querdurchmesser 2-4 Mm.
Thier durchscheinend, oben grauschwärzlich, Sohle heller, mit deutlichen schwarzen Augen. Athem- und Geschlechtsöffnungen auf der linken Seite. Sehr langsam, meist stillsitzend.
In fliessenden Gewässern an Steinen, im heissen Sommer oft über dem Wasserspiegel angeklebt. In allen Bächen und Flüssen gemein. Aus der Schwalbach bei Cronthal erhielt ich durch Herrn ~Wiegand~ Exemplare mit einem eigenthümlichen graubraunen Algenüberzug, der auf allen Gehäusen gleichmässig festsass und ihre Dicke beträchtlich erhöhte.
112. Ancylus lacustris ~Linné~.
Längliche Mützenschnecke.
Gehäuse länglich eirund, von beiden Seiten her etwas zusammengedrückt, ziemlich flach gewölbt, sehr dünn, durchscheinend, zerbrechlich, gelbbräunlich, innen weisslich, etwas glänzend; mitunter fein concentrisch gestreift. Wirbel mehr in der Mitte stehend, linksgewunden. Länge 3-5 Mm., Breite 1,5-2 Mm.
Thier durchscheinend, gelblichgrau, mit sehr kurzen Fühlern; Athemöffnung und Genitalöffnungen auf der rechten Seite.
Nur in stehenden Gewässern an den Schilfrohren sitzend, wo es ganz den Eindruck einer festgesogenen Schildlaus macht. Nur in der Ebene. Im unteren Teiche des Biebricher Gartens (~Thomae~). Im Metzgerbruch (~Dickin~). Um Hanau gemein in Teichen, Tümpeln, Sümpfen und Feldgräben (~Speyer~). In einem quelligen Teiche vor Niederrad; in der alten Nied und in einer Lache an der Chaussee vor Nied (!) Bei Mönchbruch (~Ickrath~).
Einundzwanzigstes Capitel.
B. DECKELSCHNECKEN, Operculata.
~1. Gedeckelte Landschnecken.~
Terrestria.
Die gedeckelten Landschnecken haben sämmtlich ein gewundenes Gehäuse, das durch einen auf der Rückseite des Fusses befestigten hornigen Deckel geschlossen wird, sobald sich das Thier in sein Gehäuse zurückzieht. Die Athmungsorgane gleichen ganz denen der Lungenschnecken, aber der anatomische Bau des Thieres gleicht so ganz dem der Kiemenschnecken, dass man es in neuerer Zeit vorgezogen hat, sie als _~Neurobranchia~_, ~Netzkiemer~, zu diesen zu stellen, ein Verfahren, das allerdings das System wesentlich vereinfacht, aber doch kaum berechtigt sein dürfte, da die Athmungsorgane der Land-Deckelschnecken ganz denen der übrigen Pulmonaten gleichen.
Wie die Kiemenschnecken sind sie getrennten Geschlechtes, haben so den Mund auf der Spitze einer Schnauze und eine lange schmale bandförmige Zunge, mit nur wenig Platten in einer Querreihe. Kiefer fehlt. Die Männchen haben äussere Begattungswerkzeuge. Die beiden Fühler sind nicht einziehbar.
Es kommen von den zahlreichen, meist tropischen Gattungen nur zwei in unserem Gebiete vor, die sich folgendermassen unterscheiden:
a. Gehäuse sehr klein, cylindrisch; Mündung mit fast parallelen Rändern, Deckel dünn, hornig.
_Acme_ ~Hartm.~
b. Gehäuse mittelgross, mit stielrunden Windungen, kreisrunder Mündung und dickem, kalkigem Deckel.
_Cyclostoma_ ~Lam.~
In Süddeutschland kommt noch eine dritte Gattung vor, _Pomatias_ ~Studer~, mit thurmförmigem, geripptem Gehäuse, ausgebreitetem Mundsaum und hornigem Deckel. Die nördlichsten mir bekannten Fundorte sind der Kaiserstuhl in Baden und die Felsen am Donauufer um Regensburg.
XX. ACME ~Hartmann~.
_Syn._ _Pupula_ ~Agassiz~. _Acicula_ ~Hartm.~ (_non_ ~Bielz~).
In unserem Gebiete nur eine einzige Art.
113. Acme fusca ~Walker~.
_Syn._ _Auricula lineata_ ~Drap.~
Gehäuse winzig klein, thurmförmig, fast cylindrisch, stumpf, entfernt stehend fein gestrichelt. 6-7 flache Umgänge. Mündung halbkreisförmig, oben spitz; Mundsaum verdickt. Deckel hornig, sehr dünn, durchsichtig, mit wenigen, rasch zunehmenden Windungen. Höhe 3 Mm., Durchmesser 0,5 Mm.
Thier mit zwei schlanken Fühlern und kürzerer Schnauze; die Augen liegen hinter dem Grunde der Fühler.
Diese niedliche Schnecke ist weit verbreitet, aber überall sehr selten. Sie lebt unter Laub und Moos an sehr feuchten Stellen. Soviel mir bekannt, wurde innerhalb unseres Gebietes erst einmal ein Exemplar dieser Art gefunden, und zwar bei Neu-Isenburg von Herrn ~Dickin~.
Zweiundzwanzigstes Capitel.
XXI. CYCLOSTOMA ~Lamarck~.
Kreismundschnecke.
Diese mehr dem Süden angehörige Gattung ist bei uns, wie in Deutschland überhaupt, nur durch eine Art vertreten.
114. Cyclostoma elegans ~Draparnaud~.
Zierliche Kreismundschnecke.
Gehäuse conisch-eiförmig, undeutlich genabelt, stumpflich, stark, gelblich- oder violettgrau oder gelblich fleischfarbig, mitunter dunkler, fast violett, mit undeutlichen, striegeligen Schattirungen, die nach dem Wirbel hin deutlicher werden, mitunter mit feinen Binden, fast glanzlos, von sehr regelmässigen, erhabenen Spirallinien und sehr feinen, von jenen unterbrochenen Querstreifen sehr zierlich gegittert. Die fünf beinahe stielrunden Umgänge nehmen ziemlich schnell zu, laufen sehr tief aufeinander und sind daher durch eine sehr tiefe Naht bezeichnet; der letzte Umgang ist so gross, wie das Gewinde. Mündung fast kreisrund, oben etwas eckig und hier mit einem Wulst belegt. Der Deckel hart und schalenartig, ganz vorn stehend, mit wenigen spiralen Windungen.
Thier getrennten Geschlechtes, schiefergrau mit zwei walzigen, stumpflichten Fühlern, die aber nur contractil, nicht retractil sind, d. h. beim Einziehen werden sie nicht wie ein Handschuhfinger eingestülpt, sondern nur zu einem kleinen Knöpfchen zusammengezogen. Die glänzend schwarzen Augen sitzen aussen an der Basis der Fühler. Kopf rüsselförmig verlängert, vorn abgestutzt. Die Sohle durch eine tiefe Längsfurche in zwei Wülste getheilt, die das Thier beim Fortschreiten abwechselnd bewegt, so dass es nicht kriecht, sondern förmlich geht, eine Bewegung, die es noch durch Ansaugen mit dem Rüssel zu unterstützen scheint. Das Thier ist äusserst langsam und scheu; bei der geringsten Erschütterung zieht es sich in sein Gehäuse zurück und schliesst den Deckel; es bricht dabei die Sohle in der Mitte quer zusammen, so dass die beiden Hälften aufeinanderzuliegen kommen. Zunge wie bei den Kiemenschnecken, mit 120-130 Querreihen, von denen jede aus sieben Zahnplatten besteht. Die Mittelplatte hat drei stumpfe Spitzen von ziemlich gleicher Grösse, mit je einem zurückgekrümmten Haken besetzt, von denen der mittelste am grössten ist. Die erste Seitenplatte hat ebenfalls drei Zähnchen, von denen das innerste grösser als die beiden anderen ist. Die zweite Platte ist viel kleiner, mit mehreren stumpfen Zähnchen, die äusserste, schräg gestellte ist wie ein Sägeblatt mit zahlreichen kurzen Zähnchen besetzt. Die ganze Reihe bildet einen nach vorn schwach convexen Bogen. Ein Kiefer ist nicht vorhanden.
Beobachtungen über die Fortpflanzung der Cyclostomen sind, soviel mir bekannt, noch nicht angestellt worden. Herr Pfarrer ~Sterr~ in Donaustauf, ein sehr tüchtiger Schneckenzüchter, erwähnt in einem mir von ~Heynemann~ mitgetheilten Briefe, dass er noch niemals Eier von _Cyclostoma_ gesehen; sollte sie vielleicht lebendig gebärend sein?
In den Gehörkapseln findet sich jederseits nur ein Otolith, der nur wenig kleiner als die Gehörkapsel ist (Ad. ~Schmidt~).
Im Nassauischen kommt diese schöne Schnecke nur an sehr wenigen, isolirten Puncten vor. An steinigen beschatteten Orten um die Burgruinen Liebenstein und Sternfels (~Thomae~). Zwischen Fachbach und Ems an einem sonnigen Rain, an der Lahneck (~Sandb.~ und ~Koch~). Unterhalb des Lurleifelsen bei St. Goarshausen (~Noll~). Alle Exemplare, die ich von diesen Orten gesehen, sind auffallend dunkel gefärbt, fast blaugrau. Die hellere Form findet sich an der ganzen Bergstrasse, von Auerbach ab, sehr häufig an den Waldrändern an dumpfigen Orten, meist tief unter Laub verborgen.
In der ~Wiegand~’schen Sammlung im Senckenbergischen Museum liegen einige Exemplare mit dem Fundort „Bockenheimer Berg“; die Frankfurter Sammler stellen aber dieses Vorkommen entschieden in Abrede.
Die Cyclostomen leben immer gesellig und sammeln sich auch zum Winterschlaf in grösseren Haufen, mitunter hunderte an einer Stelle zusammen. Gefangene Exemplare rührten keine andere Nahrung an, als Gurkenschalen; sie haben aber, nur in ein Papier gewickelt, den strengen Winter von 1869-70 in einem kalten Zimmer gut überstanden.
Dreiundzwanzigstes Capitel.
~2. Gedeckelte Wasserschnecken.~
$Aquatilia$ seu $Prosobranchia$.
Die gedeckelten Wasserschnecken athmen durch Kiemen, d. h. durch sehr gefässreiche Hautfalten, welche sich im Innern der Athemhöhle erheben und von einem Theil des Blutes durchströmt werden. Unsre Arten haben eine kurze Schnauze, schwach entwickelte Kiefer und eine lange bandförmige Zunge, die bei der einen Gruppe sieben, bei der anderen weit mehr Längsreihen von Zähnen trägt. Alle sind wie die Land-Deckelschnecken, getrennten Geschlechts und mit äusseren Begattungswerkzeugen versehen, manche lebendig gebärend. Den inneren Bau werden wir bei der am genauesten bekannten Art, _Paludina vivipara_, genauer besprechen.
Gewöhnlich unterscheidet man nach dem Bau der Kiemen zwei Hauptgruppen, die ~Kammkiemer~, _Pectinibranchiata_, mit einer kamm- oder baumförmigen Kieme, und die ~Schildkiemer~, _Scutibranchiata s. Aspidobranchia_, mit einer dreiseitigen, aus zwei Blättern zusammengesetzten Kieme. Der Name Schildkiemer dürfte aber schon desshalb nicht zu empfehlen sein, weil er nicht etwa bedeuten soll, dass das Thier eine schildförmige Kieme habe, sondern dass die betreffende Gattung -- _Neritina_ -- ein schildförmiges Gehäuse habe und durch Kiemen athme. Ich ziehe desshalb vor, die Namen der beiden Abtheilungen von den ganz verschiedenen Zungen zu nehmen und nach ~Troschel~’s Vorgang die Kammkiemer als _Bandzüngler_, _Taenioglossa_, die Schildkiemer als ~Fächerzüngler~, _Rhipidoglossa_, zu bezeichnen.
Die in unserem Gebiete vorkommenden Gattungen lassen sich folgendermassen unterscheiden:
A. Gehäuse gewunden mit rundlichem oder ganz rundem Deckel.
a. Deckel nicht ganz rund, Kieme nicht aus der Athemöffnung hervorragend.
Gehäuse gross, Deckel hornig mit concentrischen Ansatzstreifen.
_Paludina_ ~Lam.~
Gehäuse mittelgross, Deckel kalkig, concentrisch gestreift mit spiraler Embryonalwindung.
_Bithynia_ ~Leach~.
Gehäuse sehr klein, Deckel hornig.
_Hydrobia_ ~Hartm.~
b. Deckel kreisrund, Kieme baumförmig aus der Athemöffnung vorragend.
_Valvata_ ~Müller~.
B. Gehäuse halbkugelig, mit halbrundem, an der Basis eingelenktem Deckel.
_Neritina_ ~Lamarck~.
XXII. PALUDINA ~Lamarck~.
Sumpfschnecke.
Gehäuse gedeckelt, genabelt, eiförmig oder kugelig-conisch; die Umgänge stark gewölbt, durch eine tiefe Naht vereinigt; Mündung rundeiförmig, an der Mündungswand abgeschnitten und oben einen stumpfen Winkel bildend; Mundsaum einfach, scharf, zusammenhängend. Deckel mit concentrischen Anwachsstreifen ohne spirale Embryonalwindung.
Thier getrennten Geschlechts, mit einer nicht einziehbaren Schnauze; Fühler borsten-pfriemenförmig, wenig retractil; die Augen sitzen aussen etwas über ihrem Fusse auf einer besonderen Anschwellung.
Von den beiden deutschen Arten kommt bei uns nur die eine vor, nämlich
115. Paludina vivipara ~Müller~.
Lebendiggebärende Sumpfschnecke.
_Syn._ _Pal. contecta_ ~Millet~, _communis_ ~Dup.~, _Pal. Listeri_ ~Forbes~. _Vivipara vera_ ~Frauenfeld~.
Gehäuse genabelt, unten kugelig, oben rundlich kegelförmig, mit spitzem Wirbel, dünn, durchscheinend, fein gestreift, schmutzig olivengrün, bauchig. Die 7 Umgänge sind bauchig und durch eine sehr tiefe Naht vereinigt; oben bei der Naht sind sie etwas flach; der letzte Umgang besonders bauchig mit drei schmutzig braunrothen Binden, die sich bis auf den viertletzten Umgang fortsetzen und hier durch eine stumpfe Kante, die beim Embryo eine Reihe häutiger Franzen trägt, bezeichnet sind. Wirbel sehr fein zugespitzt; auf dem letzten Umgang eine Anzahl dunkler Wachsthumstreifen; der Mundsaum schwarz eingefasst, einfach, gerade. Mündung etwas schräg gerundet, eiförmig, oben stumpf winkelig. Das Gehäuse ist stets mit einer fest aufsitzenden, grauen Schmutzkruste überzogen. Deckel hornartig, das Centrum der Ringe etwas nach links, aussen mehr, innen weniger concav eingedrückt. Höhe 24-40 Mm., Durchm. 16-30 Mm.
Thier sehr plump und träge, hellbraun, mit Ausnahme der Sohle ganz mit gelben Pünctchen übersäet. Fuss breit, vorn abgestumpft, hinten schmäler und gerundet. Kopf mit kurzer Schnauze, Kiefer aus zwei länglichen, schmalen Hornplättchen bestehend. Zunge analog der von Cyclostoma, lang, bandförmig, mit einer Mittelplatte und drei Seitenplatten.
Der Magen ist eine einfache, spindelförmige Erweiterung des Darms, nur durch die Einmündung der Lebergänge als Magen kenntlich; man kann nach ~Leydig~ drei Abtheilungen darin unterscheiden, die hinter einander liegen.
Die Fühler sind kurz, dick, pfriemenförmig; aussen etwas über der Basis sitzen auf einer besonderen Anschwellung die Augen; hinter jedem Fühler ist noch ein ohrförmiger Lappen. In den Gehörkapseln hunderte von kleinen, säulenförmigen Crystallen. Das Gefässsystem bietet nichts besonderes, das Blut ist bläulich; wie schon im allgemeinen Theil erwähnt, findet in der Niere eine offene Communication zwischen den Gefässen und der Nierenhöhle, also auch ein Austausch zwischen Blut und Wasser statt. Das Athemorgan ist eine auf der rechten Seite in einem eigenen Sacke gelegene Kieme von dreieckiger Form mit drei Blättchen am oberen Rande. Geschlechtsorgane einfacher als bei den Lungenschnecken; beim Weibchen findet man eine grosse Eiweissdrüse, die dem Embryo den zu seiner Entwicklung nöthigen Nahrungsstoff liefert; der Uterus ist sehr stark ausgedehnt, und in ihm findet man immer Junge in allen Stadien der Entwicklung. Die männlichen Organe bestehen nur aus der keimbereitenden Drüse, dem Ausführungsgang und dem im rechten Fühler verborgenen männlichen Glied; auffallend ist die Existenz von zweierlei Arten Samenthierchen, die beide zur Befruchtung zu dienen scheinen. Die Entwicklung haben wir schon genauer betrachtet.
Das Weibchen zeichnet sich durch Grösse und stärkere Wölbung vor dem Männchen aus. In ihnen findet man fast den ganzen Sommer hindurch Junge in allen Stadien der Entwicklung. Die reifen haben schon vier Windungen; die letzte hat an der Stelle der beiden oberen Binden häutige Franzen; das ganze Gehäuse ist kugelig und durchscheinend.
Die Schnecke ist sehr träg, selten streckt sie mehr als die Spitze des Kopfes und den Fuss aus dem Gehäuse; sie ist auch weniger gefrässig als die anderen grossen Wasserschnecken und kann desshalb eher als Bewohnerin des Aquariums verwendet werden. Sie findet sich nur in weichen, schlammigen Gewässern der Ebene und fehlt desshalb im grösseren Theile unseres Gebietes; nur in den grösseren stehenden Gewässern zwischen Mombach und Budenheim (~Thomae~) und der Nähe von Frankfurt im Metzgerbruch (~Heyn.~). Häufig in den Sümpfen der Riedgegend. Im Judenteich bei Darmstadt; früher sehr häufig in dem jetzt fast ausgetrockneten Bessunger Teich; bei Mönchbruch (~Ickrath~).
Die zweite deutsche Art, _Pal. fasciata_ ~Müller~ (_achatina Brug._) kommt zwar schon am Niederrhein und in der Mosel vor, ist aber in unserem Gebiete noch nicht beobachtet worden. Sie unterscheidet sich durch die mehr kegelförmige Gestalt, weniger gewölbte Windungen, engen, kaum sichtbaren Nabel und hellere Farbe mit deutlichen Bändern.
XXIII. BITHYNIA ~Leach~.
Gehäuse ganz eine Paludine im kleinen, ungenabelt oder kaum geritzt, eiförmig, Windungen stark gewölbt; der Mundsaum zusammenhängend, wenig verdickt. Deckel kalkig, ziemlich dick, concentrisch gestreift, aber mit einer embryonalen Spiralwindung in der Mitte.
Thier dem von Paludina sehr ähnlich.
Wir haben in unserem Bezirke zwei Arten:
a. Gehäuse undurchbohrt, eiförmig oder lang-kegelförmig, mit ziemlich flacher Naht und 5-7 Umgängen.
_B. tentaculata_ L.
b. Gehäuse mit kleinem Nabelritz, bauchiger, die 5-6 Umgänge stark gewölbt, die Naht tiefer.
_B. Leachii_ ~Shepp.~
116. Bithynia tentaculata ~Linné~.
Unreine Sumpfschnecke,
_Syn._ _Palud. impura_ ~Lam.~
Gehäuse ungenabelt, eiförmig, bauchig, spitz, durchscheinend, glänzend, glatt, gelblich, aber immer mit einer Schmutzkruste überdeckt. Die Umgänge mit Ausnahme des letzten bilden ein spitzes, conisches Gewinde; der letzte ist stark bauchig und fast so hoch, wie das Gewinde. Naht ziemlich tief, doch seichter, als bei der folgenden Art; Mündung eiförmig, oben spitz, wenig schief. Mundsaum etwas zurückgebogen, fein schwarz gesäumt, innen stets mit einer deutlichen, schmalen, weissen Lippe belegt. Nabel ganz verdeckt. Deckel stark, eiförmig, oben zugespitzt. Höhe 6-8 Mm., Breite 3-5 Mm.
Thier violett-schwärzlich mit unzähligen goldgelben Puncten; Fuss vorn breit, zweilappig, hinten verschmälert, zugespitzt. Fühler lang, borstenförmig, Augen schwarz. Kiefer zwei zu beiden Seiten liegenden Hornplättchen. Zunge mit 7 Platten in jeder Querreihe, die am Rande eine grössere oder geringere Anzahl Zähne tragen. Sie sind ebenfalls getrennten Geschlechts, legen aber Eier.
Die Schnecke ist sehr scheu und furchtsam und schliesst bei der geringsten Erschütterung ihren Deckel. Sie ist gemein in allen stehenden Wassern der Ebene; auch in langsam fliessenden Flüssen und Bächen. In der Lahn steigt sie bis Limburg und Weilburg hinauf (~Sandb.~). Im Rhein- und Mainthal gemein, sowohl in Gräben und Lachen, als im Main selbst. Im Gebirge fehlt sie.
117. Bithynia Leachii ~Sheppard~.
Bauchige Sumpfschnecke.
_Syn._ _B. Troschelii_ ~Paasch~, _ventricosa_ ~Gray~, _similis_ ~Speyer~.
Gehäuse kegelförmig, unten bauchig, dünn, fest, wenig glänzend, schwach durchscheinend, gelblich hornfarben. 5-6 sehr gewölbte Umgänge, nach der sehr tiefen Naht hin leicht zusammengedrückt; der letzte macht etwa die Hälfte des Gehäuses aus. Mündung eiförmig gerundet, oben einen leichten Winkel bildend; Mundsaum zusammenhängend, am Spindelrande nicht zurückgeschlagen, der Aussenrand fast gerade. Nabel fast ganz bedeckt. Deckel ziemlich dünn, mit sehr deutlichen concentrischen Streifen, die paar äussersten braun. Höhe 5-10 Mm., Durchmesser 3-6 Mm.
Thier weisslich mit schwarzen Flecken und goldgelben Tüpfeln, die durch die Schale durchscheinen, und fast farblosen, durchsichtigen Fühlern (~Moquin-Tandon~).
Zu dieser Art gehört eine Schnecke, die sich sehr selten im Metzgerbruch findet und dort von Herrn Dickin aufgefunden wurde. Nach ~Heynemann~ (Nachrichtsbl. I. 1869 p. 189) ist diess dieselbe Schnecke, die ~Speyer~ in seinem Verzeichniss als _Paludina similis_ ~Férussac~ anführt.
XXIV. HYDROBIA ~Hartmann~.
118. Hydrobia Dunkeri ~Frauenfeld~.
Dunker’s Quellenschnecke.
Gehäuse abgestutzt, ziemlich gedrungen, ganz eine Paludine im Kleinen vorstellend. Vier Windungen, die ersten nur wenig vortretend, die vierte gross, gewölbt, an der Naht jedoch kaum eingezogen. Mündung eiförmig, kaum gewinkelt, der rechte Mundrand nicht vorstehend. Spindelrand kaum anliegend, nach unten leicht umgebogen; Nabelritz mittelmässig, doch deutlich vertieft. Schale nicht sehr durchsichtig, olivengrün, anwachsstreifig, Mündung weisslich. Länge 2,4 Mm. Breite der letzten Windung 1,4 Mm. (Ffld.)
Thier mit breiten Fühlern, nahe deren Spitze die Augen sitzen. Fuss gross.
Diese kleine, von ~Sandberger~ und ~Koch~ als _Paludina viridis_ angeführte Schnecke findet sich in grosser Menge in den Quellen und deren Abflüssen im ganzen rheinisch-westphälischen Schiefergebirge, aber nicht im Taunus und auch nicht in der Ebene; schon im Gebiet des bunten Sandsteins bei Marburg fehlt sie. Sie sitzt mit Vorliebe an den Blättern und in den Blattachseln von _Chrysosplenium_, _Myosotis_ und _Beccabunga_; man findet sie den ganzen Winter hindurch. Quellwasser scheint ihr unbedingt nöthig zu sein, denn schon wenige Schritte von der Quelle findet man sie nicht mehr, und im Aquarium konnte ich sie nie erhalten. Dagegen findet man sie nicht selten zwischen durchfeuchtetem Laub nicht eigentlich mehr im Wasser; ich habe oft an demselben Blatt mit ihr _Carychium minimum_ und _Vertigo septemdentata_ gefunden. Sie scheint von den Tritonen sehr gern gefressen zu werden.
In Quellen bei Dillenburg im Thiergarten und Aubachthale häufig; auch bei Siegen (~Koch~). In allen Quellen um Biedenkopf in Menge (!) Bei Elberfeld (~Goldfuss~).
Vierundzwanzigstes Capitel.
XXV. VALVATA ~Müller~.
Kammschnecke.
Gehäuse kugelig, kreisel- bis scheibenförmig, meist genabelt, mit stielrunden Windungen, kreisförmiger Mündung und zusammenhängendem scharfem Mundsaum. Deckel kreisrund mit vielen spiraligen Windungen.
Thier mit rüsselförmiger Schnauze, langen cylindrischen Fühlern, welche hinten am Grunde die Augen tragen. Kiemen lang, federartig, mit einem fadenförmigen Anhang am Grunde, den manche für eine Nebenkieme halten, aber wohl mit Unrecht, da er keine Gefässe enthält; beim Athmen treten beide aus der Kiemenhöhle heraus. Die beiden Kiefer sind kleine rundliche Hornschüppchen, die, besonders am vordern Rande, gelb gefärbt sind. Nach ~Moquin-Tandon~ findet sich zwischen beiden noch eine rudimentäre Oberplatte.
Die Valvaten sind Zwitter, das männliche Glied liegt hinter dem rechten Fühler, die weibliche Oeffnung auf derselben Seite unter dem Mantelrand. Die Eier werden, von einem Laich umhüllt, von den verschiedenen Arten in verschiedener Weise abgesetzt.
Diese Schnecken leben am liebsten in stehendem oder langsam fliessendem Wasser mit schlammigem Grunde; die Thiere halten sich meistens im Schlamme auf. Im Glase gehalten sind sie sehr scheu und ziehen sich bei der geringsten Erschütterung in ihr Gehäuse zurück.
C. ~Pfeiffer~, dem wir die erste genaue Beschreibung der deutschen Valvaten verdanken, unterscheidet fünf Arten; über die Selbstständigkeit der beiden ersten kann man freilich im Zweifel sein und ~Moquin-Tandon~ erklärt ohne weiters _depressa_ für eine junge _piscinalis_. Alle fünf Arten finden sich in Nassau und lassen sich folgendermassen unterscheiden:
a. Gehäuse kreiselförmig, mit erhobenem Gewinde.
Gehäuse kugelig-kreiselförmig, Deckel ganz vorn an der Mündung, durchbohrt genabelt.
_V. piscinalis_ ~Müll.~
Gehäuse flacher und kleiner, offen und weit genabelt, Deckel weiter in die Mündung eingesenkt.
_V. depressa_ C. ~Pfeiff.~
b. Gehäuse scheibenförmig.
Gehäuse oben und unten genabelt, Mundsaum etwas zurückgebogen.
_V. spirorbis_ ~Drp.~
Gehäuse nur unten genabelt, oben flach, Mundsaum einfach, geradeaus.
_V. cristata_ ~Müll.~
Gehäuse nach oben etwas convex, sehr klein, nur 1¼ Mm. Durchm., Mundsaum einfach.
_V. minuta_ ~Drp.~
Eine genaue Untersuchung dieser Familie wäre sehr zu wünschen.
119. Valvata piscinalis ~Müller~.
Stumpfe Kammschnecke.
_Syn._ _V. obtusa_ C. ~Pfr.~, _Cyclostoma obtusum_ ~Drp.~
Gehäuse kreiselförmig, etwas kugelig, schmutzig gelb, durchsichtig, wenig glänzend, fein gestreift. Das Gewinde mit 4 stark gewölbten Umgängen, der letzte bauchig, die übrigen schnell abnehmend, eine stumpfe Spitze bildend. Mündung beinahe kreisrund. Mundsaum einfach. Deckel hornartig, mit einer Spirallinie bezeichnet, von aussen etwas vertieft, matt, von innen in gleichem Verhältniss erhaben, sehr glänzend. Nabel tief, durch den Umschlag des Spindelrands ein wenig verdeckt. (C. ~Pfeiff.~). Höhe und Breite gleich, 6-8 Mm.
