Part 4
Es muß hier darauf hingewiesen werden, daß der Kammweg, wie vorstehend geschildert, über Preßnitz markiert wurde, daß man aber hierbei etwas weit vom eigentlichen Gebirgskamme abgewichen ist. Es geschah in der Hoffnung, daß man die Markierung über den Haßberg werde führen können, was zur Zeit noch nicht ermöglicht werden konnte. Vorläufig kann daher nur als +Nebenroute+ des Kammweges die der Wasserscheide sich mehr nähernde Trasse gelten, welche als Kammweg vorzuziehen wäre. Es führt diese von Sebastiansberg zur südw. Ecke der Stadt hinaus durch das Sonnenberger Forstrevier nahe der Eisenbahn Krima--Preßnitz über den Basberger Hau, überschreitet die Eisenbahn nördlich vom Reischberg und leitet zu diesem 873 ~m~ hohen Berge, wo sich eine prächtige Rundsicht, besonders nach Böhmen zu, bis zum Karlsbader, Duppauer und Mittelgebirge erschließt. Ein Abstecher von hier über den Galgenberg nach der Stadt +Sonnenberg+ mit ihrer weithin sichtbaren Kirche ist zu empfehlen. Die Kammwegmarkierung würde vom Reischberg bei Eisenbahnstation Preßnitz-Reischdorf südlich vorbei, über Pöllma-Höhe und nach Passierung der Eisenbahn auf hoher Überbrückung an Station Kupferberg vorbei nach Stadt Kupferberg zu führen sein.
Der +Kupferhübel+ bei Kupferberg ist als ein besonders hervorragend schöner Aussichtspunkt im Erzgebirge bekannt und wird seit langem, auch von Sachsen aus, viel besucht, da er vom Bahnhofe und von der Stadt leicht und bald zu erreichen ist, auch schon lange ein Restaurationsgebäude neben der weithin sichtbaren kleinen Kapelle trägt und als Rundsicht alle diejenigen Ausblicke vereinigt, die auf den Zugangswegen zu diesem kahlen Berggipfel zu genießen waren. (Siehe: Berlet's Wegweiser durch das sächs.-böhm. Erzgebirge, Annaberg, R. Liesche.)
Als Sehenswürdigkeit von Kupferberg gilt ein etwa 800 ~m~ unterhalb der Stadt an der Straße nach Steingrün und Pürstein zu bemerkendes Felsgebilde, welches einer liegenden »Sphinx« sehr ähnlich ist; von hier prächtiger Blick hinunter in das Egertal, da hier die Südseite des Erzgebirges besonders steil abfällt.
Setzt man die Wanderung auf dem markierten Kammwege von Stadt Kupferberg weiter fort, so steht dafür eine bequeme Bezirksstraße zur Verfügung, welche nach +Oberhals+ (3 ~km~) führt, bis wohin sich mehrfach Ausblicke nach Böhmen bieten. Von der Abzweigung der nach Schmiedeberg führenden Nebenstraße tritt unser Wanderweg in hohen Bestand ein und endet bei ~km~ 4,₁₃₅ an der Grenze des Forstreviers Orpus der Domäne Preßnitz, (zugleich Bezirksgrenze Kaaden-Joachimstal). Von dem daselbst befindlichen Langenhauer Hegerhaus führt die Straße in hohem Waldbestand weiter und gewährt nun an der Wegabzweigung nach Boxgrün einen Ausblick auf Königsmühle, Stolzenhainer Forsthaus, Kalkwerk und die Gegend bei Weipert. In bequemer Wanderung von 2 bis 2½ Stunden ab Kupferberg gelangt man an ein Forsthaus und daneben eine Gastwirtschaft (+Mauthaus+), wo man Einkehr halten muß, wenn man Auskunft für einen lohnenden Abstecher nach den Wirbelsteinen bedarf.
Die im Hauensteiner Revier gelegenen +Wirbelsteine+ findet man leicht, wenn man auf der gräflichen Privatstraße nach Hüttmesgrün vom Forsthaus etwa 1 ~km~ südöstlich ansteigt und den gekennzeichneten Waldweg r. abgeht; der Wirt im Mauthaus führt auf Ersuchen zum nördlichen Felsgipfel direkter auf einer schmalen Waldschneise. Jedenfalls muß man beide Felszacken erklettern, wenn man die sich bietende schöne Aussicht vollständig genießen will. Mehr als 1 Stunde erfordert dieser kleine Abstecher kaum an Zeit.
