Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes

Part 5

Chapter 53,559 wordsPublic domain

Ach mein herzliebes Jesulein, mach dir ein so neues Bettelein, zu ruhn (in) meines Herzensschrein, das ich nimmermehr vergesse dein.

_Der 1. Schäfer._

Da liegst du, o schönes Kindelein, das aller Welt soll Heiland seyn.

_Der 2. Schäfer._

Ist das nicht eine wunderbare Sache, daß man den Heyland so schlecht und geringe achte.

_Alle Schäfer singend ab_:

Nun wir gehen von deiner Krippen etc.

_Der 2. König._

Lasset uns den Herodes fragen, daß er uns tät diese Geschichte sagen.

_Die drei Könige singen_:

Jacob Stern, du Licht der Erden etc.

_Der Mohrenkönig_ kommt zum König Herodes:

Glück und Sieg nach stetem Frieden Sey mir der König aus Judäa.

_König Herodes._

Meinen untertänigsten Dank sagt man den Herrn frey, sie sind mir aber willkommen die Herren alle drey, sie sollen mir aber Bescheid thun, wer sie seyn -- denn ihre Gestalt ist fremd, desto wichtiger muß ihre Sache seyn.

_Der Mohrenkönig._

König Herodes, wir sind in seiner Gewalt, und demütigen uns für seiner Gestalt, was aber unsere Verrichtung sey, wir wolln fragen, wo der neugeborene König der Juden sey. Denn, wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland, weit von fern, und sind deswegen kommen an, daß liebe Kind zu beten an.

_König Herodes._

Hu! ich weiß von keinem König nichts, ich bin der König und kein andrer nicht. Wäre mir ein neuer König geboren, wäre mein ganzes Königreich verloren. Ich will mir aber bald lassen fordern her einen Schriftgelehrten, dieser soll ratschlagen wo und in welcher Stadt zu finden ist ein solches Kind. Hallo! mein Diener Laban, fordre mir alsbald einen Schriftgelehrten!

_Der Kriegsknecht._

Ganz gehorsam, ihre König Majestät.

(geht nach einem Winkel wo der Schriftgelehrte steht)

Der Schriftgelehrte soll alsbald zu Königs Majestät kommen!

_Schriftgelehrter_ (mit einer großen Brille nebst einem Buch, die Bibel vorstellend, die er hin und her wirft, schwarz gekleidet):

O wey, o wey, wie geschieht mir -- ist etwas beim königlichen Hof vorgegangen?

_Kriegsknecht_:

Unfehlbar.

_Schriftgelehrter_ (kommt zu Herodes).

Ey Schalom, ey Schalom, mein lieber Herr König, was ist ihr Bitten und Begehr, daß sie mich haben lassen fordern hierher?

_König Herodes._

Hör, ein groß Wunder kommt mir für Ohren, welches mir ist, ein neuer König geboren, dieweil allda sind zur Hand drei Könige aus dem Mohrenland. Die fragen mich ohne alle Scheu, wo der neugeborene König der Juden sey. Drum sag und bericht in der That, wo und welcher Stadt zu finden ist ein solches Kind.

_Schriftgelehrter_:

Soviel ich weiß und befindlich ist, so schreibt der Prophet Micho im V. seiner Kapitel also: und du Bethlehem in Ephrata die du klein bist unter den Tausenden in Juda aus dir soll mir der kommen, der über mein Volk ein Herr sey, ein Herr sey.

_König Herodes._

Nun hört, ihr großen Herrn insgemein -- ihr sollt mir aber Bescheid tun, wo euch der Stern erschienen ist.

_Der 1. König._

Wo uns der Stern erschienen ist, das sagen wir zu dieser Frist, er ist uns erschienen im Morgenland, drum haben wir uns gemacht auf den Weg bald.