Thier weisslich oder graugelb, durchscheinend, Fühler unten verdickt; Fuss gross, vorn in zwei Lappen gespalten, hinten abgerundet, bedeutend länger als die Schale. Kieme 3 Mm. lang mit 14 gefiederten Seitenfasern auf jeder Seite, die nach der Spitze hin immer kürzer werden.
Sie legt 12-20 Eier, zu einem kugeligen, trüb durchsichtigen Laich vereinigt, von grüner oder hochgelber Farbe, die nach 26-28 Tagen ausschlüpfen.
In schlammigen Gräben bei Mombach und in schlammigen Buchten des Mains; selten; leere Gehäuse in den Anspülungen des Mains häufiger. (~Thomae~). An der Mainspitze selten. (A. ~Römer~). Häufig im Hanauer Stadtgraben und an der Ehrensäule, selten im Main (~Speyer~). Im Dietzischen Graben bei Hanau (~Heyn.~). In der Sulzbach sehr häufig (~Ickrath~). Eine besonders schöne Form fand ich in Masse in der Wickerbach kurz oberhalb der Flörsheimer Kalksteinbrüche, darunter einzelne, welche sich sehr der _contorta_ nähern; sie ist mit der gewöhnlichen Mainform abgebildet. Häufig im Main bei Schwanheim unter Steinen; todte Exemplare im Sande in Menge.
120. Valvata depressa C. ~Pfeiffer~.
Niedergedrückte Kammschnecke.
Gehäuse flachkugelig, etwas kreiselförmig, hellhornfarbig, durchscheinend, wenig glänzend, fein gestreift. Gewinde wenig erhoben, eine abgestumpfte Spitze bildend. Umgänge 3½, durch eine tiefe Naht vereinigt, Mündung vollständig kreisrund, etwas erweitert, Mundsaum zusammenhängend, Nabel offen und tief. Deckel hornartig, dünn, etwas in die Mündung eingesenkt. Höhe 3-4 Mm., Breite 4-5 Mm.
Thier hellgrau, durchsichtig, Kieme kürzer wie bei der vorigen Art.
Mit _piscinalis_ in schlammigen Gräben und Lachen. Nicht selten in schlammigen Gräben bei Mombach. (~Thomae~). Bei Bischofsheim und Enkheim (~Speyer~).
121. Valvata spirorbis ~Draparnaud~.
Gekräuselte Kammschnecke.
Gehäuse scheibenförmig, oben wenig, unten stark vertieft, viel weiter genabelt als _cristata_, hornfarbig, etwas durchscheinend, fein gestreift, wenig glänzend. 3 Umgänge, Mündung völlig rund, Mundsaum einfach, etwas zurückgebogen. Deckel concentrisch gestreift, innen etwas erhaben, aussen eingedrückt und etwas in der Mündung eingesenkt. Höhe 1 Mm. Breite 2-3 Mm. (C. ~Pfeiffer~).
Thier von dem der anderen Valvaten nicht abweichend.
In Gräben am Kohlbrunnenwald bei Hanau (~Heyn.~).
122. Valvata cristata ~Müller~.
Scheibenförmige Kammschnecke.
_Syn._ _V. planorbis_ ~Drp.~
Gehäuse scheibenförmig aufgerollt, wie bei _Planorbis_, klein, flach, oben ganz platt, nicht eingesenkt, unten weit genabelt, hellhornfarbig mit schwärzlichem Schlammüberzug, durchscheinend, glänzend, sehr fein gestreift. Umgänge 3, stielrund, langsam zunehmend. Mündung kreisrund, etwas erweitert, mit einfachem, nicht umgebogenem Mundsaum. Deckel hornig, dünn, in die Mündung etwas eingesenkt. Höhe ¾ Mm. Br. 2-3 Mm.
Thier hellgrau mit vorn zweilappigem Fuss und verhältnissmässig kurzen Kiemen.
In Gräben und schlammigen Flussbuchten. Im Main; einzeln in der Lahn bei Biedenkopf. Bei Hanau sehr selten im Kohlbrunnengraben, in der Kinzig im Lamboiwald, und bei Bischofsheim (~Speyer~).
123. Valvata minuta ~Draparnaud~.
Kleinste Kammschnecke.
Gehäuse scheibenförmig, oben ein wenig gewölbt, unten genabelt, sehr klein, hellhornfarbig, oft mit einem schwärzlichen Ueberzug, durchsichtig, glänzend, feingestreift. 3 Umgänge. Mündung rund, mit einfachem Saum. Deckel hornartig, mit concentrischen Ringeln, Höhe ½ Mm. Br. 1 Mm.
Thier ganz dem von _cristata_ ähnlich. Ueberhaupt unterscheidet sich diese Art nur durch ihre geringere Grösse bei gleicher Windungszahl von dieser.
In den Wassergräben von Mombach nicht selten, oft an Phryganeengehäusen. (~Thomae~).
Fünfundzwanzigstes Capitel.
XXVI. Neritina ~Lamarck~.
Schwimmschnecke.
124. Neritina fluviatilis ~Müller~.
Gehäuse ungenabelt, dünn, aber sehr fest, schräg halbeiförmig, glatt, wenig-glänzend, roth oder schmutzig violett gegittert, dazwischen mit weissen, verlängerten Tropfenflecken, mitunter mit zwei oder drei deutlichen Längsstreifen. Gewinde klein, ziemlich in der Mitte der oberen Hälfte des Gehäuses stehend, flach und nur selten etwas erhoben. Mündung halbrund. Der Columellarrand bildet eine flache, schräg nach innen gerichtete Wand, deren Aussenrand etwas wulstig ist, so dass der Mündungsrand gewissermassen zusammenhängend erscheint. Columellarrand ungezähnt. Deckel aus Schalensubstanz, rothgelblich mit dunkelrothem, dünnerem Saum, mit einem kleinen punktförmigen Gewinde und einem lanzettförmigen Schliesszahn an der unteren Spitze; durch den letzteren wird der Deckel auch nach dem Tode des Thiers noch an der Schale festgehalten. Höhe 5-6 Mm. Breite 6-8 Mm.
Thier weisslich mit schwarzem Kopf und Nacken; zwei lange, weisse, borstenförmige Fühler mit einem schwarzen Strich auf der Oberseite. Augen auf kleinen Knöpfchen aussen an der Fühlerbasis. Der Fuss gross, vornen abgerundet, an den Rändern durchscheinend, mitunter mit einzelnen schwarzen Flecken. Athemöffnung auf der rechten Seite am Hals. Zunge lang, bandförmig mit drei Mittelplatten, einer kleineren in der Mitte, die wieder aus zwei seitlichen Hälften zusammengesetzt ist, und zwei breiteren an der Seite; alle drei sind ganzrandig; darauf folgt nach aussen jederseits eine ziemlich grosse Platte mit feingezähntem Rand und dann die aus zahlreichen schmalen, gleichbreiten Leisten zusammengesetzten Seitenplatten. Die ganze Reihe bildet einen ziemlich starkgekrümmten Bogen; ich zählte 90-96 solcher Querreihen.
Wie die Neritinen durch ihre Zungenbewaffnung ganz isolirt unter unseren Binnenmollusken stehen, so sind sie auch die einzigen, welche eine feste Hülle für ihre Eier bauen, wie das so viele Seeschnecken thun. Es ist eine rundliche Kapsel, die mit der einen Seite an Steinen, mitunter aber auch an anderen Neritinen befestigt wird; letzterer Umstand hat G. ~Pfeiffer~ zu der Annahme veranlasst, dass die Neritinen ihre eigene Brut auf der Schale umhertrügen. Jede Kapsel enthält 40-60 Eier, aber nach ~Claparède~ kommt von denselben immer nur eins zur Entwicklung, die anderen dienen dem Embryo als Nahrung. Ist derselbe vollständig entwickelt, so springt die obere Hälfte der Kapsel ab und das Thier ist frei.
~Varietäten.~ Mit Unrecht hat man die Formen mit deutlichen Streifen als _var. trifasciata_ abtrennen wollen, man findet dieselben mitten unter den anderen und durch alle möglichen Uebergänge mit ihnen verbunden; es hat das nicht mehr Sinn, als wenn man sämmtliche Bänderspielarten von _Hel. nemoralis_ und _hortensis_ als Varietäten abtrennen wollte. Dagegen kommt eine kleine Form mit stark vorstehendem Gewinde vor, von ~Rossmässler~ _var. halophila_ genannt, weil sie in den Mansfelder Salzseen vorkommt. Sie wurde von ~Römer~ auch in den Abflüssen der Wiesbadener Thermen, besonders zahlreich an der Armenruhmühle gefunden; auch hier könnte man das salzige Wasser für die Ursache ihrer Ausbildung halten. Leider stimmen damit aber andere Thatsachen nicht überein. Ich fand nämlich dieselbe Form sehr häufig in dem Wickerbach, der durch die bekannten Flörsheimer Steinbrüche fliesst, und erhielt sie durch Herrn C. Koch aus der Nied bei Bonames. Sie scheint mir demnach ~die Form der kleinen Bäche~ zu sein, wie wir ja auch bei den Najadeen eigenthümliche Bachformen finden. Leider habe ich noch nicht die Zeit finden können, auch die übrigen Taunusbäche darauf zu untersuchen.
Die Neritinen sitzen träge an Steinen und unter denselben oder anderen im Wasser liegenden und mit Algen überzogenen Gegenständen; an Pflanzen habe ich sie nie gefunden und ebenso habe ich nie eine Neritine schwimmen sehen; der Büchername Schwimmschnecke passt desshalb auf unsere Art nicht besonders. Sie scheinen das ganze Jahr hindurch in Thätigkeit zu sein, denn man findet sie mit _L. ampla_ schon sehr zeitig im Frühjahr. Sie bevorzugt entschieden die grösseren Gewässer. Im Rhein und Main ist sie allenthalben häufig, in der Lahn bei Weilburg findet sie sich nach ~Sandberger~ ebenfalls in Menge, aber weiter hinauf fehlt sie und auch in der Dill kommt sie nicht vor. Dagegen findet sich, wie schon erwähnt, in der Salzbach bei Wiesbaden, der unteren Nied und der Wicker die _var. halophila_. Interessant wäre zu untersuchen, wie weit sie in den Bächen emporsteigt. In der Wickerbach an den bekannten versteinerungsreichen Kalkbrüchen von Flörsheim sammelte ich sie in Menge, aber nur unterhalb einer Mühle, die an dem Puncte liegt, wo der wasserreiche Bach die Ebene betritt; oberhalb war kein Exemplar mehr zu finden. In der Salzbach dagegen, einem viel kleineren Gewässer, steigt sie bis in das Kesselthal von Wiesbaden empor. In der Nied ist sie sicher bis in die Gegend von Vilbel gefunden, kommt aber wohl noch weiter nach oben vor, wo freilich bis jetzt noch _terra incognita_ in conchyliologischer Beziehung ist. Auch in der untern Kinzig kommt sie nach Speyer vor, doch fehlen auch hier die Angaben über die Höhe, bis zu welcher sie emporsteigt.
Sechsundzwanzigstes Capitel.
B. MUSCHELN.
$Acephala$ oder $Pelecypoda$.
Die Muscheln zeichnen sich vor den Schnecken durch den Besitz zweier Schalen und den vollständig symmetrischen Bau aus, der es möglich macht, den Körper durch einen senkrecht längs der Mitte geführten Schnitt in zwei fast ganz gleiche Hälften zu theilen. Alle Organe, ausser dem Darmcanal, sind doppelt vorhanden, eins auf jeder Seite.
Wir finden an den Muscheln zu äusserst die beiden Klappen der Schale, dann innerhalb derselben die beiden entsprechenden Blätter des Mantels, dann inwendig jederseits zwei Kiemenblätter, von derselben Gestalt, aber kleiner, und zu innerst den eigentlichen Körper, ohne Kopf, nur mit einer Mundöffnung, die von einigen Lippentastern umgeben wird, und mit einem beilförmigen Fuss zur Fortbewegung.
Die paarigen Organe sind auf der einen Seite mit einander verwachsen, oder, wie die Schalen, durch besondere Vorrichtungen verbunden, so dass man das ganze Thier nicht unpassend mit einem eingebundenen Buche vergleichen kann, dessen Deckel die beiden Schalen bilden.
Wie schon im allgemeinen Theile erwähnt, nennt man den Rand, an dem die beiden Schalen mit einander verbunden sind, den Oberrand und unterscheidet demgemäss auch rechts und links. Die beiden Schalen sind bei unseren Arten wenigstens fast ganz gleich, nur die Zähne des Schlosses sind an beiden verschieden, und man nennt sie desshalb gleichklappig; ungleichklappige finden sich nur im Meer. Sie bestehen, wie die Schneckenschalen, vorwiegend aus Kalk in der Form des Arragonits; nur 2-4 % sind organischen Ursprungs. Wir finden an den Schalen zu äusserst eine Oberhautschicht, die bei unseren Arten sehr entwickelt ist und bei den Unioniden sogar über den Schalenrand übersteht; dann folgt eine Kalkschicht, die aus kurzen, senkrecht stehenden Prismen von Arragonit besteht, und zu innerst die Perlmutterschicht, ebenfalls Kalk, der in dünnen, unendlich fein gefalteten Lagen abgeschieden wird und durch die Fältelung den bekannten Perlmutterglanz erhält. Diese innerste Lage wird stets von der ganzen Manteloberfläche abgeschieden, so dass jede Lage die ganze Innenfläche der Muschel auskleidet; mit demselben Stoff werden auch Verletzungen ausgebessert und fremde Körper, die zwischen Mantel und Schale gerathen, umhüllt.
Die Schalen sind am oberen Rande mit einander verbunden durch ein mehr oder weniger mit Zähnen versehenes Schloss, das ein seitliches Auseinanderweichen der beiden Klappen verhindert, und durch das Schlossband, eine starke knorpelige, mit Epidermis überzogene und Kalkablagerungen enthaltende Membran, die sich bei unseren Arten aussen hinter dem Schloss von einer Klappe zur andern erstreckt und durch ihre Elasticität die Oeffnung der Klappen bewirkt.
Die äussere Schalenfläche zeigt immer concentrische Zuwachsstreifen um den ältesten Punct, den Wirbel, herum; aus ihrer Anzahl kann man das Alter der Muschel schätzen, aber durchaus nicht sicher bestimmen, da wir nicht wissen, wie oft solche Zuwachsstreifen gebildet werden. Im Innern der Schale sehen wir die Ansätze verschiedener Muskeln, besonders der Schliess- und Fussmuskeln, und die Linie, welche den freien Rand des Mantels bezeichnet.
Unter den Schalen liegt zunächst der den ganzen Körper der Muschel umhüllende ~Mantel~, ebenfalls aus zwei, an der Oberseite mit einander verwachsenen Blättern bestehend, die genau der inneren Form der Schalen entsprechen. Sie sind bei unseren Arten gar nicht verwachsen, oder nur an einem so kleinen Theile ihrer Ränder, dass eine Cloaken- und eine Athemöffnung von dem übrigen Theile der Mantelspalte abgetrennt werden. Bei den Unioniden ist diese Oeffnung nur von einem wenig vorgezogenen, meist mit Tentakeln besetzten Rande umgeben, bei den Cycladeen ist sie in zwei Röhren, die sogenannten Siphonen, verlängert. Der Mantel besteht aus einem besonders am freien Rande von Muskeln durchsetzten, äusserst gefässreichen Bindegewebe, welches aussen und innen von einem einfachen Epithelium überzogen ist, das innen häufig flimmert. An den Cloakenöffnungen und den Siphonen finden sich eigene Schliessmuskeln.
Die Verdauungsorgane bestehen aus einem einfachen ~Mund~, der am vorderen Ende des Thieres liegt; er ist von zwei Hauptfalten der Ober- und Unterlippe, umgeben und auf diesen stehen noch zwei Paar dreieckige Taster, die mit einer Ecke angewachsen und auf der Innenfläche mit Flimmerepithelium überzogen sind. Sie dienen theils zum Herbeiführen der Nahrung, theils zum Abhalten unbrauchbarer Substanzen. Eine kurze Speiseröhre führt dann in den rundlichen, sehr einfachen Magen; der Darm ist bei unseren Arten ebenfalls sehr einfach; er verläuft bei den Najadeen erst eine Strecke weit nach unten, macht eine Biegung bis fast wieder an den Magen und verläuft dann als Dickdarm und Mastdarm gerade nach hinten. Bei den Najadeen hängen Dünndarm und Dickdarm an der Umbiegungsstelle nur durch zwei enge Canälchen, in deren Umgebung sich noch einige Blindsäcke finden, zusammen. Der Mastdarm mündet durch das Herz hindurch in den Cloakenraum. Von Anhangsdrüsen finden wir eine starke Drüse, die den Magen umhüllt und mit mehreren Ausführungsgängen in ihn mündet, man hält sie für die Leber, hat aber noch keinen Gallenstoff darin nachweisen können. Speicheldrüsen fehlen unseren Arten; dagegen findet sich bei den meisten am unteren Ende der Speiseröhre ein oft ziemlich langer, blinder Anhang, der einen structurlosen, cylindrischen, durchsichtigen Körper, den sogenannten ~Crystallstiel~ enthält, von dessen Bedeutung man noch keine Idee hat.
Da alle Kauapparate fehlen, können die Muscheln nur ganz fein zertheilte Nahrung, die ihnen mit dem Wasser zugeführt wird, geniessen. Grössere, ungeniessbare Gegenstände werden durch die Lippentaster und die Anhänge im Umfang der Cloakenöffnung wie durch ein Sieb zurückgehalten. Nach den im Darm gefundenen Resten scheinen die microscopischen Algen den Hauptbestandtheil der Nahrung auszumachen.
Das Gefässsystem der Muscheln ist sehr complicirt, da es nicht nur zur Circulation, sondern auch zur Vergrösserung und Verkleinerung der Organe durch die sogenannten Schwellgefässe dient. Alle haben ein von einem Herzbeutel umhülltes ~Herz~, das ganz oben am Rücken dicht am Mastdarm liegt und dasselbe mit zwei Fortsätzen umfasst; es besteht aus einer Herzkammer und zwei Vorhöfen und giebt zwei grosse Schlagadern, eine nach vorn und eine nach hinten ab. Ausserdem kommt aber noch ein eigenthümliches Organ in Betracht, das nach seinem ersten Beschreiber der ~Bojanus’sche Körper~ genannt wird und das unmittelbar unter dem Herzbeutel liegt; es besteht aus einem doppelten Paar Röhren, die in verschiedener Weise unter einander, mit dem Herzbeutel und den in denselben mündenden Capillarien, sowie andererseits mit dem freien Raum zwischen den Mantelblättern durch das sogenannte Athemloch communiciren. Auch hängen sie mit einem in der Mittellinie unmittelbar darunter liegenden venösen Sinus aufs innigste zusammen.
Im Gegensatz zu den Schnecken, bei denen das Blut aus den Arterien in die Venen durch wandlose Räume, Lacunen, übergeht, haben die Muscheln sehr ausgebildete Capillarien, welche aber zum Theil weniger dem Kreislauf, als dem An- und Abschwellen der Theile dienen; in diesem Falle münden noch ziemlich starke Zweige von Arterien in die Netze ein, während sie sich bei den der Ernährung dienenden erst baumförmig auf’s Feinste verzweigen. Die Capillarien sammeln sich nachher in Venen, die theils in den grossen venösen Sinus, theils in das Bojanus’sche Organ, theils direct in den Herzvorhof münden.
Aus den Gefässnetzen des Bojanus’schen Körpers sammelt sich dann die Kiemenarterie und tritt zwischen die beiden Blätter jeder Kieme; in denselben verzweigt sich dieselbe vielfach und sammelt sich dann an den oberen Rand zu den Kiemenvenen, die unmittelbar in die Vorhofe einmünden. Das Gefässsystem hängt ausser durch das Bojanus’sche Organ und seinen Ausführungsgang auch noch durch eine, für gewöhnlich durch einen Muskel verschlossene Oeffnung am Mantelrande in der äusseren Kiemenvene und durch wasserführende Canälchen, die im Fusse verlaufen und an dessen unterer Kante nach aussen münden, mit dem freien Raum innerhalb der Schale und dem dort befindlichen Wasser zusammen, so dass das Blut jederzeit beliebig mit Wasser verdünnt werden kann. Ob diess im Leben regelmässig oder nur in besonderen Fällen geschieht, ist noch zu entscheiden. Das Blut selbst ist farblos, bläulich oder röthlich, mit farblosen, mitunter zackigen Blutkörperchen und enthält nach C. ~Schmidt~ bei _Anodonta_ etwa 9 pro Mille, nach ~Voith~ bei _Margaritana_ nur 3,1 pro Mille feste Bestandtheile.
Die ~Athmungsorgane~ bestehen überall in ~Kiemen~, meistens zwei Blättern jederseits, die innerhalb des Mantels gelegen sind und ebenso wie dieser den ganzen Körper umhüllen. Sie sind hinten unmittelbar mit einander eine Strecke weit, soweit das Schloss reicht, verwachsen, am deutlichsten bei den Siphonen tragenden Cycladeen, wo dann die eine Röhre mit der Cloakenkammer über, die andere mit der Kiemenkammer unter der Kieme zusammenhängt. Jede Kieme besteht aus zwei mit einander verwachsenen Blättern, zwischen denen die Blut- und Wassergefässe verlaufen. Wo die beiden Blätter am Körper angewachsen sind, weichen sie etwas von einander und lassen einen dreieckigen Raum zwischen sich. Bei den Najadeen ist jede Kieme noch durch Verwachsungen in Fächer getheilt, die als Bruttaschen für die Jungen dienen; dieselben münden durch enge Oeffnungen in eine flimmernde Rinne am freien Rande der Kiemen. Auf den sehr complicirten microscopischen Bau, wie wir ihn besonders durch ~Langer~[11] bei _Anodonta_ genauer kennen gelernt haben, näher einzugehen, verbietet der Raum. Im allgemeinen hat jedes der beiden Blätter seine eigene Arterien und Venen, die mit denen des damit verwachsenen Blattes nicht communiciren; sie sind ausserdem von Chitinstäbchen durchsetzt, zwischen denen Oeffnungen bleiben, die dem Wasser freier Durchtritt gestatten. Es tritt dann in die Kiemenfächer und aus diesen durch den Wassercanal am oberen Rande in den Cloakenraum und so nach aussen. Es macht also das zum Athmen verbrauchte Wasser diesen bestimmten Weg, so lange Vorrath genug da ist; nimmt man aber die Muschel aus dem Wasser, so kann kein neues Wasser zugeführt werden, und das verbrauchte Wasser dringt dann wieder durch einige enge sonst unbenutzte Oeffnungen in die Kiemenhöhle, um seinen Kreislauf von neuem zu beginnen, bis aller Sauerstoff verbraucht ist und das Thier stirbt.
Die Bewegung des Wassers innerhalb der Schalen wird für gewöhnlich durch die Flimmerbewegung der Epithelien, welche den ganzen Athemapparat auskleiden, bewirkt. Alle paar Minuten kommt aber dazu noch ein allgemeiner Wasserwechsel, indem das Thier plötzlich seine Schalen schliesst und das darin befindliche Wasser austreibt; öffnet es dann wieder die Klappen, so strömt ganz frisches Wasser nach.
Einen Unterschied zwischen arteriellem und venösem Blute hat man bis jetzt noch nicht nachweisen können.
Die Secretionsorgane sind nur wenig entwickelt. Die Schale wird ohne besondere Drüsen von der ganzen äusseren Fläche des
Mantels abgesondert; der Rand bildet besonders die Prismenschicht, die übrige Oberfläche die Perlmutter. Verletzungen des Mantels bedingen meist Verkümmerung der Schale oder einzelnen Parthieen. Ausserdem kommt als Secretionsorgan noch die Bojanus’sche Drüse in Betracht, doch ist man noch weit entfernt davon, einen klaren Begriff von ihrer Function zu haben; manche halten sie für eine Niere; da man aber nie Harnstoffverbindungen, sondern nur Kalk in ihr gefunden hat, ist es wahrscheinlicher, dass sie den zum Schalenbau nöthigen Kalk bereitet, vielleicht in Form einer Verbindung von Kalk und Eiweiss, oder dass sie zur Bildung des Pigmentes in Beziehung steht.
Das Nervensystem zeigt zunächst dieselben drei Paar Ganglien, wie bei den Schnecken, aber weit von einander entfernt liegend und nur durch Nervenfäden verbunden. Das erste Paar, die Mundganglien, versorgt den vorderen Theil des Körpers, das mittlere, die Fussganglien, den Fuss und das Gehörorgan, aber nicht die Eingeweide, und das dritte Paar, die Kiemenganglien, die Kiemen und den hinteren Theil des Mantels. Ausserdem finden sich aber noch eine Anzahl Ganglien, die, vom Willen unabhängig, dem Sympathicus der höheren Thiere entsprechen und mehrfach mit den anderen Ganglien zusammenhängen; sie versorgen die Eingeweide.
Die Sinnesorgane sind bei unseren Arten nur wenig entwickelt. Gesichtsorgane fehlen gänzlich, während viele Seemuscheln sehr schön entwickelte, zahlreiche Augen am Mantelrande haben; doch scheinen die Unionen manchen Beobachtungen nach nicht ganz unempfindlich gegen das Licht zu sein. Ob Geschmacksorgane vorhanden, ist nicht zu entscheiden; dagegen scheint das Gefühl sehr entwickelt zu sein, und seinen Sitz nicht nur in den Mundtastern und den Tastern am Mantelrande, sondern auch ganz besonders im Fusse zu haben. Endlich sind bei allen Gehörorgane vorhanden, zwei Kapseln mit je einem grossen Gehörsteine, die bei den Cycladeen unmittelbar auf dem Fuss-Nervenknoten aufsitzen, bei den Najadeen in einiger Entfernung davon und durch Nerven damit verbunden, liegen.
Die Bewegungsorgane sind natürlich mannigfaltiger, als bei den Schnecken, da zu der Ortsbewegung auch noch das Oeffnen und Schliessen der Schalen kommt. Für die Ortsbewegung dient, wie bei den Schnecken, der musculöse ~Fuss~, der beil- oder zungenförmig gestaltet ist, und sowohl zum Kriechen und zum Eingraben in den Sand, als bei den Cycladeen auch zum Klettern an Wasserpflanzen und zum Schwimmen nach Art der Limnaeen dient. Er kann durch die Schwellorgane und Wassergefässe sehr vergrössert werden, wenn das Thier kriechen oder bohren will, und schiebt sich dann aus den Schalen heraus, will ihn das Thier zurückziehen, so verkleinert es ihn, indem es durch ein rasches Zusammenziehen das Wasser nach aussen spritzt. Das Oeffnen der Schale bewirkt, wie schon oben erwähnt, das Schlossband, das Schliessen die beiden, von einer Klappe zur anderen quer durch den Körper hindurchgehenden Schliessmuskel. Damit aber diese nicht ewig der Elasticität des Schlossbandes entgegen zu arbeiten brauchen, liegt jedem ein starker Bindegewebestrang an, der das Oeffnen der Schale nur bis zu einem gewissen Grade gestattet und von da ab auch noch nach dem Tode des Thieres dem Schlossbande das Gleichgewicht hält, so dass eine Ermüdung der Muskeln nicht so leicht eintreten kann.
Die Geschlechtsorgane sind stets paarig, aber bei den verschiedenen Gattungen sehr verschieden gebaut. Die Cyclasarten und wahrscheinlich auch die Pisidien sind Zwitter, die Najadeen sind getrennten Geschlechtes, aber die keimbereitenden Drüsen sind bei Männchen und Weibchen ganz gleich gebaut, nur, wenn Saamen oder Eier entwickelt sind, bekommen sie verschiedene Färbung. Nach ~van Beneden~ kommen aber auch hier Zwitter vor, bei denen ein Theil der Drüse Eier, der andere Saamen producirt; doch behauptet ~von Hessling~, dass dann immer das eine Geschlecht überwiege, und entweder Saamen oder Eier nicht völlig ausgebildet seien. Auch _Tichogonia_ ist getrennten Geschlechtes. Die engen Ausführungsgänge münden mit einer sehr feinen Oeffnung auf einem Wärzchen, neben der Mündung des Bojanus’schen Ganges.
Bei einiger Aufmerksamkeit und Uebung soll man schon an den Schalen die Männchen und Weibchen unterscheiden können. Nach ~von Siebold~ ist bei _Anodonta_ das Männchen breit oder elliptisch eiförmig, die weibliche Schale länglich-eiförmig und stärker gewölbt. Die stärkere Wölbung besonders des hinteren Theiles, führt auch ~Küster~ als Hauptkennzeichen des Najadeenweibchens an.