Vom Mauthaus auf der Straße weiter wandernd tritt man bald, an der Grenze der Bezirkshauptmannschaften Kaaden und Joachimsthal, aus dem Waldbestande heraus und genießt nun den Blick in das von Stolzenhain nach Weipert und Bärenstein sich hinunterziehende Wiesental, in welchem beiderseits der Grenze Böhm.-Wiesental und in Sachsen Unter- und Oberwiesenthal gelegen sind, überragt von den beiden höchsten Kuppen des Erzgebirges, dem Keilberge und Fichtelberge.
Die bequeme Straßenwanderung endet jedoch bald bei dem 2 ~km~ entfernten +Gasthause zum Hofberg+, wo unsere Bezirksstraße in die von Joachimstal nach Weipert führende Kaiserstraße (~km~ 30,1) einmündet.
Während sich die Kaiserstraße r. nach Wiesental hinabsenkt, steigt sie in gerader Richtung am Hang des Keilbergs aufwärts, muß aber vom Kammwegwanderer schon nach etwa 100 ~m~ verlassen werden, denn weit hin sichtbar kennzeichnet eine blaue Tafel und das bekannte Kammwegzeichen, daß nach l. ein Fußsteig abzweigt, welcher den sogenannten bequemen Aufstieg zum Keilberg bildet. (31 ~km~ nach Sebastiansberg). Dieser Aufstieg zum Gipfel der höchsten Bergesspitze des Erzgebirges ist wohl nicht zu verfehlen, da sich bisher schon zahlreiche Marken vorfanden, welche die Erzgebirgsvereine Kupferberg und St. Joachimstal anbringen ließen [ × schwarz/gelb ] in weißem Felde. Im oberen Teile fällt dieser Fußweg zusammen mit der für Hörner- und Rodelschlittenfahrt sowie Skilauf abgesteckten Fahrbahn, denn bei guten Schneeverhältnissen ist der Verkehr in dem obersten Teile des Gebirges fast noch lebhafter als im Sommer. Jedenfalls wird man erstaunt sein, auf den beiden höchsten Bergspitzen, Bauten zu finden wie wir sie früher nur in bevorzugten Gegenden deutscher Mittelgebirge antreffen konnten.
Der Kaiser Franz Josefs-Turm auf dem +Keilberge+ ehrt seinen verdienstvollen Anreger, k. k. Bezirksschulinspektor Wenisch, früher in Joachimstal jetzt in Teplitz. Die daneben aufgeführten Bauten bieten reichlich Unterkunft und gute Verpflegung. Die weite Aussicht wird dem Besucher in bester Weise durch vorhandene Schriften und Zeichnungen (Panoramen) erläutert. (S. Berlet's Erzgebirgsführer).
6. Abschnitt.
Keilberg--Platten (21 ~km~).
+Zugangswege+: Zum Keilberg gelangt man von den Eisenbahnstationen Schmiedeberg und St. Joachimsthal in Böhmen oder von Oberwiesenthal in Sachsen. Von St. Joachimsthal verkehrt eine Fahrpost nach Wiesenthal, die man benutzen kann bis dahin, wo die Straße zum neuen Haus abzweigt. Im Sommer ist für die Karlsbader Kurgäste ein täglicher Omnibusverkehr von Bahnhof Joachimstal zum Keilberg eingerichtet.
Vom Unterkunftshause auf dem +Keilberg+ benutzt man zunächst die neue Bergstraße, welche uns zu der (bei Gasthof Hofberg) verlassenen Reichsstraße (~km~ 27,38) führt. Auf dieser Straße vorbei bei den +Sonnenwirbelhäusern+ (~km~ 26,9 und 26,7) dorthin, (~km~ 25,7), wo die von Sachsen (Oberwiesenthal) kommende Straße rechtwinkelig einmündet.
