Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes

Part 7

Chapter 73,499 wordsPublic domain

Den Weihnachtsspielen erging es wie den Volksliedern. Durch ihre mündliche Weitergabe änderte sich ihre Originalform. Das Volk geht mit seinen Dichtungen nicht sehr säuberlich um. Es läßt weg oder verändert, was ihm mißfällt, wiederholt gern nochmals, was ihm zusagt. Ort und Zeit sind unwesentliche Dinge, die man dem Gebrauche anpassen kann, die Lieder zersingt das Volk, die Spiele zerspielt es. Aber sie sind Geist vom Geiste des Volkes, den zu stärken man sich keine Mühe verdrießen lassen sollte.

Nehmen wir an, irgend ein Ort findet in den vorerwähnten Spielen seine »Engelschar« wieder. Er würde sie am 1. Feiertag von einem Verein oder von Schulkindern gern aufführen aber das Spiel ist zu kurz, zu unvollkommen. Da stelle man das eigene Spiel in den Mittelpunkt und entnehme anderen Spielen das Fehlende. Das Ganze rundet sich ab. Auch sorge man für reichlichen Gesang zwischen den Szenen, und ein Stück echtes Volksgut ist gerettet. In der Zeit, wo ein Haaß-Berkow durch seine wunderbare Kunst die Kraft der alten deutschen Volksspiele beweist, dürfte man einen solchen Versuch wohl wagen.

Die Chemnitzer Volkshochschule hat diesen Vorschlag des Verfassers aufgegriffen und sucht durch Aufführungen für den Gedanken zu werben. Es lag nahe, ein Stück zu schreiben, in dem in eine erzgebirgische Stube die Engelschar tritt, ähnlich, wie es Hermann Löscher in seinem »Bornkindel« tut. Dankbar sei anerkannt, daß er damit auf das alte Volksgut eindruckvollst hinweist. Wir wollen aber doch mehr, als nur Theater. Wie die Christspieler in die größte Stube des Dorfes kamen, so kommen sie jetzt in den Saal; in banger Erwartung der Engelschar sitzen die Hörer, da -- da ertönt Gesang, die Engelschar kommt zu _ihnen_, nicht zu den Personen eines Bühnenstückes. Wir wollen nicht Zuschauer, sondern Miterleber haben.

Nun muß mit dem Publikum gerechnet werden. Ein Moment fehlt unseren Spielen fast völlig: das der Spannung. Den Hörern sind die Vorgänge alle vertraut. Das »Was« wird sie darum weniger interessieren, als das »Wie«. Dabei darf man das Kostümliche nicht zu gering achten. Alle Volkskunst, sie mag sein, welche sie will, braucht die Farbe, ohne sie ist die Volkskunst unfroh, ledern. Darum sei man nicht zu ängstlich mit der Kleidung der Spielenden, wenn sie sich recht sehr dem Historischen nähern, ist es durchaus kein Fehler.

Für die Ausgestaltung der Bühne gibt es verschiedene Möglichkeiten. Daß sie so einfach wie möglich sein möchte, ist ein Gebot der Notwendigkeit. Am eindrucksvollsten wirkt die einfache Vorhangbühne. Dunkle Gardinen geben den besten Hintergrund für die farbenfrohen Gestalten des Spiels. Der Stall fällt weg, es genügt eine einfache Krippe. Die Krippenszene sei nur von der Stallaterne Josefs erleuchtet.

Eine andere Auffassung ging dahin, die Bühne mehr dekorativ auszugestalten. Vorbild dafür waren die Weihnachtskrippen unserer Gebirgsstuben. Ein großer Prospekt mit Aussicht auf Jerusalem oder Bethlehem schließt die Bühne nach hinten ab. Vor diesem spielen sich die Szenen ab, die im Freien spielen. Der Felsen des Engels kann durch eine mit geknittertem Packpapier benagelte Kiste leicht hergestellt werden.