Begattungswerkzeuge fehlen gänzlich.
Ein besonderes Organ, das von unseren Muscheln im ausgebildeten Zustande nur _Tichogonia_ zu besitzen scheint, ist die Byssusdrüse, eine Drüse, durch welche die Fäden abgesondert werden, mit welchen sich diese Muschel an Steine, Pfähle oder andere Muscheln befestigt. Sie besteht aus einer rundlichen Höhle, in der sich Drüsen befinden; die Fäden werden durch einen besonderen zungenförmigen Fortsatz des Fusses, den sogenannten Spinner, ausgezogen. Uebrigens kann unsere Muschel jederzeit den Byssus ablösen und sich neu befestigen.
Siebenundzwanzigstes Capitel.
Entwicklung der Muscheln.
Die Entwicklung der Muscheln ist äusserst interessant, aber leider ist es der Wissenschaft noch immer nicht gelungen, alles aufzuhellen und den vollständigen Entwicklungsgang vom Ei bis zum ausgebildeten Thiere zu verfolgen. Am leichtesten ist diess noch bei den Cycladeen, da deren Junge ihre vollständige Ausbildung innerhalb des mütterlichen Körpers durchmachen. Es haben die Thiere zu diesem Zwecke eine eigene Bruttasche jederseits, die von der Wurzel der inneren Kiemen frei in die Kiemenkammer herabhängt, und im Inneren gewöhnlich wieder in drei Täschchen, von denen jedes bis zu 6 Embryonen auf sehr verschiedenen Entwicklungsstufen enthält, zerfällt. Die Art der Befruchtung ist noch ganz unbekannt. Beide Geschlechter sind bei den Cycladeen in einem Individuum vereinigt. Wahrscheinlich wird der Samen frei ins Wasser ergossen und dann von anderen Individuen wieder aufgesogen und gelangt so zu den Eiern. Die Embryonen bestehen nach ~Leydig~ nur aus einem Ballen Zellen mit Dotterkörnchen, ohne eine Hülle, ohne Eiweiss und ohne Flimmerorgane; sie nähren sich von der klaren Flüssigkeit, die von der Innenfläche der Bruttasche ausgeschieden wird. Es bilden sich dann Fuss- und Darmkanal, deren Oberflächen ganz mit Flimmerhaaren überzogen sind, die ersten Spuren des Byssusorgans und der Kiemen und Schalen. Aus dem anfangs paarigen Byssusorgan wächst dann ein ziemlich langer Byssusfaden, und die Fäden aller in einer Tasche befindlichen Embryonen vereinigen sich zu einem gemeinsamen Stamme, der sich an der Taschenwand befestigt. Zuletzt bilden sich die Schliessmuskeln und das Herz, und so verlässt die Larve die Bruttasche, ohne Blutgefässe, erst mit den Anfängen des Nervensystemes und ohne Siphonen. Nach ~Bronn~ kriechen die Jungen in diesem Zustande, indem sie schon ⅕-⅙ ihrer späteren Grösse erreicht haben, zwischen den Wasserpflanzen umher, befestigen sich da und dort mit Byssusfäden und bilden rasch ihre Kiemen aus, während das Byssusorgan schwindet. Etwas abweichend von diesem Typus entwickelt sich nach O. ~Schmidt~ der Embryo von _Cyclas calyculata_, er hat keine Byssusdrüse und ist zu keiner Zeit an den Wandungen der Bruttasche befestigt, sondern rotirt frei in derselben durch zwei mit Flimmerhaaren besetzten Längswülstchen, aus denen später die beiden Mantellappen werden.
Es findet also hier keine eigentliche Metamorphose statt; die Schalen des Embryo entwickeln sich zu den definitiven Muschelschalen und es bleibt nur noch eine kleine Lücke, in der sich Kreislauf und Siphonen bilden, aufzuhellen.
Anders ist es mit den Najaden, deren sehr seltsame Entwicklung trotz der von den bedeutendsten Naturforschern darauf verwendeten Mühe noch immer in ihrem grössten Theile vollkommen räthselhaft ist. Wir folgen der Arbeit von ~Forel~ (Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Najaden, Würzburg 1867), die ausser vollständiger Zusammenstellung des Bekannten zahlreiche sehr schöne eigene Beobachtungen enthält.
Die Najaden sind bekanntlich getrennten Geschlechtes, und die Embryonen entwickeln sich in den Kiemenfächern der Weibchen bis zu einem gewissen Grade. Wie gelangen sie aber dahin? Aus dem Eierstock treten sie in den Eileiter, und aus diesem durch einen feinen Schlitz in den Gang am oberen Rande der inneren Kiemen und gelangen dann mit dem Strome des Wassers in die Cloake. Von dort in die Fächer der äusseren Kiemen können sie aber nur gegen die gewöhnliche Stromrichtung gelangen, und es müsste geradezu für diesen Moment eine Umkehr des Stromes erfolgen, was mir sehr unwahrscheinlich vorkommt. Es ist aber noch ein anderer Vorgang möglich, nämlich dass die Eier durch die Cloake nach aussen treten, dort mit dem ebenfalls ins Wasser ergossenen Sperma der Männchen in Berührung kommen, befruchtet, und dann von den in der Nähe befindlichen Weibchen wieder aufgesogen werden. Eine solche Beobachtung hat wenigstens ~von Hessling~ am 2-5. Aug. 1860 an den in der Eger sehr zahlreich lebenden Perlmuscheln gemacht. Zwischen 10-1 Uhr liessen nämlich die meisten Muscheln, wie die Untersuchung nachher ergab, Männchen wie Weibchen, eine milchige Flüssigkeit aus der Cloake austreten, die das Wasser trübte, aber beim Fliessen über die Muschelbänke nach und nach wieder schwand. Durch die Athemöffnung eingezogen würden die befruchteten Eier dann leicht in die Kiemenfächer gelangen können. Vielleicht lassen sich im Aquarium später entscheidende Beobachtungen hierüber machen.
In den Kiemenfächern findet man die Eier in ungeheurer Masse. ~Unger~ fand durch Zählung bei einer _Anodonta anatina_ 112000, C. ~Pfeiffer~ bei einer _Anodonta_, vermuthlich _A. cygnea_ 400000 Eier,[12] von denen 1000 in getrocknetem Zustande nur ⅛ Gran wogen. Sie sind sehr dicht zusammengepresst und dehnen die sonst ganz dünnen, durchsichtigen Kiemen so aus, dass man, wie oben erwähnt, schon aus der aufgetriebeneren, gewölbteren Schale die Weibchen erkennen kann.
In den Kiemenfächern findet nun die weitere Entwicklung statt. Der Dotter nimmt eine dreieckige Form an und überzieht sich mit einer dünnen Schicht vieleckiger Zellen, aus denen später die Embryonalschale wird. Innerhalb derselben bildet sich dann die erste Anlage des unpaarigen Schalenschliessers und das Byssusorgan. Bei dem vollständig ausgebildeten Embryo, wie ihn die aus ~Forels~ Arbeit entlehnten Figuren 5 und 6 auf Taf. VI. darstellen, finden wir die Körpersubstanz in zwei seitliche Massen getrennt, die durch eine dünne, breite Commissur verbunden sind, während bei den ausgebildeten Muscheln grade die ganze Körpermasse in der Mitte vereinigt ist; auf ihnen stehen an bestimmten Stellen bei _Anodonta_ 8, bei _Unio_ nur 4 aus Borsten zusammengesetzte Stacheln, deren Bedeutung noch durchaus dunkel ist. Ausserdem liegen noch an dem einen Ende zwei korbförmige, mit Flimmerapparaten versehene, von ~Forel~ Räder genannte Organe, die wahrscheinlich zur Respiration dienen; sie sind durch eine ebenfalls mit Flimmerhaaren besetzte Brücke verbunden. Von Gefässen, Nerven oder Verdauungsorganen findet sich auch bei dem zum Austreten reifen Embryo keine Spur. Die Bewegungsorgane dagegen sind sehr stark entwickelt. Die Schale ist dreiseitig mit abgestumpften Ecken, durch zahlreiche feine Porenkanälchen durchsetzt. Das Schloss liegt an der einen Seite, ihm gegenüber an der Ecke findet sich, mit einer Art Gelenk aufsitzend, ein grosser, bauchiger Haken, der sich beim
Schliessen nach innen biegt. Geschlossen wird die Schale durch einen sehr grossen, unpaaren Muskel, der ungefähr die Mitte des Körpers einnimmt und sich schon in den ersten Tagen bildet, geöffnet durch das Schlossband. Das einzige ausser dem Muskel entwickelte Organ ist das Byssusorgan, ein cylindrischer Körper, der sich in einen langen klebrigen Faden fortsetzt, welcher in vielen Windungen einen grossen Theil des Schalenraumes ausfüllt. Das Byssusorgan liegt immer in der rechten Schale.
Die so gestalteten Embryonen sind den ausgebildeten Najaden so unähnlich, dass man sie für Parasiten angesehen hat und dass ~Rathke~ und ~Jacobson~ sie als eine besondere Schmarotzergattung unter dem Namen _Glochidium_ beschrieben.
Beobachtet man Anodonten mit reifen Eiern eine Zeit lang in einem Gefäss, so kann man sehen, dass sie immer den ganzen Inhalt eines Kiemenfaches, in eine dichte kuchenartige Masse zusammengepresst, ausstossen. Nach ~Forel~ ist diess aber ein abnormer, krankhafter Vorgang; die Muschel kann in dem engen Glase nicht Sauerstoff genug einathmen und sucht die Athemfläche zu vergrössern, indem sie die äusseren Kiemen ihres Inhaltes entledigt. Im Aquarium, wo es an frischem Wasser und Sauerstoff nicht fehlte, sah er die Eier mit dem Athemwasser in Pausen von 3-4 Minuten aus der Cloake austreten, isolirt oder zusammenhängend, aber nie zu Kuchen zusammengepresst.
Nimmt man einen Embryo aus den Kiemen oder aus einem der ausgestossenen Kuchen noch so vorsichtig, immer findet man ihn ohne Eihülle; er öffnet im Wasser alsbald seine Schalen und lässt sie nach einigen vergeblichen Schliessversuchen offen; nach einigen Minuten ist er abgestorben. Nimmt man dagegen einige spontan ausgetretene Eier vorsichtig mit einem Uhrglase auf, so findet man die Eihülle noch ganz. So kann sich der Embryo nach und nach an das Wasser, das ihm bei unvermitteltem Uebergang tödtlich wird, gewöhnen; später zerreisst er dann die Schale und lässt den Byssusfaden, der dann etwa 6-12 Mm., d. h. unendlich viel länger als der noch immer microscopisch kleine Embryo ist, frei hervortreten. Im Aquarium sterben alle, die meisten sehr bald, manche hat ~Forel~ 23 und selbst 30 Tage lebend beobachtet, aber ohne dass sie sich weiter entwickelten.
Es müssen also noch andere Umstände hinzukommen, die wir im Aquarium den Embryonen nicht zu bieten vermögen. Hier stehen wir vor dem dunklen Capitel der Entwicklungsgeschichte. Einige Fingerzeige hat freilich die neuere Zeit gegeben. ~Leydig~ hat nämlich an verschiedenen Flussfischen auf der Haut Verdickungen bemerkt, innerhalb deren er Organismen fand, die ganz den Najadenembryonen glichen, aber keinen Byssusfaden mehr hatten. ~Forel~ hat diese Beobachtung an Weissfischen und Gründlingen im Main öfter gemacht; namentlich an Schwanz- und Brustflossen und an den Kiemendeckeln sind diese eingekapselten Embryonen gar nicht selten. Es lässt sich also vermuthen, dass sie normaler Weise eine Zeit lang auf den Fischen schmarotzen und sich dort soweit entwickeln, dass sie dann frei leben können. Es muss diess ziemlich lange dauern, denn während die Embryonen höchstens 0,00088 Gran wiegen, wog die kleinste Muschel, die ~Forel~ fand, immer schon 1 Gr., also über 12000 mal mehr. Auf eine parasitische Lebensweise deutet auch die ungeheure Anzahl der Eier hin, welche die Najaden mit den parasitischen Würmern gemein haben, und zugleich erklärt sich dadurch auch die verhältnissmässig geringe Fortpflanzung. Kämen sämmtliche Embryonen zur Entwicklung, so müssten binnen kurzer Zeit alle Gewässer mit Unionen und Anodonten angefüllt sein. Wahrscheinlich sinken die Jungen nach ihrem Austreten aus den Kiemenfächern zu Boden, öffnen dort, wie im Aquarium, ihre Schalen, sobald sie sich genügend ans Wasser gewöhnt und die Eihülle gesprengt haben, und lassen den Byssusfaden austreten. Derselbe heftet sich dann an die Fische an, die langsam über den Boden hinschwimmen, aber von tausenden gelingt diess vielleicht kaum einem, während die anderen zu Grunde gehen. Nach ~Forel~ werden sie besonders von Infusionsthierchen sofort nach ihrem Absterben aufgezehrt; C. ~Pfeiffer~ sah Limnäen sie in grosser Menge fressen. Interessant wäre es, wenn genauere Beobachtungen diese Parasiten besonders auf dem Bitterling, _Rhodeus amarus_, nachwiesen, denn wie aus dem nächsten Capitel hervorgehen wird, es fände dann zwischen diesem Fisch und unseren Muscheln ein auf Gegenseitigkeit gegründetes Wechselverhältniss statt: die Muschelembryonen entwickelten sich auf dem Fische, die Fischembryonen in den Kiemen der Muscheln.
Es muss also ein Vorgang stattfinden, der uns noch unbekannt ist. Eine ganz vollständige Metamorphose, wie bei den Insecten, ist es aber nicht, denn die Schalen bleiben erhalten und bilden kleine Höcker auf den Wirbeln, die man namentlich bei jungen _An. cellensis_ mit blosem Auge schon erkennen kann. Die microscopische Untersuchung lässt leicht den Beweis führen, dass es wirklich die Embryonalschalen sind.
Was weiter aus den Embryonen wird, ist vollkommen unbekannt. Die kleinsten Muscheln, die ~Forel~ fand, waren immerhin schon 6 Mm. lang und vollständig wie die Erwachsenen organisirt. Meine kleinsten haben freilich kaum die Grösse von _Pisidium obtusale_. Vielleicht leitet ein günstiger Zufall einmal auf die richtige Spur. Wann die junge Muschel den Fisch verlässt, und wo und wie sie dann lebt, das sind jetzt noch vollkommen ungelöste Fragen.
Ueber die Entwicklung von _Tichogonia_ sind meines Wissens Beobachtungen noch nicht gemacht; wahrscheinlich gleicht sie der der übrigen Mytilaceen, die eine Zeit lang als ovale ⅕-¼ Mm. grosse Larven mit nur einem Schliessmuskel vermittelst eines Wimpersegels frei umher schwimmen, bis sich nach und nach die Organe entwickeln und das Thier sich endlich festsetzt.
Jedenfalls erfolgt der Zuwachs nicht in einzelnen Absätzen, wie bei den Schnecken, denn man findet nie Muscheln mit unvollständigem Rande, sondern den ganzen Sommer hindurch ziemlich gleichmässig, indem der häutige Saum, die überstehende Epidermis, fortwährend wächst und sich in demselben Maasse Kalk in dieselbe ablagert. Dass allerdings kürzere und längere Stillstände vorkommen, beweisen die feinen Streifen und die stärkeren Absätze, die man an jeder Muschel findet.
Auch über das fernere Wachsthum der Muschel und deren Dauer, sowie über ihr Alter ist man noch sehr unklar. Aus der Anzahl der Wachsthumstreifen kann man das Alter unmöglich bestimmen, da wir durchaus nicht wissen, wie oft jährlich das Gehäuse vergrössert wird. Würde in jedem Jahre nur ein Zuwachsstreifen angesetzt, so müsste man weit öfter kleine Exemplare, die für gewöhnlich ziemlich selten sind, finden. Von der Perlmuschel weiss man aus den beaufsichtigten Muschelbänken der Perlenbäche, dass sie 8-10 Jahre alt werden können; sie scheinen aber in den letzten Jahren kaum mehr zu wachsen und nur an Dicke zuzunehmen.
~Von Hessling~ behauptet freilich, dass man an Perlmuscheln, die durch eingebrannte Jahreszahlen bezeichnet waren, ein Alter von 50-60 und selbst von 70-80 Jahren beobachtet habe. Im Main dahier werden die seichteren Buchten, die einzigen Wohnstätten der Unionen und Anodonten, den Sommer über alljährlich fast vollständig ausgelesen und zwar auf weite Strecken hin, im anderen Jahre sind sie wieder eben so reich an Muscheln, wie vorher; es scheint mir das ein ziemlich sicherer Beweis für ihr rasches Wachsthum zu sein. Directe Versuche, die ich in eingesenkten Körben machte, verunglückten leider, da die Körbe von muthwilliger Hand zerstört wurden.
Bei Unionen findet man mitunter die Ansätze der Schliessmuskeln verkalkt; ich möchte diess, wenn die Schalen sonst normal sind, für ein Zeichen hohen Alters halten.
Eigentliche Missbildungen sind bei den Muscheln selten. Mitunter findet man die Schlosszähne auf der falschen Schale, rechts statt links; man könnte diess etwa als Analogon der verkehrt gewundenen Schnecken auffassen. Sehr häufig dagegen findet man Verkrüppelungen durch Krankheit oder Verletzung. Hierher gehören vor allem die ~Perlen~, wahrscheinlich immer entstanden durch das Bestreben der Muschel, einen fremden Körper unschädlich zu machen oder eine Verletzung der Schale zu repariren. Fremde Körper, die zwischen Mantel und Schale oder in den Mantel hinein gerathen, werden mit derselben Perlmuttersubstanz, die die Schale innen auskleidet, überzogen, so Sandkörnchen und sehr häufig schmarotzende Milben. Meistens findet man die Perlen an der Innenfläche der Schale festsitzend, seltener frei im Mantel. Mit Perlmuttersubstanz werden auch Verletzungen reparirt; ich besitze einen _Unio batavus_ aus dem Main, der einen Defect von mehr als 1 Mm. Durchmesser, wahrscheinlich durch den Schnabelhieb einer Krähe entstanden, mit einem ganz dünnen Perlmutterhäutchen geschlossen hatte, um den eindringenden Sand abzuhalten, und der wahrscheinlich den Schaden vollständig wieder überwunden hätte, wenn nicht ein Muschelsammler dazwischen gekommen wäre und das Thier als Schweinefutter verwendet hätte. Kleinere perlenartige Höcker, förmliche Perlmutterblasen, findet man besonders am hinteren Schalenrande sehr häufig; sie sind fast immer mit Sand erfüllt, der durch irgend einen Zufall zwischen Mantel und Schale gerathen und von dem Thier auf diese Weise unschädlich gemacht worden ist.
Hierher gehören auch die Verkalkungen, die sich innen namentlich bei der _An. ponderosa_ im Main durchaus nicht selten an den Ansätzen der Schliessmuskel findet, entstanden durch Kalkablagerung in die Bindegewebebündel, wie man sie ja analog auch bei anderen Thieren und selbst beim Menschen findet. Meist sind die Schalen dann auch sehr dick und machen den Eindruck eines sehr hohen Alters.
Sehr häufig sind auch im Main Krüppel, die wahrscheinlich durch eine Quetschung des hinteren Endes entstehen, durch welche der hintere Schliessmuskel momentan unwirksam gemacht wird. Natürlich klafft dann die Schale am hinteren Ende, und das Thier muss, um den Schaden zu repariren, im rechten Winkel von der alten Schale aus weiter bauen, bis die Schalen wieder nahe genug zusammenkommen, dass das Thier in normaler Richtung weiter bauen kann. In geringeren Graden ist diese Form sehr häufig; in exquisiten Formen, wie ~Heynemann~ mehrere besitzt, ist die senkrechte Wand jederseits über 1 Ctm. hoch.
Nicht selten findet man auch ungleichmässige Breite der Zuwachsstreifen, wodurch die Schalenränder eine abnorme Richtung bekommen, meist nur allmählig, aber mitunter bei Mantelverletzungen auch plötzlich, so dass der Rand, meistens der Unterrand, vollständig geknickt erscheint. Die allmählig eintretenden Abnormitäten sind meistens Folge der äusseren Verhältnisse, unter denen das Thier lebt; wo viele solchen Verhältnissen gleichmässig ausgesetzt sind, können dadurch eigenthümliche Varietäten entstehen, wie _Unio platyrhynchus_ aus _pictorum_ in den Kärnthener Seen und analoge Formen auch aus _tumidus_ in den Schweizer Seen, aus _batavus_ in dem See von Cattaro.
Eine Erscheinung, die man an den Najaden, aber wie schon bei _Limnaea_ erwähnt, auch bei Süsswasserschnecken findet, ist die ~Cariosität, das Angefressensein der Wirbel~. In manchen Gewässern, besonders kleinen Bächen, findet man alle Unionen angefressen; die Wirbel sind vollständig zerstört, die Schale ist oft bis auf die Perlmutterschicht herausgefressen. Die Zerstörung ist nicht gleichmässig, einzelne Parthieen sind tief, andere nur oberflächlich zerfressen, und namentlich die Zuwachsstreifen sind meistens noch unverletzt, vermuthlich weil hier die Perlmutterschicht bis unter die Oberhaut geht und der Zerstörung Widerstand leistet. Immer ist die Cariosität an den Wirbeln am stärksten, aber es finden sich auch anderweitig kleine Partikelchen herausgefressen, und zwar meistens in dem Raum zwischen zwei Zuwachsstreifen. Immer ist die Zerstörung auf beiden Schalen ganz oder fast ganz gleich. In anderen Gewässern findet man alle Muscheln mit vollständig unversehrten Wirbeln. Woher kommt diese Erscheinung? Eine Folge mechanischer Verletzungen kann sie nicht sein; Muscheln, welche ihren Halt verloren haben und von dem Strom zwischen Steinen gerollt und abgerieben werden, sehen ganz anders aus; die Zuwachsstreifen sind ebenso stark angegriffen, wie die zwischenliegenden Theile. Ich habe im Frühjahr 1867, wo eine grosse Fluth einen Theil des Chausseedammes im Lahnthal wegriss, eine Menge _Unio batavus_ aus dem Schutte auf den Wiesen ausgelesen, die doch gewiss mit der furchtbarsten Gewalt in dem Kies des Dammes gerollt worden waren; sie waren sehr abgerieben, aber die Verletzungen zeigten keine Aehnlichkeit mit der Cariosität.
Eher könnte man vielleicht an eine Verletzung denken, die bei dem Einbohren in den Kies der kleinen Bäche entstände; die Muscheln in grösseren Flüssen und Teichen mit Schlammgrund wären derselben natürlich weniger ausgesetzt, aber auch dann bleibt die Gleichmässigkeit der Vertheilung unerklärlich, abgesehen davon, dass für die Limnäen und Planorben diese Erklärungsweise selbstverständlich wegfällt.
Auch an eine Verletzung durch andere Thiere, die etwa den Kalk herausfressen wollten, ist bei den Muscheln, die gerade mit dem cariösen Theile am Boden stecken, nicht zu denken, wenn schon mir diese Erklärung bei Limnäen, die ich oft in Klumpen aufeinander sitzend fand, nicht unwahrscheinlich erschien.
Es bleibt also nur noch der chemische Einfluss der im Wasser enthaltenen Kohlensäure zur Erklärung übrig. Diese Ursache, von allen Seiten gleichmässig wirkend, kann zwar allerdings eine auf beiden Seiten gleiche Verletzung bewirken, aber es bleibt dann immer noch unerklärt, warum die Auflösung nur einzelne Parthieen betrifft und oft nur ganz einzelne, kleine Löcher in die Schale frisst. Wir müssen also eine Ursache innerhalb des Thieres selbst annehmen, die der Kohlensäure gestattet, die sonst durch die Oberhaut geschützte Kalkschale anzugreifen und zu zerstören, bis die durch ihren starken Gehalt an organischen Stoffen geschützte Perlmutter Halt gebietet. Mit Perlmuttersubstanz sucht sich auch das Thier zu schützen, und jedem tief eindringenden Loch entspricht eine Perlmutterverdickung an der Innenfläche, wie man schon bei den Muscheln, noch viel deutlicher aber bei den angefressenen Limnäen sehen kann. Jedenfalls ist hier noch sehr viel zu erforschen. Für manche ostindische Schnecken hat ~Semper~ Zerstörung durch schmarotzende Schwämme als Ursache der Cariosität nachgewiesen; auch an den amerikanischen Unionen beobachtete Dr. ~Noll~ häufig Zerstörungen unter der unverletzten Epidermis, die mit einer braunen, mulmigen Masse ausgefüllt waren.
Auch bei unseren Muscheln greift die Zerstörung oft unter die unverletzte Epidermis. Reinigt man die Schalen mit Scheidewasser, so beobachtet man immer hier und da feine Löchelchen in der Epidermis, in denen sich Kohlensäure entwickelt.
Eine interessante Beobachtung, die auch einiges Licht hierher wirft, theilte mir vor kurzem Herr Forstmeister ~Tischbein~ von Birkenfeld mit. Derselbe brachte nämlich vor circa 10 Jahren eine Anzahl Exemplare von _L. stagnalis_ aus den schlammigen Gräben von Poppelsdorf bei Bonn mit nach Birkenfeld, wo sie sonst nicht vorkommen, und setzte sie dort in einem klaren Tümpel mit vollständig schlammfreiem Grunde aus, welcher im Sommer fast ganz austrocknet. Trotz dieses ungünstigen Wohnortes haben sich die Thiere dort fortgepflanzt, aber schon nach kurzer Zeit -- die mir mitgetheilten Exemplare sind aus dem vierten Jahre nach der Aussetzung -- wurden die Schalen cariös in einem Grade, wie er mir noch nicht vorgekommen ist; es sind nicht nur tiefe Rinnen in die Umgänge gefressen, sondern auch das ganze Gewinde ist zerfressen und ausser dem letzten Umgang nur ein unförmlicher Stumpf übrig. Hier ist allerdings der chemische Einfluss des kohlensäurehaltigen Gebirgswassers die unzweifelhaft nächste Ursache, aber ebenso unzweifelhaft ist durch die Verpflanzung der Schnecken in eine ihnen durchaus nicht zusagende Localität die Widerstandskraft derselben gegen den Einfluss der Kohlensäure vermindert worden.
Bemerken will ich nur noch, dass sich in Beziehung auf den chemischen Einfluss die Moorgewässer ebenso verhalten, wie die Quellwasser, jedenfalls in Folge der vielen vermodernden Vegetabilien, die ihnen eine beträchtliche Quantität freie Kohlensäure mittheilen. In den moorigen Wiesengräben um Schwanheim, in einem Teiche bei Niederrad, der von den Abflüssen der moorigen Wiesen am Sandhof gespeist wird, sind _Planorbis corneus_ und _Limnaea stagnalis_ stark angefressen, wie in den Quellabflüssen des Gebirgs.
Achtundzwanzigstes Capitel.
Lebensweise der Muscheln.
Unsere Muscheln beleben sämmtliche Gewässer und sind darin ganz allgemein verbreitet. Während die Unionen, einige Anodonten, die Cyclasarten und Tichogonia nur das fliessende Wasser bewohnen, sind einige andere Anodonten und die Pisidien mehr Freunde des stehenden Wassers; die Unionen suchen kiesigen, die übrigen schlammigen Grund auf, in dem sie meistens verborgen liegen, während _Tichogonia_ sich durch den Byssus auf Steinen, auf anderen Muscheln und dgl. befestigt.
Uebrigens ist die Lebensweise der einzelnen Gruppen sehr verschieden. Die Unionen und Anodonten stecken mit dem vorderen Theile des Körpers tief im Schlamm, in dem sie sich mit dem Fusse vornen eingraben; man sieht dann nur einen kleinen Theil der Schalen mit Athem- und Cloakenöffnung, die erstere von den fransenartigen Manteltastern umgeben. Nur Nachts wechseln sie mitunter ihren Platz; man sieht dann die Bahn, in der sie gekrochen sind, im Schlamm und kann sie an deren Ende auffinden. In dieser Lage strömt das Wasser durch die Flimmerbewegung geleitet, zur Athemöffnung hinein und in die obere oder Athemhöhle, von da gelangt es in die Kiemen, um durch dieselben und ihre Zwischenräume in die untere oder Cloakenöffnung und wieder nach aussen zu fliessen. Es dient also die Cloakenöffnung wesentlich zum Austritt, die Athemöffnung zum Eintritt des Wassers. Demgemäss sind auch die Oeffnungen eingerichtet; während die Ränder der Cloake unbewehrt sind, stehen an der Athemöffnung zahlreiche, fransenartige Taster, die sich bei der geringsten Störung wie ein Gitter vor die Oeffnung legen und jeden grösseren Körper abhalten. Das Thier scheint sich dieses Unterschiedes wohl bewusst zu sein, denn in meinem Aquarium habe ich oft beobachtet, wie die Unionen bei der geringsten Erschütterung des Gefässes sofort die Cloakenöffnung fest schliessen, während die Athemöffnung sich nur leicht verengt und meistens erst bei unmittelbarer Berührung ganz geschlossen wird.
