Erziehung und Unterricht der Blinden

Part 21

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Gleich auf den ersten Kongressen wurde die Schriftfrage zum Gegenstand eingehender Beratungen gemacht. Die Versuche, welche einzelne Anstalten mit der Punktschrift gemacht hatten, waren so günstig ausgefallen, daß man glaubte, sie vom Unterricht ferner nicht ausschließen zu dürfen. Man war nur im Zweifel darüber, ob man Brailles System annehmen sollte oder ein solches, das dem Bedürfnis der +deutschen+ Sprache mehr Rechnung trug. Ein deutsches Punktschriftsystem war von dem Direktor der Blindenanstalt zu Leipzig, v. St. Marie, aufgestellt worden. Er bezeichnete die in der deutschen Schrift am häufigsten vorkommenden Buchstaben mit der geringsten Zahl von Punkten. Das war offenbar ein Vorteil gegenüber dem rein alphabetischen System Brailles. Trotzdem entschied man sich auf dem zweiten und dritten Kongreß (Dresden und Berlin) aus schwerwiegenden Gründen für Brailles System. Die Linienschrift ließ man zunächst aber noch nicht fallen, sondern lehrte beide Schriftarten nebeneinander. Erst später, als der Ruf „Fort mit dem Liniendruck!“ immer lauter erscholl, ging man ganz und gar zur Punktschrift über. Um den Blindenanstalten die nötigen Hochdruckschriften billig liefern zu können, wurde auf dem Kongreß in Dresden (1876) der „Verein zur Förderung der Blindenbildung“ gegründet, der noch heute besteht. Bald erschien ein von dem Verein herausgegebenes Lesebuch, das für den Schulunterricht dringend notwendig war. Einige Bände desselben waren in Linienschrift, die andern in Punktschrift gedruckt. Die letztere wurde in der Folge zu einer internationalen Musikschrift, einer deutschen Kurzschrift und einer Mathematikschrift ausgebaut. Auf die Wichtigkeit der intensiven Anschauung durch Tasten wurde immer wieder hingewiesen. Dabei kam die Notwendigkeit der darstellenden Tätigkeit des Schülers wiederholt zur Sprache. Die Folge war die Einführung des Modellierens, des Zeichnens, der Fröbelarbeiten und des Handfertigkeitsunterrichts in den Blindenanstalten. Einen wesentlichen Fortschritt machte der erdkundliche Unterricht, indem Kunz-Illzach gute Papier-Reliefkarten druckte, die einen Klassenunterricht ermöglichten. Die Schreibapparate für Punkt- und Flachschrift wurden verbessert: neuerdings sind auch Maschinen für beide Schriftarten auf den Plan getreten. Als die Anstalten mit den nötigsten Schulbüchern versehen waren, ging der Verein zur Förderung der Blindenbildung zum Druck von Büchern für die Privatlektüre der Blinden über. In dieser Arbeit wurde er von mehreren Anstalten unterstützt, die Punktschrift-Druckereien einrichteten. Die Hauptwerke unserer Klassiker, eine große Zahl von volkstümlichen Erzählungen und manche wertvollen Werke aus dem Gebiete der allgemeinen Wissenschaft füllen seitdem die Bibliotheken der Blindenanstalten. Die Leichtigkeit, mit der die Punktschrift handschriftlich hergestellt werden kann, regte viele Blindenfreunde zur Mitarbeit an der Vergrößerung der Blindenbibliotheken an. Der Lesestoff ist dadurch ein so umfangreicher und vielseitiger geworden, daß das Vorlesen durch Sehende, das früher einen weiten Raum einnahm, stark zurücktreten kann. Sehr erfreulich entwickelte sich die nach Brailles System gedruckte Musikliteratur. Hierbei besonders sieht man die Wichtigkeit der internationalen Schriftübereinstimmung. Was den Unterricht im allgemeinen betrifft, so war man auf den Kongressen bemüht, nicht bloß die praktische Seite desselben zu betonen, sondern auch den theoretischen Grundlagen nachzugehen. Insbesondere wurde die psychologische Begründung des Unterrichts häufig erörtert. Man ging von der sehr richtigen Ansicht aus, daß der Unterricht um so wirksamer sein werde, je mehr er der Natur des Blinden angepaßt sei. Das Studium der Natur des Blinden und die Klarstellung der Abweichungen in seiner Geistesentwickelung ist durch die Kongresse außerordentlich gefördert worden. Auf den Unterricht hat dies insofern Einfluß gehabt, als der früher geübte ängstliche Anschluß an die Schule der Sehenden in bezug auf Auswahl und Verarbeitung des Lehrstoffes nachließ und, zumal auf den unteren Stufen, einer freieren, der Natur des blinden Kindes entgegenkommenden Praxis Platz machte.