Für die Stallszenen wird aus Latten und Brettern ein Gerüst errichtet; nicht zu groß, nur eine Hinterwand, eine Seitenwand, ein Dach mit Stroh bedeckt. Die eine Seitenwand bleibt weg, wegen der verschiedenen Anbetungen des Kindleins. Die Wände werden nicht völlig vernagelt, sodaß überall zu Lücken und Spalten Engel hineinsehen können.

Die Mitte der Bühne wird durch einen Vorhang abgeteilt. Vor diesem spielen sich alle Innenszenen ab, so die Verkündigung an Maria und die Herodesszenen. Die Vorderbühne wird durch den Hauptvorhang abgeschlossen.

Hintergrund. +------------------------+ | | | Hintere Bühne. | | | |------------------------| | | | | |------ Vorhang. --------| | | | | | Vordere Bühne. | | | | | +------------------------+ Hauptvorhang.

Unter allen Umständen lasse man sowohl die Engelschar, als auch die Königschar durch den Saal nach der Bühne ziehen, vor die ein Treppenaufgang gebaut wird. Die Vorhänge möchten geteilt sein.

Die Spieler sollen _natürlich_ sprechen, zu viel Pathos schädigt; vom Erhabenen zum Lächerlichen ist bekanntlich nur ein Schritt.

Wesentlich ist der Anteil der

_Musik._

Harmoniumspiel verbindet Gesänge und Szenen. Für die Gesänge benutze man möglichst alte erzgebirgische Weisen. Man findet solche im »Musikalischen Anhang« zum Mosenschen Weihnachtsfestspiel, Grasers Verlag, in »Lied und Spiel zum Preise des Christkindes« von Bernhard Schneider (Dresden, Huhle), sowie auch in Dosts Weihnachtsliedern aus dem Erzgebirge. Die bei den Aufführungen der Chemnitzer Volkshochschule benutzten Gesänge waren von Johannes Halke vierstimmig gesetzt worden. Beim Einzug der Spieler spielte ein kleines Orchester aus Lauten, Violinen und Clarinetten zusammengesetzt.

Wir bringen am Schlusse als Beispiel der Verwendbarkeit der alten Spiele eine Zusammenstellung, die in vielen Aufführungen bereits erprobt ist. Es lag dem Bearbeiter daran, die einzelnen Stücke nicht zu zerreißen, darum erscheinen aus den verschiedenen Spielen immer geschlossene Szenen.

Alte, erstorbene Volksbräuche und Sitten wiederbeleben zu wollen, würde ein vergebliches und unersprießliches Beginnen sein. Man soll nicht einen Leichnam ausgraben und ihn buntgeschmückt zur Schau stellen. Das Vergangene kehrt nicht wieder, wenn es auch lange noch zurückleuchtet. Wir freuen uns alter Sitten und Gebräuche, hören voll Behagen von allerlei Aber- und Zuvielglauben -- aber, Gott sei dank, das sind alles überwundene Dinge.

So wäre die ganze Wissenschaft der Volkskunde nur eine forschende, eine historisch betrachtende?

Dies ist nicht der Fall. Wohl muß die Volkskunde die Vergangenheit des Volkes kennen, muß den geheimsten Regungen der Volksseele nachspüren. Dabei darf sie aber nicht stehen bleiben. Wie eine Zeit die andere ablöst, wie Geschlechter kommen und gehen, so wandeln sich auch Sitten und Gebräuche mit den Zeiten um. Dabei sieht man aber mit Betrübnis, daß die neue Sitte, die die alte ablöste, selten einen Fortschritt bedeutet, im Gegenteil, gute alte Sitten sind vergangen, schlimmere sind dafür eingezogen. Nun hat die Volkskunde die Aufgabe, zu wirken, das, was an altem Volksbrauch lebensfähig ist, zu erhalten, auf gutem Alten wertvolles Neue aufzubauen.

Man hat gesagt, die erzgebirgischen Christspiele seien tot, es würde dem Geiste unserer Zeit nicht entsprechen, Wiederbelebungsversuche vorzunehmen. Dem ist zu widersprechen. Wohl hat eine volksfremde Geistlichkeit, eine dem Volksempfinden so fern wie möglich stehende Regierung eine Zeit lang die Spiele unterdrücken können. Sie lebten aber immer wieder auf. Man schränkte die kirchlichen Mettenspiele ein, man verbot sie und nahm damit dem Volke ein gut Teil Poesie aus seinem armseligen Leben. Man trieb die Heiligenchristspieler von der Straße, ja sperrte sie ein, wie im Jahr 1805 zu Thalheim geschehen ist -- aber immer erbten sich die Reime weiter.

