Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes

Part 8

Chapter 83,552 wordsPublic domain

Ach, ich wüßte nichts von unserm armen Hirtenleben, das wir dem Kindlein könnten geben, doch wollen wir singen ein schönes Liedelein zu Ehren dem schönen Kindelein!

=Die Hirten= und Chor mit Begleitung

(Gottesgaber Krippenlied.)

=Die Hirten.=

Lieber Bruder geh auch mit mir, nimm den Dudelsack zu dir, Pfeifen und Fagott! Gehen wir nach Bethlehem, zu der Stadt Jerusalem, :,: zu dem Jesuskind! :,:

(Die Hirten ab.)

Vorhang fällt.

Chor singt weiter:

Treten wir zum Stall herein zu dem Jesuskindelein, singen wir alldort! Friert denn nicht das kleine Kind? 's geht ja durch und durch der Wind, 's ist wahrhaftig schlecht, 's ist wahrhaftig schlecht.

Wenn ich nur ein Häusel hätt, das auf Grund und Boden steht in der Stadt allein; wollt ich ja dich, kleines Kind, somt der Mutter nehmen geschwind in mein Häusel nein.

Wieg und Bett, das hab ich schon, daß mans Kindlein wiegen kann, wenn das Kindlein weint; Mehl und Milch, das hab ich schon, daß ein Brei man kochen kann, wenn das Kindlein weint.

5. Das Krippenspiel.

=Der Wirt= _tritt vor dem vordersten Vorhang_.

(Mildenauer Engelschar.)

Singet und springet und freuet euch alle, denn Jesus ist heut geboren im Stalle. Jesus ist zu uns vom Himmel gekommen, jauchzet, frohlocket und singt, ihr Frommen. Ihr Vöglein in Lüften tut fröhlich nun singen, und tut dem Kindelein Bettelein bringen, zauset und mauset euch Federlein raus, machet dem Kinde Bettelein draus.

[Ab.]

Das Harmonium setzt mit dem Vorspiel zum Kindelwiegenlied ein. Der Vorhang geht auf.

Der Stall. Maria und Joseph, in der Krippe das Kind.

Die Szene wird _nur_ durch Josephs Stallaterne beleuchtet.

=Maria= _(singt.)_

Joseph, lieber Joseph mein, Hilf mir wiegen mein Kindelein! Gott, der wird dein Lohner sein im Himmelreich, der Jungfrau Kind Maria.

=Joseph.=

Gerne, lieb Maria mein, möcht ich wiegen dein Kindelein, da des Kindes Wiegelein ist dies kalte Krippelein, Maria.

=Beide.=

Englein, die ihr uns umschwebt, dient dem Kind, euer Stimm erhebt, singt Gloria,

=Chor der Engel= _(hinter der Szene.)_

~Gloria in excelsis Deo!~

=Die Hirten= _(draußen.)_. (Neudorfer Engelschar.)

Holla! Holla!

=Joseph.=

Wer da? Wer da?

(Die Hirten treten ein.)

=Der erste Hirt.=

Liegt hier das Kindelein, das unser Herr soll sein?

=Joseph.=

Hier liegt es in der Mutter Schoß ganz arm und elend, nackt und bloß.

=Der 2. Hirt.=

Was bringt es Gutes mit, und warum ist es kommen?

=Maria.=

Damit der ewge Fluch von euch sei weggenommen, stellt es sich in der Welt aus Liebe zu euch ein und will auch wiederum mit Lieb verehret sein.

=Der 3. Hirt.=

O allerschönstes Kind, sei tausendmal willkommen! Durch dich wird aller Schmerz und Not hinweggenommen, O teurer Himmelsprinz, wie schöne siehest du! Hab Dank, daß du der Welt hier bringest Fried und Ruh!

=Die drei Hirten= _(singen.)_[19]

Bethlehem, uns wundert alle, wie es immer zu mag gehn, daß in einem kleinen Stalle kann des Himmels Glanz entstehn. Hat denn nur der Sterne Menge Raum in einer solchen Enge?