Der Ortswechsel erfolgt nicht gleichmässig, wie bei den Gastropoden, sondern mehr sprungweis; das Thier streckt seinen Fuss möglichst weit vor und zieht dann, indem es ihn anstemmt, die mit den Wirbeln nach oben gerichtete Schale nach. Diese Bewegung ist natürlich äusserst langsam; C. ~Pfeiffer~ sah eine _Unio pictorum_ in vier Minuten fünf solche Schritte machen, von denen jeder etwa 2‴ betrug.
Die Cycladeen liegen ebenfalls leicht im Schlamme oder Sand verborgen, so dass nur die Oeffnung der Siphonen hervorsteht, aber mitunter kriechen sie auch an den Wasserpflanzen umher oder schwimmen wie die Limnäen, indem sie an der Oberfläche des Wassers mit der Schale nach unten kriechen. Die Tichogonien endlich scheinen sich nur ausnahmsweise zu bewegen, da sie für gewöhnlich mit dem Byssus auf einem andern Gegenstande befestigt sind; ein Paar, das sich seit 6 Monaten auf einem _Unio batavus_ befestigt in meinem Aquarium befindet, hat noch keinen Versuch zu einem Ortswechsel gemacht. Doch ist es nicht zweifelhaft, dass sie ihren Ort wechseln und den Byssus ablösen können, wenn sie wollen.
Schaden können die Muscheln bei dieser Lebensweise durchaus keinen bringen, aber auch Nutzen bereiten sie nur an wenigen Puncten. Freilich werden sie bei uns nirgends, wie in Frankreich, gegessen, und auch die perlenliefernde Art kommt in Nassau nicht vor. Von einiger Wichtigkeit dagegen sind die Unionen und Anodonten den Anwohnern des Mains, die sie im Sommer in Massen mit den Händen aus dem Main holen und die Thiere zum Futter für die Schweine verwenden; diese werden davon sehr fett, bekommen aber bei ausschliesslicher Muschelfütterung leicht einen thranigen Geschmack. Aus den Schalen hat man vor einigen Jahren hier und da Kalk gebrannt, aber in der letzten Zeit scheint diese Industrie erloschen zu sein. Lieferungen für die Nürnberger Farbkästen sind auch noch nicht in Aufnahme gekommen, und so liegen im Sommer ganze Berge von Muschelschalen, wahre Kjökkenmöddingers, um die Maindörfer herum, aus denen sich der Conchyliologe mit Musse die schönsten Suiten herauslesen kann. Man nennt hier die Unionen einfach Muscheln, die Anodonten Schwimmmuscheln.
Ausser dem Menschen stellen auch viele Thiere den Muscheln nach: Füchse, auch Katzen und Hunde, von denen namentlich einzelne eine auffallende Liebhaberei für die Muscheln zeigen, dann Reiher und besonders Krähen, die Unionen und Anodonten oft weit vom Wasser hinweg auf Bäume schleppen, und dann entweder durch Fallenlassen oder durch einen kräftigen Schnabelhieb hinter den Wirbel die Schale zerstören. ~Rossmässler~ fügt auch den Blutegel als Feind an, was ich bezweifeln möchte.
Die kleinen Pisidien und die jungen Muscheln überhaupt werden auch noch von anderen Vögeln und ganz besonders von Tritonen, Kröten und Fröschen aufgesucht und gefressen. Insecten und Crustaceen können ihnen nicht viel anhaben, und manches Pisidium mag auch den Darmcanal eines Vogels unverletzt passiren und so verpflanzt werden.
Dass auch Muscheln an Parasiten leiden, haben wir schon erwähnt.
Auf den Muscheln, soweit sie nicht in der Erde stecken, findet sich sehr häufig eine Bryozoë, _Alcyonella fungosa_, in dichten Rasen, namentlich in den stillen Buchten des Mains; sie ist vom ersten Frühjahr bis Juli zu beobachten und verschwindet dann, indem sie nur länglich runde schwarze Körperchen, die sogenannten Wintereier, zurücklässt, die den Sommer über auf der Muschel kleben und sich im nächsten Frühjahr entwickeln.
Ein anderer Parasit ist eine Milbe, _Hydrachna Concharum_ oder _Limnochares Anodontae_, die, im ausgebildeten Zustande frei lebend, ihre Eier in die Muscheln legt, und zwar entweder auf die Innenfläche des Mantels in langen Reihen, oder in die Kiemen, seltener in die Taster, in Klümpchen. Die Jungen, anfangs sechsbeinig, leben im Innern der Muschel, indem sie mit ihrem spitzigen Rüssel den Saft aussaugen, und verpuppen sich dann am hinteren Ende des Mantels in einer, aus ihrer eigenen Haut gebildeten Cyste. Nach ~von Hessling~ werden sie oft Ursache der Perlenbildung. Man findet sie in allen Entwicklungsstufen das ganze Jahr hindurch. C. ~Pfeiffer~ nahm unausgewachsene Milben aus einer Anodonte und setzte sie in Wasser; sie blieben unbeweglich, bis er eine andere Anodonte hinein brachte, in deren Cloakenöffnung sie sodann alsbald verschwanden.
Von den Schmarotzerwürmern ist am häufigsten _Distomum duplicatum_ in seinem Jugendzustand, weisse, eiförmige Kapseln, die Leber und Geschlechtsorgane mitunter vollständig erfüllen; oft liegen mehrere dieser sonderbaren, durch einen langen Schwanzanhang ausgezeichneten Würmer in einer Cyste; beim Auskriechen werfen sie den Schwanz ab; die weitere Entwicklung ist unbekannt.
Ein anderer nicht seltener Gast ist ein innerhalb des Herzbeutels wohnender, egelartiger Wurm, _Aspidogaster conchicola_, mit trichterförmigem Mund und einer Saugscheibe am Bauche; er ist oft mit Eiern gefüllt. Seltener ist der seltsame _Bucephalus polymorphus_, ein verzweigter, fadenförmiger Schlauch, mit Jungen im Inneren.
Selbst die Eier sind vor den Parasiten nicht sicher; Herr Kreisphysicus Dr. ~Kloos~ theilte in der Septembersitzung der Senckenberg. Gesellschaft mit, dass er in 1852 einmal massenhaft Fadenwürmer in den Eiern von Unionen gefunden; auch ~Bär~ hat einen ähnlichen Fall beobachtet. Am merkwürdigsten ist aber das Verhältniss, das zwischen den Muscheln und einem oder einigen Fischen stattfindet. Was darüber bekannt ist, hat Herr Dr. ~Noll~ in der Septembernummer des zool. Gartens von 1869, mit zahlreichen eigenen Beobachtungen bereichert, zusammengestellt, und ihm folgen wir im Nachstehenden. Er fand vom April bis Juli und an manchen Stellen, z. B. im Metzgerbruch, bis zum October die Fischeier in den Kiemen aller Unionenarten des Mains, und zwar bei fast allen Exemplaren aus den stillen Tümpeln am Rande, seltener bei Anodonten, doch bei _Anod. anatina_ im Metzgerbruch noch im October. Sie sind gelb, etwa 3 Mm. lang, und liegen fast stets in den Fächern der inneren Kiemen. Dort schlüpfen auch nach 4-6 Wochen die jungen Fische aus, bleiben aber nachher noch eine Zeit lang in den Kiemenfächern, bis sie der Muschel unbequem und von ihr herausgepresst und durch die Cloakenöffnung nach aussen entleert werden. Nachdem man früher bald den Stichling, bald den Kaulkopf, die aber beide Nester für ihre Eier bauen, im Verdacht gehabt, ist man jetzt sicher geworden, dass es die Eier des Bitterlings, _Rhodeus amarus_, unserer kleinsten Karpfenart, sind, die hier ihre Entwicklung durchmachen. Das Weibchen bekommt zu dem Ende, wie schon ~von Siebold~ beobachtete, zur Laichzeit eine Legeröhre, nach ~Leydig~’s Untersuchungen eine verlängerte Urogenitalpapille, mittelst deren es die Eier durch die Cloakenöffnung in die Muschel bringt; da die innere Kieme näher an dieser Oeffnung liegt, als die äussere, findet man die Fischeier fast immer in ihren Fächern. Gerade an der Cloakenöffnung schliessen auch die Kalkschalen der Muschel nicht unmittelbar aneinander, sondern der Schluss wird nur durch die überstehende Epidermis bewirkt, und kann also der Fisch, wie Dr. ~Noll~ richtig bemerkt, durch das Schliessen der Klappen von der Muschel nicht beschädigt werden. Die weitere Entwicklung des Fisches ist, wie mir ~Leuckart~ mündlich mittheilte, in Charkow beobachtet und wirklich _Rhodeus amarus_ daraus erzogen worden; auch in Frankfurt hat Herr Dr. ~Schott~ in dem Springbrunnenbassin einer Badeanstalt im Sommer 1870 denselben Erfolg gehabt.
Neunundzwanzigstes Capitel.
Uebersicht der Familien und Gattungen.
Von den 30 Gattungen der Muscheln, die überhaupt im süssen Wasser leben, kommen bei uns nur 5 vor, die zu drei verschiedenen Familien gehören und sich folgendermassen unterscheiden:
A. Schalenschliesser beide gleich.
a. Schale 1½-2″ gross, gleichklappig, Mantel ringsum gespalten, keine Siphonen, Fuss zungenförmig, Thiere getrennten Geschlechts.
$Najadea.$
1) Schloss mit Zähnen.
1. _Unio L._
2) Schloss ohne Zähne.
2. _Anodonta Brug._
b. Schalen höchstens ¾″ gross, meist viel kleiner, Mantel fast ganz verwachsen, zwei Siphonen.
$Cycladea.$
1) Schloss in der Mitte, die zwei Siphonen getrennt.
3. _Cyclas Brug._
2) Schale ungleichseitig, die Siphonen kurz und in ihrer ganzen Länge verwachsen.
4. _Pisidium C. Pfr._
B. Schalenschliesser ungleich.
Schalen dreiseitig, mit einem Spalt für den Byssus. Buckel endständig, innen mit einer Scheidewand, Mantel verwachsen, mit zwei Siphonalöffnungen, wovon die untere röhrig.
5. _Tichogonia Rossm._
Ausser diesen Gattungen könnte nur noch die Gattung _Margaritana_ in Frage kommen, zu der die Flussperlenmuschel gehört, die nach ~Thomae~ in der Nister bei Hachenburg und im Main vorkommen soll; sie gleicht ganz den Unionen, hat aber am Schloss nur Zähne, keine Lamellen. Die Angaben über ihr Vorkommen in Nassau scheinen mir aber sämmtlich auf Irrthümern zu beruhen.
A. NAJADEA.
Der Mantel ist seiner ganzen Länge nach gespalten; wenn er sich zusammenlegt, bleiben noch zwei nicht in Siphonen verlängerte Oeffnungen für die Kiemenhöhle und die Cloake. Die Kiemen dienen gleichzeitig als Brutstätte für die Jungen. Die Thiere sind getrennten Geschlechts. Die Schalen sind gleichklappig, ungleichseitig, mit oder ohne Schlosszähne. Die beiden Familien unterscheiden sich nur durch die Zähne am Schloss von _Unio_, die bei _Anodonta_ fehlen. Einen anderen Unterschied hat man noch nicht aufzufinden vermocht.
I. UNIO ~Linné~.
Flussmuschel.
Muschel gleichklappig, ungleichseitig, hinten verschmälert und verlängert, dick, nach hinten zu dünner; Wirbel aufgetrieben; Schloss gezahnt. An der rechten Schale steht ein an der Spitze gekerbter, conischer oder zusammengedrückter Schlosszahn, und unter dem Schlossbande liegt der Länge nach eine scharfe, erhabene Leiste oder Lamelle; an der linken Schale ist für die Aufnahme des Schlosszahnes eine Grube zwischen zwei Zähnen, oder eigentlich zwischen zwei Hälften eines durch diese Grube getheilten Zahnes; ebenso zur Aufnahme der längslaufenden Lamelle eine Furche oder Rinne, von zwei längslaufenden Falten gebildet. Ein langes, meist schmales äusseres Schlossband; Ligamentalbucht schmal, verlängert.
Thier ganz das im ersten Capitel beschriebene.
Die Unionen sind eines der schwierigsten Capitel besonders für den Naturforscher, der überall bestimmt umschriebene Arten sehen will; ein solcher muss consequenter Weise die Formen aus jedem Bache mit besonderen Namen belegen, denn ganz gleichen sie sich niemals. Begnügt man sich aber Typen aufzustellen und in deren Umkreise die verwandten Formen zu gruppiren, so gelingt es ziemlich leicht, alle unsere Formen unter drei Hauptformen unterzuordnen, wobei man freilich mitunter zweifelhaft sein kann, welcher Form man das eine oder das andere Exemplar zutheilen soll. Der gänzliche Mangel grösserer Seen, in denen sich eigene Formen ausbilden könnten, vereinfacht für unser Gebiet die Verhältnisse sehr.
Unsere drei Arten unterscheiden sich folgendermassen ganz leicht:
~Schale keilförmig~, der Unterrand nach aussen ausgebogen, die beiden Zähne der linken Klappe gleichgross oder der hintere selbst grösser, die Höcker auf dem Wirbel in Zickzackstreifen geordnet; Farbe braungelb mit dunkleren Strahlen.
_U. tumidus_ ~Retz.~
~Schale zungenförmig~, der Unterrand in gerader Linie verlaufend oder selbst eingebuchtet, der hintere Zahn der linken Klappe viel kleiner, als der vordere oder selbst fehlend; die Höcker auf den Wirbeln einzelnstehend; Farbe röthlich- oder grüngelb mit nur undeutlichen Strahlen.
_U. pictorum_ L.
~Schale eirund~ oder der Unterrand noch eingebogen; Schlosszähne klein, zusammengedrückt, an der Spitze gekerbt; Wirbel sehr weit nach vornen stehend, wellig-runzelig; Farbe braungelb mit schönen grünen Streifen.
_U. batavus_ ~Lam~.
1. Unio tumidus ~Retzius~.
Muschel eiförmig verlängert, keilförmig bauchig, namentlich vorn stark aufgeschwollen, nach hinten aber verschmälert und schmächtig, schnabelförmig zulaufend, bei alten Exemplaren am Ende abgestutzt, bei jungen spitz zugerundet; dick und schwer. Oberhaut braungelb mit grünlichen Ringen abwechselnd und besonders am hinteren Theile mit dunkleren Strahlen; selten einfach kastanienbraun. Die Oberfläche mit nicht sehr tiefen concentrischen Streifen und Furchen. Oberrand seicht gewölbt, Vorderrand stumpf zugerundet, Hinterrand spitz zugerundet oder abgestutzt, Unterrand nach aussen ausgewölbt. Der Schild ist deutlich bezeichnet durch zwei von den Wirbeln aus nach dem hinteren Ende hin bogenförmig laufende, überdiess noch durch dunkle Strahlen angedeutete Kanten, wodurch das Schild fast die Gestalt einer Ellipse erhält. Das Schildchen ist weniger bezeichnet. Die Wirbel sind stets sehr stark aufgetrieben, stark gegen einander geneigt und berühren sich bei unversehrten Exemplaren stets. Unversehrte Wirbel zeigen zahlreiche Höcker, die in Zickzackstreifen angeordnet sind; doch sind sie bei alten Exemplaren meist abgerieben. Schlossband gelbbraun, stark. Schlosszähne nur wenig zusammengedrückt, der rechte stark gekerbt, länger als hoch; von den beiden Zähnen der linken Seite ist der untere fast stets grösser und bedeutender, als der obere, nie kleiner.
Thier mit einem einfarbigen, graulich milchweissen Fuss.
Ich gebe in vorstehendem die genaue und treffende Beschreibung ~Rossmässlers~ und will nun noch einiges über die in unserem Gebiete vorkommenden Formen bemerken. Das grösste Exemplar das ich aus dem Main bei Frankfurt besitze, ist 108 Mm. lang, 50 Mm. an den Wirbeln breit und 38 Mm. dick; dabei sind die Wirbel vollkommen intact und das hintere Ende ist nur wenig abgestutzt. Ein genau eben so grosses Exemplar erhielt ich durch Herrn Dr. ~Böttger~ aus der Selz in Rheinhessen. Doch sind solche Exemplare sehr selten. Als Durchschnittsgrösse betrachte ich etwa 90 Mm. Länge, 45-50 Mm. Breite und 30-35 Mm. Dicke, man kann solche Exemplare aus jedem Muschelhaufen am Main in grösserer Anzahl auslesen. Bei vielen findet man am Unterrande im Widerspruch mit ~Rossmässlers~ Beschreibung eine mehr oder minder bedeutende Einbuchtung, aber sie liegt viel weiter nach hinten, wie bei _pictorum_, fast an der Uebergangsstelle in den Hinterrand. Sehr häufig findet man den Hinterrand in fast gerader Linie abgestutzt, als ob eine mechanische Gewalt die letzten Zuwachsstreifen hier platt gedrückt hätte; bei stärkerer Ausbildung können dadurch einerseits Formen, die an _U. littoralis_, andererseits solche, die an _U. platyrhynchus_ erinnern, entstehen. Ich besitze ein Exemplar, das bei 50 Mm. Breite nur 65 Mm. Länge hat. Viele Exemplare zeichnen sich durch auffallende Dicke und Schwere der Schalen aus und kann man diese wenn man will, _var. ~crassus~_ nennen, darf sie aber nicht für den zu _batavus_ gehörigen _U. crassus_ ~Retz.~ nehmen, wie es mitunter zu geschehen scheint, denn sowohl in der ~Wiegand~’schen Sammlung im Frankfurter Museum, als bei den im Wiesbadener Museum aufgestellten nassauischen Conchylien fand ich sie als den ächten _U. crassus_ ~Retz.~ aufgestellt. Die Wirbel sind fast immer vollständig erhalten. Diese Muschel gehört nur den grösseren Flüssen an; sie findet sich im Rhein und im Main; in letzterem ist sie die häufigste Form. In der Lahn scheint sie zu fehlen, denn ~Sandberger~ führt sie nicht an, und auch ich habe in der oberen Lahn nur _batavus_ gefunden. Dagegen kommt sie in der Selz in Rheinhessen vor.
Im Main ist eine auffallende Form nicht selten, die ich hier erwähnen muss; der vor den Wirbeln befindliche Theil des Oberrandes ist nämlich nicht wie bei der Normalform nach unten gekrümmt, sondern biegt sich an seinem vorderen Ende etwas nach oben und vereinigt sich dort, wie bei _pictorum_, in einem fast rechten Winkel mit dem Vorderrande; es sieht dann aus, als ob die Muschel aus _tumidus_ und _pictorum_ zusammengesetzt sei.
Interessant ist noch eine andere Form aus dem Main. Sie ist flacher und breiter als die Normalform, immer mit unverletzten Wirbeln und sehr starken dunkelgrünen Strahlen, die man bei der Stammform nie findet. Auffallend sind auch die dünnen, an _pictorum_ erinnernden Schlosszähne, und die wunderschöne, lebhaft bläuliche Farbe des Perlmutters, an der man sie schon von Weitem von den übrigen Unionen unterscheiden kann. Ich glaubte sie desshalb früher als gute Varietät abtrennen zu können, doch bin ich nicht sicher, ob es nicht doch nur junge Exemplare sind, die später dickere Schlosszähne und ein weniger schön gefärbtes Perlmutter bekommt.
2. Unio pictorum ~Linné~.
Malermuschel.
Muschel verlängert eiförmig, zungenförmig, etwas bauchig, doch nicht eigentlich aufgeschwollen, nach hinten lang ausgezogen, doch so, dass die Höhe anfangs nur wenig abnimmt, dann schnell verschmälert mit schräg abgestutzter Endigung; nicht so stark, wie _tumidus_, namentlich das hintere Ende dünn und zerbrechlich. Oberhaut röthlichgelb, hinten grünlich mit undeutlichen feinen, grünen Strahlen, bei älteren Exemplaren oft schmutzig grüngelb mit zahlreichen dunklen, ringförmigen Streifen; mitunter finden sich auch rost- oder kastanienbraune Stellen, nie deutliche grüne Strahlen, mit Ausnahme dreier undeutlicher am hinteren Theil. Oberrand bei jungen Exemplaren vollkommen gerade, bei älteren etwas gekrümmt, der Unterrand gerade oder etwas eingedrückt, nur bei jungen und sehr selten bei alten nach aussen gekrümmt, wie bei _tumidus_. Vorderrand rund, Hinterrand spitz zugerundet, meistens schräg abgestutzt. Der Oberrand bildet, besonders bei jungen Exemplaren, bei seiner Vereinigung mit dem Hinterrande einen deutlichen Winkel, der auch bei alten Exemplaren noch deutlicher ist, als bei _tumidus_. Schild schmäler und weniger deutlich, nur durch ein paar schmutziggrüne Streifen begränzt. Wirbel ziemlich aufgetrieben, mit einzelstehenden Höckern bedeckt, aber sich nicht berührend. Schlossband schmal und schlank. Die Zähne immer viel schwächer und zusammengedrückter, als bei _tumidus_, niedrig, oben horizontal abgestutzt, aber dabei scharf und gekerbt; in der linken Schale ist der vordere Zahn immer stärker, als der hintere, der mitunter ganz fehlt; die Grube zwischen beiden ist sehr schmal, messerförmig.
Thier mit einem hell gelblichfahlen, nach oben hin stets dunkelgrauen Fuss.
Auch diese Form ist in den grösseren Flüssen unseres Gebietes durchaus nicht selten. Im Gebirg, in der oberen Lahn und Dill, fehlt sie, bei Weilburg findet sie sich aber schon in der Lahn. In der Sulzbach nur bis Sossenheim (~Ickrath~). Die ächte typische Form, zu ~Rossmässlers~ vorstehender Diagnose und seiner Fig. 71 passend, besitze ich aus Rhein und Main, doch ist sie nicht die häufigste. Meistens ist der Winkel zwischen Ober- und Hinterrand viel weniger deutlich, und nicht selten laufen Ober- und Unterrand vollkommen parallel, um dann gleichmässig in den Hinterrand überzugehen. Sehr häufig sind Exemplare mit eingebogenem Unterrande; ebenso häufig findet man aber auch Exemplare, deren Unterrand dem von _tumidus_ gleicht, dass man ohne die Zähne, die immer ein sicheres Kennzeichen geben, zweifelhaft sein kann, wohin man sie zu stellen hat. Immer ist die Farbe heller, als bei _tumidus_; wenn auch alte Exemplare mitunter breite dunkle Ringe zeigen, kann man dazwischen immer noch die Grundfarbe erkennen.
Sehr häufig auch die von C. ~Pfeiffer~ als _rostrata_ beschriebene, nach hinten etwas schnabelförmig verlängerte Form (cf. C. ~Pfeiffer~, Naturgesch. I. Taf. V Fig. 8).
Eine andere, sehr interessante Form erhielt ich, nachdem der Druck der Tafeln schon beendigt, durch Herrn Dr. ~Noll~, der sie in der Schwarzbach bei Trebur, einem Wasser mit moorigem Grunde, aber klarem und ziemlich schnell fliessendem Wasser, gesammelt hatte. Sie ist nur von Mittelgrösse, bis 75 Mm. lang, und erscheint in jeder Beziehung verkümmert; die Schale ist dünn und leicht, wie bei einer Anodonte, und die Schlosszähne sind so klein und dünn, dass man sie kaum bemerkt. Die Farbe erscheint tiefdunkelbraun, fast schwarz, putzt man aber gründlich, besonders mit Säure, so erscheint die gewöhnliche hellgelbgrüne Färbung von _pictorum_ und bleiben nur mehrere breite, dunkle Ringe. Ob diese Form als selbstständige Varietät aufzufassen und mit einem eignen Namen zu bezeichnen ist, wage ich nicht eher zu entscheiden, bis ich sie an Ort und Stelle gesammelt und die Art ihres Vorkommens genauer untersucht habe.
3. Unio batavus ~Lamarck~.
Eirunde Flussmuschel.
Muschel breit eirund, zuweilen eiförmig, bauchig, gelbgrün oder schmutzig braungrün, fast stets mit dunkelgrünen Strahlen und dunklen concentrischen Wachsthumstreifen, vorn gerundet, hinten verlängert und verbreitert, meist schräg abgestutzt, die Endigung selbst aber gerundet. Unterrand leicht ausgebogen oder gerade, bei manchen Formen auch ziemlich stark eingedrückt. Wirbel klein, ziemlich stark bauchig, wellig-runzelig, dem Vorderrande stark genähert. Schild zusammengedrückt, wenig bezeichnet. Schlossband schmal und schlank, gelbbraun; Schlosszähne zusammengedrückt, klein, an der abgestumpften Spitze deutlich eingekerbt.
Diese Art ist die in kleinen Bächen allein vorkommende und in unserem Gebiete allgemein verbreitet. Im Main weniger häufig, als die anderen Arten, ist sie im Gebirg die einzig herrschende. Aber eben durch ihr Vorkommen unter den verschiedensten Verhältnissen ist sie auch unendlich variabel, kaum dass man in zwei Bächen dieselbe Ausprägung findet, und manche Formen können fast beanspruchen, für eigene Arten gehalten zu werden, wie es auch von vielen Conchyliologen geschieht. Die typische, der obigen Beschreibung entsprechende Form besitze ich aus Main und Rhein bis 5-6 Ctm. lang und 3-3,5 Ctm. breit, von der oberen Lahn und ihren Seitenbächen, und durch Herrn ~Kreglinger~ von Nauheim in kleineren Exemplaren. Einzeln finden sich im Main auffallend langgezogene Exemplare, 65 Mm. lang und nur 32 Mm. breit, beim ersten Anblick an manche Formen von _tumidus_ erinnernd, aber durch das gerundete Hintertheil sicher davon zu unterscheiden. Alle Mainexemplare sind an den Wirbeln gut erhalten, mitunter abgerieben, aber nie angefressen; es gilt diess überhaupt für die Mainmuscheln.
Als Hauptvarietät wird gewöhnlich _Unio crassus_ ~Retzius~ angeführt, eine Form mit dickerer Schale, wenig aufgetriebenen, weiter nach hinten stehenden Wirbeln und stärkeren Zähnen, die nach den meisten Angaben in Main und Rhein eben so häufig sein soll, wie die Stammform. Für den Rhein kann ich diese Angabe aus Mangel an Material nicht beurtheilen, aber für den Main ist sie entschieden unrichtig. Man findet allerdings hier und da grössere, besonders dickschalige Exemplare, deren Zähne dann natürlich auch dicker sind, aber sie haben ganz die Wirbelstellung der Stammform und sind wohl nur besonders alte Exemplare derselben; den ächten _crassus_, wie er in der Elbe und im Neckar vorkommt, habe ich im Main nie gefunden, und schon oben wurde erwähnt, dass in den Museen von Frankfurt und Wiesbaden dickschalige Exemplare von _tumidus_ als _Unio crassus_ ~Retzius~ liegen.