Eine bedeutende Förderung erfuhr der Unterricht und das gesamte deutsche Blindenwesen durch die Gründung einer eigenen Fachzeitschrift, des von Mecker-Düren im Jahre 1881 ins Leben gerufenen „Blindenfreundes“. Auch von andern Seiten erhielt die Blindenliteratur manche wertvolle Gabe. Mehrere Anstalten, in erster Linie die zu Wien und Illzach, gaben eine ausführliche Darstellung ihrer geschichtlichen Entwickelung; Theodor Heller schrieb seine „Studien zur Blindenpsychologie“; als wichtigstes Werk aber erschien im Jahre 1900 das zweibändige, gründliche und ausführliche „Encyklopädische Handbuch des Blindenwesens“ von Alexander Mell. Eine Ergänzung fand die Blindenliteratur durch die bei den Anstalten zu Wien und Steglitz geschaffenen Blindenmuseen, welche die Entwickelung des Blindenwesens praktisch vor Augen stellen.

Betreffs der +Berufsbildung der Blinden+ haben die Verhandlungen auf den Kongressen und die Erörterungen in der oben genannten Fachzeitschrift zur Aufstellung eines Zieles geführt, das den ersten Blindenlehrern noch fernlag. Wohl hatte schon Johann Wilhelm Klein, wie oben gezeigt, seine Zöglinge in „einigen mechanischen Fertigkeiten“ unterwiesen, und auch später ist in den Anstalten außer dem Schulunterricht stets auch Handarbeitsunterricht erteilt worden; aber man schätzte die Kraft des Blinden noch nicht so hoch ein, daß man meinte, er könne ohne wesentliche fremde Hilfe, durch eigene Kraft sich im Leben behaupten. Nun lehrte die Erfahrung hie und da, daß bei gründlicher Ausbildung in einem passenden Berufe der Blinde sehr wohl erwerbsfähig werden könne. Die Meinungen hierüber klärten sich nach und nach und führten zu weiteren praktischen Versuchen. So konnte auf dem Kongreß in Berlin (1879) als das Ziel der Anstaltsbildung die Erwerbsfähigkeit des Blinden und die daraus erwachsende Selbständigkeit in der Ausübung eines Berufes bezeichnet werden. Mit der Verfolgung dieses Zieles trat eine Neubelebung der handwerklichen Ausbildung ein, die sich nun auch auf die Mädchen erstreckte, die bis dahin meist mit den sog. weiblichen Handarbeiten beschäftigt worden waren. Der Ausgestaltung der Berufsbildung ist seitdem unausgesetzt die größte Sorgfalt zugewendet worden; man suchte den Blinden neue Erwerbszweige zu erschließen, und als mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts mancherlei wirtschaftliche Verschiebungen eintraten, erwog man, ob die bisherigen Berufe auch noch lohnend seien oder durch andere ersetzt werden können.

Mit der Frage der Erwerbsfähigkeit stand die +Fürsorge+ für die im Berufsleben stehenden Blinden im engen Zusammenhange. Die Ausrüstung des Blinden mit den für einen Beruf erforderlichen Kenntnissen und Fertigkeiten war zwecklos, wenn nicht dafür Sorge getragen wurde, daß er die gewonnene Erwerbsfähigkeit auch tatsächlich zur Geltung bringen konnte. Hier hatte die Fürsorge einzusetzen. Eine vorbildliche Tätigkeit in dieser Richtung hatte die Anstalt in Dresden bereits unter Georgi (gest. 1867) entfaltet. Von andern deutschen Anstalten waren die dortigen Ideen aufgenommen und den Lokalbedürfnissen entsprechend umgestaltet worden. Die Aussprache auf den Kongressen führte zu neuen Formen, u. a. auch zu den sogenannten Blindenheimen und offenen Werkstätten. Nächst dem Unterricht ist kein Gebiet so eingehend besprochen worden wie die Fürsorge.