Aber du, o Mensch vor allen Hebe deine Stimm empor, laß dein Freudenlied erschallen dort in jenem Engelchor, daß den Hirten auf der Weide heut verkündigt solche Freude.

Lebendes Bild. Das Harmonium leitet über zu dem _Chor_: _Vom Himmel hoch, ihr Engel kommt!_

Vom Himmel hoch, ihr Engel kommt! Eia! Eia! Susani, Susani, susani! Kommt, singt und springt Kommt pfeift und trommelt Alleluja! Alleluja! Von Jesus singt und Maria!

Während des Gesanges füllt sich der Hintergrund mit großen und kleinen Engeln, die sich malerisch um den Stall gruppieren.

Singt Fried den Menschen weit und breit! Eia! Eia! Susani, susani, susani! Gott Preis und Ehr in Ewigkeit Alleluja! Alleluja! Von Jesus singt und Maria!

Der Vorhang fällt.

6. Das Königsspiel.

Während der letzten Strophen des folgenden Liedes zieht die Königschar ein. Ordnung: Sternträger, die drei Könige, Herodes mit seinem Hofstaat, in einiger Entfernung der Tod.

=Chor= _(hinter der Szene.)_

Die heilgen drei Könige mit ihrigem Stern will ich euch besingen, ihr Fraun und ihr Herrn! Ihr Stern gab allen den Schein, ein neues Jahr geht uns herein.

Sie kamen aus ihrem Dörfel hinaus, Der Melchor der macht gleich den andern voraus, und beten und singen gar schön das Kyrieleison.

Sobald als sie kamen zum Dörfel hinaus, guckt wieder der Stern aus den Wolken heraus, und führt uns hinab auf das Sträßel ins Krippel zum Ochsen und Esel.

Schnell zieht König Kasper die Geldbörse raus St. Melchor, der opfert ein Blumenstrauß, Der Balzar ein paar Pfund Weihrauch da lächelt das Kindlein auch. Die heilgen drei Könige mit ihrigem Stern, sie essen und trinken und bezahlen nicht gern. Ihr Stern gab uns allen den Schein, ein neues Jahr geht uns herein.

=Kasper.= (Thalheimer Spiel.)

Ich, König Kasper aus Hustitz, ich besitze zwar großen Verstand und Witz, wie daß ich aber seh gewiß, daß der Stern erschienen is!

(Er zeigt hinauf.)

=Melchior.=

Ich König Melchor aus Griechewitz, ich besitze zwar großen Verstand und Witz, wie daß ich aber sah gewiß, daß der Stern erschienen is.

(Er zeigt hinauf.)

=Balthasar.=

Ich bin der Schwarze aus Mohrenland, ich, König Balzar aus Oriant werd ich genannt, ich sags euch frei nach meinem schlechten Verstand gewiß, daß der Stern erschienen is.

(Er zeigt hinauf.)

=Kasper= (Löwenhainer Spiel.)

Ich muß mir doch voritzt von Herzen gratulieren, da uns der liebe Gott tut so zusammenführen, die wir in gleicher Gunst einander zugetan; dazu was zeigt sich dort an jenem Himmelsplan? Ich habe einen Stern ganz neu und hell ersehn, daraus ich schließen muß, es sei was Neues geschehn: Gott hat ein großes Licht uns Heiden angezünd, die wir voritzo sind gewesen gänzlich blind.

=Melchior.=

Ich habs auch also absolviert: Mein Herz befind sich so gerührt, daß ich schließ draus ohne Heuchelei, daß ich bekenne froh und frei: Der Juden König ist geboren, den Gott hat ewig auserkoren; Denselben wollen wir beten an, weil Gott uns solches kundgetan.

=Balthasar.=

Ihr Herren, ich stimme auch mit ein zu reden von diesem Sternenschein; dieweil sein Glanz bestrahlt mein Herz und sich entzünd wie eine Kerz. Die Juden werden nicht allein zu dieser Gnad berufen sein, die sie vielleicht erkennen nicht, drum zeigt uns Gott dies Heil und Licht.