Es hat sich notwendig gemacht, hier eine +Abzweigung des Kammweges+ einzuführen und zu bezeichnen. Diese einzige Ausnahme bedingt die über 300 ~m~ unter dem Gipfel des Keilberges liegende sächsische Stadt +Oberwiesenthal+, die höchstgelegene Stadt Deutschlands, und das in Böhmen benachbart gelegene Städtchen +Wiesental+.
Ein steiler Fußsteig führt vom Keilberg hinab zur Kaiserstraße, welche man nahe dem Kilometerst. 29 überschreitet und auf steilem Fußsteige dann hinab zur Mühle an der Reichsgrenze (Stein 424) gelangt.
Vom Keilberg kann man auch die Bergstraße benutzen bis zur Kaiserstraße und auf dieser (von ~km~ 27,38) bis zu dem erwähnten Kilometerstein 29 auf bequeme Weise mit Umweg gelangen. Will man auch den weiteren steilen Abstieg vermeiden, so folgt man der Kaiserstraße weiter bis zum Gasthause zum Hofberg (siehe 5. Abschnitt) und kann auf der Kaiserstraße hinab nach +Böhm.-Wiesental+ (900 ~m~, 1156 E.) gelangen. Auf dem als Kammweg markierten Fußsteige oder auf der Straße erreicht man in etwa 1 Stunde von der Höhe des Keilberges die nur durch den hier die Reichsgrenze bildenden Bach getrennte sächsische Stadt +Oberwiesenthal+ (Markt 918 ~m~, 1799 E.) mit anstoßendem Städtchen +Unterwiesenthal+ (723 E.)
In Oberwiesenthal auf dem Markte ein sehenswertes Alpinum mit Pflanzen des Erzgebirges und Alpengebietes; Posamenten- und Handschuh-Erzeugung, Klöppelei.
Gasthäuser: Rathaus, Stadt Karlsbad mit einem Logierhaus und Badehaus, Deutscher Kaiser.
Starker Besuch von Touristen im Sommer und Wintersportfreunden, weshalb auf der Nebenbahn von Cranzahl auch Sonderzüge abgelassen werden.
Die größte Zahl aller nach Oberwiesenthal kommenden Fremden besucht beide höchsten Berggipfel des Erzgebirges (Keil- und Fichtelberg) oder mindestens den Fichtelberg, der bequem auf Fußweg beim Springbrunnen vorbei oder auf der steileren für die Hörnerschlittenfahrt hergestellten Fahrbahn in 1 Stunde erstiegen werden kann.
Der +Fichtelberg+ (1214 ~m~) ergänzt die Aussicht des Keilberges nach Norden über das sächsische Erzgebirge, Mittelgebirge und Nordrandgebirge hinweg. Aussichtsturm und Unterkunftshaus mit Bewirtschaftung und vielen Schlafstätten (S. Berlet, Erzg. R. XII.)
Von Oberwiesenthal führt die Fahrstraße zum Gasthaus am Fichtelberg (Neues Haus) und von hier auf dem Prinzenweg zum Fichtelberghaus. Bleibt man auf der Straße, so überschreitet man sehr bald die Landesgrenze und erreicht (bei ~km~ 25,7) die von Weipert nach St. Joachimstal führende Reichsstraße, welche der Kammweg von den Sonnenwirbelhäusern benutzt hatte und in welche hier die über Böhm.-Wiesental, Oberwiesenthal und den Fichtelberg (siehe vorstehend) gelegte Kammweg-Abzweigung einmündet, wenn man vom Fichtelberghaus den Fürstenweg hinab zum Neuen Haus geht. Die Reichs- oder Kaiserstraße vereinigt die von Keil- und Fichtelberge kommenden Wege (bei ~km~ 25,7) und bringt uns bald auf dem Kammwege nach:
+Gottesgab+ (1017 ~m~, 2610 E.), ist der höchstgelegene Ort Mitteleuropas; er hat ansehnliche Spitzenindustrie und starken Weinschank, da viele Touristen, besonders von Sachsen her, hier gern Einkehr halten.
Gasthäuser: Grünes Haus, Hotel Wien, Tiroler (Anton Günther.) Weinstuben: Oppl mit Logierhaus und Kranl.