Sollen noch einige äußere Errungenschaften der Kongresse genannt werden, so sei an die Ermäßigung des Portos für Briefe in erhabener Schrift und an die Fahrpreisermäßigung für Blinde auf den deutschen Eisenbahnen erinnert, welche Vorteile auf bezügliche Eingaben der Blindenlehrerversammlungen bei den in Betracht kommenden Behörden gewährt wurden. Auch für die Schaffung einer zuverlässigen Blindenstatistik und für Maßnahmen zur Verhütung der Blindheit sind die Kongresse lebhaft eingetreten. Endlich muß daran erinnert werden, daß sie von jeher den Schulzwang für blinde Kinder und eine gründliche Vorbildung der Blindenlehrer erstrebt haben.

Zum Schluß mag mit einigen Worten der gegenwärtige Stand des Blindenwesens charakterisiert werden.

Die +Zahl der Blindenanstalten+ hat sich in den letzten 50 Jahren erheblich vermehrt. Seit 1860 wurden in Deutschland 11, in Österreich-Ungarn 13 Anstalten neu gegründet, so daß Deutschland jetzt insgesamt 33, Österreich 21 Blindenbildungsanstalten besitzt. Dazu kommen noch offene Arbeitswerkstätten, Blindenheime und Feierabendhäuser. Die Überzeugung von der Notwendigkeit der Blindenbildung und dem Segen der Blindenanstalten ist nach und nach in alle Volksschichten gedrungen. Wohl gibt es noch immer Eltern, die aus den verschiedensten Gründen sich nur schwer entschließen, ihr blindes Kind einer Anstalt zu übergeben, aber im allgemeinen sind die Blindenanstalten doch volkstümlich geworden. Von weittragender Bedeutung ist die im Jahre 1912 erfolgte gesetzliche Einführung der Schulpflicht für blinde Kinder in dem größten deutschen Bundesstaat, Preußen. Es ist zu erwarten, daß auch diejenigen deutschen Staaten, in denen die Schulpflicht noch nicht besteht, dem Vorgange Preußens folgen werden.

In baulicher Beziehung haben die Blindenanstalten wesentliche Fortschritte gemacht. Mehrere sind aus der Enge der Großstadt an die Peripherie oder in Vororte verlegt worden, wo für ihre Entwickelung ausreichender Raum vorhanden ist. Nach der hygienischen Seite hin sind die Anstaltsgebäude aufs beste eingerichtet; namentlich ist die Trennung der Schul-, Wohn-, Wirtschafts- und Arbeitsräume, die früher meist unter einem Dache vereinigt waren, durchgeführt.

Im +Unterricht+ ist die außerordentliche Verschiedenheit der einzelnen Anstalten einer größeren Gleichmäßigkeit gewichen. Die vom Kongreß in Hamburg (1907) angenommenen „Grundlinien zu einem Lehrplan für deutsche Blindenanstalten“ bezeichnen in großen Zügen die Unterrichtsziele und die zu verarbeitenden Stoffgebiete. Ein neues achtbändiges Lesebuch stellt sich in den Dienst des Sprachunterrichts. Unterhaltende und belehrende Schriften werden außer von dem „Verein zur Förderung der Blindenbildung“ auch von vielen Anstalten gedruckt, so daß die Bibliotheken einen recht bedeutenden Umfang angenommen haben. Der Gedanke der intensiven Anschauung durch Umgang mit den Dingen und durch darstellende Tätigkeit des Schülers wird immer weiter ausgebaut und in die Praxis übertragen. Auch die Bestrebungen, die durch die Ausdrücke „Lebenskunde“, „Jugendpflege“, „Selbstregierung“ gekennzeichnet werden, finden eine ernste Prüfung und regen zu Versuchen an. Die schwachbefähigten Schüler sammelt man in besondere Abteilungen, und wo dies der geringen Zahl wegen nicht möglich ist, sucht man sie durch Nachhilfestunden zu fördern. Die Blindenlehrer sind bemüht, sich in die Theorie und Praxis ihres Spezialgebietes immer gründlicher einzuarbeiten. Der auf den Kongressen wiederholt gestellte Antrag, +Prüfungen+ für die angehenden Blindenlehrer einzuführen, hat in Preußen jetzt seine Verwirklichung gefunden. Es ist zu hoffen, daß diese Prüfungen, wie für die Lehrer, so auch für die Blindenschule von Segen sein werden.