_König Herodes._

Nun hört doch, ihr großen Herren insgemein, ziehet nun hin nach Bethlehem fein; und sucht fleißig bis daß ihrs find, und wenn ihrs dann gefunden habt, so kommt wieder her in diese Stadt, und bericht mich auch fein geschwind, daß ich auch komme und anbete das liebe Kind und große Schätze gebe fein und mit mir nehme aufs Schloß herein; ich wollte wünschen, sie kämen glücklich an den Ort.

_Der 2. König._

So wir das liebe Kind werden treffen an, so wolln wir ihre König Majestät kund und zu wissen thun.

_Die drei Könige singen_:

Kein Herodes kann uns sagen, Wo sein Thron ist aufgestellt etc. --

(Sie kommen zu Joseph und fallen vor der Krippe nieder.)

_Der 1. König._

Nimm hin arabisch Gold und sei dabei uns Heyden hold.

_Der 2. König._

Nimm hin den Weihrauch aus meiner Hand den schreib ich dir zum Unterpfand.

_Der Mohrenkönig._

Da will ich dir die Myrrhe verehren daß du uns wirst viel Freude bescheren.

_Joseph._

Habt Dank ihr Herren alle drey _(hustet bei einem jeden Wort auf sonderbarer Art.)_

_Der 1. König._

Führ uns in den Himmel ein --

_Maria_ singt:

Joseph, lieber Joseph mein, zünd mir an ein Feuerlein, Koch dem Kind ein Breielein.

_Joseph._

Maria, Maria, das will ich gerne thun, dieweil nun schläft dein lieber Suhn, will ich dir machen ein Feuerlein und will kochen dem Kind ein Breilein, Den Brei koch ich und bück mich hart, dabei verbrenn ich mir den Bart. Jetzt kommt die kalte Winterszeit, so beschwerlich über uns arme Leut, daß ich faßt so erfroren bin, so dauert mich das liebe Kind.

_Der 1. König._

Ich bin müd und abgematt', die Abendzeit uns überschatt', wir wolln ein wenig schlummern ein, Gott, Gott wird unser Hüter sein.

_Der 2. König._

So ruht ihr abgematten Glieder und genießt der süßen Ruh, legt euch ohne Sorgen nieder, Gottes Güte deckt euch zu.

_Der Mohrenkönig._

Mein Herz sehnt sich nach seiner Ruhe!

_Der kleine Engel._

Hört ihr drei Weisen aus Morgenland von Gott bin ich zu Euch gesandt, daß ihr euch sollt von dem Weg ablenken und nicht wieder nach Herodes lenken, denn weil Herodes eitel falsche List erdacht wider den Herrn Jesum Christ.

_Der Mohrenkönig._

Auf, auf ihr großen Könige mit mir ein Engel im Traum erscheinet mir, daß wir sollen von dem Weg ablenken und nicht wieder nach Herodes lenken, denn weil Herodes eitel falsche List erdacht wider den Herrn Jesus Christ.

_Die Könige_ singen und gehen alsbald ab:

Deine Krippen glänzen hell etc.

_Der kleine Engel_ kommt zu Joseph:

Joseph, mein lieber Joseph mein, steh auf und nimm das Kindelein und seine Mutter bey der Hand und flieh mit ihr nach Egyptenland, und bleib allda bis ich sage dir -- denn es ist Gefahr vorhanden hier denn weil Herodes das Kindlein sucht, denn weil er uns umbringen tut --

_Joseph._

Maria, Maria steh auf und nimm das Kindlein daß wirs bringen aus der Gefahr, dieweil es Herodes beschlossen gar das Kindlein umzubringen zur Hand, so wolln wir wieder ziehen nach Egyptenland.

_König Herodes._

O weicht! o weicht! alles Unglück auf mich herabbricht, und da ich saß auf meinem Thron ein süßer Schlaf der kam mir án (on) kaum tat ich meine Augen zu da kam ein Löw in meine Ruh und stürzte mich in meinem Tron und riß die Kron von meinem Haupt herab. Mein ganz Gemüte in mir ergrimmt, daß mir faßt das Herz im Leib zerspringt; dieweil ich nunmehr sehe an daß mich die Weisen betrogen han. Auf Kriegsknecht! rüste dich hau und brenne, tödt und stich und laß dein Schwert den Kindern blutig wetzen und thu mir nicht ein einzigs auf die Seite setzen! Wirst du das thun -- so wird meine Krone auf festem Grunde ruhn!

