Erziehung zur Mannhaftigkeit

Part 23

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Wir streben nach einer höheren Gesittung, nach einem echt +germanischen Kaisertum+. Wir wollen eine Jugend heranziehen von verinnerlichtem und mannhaftem Sinnen und Trachten, einen neuen wahrhaften Adel des Geistes, der sich die Tüchtigsten, Ehrlichsten, Mannhaftesten zur Führung erwählt, wollen, nachdem uns die Form des Reiches beschieden ist, darin ein wirklich freies, stolzes, selbstherrliches Volk erblühen sehen.

Unsere Jugend soll erst wieder lernen, für Ideen zu leben und sich für hohe menschliche und nationale Aufgaben zu begeistern.

Mit dem endlosen Schuldrill, den Examennöten, mit der unehrlichen Anbetung von erstorbenen Formeln in Glauben und Politik und mit der Anbetung des äußeren Erfolges, mit dem altklassischen Idealitätsschwindel, mit aller +brutalen Vergewaltigung der Menschen+, mit der feigen Unterwürfigkeit und erlogenen Demut, mit dem Lug- und Trugsystem, durch das sich die überbürdete und gehetzte Jugend mit den sog. Schulpflichten abfindet, mit all dem morschen Plunder wollen wir aufräumen.

Wir müssen den durch Unkraut überwucherten Boden erst wieder urbar machen, auf daß darauf ganze, gesunde, aufrechte Männer erwachsen können. Wir wollen einen heiligen deutschen Zorn erwecken und uns zu einem +Tugendbund+ zusammenschließen, damit »das Gute wirke, wachse, fromme, damit der Tag dem Edlen endlich komme«.

Wir wollen den Mund weit auftun und in unserem Vaterlande laut unserer Rechte, unsere Menschen- und Manneswürde fordern. Vor allem aber wollen wir froher Hoffnung bleiben, uns an den großen Erfahrungen unserer Geschichte aufrichten und die Erziehung unserer Jugend zur Mannhaftigkeit wohlgemut und ohne Verzug in Angriff nehmen.

»Zwar haben wir an Flächenraum verloren, zwar ist der Staat an äußerer Macht und äußerem Glanze gesunken, aber wir wollen und müssen dafür sorgen, daß wir an innerer Macht und innerem Glanze gewinnen,« erklärte Preußens König nach dem Unglückstage von Tilsit. Und +Fichte+ hielt seine »Reden an die deutsche Nation«, um sein Volk zu lehren, wie durch eine sittliche Neugeburt das Vaterland zu retten sei. Heute stehen wir besser, als damals. Weshalb verzagen?

Wenn wir auf Pestalozzi hinweisen, so geschieht das in Übereinstimmung eben mit Fichte, der, erfüllt von dem Gedanken einer +Nationalerziehung+, auf die Frage: »an welches der wirklichen Welt schon vorliegende Glied die Ausführung der neuen Erziehung sich anknüpfen soll«, die Antwort gab: »an den von Heinrich Pestalozzi erfundenen, vorgeschlagenen und unter dessen Augen schon in glücklicher Ausführung begriffenen Unterrichtsgang.«

Wir wollen, daß uns und unsern Kindern wohl werde auf unserem heimischen Boden.

Wir wollen darauf als Herren leben, nicht als nur Geduldete, als Verfolgte, Gequälte oder Knechte.

Wir wollen gehobenen Hauptes auf den Fluren einherschreiten, die uns unsere Väter mit ihrem Schweiße und Blut erkauft haben.

Wir wollen recht tun und Gerechtes erleiden, wollen uns aber von keinem Menschen ausbeuten, schikanieren und verachten lassen, wollen uns vor keinem Menschen beugen und demütigen; am wenigsten uns schikanieren und demütigen lassen von geistigen Flurschützen, die uns auf dem Felde von Kunst, Wissenschaft, Glauben und Erziehung mit ihren amtlichen Verfügungen in den Weg treten und Gehorsam fordern, wo sie dienen sollten. Unsern Kindern soll es in ihrem Vaterlande wohl werden, wie auf dem Schoße ihrer Mutter. Da sollen sie sich sicher und geborgen fühlen -- ein jeder mit gleichem Recht, auch der geistig Arme, ja der zumeist; denn die schwachen und zarten Kinder liebt und hegt eine gute Mutter mit besonderer Sorgfalt.