Sehr interessante Formen erhielt ich aus den Bächen am Südabhang des Taunus, leider zu spät, um sie noch abbilden zu können. In der Sulzbach und der Wickerbach findet sich eine Muschel, die ich nur mit Zweifel hierherbringen kann, aber auch nirgends anders unterzubringen weiss. Sie ist nach hinten auffallend verbreitert, die grösste Breite liegt am Anfang des Hinterendes; der Oberrand steigt von den Wirbeln an noch empor, der Unterrand ist seicht eingedrückt. Die Wirbel sind vollkommen unversehrt, wellig-runzelig, und stehen sehr weit nach vornen. Die Schale ist stark gewölbt, aber die Höhe der Wölbung liegt bedeutend hinter den Wirbeln. Zähne wie bei _batavus_, aber kurz und dünn. Farbe dunkler als bei dem typischen _batavus_, doch die Strahlen deutlich sichtbar. Perlmutter gelblich weiss. Länge 58 Mm., wovon 42-44 auf’s Hintertheil kommen, Breite am Wirbel (diesen mitgemessen) 28, am Beginn des Hinterrandes 30 Mm., Dicke 24, an den Wirbeln nur 20 Mm. Dass diese Form zum mindestens eine gute Varietät ist, beweist der Umstand, dass sich die charakteristische Form schon bei ganz jungen Exemplaren -- meine kleinsten sind 2 Ctm. lang -- deutlich ausgeprägt findet, und dass in den betreffenden Bächen, soweit ich sie verfolgte, andere Formen nicht vorkommen. Anfangs glaubte ich sie für _ater_ Nilsson halten zu können, aber dieser hat ein ganz anderes Schloss und ist auch nicht so verbreitert. _Unio atrovirens_ ~Schmidt~, ~Rossm.~ Icon fig. 206, kommt von allen in der Iconographie abgebildeten batavusartigen Unionen unserer Form noch am nächsten, aber er ist hinten zusammengedrückt, nicht aufgetrieben, wie diese. Genauere Untersuchungen grösserer Quantitäten werden vielleicht später ~Licht~ schaffen; einstweilen mag diese schöne, zuerst von Herrn ~Ickrath~ beobachtete Unio als _var. taunica_ hier stehen bleiben.
Eine andere sehr interessante Form erhielt ich durch Herrn ~Wiegand~ aus Cronthal bei Cronberg. Sie stimmt bis auf die Grösse, ganz mit ~Rossmässlers~ fig. 212 und der Beschreibung des _Unio amnicus_ ~Ziegler~ aus Kärnthen; die Farbe ist dunkelbraungrün mit undeutlichen Strahlen, der Oberrand stark gebogen, der Unterrand leicht eingedrückt; die Wirbel stehen weit nach vorn und sind stark angefressen; Zähne stumpf-conisch, nur wenig deutlich gekerbt. Meine Exemplare unterscheiden sich aber von der citirten Abbildung durch die bedeutendere Grösse, 56-58 Mm. Länge bei 30-32 Mm. Höhe, und die Farbe des Perlmutters, die nicht unrein, sondern wunderschön bläulich weiss ist. Siehe Taf. VI, Fig. 3.
Zu _batavus_ gehört auch noch der von ~Sandberger~ und ~Koch~ angeführte _Unio Moquinianus_ Dupuy aus der Nister bei Hachenburg. Nach den im Wiesbadener Museum befindlichen Originalexemplaren ist es eine mittelgrosse, stark aufgetriebene Form mit eingebogenem Unterrande und nicht nur an den Wirbeln, sondern auch über die ganze Schale angefressen.
Noch ist eine Form aus dem Main zu erwähnen, die mir, wenn auch in verschiedener Ausbildung, mehrfach vorgekommen ist. Es fehlt hier das ganze Vordertheil; der Vorderrand beginnt am Wirbel, einen stumpfen Winkel mit dem Oberrand bildend, und läuft fast in gerader Linie nach dem Unterrand, so dass die Muschel ganz die Gestalt eines _Donax_ bekommt. Wahrscheinlich ist eine Verletzung des vorderen Manteltheiles mit nachfolgender Verkümmerung die Ursache, und die Form nur als eine Missbildung aufzufassen. Schade, dass die Erklärung so nahe liegt; man könnte sonst einen _Unio donaciformis_ daraus machen, dessen Artgültigkeit unanfechtbar wäre!
Während des Druckes fand ich am Mainufer noch ein Exemplar von _batavus_, das sich ausser durch Cariosität und auffallende Auftreibung (28 Mm. Dicke bei 30 Mm. Breite) besonders durch das nach unten gekrümmte, schnabelartig verlängerte Hintertheil auszeichnete und dadurch an _platyrhynchus_ erinnerte. Die Muschel hatte nicht den Habitus der gewöhnlichen Mainmuscheln und war schwerlich an dem Fundorte zu Hause; ich vermuthe, dass sie durch den Eisgang aus einem Seitengewässer oder vom oberen Main hergebracht worden ist.
~Anmerkung.~ ~Thomae~ führt ausser diesen drei Arten noch _Unio margaritifer_ Retzius aus der Nister bei Hachenburg und aus dem Main an. Ersteres Vorkommen wird von ~Sandberger~ und ~Koch~ nicht bestätigt; dagegen führen diese _U. Moquinianus_ von gleichem Fundort an, und vielleicht haben grosse Exemplare dieser Form von _batavus_ die Ursache zur Verwechslung gegeben. Im Main innerhalb unseres Gebietes ist sie weder von ~Speyer~, noch von den Frankfurter Sammlern, noch von mir aufgefunden worden; es ist auch nach ihrer Lebensweise durchaus nicht wahrscheinlich, dass sie hier vorkommt, da sie fast nur in den klaren Bächen des Urgebirgs lebt. Vielleicht kann ich die Entstehung des Irrthums aufklären. Ich fand nämlich im Main ein Exemplar von _Anodonta piscinalis var. ponderosa_, die an Grösse, Gestalt und Farbe so täuschend einer Flussperlmuschel glich, dass ich verschiedene Freunde im Scherz damit täuschen konnte, natürlich nur, bis sie die Muschel in die Hand bekamen. Ein ähnliches Exemplar kann den Anlass zu dieser Angabe, die ~Thomae~ jedenfalls aus zweiter Hand hatte, gegeben haben. _Unio margaritifer_ unterscheidet sich von sämmtlichen Unionen dadurch, dass sie zwar Schlosszähne, aber keine Schlossleisten hat, und bildet desshalb eine eigene Gattung _Margaritana_. Die nächsten mir bekannten Fundorte sind die Jossa, ein Bach im Hanauischen, die Gegend der oberen Nahe um Birkenfeld, und ein Bach am Südabhang des Odenwaldes in der Nähe von Heidelberg. Im oberen Maingebiet ist sie stark verbreitet und Gegenstand einer sorgfältigen Pflege.
Dreissigstes Capitel.
II. ANODONTA ~Bruguière~.
Teich-Enten- oder Schwimmmuschel.
Thier ganz dem von _Unio_ gleich. Die Muschel dünner und ohne Schlosszähne, nur mit zwei stumpfen Längslamellen, die unter dem Schlossband hinlaufen. Wirbel meist niedergedrückt. Schlossband äusserlich, stark, überbaut.
Die Anodonten bewohnen mit Vorliebe stehendes oder langsam fliessendes Wasser mit schlammigem Grund, finden sich aber auch in kleinen Bächen bis hoch in’s Gebirge hinauf. Ihre Unterscheidung ist noch viel schwieriger, als bei den Unionen, da die beiden wichtigsten Anhaltspuncte, die Schlosszähne und die Sculptur der Wirbel, hier wegfallen, und auch die Grösse uns durchaus im Stiche lässt, denn wir haben kein Mittel, um zu erkennen, ob eine Muschel ausgewachsen ist oder nicht. Demgemäss herrschen auch hier verschiedene Ansichten. Am bequemsten machen es sich die Engländer; sie nennen einfach jede Anodonte _An. cygnea_; ~Küster~ und ~Held~ dagegen unterscheiden 26 Arten, davon eine mit 11 Formvarietäten. Die gewöhnliche Annahme ist 6-8 Arten, von denen fünf aus Nassau angeführt werden. Ausserdem führt ~Thomae~ noch _A. intermedia Lam._ an, nennt aber dabei als synonym _A. piscinalis Nilss._, so dass also diese Art wegfällt. Es bleiben mithin noch _An. cygnea_, _cellensis_, _piscinalis_, _anatina_ und _ponderosa_. Letztere ist entschieden keine gute Art, sondern nur eine dickschaligere Form, die je nach der Gestalt zu _piscinalis_ oder _cellensis_ gehören kann, ähnlich wie bei _Unio batavus_ und _tumidus_ eine _var. crassus_ vorkommt. Es ist somit diese Form zu streichen. Von den vier noch übrigen halte ich _An. anatina_, ~wenigstens was im Main vorkommend~ man so zu nennen pflegt, nicht für eine eigene Art, sondern nur für eine mehr oder weniger unausgewachsene _piscinalis_, und es kommt somit auch diese Form wenigstens vorläufig in Wegfall.
Es bleiben mithin für Nassau noch die drei Formen _Anod. cygnea_, _piscinalis_ und _cellensis_ übrig, und diese unterscheiden sich wie folgt:
Muschel ~breit-eiförmig~, dünn, hellgelb mit lebhaft grünen Streifen, tiefgefurcht, Perlmutter rein milchweiss oder mit rothgelblichem Schein; Thier blassgelb, Fuss mennigroth.
_A. cygnea L._
Muschel ~rauten-eiförmig~, ziemlich dickschalig, braungelb mit ziemlich lebhaften grünen Streifen, glatt; Perlmutter rein weiss oder etwas bläulich. Thier blass gelblichgrau mit gelblichweissem Fuss.
_A. piscinalis Nilss._
Muschel ~länglich-eiförmig~, bauchig, dünn, olivengrün ohne deutliche grüne Streifen, gefurcht; Perlmutter milchbläulich, lebhaft irisirend.
_A. cellensis Schrött._
4. Anodonta cygnea ~Linné~.
Schwanenmuschel.
Muschel sehr gross, breit-eiförmig, bauchig, voll tiefer ungleicher Furchen und Rippen, ziemlich dünn, glänzend. Grundfarbe schmutzig-gelblich, mit abwechselnd grünen, gelbbräunlichen und gelblichen concentrischen Streifen, meist deutlich, besonders nach hinten zu, mit feinen, dichtstehenden, grüngrauen, vom Wirbel ausgehenden Strahlen bezeichnet; da, wo das Schild sich an die Wölbung der Schalen anschliesst, befinden sich drei dunkle, grüne Strahlen. Die Muschel ist für ihre Grösse dünn und leicht zu nennen; innen sind die äusserlich befindlichen Rippen und Furchen ebenfalls deutlich sichtbar; der Oberrand ist etwas gekrümmt, doch fast horizontal; Vorder- und Unterrand gerundet, Hinterwand etwas verlängert, von oben und unten sich verschmälernd, in einen kurzen, stumpfen Winkel auslaufend; Schild wenig zusammengedrückt, Kiel desselben in einem stumpfen, undeutlichen Winkel mit der oberen Hälfte des Hinterrandes sich vereinigend; die untere Gränze desselben ist beiderseits durch eine seichte Furche bezeichnet. Die Leisten unter dem Schlossbande sind häufig, bei alten Exemplaren fast stets, zu monströsen Wülsten verwachsen. (_Anod. dentiens Mke._); das Schlossband ist sehr stark, wenig überbaut; Wirbel meist nur wenig abgerieben, etwas aufgeschwollen, ziemlich weit nach der Mitte des Oberrands hin stehend. Perlmutter glänzend, milchweiss oder mit einem rothgelblichen Schein, unter den Wirbeln und in den Muskelbahnen fast stets mehr oder weniger fleischfarben oder rosenroth gefärbt, während es am Hinterende meist lebhaft irisirt.
Thier blassgelb, der Fuss und die dicken Theile der Mantelränder lebhaft mennig-rothgelb; das ganze Thier sehr strotzend und fleischig (~Rossm.~).
In grösseren Teichen, Sümpfen und Lachen mit schlammigem Boden. ~Nach Thomae~ nur im Rhein, selten. Im Möttauer Weiher (_Rudio_). In verschiedenen Teichen um Frankfurt; besonders schöne, grosse Exemplare in dem Teich am Kühhorns Hof (~Dickin~).
Im Lahngebiet scheint diese Art ganz zu fehlen; ~Sandberger~ und ~Koch~ führen sie nicht an, und auch ich fand im Kreise Biedenkopf nur _cellensis_.
Von Herrn ~Dickin~ erhielt ich noch eine interessante, wohl hierher gehörige Form mit dem Beifügen, dass er niemals eine ähnliche im Main wieder gefunden habe, und kurz nachher fand ich ein gleiches Exemplar. Es gleicht diese Form in ihren Umrissen ganz der _Anod. cygnea_, ist aber kaum halb so gross und dickschalig. Sie macht mir den Eindruck einer _cygnea_, die schon jung aus ihrem Wohnsitz in den Main verschlagen worden und dort verkümmert ist und die habituellen Charactere der Mainmuscheln angenommen hat. Ich werde auf diese Form gelegentlich einer speciellen Bearbeitung der Mainmuscheln wohl näher eingehen. Einstweilen ist sie auf Taf. IX abgebildet.
5. Anodonta piscinalis ~Nilsson~.
Fluss-Schwimmmuschel.
Muschel von mittlerer Grösse, rauten-eirund, ziemlich dickschalig, bauchig, nicht stark gefurcht, sondern meist nur gestreift, also mit ziemlich ebener Oberfläche; braungelb oder grünlich, um die Wirbel fast stets rostroth und bis zum ersten starken Wachsthumstreifen fast stets dunkel braungrau oder schiefergrau, meist mit feinen hellgrünen Strahlen bedeckt; Vorderrand gerundet; Hinterrand in gerader oder concaver Linie schräg herablaufend und mit dem heraufgekrümmten Ende des schwach gerundeten Unterrandes einen kurzen, stumpf abgerundeten oder abgestutzten Schnabel bildend; Oberrand schräg gekrümmt aufsteigend oder zuweilen auch ziemlich horizontal; Schild sehr zusammengedrückt, erhaben, beiderseits durch dunkle Strahlen begränzt; Wirbel aufgetrieben, von dem vorderen Ende ziemlich weit entfernt nach der Mitte des Oberrandes hinstehend, stets sehr wenig abgerieben; Perlmutter meist ziemlich rein bläulich weiss, in der Wirbelgegend meist fleischroth; Muskeleindrücke, besonders die vorderen, wegen der ansehnlichen Dicke der Schalen ziemlich vertieft; Ligamentalbucht ziemlich vertieft.
Thier blass gelblichgrau; Kiemen graubraun; Fuss gelblich weiss. (~Rossm.~)
Als Varietät gehört hierher _~An. ponderosa~_ C. ~Pfeiffer~, eine dickschaligere, aber sonst in der Gestalt ganz übereinstimmende Form, die sich besonders im Main sehr zahlreich findet. Wahrscheinlich wohnt sie mehr im Strome, die Stammform mehr in den ruhigen schlammigen Buchten, doch habe ich mich noch nicht sicher davon überzeugen können. Das abgebildete Exemplar stammt aus dem Main bei Schwanheim und wiegt ca. 6 Loth, also immer noch viel weniger, als ~Pfeiffers~ 10 Loth schwere Originalexemplare. Die Uebergänge von ihr bis zur gewöhnlichen dünnschaligen _piscinalis_ kann man aus jedem Muschelhaufen am Mainufer auslesen, und desshalb kann ich _ponderosa_ C. ~Pfr.~ nur als eine Varietät von _piscinalis_ ansehen.
Durchaus nicht selten sind im Main Exemplare mit schnabelförmig ausgezogenem Hinterrande, _var. rostrata_, ganz in derselben Weise ausgebildet, wie die Kärnthener _rostrata_ ~Kokeil~, die freilich eher zu _cellensis_ gehören dürfte. Sie ist durch alle möglichen Uebergänge mit der Stammform verbunden und kann desshalb kaum als eine gute Varietät gelten. Dann finden sich auffallend langgestreckte Exemplare, deren Form sich der von _cellensis_ nähert, ebenfalls nicht selten, aber der allgemeine Habitus, auf den ich weit mehr Gewicht legen zu müssen glaubte, als auf ein einzelnes Kennzeichen, ist der von _piscinalis_; erst an halbwüchsigen Exemplaren merkt man den Unterschied von der gewöhnlichen Form, von jüngeren habe ich im Main ~immer nur eine Form~ gefunden.
Mehr in langsam fliessenden Flüssen, doch auch in stehenden Wässern, besonders in solchen, die immer oder zeitweilig mit Flüssen in Verbindung stehen. Im Main und wohl auch im Rhein ist sie mit _ponderosa_ die herrschende Form, dagegen scheint sie im Lahngebiete ganz zu fehlen. Ob die von ~Thomae~ erwähnte _ponderosa_ aus dem Maxsainer Weiher hierher oder zu der folgenden Art gehört, kann ich bei dem Mangel von Originalexemplaren nicht entscheiden. Im Cursaalteich bei Wiesbaden (~Lehr~).
Die von ~Thomae~ angeführte nierenförmige Form habe ich einigemal im Main gefunden, immer ganz einzeln unter _ponderosa_ und der Stammform; sie ist ein Krüppel, entstanden durch Verletzung oder Verkümmerung einer Stelle des vorderen Mantelrandes, keinesfalls, wie ~Thomae~ vermuthet, eine eigene Art.
Zu _piscinalis_ rechne ich auch die auf Taf. VII, Fig. 2 abgebildete kleinere Form aus dem Metzgerbruch, einem aus dem Main abgeleiteten Graben, die dort nicht grösser wird. Sie kommt ähnlich auch in anderen kleinen Gewässern um Frankfurt vor und ist die _Anodonta anatina_ der Frankfurter und Hanauer Faunisten und Sammler. Dieselben haben damit insofern nicht Unrecht, als Carl ~Pfeiffer~ auf Taf. VI Fig. 2 diese Form unverkennbar als _anatina_ abbildet. Diese _anatina_ ist dann freilich nur eine Varietät oder wenn man so will eine Hemmungsbildung von _A. piscinalis_, die unter ungünstigen Verhältnissen nicht zur vollständigen Entwicklung gelangt. Etwas anderes ist es mit der _A. anatina_, wie sie ~Rossmässler~ auffasst, und wie sie ~Brot~ in seiner trefflichen Etude sur les Najades du Leman characterisirt; diese hat mit _piscinalis_ nichts zu thun, sie ist viel kürzer und breiter, der Oberrand steigt mehr an und das Perlmutter ist in der vorderen Hälfte stark verdickt. Es ist nicht zu verkennen, dass unsere Form eine ziemliche Aehnlichkeit mit Fig. 280 b in ~Rossmässlers~ Iconographie hat, aber sie ist doch mit _piscinalis_ durch Zwischenformen so verbunden und jungen Exemplaren so ähnlich, dass ich sie ohne Bedenken als _var. ~minor~_ hierherstelle.
Auch _~Anodonta ventricosa~_ ~C. Pfeiffer~ dürfte wohl hierher gehören. Man findet im Main gar nicht selten Exemplare, die mit Beschreibung und Abbildung dieser Art ganz gut stimmen und doch von der typischen _piscinalis_ nicht zu trennen sind. Ich möchte sie für Weibchen, die Auftreibung der Schale, die nie das ganze Gehäuse gleichmässig betrifft, für Folge der Kiemenanschwellung während der Trächtigkeit halten.
Auch in den vom Südabhang des Taunus kommenden Bächen findet sich eine Anodonte, die ich nur für eine eigenthümliche, durch die veränderten Lebensbedingungen bewirkte Ausprägung von _piscinalis_ halte und als die Form der kleinen Bäche, als _var. ~rivularis~_ bezeichnen möchte. Leider erlaubte der Raum nicht, diese Anodonte noch abzubilden. Sie ist auffallend lang und schmal, nur 40 Mm. an den Wirbeln breit bei 90 Mm. Länge, ein Verhältniss, das sich bei _A. piscinalis_ im Main nur ganz ausnahmsweise findet und dann immer mit auffallender Dicke vergesellschaftet ist, -- mässig gewölbt, die Wirbel sehr weit nach vornen stehend, so dass sich die Länge von Vorder- und Hintertheil fast wie 1:4 verhält; der Oberrand steigt ziemlich stark an, der untere verläuft fast ganz horizontal und krümmt sich gegen den Hinterrand nur leicht empor; die Wirbel sind unversehrt. Farbe ziemlich lebhaft blaugrün mit dunkelgrünen Strahlen und dunkelbraunen Zuwachsstreifen, Perlmutter schön bläulich weiss, nach vornen stark verdickt und fast rein weiss.
Die Exemplare, die ich bis jetzt gesehen habe, stammten aus dem in der Ebene verlaufenden unteren Theile der Sulzbach; ob sie im oberen Laufe dieselbe Form behalten, konnte ich nicht untersuchen, habe auch noch keine Anodonten aus dem eigentlichen Taunusgebiet erhalten können.
6. Anodonta cellensis ~Schrötter~.
Zellische Teichmuschel.
Muschel gross, eiförmig-länglich, bauchig, dünn, zerbrechlich, gefurcht, olivengrün und braungestreift oder einfarbig dunkel-olivengrün (namentlich halbwüchsige Exemplare) oder grünbraun, nie so schön grüngestreift, wie _cygnea_, hinten vom Wirbel aus mit den gewöhnlichen drei braungrünen Strahlen, wodurch der Schild begränzt wird; Vorderrand gerundet, Ober- und Unterrand meist ziemlich parallel, gestreckt, letzterer oft etwas eingedrückt, ersterer seltener etwas ansteigend; Hinterrand schräg ablaufend und mit dem sich aufbeugenden hinteren Ende des Unterrandes die abgestumpfte Schnabelspitze bildend; Schild zusammengedrückt, kielförmig, nicht sehr erhaben, meist horizontal; Wirbel wegen der sehr verlängerten hinteren Schalenhälfte weit nach vorn stehend, ziemlich flach, meist sehr stark abgerieben, wellig; Schlossband mittelmässig, verlängert; Ligamentalbucht eirund, Perlmutter düster milchbläulich mit grünlichgrauem oder schieferbläulichem Schimmer, oft mit hellölgrünen Wolkenflecken, meist stark glänzend und blauirisirend. Die Grösse gibt der von _cygnea_ an günstigen Orten, was die Länge betrifft, nichts nach.
Thier gelblich mit hell mennigrothem Fusse (~Rossm.~).
Ausser Exemplaren, welche dieser Beschreibung ~Rossmässlers~ vollkommen entsprechen, findet sich noch eine andere Form, in den äusseren Umrissen völlig gleich, wie die Abbildung auf Taf. VIII zeigt, welche ~Rossmässlers~ Fig. 280 vollkommen deckt und nur durch den mehr herabgekrümmten Schnabel des hinteren Endes abweicht; sie zeichnet sich aber besonders durch die Dicke ihrer Schalen aus, während die Normalform immer sehr dünn und zerbrechlich ist; das abgebildete Exemplar wog 5 Loth. Es ist dies eine correspondirende Form zu der _piscinalis var. ponderosa_ ~C. Pfr.~, mit der sie wohl nicht selten verwechselt wird, und man kann sie mit demselben Rechte _~cellensis var. ponderosa~_ nennen. Ihr ganz ähnliche, nur stärker gewölbte, an die _var. cordata_ ~Rossm.~ erinnernde Exemplare erhielt ich in sehr grosser Anzahl durch Herrn Forstmeister ~Tischbein~ aus einem Teiche bei Schaumburg; ob sie aber wirklich hierher gehören, wage ich nicht zu behaupten, denn es finden sich darunter auch sehr viele, deren Form mehr rautenförmig ist und sich der _ponderosa_ ~C. Pfr.~ nähert; eine Entscheidung wird sich nur durch Untersuchung der Jugendformen, die mir leider nicht zu Gebote stehen, treffen lassen.
Hierher gehört vielleicht auch die von ~Thomae~ angeführte _An. ponderosa_ aus dem Maxsainer Weiher.
_An. cellensis_ scheint in unserem Gebiete die verbreitetste Form zu sein. Die Stammform findet sich in dem unteren Teich des Biebricher Schlossgartens (~Thomae~); in den Lehmgruben bei Darmstadt, wunderschöne grosse Exemplare im Altrhein bei Stockstadt (~Ickrath~); in den Bächen und Mühlgräben der Umgebung von Homburg (~Trapp~). Bei Hanau (~Heynemann~, ~Speyer~). Im Lahngebiet ist sie die herrschende Form. ~Sandberger~ führt sie von Weilburg aus der Lahn, ~Koch~ von Dillenburg aus der Dill und den Mühlgräben an, doch ohne nähere Angabe über ihre Beschaffenheit. Ich fand sie im Kreise Biedenkopf in allen, selbst den kleineren Bächen, aber fast immer nur die dickschalige Form; besonders schön und gross in dem mit der Lahn zusammenhängendem Teiche an der Amalienhütte zwischen Biedenkopf und Laasphe, aus welchem auch das abgebildete Exemplar stammt. Aus dem unteren Main ist mir nie ein Exemplar vorgekommen, wohl aber nicht selten schmale, lange Exemplare von _piscinalis_, die ganz die gewöhnlich als characteristisch angenommene Gestalt von _cellensis_ haben, für mich ein Beweis, dass man unmöglich aus den Umrissen eines einzelnen Exemplares oder gar einer Abbildung mit Sicherheit die Art bestimmen kann zu der es gehört.
Ausser diesen drei Arten und der schon erwähnten _anatina_ kommt in Deutschland noch eine fünfte, sehr gut characterisirte Art vor, _Anodonta complanata_ ~Zgl.~, ausgezeichnet durch die flache Form und die auffallende Verschmälerung des vorderen Endes. Im Elbgebiete sehr häufig, ist sie in Nassau meines Wissens noch nicht aufgefunden worden.
Einunddreissigstes Capitel.
Cycladea.
Thiere getrennten Geschlechtes mit Siphonen zum Athmen, meist im Schlamm steckend, können aber auch kriechen, klettern und selbst schwimmen.
III. CYCLAS ~Bruguière~.
Kreismuschel.
Muschel gleichklappig, rundlich, fast gleichseitig, jedoch nicht ganz, da das hintere Ende ein wenig länger ist, als das vordere. Die Schalen sind dünn, mit starker, sehr festsitzender Epidermis überzogen. Schloss fast in der Mitte, rechts mit zwei, links mit einem Hauptzahn.
Thier getrennten Geschlechtes, ziemlich grosse, lebendige Junge, die man beim oberflächlichen Betrachten leicht für Pisidien halten kann, gebärend. Der Mantel ist fast ganz verwachsen, mit zwei langen, am Rücken verwachsenen, am vorderen Ende aber getrennten Siphonen und einem Schlitz für den schmalen, langen Fuss. Der obere Sipho ist kürzer, am Ende zugespitzt, der untere walzenförmig mit stumpfem Ende.
Unsere vier Arten bewohnen alle Sorten von Gewässern, sowohl schnellfliessende, als stagnirende und selbst Wiesengräben. Sie unterscheiden sich, wie folgt:
a. Gehäuse bauchig bis kugelig.
Schalen eiförmig, ziemlich dünn, sehr regelmässig fein gestreift, ziemlich bauchig, Schlossband aussen sichtbar.
_C. rivicola_ ~Lam.~
Schalen fast kreisrund, gleichseitig, nur wenig und unregelmässig gestreift, gleichseitig, fast kugelig.
_C. cornea_ ~Pfeiff.~
Schale rundlich-dreieckig, derb, ziemlich aufgetrieben, stark und sehr regelmässig gestreift, Schlossband aussen nicht sichtbar.
_C. solida_ ~Normand.~
Schale rautenförmig, ziemlich flach, ungleichseitig, dünn, kaum gestreift.
_C. lacustris_ ~Drp.~
b. Schalen flach mit stark vorspringenden, einen Höcker tragenden Wirbeln, Schlossband aussen sichtbar.
_C. calyculata_ ~Drp.~
7. Cyclas rivicola ~Lamarck~.
Ufer-Kreismuschel.
Schale kurzeiförmig bis herzförmig, ziemlich bauchig, fast gleichseitig, mit ziemlich starken, sehr gleichmässigen, regelmässigen Streifen, die besonders am Rande stark hervortreten, ziemlich fest und dick, undurchsichtig, glänzend, graubraun oder gelblichbraun, meist mit gelblichem Saum und mitunter auch mit gelblichen Ring-Binden und fast stets mit einem oder einigen dunklen Ringen. Wirbel wenig erhoben, so nahe am Rand, dass sie sich bisweilen berühren. Schlosszähne sehr klein und dünn, die Seitenzähne grösser und dreieckig, aber ebenfalls sehr dünn; Schlossband kurz, von aussen sichtbar. Die Muskeleindrücke und die Mantelbucht sind innen kaum sichtbar; die Perlmutter ist bläulich weiss. Länge 20-25 Mm., Höhe 15-20 Mm., Dicke 10-15 Mm.
Thier gelblichgrau oder weissgrau, mit kegelförmigem Fuss. Die Siphonen ziemlich kurz, der untere etwas länger, am Rand vierlappig.
Die Jungen, die man fast das ganze Jahr hindurch in den äusseren Kiemen antrifft, sind 4 Mm. gross, flach, gelblich. Man findet meistens 4-6 gleichgrosse Junge auf einmal, aber nach ~Jacobson~ gleichzeitig auch Eier, sie werden durch die Siphonen ausgestossen.