Die +Berufsbildung+ der Blinden wird von dem allgemeinen Wirtschaftsleben stark beeinflußt. Bei der sich immer mehr ausdehnenden Fabrikarbeit und der damit zusammenhängenden Überproduktion sind die Aussichten für den Kleinbetrieb immer ungünstiger geworden, und dem einzelnen blinden Handwerker wird es immer schwerer, als selbständiger Gewerbetreibender sein Brot zu verdienen. Diese Umstände machen es notwendig, nach neuen Berufen für die Blinden Umschau zu halten. Leider haben die diesbezüglichen Bemühungen der Blindenlehrer und Blindenfreunde bis jetzt wenig Erfolg gehabt. Große Hoffnungen setzen die Blinden auf die Musik. Es ist gewiß, daß auf diesem Gebiete ein befähigter Blinder Tüchtiges leisten kann, aber auch hier ist die Konkurrenz der Sehenden so stark, und der Beruf als Organist, Musiklehrer und Künstler ist für den Blinden mit so viel äußeren Schwierigkeiten verbunden (Konzertreisen), daß nur hervorragend tüchtige Blinde sich durch die Musik eine gesicherte Lebensstellung erringen können. Als ein passender, für sich allein aber nicht ausreichender Beruf hat sich das Klavierstimmen erwiesen. Über die Verwendung Blinder mit Sehresten in gärtnerischen und landwirtschaftlichen Betrieben werden zurzeit Versuche angestellt.

In der +Fürsorge+ sind die Behörden und besondere Fürsorgevereine tätig, beide meist durch Vermittelung der Anstalten. Die im Leben stehenden Blinden sucht man weniger durch Barunterstützung, als vielmehr durch Übermittelung von Arbeitsaufträgen, durch den Absatz der gefertigten Waren, durch Überlassung von Arbeitsmaterial zu Engrospreisen, durch Übernahme der Beiträge zur Invaliden- und Altersversicherung und durch mancherlei Hilfe lokaler Art zu fördern. Die wirtschaftlich Schwachen, die sich im Konkurrenzkampf des Lebens nicht behaupten können, insbesondere auch die Mädchen, sammelt man in Heimen und offenen Arbeitswerkstätten. Hervorzuheben ist noch, daß auch die im Leben stehenden Blinden selbst bemüht sind, Mittel und Wege zu finden, das Los ihrer Schicksalsgenossen zu verbessern. Wenn sich dabei auch hin und wieder ein gewisser Gegensatz zwischen den Blinden und den Anstalten und ihren Vertretern bemerkbar macht, so kann doch erwartet werden, daß die hier und dort verfolgten Ziele zu guter Letzt zusammenfließen werden zum Wohle aller Blinden.

+Joh. Wilh. Klein+, Geschichte des Blindenunterrichts. Wien 1837.

+Mell+, Knies Briefe an J. W. Klein. Bldfrd. 1891 S. 32.

+Wiedmann+, Zur Geschichte der Blindenbildung. Bldfrd. 1895 S. 177.

+Kunz+, Rückblick, Umblick, Ausblick. Kongr.-Ber. Halle 1904.

Anhang.

1. Verzeichnis von Schriften, deren Studium dem angehenden Blindenlehrer empfohlen werden kann.

+Ältere Schriften.+

+Joh. Wilh. Klein+, Lehrbuch zum Unterrichte der Blinden. Wien 1819.

+Ders.+, Geschichte des Blindenunterrichtes. Wien 1837.

+Knie+, Anleitung zur zweckmäßigen Behandlung blinder Kinder. Breslau 1837.

+Zeune+, Belisar oder über Blinde und Blindenanstalten. 7. Aufl. Berlin 1846.

+Neuere Schriften.+

+Der Blindenfreund.+ Zeitschrift für Verbesserung des Loses der Blinden. Düren (Rheinland). Jährlich 12 Nummern. Erscheint seit 1881.

+Das Blinden-+, Idioten- und Taubstummenbildungswesen. Von Merle, Sengelmann u. Söder. Norden 1887.

+Büttner+, Das Formen und Zeichnen. (Verein zur Förderung der Blindenbildung.) 1890.