Das Bekenntnis: »Ich bin ein Deutscher«, soll wieder eine Freude und ein Stolz auch für unsere ärmsten Kinder werden.

Ich war einer der ersten Lehrer und bin mir dessen mit Stolz bewußt, der es laut forderte, daß den Schulkindern in Deutschland wieder eine Jugend beschieden sein möge. Mein Ruf hat tausendfaches Echo geweckt. Schulräte und Schulpfaffen haben mir zwar gesagt, es hätte eines solchen Spektakels nicht bedurft; ich hätte ihnen nichts Neues gesagt. Natürlich nicht! Wer kann einem Schulrate etwas Neues sagen? Für diese Herren hatte ich auch nicht gesprochen, wohl aber gegen sie und gegen ihre Praxis und für die deutschen Eltern schulpflichtiger Kinder. Seitdem leben diese Gedanken in unzähligen Herzen und stehen in Zeitungen und Fachblättern in wahrer Blütenpracht. Ich begegne ihnen zu meiner Freude auf Schritt und Tritt: »Nein,« ruft +Heinrich Steinhausen+, »in der Vaterlandsliebe kann man so wenig unterrichten wie in irgendeiner anderen, sondern sie gedeiht und erblüht im Volke lebendig und kräftig allein aus der Heimatsliebe. Sie den ärmsten und sonst vom Glück des Lebens versäumtesten Kindern selbst zu mehren, zu erhalten und zuzuführen, dazu könnte auch die Schule das Ihre beitragen. Dazu muß aber der Geist der Verdrossenheit, der auf unserem reglementierten, egalisierten, linealisierten Schulbetrieb wie ein Zaum liegt, wieder in die menschenleere Wüste weichen, wo er hingehört, und Schule und Unterricht müssen die Herzen der Kinder mit dem ›sanften Flügel der Freude‹ anwehen. Dann wird ihnen auch die Heimat lieb, und ihre süßen Erinnerungen begleiten und beglücken das ganze Leben und ihr braucht um Vaterlandsliebe, die mehr ist als Hurra beim Schmause oder Glase, nicht zu sorgen.« -- Also eine völlige Umkremplung des ererbten Schulgeistes -- Schulungeistes. »Selbst der jüngste Mensch«, so schreibt eine Erziehungs- und Schulreformerin in ihren Briefen, »muß schon die Achtung für sein Menschentum aus seiner Umgebung herausfühlen können, auf daß er in seinem Menschheitsbewußtsein, seiner eigenen Geisteskraft selbst sicher wachse und werde.« Bravo! Für die Briefschreiberin haben +Hebbel+ und +Nietzsche+ nicht umsonst gelebt. Weiter schreibt sie: »Ihr Weltverbesserer, hört auf das Kind zu quälen und zu verbilden, so werdet ihr am ersten die Welt verbessern! Gib den Menschen sich selbst, so wirst du ihn im besten Sinne der Menschheit geben. -- Stärke dem Kinde den Mut zu sich selbst, zu seinem Frohsinn und zu seinen Schmerzen; verschütte dem Kinde seine Tiefen nicht! Überlasse das Kind sich selbst. Aber zuerst zerbrichst du den Willen, und dann verlangst du, daß es etwas Ganzes werde? Glaubt doch, ihr in euren Erbsündengedanken Befangenen, auch an das Erbgute. Lasset sich einen jeden offenbaren!«

»Viel, viel schweigen; schweigen und beobachten, lautlos handeln ... Ein unmerkliches, liebevoll vorfühlendes Führen soll die Erziehung sein.« (Briefe an Eltern von Deiphobe.) Wie befreiend diese Worte wirken! Wie wecken sie die Hoffnung, daß demnächst unseren Kindern in Deutschland eine »kraftvoll-strahlende, furchtlos-jauchzende Jugend« beschieden sein, daß Eltern und Erzieher ihnen »ein frohes Schicksal schaffen werde«! Und die Verfasserin hat recht: »der Anfang ist das Entscheidende«.