_Kriegsknecht._

Ganz gehorsam, ihr Könige Majestät -- was sie mir anbefohlen haben, soll alsbald ins Werk gerichtet werden. Denn weil er mirs hat anbefohlen, so will ich auch kein Kind verschonen. Ei! so will ich hinaus, will ziehen meinen Säbel heraus, will durchgehn durch das ganze jüdische Land will alle Knaben von 1, 2 bis Jahren. Was drunter ist soll keins am Leben bleiben, und wenn die Eltern täten Blut weinen.

_Die ganze Schaar_, 13 an der Zahl, singen:

Wenn wir in höchsten Nöten seyn und wissen nicht, wo aus noch ein etc.

_Kriegsknecht._

Ei, ei, wie hat mein Schwert geschnitten, es half kein Flehen, es half kein Bitten, viel tausend Mann hab ich erschlagen -- trotz dem, der mir ein Wort kann sagen! Die kleinen Kinder schrien erbärmlich, bei mir aber war ganz und gar kein Verschonen nich[t], nun hab ich abermals ihre Könige Majestät Willen vollbracht, daß sie nicht Ursache haben über mich zu klagen ich bin so tyrannisch mit ihn[en] umgegangen, es ist mir gewesen, als wenn [ich] nichts hab ermachen können! [als wenn ichs nicht hätt machen können!]

_König Herodes._

Recht, so, nichts daran gelogen -- List muß wieder mit List belohnt werden. Der Anfang ist gemacht, wer mir wird widerstehen, der soll alsbald mit Schrecken untergehen, allein die Juden mögen mich lassen, sie müssen doch in Furcht die Macht sich dämpfen lassen. Mein Mut und Kampf ist mir von Jugend auf erhitzet und läßt auch noch nicht nach. Mein ist der Ruhm, mein ist die Ehr, nun fürcht sich kein Herodes mehr!

_Gesang_: Wunderkind wie deine Kinder etc.

_Der größere Engel._

Nun hört ihr großen Herren und Frauen insgemein, wir bedanken uns auch alle fein für das Geschenk, das sie uns verehrt haben. Dafür wünschen wir ein glückliches neues Jahr! Und sollten wir noch gesund seyn, so kommen wir nächstes Jahr wieder rein. Ich wollte wünschen wir möchten einander mit Freude willkommen seyn.

_Gesang_: Heut schleußt er wieder auf die Thür. [8. Vers von Lobt Gott ihr Christen etc.]

Die ganze Verhandlung läßt erkennen, daß jedenfalls der Ortsgeistliche der Urheber des Schriftstückes gewesen ist. Der Lehnrichter Siegel hatte die Aufführung in seinem Saale verboten, da ging man kurzerhand ins Zechenhaus. Dies untersagte das Bergamt zu Geyer. Das Konsistorium in Dresden ließ die Sache bis zum Kurfürsten[15] gelangen, aus dessen Kabinett ein Befehl an den Amtmann zu Stollberg erging, die Uebeltäter zu bestrafen und zwar mit 2 Tagen Gefängnis und Tragung der nicht unerheblichen Kosten. Das Amt zu Stollberg verfügte demgemäß. Man versteht heutzutage die Maßnahmen der Geistlichen kaum, denn dem hohen Konsistorium zu liebe, wurde schließlich doch das Urteil gefällt. Es zeigt von einer Beschränktheit und Volksfremdheit, die durchaus nicht etwa die Stimmung der Bevölkerung im kirchenfreundlichen Sinne beeinflußte. Spieler und Hörer glaubten bei der Ausübung der alten Sitte ein christliches Werk zu tun. Der Vorwurf, die heilige Geschichte lächerlich gemacht zu haben, lehnten sie entschieden ab.