Wie wollen wir nun die Spiele zu neuem Leben erwecken? Zunächst ist es wünschenswert, daß alle Orte, die noch Metten und dergleichen besitzen, sich dieselben nicht nehmen lassen. Wo noch kein Mettengottesdienst besteht, oder wo er nur rein kirchlich beschaffen ist, lasse man dies eine Mal im Jahr das Volk hinzu und gestalte den Gottesdienst entsprechend aus. Aber auch die außerkirchlichen Spiele führe man wieder auf. Eine große Zahl von Weihnachtsstücken sind geschrieben, die wohl die Weihnachtsgeschichte dramatisch darstellen, aber doch mehr oder weniger Theaterstücke sind. Das sollen sie nicht sein. Wir wollen die schlichten, alten Volksspiele wieder haben.

Aus den vielen Zuschriften, die wir erhielten, ersehen wir mit Freuden, wie man allerorts unseren Gedanken aufgegriffen hat. Wenn uns auf unserem Wege die Wiederbelebung dieses Stückes alter Volkskunst gelingen sollte, würden wir herzlich zufrieden sein.

Verlauf der Spiele.

=Einleitung.=

=Chor=:

=Schneeberger Weihnachtslied=

(Auf Tochter Zion schmücke dich!)

1. =Die Engelschar.=

(Wiesaer Spiel.)

Der heilige Christ. -- St. Martin. -- St. Nikolaus. -- Die Engel. -- Die Hirten. -- Die Ruprechte. -- Der Sternträger.

Beim Aufzug der Schar wird ein altes böhm. Krippenlied gespielt.

2. =Die Verkündigung an Maria.=

Maria. -- Der Engel Gabriel.

Gesang: Altes geistliches Volkslied.

3. =Das Herbergsspiel.=

(Wiesaer Spiel.)

=Chor=: O Bethlehem, du edle Stadt

alter Klostergesang.

Maria. -- Joseph. -- Der Wirt.

4. =Das Hirtenspiel.=

(Thalheimer Spiel.)

=Chor=: ~Quem pastores laudavere.~

3 Hirten. -- Der Engel.

Die =Hirten= singen ein Gottesgaber Krippenlied.

5. =Das Krippenspiel.=

(Neudorfer Engelschar.)

Maria. -- Joseph. -- Der Wirt. -- Die Hirten. -- Die Engel.

=Maria= und =Joseph= singen ein Wiegenlied nach einer alten Volksweise. Die =Hirten= singen ein Hirtenlied aus der Neudorfer Engelschar. Die =Engel= singen ein altes Weihnachtslied.

_Kurze Pause._

6. =Das Königsspiel.=

(Thalheimer u. Löwenhainer Spiel)

=Chor=: Die heiligen drei Könige mit ihrem Stern (alte Weise).

Kaspar. -- Melchior. -- Balthasar. -- Herodes. -- Laban. -- Gardeson. -- Der Schriftgelehrte.

=Chor=: Dein König Zion kommt zu dir. (Schneeberger Mettenlied).

7. =Die Anbetung der Könige.=

(Thalheimer Spiel.)

Maria. -- Joseph. -- Die 3 Könige. -- Der Engel.

Das =Wiegenlied= ist der Neudorfer Engelschar entnommen.

8. =Das Spiel vom Kindermord.=

(Thalheimer u. Lengefelder Spiel.)

Herodes. -- Laban. -- Der Tod. -- Der Engel.

=Beschluß= (Cranzahler Spiel.)

Maria. -- Joseph. -- Der Engel.

=Allgemeiner Gesang=:

Heut schleußt er wieder auf die Tür zu seinem Paradeis, der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Ehr und Preis.

Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele

Nach alten Volksüberlieferungen zusammengestellt von Max Wenzel

1. Die Engelschar.

Bei geschlossenem Vorhange singt der Chor:

=Auf, Tochter Zion, schmücke dich.=

(Schneeberger Weihnachtslied.)

=Der dritte Hirte= tritt auf.

(Wiesaer Spiel.)

Einen schönen guten Abend, das geb euch Gott! Ich bin ein ausgesandter Bot, ich zeig euch an zu dieser Frist, Daß jetzt wird kommen der heilge Christ. Eine schiene gute Nacht! _(Verbeugung.)_

Er geht ab.

Hinter der Szene leises Harmoniumspiel (Vom Himmel hoch, da komm ich her). Zwei Engel, ein großer und ein kleiner, treten ein.

=Der große Engel.=

Einen schönen guten Abend, ihr lieben Leut (Kindelein[18]) der heilge Christ läßt euch grüßen, was ihm zu tun befohlen ist, wird allzeit sein beflissen; indem er fährt auf in seinem Paradeis und angestellet hat auf Erden seine Reis. Heut ist der Tag, da läßt er seine Schellen klingen.

(Ruprecht läßt hinter der Szene seine Schellen klingen.)

Er wird euch viel Geschenk und Gaben mit sich bringen, wenn ihrs zufrieden seid, so führ ich ihn herein, doch dürft ihr aber nicht zu sehr erschrocken sein. Denn wer fein fromm gewesen ist, den wird er freundlich loben. Komm immer, komm herein, du heilger Christ von oben.

Die Engel stellen sich rechts und links vor die Rampe, sie bilden den Abschluß der im Halbkreis aufgestellten Engelschar. Die Engelschar tritt unter den Klängen der _böhmischen Kinderweise_ gemessenen Schrittes ein. Sie umwandelt einmal die Bühne und stellt sich dann, im Mittelpunkt der heilige Christ, im Halbkreis auf.

=Der heilge Christ.=

Wohlan, ihr Kinderlein, wie habt ihr euch verhalten? Habt ihr auch respektiert die Lehrer und die Alten? Die Eltern auch geliebt, mit Willen nie betrübt, was sie befohlen euch, und sie erzürnet nicht? Erschrecket nicht vor mir und meiner Majestat! Examiniere du, Martin, an meiner Statt.

=Martin.=

Ach Herr, wie soll ich denn vor dir examinieren? Du weißt ja selbst, wie oft die Engel Klage führen, daß man allhier unter dem zehnten Kind in manchem Haus ja nicht ein frommes findt. Der Mutwill ist zu groß, die Bosheit nicht zu sagen, indem ja in der Schul auch ihre Lehrer klagen, indem sie auch zu Haus gar selten fromm sein, wie ich hab itzt gehört von diesem Engelein.

=Der heilge Christ.=

Ei, ei, das ist nicht fein, daß ich jetzt Klag muß hörn! ich dürfte mich hinfort von euch gen Himmel kehren. Mich reuets jetzt, daß wir in dieser kalten Nacht bis her an diesem Ort uns haben aufgemacht. Drum, Niklaus, sags dem Knecht, wir wolln von hinnen fahren und wollen unsre Schätz auf fromme Kinder sparen.

=Nikolaus.=

Ach lieber, heilger Christ, sehr groß von Gütigkeit, schau und bedenke doch die alte Freundlichkeit. Du wirst doch nicht so schnell mit uns von hinnen eilen, sondern ihnen zuvor mit deiner Gabe teilen. Es möchten doch noch etliche unter diesen Kindlein sein, die nicht so mutwillig möchten gewesen sein, wie jetzt vermeldet ist; ich schau dirs vom Angesicht, daß dir aus Lieb, Herr Christ, das Herze bricht.

=Der heilge Christ.=

Ja freilich bricht es mir, ich bin ja Mensch geboren und war ein kleines Kind, drum sind sie mir erkoren bei meiner kleinen Herd: ihr Kinder weinet nicht, ich bin auch allen hold, mein Zorn ist schon geschlicht.