In Rhein, Main und Lahn im Sand gemein; im Gebirge fehlend. Im Obergraben der Gonzenheimer Mühle bei Homburg (~Trapp~). Im Main ist sie namentlich im Sand hinter den Krippen gemein; man muss sie mit den Fingern herauswühlen.
8. Cyclas cornea ~Linné~.
Kugelige Kreismuschel.
Muschel kugelig-bauchig, aufgeblasen, fast ganz gleichseitig, schwach und unregelmässig gestreift, dünn, zerbrechlich, durchscheinend, hornfarbig mit gelblichem Rand und meistens mit dunkleren Ringstreifen. Wirbel stumpf abgerundet, mehr hervortretend, als bei voriger Art. Vorderrand und Hinterrand gebogen, fast gleich, Oberrand convex, Unterrand fast gerade. Die Innenseite ist bläulich weiss, der Rand gelblich; Muskeleindrücke etwas deutlicher, als bei voriger Art. Am Schloss sind die Innenzähne winzig klein, die beiden Seitenzähne lamellenartig, dreiseitig, die vorderen grösser, als die hinteren. Länge 8-10 Mm., Höhe 6-8 Mm., Dicke 4-6 Mm.
Thier weisslich.
Als Varietät kann eine auffallend stark gewölbte, fast rein kugelige Form gelten, _var. nucleus_ ~Studer~.
In Rhein, Main und Lahn; im Gebirge fehlt sie. Im Main findet man sie nach ~Noll~ nur an den Einmündungen der Seitenbäche. Die _var. nucleus_ fand sich früher an der Mündung des Metzgerbruch, kommt aber nach ~Dickin~ dort nicht mehr vor. In der alten Nied bei Höchst, in den Lachen des Nieder Wäldchens.
9. Cyclas solida ~Normand~.
Gerippte Kreismuschel.
Muschel rundlich-dreieckig, etwas ungleichseitig, ziemlich bauchig, mit starken, gleichmässigen, sehr regelmässigen Kreisrippen, ziemlich dick, undurchsichtig, hellbraungelb, nur selten mit dunkleren Ringen, mitunter hellgelb, besonders jüngere Exemplare. Der hintere Theil etwas länger ausgezogen, als der vordere, beide abgerundet. Wirbel ziemlich stark aufgetrieben, stumpf gestreift. Schlossband kurz, von aussen nicht sichtbar. Die Mittelzähne sind kaum sichtbare Wärzchen, die Seitenzähne deutlicher, dreiseitig. Muskeleindrücke sichtbar. Die Innenseite ist milchweiss, mitunter mit einem leichten, bläulichen Schimmer.
Thier weiss, mit sehr kurzen, durchsichtigen Siphonen von rother oder orangegelber Farbe. Junge Exemplare wie das von ~Moquin-Tandon~ abgebildete, haben viel Aehnlichkeit mit _Pisidium obliquum_, sind aber viel mehr gleichseitig. Länge 6-10 Mm., Höhe 5-7½ Mm., Dicke 4-6 Mm.
Im Sande des Maines nicht selten; lebende Exemplare bis jetzt nur von ~Wiegand~ an der Kaisersley oberhalb Frankfurt gefunden, und zwar im Sande gerade an der Gränze des tiefsten Wasserstandes. Nach mündlichen Mittheilungen hat Herr W. sie seitdem auch im Sande des Rheins bei Mainz gefunden; ~Goldfuss~ fand sie bei Bonn und wird sie wohl überall im Rhein an einzelnen Puncten vorkommen. Bei dem tiefen Wasserstand 1870 fand ich einzelne lebende Exemplare auch bei Schwanheim in den flachen Anschwemmungen zwischen den Krippen. In die Bäche hinein geht sie nicht; ~Friedel~ (Mal. Bl. 1870) bemerkt mit Recht, dass sie nur den Hauptströmen und den grösseren Nebenflüssen nur, soweit dieselben stromartig sind, angehört.
10. Cyclas lacustris ~Draparnaud~.
Muschel rund-rautenförmig, ungleichseitig, flacher als die vorigen Arten; sehr zart und zerbrechlich, kaum gestreift, wenig glänzend. Der obere Rand bildet mit dem hinteren einen stumpfen Winkel; Vorderrand und Unterrand gerundet. Mittelzähne winzig klein, auch die schmalen, dreieckigen Seitenzähne mit blosem Auge kaum sichtbar. Farbe braungelblich mit helleren und dunkleren Ringstreifen; Innenseite blassblau. Muskeleindrücke kaum sichtbar. Länge 8 Mm., Höhe 6-7 Mm., Dicke 4 Mm.
Selten in einer Rheinlache zwischen Biebrich und Schierstein (A. ~Römer~). Ich fand einige leere Schalen, die mit Leipziger Exemplaren aus ~Rossmässlers~ Hand, nach denen vorstehende Beschreibung entworfen ist, ganz übereinstimmten, in einer Wiesenlache im Pferdsbach bei Biedenkopf, konnte aber trotz allen Nachsuchens keine lebenden Exemplare auftreiben.
Ueber die Selbstständigkeit dieser Art herrschen bedeutende Zweifel; Ad. ~Schmidt~ erklärt sie kurzweg für junge _rivicola_, ~Bielz~ für unausgebildete _cornea_. Ich bemerke nur, dass in dem Gebirge, wo ich diese Art gefunden, weder _rivicola_ noch _cornea_ vorkommen. Auch mit _calyculata_, besonders mit der Form ohne Höckerchen, wird sie vielfach verbunden; leider sind die wenigen Exemplare, die ich selbst gefunden, zerbrochen und zur Untersuchung untauglich geworden.
11. Cyclas calyculata ~Draparnaud~.
Bucklige Kreismuschel.
Muschel zusammengedrückt, rundlich rautenförmig, dünn, durchscheinend, sehr zerbrechlich, fein und unregelmässig gestreift, glänzend, aussen hellgrau mit gelblichem Saume, innen dunkelgrau. Wirbel stark aufgetrieben, nach innen gekrümmt, mit einem stark vorragenden Höckerchen, der sitzengebliebenen Embryonalschale. Dimensionen wie bei der vorigen.
Thier weisslich, durchscheinend, mit kurzen Siphonen.
Als Varietät zu betrachten ist _Cyclas Steinii_ ~Schmidt~, ausgezeichnet durch das Fehlen der Höckerchen auf den Wirbeln. Ob sie in unserem Gebiete vorkommt, weiss ich nicht, da diese kleinen Cyclasarten noch ebenso wenig untersucht sind, wie die Pisidien.
Mehr in stehendem Wasser, in Gräben und Lachen, selbst in kleinen Wiesengräben. In der Lahn bei Weilburg (~Sdbrg.~). Im Abfluss des unteren Schlossgartenteichs zu Biebrich (~Th.~). In der alten Nied bei Höchst, in den Lachen des Nieder Wäldchens, im Hauptgraben der Schwanheimer Wiesen; im Teiche der Balbach’schen Brauerei zu Biedenkopf einzeln. Nicht selten bei Hanau im Ausfluss der Fischteiche, Lamboibrücke, Ehrensäule, Puppenwald, Hochstadt, Bischofsheim; in schlammigen Gräben bei Hausen (~Speyer~). Im Amosenteich bei Darmstadt (~Ickrath~).
Ausser diesen vorstehenden Arten führt ~Speyer~ noch eine _Cyclas perpusilla_ ~Gärtner~ an; dieselbe ist aber keine Muschel, sondern die Schale einer zu den Krebsen gehörigen Cypris und ~Kreglinger~[13] zieht sie mit Unrecht zu _Pisidium obtusale_.
Zweiunddreissigstes Capitel.
IV. Pisidium ~C. Pfeiffer~.
Erbsmuschel.
Muschel sehr klein, rundlich eiförmig, stets ungleichseitig. Wirbel mehr oder weniger aufgeblasen. Schloss mit einem Mittelzahn an der rechten und zwei Hauptzähnen an der linken Schale, und mit länglichen, lamellenartigen Seitenzähnen, im Verhältniss stärker, als bei Cyclas. Schlossband sehr klein und stets auf der kurzen Seite befindlich, so dass also hier die vordere Hälfte länger ist, als die hintere, während bei den andern Muscheln der Fall umgekehrt ist.
Das Thier gleicht ganz dem von Cyclas, aber seine Athemröhren sind in ihrer ganzen Länge mit einander verwachsen und bilden einen Sipho von sehr wechselnder Form, der bei der geringsten Erschütterung zurückgezogen wird.
Die Jungen entwickeln sich innerhalb der Kiemen des Mutterthiers, aber nicht in einer besonderen Bruttasche, sie sind verhältnissmässig sehr gross und man findet nur wenige auf einmal (~Baudon~).
Die Erbsmuscheln finden sich zwar auch im stehenden Wasser und kleinen Pfützen, aber mit Vorliebe in fliessendem Wasser, in Wiesengräben, Quellen und deren Abflüssen, im Schlamm verborgen. Sie scheinen ziemlich lang ohne Wasser aushalten zu können; Dr. C. ~Koch~ theilte mir mit, dass er sie in Hungerquellen gefunden habe, die 7-8 Monate im Jahr kein Wasser haben, sie stecken dann oft mit Hydrobien, Carychien und Vertigo zusammen im feuchten Laub oder Moos. Man sammelt sie am besten, indem man den Schlamm durchsiebt oder in einem Netz ausspühlt. ~Baudon~ fand sie öfters an todten Thieren, Knochen u. dgl. in Menge klebend, wahrscheinlich weil sie dem mit Nahrungsstoff gesättigten Wasser nachgehen, und er hat sie mit Erfolg durch solchen Köder herbeigelockt.
Die Pisidien sind bei ihrer Kleinheit natürlich noch viel schwerer zu unterscheiden, als die Unionen, denen sie an Wandelbarkeit nicht nachstehen. Dazu kommt, dass es noch immer an einer eingehenden Bearbeitung der deutschen Pisidien fehlt, wie sie den englischen durch ~Jenyns~, den schwedischen durch ~Malm~, den französischen durch ~Baudon~, dessen Essai monographique ich hauptsächlich folge und auch die Abbildungen entlehnt habe, zu Theil geworden ist. Die deutschen Faunisten begnügen sich damit, die herkömmlichen Arten aufzuführen, und ich kann leider von diesem Brauche nicht abweichen, da mein Material zu unbedeutend ist und sich wesentlich auf die Umgebung von Frankfurt und einige Puncte um Biedenkopf beschränkt.
Mit Sicherheit kommen bei uns vier Arten vor, die sich folgendermassen unterscheiden:
a. Schale 7-12 Mm. lang, stark gerippt, sehr ungleichseitig, Wirbel nach vorn geneigt.
_P. amnicum_ ~Müll.~
b. Schale unter 6 Mm. lang.
α. Schalen ziemlich gleichseitig.
Muschel sehr bauchig, aufgetrieben, Wirbel vorstehend, Dim. ziemlich gleich, 2½-3 Mm.
_P. obtusale_ ~C. Pfr.~
Muschel weniger bauchig, fast ganz gleichseitig, blassgelb, Wirbel rundlich, vorspringend.
_P. pusillum_ ~Jen.~
β. Schale sehr ungleichseitig, mit kaum vorspringenden Wirbeln.
_P. casertanum_ ~Poli.~
Eine Bereicherung unserer Fauna ist sicher zu erwarten, sobald man anfängt, diese kleinsten Muscheln etwas mehr als bisher zu beachten.
12. Pisidium amnicum ~Müller~.
Schiefe Erbsmuschel.
_Syn._ _P. obliquum_ C. ~Pfr.~, _Cyclas obliqua_ ~Lam.~
Muschel beinahe eiförmig, ungleichseitig, bauchig, doch weniger gewölbt, als die andern Arten, unregelmässig dreieckig, wenig glänzend, zierlich gestreift, fast gerippt, äusserlich gelblichgrau, innen bläulich. Wirbel wenig erhaben, nach vorn geneigt. Der Hauptzahn des Schlosses gespalten, daneben jederseits ein paar kaum wahrnehmbare Nebenzähne, an die sich die sehr dünnen Schlossleisten anschliessen. Länge 7-12 Mm., Höhe 6 Mm., Dicke 4-6 Mm.
Thier etwas durchscheinend, weisslich oder graulich, mit kurzem, breiten Fuss. Athemröhre kurz, kegelförmig, am Ende schräg abgestutzt.
Die grösste unserer Erbsmuscheln liebt fliessendes Wasser, kommt aber auch im stehenden vor; sie scheint in Nassau nicht eben häufig zu sein. Im Sonnenberger Bach bei Wiesbaden (~Thomae~). In Wiesengräben bei Idstein (A. ~Römer~). In der Lahn bei Marburg, selten (C. ~Pfeiffer~). Bei Cronberg (~Dickin~). Nicht häufig bei Hanau: Bulauwald, Lamboiwald, Ehrensäule, Wilhelmsbader Wald (~Speyer~). In der Sulzbach (~Ickrath~). Besonders schöne, grosse Exemplare, bis zu 12 Mm. lang, fand ich in der Wickerbach oberhalb der Flörsheimer Kalksteinbrüche sehr zahlreich. Selten in der Rutzebach bei Darmstadt. (~Ickrath~).
13. Pisidium obtusale C. ~Pfr.~
Stumpfe Erbsmuschel.
Muschel schief herzförmig, bauchig, nur wenig ungleichseitig, sehr fein, kaum bemerklich gestreift, glänzend, durchsichtig, gelblichweiss. Der Unterrand scharf, die Wirbelspitzen vorstehend, sehr stumpf, gerundet, der Wirbel ziemlich nahe an der Mitte stehend. Länge und Höhe gleich, 2-4 Mm., Dicke 1½-3 Mm.
Thier grau, mitunter gelblich oder röthlich, mit ziemlich langem, spitzem Fuss. Athemröhre etwas kegelig, kurz, abgestutzt, mit kleiner ganzrandiger Oeffnung (~Moq.-Tand.~).
Im Schlamme kleinerer Wassergräben, aber auch in den Buchten des Mains. In der Tränke bei Wiesbaden. (~Thomae~). In Lachen an der Lamboibrücke bei Hanau (~Speyer~). Im Schwanheimer Hauptgraben. -- Ueber die Exemplare aus dem Main bemerkt mir Herr ~Clessin~ in Dinkelscherben, dass die Wirbel für diese Art zu weit nach vornen stehen und zu spitz sind, sie desshalb wahrscheinlich eher zu _Pisid. conicum Baud._ gehören dürften.
14. Pisidium pusillum ~Jenyns~.
Kleinste Erbsmuschel.
Muschel sehr klein, dünn, fast gleichseitig, nur wenig bauchig, mit rundlichen, vorspringenden Wirbeln; die Streifen sind an den Wirbeln stärker und dichter als am übrigen Theil der Schale, so dass man zwei deutlich abgegränzte Parthieen der Schale unterscheiden kann; glänzend, blassgelb, die Wirbel grau. Der Hauptzahn der rechten Klappe springt ein wenig nach Innen vor; er ist flach zusammengedrückt und zeigt eine Furche, als ob er aus zweien zusammengeschmolzen sei; die beiden Zähne der linken Klappe sind ebenfalls nur durch eine sanfte Furche geschieden.
Thier weisslich, helldurchsichtig, sehr klein, der Fuss lang und schmal, die Athemröhre kurz, fast kegelförmig. (~Baudon~).
Ich erhielt diese Art aus einigen Teichen des Taunus durch Herrn ~Dickin~. In den Waldquellen des Gebirgs, selbst im feuchten Moos austrocknender Hungerquellen um Biedenkopf und Dillenburg.
15. Pisidium casertanum ~Poli~.
Quellen-Erbsmuschel.
_Syn._ _Pisid. fontinale_ C. ~Pfeiffer~.
Gehäuse schief herzförmig, bauchig, ungleichseitig, fein gestreift, durchscheinend, glänzend, gelblichweiss, der untere Rand scharf. Die Wirbel weniger erhaben. Schloss jederseits mit ~drei~ gegen einander geneigten Hauptzähnen, von denen der mittelste sehr klein ist. Grösse nach dem Fundorte sehr wechselnd; Länge 4-6 Mm.
Thier weisslich, durchscheinend; Fuss verlängert; Athemröhre kurz, von sehr wechselnder Gestalt. (~Baudon~).
In stehenden und fliessenden Gewässern, besonders aber in Quellen, allenthalben verbreitet und häufig.
Dreiunddreissigstes Capitel.
Tichogoniacea.
Muschel nachenförmig, gekielt, Buckel ganz am einen, schmalen Ende, Schloss mit nur einem Zahn. Das Thier befestigt sich durch einen Byssus.
16. Tichogonia Chemnitzii ~Rossmässler~.
Eckwandmuschel.
_Syn._ _Mytilus Wolgae_ ~Chemn.~, _Chemnitzii_ ~Fér.~, _polymorpha_ ~Pallas~, _Dreissena polymorpha_ v. ~Ben.~
Muschel nachenförmig, aufgetrieben, jede Schale von dem spitzen Wirbel aus in einen sanften Bogen gekielt; Oberseite aufgetrieben, Unterseite flach; von den 4 Rändern, die man an andern Muscheln unterscheiden kann, fehlt der Vorderrand ganz; der Oberrand ist kurz, gerade, der Unterrand fast gerade, vom Wirbel aus in geneigter Richtung nach rechts und unten verlaufend, der Hinterrand leicht gekrümmt. Am Unterrand schliessen die Schalen nicht ganz, so dass ein Spalt für den Byssus bleibt. Farbe und Zeichnung sehr verschieden, meist schmutzig gelb mit Zickzackstreifen, die an jungen Exemplaren besonders deutlich sind, mit dem Alter verschwinden. Wirbel spitz, gegen einander gekrümmt; Schlossband fast ganz innerhalb der Schalen in einer Rinne liegend. Schloss nur aus einem schwachen Zahne der rechten Schale bestehend, der in eine Grube der linken passt. Der Muskel heftet sich an eine dreieckige Perlmutterwand, die quer in dem Winkel angebracht ist und den Namen für unsere Art (von τειχος, Wand und γονος, Ecke) gegeben hat. Länge 20-40 Mm.
Ich kann mich nicht entschliessen, den Rossmässler’schen Namen, der zugleich die Hauptkennzeichen der Gattung enthält, zu Gunsten des allerdings etwas älteren Namens Dreissena oder Dreissensia van Beneden aufzugeben; die Priorität darf nicht die einzige Rücksicht sein, die wir bei der Auswahl der Namen nehmen, und es ist unmöglich, die Gattung besser, als durch den Rossmässler’schen Namen zu bezeichnen.
Es ist diese seltsame Muschel, die trotz ihres Byssus sich sehr rasch verbreitet, zuerst 1780 von ~Pallas~ in der Wolga entdeckt worden und hat sich seitdem sehr rasch über Europa verbreitet. Im Rhein wurde sie nach ~Thomae~ zuerst bei Walluf gefunden und ist nun sehr häufig. Ueber ihr Vorkommen im Main hat ~Noll~ die ersten Funde zusammengestellt, das erste Exemplar hat ~Heynemann~ in den ersten fünfziger Jahren bei Hanau gefunden, die ersten lebenden Thiere ~Mandel~ bei Frankfurt 1855. Jetzt ist sie stellenweise ganz häufig und kommt z. B. bei Höchst in Masse vor. Anführen will ich noch, dass nach einer Angabe des Herrn ~Kretzer~ in Mühlheim a./M., die mir ~Heynemann~ mittheilte, alte Schiffsleute, welche die zum Füttern gebrauchten Muscheln genau kennen, unsere Muschel für eine schon sehr lange im Main vorkommende Art erklären. Den Schwanheimer Muschelsammlern dagegen ist sie erst in den letzten Jahren bekannt geworden.
Seit etwa 6 Monaten habe ich zwei Exemplare aus dem Main auf einem _Unio batavus_ sitzend in meinem Aquarium, wo sie sich sehr wohl zu befinden scheinen.
Die Wanderung scheint meistens eine passive zu sein; die Muschel hängt sich in Menge an Schiffe und Flösse, nach einer Beobachtung ~Rossmässler~’s auch an Krebse und wahrscheinlich auch an andere Wasserthiere und wird so aus einem Flussgebiet in’s andere verschleppt. Dem Anschein nach schadet ihr auch ein kurzer Aufenthalt im Salzwasser nicht, denn in die untere Donau ist sie wahrscheinlich über das schwarze Meer aus den russischen Flüssen eingeschleppt worden.
Im Rhein findet sie sich in Unmasse; ~Noll~ sah einen Tümpel unterhalb der Lurley bei St. Goar wie gepflastert mit ihnen, und die darin befindlichen Unionen und Anodonten mit so dichten Klumpen bedeckt, dass sie sich nicht mehr in den Boden eingraben konnten.
Schlusscapitel.
Nassau ist nicht gross genug, um in seinen Gränzen verschiedenartige Faunengebiete einzuschliessen; die Unterschiede der Fauna in seinen verschiedenen Theilen können daher nicht von der geographischen Lage, sondern nur von den Unterschieden der Bodenbeschaffenheit abhängen. Kalkreicher und kalkarmer Boden, Ebene oder Hügelland, das sind die Hauptfactoren, welche für die Vertheilung der Arten massgebend sind.
Eigentliche grössere Ebenen hat Nassau nicht; nur im unteren Theile des Mainthals und hier und da am Rhein kommen einige Strecken flachen Landes vor, die wir den gebirgigen Theilen in Beziehung auf die Molluskenfauna als Ebenen gegenüber stellen können. Am bedeutendsten ist die ~Mainebene~. Sie beginnt ungefähr bei Hanau und erstreckt sich von da in zunehmender Breite mainabwärts, um im sogenannten Riede mit der grossen Rheinebene zu verschmelzen. In alten Zeiten ein Theil des Meeres, das sich von der Nordsee bis an die Alpen erstreckte und später, als die Gebirgsdurchbrüche des Basaltes die Verbindung unterbrochen und einen Binnensee daraus gemacht hatten, ein Theil des Mainzer Beckens, gehört der Boden in seinen tieferen Schichten ganz der Tertiärformation an, ist aber mit diluvialem Löss, Kiesablagerungen, altem Dünensand und den alluvialen Anschwemmungen der Flüsse überlagert und fast nur an den Rändern treten die characteristischen Littorinellenkalke, aus zahllosen Exemplaren der Hydrobien, die einst hier im brackischen Wasser lebten, gebildet, auf. Entgegen dem eigentlichen Begriff müssen wir das gesammte Gebiet der Tertiärschichten der Fauna nach noch zur Ebene rechnen.
Dieses Gebiet wird anfangs nördlich von den Ausläufern der Rhön, südlich von denen des Spessart und dann des Odenwaldes begränzt. Dann verliert es sich nach Norden in die sanfthügelige, noch aus Tertiärschichten bestehende Wetterau, die in conchyliologischer Beziehung noch dazu zu rechnen ist, aber leider noch eine _terra incognita_ genannt werden muss. Der Ostrand des Taunus begränzt die Westseite dieses von der Nidda durchflossenen Ländchens und tritt dann dicht an den Main, bis nach Mainz hin kaum einen stundenbreiten Raum zwischen sich und dem Flusse lassend. Noch schmäler wird der Raum längs des Rheingaues, wo die Berge dicht an den Strom herantreten und nur an wenigen Puncten Raum für eine Ebenenfauna bleibt. Nach Süden geht die Ebene längs der Vorberge des Odenwaldes in die grosse Rheinebene über, deren Fauna die unsere vollständig gleicht. Jenseits des Rheines schliesst sich das hügelige Rheinhessen an, das wie in der Bodenbeschaffenheit so wohl auch in der Fauna unserem Gebiete ähnlich ist. Leider gilt hier in conchyliologischer Beziehung das von der Wetterau gesagte: es ist noch _terra incognita_.
Im eigentlichen Rheinthal, der romantischen Rheinschlucht von Bingen bis Lahnstein, ist nur an wenigen Puncten die Entwicklung einer Ebenenfauna möglich und ebenso im unteren Lahnthal; der ganze Rest des Gebietes gehört den Gebirgen an.
Zwischen Lahn, Rhein und Main erhebt sich der ~Taunus~, ziemlich schroff aus der Mainebene aufsteigend und sich nach der Lahn hin langsam abflachend. Quarzite und Taunusschiefer bilden die Hauptmasse der Höhen, die im Feldberg und Altkönig sich bis zu 2700′ erheben. An ihn schliessen sich von Giessen bis Marburg die Ausläufer des basaltischen ~Vogelsberges~. Auf der nördlichen Seite der Lahn erhebt sich das basaltische Hochplateau des ~Westerwaldes~, an seinen Abhängen einzelne Tertiärschichten einschliessend. Das Dillthal trennt ihn von den Ausläufern des grossen ~rheinisch-westphälischen Schiefergebirges~, in denen die Quellen der Lahn, der Dill, der Eder und Sieg nachbarlich zusammenliegen.
Der Zufall hat mir Gelegenheit gegeben, sowohl die Fauna des Gebirges als die der Ebene durch mehrjähriges Sammeln genauer kennen zu lernen, erstere in der Umgebung von Biedenkopf an der oberen Lahn, letztere in Schwanheim am Main unterhalb Frankfurt. Eine Schilderung der Fauna an diesen beiden Orten wird besser als alles Andere die Unterschiede zwischen Gebirgs- und Ebenenfauna vor die Augen führen.
Biedenkopf liegt an der oberen Lahn, etwa 6-7 Stunden oberhalb Marburg, da, wo Grünsteine der verschiedensten Art, den Rand des Schiefergebirges durchbrechend, ihn in eine Unzahl einzelner spitzer Bergkuppen, deren Höhe zwischen 5-600 Meter schwankt, verwandelt haben. Die Thalsohle bei Biedenkopf liegt ca. 270 Meter über dem Meer. Die Lahn ist dort kaum mehr als ein Bach, der in Folge der Waldverwüstungen in den fürstlich Wittgensteinischen Wäldern in heissen Sommern fast austrocknet. Eine Menge schmaler Thälchen ziehen sich zwischen den Kuppen hin, sich in immer feinere Zweige spaltend, bis endlich die kleinsten Thälchen steil emporsteigend an Quellen enden oder vielmehr anfangen. Viele dieser Thäler sind mehrere Stunden lang, aber nirgends über hundert Schritte breit; den horizontalen Boden bedecken Wiesen, die steil ansteigenden Berge an den Seiten sind mit dichtem Wald, meistens Buchenwald, bedeckt. Doch tritt in neuerer Zeit an die Stelle des Laubwaldes auf dem durch Streuservitute erschöpften Boden immer mehr Nadelwald. Der Ackerbau beschränkt sich auf das Lahnthal und seine grössten Seitenthäler, in denen man den Seiten der Berge mühsam steinige Felder abgewinnt. Breiter als eine halbe Stunde ist auch das Lahnthal fast nirgends. Das bedeutendste Seitenthal ist das der Perf, der sogenannte Breidenbacher Grund.
Der Boden besteht aus verschiedenen Schichtenfolgen des devonischen und Kohlengebirges, die sämmtlich steil aufgerichtet und vielfach von Grünsteinen durchbrochen sind. Folgen wir dem Wasserlaufe abwärts, so finden wir zuerst ~Spiriferensandstein~, dann ~Orthocerasschiefer~; später wechsellagern für eine Zeit lang ~Kramenzelsandsteine~ und ~Cypridinenschiefer~ und dann folgen für längere Zeit die Gesteine der unteren, unproductiven Kohlenformation, ~Culmschiefer~ und ~flözleere Sandsteine~. Die productiven Kohlenschichten fehlen leider, auf das ~rothe Todliegende~ folgt ein schmales ~Zechsteinband~, und dann, im früheren kurhessischen Gebiete, der ~bunte Sandstein~. Kalkschichten fehlen fast ganz, und das ist die Ursache, welche trotz des günstigen Bodenreliefs die Entwicklung einer reicheren Molluskenfauna hindert.