Das _Thalheimer Spiel_ ist jedenfalls weitverbreitet gewesen. Der Bergmann Unger will es auch in Breitenbrunn mitgespielt haben.

Das Schwarzenberger Spiel.

In der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung vom 23. Dezember 1902 berichtet Karl Freyboth über ein »Heilige drey König Spiehl«, welches ihm in einer Niederschrift vom 15. Februar 1805 vorlag. Ein Johann August Hermann in Raschau hat es aufgeschrieben. Es wurde auch in Schwarzenberg und Grünhain aufgeführt und ähnelt fast vollständig dem vorher mitgeteilten Thalheimer Spiel. Die Bruchstücke lassen aber erkennen, daß die Königs- und Hirtenszenen besser geordnet sind, wie dies auch im Wiesenthaler Spiel der Fall ist. Der Epilog, vom Engel gesprochen, weicht auch vom Thalheimer Spiel ab:

Ihr geehrten Herren und Frauen insgemein, was ein Anfang hat, muß auch ein Ende sein. Sie habens doch vernommen zwar, wie es zuging mit der Christenschar. Gott sandte doch ein Engelein, zu behüten das liebe Jesulein, dieweil Herodes eine falsche List erdacht hat wider den Herrn Jesus Christ.

Er entschuldigt die arme Handlung, die armseligen Verse, die mangelhaften Reime. Zum Abschied spricht er:

Sollt aber ein Fehler vorgegangen sein, ein andermal wolln wir es bringen ein. Wenn wir werden wieder einmal anlangen, so wollen wir wünschen, wir werden einander mit Freuden empfangen.

Den Schluß bildet der Vers: »Heut schleußt er wieder auf die Tür.«

Das Löwenhainer Spiel.

Ein ganz hervorragendes Spiel teilt E. Giersner, Dresden, im 5. Heft des 2. Bandes der Mitteilungen des Vereins für Sächsische Volkskunde mit. Das Original befindet sich in den Händen des Herrn Zimmerhäckel in Löwenhain und trägt die Aufschrift »Johann Gottlieb Streller, Löwenhain 1823.« Giersner hat sich das schwer lesbare Manuskript von einem damals noch lebenden Sohne des Streller ergänzen lassen. Es unterscheidet sich in verschiedenen Punkten von den anderen erzgebirgischen Spielen, so fehlt z. B. die Herbergsszene. Auch ist eine komische Figur, der Gardeson, eingefügt, der wohl dem Hofnarren entspricht. Es ist außerdem ausschließlich ein Königspiel. Seine Verwandtschaft mit dem Thalheimer Spiel kann es nicht verleugnen. Man sehe sich die Hirtenszenen in beiden Spielen darauf an. Das Spiel mag hier folgen:

Der _Sternträger_ fängt an zu singen:

Wie schön leucht uns der Weisen Stern, der uns entspringt von Gott dem Herrn und unsre Herzen rühret, das wir uns machen auf die Bahn, zu bethen Jesum Christum an, allda er uns hinführet. Drum so -- seid froh; walt ihr Heiden, -- ruft mit Freuden -- auserkohren; Christus ist uns heute gebohren.

_Der Engel_ spricht:

So sei gegrüßet dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus; wir wünschen euch zum neuen Jahr Friede, Heil, Gesundheit immerdar; der Segen Gottes sei mit euch bis ihr gelangt ins Himmelreich und singt mit allen Engeln froh ewig ein holdes Jubilo.

_Urbian_, der 1. Hirte, spricht:

Ach Bruder Dulcian, wie schuttert mir mein Herz! Ich weiß nicht wie mir ist, vor Furcht und großen Schmertz, weil sich ein starker Glanz erstreckt vor mein Gesicht: Ach Bruder, bleib bei mir, ach, ach, verlaß mich nicht!