=Der große Ruprecht.=

Hopp, hopp, Gotts Perlemann, Gotts Schwafel un Pach! Gleich wie sich Mausdrack unern Pfaffer mischt, su bin ich a uner dan heiling Christ. Ich tat amol vorüberga, Do hört ich e weiß Wunner a, Dos Geschrei war in dan Haus su sehr, als wenn de Stub voll klaner, klaner, Kinner, Kinner wär!

=Der kleine Engel.=

Hans, pack dich alsobald mit deinem groben Trutzen, sonst will ich dir den Kopf mit Feuerschlägen putzen. Geh hin, examinier die andern in dem Haus, wer dir nicht folgen will, den jag und schlage naus.

=Der große Ruprecht.=

Hopphopp, du klaner Schnipper du, kannst du dei Maul net halten zu? Ich hob gedacht, ich will mein lange, lange Sack vollfülln, doch muß ich tu noch deinem Willn. Doch gieh ich net leer aus diesem Haus, ich will schlong alles naus, will Knecht und Mägd examiniern und will sie auf die Dauer, Dauer vexiern.

=Der heilge Christ.=

Komm, Ruprecht, sage an, wie verhalten sich Knechte und Mägde allhier in diesem Haus?

=Der große Ruprecht.=

Ach Herr, sie trachten spät und früh, was sie kriegen für ihre Müh; drum, so sei es mein gedenk, gib ihnen zum Heiligenchristgeschenk Prügelsuppen und Maulschellen, Ziegenspeck und Pferkorallen.

=Der kleine Ruprecht.=

Ei, so muß ich mei Maul aa drinne hobn, sonst frassen mein Ranzen de Grilln un de Schwobn. Heut is gewasen ene kalte Nacht, kälter hätt ichs net gedacht, ich kunnt vir Kält bal nimmer stieh, ich mußt e bissel of men Fald rümgieh.

=Der große Ruprecht.=

Du Schlingel, du Bengel, mußt aa dreireden? Ich wöllt dich gleich mit Füßen treten, mit Füßen treten, mit Füßen stußen, daß de kaast ke Wort mehr kußen!

Während des Streites der beiden haben die andern Glieder der Engelschar behaglich schmunzelnd zugehört. -- Der heilge Christ winkt jetzt dem _kleinen Engel_, den großen Ruprecht unterbrechend.

=Der kleine Engel.=

(Thalheimer Spiel.)

Vorsichtige, Künste liebende Herren und Frauen, wie Sie allhier versammelt sein, zu hören und zu schauen, was dies für ein Spiel mag sein -- Nicht Silber, Gold oder Geld, welches liebt die ganze Welt, sondern das liebe Jesulein das wollen wir fürtragen, wie Herodes mit List getracht nach dem Kindlein Jesus Christ, es zu töten. Wir bitten, sein Sie fein still, wir wollen agieren unser Spiel. Puer natus in Bethlehem, unde gaudet Jerusalem. Drei Könige aus Saba kommen dahar Gold, Weihrauch, Myrrhen brachten sie dar. Alleluja!

Die Musik setzt mit der böhmischen Hirtenweise ein. Die Engelschar marschiert ab. -- Das Harmonium nimmt die böhmische Weise auf und leitet sehr leise über zum Ave Maria.

Der Vorhang fällt.

2. Die Verkündigung an Maria.

(Alte Weise.)

_Gabriel._ _Maria._ -- Vordere Bühne.

Maria in Andacht versunken.

=Gabriel.=

Ave Maria jungfräuliche Zier! Du bist voller Gnaden, der Herr ist mit dir! Eine ganz neue Botschaft, ein unerhörtes Ding von der himmlischen Hofstatt dir Gabriel mitbringt.

=Maria.=

Ach mein Gott, was sollen die Wörter immer sein? Wer will zu mir kommen ins Zimmer herein? Die Tür ist verschlossen, die Fenster sein zu. Wer ist es, der mich stört in der nächtlichen Ruh?

=Gabriel.=

Fürcht dich nicht, Maria! es geschieht dir kein Leid; ich bin zu dir kommen, verkündgen große Freud, du sollst den empfangen und tragen einen Sohn, den die Menschen verlangen viel tausend Jahr schon.