In der That ist die Molluskenfauna durchaus nicht reich zu nennen, weder an Arten noch an Individuen. Vorab die Wassermollusken. Von Muscheln finden sich in den Bächen nur _Unio batavus_ und eine Form von _Anodonta cellensis_; von Schnecken _Ancylus fluviatilis_ allenthalben, _Limnaea auricularia_, _peregra_ und _minuta_ hier und da, aber dann in Menge, _Planorbis albus_ und _leucostoma_ und _Valvata cristata_ einzeln in der Lahn. In den Waldquellen und deren Abflüssen kommen noch _Hydrobia Dunkeri_ in unendlichen Mengen und einzelne Pisidien hinzu, in einigen Teichen _Cyclas calyculata_. Fügt man dazu noch _Limnaea ovata_ und _Cyclas lacustris_, die ich an ganz isolirten Localitäten gefunden, so ist das Verzeichniss der Süsswasserschnecken vollständig. Die Limnophysen mit _Limnaea stagnalis_, die _Physa_, _Paludina_, _Bithynia_, die meisten Planorben, _Unio pictorum_ und _tumidus_ fehlen. Muscheln finden sich überhaupt fast nur in Mühlgräben und Teichen; die Bäche selbst mit ihrem wechselnden Wasserstand und dem aus groben Geschieben bestehenden Boden sind nur an wenigen günstigen Stellen von ihnen bewohnt, nirgends reich daran.
Die Landmollusken sind ebenfalls arm an Zahl der Arten und Individuen. Allgemein verbreitet sind nur _Vitrina pellucida_, _Hyalina nitida_ ~Müll.~, _Hel. rotundata_, _incarnata_, und etwa noch _Clausilia nigricans_. Wo Grünsteine durchbrechen und in alten Grünsteinmauern kommen zu ihnen noch _Hel. lapicida_ und einzelne _Bulimus obscurus_. _Helix pomatia_ und _nemoralis_ sind auf die nächsten Umgebungen der Ortschaften beschränkt und fehlen grossen Districten ganz.
Eine reiche Ausbeute gewähren eigentlich nur die Enden der kleinen Waldthälchen mit ihrem, von Quellen durchtränkten und mit Laub bedeckten Moosboden. In der nächsten Umgebung der Quellen, halb im Wasser, halb ausserhalb findet man oft an einem Buchenblatte zusammen sitzend _Hydrobia Dunkeri_, _Pisidium pusillum_, _~Carychium minimum~_ und _~Vertigo septemdentata~_; etwas weiter ab folgen dann _Vitrina pellucida_ und _Draparnaldi_, _Hyalina ~subterranea~ (crystallina)_, _~nitidosa~_, _nitens_, _fulva_, _nitida_, _Helix ~pygmaea~_, _~pulchella~_, _aculeata_, _Cionella lubrica_, _Pupa ~pygmaea~_, _Succinea putris_, _Pfeifferi_ und _oblonga_. Keine davon findet sich eigentlich massenhaft; die häufigeren sind gesperrt gedruckt. Entfernt man sich aus dem eigentlichen Quellgebiete, dem wasserdurchtränkten Moose, so verschwinden die Schnecken vollständig, und nur in einzelnen Vertretern folgen sie dem Lauf der Bäche thalabwärts.
In den ausgedehnten Buchenwäldern, welche die Berge bedecken, findet man hier und da ein paar _Hel. rotundata_ oder _incarnata_ und an Baumstümpfen _Claus. nigricans_; nur an zwei isolirten Stellen finden sich an den Stämmen _Claus. dubia_ und _Helix lapicida_.
Von der allgemeinen Armuth machen nur wenige Stellen eine Ausnahme: ein Bergabhang bei Dexbach, der sogenannte Hardenberg, wo zwischen Kieselschiefern ein rauher Kalkstein lagert und eine Tuff bildende Quelle zu Tage tritt; leider ist durch die Abholzung der grösste Theil der Arten zu Grunde gegangen und damit _Bul. montanus_ aus der dortigen Fauna verschwunden. Ferner die alten Schlossruinen Hohenfels und Breidenstein und endlich der ~Schlossberg~ bei Biedenkopf, der einzige wirklich reiche Fundort, was die Individuenzahl anbelangt. Der Schlossberg ist ein ziemlich isolirt aus dem hier etwas breiteren Lahnthal aufsteigender, kaum 400′ hoher Kegel, der den grössten Theil der Stadt Biedenkopf trägt. Auf drei Seiten mit stattlichem Eichwald bedeckt, ist er an seiner Südseite frei, nur mit einigen Obstbäumen bepflanzt. Von dem alten Schlosse auf der Spitze ziehen Mauertrümmer nach den alten Stadtmauern hinab und bieten durch den überall zerstreuten Mörtel den Schnecken reiche Mengen Kalk. An Regentagen im Sommer wimmelt deshalb auch die Südseite förmlich von Schnecken und man kann kaum einen Schritt machen, ohne eine _Hel. pomatia_ oder _nemoralis_ zu zertreten. Auch im Wald sind die Schnecken sehr zahlreich, obschon es ihm an Wasser mangelt und die Schnecken fast den ganzen Sommer hindurch unter den Steinhaufen Schutz vor der Trocknung suchen müssen: ein Beweis, dass der Kalk ihnen noch nöthiger ist, als das Wasser. Mehr oder weniger häufig finden sich hier: _Vitrina pellucida_, _Arion empiricorum_, _Limax cinereoniger_ (ausserdem nur noch auf dem Breidensteiner Schloss beobachtet), _marginatus_, _agrestis_, _Amalia marginata_, _Hyalina cellaria_, _nitens_, _fulva_, _Helix rotundata_, _pygmaea_, _costata_, _pulchella_, _obvoluta_, _personata_, _incarnata_, _lapicida_, _nemoralis_, _pomatia_, _Cionella lubrica_, _acicula_, _Pupa muscorum_, _pygmaea_, _Bulimus obscurus_, _Clausilia laminata_, _nigricans_, _Succinea oblonga_.
Zu den genannten Arten kommen an einigen isolirten Puncten noch _Hel. hispida_, _Balea fragilis_, _Pupa edentula_, _pusilla_ und _Shuttleworthiana_. Damit ist die Liste ziemlich vollständig. Ganz fehlen mit dem löslichen Kalk die Xerophilen, zu denen man in Hinsicht auf Lebensweise auch _Bulimus tridens_ und _detritus_ und _Pupa frumentum_ rechnen muss. Ferner fehlen die meisten Fruticicolen, _Hel. arbustorum_ und seltsamer Weise _Helix hortensis_, obschon sie in dem benachbarten Dillthale bei weitem häufiger, als _nemoralis_ ist. Auffallend ist auch das Fehlen der sonst allgemein verbreiteten _Claus. biplicata_; ich habe nur einmal an der Gränze nach Marburg hin ein paar junge Exemplare gefunden.
In der Umgegend von ~Marburg~ kommen, obschon der Boden aus Buntsandstein besteht, noch _Helix arbustorum_, _fruticum_ und _hortensis_, sowie _Planorbis marginatus_ vor, ob einheimisch oder vor Zeiten einmal angesiedelt, ist jetzt nicht mehr zu entscheiden.
Das ~Dillthal~, dem oberen Lahnthal parallel laufend, aber etwas tiefer liegend und kalkreicher, ist auch an Mollusken reicher, aber seine Fauna ist noch immer eine Gebirgsfauna: die Xerophilen, _Limnaea stagnalis_, _palustris_, _Planorbis corneus_, beide Physa und _Paludina vivipara_ fehlen auch hier. Erst im Lahnthal unterhalb Weilburg treten _Hel. ericetorum_, _Bul. detritus_, _Limnaea stagnalis_ und _Unio pictorum_ auf und bilden den Uebergang zu der Ebenenfauna.
Der ~Taunus~ in seinem grössten Theile beherbergt fast nur Nacktschnecken; in den Bächen finden sich _Unio batavus_ und eine kleine Form von _Anodonta piscinalis_, dann _Limnaea peregra_ und _Ancylus fluviatilis_, im Moos längs ihrer Ufer die gewöhnlichen Hyalinen. Nur in der Nähe der menschlichen Wohnungen und ganz besonders an den Ruinen ändert sich das Verhältniss: _Vitrina pellucida_, _Draparnaldi_, _diaphana_, _elongata_, _Helix obvoluta_, _hortensis_, _incarnata_, _nemoralis_, _pomatia_, _Bulimus montanus_, _Pupa doliolum_, _Clausilia biplicata_, _plicata_, _plicatula_, _dubia_, _nigricans_, _parvula_, _laminata_ treten auf, mitunter in colossalen Mengen, wie auf der Ruine Hattstein, wo ausser den genannten auch noch _Helix rufescens_ und _Clausilia lineolata_ vorkommen. Im Rheinthale finden sich ausserdem noch an einzelnen Puncten die beiden _Daudebardia_, _Helix personata_ und _Cyclostoma elegans_.
Ein ganz anderes Bild bietet die Ebenenfauna, aber sie ist nicht an allen Puncten gleich entwickelt. Am gleichmässigsten natürlich ist die Fauna der Wasserconchylien, aber auch hier sind die kalkhaltigen Gegenden reicher, als die mit kalkarmem Alluvialboden. Betrachten wir zunächst die Fauna des Mains selber. Der Main durchfliesst die ganze Ebene mit ziemlich starkem Gefäll und raschem Lauf; seine Ufer sind durchschnittlich hoch, nur in der Nähe seiner Mündung sind am linken Ufer Dämme nöthig. Durch Strombauten, Dämme und Buhnen sind zahlreiche geeignete Wohnplätze für Muscheln und Schnecken geschaffen. Ich habe folgende Arten darin gesammelt: _Limnaea auricularia var. ampla_, _ovata var. obtusa_, _stagnalis_, _Physa fontinalis_, _Planorbis corneus_, _albus_, _contortus_, _Ancylus fluviatilis_, _lacustris_, _Bithynia tentaculata_, _Valvata piscinalis_, _cristata_, _Neritina fluviatilis_, _Unio pictorum_, _tumidus_ und _batavus_, _Anodonta piscinalis_, _cygnea_, _Cyclas rivicola_, _cornea_, _solida_, _Pisidium obtusale_, _Tichogonia Chemnitzii_. Manche davon, namentlich die Muscheln, finden sich in ungeheuren Massen, so dass der Grund an manchen Stellen förmlich damit gepflastert ist.
In die Nebenflüsse und deren Seitenbäche dringt diese Fauna nun sehr lückenhaft ein; _Unio pictorum_ und _tumidus_, _Cyclas solida_, _rivicola_ und _Neritina fluviatilis_ verschwinden zuerst. Eine genaue Untersuchung dieser Verhältnisse, zu der das jäh emporsteigende Gebirge lockt, ist noch zu machen; leider hat es bis jetzt meine Zeit noch nicht erlaubt, genauere Nachforschungen anzustellen.
An vielen Puncten der Ebene, z. B. um Schwanheim, sind die Wassergräben kaum bewohnt; am verbreitetsten darin ist noch _Plan. contortus_, dann _Limnaea fusca_ und _elongata_, welch letztere sich seltsamer Weise auf das linke Mainufer beschränkt, und _Physa hypnorum_. _Planorbis corneus_ nur an einer Stelle vorkommend, ist cariös. Mooriges Wasser und kalkarmer Boden mögen die Ursache sein. Ganz anders ist es im Lössboden, z. B. in der Umgebung von Sossenheim auf dem rechten Mainufer, in den Sümpfen der Riedgegend und in den Rheinsümpfen bei Mombach. In unzähligen Exemplaren, oft von riesenhafter Grösse, finden sich dort fast alle unsre Wasserschnecken, _Hydrobia Dunkeri_ und _Pisidium pusillum_ etwa ausgenommen.
Viel weniger gleichmässig sind die Landschnecken vertheilt. Gehen wir auch hier vom Maine aus. Dicht am Ufer halb noch im Wasser, finden wir eine kleine Nacktschnecke, _Limax brunneus_, _Succinea putris_, _Pfeifferi_, besonders vom Juli ab, und _Hyalina nitida_. Weiter ab, aber noch im jährlichen Ueberschwemmungsgebiet, wird die Fauna reicher. _Hyalina subterranea_, _nitidosa_, _fulva_, _Helix pygmaea_, _pulchella_, _costata_, _hispida_, _depilata_, _sericea_, _Cionella lubrica_, _Carychium minimum_, _Succinea oblonga_ gesellen sich dazu, an günstigen Puncten auch _Hel. fruticum_, _arbustorum_, _hortensis_, _nemoralis_, _ericetorum_, die wohl aus dem Spessart eingewanderte _Vitrina diaphana_ und an der oberen Gränze des Ueberschwemmungsgebietes _Pupa muscorum_.
Vergleichen wir damit die Schnecken, welche wir im Geniste des Mains finden. Dasselbe ist sehr reich daran, namentlich das von den Winterfluthen angeschwemmte; das der Sommer- und Herbstfluthen enthält weniger Land- aber mehr Wasserschnecken. Die Ursache dieser Verschiedenheit suche ich darin, dass die Winterfluth die zahlreichen in den Winterquartieren zu Grund gegangenen Schnecken mitbringt, die noch an das Geniste ihrer früheren Wohnplätze angefroren und darum leichter zu transportiren sind. Folgende Arten wurden darin beobachtet: _Vitrina pellucida_, _Hyalina cellaria_, _~nitidosa~_, _~nitida~_, _~crystallina~_ (_subterranea_), _fulva_, _Helix ~pygmaea~_, _rupestris_ (~Speyer~), _rotundata_, _~costata~_, _~pulchella~_, _~hispida~_, _~depilata~_, _sericea_, _fruticum_, _strigella_, _bidens_ (nur in einigen Exemplaren bei Mühlheim), _~arbustorum~_, _~ericetorum~_, _nemoralis_, _hortensis_, _pomatia_, _Buliminus tridens_, _detritus_, _obscurus_, _Cionella ~lubrica~_, _~acicula~_, _Pupa frumentum_, _~muscorum~_, _~pygmaea~_, _septemdentata_, _~minutissima~_, _Venetzii_, _pusilla_, _Clausilia biplicata_, _~Carychium minimum~_, _Succinea putris_, _Pfeifferi_, _oblonga_; _Limnaea ampla_, _Planorbis corneus_, _albus_, _Bithynia ~tentaculata~_, _Valvata cristata_, _piscinalis_, _Cyclas rivicola_.
Zusammen also 47 Arten, aber davon finden sich nur die durch gesperrten Druck ausgezeichneten regelmässig in grösseren Quantitäten. Dieses Verhältniss ist wichtiger, als es scheint. Wir haben im unteren Mainthal eine ganze Anzahl Ablagerungen, die, aus ähnlichen Anschwemmungen entstanden, eine Menge Land- und Süsswasserschnecken enthalten und bis in die älteste Tertiärzeit zurückreichen. Natürlich können sie, lückenhaft wie sie sind, nicht ohne Weiteres ein Bild der damaligen Binnenconchylienfauna geben, aber wenn wir die jetzigen Anschwemmungen in quantitativer und qualitativer Beziehung sorgfältig mit der gesammten Fauna des Mainthals vergleichen, so erhalten wir einen Anhaltspunct, von welchem aus wir Schlüsse auf die diluviale und tertiäre Zeit machen können. Vielleicht wird es dann möglich sein, auf die Alluvialthone der Mainebene, die diluvialen Löss- und Sandablagerungen an ihren Rändern, die tertiären Kalke von Budenheim und Flörsheim gestützt ein Bild der geschichtlichen Entwicklung unserer Fauna in Darwinschem Sinne zu geben. Dass in dieser Periode eine ununterbrochene Entwicklung stattgefunden, beweisen einzelne Arten, die sich schon in der Tertiärzeit finden, wie _Hel. costata_ und die mit den heutigen trotz der eigenen Namen vollständig identischen Limnäen.
Entfernen wir uns von dem Ueberschwemmungsgebiete des Mains, so finden wir die Ackerfelder zu beiden Seiten meistens absolut schneckenleer, so weit sie aus Alluvialboden bestehen. Auch der Sandstrich, der als Rest alter Dünen von der Gegend von Rödelheim ab sich durch die Gemarkungen von Griesheim und Schwanheim quer durchs Mainthal bis in die Nähe des Ortes Kelsterbach erstreckt, ist absolut schneckenleer. Ganz dasselbe gilt von der kiesigen Schwelle, die, früher eine Kiesbank, dann eine Landzunge zwischen den Mündungen von Neckar und Main, Rhein- und Mainebene von einander trennt. Obschon fast in ihrer ganzen Ausdehnung mit Laubwald bedeckt, der sich ununterbrochen vom Odenwald bis gegen Rüsselsheim hinzieht, lässt sie doch selbst bei der sorgfältigsten Nachforschung kaum hier und da einmal eine versprengte _Hel. pomatia_, _nemoralis_ oder _incarnata_ entdecken. Nur längs der den Wald durchschneidenden Landstrassen, und nur soweit dieselben mit Kalksteinen gedeckt werden, finden sich _Hel. pomatia_ und _nemoralis_, sowie _Pupa muscorum_. Wo Basalt an die Stelle des Kalkes tritt und zu beiden Seiten jenseits der Zone, die der Kalkstaub erreichen kann, ist die Schneckenfauna verschwunden. Wir haben also auch hier den Beweis, dass die Schnecken ohne grosse Bodenfeuchtigkeit existiren können und sich gerne mit Thau und Regen begnügen, wenn sie nur Kalk zum Bau ihrer Gehäuse finden.
Ganz anders wird das Bild, wo in der Nähe von Sachsenhausen Littorinellenkalke in dieser Kiesschwelle auftreten. Der Sachsenhäuser Berg mit seinen Massen von _fruticum_ und _nemoralis_, die Umgebung der oberen Schweinsteige und des Buchrainweihers, welche immer gemeint sind, wenn von dem Frankfurter Wald die Rede ist, sind vielleicht die ergiebigsten Puncte für den Sammler, die er in unserem ganzen Gebiete finden kann. Am Buchrainweiher kommen seltsamer Weise ganz isolirt in der Ebene _Hel. lapicida_, _obvoluta_, _Bul. montanus_ und _Claus. ventricosa_ vor.
Reich an Schnecken ist auch die Ebene wo sie aus Löss besteht, wie z. B. um Sossenheim; _Hel. sericea_ und _strigella_ finden dort ihre eigentliche Heimath.
Eine eigenthümliche Fauna beherbergen die ~Kalkhügel zwischen Flörsheim und Hochheim~, der Rand eines niederen Plateaus, welches dem südlichen Fusse des Taunus vorliegt. Ewig trocken und der glühenden Sonne ausgesetzt sind die Abhänge trotzdem meist mit einem dichten Moospolster bedeckt, in und auf welchem in unzählbaren Mengen _Hel. ericetorum_, _Bul. detritus_ und _tridens_, _Pupa frumentum_ und _muscorum_ leben; auch _Hel. pomatia_ und _nemoralis_ sind sehr häufig. Auch hier lässt der Kalkboden die Schnecken über die mangelnde Feuchtigkeit hinwegsehen. In dem Thale des ~Wickerbaches~, das die Steinbrüche durchschneidet, und in dem Bache selbst ist ebenfalls eine ziemlich reiche Fauna entwickelt: zahlreiche Hyalinen, _Hel. strigella_ und _hispida_ und im Bache _Pisidium amnicum_ und _Valvata piscinalis_ von merkwürdiger Grösse, die kleine Bachform von _Neritina fluviatilis_ und die Taunusform des _Unio batavus_ lassen den Sammler lebender Conchylien eben so gern die Flörsheimer Steinbrüche besuchen, wie den der Fossilien, für den hier classischer Boden ist.
Nicht minder interessant ist die alte Dünenwüste jenseits des Rheines, die ~Mombacher Heide~. Aus schneeweissem Flugsand bestehend, den der Wind noch hin und her treibt und zu Hügeln zusammenweht, soweit nicht Waldanpflanzungen ihm Halt gebieten, wird sie durch ihren stark mit Kalk und selbst mit Salztheilchen gemengten Boden, den die Sonne an warmen Sommertagen fast zum Glühen erhitzt, zu einem der interessantesten Orte für die Botaniker, wie für den Hymenopterologen. Aber auch der Schneckensammler geht nicht leer aus. Zu den obengenannten Xerophilen kommt noch, an die strandbewohnende _Hel. striata_ der Mittelmeerküsten erinnernd, die stark gerippte _Hel. costulata_ ~Zgl.~, deren gebleichte Gehäuse zu Tausenden auf dem Sande herumliegen. Unter den einzelnen Büschen, die sich an geschützteren Stellen entwickelt haben, findet man Hunderte von leeren Gehäusen der _Vitrina pellucida_, die sonst nur in feuchten Bergwäldern lebt, (wenn nicht eine Vergleichung der Thiere sie als specifisch verschieden erkennen lässt).
Eine reichere Ausbeute bieten noch die Sümpfe zwischen Mombach und Budenheim, die namentlich von ~Thomae~ genauer untersucht wurden und für viele unserer kleinen Planorben und Valvaten die einzigen Fundorte sind.
Stellen wir nun zum Schlusse noch einmal Gebirgs- und Ebenenfauna einander vergleichend gegenüber, so finden wir erstere an Arten wie an Individuen gleicherweise ärmer, am ärmsten da, wo es dem Boden gleichzeitig auch an Kalk gebricht. Aechte Gebirgsschnecken, die sich nie oder nur selten an besonders günstigen Puncten in der Ebene zeigen, sind _Hydrobia Dunkeri_, _Pisidium pusillum_, _Helix lapicida_, _personata_, _obvoluta_, _Clausilia nigricans_, _Balea fragilis_, _Vitrina elongata_, _Draparnaldi_. Aechte Ebenenbewohner dagegen sind in unserem Gebiete von Landschnecken: _Hel. strigella_, _sericea_, _arbustorum_, die Xerophilen, _Bul. tridens_ und _detritus_, die grossen Pupen und die Wasserschnecken mit Ausnahme der wenigen bei den Gebirgsfaunen erwähnten Arten.
So ist wenigstens das Verhältniss nach unseren jetzigen Kenntnissen der nassauischen Fauna; grosse Lücken sind darin freilich noch auszufüllen. Hoffen wir, dass diese Arbeit dazu beiträgt, den Anstoss zu einer lebhafteren und genaueren Durchforschung unseres Vereinsgebietes zu geben. Ich wiederhole nochmals meine Bitte an Jeden, der sich in Nassau oder den angränzenden Gebieten mit der so leichten und lohnenden Erforschung der Weichthierfauna beschäftigen will, sich mit mir in Verbindung zu setzen und mir seine Resultate mitzutheilen, damit es dereinst möglich sein wird, ein wirklich erschöpfendes Bild der Vertheilung der Mollusken in unserer Provinz zu geben.
~Schwanheim~, im Juni 1871.
$Dr. W. Kobelt.$
Erklärung der Tafeln[14].
Tafel I.
1. Daudebardia rufa ~Drp.~ 2. „ brevipes ~Drp.~ 3. Vitrina elongata ~Drp.~ 4. „ Heynemanni C. ~Koch~. 5. „ diaphana ~Drp.~ 6. „ Draparnaldi ~Cuv.~ 7. „ pellucida ~Drp.~ 8. Hyalina nitidula ~Drp.~ 9. „ nitens ~Mich.~ 10. „ cellaria ~Müll.~ *11. „ nitidosa ~Fér.~, stark vergrössert. 12. „ nitida ~Müll.~ 13. „ crystallina ~Müll.~ 14. „ subterranea ~Bourg.~ *15. „ hyalina ~Fér.~ *16. „ fulva ~Müll.~ *17. Helix rupestris ~Drp.~ } *18. „ pygmaea ~Drp.~ } *19. „ rotundata ~Müll.~ } vergrössert. *20. „ aculeata ~Müll.~ } *21. „ costata ~Müll.~ } *22. „ pulchella ~Müll.~ } 23. „ obvoluta ~Müll.~ 24. „ personata ~Lam.~ 25. „ incarnata ~Müll.~ 26. „ fruticum ~Müll.~ 27. „ strigella ~Drp.~ 28. „ hispida L. 29. „ depilata C. ~Pfr.~ 30. „ sericea ~Drp.~ 31. „ rufescens ~Penn.~ 32. „ villosa ~Drp.~ 33. „ ericetorum ~Müll.~ 33a. „ ericetorum var. minor. 34. „ candidula ~Stud.~ 35. „ costulata ~Zgl.~
Tafel II.
1. Helix arbustorum L. 2. „ lapicida L. 3. „ nemoralis L. 4. „ hortensis ~Müll.~ 5. „ pomatia L. 6. Bul. tridens ~Müll.~ 7. „ detritus ~Müll.~ 8. „ montanus ~Drp.~ 9. Bul. obscurus ~Müll.~ *10. Cionella lubrica ~Müll.~ *11. „ Menkeana C. ~Pfr.~ *12. „ acicula ~Müll.~ *13. Pupa frumentum ~Drp.~ *14. „ secale ~Drp.~ *15. „ doliolum ~Brug.~ *16. „ muscorum L. *17. „ minutissima ~Hartm.~ *18. „ edentula ~Drp.~ *19. „ septemdentata ~Fér.~ *20. „ pygmaea ~Drp.~ *21. „ ventrosa ~Heyn.~ *22. „ Shuttleworthiana ~Ch.~ *23. „ pusilla ~Müll.~ *24. Pupa Venetzii ~Charp.~ *25. Carychium minimum L.
Tafel III.[15]
1. Balea fragilis ~Drp.~ 2. Clausilia laminata ~Mont.~ 3. „ biplicata. 4. „ plicata ~Drp.~ 5. „ ventricosa ~Drp.~ 6. „ lineolata ~Held~. 7. „ plicatula ~Drp.~ 8. „ dubia ~Drp.~ 9. „ nigricans ~Pult.~ 10. „ parvula ~Stud.~
Tafel IV.
*1. Succinea oblonga ~Drp.~ *2. „ Pfeifferi ~Rossm.~ *3. „ putris L. 4. Limnaea auricularia ~Drp.~ 5. Limnaea auricularia var. ampla ~Hartm.~ 6. „ ovata ~Drp.~ 7. „ stagnalis ~Müll.~ 8. „ auricularia var. angulata. 9. „ truncatula ~Müll.~ 10. „ fusca C. ~Pfr.~ 11. „ palustris ~Drp.~ 12. „ peregra ~Drp.~ 13. „ elongata ~Drp.~ 14. Physa hypnorum L. 15. „ fontinalis L. 16. Ancylus fluviatilis L.
Tafel V.
1. Planorbis corneus L. 2. „ marginatus ~Drp.~ 3. „ carinatus ~Müll.~ *4. „ vortex ~Müll.~ *5. „ contortus ~Müll.~ *6. „ Rossmässleri ~Auersw.~ *7. „ albus ~Müll.~ *8. „ laevis ~Alder.~ *9. „ leucostoma ~Mich.~ *10. „ spirorbis ~Müll.~ *11. „ cristatus ~Drp.~ *12. „ complanatus ~Drp.~ 13. „ nitidus ~Müll.~ *14. Acme fusca ~Walker~. 15. Cyclostoma elegans ~Drp.~ 16. Paludina vivipara ~Müll.~ 17. Bithynia tentaculata L. 18. „ Leachii ~Shepp.~ 19. Hydrobia Dunkeri ~Ffld.~ *20. Valvata piscinalis ~Müll.~ *21. „ depressa C. ~Pfr.~ *22. „ spirorbis ~Drp.~ *23. „ cristata ~Müll.~ *24. Valvata minuta ~Drp.~ 25. Neritina fluviatilis ~Müll.~ 26. Ancylus lacustris L.
Tafel VI.
1. Unio pictorum var. 2. „ tumidus ~Retz.~ 3. „ batavus var. amnicus. 4. „ batavus ~Lam.~ 5. 6. Embryonen von Unio (nach ~Forel~).
Tafel VII.
1. Unio pictorum L. 2. Anodonta piscinalis var. minor. 3. „ „ „ ponderosa.
Tafel VIII.
1. Anodonta cellensis var. 2. Limnaea ovata var. 3. „ vulgaris ~Rossm.~ 4. 5. „ vulgaris var.
Tafel IX.
1. Anodonta cygnea var. 2. Cyclas rivicola ~Lam.~ 3. „ cornea L. 4. „ solida Norm. 5. „ lacustris ~Drp.~ 6. „ calyculata ~Drp.~ 7. Pisidium amnicum ~Müll.~ 8.[16] „ obtusale C. ~Pfr.~ 9. „ pusillum ~Jenyns~. 10. „ casertanum ~Poli.~ 11. Tichogonia Chemnitzii ~Rossm.~
Inhalt.