_Dulcian_, der 2. Hirte, spricht:

Ach Bruder Urbian, ich bin nebst Dir erschruken hier über diesen Schein, der uns bey finstrer Nacht so helleuchtent überstrallt als brenden alle Rocken: Vor Großer Furcht und grauß mein Herz im Leibe kracht.

_Der Engel_ bei die Hirten hin und spricht:

Ihr lieben Hirten, fürcht euch nicht! Ich bin vor euer Angesicht vom Himmel ab hieher gesand, soll machen euch bekannt die Freude, die Gott euch göntt von seinen eingebornen Kind, der aller Welt ein Heiland ist; des freuet euch zu dieser Frist. Hierauf nun geht gen Bethlehem -- die Schaaf in diesen Schutz ich nehm --, da werdt ihr finden das Kindelein in Windeln eingewickelt ein; es liegt in einer Krippen dar -- auf, auf und nehmet meiner wahr. ~Gloria in excelsis deo. Etampherava. Homenetus fotumta Poro.~

Nun singen sie _alle_ mit die Engel:

Allein Gott in der Höh sey Ehr.

Der große Hirte _Urbian_ spricht:

Nun wollen wir gehen gen Bethlehem und diese Dinge erfahren

Der kleine Hirte _Dulcian_ spricht:

Die uns der Engel hat kuntgetan; die Schaaf wird er indessen uns wohl bewahren.

Nun kommen die Hirten allebeite gesungen:

Vom Himmel kam der Engel Schaar, erschien uns Hirten offenbar, sie sagten uns ein Kindlein zart, das liegt dort in der Krippen hart.

Sie bethen es mit den Worten an:

O, Jesu, liebes Herrlein mein! Komm zu mir in mein Herz hinnein; nim es ein zur Wohnung dein, so werd ich rein und Selig sein.

Nun gehen sie wieder zurück und singen:

Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen einigen Sohn; des freuet sich der Engel Schaar und singt ein solch Neues Jahr.

Die nun folgende Szene zwischen Gardeson, Laban und Herodes findet sich unserem Schlußspiel. Ebenso ein großer Teil des Königsspiels. Nachdem sich die Könige entschlossen haben, zum Kinde zu ziehen, fährt das Löwenhainer Spiel fort.

Die 3 Könige gehen 3 mal hintereinander rum, nach dem mit einem Compliment zum Könige Herodes hin. -- Nach diesen fängt der 1. König an:

Der Segen des Höchsten wolle begnaden, ihro Königreich schützen vor Schaden, vor einfal der Feinde, vor Feuer und Tod: Sie leben befreit vor Jammer und Noth.

Der König _Herodes_ spricht:

Ich danke euch von Herzen vor dieses Compliment; ihr werdet ohne scherzen mir zeigen an behend: Was ist euer beginnen, wo ist es hingericht? -- Eröffnet euer Sinnen und gebet mir bericht!

Der König:

Ihro König Herodes, verzeihen sie mir zu reden frei die Wahrheit hier! Warum wir ausgezogen sein, das macht ein Sternenschein; weil er uns neu erschienen ist und er zeigt an zu dieser Frist, es sei Jesus, das Heil, gebohren, zum Juden König auserkohren; denselben wollen wir beten an, sie wollen den Ort uns zeigen lan.

_Der König Herodes_:

Ich hab hiervon gar keinen Grund zu sagen euch in dieser Stund; doch wil ich kundschaft legen aus, wo sei zu finden dieses Hauß; Stelt euch bei mir bald wieder ein, indes thut Gott befohlen sein.

Die Könige gehen ab.

Der _König Herodes_ spricht:

Mein Kammerdiener kom herbei!

_Der Kammerdiener_:

Sie befehlen nur, ich diene treu.

_Der König Herodes._

Hol die Schriftgelehrten vor uns her das ist mein ernster Wille und Begehr.