=Maria.=

Wie soll das geschehen, ich kenn ja keinen Mann? Ich will lieber eingehn, als tragen einen Sohn. Ich habe geschworen meine Jungfrauschaft Gott; ich bin dazu geboren, verbleib bis in den Tod.

=Gabriel.=

Es liegt nichts im Wege, deine Sorg ist umsunst. Alle Furcht tu weglegn! bei Gott is keine Kunst, kann leichte geschehen, auf Gott nur fest bau! Man wird dich verehren als Mutter und Frau.

=Maria.=

Ich kanns nicht recht fassen in meinem Verstand, ich wills Gott überlassen, der göttlichen Hand. Sein Wille geschehe! wenns Gott so gefällt, so will ich gern tragen den Heiland der Welt.

_Vorhang._

Musikalische Ueberleitung zum Chor (Altkirchliche Weise):

O Bethlehem du edle Stadt, du meines Geschlechtes Herkommen, von denen auch der David hat sein Ursprung hergenommen! Ach, über mich erbarme dich! Weil d' Nacht anbricht, verstoß mich nicht! Ein Zimmerlein vergonne!

3. Das Herbergsspiel.

(Wiesaer Spiel)

Hintere Bühne. Links (vom Zuschauer) das Wirtshaus mit charakteristischem Wirtshauszeichen (Stern, Roß, Bär, Traube oder dergl.). Möglichst einige Versatzstücke (Palme, Brunnen). -- Der Wirt steht vor der Tür. Maria und Joseph treten auf.

=Joseph.=

Hörst du, Maria aus Davids Stadt allda, wir wollen uns beide schätzen la. Wie könnten wir aber recht erfahren, wo wir heut Nacht möchten Herberg habn? Wir sind auf dieser Reis' fürwahr gewesen in sehr großer Gefahr, habens Gott zu danken sehr, daß er uns geholfen bis hierher. Dort sah ich einen feinen Maa, und in sein Haus wir wollen gah, und ihn um Herberg sprechen aa. Einen schönen guten Abend, mein lieber Herr Wirt!

=Wirt.=

Habt Dank, mein lieber Alter, wo kommt Ihr jetzt hierher?

=Joseph.=

Ho, ho, ho! Ihr dürft net schreie halb so sehr, schreit Ihr doch, als wenn ich gleich aller taub wär. Ich un das Weibele kommen aus der Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth. Die Schatzung ist in aller Walt, Dem Kaiser wollen berichten bald. Drum bitten wir Euch, als fromme Leut, Ihr wollt uns aufnehmen zur Herberg heut.

=Wirt.=

Nein, mein lieber Alter, das kann nicht sein.

=Joseph.=

I wozu dä?

=Wirt.=

Es sind bei mir gekehret ein --

=Joseph.=

Nu wer dä?

=Wirt.=

Viel tapfere Herren, Frau'n und Mann, die fast alle gehören daran.

=Joseph.=

Nu, da rutschen mer aa mit na.

=Wirt.=

Von Rom, der großen mächtigen Stadt und von der kaiserlichen Majestat. Drum traut und glaubt mir, ihr könnt keine Herberge bekommen allhier, weil alles ist genommen ein von kaiserlichen Abgesandten, die allhier sein.

=Joseph.=

Hörst de, Maria, gieh du naa, weil ich nischt richten kaa.

=Maria.=

Herr Wirt, ich bitte Euch durch Gott, betrachtet meine große Not, Den Zustand, den es hat mit mir. Vergönnt mir doch ein Oertlein hier, ein Oertlein, mir bequem, damit ich keinen Schaden nehm.

=Wirt.=

Ich weiß euch anders keinen Rat, von wegen der kaiserlichen Majestat. Wollt ihr aber verlieb nehmen mit dem Stall, so geht hinein, Derselbe soll euch vergunnet sein.

=Maria.=

Ach, was soll ich in dem Stall bei dem unvernünftgen Vieh, und ist zu groß die Kält allhie.