=Kasper.=

Wohlan, ihr Herrn, ich bin bereit zu schauen diese Herrlichkeit, die uns der Herr hat kundgetan. Wer macht sich mit mir auf die Bahn zu folgen diesem Sterne nach, bis wir antreffen dies Gemach, wo dieser König residiert? -- Der Stern uns gewißlich dahin führt!

=Melchior.=

Kein Geld und Gut mich dauern mag, ich zieh mit hin bei Nacht und Tag, bis daß ich finde dieses Heil, dann geb ich ihm mein Herz zu Teil!

=Balthasar.=

In Gottes Namen wag ichs mit, der Engel Gottes uns behüt, und führ uns zu dem Kindelein, so wollen wir ihm dankbar sein.

(Sie ziehen ab.)

Vorhang zu.

Die Orgel, bezw. die Musik spielt eine Strophe des heilgen Drei-König-Liedes.

_Vordere Bühne._ Thronsessel. Gardeson[20] und Laban.

=Gardeson.=

Meine Herren, schön guten Tag oder Nacht, guten Abend, weiß ich doch selber nicht, wie ich in der Zeit bin, so wünsch ich Sie allen insgesamt nach dem neuen Jahr eine rechte, große, lange, dicke, fette Fastnacht oder eine Bratworst!

Haben Sie dabei was Gutes zu trinken oder zu essen, so tun Sie meiner auch nicht vergessen. Es mag sein Gebratens, Gesottens, Gekochts, Gepochts, Bier oder Wein -- so will ich allezeit ohne Entgeld ihr Gast mit sein.

=Laban.=

Solche Narren find man überall.

=Gardeson=

(fährt ihm mit einem Tuch über den Mund.)

Ein Fuchsschwanz ist kein Nimmerzahl; nimm du dir einen Pfifferling, wisch dir dein Maul ab allzumal.

=Laban.=

Gardeson, du sollst zum König komm!

=Gardeson.=

Ja, ja! Du hast mich gewiß schon verklagt.

=Herodes= _(tritt auf.)_

=Gardeson= _(verneigt sich vor ihm.)_

Herr König, ich bin schon da!

=Herodes.=

Gardeson, wo bist du so lange gewesen? Ich werde dir den Küchenmeister eine Lektion lassen lesen.

=Gardeson.=

Geduld, Herr König, ich ging spazieren, zu sehen was Neues tät passieren Da fand ich, der Kuckuck sagt es mir, daß bei einer guten Kanne Bier man öfters viel erfahren tut -- ich sags Ihnen zwar mit schlechtem Mut: Herr König, tun Sie mich nicht verraten, sonst möcht ich kriegen den Kuckuck zum Braten.

=Herodes.=

Vertrau mir, Gardeson, geschwind, was hörest du vor neue Find'?

=Gardeson.=

Herr König, es sind Kundschafter da!

=Herodes.=

Du bist ein Narr, das weiß ich ja; du glaubst alles, was man sagt.

=Gardeson.=

So laß mich forthin unbefragt.

Die Könige treten auf.

(Thalheimer Spiel.)

=Balthasar.=

Glück und Sieg nach stetem Frieden sei mit dir, König aus Judäa!

=Herodes.=

Meinen untertänigsten Dank sagt man den Herren frei, Sie sind mir willkommen, die Herren alle drei. Sie sollen mir aber Bescheid tun, wer sie sein, Denn ihre Gestalt ist fremd, desto wichtiger muß ihre Sache sein.

=Balthasar.=

König Herodes, wir sind in seiner Gewalt, und demütigen uns, für seiner Gestalt. Was aber unsere Verrichtung sei? Wir wollen fragen, wo der neugeborene König der Juden sei. Denn wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland, weit von fern, Und sind deswegen gekommen an, Das liebe Kind zu beten an.

=Herodes.=

Hu! Ich weiß von keinem König nichts, ich bin König und kein andrer nicht. Wär mir ein neuer König geboren, wär mein ganzes Königreich verloren. Ich will mir aber balden lassen fordern her einen Schriftgelehrten, dieser soll ratschlagen, wo und in welcher Stadt zu finden ist ein solches Kind. Hallo! mein Diener Laban fordere mir alsbald einen Schriftgelehrten!