Der _Kammerdiener_ zu den Schriftgelehrten:

Sie sollen gleich vor den König Herodes erscheinen.

Der _Gardeson_ zu den König Herodes spricht:

Herr König, hab ichs nicht gesagt, das sich Kundschafter ham hergewagt?

_Der König Herodes_:

Nur stille, lieber Gardeson! Wir wollen sie lassen laufen an.

Der _Schriftgelehrte_ zu den König Herodes spricht:

Auf ihr Königlich will und Wort erschein ich jetzt an diesen ort.

Der _König Herodes_ zu den Schriftgelehrten:

Hiervon zeige mir geschwind: wo findet man ein solches Kind, das da der Jüden König sei, Wie solches reden die Weisen drey?

Der _Schriftgelehrte_ mit einem Buche:

Hiervon mus ich wohl zeigen an, was uns der Prophet Micha kundgethan: Zu Bethlehem in Davids Stadt -- dieselbe er benennet hat -- sol herfürsprisen der Herr Christ der unser Heil und König ist:

»Und du Bethlehem im Jüdischen lande bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda, denn aus dier soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel Herr sei.«

Schlägt das Buch zu.

_Gardeson_:

Herr König, das Ding lauft auf einen Krieg hinaus! Da werde ich schauen zum Fenster hinaus! Ich menge mich fürwahr nicht drein, ich trinke lieber Bier und Brandenwein.

_Herodes_ spricht:

Mein Kammerdiener, komm herfür, bestell die Weisen her zu mir.

_Kammerdiener_:

Auf ihr Königlich pefehl und Ortinand geh ich gleich hin und mach ihn bekand.

_Kammerdiener_ (zu den Weisen hin):

Ihr Herren Weisen, ich mach euch bekand, ich bring euch eine Ortinand von meinen König Herodes her: Ihr solt gleich vor ihn erscheinen ist sein begehr.

Die drei Könige vor Herodes:

_Der 1. König_:

Aus gehorsamster Schuldigkeit --

_Der 2. König_:

Erscheinen wir zu dieser Zeit --

_Der 3. König_:

Und sind zu dienen stets bereit.

_Herodes_:

So ziehet hin nach Bethlehem, Weil nicht hier zu Jerusalem, Sondern von solcher kleinen Stadt Micha vorlängst geschrieben hat, Das daselbst sol kommen herfür Der Herzog, welchen suchet ihr, Und wie ihr solchen treffet an, So solt ihr mich es wisen lan: Ich wil ihn auch Verehrung thun, So geth in Gottes Nahmen nun.

_Der 1. König_:

Wir danken vor die gütigkeit --

_Der 2. König_:

Und sind zu dienen stets bereit; --

_Der 3. König_:

Sie leben wohl zu allerzeit.

_Der Gardeson_:

Das das mögen wohl rechte narren sein -- Ich kann mir es fürwar nicht anders bilden ein: Das ein klein Kind von Bethlehem Soll herrschen zu Jerusalem -- Mein Herr giebt das gar schwerlich zu! Es wird sonst da werden die gröste unruh.

_Der 1. König_:

Ihr lieben Herrn, seth doch an! Der Stern zeigt uns noch mehr die ban Zu dieses Prinzeß Residenz: Wir sind gewiß bald an die Grenz.

_Der 2. König_:

Ich seh den Stern ganz stille stehn; Ein jeder mag es selbst ansehn: Er stralet auf ein Haußlein dort, Gewis ist dies des Prinzens ort.

_Der 3. König_:

So wollen wir alda kören ein, Wo uns hinfirt der Sternenschein.

Der 1. König giebt das geschenke ab und spricht:

Dies sei, Heiland, Dir verörth Aniezt aus Herzensgrunde: Arabisches Gold, Weirauch und Mirren. Ich glaubs zu dieser Stunde, Das du bist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich, So nimm mich endlich doch zu dir ins ewige reich!