Das alles ist nicht zu erreichen ohne Kampf gegen die im verborgenen so unheimlich ins Kraut geschossene Mißherrschaft der Hierarchie, des Bureaukratismus und der Plutokratie. Es gilt jetzt, diese Kulturfeinde gründlich kennen zu lernen, um sie mit Erfolg bekämpfen zu können.

Es gilt die Tatsache anzuerkennen und freudig als eine bedeutsame Entwicklungsepoche anzuerkennen, daß wir uns mitten in einer großartigen +Reformation+ des gesamten Geisteslebens befinden; gilt, dieser Erkenntnis gemäß zu handeln. Was dabei herauskommt, wenn man den Köpfen das Denken, den Herzen die Begeisterung, den Händen das Handeln versagt, das lehren uns die traurigsten Kapitel unserer Geschichte. Deshalb sehe ich auch in dem reaktionären Schulgesetze eine drohende Gefahr. Es wird die Reihen der Sozialdemokraten um zahllose vordem regierungsfreundliche Mitglieder oder doch Kampfgenossen vermehren und, wie schon ein Stöcker ankündigte, den Austritt aus der Landeskirche beschleunigen helfen. Nicht Reaktion, sondern Aktion brauchen wir. Das hat +Staatsminister Graf T. Posadowsky+ wohl richtig anerkannt, als er in der Reichstagsrede am 12. Dezember 1905 sagte:

»Wir haben im Beginn des 16. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts Perioden gehabt, wo ein großer sittlicher und geistiger Läuterungsprozeß über das deutsche Volk gekommen ist, und dieser geistigen Wiedergeburt des deutschen Volkes in jenen beiden großen Zeitläufen unserer deutschen Geschichte verdanken wir eigentlich, daß wir zu einem deutschen Nationalstaat gekommen sind. Ich hoffe und es tut dringend not, daß das deutsche Volk wieder eine solche +geistige und sittliche Wiedergeburt erlebt voll Opferfreudigkeit und Selbstlosigkeit für die großen Aufgaben der Zeit+! Dann werden die besitzenden Klassen und wird die bürgerliche Gesellschaft in Deutschland sich den Einfluß und die Schwerkraft erhalten, die sie trotz jeden Wahlrechts in jedem Staate und unter jeder Verfassung besitzen muß und die sie in jedem zivilisierten Staate in der Tat auch besitzt.«

Das war seit langer Zeit das erste verständige Wort, das uns von oben her erklang.

Mit den bekannten Redensarten von den Geistern des Umsturzes, mit Einschüchterungsversuchen und Drohungen komme man uns also nicht! Was wir stürzen wollen, das ist schon längst morsch und faul und muß fallen, damit ein neues Leben möglich werde.

»Jahrelang, jahrhundertlang die Mumie dauern, Mag das trügende Bild lebender Fülle bestehn, Bis die Natur erwacht und mit schweren, ehernen Händen An das hohle Gebäu rühret die Zeit und die Not.«

Es wäre noch viel zu sagen, aber ich muß ein Ende finden! Nur das möchte ich zum Schluß noch mit Nachdruck hervorheben: Mit Gewaltmitteln ist Mannhaftigkeit nicht zu erzielen. Alle die rohen Abhärtungsmittel, eiskalte Abgüsse, das Hinunterwürgen ekelerregender Speisen, die blinde Gehorsamkeit selbst Launen gegenüber, das Schicken in dunkle Kammern zur Bekämpfung der Furcht, die Überanstrengung im Arbeiten, bei Märschen und beim Turnen -- alle diese Brutalitäten sind zwecklos, ja schädlich und verabscheuungswürdig, vor allem natürlich die +Prügelstrafe+.