=Laban.=

Ganz gehorsam, ihre König Majestät!

Geht an die Seite und ruft hinaus:

Der Schriftgelehrte soll alsbald zu Königs Majestät kommen.

=Schriftgelehrter.=

(Mit großer Brille, Buch, schwarz gekleidet, jüdisch.)

O weih! O weih! wie geschieht mir -- ist etwas beim königlichen Hof vorgegangen?

=Laban.=

Unfehlbar.

=Schriftgelehrter.=

Ei Schalom, ei Schalom, mein lieber Herr König, was ist ihr Bitten und Begehr, daß Sie mich haben lassen fordern hierher?

=Herodes.=

Hör, ein groß Wunder kommt mir für Ohren, welches mir verkünd ist, ein neuer König ist geboren, Dieweil allda sind zu Hand Drei Könige aus dem Mohrenland. Die fragen mich ohn alle Scheu, wo der neugeborene König der Juden sei. Drum sag und bericht in der Tat, wo und in welcher Stadt zu finden ist ein solches Kind.

=Schriftgelehrter.=

Soviel ich weiß und befindlich ist, so schreibt der Prophet Micho im 5. seiner Kapitel also: Und du Bethlehem Ephrata, Die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, Der über mein Volk ein Herr sei, ein Herr sei!

=Herodes= _(zu den Königen.)_

Nun hört, ihr großen Herrn insgemein -- ihr sollt mir aber Bescheid tun, wo euch der Stern erschienen ist.

=Kasper.=

Wo uns der Stern erschienen ist, das sagen wir zu dieser Frist: Er ist uns erschienen im Morgenland, drum haben wir uns gemacht auf den Weg bald.

=Herodes.=

Nun hört doch, ihr großen Herrn insgemein, ziehet nun hin nach Bethlehem fein; und sucht fleißig, bis daß ihrs find't, und wenn ihrs dann gefunden habt, so kommt wieder her in diese Stadt, und bericht mich auch fein geschwind, daß ich auch komme und anbete das liebe Kind, und große Schätze gebe fein, und mit mir nehme aufs Schloß herein; ich wollte wünschen, Sie kämen glücklich an den Ort.

=Melchior.=

So wir das liebe Kind werden treffen an, so wollen wir ihre König Majestät kund und zu wissen tun.

=Kasper= _(verneigt sich.)_

Wir danken vor die Gütigkeit --

=Melchior= _(verneigt sich.)_

und sind zu dienen stets bereit.

=Balthasar.=

Sie leben wohl zu aller Zeit! _(verneigt sich.)_

_Die Könige ab._

=Gardeson= (Löwenheiner Spiel.)

Das das mögen wohl rechte Narren sein -- ich kann mir es fürwahr nicht anders bilden ein! Daß ein klein Kind von Bethlehem soll herrschen zu Jerusalem, mein Herr gibt das gar schwerlich zu, es wird sonst da werden die größte Unruh!

Vorhang zu.

=Chor= _(hinter der Szene.)_

_Dein König, Zion_ (Schneeberger Mettenlied.)

Dein König, Zion, kommt zu dir. »Ich komm, im Buche steht von mir!« Gott, deinen Willen tu ich gern, gelobt sei, der da kommt im Herrn.

Herr, der du Mensch geboren wirst, Imanuel und Friedefürst, auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott, Messias, bet ich an!

Du unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir.

7. Die Anbetung der Könige.

_Hintere Bühne._ Stall. (Thalheimer Spiel.)

=Maria.=

Joseph, lieber Joseph mein, zünd mir an ein Feuerlein, Koch dem Kind ein Breielein.

=Joseph.=

Maria, Maria, das will ich gern tun, Dieweil nun schläft der liebe Suhn, will ich dir machen ein Feuerlein und kochen dem Kind ein Breielein. Den Brei koch ich und bück mich hart, dabei anbrenn ich mir den Bart. Jetzt kommt die kalte Winterszeit, so beschwerlich über uns arme Leut, daß ich fast so erfroren bin, so dauert mich das liebe Kind.