+Heller+, Modellieren und Zeichnen. Wie vor. 1890.

+Libansky+, Die Blindenfürsorge. Wien 1898.

+Mell+, Encyklopädisches Handbuch des Blindenwesens, 2 Bände. Wien und Leipzig 1899.

+Th. Heller+, Studien zur Blindenpsychologie. Leipzig 1904.

+Javal+, Der Blinde und seine Welt. Hamburg u. Leipzig 1904.

+Mell+, Geschichte des k. k. Blinden-Erziehungs-Instituts in Wien. Wien 1904.

+Kunz+, Geschichte der Blindenanstalt zu Illzach-Mülhausen i. E. Leipzig 1907.

+Mell+, Der Blindenunterricht. Wien 1910.

+Axenfeld+, Blindsein u. Blindenfürsorge. Freiburg i. Br. 1912.

+Uhthoff+, Von den Blinden. Breslau.

+Die Berichte+ über die Verhandlungen der Blindenlehrer-Kongresse.

+Die Schriften von Helen Keller+ (vergl. das Kapitel „Taubstummblinde“).

+Die Jahresberichte+ und Festschriften der Blindenanstalten.

„+Le Valentin Haüy+“, Revue universelle des questions relatives aux Aveugles. Directeure: Maurice de la Sizeranne. Paris.

+Armitage+, Education and Employment of the Blind. London 1886.

„+The Blind.+“ Begründet von H. J. Wilson. London. Erscheint vierteljährlich.

2. Bedeutungsvolle Abhandlungen aus den vorliegenden 32 Jahrgängen des „Blindenfreundes“.

(Der „Blindenfreund“ mit seinem reichen Inhalt gibt ein vortreffliches Bild der Entwickelung des Blindenwesens in den letzten drei Jahrzehnten. Das Studium der Zeitschrift ist daher dem angehenden Blindenlehrer dringend zu empfehlen. Um ihm dieses Studium zu erleichtern, sind aus der Fülle des Stoffes diejenigen Abhandlungen bezeichnet, die +nach dem persönlichen Empfinden des Verfassers in erster Linie geeignet sind, ein Bild des Lebens und Strebens auf dem Gebiet der Blindenbildung zu geben+. Ein Urteil über den Wert der nicht genannten Artikel soll mit dieser Auswahl natürlich nicht ausgesprochen sein.)

A. Zeitliche Anordnung.

+Jahrgang+ 1881.

+Mecker+, An die Leser zur Orientierung. S. 1.

+Büttner+, Aus meinem Tagebuche. S. 78.

+Brandstäter+, Der Blinde als Organist. S. 129.

+Moldenhawer+, Der Blinde als Schuhmacher. S. 140.

+Jahrgang+ 1882.

+Ferchen+, Das Bürstenmachen, ein Handwerk der Blinden. S. 6.

+Heller+, Die Rede in der Blindenschule. S. 121.

+Jahrgang+ 1883.

+Michel+, Ein interessantes, längst verschollenes Buch über Blindenerziehung. (Haüys Abhandlung über die Erziehung der Blinden vom Jahre 1786.) S. 9.

+Krause+, Geistige Eigentümlichkeiten des blinden Kindes. S. 52.

+Brandstäter+, Valentin Haüy in Berlin. S. 97.

+Ein Besuch+ im „Royal Normal College for the Blind“ zu London. S. 101.

+Jahrgang+ 1884.

+Prof. Dr. Saemisch+, Beobachtungen an einem im 2. Lebensjahre am grauen Star erblindeten und im 11. Lebensjahre glücklich operierten Kinde. S. 7.

+Krage+, Reisenotizen. (Wirft interessante Streiflichter auf die Handhabung des Unterrichts vor einigen Jahrzehnten.) S. 38.

+Gutachten+ über einen Antrag auf Errichtung einer Hochschule der Musik für Blinde. S. 80.

+Vock+, Der Handarbeitsunterricht für Mädchen an Blindenanstalten. S. 107.

+Brandstäter+, Diderot. S. 129.

+Mohr+, Der gegenwärtige Stand der Blindenfürsorge in England. S. 177.

+Jahrgang+ 1885.

+Brandstäter+, Valentin Haüy à Saint-Petersbourg. S. 33.