Ich verweise darüber auf das, was ich in meinem Buche »Der Deutsche und seine Schule« S. 49 ff. ausgeführt habe. Jetzt erlebe ich die Freude, zu lesen, daß der Leipziger Lehrerverein den Beschluß gefaßt hat:

»Der Leipziger Lehrerverein strebt die Entfernung der körperlichen Züchtigung aus der Volksschule an und wird dahin wirken, daß durch Gemeinde und Staat Ersatzmittel geboten werden, die trotzdem eine gedeihliche Entwicklung der Volksschule gewährleisten.«

(Vgl. die sehr empfehlenswerte Zeitschrift »Neue Bahnen«, K. Voigtländers Verlag in Leipzig, XVIII, Heft l, Oktober 1906 und darin S. 35 den Aufsatz von +Clemens Pönitz+, »Prügelstrafe und Schularbeit«.) =Vivant sequentes!=

Nachtrag und Schlußbetrachtung.

Ich kann mit hellem Lachen schließen: Ein Bundesgenosse ist mir erstanden, der allen Widerspruch niederschlägt. Ein Dank dem +Hauptmann von Coepenicum+!

Was vermögen alle Erwägungen einer so eindringlichen Sprache gegenüber, wie sie =dieser= »Volkserzieher« spricht? Ein ganzes deutsches Städtchen sinkt in die Knie vor einem Strolch in Hauptmannsuniform!

»Das Kapitel vom zusammenknickenden Bürgermeister und der aufgestörten Bürgerschaft ist wahrhaftig kein erbaulicher Beitrag zur Geschichte des neuzeitlichen frohen Geistes und selbstbewußter Kraft. Die Köpenicker dürfen sich aber trösten: Schockweise gibt es der untertänigen Beamten in deutschen Städtchen und Städten.

In die groteske Komik vom belagerten Rat und vom entführten Bürgermeister mischt sich hier die Bitterkeit. +Du hast es so gewollt, Erziehung zur Subalternität, du hast es gewollt, Geist der Dressur!+

Ein Schwindler steckt sich in eine Uniform und zwingt zur Verehrung nieder, wie Geßlers Hut.« -- »Die Überrumpelung durch einen Menschen, der sich darum immer naiver vorwagt, weil man ihm seine ersten Schritte in angedrillter Untertänigkeit gar so leicht macht. Er ist gewiß selbst in subalternem Geiste aufgewachsen und braucht nur durch Spitzbubenhumor um kleine Schritteshöhe über das subalterne Gefühl sich zu erheben, um Soldaten, Ratsherren und selbst den Stadtobersten, den Bürgermeister, einzuschüchtern.« L. Schönhoff.

Die Schutzleute stehen auf Befehl des schmierigen Hauptmanns selbst Schmiere, und der Soldat erstarrt vor der heiligen Uniform in »eingetrichterter Demut«.

Ein trauriger Triumph preußisch-militärischer Abrichtungskunst! Ein Triumpf der »geistigen Hosennaht«! Jetzt wird mir jeder zustimmen: Wir haben genug an der bisherigen Menschenabrichterei, wir brauchen statt dessen endlich eine:

=Erziehung zur Mannhaftigkeit,=

sonst wird uns unser ernstes Leben schließlich zum Possenspiel.

Fußnoten

[1] +Korrekturzusatz+: »Die Zeitungen melden, in Schleswig-Holstein wäre +ein+ Volksschullehrer Reserveoffizier geworden. Man sagt mir zweifelnd, es gäbe wohl sogar einen zweiten solchen Wundermenschen. Muß ich nun obiges streichen? Ich meine, nach dem Sprichworte »Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer« brauchen wir diesen einen Renommier-Offizier ebensowenig anzustaunen wie den bekannten Renommier-Schulze unter den adligen Offizieren der Garderegimenter.

[2] Von Bernhard Riedel in »Neue Bahnen« XVII, 1005/06, Heft 12. S. 567 (Verlag von R. Voigtländer in Leipzig).

[3] Vgl. Joh. Gottfr. v. Herder, Sophron. Gesammelte Schulreden. Herausgegeben durch Joh. Gg. Müller. Tübingen, Cotta 1810. S. 286, 290; 147, 48, 50. 52.

[4] Dem herrlichen Buche entnommen: »Vom deutschen Sprachunterricht in der Schule und von deutscher Erziehung und Bildung überhaupt«. 3. Auflage. Leipzig und Berlin 1887 (Julius Klinkhardt).

[5] Verlag von Alexander Duncker, Berlin 1906. Preis M. 1,50.

[6] F. R. Paulig, »Friedrich der Große«, Frankfurt a. O. Friedrich Paulig. 1902. Kap. I.

[7] Vgl. +A. von Winterfeld+: »Gesunde Jugenderziehung, Schulreform und Herder als ihr Vorkämpfer« (60 Pf.), 1906, und »Herderworte« (Der moderne Herder) 1,25 M., 1906, Verlag Felix Dietrich, Leipzig.

[8] »Die höheren Schulen Deutschlands und ihr Lehrerstand in deren Verhältnis zum Staat und zur geistigen Kultur«. +Vieweg+, Braunschweig 1904.

[9] Vortrag, gehalten auf der 13. Jahresversammlung des Gymnasialvereins zu Marburg (Humanist. Gymnas. Jahrg. XV, Heft 4 und 5).

[10] »+Der Deutsche und sein Vaterland+, politisch-pädagogische Betrachtungen eines Modernen«, Verlag von Wiegand & Grieben in Berlin SW. 11. (Preis Mk. 1,50; gebunden Mk. 2,25.)

Prof. Dr. +Ed. Heyck+ in der Wochenschrift »Deutsche Heimat« (VI. Jahrg. Heft 16): »Jetzt ist innerhalb von kaum vier Monaten die fünfte Auflage erschienen, was genug besagt. Lebhafter Beifall zu dieser mutigen Kritik und These, die mit ihren umfassenden Gesichtspunkten das neue Deutschtum und die vaterländische Zukunft durch eine frische Jugenderziehung und ein gründliches Vergnügungsbad der herkömmlichen Pädagogik gefördert, anstatt gehemmt und verbildet sehen will, ertönt von allen Seiten, auch aus Lehrer- und Fachblättern; falls Ablehnung vorhanden ist, so hält sie sich, soviel wir sehen, schweigsam oder kleinlaut.«

... Das Buch erscheint mir geradezu als ein Zeichen der Zeit. Wenn solche Beobachtungen, Anschauungen und Erkenntnisse, wie sie hier mit überzeugungsvoller Wärme vorgetragen werden, schon aus dem politischen Milieu des Verfassers heraus sich entladen, so berechtigt das wohl zu dem Schluß, daß auch in diesen Kreisen die geistig selbständigen Elemente beginnen, gewisse Zustände als unhaltbar zu empfinden ... Die Ausführungen geben reichlich Stoff zum Nachdenken ... Kastengeist, Bureaukratie, Bevormundungs- und Berechtigungswesen. Bedientenhaftigkeit und gesinnungsloses Strebertum zählen nach Gurlitts Meinung, die auch die des Türmers ist, zu den schlimmsten Feinden ...

+Der Türmer.+

Der Erfolg dieses Buches ist der eines ernsten Manneswortes, der Widerhall tiefgehender Mahnungen, die der Verfasser an das deutsche Volk richtet, der Erfolg des mutigen Vorkämpfers, der sich nicht scheute, die Wahrheit zu sagen, und das, was viele im stillen mit ihm besorgt und geahnt haben, furchtlos aussprach ... Gurlitt wünscht energisch die Beseitigung der an hohen Schulen üblichen »geistigen Überfütterung«.

Regierungsrat Dr. Herm. Muthesius in der +Deutschen Monatsschrift+.

»Diese Schrift hat mich beinahe eine Nacht gekostet ... da ich zu blättern anfing, las ich auch zu Ende ... Ich ahnte nicht, daß man schon im konservativen Lager so denkt; da kann ja noch alles gut werden. Und ich wußte auch nicht, daß schon so viel verständige Stimmen vor dem Verfasser ähnliche Gesinnung geäußert haben, wie aus reichlichen wohl verwandten Zitaten hervorgeht ... Kurz, ich wünsche dem Buch viele Leser und noch mehr eine gute Wirkung in Höhe, Breite und Tiefe.«

D. Rade in der +Christlichen Welt+.

Kaum minder günstig nahm die Presse meine zweite Schrift auf: »+Der Deutsche und seine Schule+« (ebenda, 2. Auflage, 4. und 5. Tausend, 1906. Preis Mk. 2.--, gebunden Mk. 3.--).

Auch hierzu einige Preßstimmen:

»An Reden, Artikeln, Flugschriften und dickleibigen Büchern gegen die sogenannte humanistische Mittelschule fehlt es seit Jahren nicht mehr, und die alte Ausrede, daß nur minderwertige Menschen, Halbgebildete, Banausen nach Reform schreien, ist ja wohl auch längst durch Namen allerersten Ranges widerlegt. Aber der Sturm wurde immer wieder von Uneingeweihten, die Verteidiger des Gymnasiums sagten von ›Unberufenen‹, unternommen, denen die Altphilologen in geschlossener Phalanx nach allen Regeln der antiken Kriegskunst standhielten. Deshalb war alles Sturmlaufen umsonst, und die Sehnsucht nach einem Verräter war groß; jetzt haben wir ihn, den heißgewünschten Ephialtes -- jetzt ist der ungleiche Kampf in ein neues Stadium getreten, seit Ludwig Gurlitt aufgetreten.

Sein Buch: »Der Deutsche und seine Schule« ist in mehr als einer Beziehung ein +Markstein in der Entwicklung der neuesten deutschen Kultur+, in Form und Inhalt, im ganzen Ton, und vollends in den angedeuteten Zielen. Es ist vor allen Dingen ein Ich-Buch.

Kenner der vorliegenden Frage und der einschlägigen Literatur werden wahrscheinlich nach den gegebenen Proben große Gesichtspunkte, Tiefe der Auffassung vermissen; sie werden vielleicht finden, daß Gewichtigeres in zwingenderer Form, mit mehr Zusammenhang und Schärfe vorgetragen wurde. Gewiß, es ist kaum Neues im Buche Gurlitts zu finden; der Gedankengehalt wäre vielleicht auf wenigen Seiten darzustellen gewesen. Aber wer in aller Welt verlangt nach neuen Gesichtspunkten und tief durchdachten Sätzen, wo es gilt, einleuchtende Wahrheiten so laut als nur möglich in die Welt hinaus+zuschreien+, daß auch die Schwerhörigsten, Gleichgültigsten sie hören müssen? Seit Macaulay ist alles Gescheite gegen das Gymnasium vorgebracht worden, aber niemals von so kundiger, so berufener Seite und vielleicht nie in so unmittelbar-anschaulicher, so wirkungsvoll-überzeugender Weise.«

+Leon Keller+ im »Neuen Wiener Tagblatt«.

Der bekannte pädagogische Schriftsteller Oberlehrer Dr. Otto Anthes schreibt in dem »Hauptorgane des deutschen Lehrervereins«, in der »Pädagogischen Zeitung« (4. Januar 1906):

»Es mehren sich die Zeichen, daß die Pädagogik drauf und dran ist, ihr Haupt, das sie nun lange genug in das niedere Gestrüpp der Kleinigkeitskrämerei geduckt hat, wieder zu erheben und in die frische Höhenluft hinaufzuwachsen, in der sie allein gedeihen kann. Sie will nicht mehr ein Handwerk sein wie jedes andere auch, das man ausüben kann, wenn man seine Griffe und Kniffe weg hat; sie will eine freie Kunst werden. Sie strebt aus der philisterhaften Enge, in der die Spießer das große Wort führen, hinaus in die Weite, wo Persönlichkeiten wirken können. Man sieht allmählich ein, daß noch verzweifelt wenig getan ist, wenn man dem jungen Deutschen Lesen und Schreiben und all die anderen schönen Dinge, die zur »Bildung« gehören, in möglichst kurzer Zeit beigebracht hat; es bricht sich wieder die Erkenntnis Bahn, daß die Erziehungskunst berufen ist, dem Vaterland den größten Dienst zu leisten, der ihm geleistet werden kann: daß sie berufen ist, ihm starke und fröhliche Menschen zu schaffen.

Auf dieser Linie marschiert Gurlitts Buch.«

In der »Preußischen Schulzeitung« (10. Februar 1906) fand sich ein nicht minder zustimmender Bericht von +Mariaschk+, der mit den Worten schließt:

»Möchte der Volksschule auch einmal ein so tapferer Anwalt erstehen, der mit eiserner Faust alle ihre Fesseln zerschlüge: Herrschaft der Kirche, Bevormundung der Lehrer, peinlich detaillierte Lehrpläne usw. und der ihre Pforten einer neuen Lehre und einem freieren Geiste öffnete!«

[11] Leipzig, B. Elisches Nachfolger. 2. Aufl. 1906. 328 Seiten.