_Die drei Könige._

(Cranzahler Spiel.)

=Kasper.=

Guten Abend, mein lieber alter Herr! Ist das der König der Ehren? Ist das das liebe Kindelein, welches aller Welt ein Herr soll sein?

=Joseph.=

Ja, ja, man sagts zu dieser Frist, daß ein neuer König geboren ist.

=Kasper= _(anbetend.)_

Ach, mein herzliebes Jesulein, nimm an die Verehrung mein, an rotem Golde zeig ich dir hier, daß dein Reich ewig soll bestehn!

=Balthasar.=

Den Weihrauch ich auch opfer dir, welcher alleine gebühret dir, weil du von Gott bist hergestellt zu einem Priester der ganzen Welt.

=Melchior.=

Nimm hier die Myrrhen, die ich dir schenk. Ich bitt, du wollst sein mein eingedenk, mich führen in den Himmel ein, in deines Vaters Reich allein.

=Joseph.=

Nun, ihr lieben Herrn, Gott dank euch sehr für solche Geschenke, Gab und Ehr.

_Alle_ singen. Wiegenlied aus der Neudorfer Engelschar.[21]

Kommet her zu dieser Krippen, alle, die im Stalle sind, und belobet mit den Lippen unser neugebornes Kind! Stimmt ein! Stimmt mit Maria ein: Eia, schlaf, schlaf ein, schlaf ein! Schlaf mein liebes Jesulein, schlaf bald ein!

=Kasper.= (Thalheimer Spiel.)

Ich bin müd und abgematt, die Abendzeit uns überschatt, wir wollen ein wenig schlummern ein, Gott, Gott wird unser Hüter sein.

(Setzt sich nieder.)

=Melchior.=

So ruht ihr abgematten Glieder und genießt der süßen Ruh, legt euch ohne Sorgen nieder, Gottes Güte deckt euch zu.

=Balthasar.=

Mein Herz sehnt sich nach seiner Ruhe!

=Der Engel= _(zu den Königen.)_

Hört ihr drei Weisen aus Morgenland: Von Gott bin ich zu euch gesandt, daß ihr sollt euch von dem Weg ablenken, und nicht wieder nach Herodes lenken, denn weil Herodes eitel falsche List erdacht wider den Herrn Jesu Christ.

(verschwindet.)

=Balthasar= _(erwachend.)_

Auf, auf, ihr großen Könige mit mir, ein Engel im Traum erscheinet mir, daß wir sollen von dem Weg ablenken, und nicht wieder nach Herodes lenken, denn weil Herodes eitel falsche List, erdacht wider den Herrn Jesus Christ.

(Die Könige gehen ab.)

=Der Engel= _(zu Joseph.)_

Joseph, mein lieber Joseph mein, steh auf und nimm das Kindelein und seine Mutter bei der Hand und flieh mit ihr nach Aegyptenland, und bleib allda, bis ich sage dir, denn es ist Gefahr vorhanden hier, denn weil Herodes das Kindlein sucht, damit er es umbringen tut.

=Joseph= _(erwachend.)_

Maria, Maria, steh auf und nimm das Kindelein, daß wirs bringen aus der Gefahr, dieweil es Herodes beschlossen gar, das Kindlein umzubringen zur Hand, so wollen wir wieder ziehen nach Aegyptenland.

(Maria und Joseph rüsten sich zur Abreise.)

Vorhang zu.

Kurze musikalische Ueberleitung.

8. Das Spiel vom Kindermord.

_Vordere Bühne._ Thronsessel. Herodes.

=Herodes.=

O weih! o weih! alles Unglück auf mich herabbricht, Und da ich saß auf meinem Thron ein süßer Schlaf, der kam mir an. Kaum tat ich meine Augen zu, da kam ein Löw (b) in meine Ruh und stürzte mich von meinem Thron und riß von meinem Haupt herab die Kron. Mein ganz Gemüte in mir ergrimmt, daß mir fast das Herz im Leib zerspringt; dieweil ich nunmehr sehe an, daß mich die Weisen betrogen han. Auf, Kriegsknecht, rüste dich, hau und brenne, töt und stich, und laß dein Schwert den Kindern blutig wetzen und tu mir nicht ein einzigs auf die Seite setzen Wirst du das tun, so wird meine Kron auf festem Grunde ruhn.