+Hausordnung+ der Blindenanstalt zu X. S. 37.

+Armitage+, Die Stenographie und ihre Anwendung auf die Braille-Schrift. S. 52.

+Dr. Gunning+, Sind die Blindenanstalten unbedingt zu empfehlen? S. 195.

+Jahrgang+ 1886.

+Brandstäter+, Zur Stenographie-Frage. S. 11.

+Dr. Armitage+, Zu Dr. Gunnings Ansichten über die Blindenanstalten. S. 17.

+Krohn+, Nochmals die Stenographie-Frage. S. 43.

+Mohr+, Fort mit dem Liniendruck. S. 68.

+Kunz+, Dürfen und sollen Blinde zu Sprachlehrern ausgebildet werden? S. 105.

+Peters+, Dr. Armitage, der Freund und Wohltäter der Blinden. S. 183.

+Jahrgang+ 1887.

+Dr. Armitage+, Linien- oder Punktdruck. S. 9.

+Vor mehr als 20 Jahren.+ S. 27.

+Das Royal Normal-College+ für Blinde in London. S. 89.

+Die Einweihung+ des Braille-Denkmals. S. 109.

+Marschiert Frankreich+ an der Spitze der Bewegung zur Verbesserung des Loses der Blinden? S. 153. (Antwort auf diesen Artikel 1888, S. 14.)

+Jahrgang+ 1888.

+Mohr+, Ein Kapitel aus der Geschichte des Blindendrucks in England. S. 7.

+Die Erfolge+ der Pariser Blindenanstalt. S. 32.

+Perry+ (blind), Die Erziehung blinder Kinder. (Trotz vielfacher Übertreibungen enthält der Artikel doch manche bedeutsamen Winke.) S. 53.

+Brandstäter+, Musikalisches. S. 91.

+Jahrgang+ 1889.

+Merle+, Der Anschauungsunterricht, die Grundlage alles Blindenunterrichts. S. 38.

+M. de la Sizeranne+, Der musikalische Unterricht für die Blinden. S. 97.

+Brandstäter+, Immer für Braille. S. 134.

+Jahrgang+ 1890.

+Ruppert+, Reiseerinnerungen eines Blindenlehrers an Italien. S. 1.

+Die Musikschriftfibel.+ S. 23.

+Dr. Jerusalem+, Laura Bridgman. S. 40.

+Mohr+, Aus dem Bericht der Königl. Kommission über das Blindenwesen in England. S. 53. (Bemerkungen hierzu S. 102.)

+Moldenhawer+, Von der Disziplin in den Blindenanstalten. S. 120.

+Jahrgang+ 1891.

+Mell+, J. G. Knies Briefe an J. W. Klein. S. 32.

+Prof. Dr. Marschall+, Die menschliche Hand, eine anatomisch-physiologische Betrachtung. S. 41.

+Moldenhawer+, Das Lesen und Schreiben der Blinden. S. 99.

+Zur Errichtung+ einer Hochschule der Musik für Blinde. S. 209. (1892 S. 195.)

+Jahrgang+ 1892.

+Beschulung+ blinder usw. Kinder nach dem Volksschulgesetzentwurf des preußischen Unterrichtsministers Grafen von Zedlitz-Trützschler. S. 17.

+Prof. Dr. Cohn+, Credés Verdienste um die Augen der Neugeborenen. S. 87.

+Aldrich+, Sollen die Blinden heiraten? S. 93.

+Heller+, Die Blindenbildung und ihre Bedeutung für die Erziehung des Menschengeschlechts. S. 91.

+Preußisches Gesetz+ vom 11. Juli 1891 betreffend die hilfsbedürftigen Geisteskranken, Idioten, Epileptischen, Taubstummen und Blinden. S. 129.

+Libansky+, Über die Erziehung der Blinden in Amerika. S. 134.

+Froneberg+, Die Exkursionen im Dienste des Blindenunterrichts. S. 143.

+Jahrgang+ 1893.

+Pariser Briefe+ eines Typhlophilen. S. 103, 113, 162, 177.

+Unterrichte+ anschaulich. S. 106.

+Pötsch+, Wahrheit und Dichtung über Blinde. S. 124.

+Jahrgang+ 1894.

+Prof. Saemisch+, Die Entwickelung der modernen Augenheilkunde. S. 49.

+Kunz+, Ausbildung eines taubstummblinden Mädchens. S. 81.

+Die Liebe+ des Blinden. S. 127.

+Blindenerzieher-Kongreß+ in Chicago im Juli 1893. (Enthält wichtige Angaben über das amerikanische Blindenwesen.) S. 119.

+Zech+, Das Zeichnen in der Blindenanstalt. S. 145.

+Jahrgang+ 1895.

+Gigerl+, Die Hand, ihre Kräftigung und Schulung durch Finger- und Handgelenk-Gymnastik im Dienste des Blindenunterrichts. S. 15.

+Rosalie Euvrard+, Von dem Nutzen einer Übungsklasse in den Blindenschulen, um die Blinden zur Erteilung von Musikstunden an die Sehenden zu gewöhnen. S. 117.

+Prof. Dr. Dufour+, Physiologische Studien über die Blindheit. S. 121.

+Prof. Wiedemann+, Zur Geschichte der Blindenbildung. (Über die Erziehungs- und Lehranstalt der Blinden zu Paris.) S. 177.

+Köhler+, Eine Plauderei über das Hospitieren. S. 186.

+Jahrgang+ 1896.

+Aus alter Zeit.+ (Der erste deutsche Blindenlehrer und sein Schüler: Christian Niesen u. R. Weißenburg.) S. 40.

+Büttner+, An die unverheirateten Entlassenen. S. 58.

Petitionsbericht betr. die Errichtung einer +Musikhochschule+ für Blinde von der Kommission für das Unterrichtswesen im preußischen Abgeordnetenhause. S. 97 Entgegnung S. 177.

+Mell+, Über den Kontakt des blinden Kindes mit der Natur. S. 135.

+Freudenberg+, August Zeune. S. 141.

+Kull+, Die Blinden im Orient. S. 155.

+Jahrgang+ 1897.

+Prof. Dr. Cohn+, Über den Einfluß der Impfung auf die Abnahme der Erblindungen. S. 22.

+Handarbeitsunterricht+ eines blinden Mädchens. S. 60.

+Prof. Franz Pleß+ (Autobiographie). S. 97.

+Neuburger+, Die häufigsten Ursachen der Erblindung und deren Verhütung. S. 129 u. Jhrg. 1898 S. 16.

+Aus alter Zeit.+ Briefe von und an Weißenburg. S. 138.

+Dr. Steffan+, Wie kommt der Mensch zum vernunftmäßigen Gebrauch seiner Sinnesorgane?

+Einige+ vornehme Blinde. S. 188.

+Jahrgang+ 1898.

+Hörende Finger+ (Lorms Fingeralphabet). S. 26.

+Gesetzliche Bestimmungen+, Blinde betreffend, in Deutschland. S. 33.

+Über die Sinnestätigkeit+ der Blinden. S. 129.

+Jahrgang+ 1899.

+Brandstäter+, Aus der Schule. S. 1.

+Lembcke+, Besprechung von „Hitschmann, Über die Prinzipien der Blindenpädagogik“. S. 66.

+Brandstäter+, Nochmals Friedrich Hitschmann. S. 215.

+Von den Museen+ des Blindenunterrichts. S. 106.

+Prof. Dr. Zoth+, Griesbachs neue Untersuchungen über die Sinnesschärfe Blinder und Sehender. S. 145.

+Zech+, Aus der Praxis des Blindenunterrichts. S. 209.

+Jahrgang+ 1900.

+Zech+, Gedanken über den naturgeschichtlichen Unterricht in der Blindenschule. S. 19.

+Ders.+, Der Schulgarten, ein Lehrmittel für den botanischen Unterricht in der Blindenschule. S. 37.

+Reglement+ der Bibliothek Braille in Paris. Geschäftsbericht der Bibliothek für das Jahr 1898. S. 76.

+Nathan+, Blinde Konzertgeber. S. 86. Äußerungen hierzu. S. 126 und 192.

+Buchwald+, Eine Zentralbibliothek für die deutschen Blinden. S. 92.

+Zech+, Brauchen wir ein Reallesebuch? S. 206.

+Jahrgang+ 1901.

+Lötzsch+, Unsere schwach beanlagten Blinden. S. 10 u. 48.

+Fischer+, Wilhelm Ludolph Lachmann. S. 20.