[12] R. Scheibes Verlag. Berlin N. 37, Templinerstr. 14.

[13] Erzählt nach Angaben von +A. v. Portugall+, »Friedrich Fröbel«, Teubners Verlag.

[14] Zitiert nach H. Ilgenstein, »Das Blaubuch«. Bd. I. Nr. 37. S. 1429.

[15] +Berthold Otto+ ist bekanntlich Herausgeber des »Hauslehrer«, er hat uns ferner ein Buch geschenkt »Beiträge zur Psychologie des Unterrichtes«, in dem er »Anregungen und Anleitungen zu einem Unterricht ohne Zwang und Strafe« gibt (Leipzig, Scheffer). Daraus gebe ich oben einige Proben. Allerjüngst ist von ihm ein Buch »Vom Königlichen Amt der Eltern« (ebenda 1906) erschienen. Wichtiger aber noch als diese klare Entwicklung seiner Lehre ist ihre praktische Durchführung, die er selbst erprobt hat. An seinen Kindern nämlich, die nie eine Schule besucht haben, von ihm allein von kleinauf unterrichtet und erzogen worden sind -- ohne Zwang und Strafe und zur Freude aller derer, die diese Erziehungsprodukte kennen lernen. Das nenne ich einen Erzieher! Ich habe ihn und seine Arbeiten erst kennen gelernt, als ich selbst schon als Erziehungsreformer hervorgetreten war. Wir haben unabhängig voneinander fast den gleichen Weg gefunden.

[16] Mittelschule und Gegenwart, Entwurf einer neuen Organisation auf zeitgemäßer Grundlage »Wien u. Leipzig 1906. Verl. von Karl Fromme.«

[17] Man lese die Schrift ihres Leiters, des Herrn Dr. +E. Kapff+: »Die Erziehungsschule. Ein Entwurf zu ihrer Verwirklichung auf Grund des Arbeitsprinzips.« Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart.

[18] A. Frank, Der Lehrplan und die Instruktionen usw., Prag 1904. J. G. Calve. S. 139. Verwandte Stimmen findet man gesammelt von +Max Nath+, »Schülerverbindungen« usw. Teubner, Leipzig 1906. S. 122.

[19] Lehmann-Hohenberg, der in seinem »Rechtshort« 1906 Nr. 13/16 S. 349 diesen Artikel abdruckt, sagt: »Tiefer angelegte Naturen lachen nicht, sondern schreiten zur Abhilfe.« Gewiß, aber zur Abhilfe bedarf es gesammelter Kraft, die erst geworben werden muß. Dazu hilft auch der Simpel. Wenn L.-H. außerdem behauptet, daß die Zeichnungen »oft ganz miserabel sind«, so irrt sich der mir sonst nahestehende wackere Streiter. Die Zeichnungen sind, rein künstlerisch betrachtet, mit das Beste, was in Deutschland zurzeit geleistet wird. Ich empfehle ihm, einmal die Weimarer Künstler um ihr Urteil zu fragen, sie werden ihm dasselbe sagen.

Inhaltsverzeichnis.

Seite

Vorwort VII

I. Begriffsbestimmung 1

II. Begrenzung des Themas 11

III. Pädagogische Vorbilder 23

IV. Befähigungsnachweis 42

V. Bedürfnisfrage 46

VI. Das deutsche Mannesideal in der Geschichte 72

VII. Ergebnis 99

VIII. Die Kirchen als Erzieher zur Mannhaftigkeit 106

IX. Der Gebildete 132

X. Fragen ans Gewissen 147

XI. Der Beamte als Erzieher zur Mannhaftigkeit 160

XII. Parlamentarier 183

XIII. Moderne Pädagogik 192

XIV. Erziehung zur Tat 212

XV. Stärkung des Selbstbewußtseins 225

XVI. Unsere Wünsche 238

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