Wer nicht von St. Joachimstal aus zum Keilberg gekommen ist, wird entweder vom Keilberg direkt (z. B. über die Pfarrwiese) oder über Gottesgab hinabsteigen nach der interessanten alten Bergstadt +St. Joachimstal+, welche in historischer, bergbaulicher und naturwissenschaftlicher Hinsicht sicher jedem Besucher lohnende Ausbeute zu gewähren vermag, auch als Fundort der radiumhaltigen Uranerze in neuester Zeit vielfach erwähnt wurde.
Als Kammweg dient auch von hier aus noch die Kaiserstraße weiter bis ~km~ 22,0, wo sie sich scharf l. und hinab nach St. Joachimstal wendet, während die Kammwegmarke nun die hier r. abzweigende Bezirksstraße (nach Abertham und Bärringen) verfolgt, auf welcher man in etwa 10 Min. wiederum eine Straßenteilung erreicht, da r. eine Nebenstraße zu den Försterhäusern und weiter nach Seiffen führt. Dem Telegraphengestänge nachgehend führt die Kammwegmarke in ½ Stunde bei den r. liegenden Einzelhäusern von Werlsberg vorbei und verläßt bei Telegraphenstange 132 (etwa 1 Stunde von der Kaiserstraßenecke) die Bezirksstraße, da ein Waldweg (auch Marke, grünes schief gestelltes Kreuz in quadratischem weißen Felde) bei Forsthaus »Weite Wiese« vorbei uns hinauf zum +Pleßberg+ (1027 ~m~) geleitet. (17,5 ~km~ vom Keilberg.) Die Wegteilungen vorher können kaum irre führen, denn die Warte auf dem oben kahlen Berge ist meist sichtbar und deshalb bieten sich auch schon im Anstiege schöne Rückblicke, besonders auf den Keilberg, den Fichtelberg und die Umgebung von St. Joachimstal.
Die Warte, vom Verein der Naturfreunde in Abertham errichtet, bietet weite Ausschau, doch empfiehlt es sich auch den angebauten Turm zu besteigen, um die ganze Rundsicht voll genießen zu können. Der bisher kahle Berggipfel ist mit vielem Fleiß bepflanzt worden, sodaß später der steile Anstieg vielleicht in schattigem Hochwald wird zurückgelegt werden können.
Hinab zur Stadt +Abertham+ führt ein Weg, an dessen unterem Teile zu beiden Seiten Bäume angepflanzt sind und welcher auf die (am Forsthaus Weite Wiese) von uns verlassene Bezirksstraße einmündet. Diese durchzieht das ganze Städtchen, welches durch schwunghaft betriebene Handschuhindustrie bekannt ist und wo ein Photograph in interessanter Weise Mikrophotographien herstellt. Zum Hotel Stadt Wien (oberhalb der Kirche), wo der Kammweg von der weiter nach Bärringen führenden Straße r. abzweigt und durch Wiesen, am Waldrand entlang über Auslauf des Wistritzbachtales zu der von Lichtenstadt nach Johanngeorgenstadt führenden Hauptstraße 1 ~km~ vor der Stadt +Platten+ (23 ~km~ vom Keilberg) gelangt.
Als +Seitentour+ von Abertham ist zu empfehlen: Besuch der Stadt +Bärringen+ unter Benutzung der Bezirksstraße, welche von Gottesgab aus begangen wurde: Spitzen- und Tüllfabriken, Mustersammlung von A. Meinl. Von hier zum +Wölfling+ oder (auch mit Benutzung der Eisenbahn bis Saifenhäusl) zum +Peindlberg+ mit Aussichtsturm.
Als +Nebentour+ des +Kammweges+ könnte auch die von +Gottesgab+ über die +Försterhäuser+ beim +Spitzberg+ (1111 ~m~) vorbei, über +Seiffen+ und +Irrgang+ am gr. +Plattenberg+ (1040 ~m~) vorbei führende Bezirksstraße nach +Platten+ in Frage kommen, doch bietet der Pleßberg eine so ausgezeichnete Rundschau, daß über ihn, obschon er etwas niedriger ist, die Kammwegroute gelegt wurde.
7. Abschnitt.
Platten--Gr. Kranichsee (25 ~km~).
+Zugangswege+: Von +Sachsen+ und +Böhmen+ aus: Eisenbahnlinie Karlsbad--Johanngeorgenstadt mit Station Platten.
Die Kgl. Bergstadt +Platten+ (868 ~m~, 2770 E.) hat den Niedergang des Bergbaues ebenso schwer empfunden, als ehemals die teilweise Auswanderung seiner Bewohner nach Sachsen, welche zur Gründung der Stadt Johanngeorgenstadt Veranlassung gab. Die Erbauung der Eisenbahn von Karlsbad nach Johanngeorgenstadt hat zunächst der Stadt vielfachen Verkehr durch Touristen gebracht, was hoffentlich auch zur Besserung der industriellen und wirtschaftlichen Verhältnisse beitragen wird.
Einen bequemen und lohnenden Spaziergang von der Stadt bildet der Besuch des +großen Plattenberges+, welcher eine schmale tiefe, jedenfalls durch Einsturz von Bergwerksbauten gebildete Binge besitzt, die in ihrer Tiefe fast in allen Sommerzeiten noch Eis und Schnee erkennen läßt.
Als +Abstecher+ von Platten aus ist zu empfehlen der Besuch der Stadt +Bärringen+ und von Eisenbahnstation Saifenhäusl aus die Besteigung des +Peindl-Berges+ mit hohem Aussichtsturm. Die Aussicht von hier ist höchst lohnend; über Neuhammer gelangt man nach Platten zurück.
Der Kammweg führt von der Stadt Platten aus unter der Eisenbahn hinweg und entlang der Häuser weiter auf der Breitenbacher Bezirksstraße, welche sich an der Eisenbahnbrücke (Wegweiser) von der über Neuhammer nach Hirschenstand und Neudeck führenden Straße getrennt hat. An der Holzstopfen- und Holzwoll-Fabrik verlassen wir die Bezirksstraße und betreten den l. nach der bewaldeten Talwand sich wendenden Waldweg. Er führt am nördlichen Hange des 996 ~m~ hohen Rammelsberges durch den Waldteil: Am tiefen Graben, nachdem wir den Zienerwiesbach überschritten haben. Auf diesem sogenannten +Kuhbrückenweg+ erreichen wir in etwa 1 Stunde die Reichs- und Landesgrenze dort, wo sie am Grenzstein ~V~ eine scharfe Spitze nach Süden bildet und die Grenze der Bezirke St. Joachimstal und Graslitz daran antrifft in einer Höhe von 956 m. Wenn auch von hier Waldwege weiter nach Hirschenstand führen, so verlassen wir doch an dieser Stelle auf längere Zeit das Böhmerland und überschreiten die Grenze, um nun eine Wanderung auf +sächsischem Gebiete+ anzutreten.
Die nun folgende Tour über den Auersberg zum Kranichsee ist die einzige Hauptstrecke des Kammweges im Bereiche des sächsischen Erzgebirges, wo Gelegenheit ist, die vom Gesamtvorstande des sächsischen Erzgebirgsvereins angeregte und durchgeführte farbige +einheitliche Wegmarkierung+ kennen zu lernen. Es sei hier nur darauf hingewiesen, daß diese Markierung ausgeführt wurde in den vier Farben: rot, blau, gelb und weiß, und aus parallelen, aufrecht oder wagrecht gestellten Strichen oder aus mehrfarbigen, schräg gestellten Kreuzen gebildet wird. Am Anfange und Ende, sowie bei Hauptkreuzungsstellen sind Wegetafeln zur Orientierung über Entfernungen und Farbenmarken aufgestellt. Dargestellt ist das Netz dieser Markierung auf der offiziellen »Wanderkarte« des Erzgebirgsvereins -- Graser'sche Buchhandlung (R. Liesche), Annaberg Komm.-Verlag = 40 Pfennig.
Zur Zeit, da dieser Führer in Druck gelangt, ist die +Markierung des Kammweges+ auf dieser sächsischen Strecke +bis+ zum +Kranichsee+ nur vorgesehen, weil sie erst im Herbst 1906 beschlossen wurde und deshalb noch +nicht ausgeführt+. Die Begehung dieser Strecke geschah vor der Markierung, in welcher jedoch voraussichtlich wenig von der nachstehenden Beschreibung wird abgewichen werden.
Nach Ueberschreitung der Landesgrenze wendet man sich nach l. (nordwestlich) und folgt den Grenzsteinen (27) 114 (26) 113 und so fort auf einem Waldwege; man gelangt am Ausgange des Tales, in welchem der Pechhofer Bach nach Breitenbach und Johanngeorgenstadt hinabfließt, am Grenzstein 111 zu einer Weggabelung, bei welcher man sich immer l. (geradeaus) hält und in Weiterverfolgung des Grenzweges bald bei Grenzstein IV zu einer breiten Schneise gelangt, auf welche der [ = rot/gelb ] markierte Weg von Hirschenstand nach Oberjugel verläuft. Wir überkreuzen denselben, bleiben in der Nähe der Landesgrenze und treffen zwischen Stein 90 und 89 auf einen gleichfalls von Hirschenstand kommenden [ || rot/gelb ] markierten Weg, der uns nunmehr von dem Grenzzuge ab zu einigen einzelnen Häusern (Waldwärter, Wirtschaft), +Henneberg+ (920 ~m~) genannt, bringt. In nächster Nähe derselben hat der Erzgebirgs-Zweigverein Johanngeorgenstadt ein hölzernes +Gerüst+ errichten lassen, welches einen interessanten Ueberblick bietet über den +kleinen Kranichsee+, ein Hochmoor mit eigenartiger Flora und Fauna. Folgen wir diesem Waldwege noch ein kurzes Stück, so gelangen wir an die Wegetafel Nr. 99, auf welcher zu finden ist die Bezeichnung [ ||| blau/weiß/blau ] (lt. Karte weiß-blau-weiß) für einen nordwärts verlaufenden Waldweg, welcher zur Höhe des »schwarzen Bär«, 936 ~m~ ansteigt, dann aber sich senkt und geradlinig hinab führt zu der Hauptstraße (Chaussee) von Johanngeorgenstadt über Wildenthal nach Eibenstock. Wir treffen auf diese bei einigen Gebäuden (ehemals Pochwerk) eines Bergwerks (Wilder Mann) -- Wegetafel Nr. 98.
Der Kammweg folgt dieser [ = blau/rot ] markierten Straße vom Kilometerstein 29,3 bis Kilometerstein 28,2 durch das Dorf +Steinbach+ (840 ~m~, 216 E.). In seiner Umgebung erblicken wir neben einigen Torfstichen zahlreiche Halden als Ueberreste des früher in der Umgebung von Eibenstock rege betriebenen Saifenbergbaues auf Zinn, welcher die Zersetzungsprodukte der zinnhaltigen Erzgänge des Granites erschloß.
Von hier verläßt der Kammweg die Straße, um einem blau-rot markierten Waldweg zu folgen, der zwischen den Torfstichen r. abzweigt und bei einigen einzelstehenden Häusern -- +Sauschwemme+ genannt -- an der Wegetafel 107 vorbei zu dem [ × blau/weiß ] markierten Hauptflügel 31 führt, einem Wirtschaftsstreifen, der von Norden nach Süden über den 1018 ~m~ hohen +Auersberg+ gelegt ist. In bequemem Anstieg und nach einer etwa 10 ~km~ langen Wanderung auf sächsischem Gebiete gelangen wir bei Wegetafel 112 zu dem alten Aussichtsturme auf den dritthöchsten Gipfel des Erzgebirges -- Unterkunftshaus daneben in Errichtung. -- Betr. Aussicht siehe Berlet's Erzg. R. VIII.
Nicht zu verfehlen ist der Abstieg auf dem (überdies [ × blau/rot ] markierten) Zickzackweg nach +Wildenthal+ (720 ~m~, 397 E.) eine sehr beliebte Sommerfrische, auch viel besucht von den Bewohnern des wohl eines Besuches werten Städtchens +Eibenstock+. Nach etwaigem Aufenthalt in dem viel besuchten Gasthof zu Wildenthal setzt man die Kammwegwanderung fort und folgt (der Angabe auf der großen dort aufgestellten Orientierungstafel gemäß) zunächst der Johanngeorgenstädter Straße aufwärts bis dahin (unterhalb des stattlichen Forstgehöftes), wo wieder eine Wegetafel anzeigt, daß die r. abzweigende Straße nach Frühbuß und Sauersack eingeschlagen werden muß. Sie bildet zugleich, als [ || gelb/weiß ] markiert, den die Straße abkürzenden, bei Kilometerstein 1,6 l. abzweigenden Weg nach Weiters Glashütte (und Weiters Wiese), sowie den Kommunikationsweg nach Carlsfeld, welcher ([ = rot/gelb ] markiert) bei Kilometerstein 2,9 von unserer Hauptstraße r. abbiegt. Bei Kilometerstein 3,8 erreicht die Straße +Weiters Glashütte+ (eine alte Glashütte) mit Zollhaus, doch verlassen wir dieselbe bei Kilometerstein 4,0, um dem gelb weiß markierten Wege nach +Weiters Wiese+ zu folgen; dies sind einige Waldwärterwohnungen an der [ || blau/weiß ] markierten Waldstraße, welche von Carlsfeld kommt.