=Wirt.=

Ihr hört ja wohl, wie sichs verhält, drum sag ich euch zum letzten Mal, vergunnet soll euch sein der Stall; ich kann euch anders helfen nicht, so helft euch, wie ihr könnt und wißt.

(Ab ins Haus.)

=Joseph.=

Maria, es ist halt Gottes Geschick, wir frommen Leut haben halt kein Glück. Wir wollen uns uf e Winkele machen, Gott wird schicken alle die Sachen, er wird uns nehmen in seine Hut und wird uns halten für recht und gut.

(Sie gehen hinter das Haus ab.)

4. Das Hirtenspiel.

(Thalheimer Spiel.)

Freudige Orgeleinleitung; überleitend zum

=Chor=: ~Quem pastores laudavere.~

Den die Hirten lobeten sehre, und die Engel noch viel mehre, fürcht euch fürbaß nimmermehre, euch ist geboren ein König der Ehre.

Fort ihr Sorgen dieser Erden! Weg, ihr traurigen Gebärden! Licht soll es im Herzen werden; Jesus selber bringt das Licht.

Hintere Bühne. Freies Feld, im Hintergrund Bethlehem. Links ein Felsen, auf dem der Engel erscheint. 3 Hirten. Der 1. Hirt steht, auf seinem Stab gestützt, als Wachender, der 2. Hirt sitzt am Boden, der 3. Hirt liegt und schläft.

=Der 1. Hirt.=

Wir armen Schäfersleut sind wohl auf dieser Erden von der geringsten Art, die kaum genannt mag werden. Im Sommer über liegen wir wohl auf dem freien Feld, haben wenig Brot und auch dazu kein Heller Geld, im Winter aber müssen wir viel Kält und Frost ausstehen, und dürfen überdies noch keine Nacht zu Bette gehen. Der Wolf schleicht um die Schafe bald nieder, bald auf. Drum heißt es, ihr Schäfersleut habt fleißig acht darauf.

=Der 2. Hirt.=

Ich lasse nicht alle Hoffnung schwinden, dieweil wir nun von unsern Sünden so Gott uns will durch wahre Buß bekehren so wird er uns viel Guts bescheren.

(Die Orgel beginnt sehr leise zu spielen: Vom Himmel hoch da ...)

Halt an, halt an, was hör ich klingen und fröhlich in den Lüften singen?

=Der 1. Hirt= _(weckt den 3.)_

Auf auf Gespann, die Nacht ist schon vergangen, wir wolln mit Freuden wieder einen neuen Tag anfangen, dieweil wir nun die Pflicht der Ruh genossen, so wolln wir säumen nicht, doch längst schon unverdrossen des Höchsten Ruhm erhebe sich mit Danken und mit Beten; allein, was seh ich doch von dorther zu uns treten? Weil dann die Furcht mit Schrecken gar kein Ende nimmt, schaut her, der helle Glanz, der jetzt herzu uns kimmt!

=Der kleine Engel=, _auf dem Felsen stehend_.

(Die Hirten, in malerischen Stellungen, starren erschrocken zu ihm auf.)

Hört, ihr Hirten, fürcht euch nicht, eine große Freud, die ich euch bericht; denn euch ist heut der Heiland geboren, welcher ist Christus auserkoren. Zu Bethlehem in Davids Stadt, wie Micha es verkündet hat, in einem Kripplein liegt das Kind so eilet, daß ihr bald es find't!

=Chor der Engel= _(hinter der Szene.)_

Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!

(Während des Gesanges verschwindet der Engel.)

=Der 1. Hirt.=

Nun, hört doch, ihr lieben Gespann' mein, zu uns Hirten ist kommen ein Engelein, hat uns verkündet von einem schönen Kindelein, welches liegt in einem Krippelein; dies, dies soll der Heiland sein.

=Der 2. Hirt.=

Nun, wohlan, so laßt uns gahn, um diese Dinge recht erfahren, Dieweil uns Gott der Herr hat solches kund getan, unser Vieh wird er indessen wohl bewahren.

=Der 1. Hirt.=

Ihr Brüder, haben wir auch dem Kindlein etwas mitzubringen?

=Der 3. Hirt.=