=Laban.=

Ganz gehorsam, ihr Königliche Majestät, was Sie mir anbefohlen haben, soll alsbald in Werk gerichtet werden. Denn weil er mirs hat anbefohlen, so will ich auch kein Kind verschonen. Ei, so will ich hinaus, will ziehen meinen Säbel heraus, will durchziehen durch das ganze jüdische Land will alle Knaben von 1 bis 2 Jahre töten. Was drunter ist, soll keins am Leben bleiben, und wenn die Eltern täten Blut weinen!

(Ab.)

Herodes ist auf seinen Sessel gesunken. Die Bühne wird _finster_. Der Chor singt hinter der Szene.

Wenn wir in höchsten Nöten sein und wissen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hilf noch Rat, ob wir gleich sorgen früh und spat:

So ist dies unser Trost allein, daß wir zusammen insgemein Dich rufen an, o treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Not.

Die Bühne wird hell.

=Laban= _(tritt wieder auf.)_

Ei, ei, wie hat mein Schwert geschnitten, es half kein Flehen, es half kein Bitten, viel tausend Mann hab ich erschlagen -- Trotzdem, der mir ein Wort kann sagen! die kleinen Kinder schrien erbärmlich, bei mir aber war ganz und gar kein Verschonen nich, nun hab ich abermals ihrer Königlichen Majestät Willen vollbracht, daß Sie nicht Ursach haben über mich zu klagen. Ich bin so tyrannisch mit ihn' umgegangen

(schaudernd)

es ist mir gewesen, als wenn ich nichts hätt ermachen können!

(Ab.)

=Herodes.=

Recht so, nichts davon gelogen! List muß wieder mit List belohnt werden! Der Anfang ist gemacht, wer mir wird wiederstehen, Der soll alsbald mit Schrecken untergehen, allein die Juden mögen mich lassen, sie müssen doch in Furcht die Macht sich dämpfen lassen. Mein Mut und Kampf ist mir von Jugend auf erhitzet und läßt auch noch nicht nach. Mein ist der Ruhm, mein ist die Ehr, Nun fürcht sich kein Herodes mehr!

(Der Tod ist eingetreten.)

=Der Tod= _(mit Sense und Stundenglas.)_

(Lengefelder Spiel.)

Ich bin der rechte Todesmann, ich muß alle Menschen han; sie mögen sein jung, alt oder schön, sie müssen alle mit mir gehn. Ich bin dir so ein Freiersmann, das Herz muß ich han. Ich nehm was siebzig oder achtzig Jahr, sie müssen alle mit mir auf die Bahr. Hör, was ich weiter werd sahn! Zuletzt werden sie ins Grab getan, Das Fleisch vergeht, verdorrt wie Heu. Der Mensch lebt nicht von Sünden frei; Hernach kommt auch der Sünden Sold. Was hilft dem Menschen sein Reichtum, Silber oder Gold? -- Ich bin das Endelohn, des Sünders Gericht. Die schöne Gestalt ich acht auch nicht!

Indem der Tod auf Herodes zugeht, schließt sich der Vorhang.

Kurze Ueberleitung der Musik zu freundlichen Tönen.

_Hintere Bühne_ (ohne Stall.)

Joseph und Maria mit dem Kind unter einem Baum ruhend.

=Der Engel.=

Merk, Joseph, du getreuer Mann, dir Gottes Willen ich zeige an. Steh auf und nimm eilends zu dir das Kindlein und die Mutter schier. Fürcht dich vor keinem Ungefäll und zeuch in das Land Israel, sie sein gestorben, die dem Kind nach seinem Leben gestanden sind.

(Ab.)