Seite
$Allgemeiner Theil.$
~Erstes Capitel.~
Umgränzung, Literatur und Vorarbeiten 7
~Zweites Capitel.~
Stellung der Weichthiere im Thierreich, allgemeiner Bau, Eintheilung 11
~Drittes Capitel.~
Sammeln, Reinigen, Aufbewahren und Ordnen 13
~Viertes Capitel.~
Zucht lebender Mollusken 22
~Fünftes Capitel.~
Terminologie, Kunstsprache 24
~Sechstes Capitel.~
Die wichtigsten conchyliologischen Werke 28
~Siebentes Capitel.~
Verhältniss der Weichthiere zur übrigen Natur 30
~Achtes Capitel.~
System der Mollusken 33
$Specieller Theil.$
~A. Cephalophora.~
~Erstes Capitel.~
Anatomische Verhältnisse 35
~Zweites Capitel.~
Entwicklung der Schnecken 52
~Drittes Capitel.~
Lebensweise der Schnecken 59
~Viertes Capitel.~
Uebersicht der Gattungen 63
~Fünftes Capitel.~
Testacellea, Halbnacktschnecken 65
~Sechstes Capitel.~
Limacea, Nacktschnecken 67
~Siebentes Capitel.~
Vitrina ~Drp.~, Glasschnecke 79
~Achtes Capitel.~
Hyalina ~Gray~, Glanzschnecke 85
~Neuntes Capitel.~
Helix ~Linné~ 94
~Zehntes Capitel.~
Buliminus ~Ehrbg.~ 128
~Elftes Capitel.~
Cionella ~Jeffreys~ 134
~Zwölftes Capitel.~
Pupa ~Draparnaud~ 137
~Dreizehntes Capitel.~
Balea ~Prideaux~ 148
~Vierzehntes Capitel.~
Clausilia ~Draparnaud~ 149
~Fünfzehntes Capitel.~
Succinea ~Draparnaud~ 160
~Sechzehntes Capitel.~
Carychium ~Müller~ 164
~Siebzehntes Capitel.~
Limnaeacea ~Lamarck~ 164
~Achtzehntes Capitel.~
Physa ~Draparnaud~ 183
~Neunzehntes Capitel.~
Planorbis ~Müller~ 186
~Zwanzigstes Capitel.~
Ancylus ~Geoffroy~ 198
~Einundzwanzigstes Capitel.~
Acme ~Hartmann~ 200
~Zweiundzwanzigstes Capitel.~
Cyclostoma ~Lamarck~ 202
~Dreiundzwanzigstes Capitel.~
Paludinacea 204
~Vierundzwanzigstes Capitel.~
Valvata ~Müller~ 210
~Fünfundzwanzigstes Capitel.~
Neritina ~Lamarck~ 213
~Sechsundzwanzigstes Capitel.~
B. ~Acephala~ 216
~Siebenundzwanzigstes Capitel.~
Entwicklung der Muscheln 223
~Achtundzwanzigstes Capitel.~
Lebensweise der Muscheln 233
~Neunundzwanzigstes Capitel.~
Uebersicht der Familien und Gattungen. Unio L. 237
~Dreissigstes Capitel.~
Anodonta ~Bruguière~ 246
~Einunddreissigstes Capitel.~
Cyclas ~Bruguière~ 253
~Zweiunddreissigstes Capitel.~
Pisidium ~C. Pfeiffer~ 258
~Dreiunddreissigstes Capitel.~
Tichogoniacea 262
~Schlusscapitel~ 264
Erklärung der Tafeln 275
Register.
Seite
Absonderungsorgane 49
Abnormitäten 57
Acanthinula Beck. 100
Acarus limacum 31
Acephala 216
Achatina vid. Cionella 134
Achatschnecke --
Acicula _Hartm._ = Acme 201
~Acme~ _Hartm._ -- fusca Walker --
Albers, die Heliceen 28
Albinismus 57
Alcyonella fungosa 235
~Amalia~ _Heyn._ 71 marginata _Drp._ --
Amphipeplea _Nilss._ 165
Ancylus _Geoffr._ 198 fluviatilis _L._ 199 lacustris _L._ 200
~Anodonta~ _Brug._ 246 cellensis _Schrött._ 251 „ var. ponderosa 252 complanata _Zgl._ 253 cygnea _L._ 247 dentiens _Mke._ 248 piscinalis _Nilss._ 249 „ var. minor 250 „ „ ponderosa _C. Pf._ 249 „ „ rivularis m. 251 „ „ rostrata m. 250 „ „ ventricosa _C. Pf._ 251
Aquatilia 204
~Arion~ _Fér._ 67 empiricorum _L._ 68 hortensis _Fér._ 70 melanocephalus _Faure_ -- subfuscus _Fér._ 69
Arionta _Leach._ 120
Aspidogaster conchicola 235
Athemhöhle 35
Athemrohr 36
Athmungsorgane 48
Azeca tridens = Cionella _Menkeana_ 136
~Balea~ _Prideaux_ 148 fragilis _Drp._ -- Rayana _Bourg._ --
Bernsteinschnecke 160
~Bithynia~ _Leach._ 205 impura _Lam._ 206 Leachii _Shepp._ 206 similis _Speyer_ -- tentaculata _L._ -- Troschelii _Paasch_ -- ventricosa _Gray_ --
Bitterling 32, 236
Blasenschnecke 183
Bojanus’sches Organ 218
Bronn, Classen und Ordnungen des Thierreichs 27
Bucephalus polymorphus 235
~Buliminus~ _Ehrbg._ 128 detritus _Müll._ 131 montanus _Drp._ 132 obscurus _Müll._ 133 radiatus _Brug._ 131 tridens _Müll._ 130
Cariosität 230
~Carychium~ _Müll._ 164 Menkeanum = Cionella _Menk._ 136 minimum _L._ 164
Cephalophora 35
Cercarien 32
~Cionella~ _Jeffr._ 134 acicula _Müll._ 136 lubrica _Müll._ 135 Menkeana _C. Pfr._ 136
~Clausilia~ _Drp._ 149 bidens _Drp._ 153 biplicata _Mont._ 154 dubia _Drp._ 157 gracilis _C. Pfr._ 158 laminata _Mont._ 153 lineolata _Held_ 156 nigricans _Pult._ 158 obtusa _C. Pfr._ -- parvula _Stud._ 159 plicata _Drp._ 155 plicatula _Drp._ 157 rugosa _C. Pfr._ 157 similis _von Charp._ 154 ventricosa _Drp._ 155 Villae _Porro_ 159
Clepsine 31
Cochlodina perversa _Fér._ = Balea fragilis 148
Crystallstiel 218
~Cyclas~ _Brug._ 253 calyculata _Drp._ 257 cornea _L._ 255 lacustris _Drp._ 256 rivicola _Lam._ 254 solida _Norm._ 256
~Cyclostoma~ _Lam._ 202 elegans _Drp._ --
~Daudebardia~ _Hartm._ 65 brevipes _Drp._ 66 rufa _Drp._ 66
Deckelschnecken 200
Deckel 26
Distoma 32 duplicatum 235 hepaticum --
Divertikel 51
Dreissena _van Ben._ 262
Drilus flavescens 31
Entwicklung der Schnecken 53
„ „ Muscheln 223
Epidermis 12
Epiphragma 26. 59
Epithel 36
Ferrusacia Risso = Cionella 134
Flagellum 51
Forel, Entwicklungsgeschichte der Najadeen 224
Fruticicola _Held_ 105
Fussdrüse 50
Fussganglion 43
Gärtner, G., Systematische Beschreibung der Wetterauer Conchylien 9
Gastropoden 35
Gefässsystem der Schnecken 46
„ „ Muscheln 218
Gefühlsorgan 44
Gehörorgan 45
Geschlechtsorgane der Schnecken 50
„ „ Muscheln 222
Geschmacksorgan 46
Gonostoma _Held_ 102
Hartmann, Erd- und Süsswassergastropoden der Schweiz 29
Helicophanta _Fér._ = Daudebardia 65
~Helix~ _Linné_ 94 aculeata _Müll._ 100 acuta _Drp._ 120 arbustorum _L._ 120 bidens _Chemn._ 115 bidentata _Gmel._ 115 candicans _Zgl._ 120 candidula _Stud._ 118 carthusiana _Müll._ 115 carthusianella _Drp._ -- circinata _Stud._ 113 clandestina _Born_ -- Cobresiana _von Alten_ 115 costata _Müll._ 101 costulata _Zgl._ 119 depilata _C. Pfr._ 111 ericetorum _Müll._ 116 fruticum _Müll._ 108 hispida _Müll._ 110 holoserica _Stud._ 104 hortensis _Müll._ 125 incarnata _Müll._ 107 lamellata _Jeffr._ 101 lapicida _L._ 121 montana _C. Pfr._ 113 neglecta _Thomae_ 118 nemoralis _L._ 123 obvia _Hartm._ 117 obvoluta _Müll._ 102 personata _Lam._ 104 pilosa _von Alten_ 114 pomatia _L._ 126 pulchella _Müll._ 102 pygmaea _Drp._ 99 rotundata _Müll._ -- rubiginosa _Zgl._ 115 ruderata _Stud._ -- rufescens _Penn._ 114 rupestris _Drp._ 98 sericea _Drp._ 112 striata _(Drp.) Thomae_ 119 strigella Drp. 109 thymorum _von Alten_ 118 umbilicata _Mont._ 98 umbrosa _Partsch_ 115 unidentata _Drp._ -- unifasciata _Poir._ 118 villosa _Drp._ 114
Heynemann, D. F. 9. 10
Hirnganglion 43
~Hyalina~ _Gray_ 85 cellaria _Müll._ 89 crystallina _Müll._ 91 fulva _Müll._ 93 hyalina _Fér_ 92 lucida autor. = nitida 90 nitens _Mich._ 87 nitida _Müll._ 90 nitidosa _Fér._ 88 nitidula _Drp._ 87 pura _Alder_ 88 radiatula _Alder_ 93 subterranea _Bourg._ 91 viridula _Mke._ 88
Hydrachna concharum 235
Hydrobia _Hartm._ 209 Dunkeri _Ffld._ --
Kiefer 37
Kiel 26
Kiemen 49
Kunstsprache 24
Koch, Dr. C. 8
Lamellibranchia 216
Leber 43
Lederhaut 36
Liebespfeil 51
Limacea 67
~Limax~ _Lister_ 72 agrestis _L._ 77 arborum _Bouch._ 78 ater _L._ = Arion ater -- brunneus _Drp._ 76 cinctus _Müll._ 77 cinereo-niger _Wolf_ 74 cinereus _Lister_ -- filans _Hoy_ 77 flavus _Müll._ -- laevis _Müll._ 76 marginatus _Drp._ = Amalia marg. 71 marginatus _Müll._ 78 reticulatus _Müll._ 77 scandens _Norm._ 78 sylvaticus _Drp._ -- tenellus _Müll._ 77 unicolor _Heyn._ 75 variegatus _Drp._ 75
~Limnaea~ _Lam._ 165 auricularia _Drp._ 170 „ var. ampla _Hartm._ -- auricularia var. angulata _Hartm._ 172 auricularia var. costellata _Mus. Franc._ -- auricularia var. Monnardi _Hartm._ 171 „ „ ventricosa _Hartm._ 172 elongata _Drp._ 172 fusca _C. Pfr._ 180 glaber _Müll._ 178 leucostoma _Drp._ -- minuta _Drp._ -- ovata _Drp._ 173 var. ampullacea _Rossm._ 174 Dickinii _Kobelt_ -- palustris _Drp._ 179 peregra _Müll._ 176 var. excerpta _Hart._ 177 stagnalis _Müll._ 181 var. reflexa _Kob._ 183 vulgaris _Rossm._ 174
Limnochares Anodontae 32
Lippe 25
Lungen 48
Malacozoologie, Zeitschrift für 29
Malacozoologische Blätter 29
Malermuschel 241
Mantel 12. 35
Mantelhöhle 36
Margaritana _Schum._ 237
Muscheln 216
„ , Entwicklung 223
„ , Lebensweise 233
Nabel 25
Nachrichtsblatt der deutschen mal. Gesellschaft 29
Nackenblase 54
Naht 25
Najadea 238
Nematoden 32
~Neritina~ _Lam._ 213 fluviatilis _Müll._ -- var. halophila _Rossm._ 215
Niere 49
Noll, Dr. C., der Main in seinem unteren Lauf 10
Nutzen der Schnecken 30
Operculum 26
Otolithen 46
~Paludina~ _Lam._ 205 achatina _Lam._ 207 communis _Dup._ 205 contecta _Millet_ -- fasciata _Müller_ 207 impura _Lam._ = Bithynia tentaculata -- Listeri _Forbes_ 205 vivipara _Müll._ -- viridis _Sandb._ u. _Koch_ = Hydrobia Dunkeri 209
Patula _Held_ 98
Pelecypoda 216
Perlen 229
Petasia _Beck_ 115
Pfeiffer, Carl, Naturgeschichte 28
Pfeiffer, Dr. L., Monographia Heliceorum viv. 28
~Physa~ _Drp._ 183 fontinalis _L._ 184 hypnorum _L._ --
~Pisidium~ _C. Pfr._ 258 amnicum _Müll._ 260 casertanum _Poli_ 261 fontinale _C. Pfr._ -- obliquum _C. Pfr._ 260 obtusale _C. Pfr._ -- pusillum _Jenyns_ 261
~Planorbis~ _Müller_ 186 albus _Müll._ 194 carinatus _Müll._ 191 complanatus _L._ = marginatus 190 complanatus _Drp._ 197 compressus _Mich._ 192 contortus _Müll._ 193 corneus _L._ 188 cristatus _Drp._ 196 cupaecola _von Gall_ 195 fontanus _Mont._ 197 glaber _Jeffr._ 195 imbricatus _Müll._ 196 laevis _Alder_ 195 lenticularis _Sturm_ 197 leucostoma _Mich._ 195 marginatus _Drp._ 190 Moquini _Req._ 195 nautileus _Gmel._ 196 nitidus _Müll._ 197 regularis _Hartm._ 195 Rossmässleri _Auersw._ 193 spirorbis _Müll._ 196 vortex _Müll._ 192
Pomatia _Beck_ 126
Präparation, microscopische 40
Prosobranchia 204
~Pupa~ _Drp._ 137 angustior _Jeffr._ 147 antivertigo _Drp._ 144 doliolum _Brug._ 142 edentula _Drp._ 143 frumentum _Drp._ 140 minutissima _Hartm._ 143 muscorum _L._ 142 pusilla _Müll._ 146 pygmaea _Drp._ 145 secale _Drp._ 141 septemdentata _Fér._ 144 Shuttleworthiana _Charp._ 146 Venetzii _Charp._ 147 ventrosa _Heyn._ 145
Radula 38
Reibmembran --
Rhodeus amarus 239
Römer -- Büchner 9
Rossmässler, Iconographie 27
Samengang 50
Samentasche --
Sammeln, Anleitung dazu 137
Sandberger, Fr. 8
Scalariden 56
Schlammschnecke 165
Schliessmuschel --
Schloss 27
Schlossband --
Schlundkopf 37
Schmidt, Adolf 28. 29
Schwanzblase 54
Schwanzdrüse 50
Segel 54
Segmentina _Flem._ 197
Servain, Malacologie d’Ems 9
Sinnesorgane 44
Sipho 36
Spengler, der Kurgast zu Ems 8
Spermatophore 51
Speyer, Oscar, Verzeichniss der Conchylien von Hanau 9
Spindelmuskel 36
Sturm, Deutschlands Fauna 29
Stylommatophora 65
~Succinea~ _Drp._ 160 amphibia _Drp._ 162 oblonga _Drp._ 163 Pfeifferi _Rossm._ -- putris _L._ --
System der Mollusken 33
Tachea _Leach._ 123
Terminologie 24
Testacellea 65
~Tichogonia~ _Rossm._ 262 Chemnitzii _Rossm._ --
Triodopsis _Raf._ 104
Troschel, de Limnaeaceis 29
Umbilicus 25
~Unio~ _L._ 238 batavus _Lam._ 242 var. amnicus _Zgl._ 244 „ crassus _Retz._ 243 „ Moquinianus _Dup._ 245 „ taunica _Kob._ 244 margaritifer _Retz._ 245 pictorum _L._ 241 var. rostrata _C. Pfr._ 242 tumidus _Retz._ 239
Ureter --
Urniere --
Vallonia _Risso_ 101
~Valvata~ _Müll._ 210 cristata _Müll._ 213 depressa _C. Pfr._ 212 minuta _Drp._ 213 obtusa _C. Pfr._ 211 piscinalis _Müll._ -- planorbis _Drp._ 213
Velum 54
Verdauungsorgane der Muscheln --
„ „ Schnecken 37
Vertigo _Müll._ 139
Visceralganglien 43
~Vitrina~ _Drp._ 79 Audebardi _Fér._ 84 beryllina _C. Pfr._ 83 diaphana _Drp._ 82 Draparnaldi _Cuv._ 84 elongata _Drp._ 81 Heynemanni _C. Koch_ -- major _Fér._ 84
Winterschlaf 60
Xerophila _Held_ 116
Zunge 38
Zwitterdrüse 50
Fußnoten
[1] Genaueres über die Fauna einiger Ruinen siehe im Anhang.
[2] ~Mörch~ sagt in seiner neuen Arbeit über die Mollusken Islands, er habe eine grössere Menge von Spiritus-Exemplaren der _Succinea Grönlandica_ untersucht, einige davon haben Seitenzähnchen am Kiefer wie _S. putris_, andere nicht, obgleich die Schale ganz gleich sei. Entweder müssten also doch 2 Arten darunter sein, oder das Vorhandensein der Seitenzähnchen hänge vielleicht vom Alter des Thiers ab. Auch ich habe Kiefer von Succineen untersucht, die zwischen beiden Formen in der Mitte standen.
[3] Deckgläschen und Objectträger bezieht man billigst und in bester Qualität von dem Lieferanten des Giessener microscopischen Vereins, Glaser H. ~Vogel~ in Giessen; die Präparirflüssigkeiten und besonders Leistenkitt liefert ausgezeichnet rein und gut Herr Apotheker ~Mayer~ in der Hirschapotheke zu Frankfurt a. M.
[4] Cfr. Ueber das Gehörorgan der Mollusken, in ~Giebels~ Zeitschr. für die gesammte Naturwissenschaft. 1856.
[5] F. ~Leydig~, über _Paludina vivipara_, Zeitschr. für wissensch. Zool. II, 1850, p. 125-197.
[6] ~Anm.~ Im December 1870 habe ich dasselbe beobachtet und mich überzeugt, dass die Schnecken unter dem Schnee lebendig waren.
[7] ~Anm.~ Nach mir noch nachträglich zugekommenen Nachrichten kommen in vielen Kellern zu Höchst a. M. Nacktschnecken vor, die wohl unserer Art angehören.
[8] Bei Durchmusterung der Sammlung des verstorbenen Herrn C. ~von Heyden~, die Herr Hauptmann ~von Heyden~ der Normalsammlung der deutschen malacozoologischen Gesellschaft zum Geschenk gemacht hat, fand ich _Vitr. diaphana_ auch vom Altkönig.
[9] Achter Bericht des Offenbacher Vereins für Naturkunde.
[10] ~Anmerkung.~ In der langen Zeit, die zwischen der Beendigung des Manuscriptes (Mai 1870) und der des Druckes verflossen ist, habe ich eine Varietät von _ovata_ doch noch im Main aufgefunden, aber ganz analog der _L. ampla_ ausgebildet, so dass ich sie noch in meiner Arbeit „Zur Kenntniss der Untergattung _Gulnaria_“ in Mal. Bl. 1870, als Subvarietät _obtusa_ zu _ampla_ zog. Nach Vergleichung zahlreicher unausgewachsener Exemplare kann ich nicht mehr zweifeln, dass sie wirklich zu _ovata_ gehört. Sie weicht auch in der Lebensweise von _ampla_ ab: ich fand sie in grosser Gesellschaft freischwimmend in einem Maintümpel am rothen Hamm unterhalb Frankfurt.
[11] K. ~Langer~, das Gefässsystem der Teichmuschel in d. Denkschrift d. math. naturw. Cl. d. k. k. Acad. d. Wissensch. zu Wien. VIII und XII.
[12] Nicht 600000, wie ~Forel~ in seinem angeführten Werke irrthümlich angiebt; siehe C. ~Pfeiff.~, Naturgesch. deutscher Land- und Süsswassermoll. II p. 14.
[13] Systematisches Verzeichniss der in Deutschland lebenden Binnenmollusken p. 364.
[14] Die mit * bezeichneten Figuren sind aus ~Rossmässlers~ Iconographie entlehnt.
[15] Fig. 1-4 aus der Iconographie, Fig. 6-10 aus ~Schmidts~ kritischen Clausiliengruppen entlehnt.
[16] Fig. 8. 9 und 10 sind Copieen aus Baudon.
+--------------------------------------------------------------+ | Anmerkungen zur Transkription | | | | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen | | gebräuchlich waren, wie: | | | | 7dentata -- septemdentata | | Achse -- Axe | | allmählich -- allmählig | | an's -- ans | | anderen -- andern | | angibt -- angiebt | | auf's -- aufs | | besäet -- besät | | blosem -- blossem | | Bret -- Brettchen | | characteristische -- charakteristische | | cinereo-niger -- cinereoniger | | Darmcanal -- Darmkanal | | deshalb -- desshalb | | dies -- diess | | eigenen -- eignen | | einzelnstehend -- einzelstehend | | Exemplares -- Exemplars | | Flussperlenmuschel -- Flussperlmuschel | | Gebietes -- Gebiets | | Gebirg -- Gebirge | | gelblich-weiss -- gelblichweiss | | gerade -- grade | | Geschlechtes -- Geschlechts | | gezähnt -- gezahnt | | gibt -- giebt | | gleicherweise -- gleicher Weise | | Grünstein-Mauern -- Grünsteinmauern | | hinteren -- hintern | | Inhaltes -- Inhalts | | Inneren -- Innern | | Kiefernwald -- Kieferwald | | Kirchhofes -- Kirchhofs | | Lurlei -- Lurley | | Mundsaumes -- Mundsaums | | musculös -- muskulös | | Nervensystemes -- Nervensystems | | Pigmentes -- Pigments | | Puncte -- Punkte | | Saamen -- Samen | | schmutziggelblich -- schmutzig-gelblich | | seltener -- seltner | | Spindelrandes -- Spindelrands | | Spiral-Lamelle -- Spirallamelle | | spitz-eiförmig -- spitzeiförmig | | Stativ-Loupe -- Stativloupe | | stumpfwinkelig -- stumpfwinklig | | Süsswassergasteropoden -- Süsswassergastropoden | | Theiles -- Theils | | trockenen -- trocknen | | unsere -- unsre | | walzen-spindelförmig -- walzenspindelförmig | | Wässern -- Wassern | | winkelig -- winklig | | | | Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. | | Die folgenden Änderungen wurden vorgenommen: | | | | S. 12 "Gehäüse" in "Gehäuse" geändert. | | S. 20 "Drahthäckchen" in "Drahthäkchen" geändert. | | S. 28 "Conchyliensammlen" in "Conchyliensammeln" geändert. | | S. 28 "Verwandschaft" in "Verwandtschaft" geändert. | | S. 40 "sylvativa" in "sylvatica" geändert. | | S. 41 "bessten" in "besten" geändert. | | S. 44 "besondern" in "besonderen" geändert. | | S. 46 "Naturwissenchaft" in "Naturwissenschaft" geändert | | (Fußnote). | | S. 48 "," in "." geändert. | | S. 55 "Früjahr" in "Frühjahr" geändert. | | S. 56 "diesser" in "dieser" geändert. | | S. 59 "uud" in "und" geändert. | | S. 66 "Fer." in "Fér." geändert. | | S. 66 "Thomä" in "Thomae" geändert. | | S. 69 "breitern" in "breiteren" geändert. | | S. 70 "glasshell" in "glashell" geändert. | | S. 71 "Naktschnecken" in "Nacktschnecken" geändert. | | S. 73 "4-6 Mm" in "4-6 Ctm" geändert. | | S. 82 "Oberdreslendorf" in "Oberdresselndorf" geändert. | | S. 87 "Bischoffsheim" in "Bischofsheim" geändert. | | S. 88 "Wildeweiberhäuschen" in "Wildweiberhäuschen" | | geändert. | | S. 90 "Breitenbach" in "Breidenbach" geändert. | | S. 91 "Oberdreslendorf" in "Oberdresselndorf" geändert. | | S. 94 "Speicheldrüssen" in "Speicheldrüsen" geändert. | | S. 97 "gedrücktkugelig" in "gedrückt-kugelig" geändert. | | S. 101 "Jeffreyss" in "Jeffreys" geändert. | | S. 103 "Erbach" in "Erdbach" geändert. | | S. 107 "fleischfarb" in "fleischfarben" geändert. | | S. 108 "hornfarb" in "hornfarbig" geändert. | | S. 108 "Vilmar" in "Villmar" geändert. | | S. 110 "Maxburg" in "Marxburg" geändert. | | S. 118 "höchtens" in "höchstens" geändert. | | S. 118 "aufgelössten" in "aufgelösten" geändert. | | S. 122 "dunkele" in "dunkle" geändert. | | S. 124 geschweifte Klammer über "3.4.5." entfernt. | | S. 134 "Buchstämmen" in "Buchenstämmen" geändert. | | S. 134 "Wildeweiberhäuschen" in "Wildweiberhäuschen" | | geändert. | | S. 134 "Jeffreyss" in "Jeffreys" geändert. | | S. 144 "Drp." von kursiv in gesperrt geändert. | | S. 164 "Sechzehntes Capitel" eingefügt. | | S. 164 "Sechzehntes Capitel" in "Siebzehntes Capitel" | | geändert. | | S. 165 "behannte" in "bekannte" geändert. | | S. 166 "dunkelen" in "dunklen" geändert. | | S. 169 "durscheinend" in "durchscheinend" geändert. | | S. 171 "Breitenbacher Grund" in "Breidenbacher Grund" | | geändert. | | S. 173 "Collumellarfalte" in "Columellarfalte" geändert. | | S. 174 "Mach" in "Nach" geändert (Fußnote). | | S. 176 "characteristich" in "characteristisch" geändert. | | S. 180 "Graben" in "Gräben" geändert. | | S. 186 "bezeichen" in "bezeichnen" geändert. | | S. 198 "denn" in "dann" geändert. | | S. 203 "Cylcostoma" in "Cyclostoma" geändert. | | S. 203 "Senkenbergischen" in "Senckenbergischen" geändert. | | S. 204 "Landschnecken" in "Wasserschnecken" geändert. | | S. 207 "Nath" in "Naht" geändert. | | S. 209 "Goldfuss" in gesperrt geändert. | | S. 212 "Nath" in "Naht" geändert. | | S. 213 "Phyganeengehäusen" in "Phryganeengehäusen" geändert. | | S. 215 "Gewände" in "Gewinde" geändert. | | S. 215 "Mannsfelder Salzseen" in "Mansfelder Salzseen" | | geändert. | | S. 216 "Kinzing" in "Kinzig" geändert. | | S. 216 "Sechsundzwangzigstes" in "Sechsundzwanzigstes" | | geändert. | | S. 217 "gefälteten" in "gefalteten" geändert. | | S. 222 "hommen" in "kommen" geändert. | | S. 227 "Bysussfaden" in "Byssusfaden" geändert. | | S. 230 "Parthien" in "Parthieen" geändert. | | S. 233 "Achtundzwanzigtes" in "Achtundzwanzigstes" geändert. | | S. 234 "dener" in "denen" geändert. | | S. 247 "eigne" in "eigene" geändert. | | S. 249 "Kärthener" in "Kärnthener" geändert. | | S. 258 "Zweiunddreissigtes" in "Zweiunddreissigstes" | | geändert. | | S. 263 "letzen" in "letzten" geändert. | | S. 266 "Buchwald" in "Buchenwald" geändert. | | S. 267 "Cylas" in "Cyclas" geändert. | | S. 267 "Cylus" in "Cyclas" geändert. | | S. 267 "Hydvobia" in "Hydrobia" geändert. | | S. 268 "empiricornm" in "empiricorum" geändert. | | S. 272 "montanns" in "montanus" geändert. | | S. 273 "Aus beute" in "Ausbeute" geändert. | | S. 273 "nnd" in "und" geändert. | | S. 279 Errata-Fußnote entfernt, da Fehler korrigiert. | | S. 279 "Jeffreyss" in "Jeffreys" geändert. | | S. 279 "Sechszehntes" in "Sechzehntes" geändert. | | S. 282 "Fussdrüsse" in "Fussdrüse" geändert. | | S. 283 "Wolff" in "Wolf" geändert. | | S. 284 "Zeitchrift" in "Zeitschrift" geändert. | +--------------------------------------------------------------+
End of Project Gutenberg's Fauna der Nassauischen Mollusken, by Wilhelm Kobelt