+Carlsfeld+ (1781 E.) mit interessanter kleiner Rundkirche, Glashütte etc. ist Endstation der von Wilkau über Wilzschhaus kommenden Flügelbahn.
Wir treffen die Waldstraße bei Wegetafel 109 ~a~ und folgen ihr etwa 10 Min., wo wir bei Wegtafel 109 ~b~ einen l. abgehenden Fußweg erreichen, der direkt hinein führt in den +Großen Kranichsee+, das größte Hochmoor des Erzgebirges. Für die Besichtigung empfiehlt sich Vorsicht; bei trockener Jahreszeit kann man bis zu den Landesgrenzsteinen, die sich mitten durch den See ziehen, gelangen.
8. Abschnitt.
Gr. Kranichsee--Zwota (29 ~km~).
+Zugangswege+: ~a~) von +Sachsen+: Bahnlinie Wilzschhaus--Carlsfeld; Endstation nach dem Kranichsee 3 ~km~. ~b~) von +Böhmen+: Bahnlinie Karlsbad--Johanngeorgenstadt. Von Station Hochofen über Frühbuß oder von Neuhammer über Hirschenstand 13 ~km~.
Der von der böhmisch-sächsischen Landes- bezw. Reichsgrenze durchschnittene +Große Kranichsee+ ist das größte Hochmoor im Gebiete des Erzgebirges, in einer Höhe von 920 ~m~ gelegen und zwei Stunden Gehweges im Umfang; er enthält ein ansehnliches Wasserquantum, welches die Zuflüsse der Zwickauer Mulde und der Zwodau (Zwota) speist. Sumpfkiefern, Moosbeersträucher und Riedgräser ragen über das dichte Moosbett heraus, dazwischen einzelne offene Wassertümpel. Vorsicht beim Durchwandern ist geboten. -- Berlet, Erzg. R. XVIII.
Der Kammwegwanderer verläßt auf dem Fußweg das Moorgebiet und betritt bei der Wegetafel 109 ~b~ die als Kommunikationsweg von Weiters Glashütte nach Obersachsenberg ausgebaute Waldstraße, welche auch als +Schwerdterstraße+ bezeichnet wird. Sie tritt sofort am Ende der Waldabteilung 76 des Glashütter Reviers in das Gebiet des ehemaligen Vogtländischen Kreises ein. Der Grenzflügel läßt l. eine scharfe Ecke der Landesgrenze mit Grenzstein I ~K. B.~/~K. S.~ erkennen, die Straße selbst trägt neben der Kammwegmarke die Zeichen [ = weiß/gelb ] und [ || blau/weiß ]. Die erstere Marke gilt dem Kommunikationsweg nach Sachsengrund, welcher nach etwa 1 ~km~ bei Wegetafel 110 ~a~ am Brücken- oder schwarzen Teich r. abzweigt in das Tal der großen Pyra sich hinabziehend. Wir folgen der Schwerdter Straße (blau weiß) weiter und gelangen bald an die Landesgrenze, der wir nun auf eine lange Strecke folgen.
Hierbei ersteigen wir eine Höhe von 945 ~m~, zwischen dem 956 ~m~ hohen +großen Rammelsberg+ und dem großen Hirschberg; von hier senkt sich unser Weg wieder abwärts bis zu einer manneshohen Grenzsäule, die »weiße Frau« genannt, nahe einer scharfen Ecke des Grenzzuges bei Grenzstein 628.