=Joseph.=

Hör, Maria, wir sollen schnell und behend reisen wieder nach Bethlehem, Gott wird uns auch erhalten bis an unser End!

Der Vorhang schließt sich.

=Der Engel= _tritt vor denselben hinaus_.

(Cranzahler Spiel.)

Nun hört, ihr großen Herrn und Frauen insgemein, wir bedanken uns auch recht fein, daß Sie uns fein zugehöret haben. Dafür wünschen wir ein glückliches neues Jahr! Und sollten wir noch gesund sein, so kommen wir nächstes Jahr wieder rein. Ich wollte wünschen, wir möchten einander mit Freuden willkommen sein!

=Schlußgesang= _(Allgemein.)_

(Melodie: Lobt Gott, ihr Christen allzugleich.)

Heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis, Der Cherub steht nicht mehr dafür; Gott sei Lob, Ehr und Preis!

Fußnoten

[1] Weinhold, Seite 34.

[2] Weinhold, Seite 122.

[3] Mosen, Seite 17.

[4] Nach Akt. d. Sächs. Hauptstaatsarchivs.

[5] E. Griesner, in den Mitteil. des Vereins für Sächs. Volkskunde.

[6] Friedrich August, genannt der Gerechte.

[7] A. d. Mitteilungen für sächsische Volkskunde, Band 2.

Lehrer Alwin Bergmann in Dresden. Beiträge zur Geschichte der Christmetten in Sachsen.

[8] Bergmann, Beilage zur Geschichte der Christmetten in Sachsen. Mitteilung des Vereins für sächsische Volkskunde. Band 2, Heft 10.

[9] John, Aberglaube, Sitte und Brauch im sächs. Erzgebirge.

[10] Glückauf, Dezember 1890, Seite 128 und 129.

[11] Mosen, Seite 17.

[12] Mosen, Seite 17.

[13] Ein niedliches Beispiel, wie sich das Volk die lateinische Sprache für seinen Mund zurechtmacht. Der Wortlaut der ~Vulgata~ ist: ~Gloria in exelsis deo et in terra pax in hominibus bonae voluntatis.~

[14] Der Herr Amtmann von Grünhain und Stollberg, worunter auch Thalheim gehört, wohnt etwas entfernt --, sonst wäre diesen Bettlern _wahrscheinlich_ ein anderer Platz als Wohnung angewiesen worden.

[15] Friedrich August, der spätere König.

[16] Die mündliche Ueberlieferung: »... bereitet ist -- Von Ewigkeit zu Ewigkeit« ist zwar inhaltlich besser, aber formell bedenklich.

[17] mündl.; schriftlich: »Zu _dieser_ frist.«

[18] Bei Aufführungen vor Kindern.

[19] Musikalischer Anhang zu Mosens Weihnachtsspiel.

[20] Der Hofnarr.

[21] Musikalischer Anhang zu Mosens Weihnachtsfestspiele.

Quellen.

~Dr.~ _K. Weinhold_, Weihnachtsspiele und -lieder aus Süddeutschland und Schlesien, 1875

_Mosen_, Weihnachtsspiele im sächsischen Erzgebirge, 1861

Mitteilungen des Vereins für sächsische Volkskunde

»Glück auf«, Zeitschrift des Erzgebirgsvereins

_Bergmann_, Beiträge zur Geschichte der Christmetten in Sachsen

_John_, Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge

_Seyffert_, Dorf und Stadt

_Alfred Müller_, Eine Mettenfahrt (Glück auf)

Mitteilungen des sächsischen Altertumsvereins

Akten des Hauptstaatsarchivs

Kirchliche Nachrichten aus Zwickau und Umgegend 1890

Bunte Bilder aus dem Sachsenlande

_Wild_, Interessante Wanderungen durch das sächs. Erzgebirge, 1809

Mündliche Mitteilungen aus den verschiedensten Orten

_Alfred Müller_, Ein altertümlicher Christumzug (Glück auf)

Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, 1902

_E. Giersner_, Ein Königsspiel (Mitteil. d. Ver. f. sächs. Volkskunde)

Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 1865

_Löscher_, Bornkinnel