_Der 2. König_:

Du bist, o Jesulein Ein König hochgebohren; Dein Vater ist mein Gott, Der hat Dich auserkoren: So nim von mir doch an, Was ich aus Schwachheit dir aniezo bringen kan.

_Der 3. König._

Nim hin von mir, du helt Aus Davids Stamm entsprossen, Was ich Dir bringe mit. Las mich auch einst geniesen, Einst sein in deinen Reich, das dir bereitet ist, Bis ich beschliß meine lebensfrist.[16]

_Der Joseph_:

Habt Grosen Dank, meine lieben Herrn! Gott wird euch davor viel bescherrn Und machen an der Seelle reich, Ja gar den lieben Engeln gleich.

Die 3 Könige gehen ab, und der Engel geth hin und spricht zu den Königen:

Ihr Herrn Weisen, ich mach euch bekand; Nehmt einen andern Weg in euer Land! Geth nicht wieder zu Herodes hin, Den er ist falsch in seinen Sinn; Ihr werdet sonst kommen in gefahr. Dies zeig ich euch; nehmt meiner wahr!

_Die Mutter Maria_:

Schlaf ein, mein liebes Kindelein, Und thu dein Aeuglein zu: Der liebe Gott, der wil dein Vater sein, :,: Drum schlaf in guter Ruh! :,:

_Der Joseph spricht_:

Ich bin sehr müth, ich armer Mann, Weil ich heut sehr viel Arbeit hab gethan; Und da ich nun bin kommen zu Hauß, Wold ich gern wieder ruhen aus! So mus ich erstlich nehmen her Den Milchtopf, Mehl und Quirl schwer Zu kochen meinen Kinde einen Brei -- Ist das nicht eine schöne Köcherei? Und weil ich sehr erschroken bin, Hab ich nichts in meinen tüpfel drin.

Der _Engel_ zu Joseph und spricht:

Auf, auf, Joseph, und säum dich nicht, Weil ietzt vorgeth ein schwer gericht. Herodes wüthet wie ein Hund: Er will ausrotten diese Stundt Die Kinder so in Unschuld sein -- Es soll auch treffen dein Kindelein. Drum zeigt dir Gott den unterricht, Drum auf, Joseph, und säume nicht!

_Joseph_ spricht zu Maria:

Maria, mein vertrautes Weib, Hör an was mir Gott anzeigt! Steh auf, begleite deinen Leib, Ein Groß Unglück sich erreigt: Herodes will, die Kindelein Alsbald müssen getötet sein. Auf, auf! Hier ist kein Bleibens mehr, Der Engel Schutz ist um uns her.

_Maria_ steth auf und spricht:

Weil uns Gott dies zeiget an, Das wir uns machen auf die bahn, So wollen wir fliehen in Egiptenland! Gott wird uns schon leisten sein Beistand, Das wir alda sicher sein Mit unsern lieben Kindelein.

Der eine Hirte stößt in das Horn und die ganze Cumun fängt an zu singen:

Die Hirten auf den Felde warn, Erfahren neue Mähre Von der Englischen Schaar, Das Christus geboren wäre, Ein König über alle Könige Groß; Herodes die rede gar sehr verdroß, Aussand er seine Bothen. Ey wie gar eine falsche list Ertacht er wieder an Jesum Christ! Die Kindelein lies er töden.

_Der König Herodes_ spricht ganz traurich:

Gardeson, gieb guten Rath! Ich mögt vor angst fliehen aus der Stadt, Da ichs verstehe und sehs auch an, Das mich die Weisen betrogen han! Was üben wir vor eine that? -- Gardeson gieb guten Rath!

_Der Gardeson_ antwordet edwas zornig:

Herr König, hab ichs nicht gesagt, Ihr solt mich lasen unbefragt, Da ich nun klärlich zeigte an, Es wären Kundschafter auf der ban? Ihr glaubt mir aber nicht! Machts, wie ihr wold, ist mein bericht!

_Herodes_ Andwordet ganz zornig: