Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes
Part 3
Dann singen alle Beteiligten den Vers: »Wachet auf, ruft uns die Stimme!« Nun treten die Schäfer auf. Das Stück trug schon zu Mosens Zeiten alle Zeichen des Verfalls, zusammengeflickt und verwirrt muß es gewesen sein, sodaß Mosen auf eine vollständige Wiedergabe verzichtet.
Vollständiger ist das
Zschopauer Spiel[12]
erhalten, von dem Mosen einige Stücke mitteilt. Dieses Weihnachtsstück führt den Namen »Die Ankunft Jesu«. Es ist von 1861 an des öfteren aufgeführt worden, nachdem es lange Jahre geruht hatte. Eine einfache Bühne wurde mit Hilfe von zwei spanischen Wänden hergestellt, über die der Stern emporgehalten wurde. Der Engel erschien von wirksamen Kolofoniumblitzen begleitet. Das Stück beginnt mit der Herbergsszene. Der _Wirt_ weiß nicht, wie er seine Gäste unterbringen soll. Er spricht:
Ich weiß nicht, wie es werden soll, die Stuben sind nun alle voll, und kommen dennoch stündlich Leute. Der Kaiser schreibt die Schatzung aus, und dieses geht von Haus zu Haus! ich weiß nicht, wo ich Raum bereite.
_Knecht._
Herr Wirt, es ist hier noch ein Mann mit einem zarten jungen Weibe und redet Ihn um Herberg an.
_Wirt._
Fast weiß ich nicht mehr, wo ich bleibe. Geh hin und weist sie diesmal weg, ich kann sie heute nicht behalten,
Der Knecht geht ab.
und wenn ich übern Stall sie steck, da möchten sie vielleicht erkalten.
Der _Knecht_ kommt wieder und spricht:
Die Leute hören gar nicht auf zu bitten, höre doch ihr Flehen.
_Wirt._
Weis' ich sie auf den Boden nauf, das lässet nicht, es will nicht gehen. Geh, bring sie beide zu mir her. ich muß mit ihnen selber reden.
Der Knecht geht ab.
-- Kein Sinnen hilft nun da nicht mehr, da kommen sie schon angetreten.
Joseph und Maria kommen.
_Joseph._
Herr Wirt, o laß Er sich bewegen, und nahm er uns ins Haus herein; was könnt Ihnen das für Freude sein, wenn wir auf freier Straße lägen?
_Maria._
Kann Ihn ein armes Weib bewegen, so laß er uns nicht wieder gehn, und sollten wir in'n Stall uns legen, es soll mit Freuden gern geschehn.
_Wirt._
I nun, so geht in jenen Stall, wo sonsten Ochs und Esel stehn.
_Maria._
O angenehmer Freudenstall! Komm, Joseph, komm, wir wollen gehn!
_Joseph._
Herr Wirt, es soll Ihn nicht gereuen, daß er uns beide aufgenommen; gewiß, wir wollen ehrlich sein, er soll die Zahlung gut bekommen.
Dies ist der Schluß des ersten der fünf Akte. Der zweite enthält die Hirtenszene, der dritte die Unterredung der Weisen mit dem König Herodes, im vierten beten die Hirten und die Weisen im Stalle das Kind an, im fünften gibt Herodes den Befehl zum Kindermord, der Engel mahnt Joseph zur Flucht und zum Schluß treten noch einmal die drei Weisen und die drei Schäfer auf.
_Der 1. Schäfer._
Habt Ihr das Kindlein auch gesehn?
_Der 1. Weise._
Ich sah es in der Krippe schön. Es war so hold, so zart und mild, von lauter Sanftmut angefüllt.
_Der 2. Weise._
Sein Wangen glänzten voller Huld, voll Liebe, Sanftmut und Geduld.
_Der 2. Schäfer._
So wollen wir hinnen scheiden, des großen Gottes Ruhm ausbreiten.
Nun wird der Schlußvers gesungen
Heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis! Der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Ehr und Preis.
Die Wiesaer Engelschar.
Diese wurde nach Mosen (Seite 21) auch in Frohnau und Hermannsdorf aufgeführt. Weihnacht 1857 bemühten sich die Frohnauer das Spiel zur Aufführung zu bringen, es wurde ihnen indes die Erlaubnis versagt. Mosen teilt dieses Spiel vollständig mit. In die am Schlusse des Büchleins erfolgte Zusammenstellung ist aus diesem Spiel fast das ganze Vorspiel aufgenommen worden, nur wurde ein kleines Stück, das allzusehr die Bescherungsszene betont, weggelassen. Das Herbergsspiel ist vollständig dem Wiesaer Spiel entnommen. Nach Beendigung der genannten Szene fährt das Spiel fort. (Mosen Seite 29.)
_Chor._
Steht ihr Hirten auf und wachet! Seht doch, wie der Himmel lachet, seht doch an die schöne Nacht. Jeder Tag, der muß entweichen und die schöne Nacht sich zeigen, weil sie steht in voller Pracht. Wir leben ohne Furcht und gehen hin zu sehn das große Wunder, das in dieser Nacht geschehn.
Die Hirten gehen während dieses Gesanges in taktmäßigen Schritten im Zimmer auf und ab und zwar so, daß der eine unten ist, während der andere oben ist. Jetzt beginnt in derselben Weise fortschreitend, _der große Hirt_:
Schau, Bruder ein groß Wunder dar!
Der _kleine Hirt_, der jetzt auf der anderen Seite der Stube ist, spricht nach:
»Wunder da!«
Er wiederholt so bei jeder Verszeile die letzten Worte, bei denen sich beide Hirten allemal umwenden und nach der entgegengesetzten Seite gehen.
Die schwarze Nacht scheint hell und klar, ein großes Licht bricht jetzt herein, ihm weichet aller Sternenschein.
_Der kleine Hirt._
Schau, Bruder, ein groß Wunderlicht!
(Der große Hirt wiederholt »Wunderlicht«, wie oben.)
Scheint ja die alte Sonne nicht, weils wider die Natur die Nacht zu einem hellen Tage erwacht.
_Der große Hirt._
Was wird hierdurch und zeiget an, daß sich die Natur so ändern kann? Es muß ein großes Werk geschehn, wie wir an diesem Zeichen sehn.
Nun erscheint der Engel und verkündet mit den Worten der heiligen Schrift die Geburt des Christkindes.
_Der kleine Hirt._
Drum, Bruder, auf, geh mit mir einen Lauf, nach Bethlehem wollen wir gahn und wollen nach diesem Kindlein fran, wie uns der Engel hat kundgetan.
_Chor._
~In dulcio jubilo~, nun singet und seid froh, unseres Herzens Wonne liegt in ~praesepio~ und leuchtet als die Sonne.
Dann gehen die Hirten zu Maria und Joseph; der _große Hirt_ spricht:
Ein schönen guten Abend, mein lieber Papa, treffen wir das neugeborne Kindlein hier a?
_Joseph._
Ja, ja, ja, ja!
_Großer Hirt._
Wie heißt das Kind?
_Joseph._
Emanuel.
_Großer Hirt._
Was bringt es mit?
_Joseph._
Trost, Heil der Seel!
_Großer Hirt._
Ei, wer führt uns zu dem Kindelein?
_Joseph._
Das tut der rechte Glaub allein.
_Großer Hirt._
Ei, warum sollten wir da nicht fröhlich sein und singen mit den lieben Engelein: Laßt uns alle fröhlich sein?!
_Chor._
Laßt uns alle fröhlich sein, grüßen Gott den Herrn, der sein liebes Söhnelein uns selbst tut verehr'n.
_Der große Hirt._
Ach mein herzliebstes Jesulein, wenn ich was bei mir hätt, das ich dir verehren tät! Nun diesen Apfel geb ich dir, das ewge Leben schenkst du mir.
_Der kleine Hirt._
Ach mein herzliebstes Jesulein, wenn ich a was bei mir hätt, das ich dir verehren tät! Ich hab noch ein alt hart Rinnel Brot, hobs länger als vier Wochen in mein Kober gehot, do, Alter, iß du's.
Nun singt der _Chor_ den Liedvers:
»Heut schleußt er wieder auf die Tür«
wie im Zschopauer Spiel. Der _heilige Christ_ spricht die Schlußworte:
Ihr Kinderlein, zur gute Nacht seid nur auf Lob und Dank bedacht und grüßet Jesum, Gottes Sohn, der heut kimmt von des Himmels Thron. Er wird dies Jahr noch oft einkehren und übers Jahr vielmehr bescheren.
Mit einem Liedvers schließt das Spiel, während sich die Engelschar entfernt.
Das Königswalder Spiel.
Dieses verrät eine Verwandtschaft mit dem vorigen Spiel. Nur die Hirtenszene weist einige Abweichungen auf. Das Wiederholen der Schlußzeilen ist ebenfalls durchgeführt.
_Urban._
Wir hom fast die ganze Nacht --
_Stephan._
ganze Nacht --
_Urban._
Mit Wachen und Blosen zugebracht.
_Stephan._
zugebracht.
_Urban._
Sonst hätte mir der Wölfe Schar meine Schaf gefressen ganz und gar. Auch freist mich sehr an meine Füß, weil es so grimmig kalt do is, so will ich när noch emol blosen, daß der Wolf tut meine Schof mit Frieden losen. -- Ei blos ich net wie ä Jagersma?
_Stephan._
Jagersma! Mit dir allein do will ich ga, weil es so grimmig kalt do is, daß ich erwarme meine Füß.
_Engel_ singt:
~Gloria, Gloria, in excelsis deo Gloria!~
_Urban._
Horch, Stephan, is dos net a wunnerlich Ding?
_Stephan._
Wunnerlich Ding!
_Urban._
Mich deuchts, als wenn a Engel singt. Ei, muß dos net Freud im Himmel sein, wenn singe die lieben Engelein!
_Stephan._
Was geht uns ober dos a? Wir wolln ein wenig ins Fald nei ga.
_Engel._
Hirten, stehet still. Was ich sagen will: Heut ist geboren zu Bethlehem ein Kindelein, genannt das liebe Jesulein, es liegt in einem Krippelein und ruht auf dürrem Gras, davon ein Rind und Esel fraß. Darum gehet hin und forschet die Geschicht, von welcher ich euch hab bericht!
_Stephan._
Nun, Urban, nun glaub ich deinen Worten, die ich mit meinen Ohren gehört.
_Urban._
So glaubst du nun an die heiligen himmlischen Heerscharen, die uns große Dinge tun offenbaren, nämlich, daß in Bethlehem ein Kindlein soll geboren sein, genannt das liebe Jesulein. Ei so wolln wir gan und erfahrn die Sachen.
_Stephan._
Wenn ich gleich soll gehen mit, war bleibt do, dar die Schof behüt?
_Urban._
Wos sorgst du für die Schof so sehr, ich wollt, daß wir von hinnen wärn. Gott, der uns dies tat offenbarn, der wird auch unser Viech bewahrn!
Die Hirten vor der Krippe.
_Urban._
Gott grüß Euch, mein lieber Alter!
_Joseph._
Schön'n Dank! Schön'n Dank!
_Urban._
Ist das der König der Ehren? Ist das das liebe Jesulein, welches ein großmächtiger König und Herr soll sein? Seine Gewalt über Himmel und Erden und dessen Reich kein Ende soll werden?
_Joseph._
Ja, ja, ja.
Die Anbetung der Hirten geschieht mit denselben Worten wie im Wiesaer Spiel.
Das Bärensteiner Spiel.
Die Erhaltung verdanken wir dem Oberförster Timäus in Unterwiesenthal. Sein Gewährsmann ist der Waldwärter Göbel, der es im Jahre 1900 von einem Schuhmacher Fritz Meyer in Bärenstein, der selbst noch an den Spielen teilgenommen, aufgezeichnet erhielt. Man vergleiche besonders die Bescherungsszene mit der im Wiesaer Spiel. Das Stück ist enthalten in den Mitteilungen des Vereins für Sächsische Volkskunde, Band II, Heft 3.
I.
1. und 2. Engel singen »Vom Himmel hoch«. 1. Vers.
II.
Die ganze Schar singt »Vom Himmel kam der Engel Schar«.
III.
Der _heilge Christ_ singt
Einen schönen Abend insgemein, Wir sind gekommen zu euch rein Und wollen sehen zu dieser Frist, ob Aufrichtigkeit und Religion noch ist, die Eltern auch geliebt, mit Willen nie betrübt, was sie befohlen euch und sie erzürnet nicht.
IV.
_Nikolaus_ spricht zum Knecht Martin oder Ruprecht.
Wir wollen von hinnen fahren und wollen unsre Schätz auf fromme Kinder sparen. Und wer fein fromm gewesen ist, den will er freundlich loben, Komm immer, komm herein, du heilger Christ von oben. Nun Martin, fang du an und laß die Kinder beten, Weihnachtsgebetlein zum Katechisma treten. Schämt euch der Arbeit nicht, red auch kein schnippig Wort, in Schulen sitzt fein still und bleibt an euren Ort. So will ich euch Gold, Silber, Schmuck und Perlen bringen, wenn ihr werd't fahren fort mit Beten, Lesen und Singen.
V.
Gesang: Ich freue mich in dir und heiße dich willkommen usw. 1. Vers.
VI.
_Joseph_ und _Maria_. Joseph spricht beim Wirt um Herberge an:
Schön guten Abend, mein lieber Herr Wirt, Ich und das Weib, wir kommen aus der Stadt Galiläa Und wollen fragen um Herberge ah.
_Wirt._
Mein lieber alter Mann, das kann nicht sein, es sind bei mir gekehret ein viel tapfere Herren und Frauen ein. Reist weg von mir, ihr könnt hier keine Herberge bekommen.
_Joseph._
Es ist lauter Gottesgeschick, wir Armen ham halt gar kä Gelück, Herze Maria, gieh du na, weil ich nischt richten ka.
_Maria_ spricht den Wirt an. (Die Worte waren dem Ueberlieferer entfallen.)
_Wirt_ (antwortet).
Für eure große Aufrichtigkeit sag ichs euch zum letzten Mal, vergonnen soll euch sein der Stall.
Gesang von _Maria_ und _Joseph_: Lobt Gott ihr Christen allzugleich. 1. Vers.
VII.
_Hirten_ liegen am Boden schlafend.
Ein Engel verkündigt:
Ihr Hirten und Schäfer, steht, (auf?) hört, was ich euch sagen will. Uns ist ein Kind geboren zu Bethlehem in Davids Stadt, wie Micha das verkündigt hat.
Hirten erwachen und der _erste Hirt_ spricht:
Schaut Brüder, was ist das für ein Zeichen, das am Himmel sich erregt, es muß ganz neues was bedeuten, weil er ganz alleine steht. (!)
Der _zweite Hirt_ spricht:
Drum ihr Brüder auf, wir wollen gehen einen Lauf, und wollen nach Bethlehem gahn, und wollen nach dem Kindlein fran, wie uns der Engel hat kundgetan.
Der _dritte Hirt_ spricht:
Wir werdens noch erfahren heut (!)
VIII.
_Opferung der Hirten und Schäfer_ bei Joseph, Maria und neugeborenem Kind im Stalle.
_Gesang der Engel_: ~Gloria in exelsis deo, et in der Apacemine was trollenfollendatis.~[13]
_Lied für die ganze Schar._
O Fürstenkind aus Davids Stamm, du meiner Seelen Bräutigam, mein Licht, mein Trost, mein Leben. Schließ ich in mir (?) in mein Herze, daß ich scherze, und dich küsse, dich auf ewig lieben müsse.
_Lied der Schäfer._
Das Schäferleben mich ergötzt, weil es so lustig ist, denn wo ich nur den Fuß hinsetz ist alle Müh versüßt. Das Ohr zu hören wird nicht matt. Das Aug zu sehen wird nicht satt, den Schäferstab ich lieb.
Das Grünhainichener Spiel.
Dieses, obwohl auch ein Bruchstück eines älteren, ist bis in die neueste Zeit gespielt worden. Herr Gewerbelehrer Martin von der Spielwarenfachschule hat dazu eine anschauliche Zeichnung geliefert, die in Postkartenform weit verbreitet ist. Als Besonderheit führt das Spiel den heiligen Petrus mit dem Schlüssel mit. Die Gesänge sind jedenfalls später eingefügt worden.
_Gesang_: »Stille Nacht, heilige Nacht«
_Knecht Ruprecht._
Euch grüßt Knecht Ruprecht wohlbekannt den artgen Kindern im ganzen Land und auch den Schlimmen mit Sack und Stecken bringt er Freude zugleich auch Schrecken. Knecht Ruprecht als ein Heidenkind trat einst zu Christi ingesinnt geht nun als Weihnachtsmann voran. Bereit dem Christkind gern die Bahn und weil es ihm so herzlich freut so singt: »O du fröhliche Weihnachtszeit« singt Alle, Baß, Tenor, Sopran im Himmel stimm' wirs reiner an.
_Gesang_: »O du fröhliche, o du selige«
_1. Hirt._
Aus Davids Haus, dem kahlen Stumpf tief aus der Armut düstern Sumpf hast du das arme Paar gesehen die Davidssprossen nach Bethlehem gehen?
_2. Hirt._
Wie macht deine Rede mein Herz so froh, noch lebt der alte Davidsstamm von dem man solange nichts vernahm.
_1. Hirt._
Der Himmel geht auf und Engelscharen seh ich im Glanz herniederfahren.
_Engel._
Fürchtet euch nicht, fürchtet euch nicht, siehe ich verkünde euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden, das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
_Gesang des Engels._
Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.
_König._
Sei mir gegrüßet Himmelsheld, gegrüßt du Heiland aller Welt. Denn deine schwarzen Brüder auch im Süden, nimmst du nun auf in deines Reiches Frieden.
_Gesang_: »Es ist ein Ros entsprungen«
_Der heilge Christ._
Hab draußen den Gesang vernommen und bin deshalb hierher gekommen, denn wo man ehrt den heilgen Christ, er jederzeit erschienen ist.
_Petrus._
Auch ich bin nur hier eingekehrt weil ich ein christlich Lied gehört. Darf ich nun noch ein Sprüchlein hoffen steht euch der Himmel heut schon offen. Dem werd' ichs Himmelstor aufschließen, die im Gebet den Herrn geprießen.
_Gesang_: »Fröhliche Weihnacht überall« oder »Alle Jahre wieder.«
_Der heilge Christ._
Nun laßt uns gehn zum nächsten Haus, schon lange harren dort die Kleinen und lugen längst zum Fenster aus, ob er nicht recht bald wird erscheinen der heilge Christ. Bleibt alle fromm auf daß ihr einmal zu mir kommt.
Das Cranzahler Spiel.
Mosen (Seite 31) schreibt darüber, daß die meisten Mitglieder dieser Engelschar wegen der Aufführung bestraft worden seien, aber »mit brennendster Begier die Erlaubnis zur Wiederholung ihres Spiels« wünschten. Sämtliche Rollen wurden nur von Männern dargestellt, auch die der Maria. Das Vorspiel gleicht dem Wiesaer, nur die Hirtenszenen sind ausführlicher.
Die _Hirten_ singen beim Auftreten.
Frohlocket, ihr Himmel, mit englischer Wonne, weil Jesus geboren, die himmlische Sonne. Es jauchzen die Völker, es singet die Welt, weil Jesus heimsuchet das Erdengezelt. Heut singen die Engel, heut lachet der Himmel, heut jauchzet und springet das Erdengetümmel.
Nach der Anbetung im Stalle sangen sie:
Drauf finden die Hirten und loben mit Schalle das Jesulein, liegend im finstern Stalle, sie fallen zu Füßen und beten es an, als ihnen die Engel dies kundbar getan. Heut singen die Engel, heut jauchzen die Himmel, heut jauchzet und springet das Erdengetümmel.
Beim Zusammentreffen der drei Könige spricht _Melchior_:
Im Namen Jesu seid gegrüßt! Ich bring euch gute neue Zeit, die euch der Herr mit Freuden geit. Euch ist geboren der edle Held, der erlösen wird die ganze Welt. Drum laßt uns eilend und behend hinziehen nach demselben End, an welchem Ort zu dieser Frist der neue König geboren ist. Denselben wollen wir beten an, und ihm auch unsere Huldigung tan, wir wollen ihn verehren mit unserm Geschenk, dabei er unser stets gedenk.
Sie kommen zu _Herodes_ und sprechen:
Glück zu, mein lieber König Herodes! Sie sagen ihm, daß ein Kindlein geboren sei, welches ein großmächtiger König und Herr soll sein, seine Gewalt über Himmel und Erden.
Da gerät er in heftigen Zorn:
Potz Quintus Florus, was hör ich nun! Was soll ich in meinen Sachen tun? Soll sein ein neuer König geboren, so wäre mein ganzes Reich verloren. O Jammer über Jammer groß! Wie stehet meine Sache bloß! Soll sein ein neuer König zur Hand, so treibt er mich aus meinem Land.
Die Anbetung der Könige findet sich in der Zusammenstellung am Ende dieses Bandes.
Nachdem der Engel die Weisen gewarnt hat, zu Herodes zurückzukehren, spricht _Kasper_:
Dieweil wir nun im Traum von dem Engel haben gehört, daß wir sollen ziehen einen andern Weg, so laßt uns aufmachen zur Hand und ziehen durch ein ander Land.
Dann fordert der Engel Joseph zur Flucht auf und dieser spricht zu Maria:
Nun Maria, laß dir sagen, wir sollen das Kind nach Aegypten tragen.
_Maria._
Es soll an mir kein Mangel sein, komm immer, mein liebes Jesulein, wir wollen schnell und behend reisen nach unserm Elend.
_Joseph._
Packt zusammen!
Der Chor singt nun den Liedvers: »Wo werd ich Dich nun finden? zu Bethlehem nicht mehr usf.« Die Herodesszene beginnt mit den Worten:
_Herodes._
Mein lieber Diener, hast du nichts vernommen, ob diese Personen sind wiedergekommen?
Als er das Gegenteil erfährt, wird er wütend:
Ei, da schlag Blei und Pulver drein, sollten sie gewiß vorüber sein?
Er beschließt den Kindermord:
Und sollten alle Kinder sterben, so muß der König auch verderben; das Kinderblut ist meine Lust, dieweils mich Kron und Szepter kost't. Drum, auf, ihr Diener, eilt geschwind, und helft mir suchen das jüdische Kind. Wenn einer solches ausrichten kann, der soll haben mein halb Königreich zum Lohn.
_Diener._
Mit meiner Macht und starker Hand, will ich gehn durchs ganze jüdische Land und töten alsobald alle Knaben von zwei Jahren alt zu Ehren mein, haun und stechen mit meiner Kling und Spitzen; Den großen Hauf und das Fräulein wird sie mit Knabenblut bespritzen. Zu Ehren des Herren mein will ich meine Macht beweisen, mit Rach und unbarmherziger Hand, die euch durchdringet Stahl und Eisen, zu schützen meines Herren Kron, davon ich soll haben sein halb Königreich zum Lohn.
Dann spricht er dreimal den _Satz_:
Ich suche Blut und übe Rach' an jungen Knaben aus.
Der _Chor_ singt.
Auf sperren sie den Rachen weit und wollen uns verschlingen. Lob und Dank sei Gott alle Zeit, es wird ihn'n nicht gelingen. Er wird ihren Strick zerreißen gar und stürzen ihre falsche Lahr, sie werdens Gott nicht wehren.
Nun tritt der _Diener_ wieder ein und spricht:
Ich hab gekämpft und wollt obsiegen gar, nun aber muß ich schamrot werden ganz und gar; ich suchte wohl, fand aber nichts, nach dem sich tät mein Mut erreichen. Mit Rach und Tyrannei ist nichts getan, Das muß ich jetzt bezeugen. Ich hätte gern vollführt, was mir vom König ward bestellt, nun aber ist mir erst der ganze Sinn und Mut gefällt; Drum leg ich nieder Wehr und Waffen und hab mit der Gerechten Blut nichts mehr zu schaffen.
Die nächste Szene haben wir uns in Ägypten zu denken. Der Engel verkündet dem Joseph, daß die Feinde gestorben sein. Da spricht _Joseph_:
Höre, Maria, wir sollen schnell und behend, reisen wieder nach Bethlehem, Gott wird uns erhalten bis an unser End.
Nun singt die ganze Engelschar eine »Arie«, die so beginnt:
Was wird mir mein herzliebes Jesulein geben? Himmlisches Leben!
Der Sternenengel beschließt das Spiel mit den Worten:
Nun, lieben Freunde insgemein, nun haben Sie vernommen fein und ohne Zweifel frei genommen, wie es mit dem Kindlein sei gekommen, daß es mußt gleich nach seiner Geburt fortziehen an einen fremden Ort, und wie Herodes falsche List hernach zu nichte worden ist, und wie die Weisen aus Morgenland ihm groß Geschenk verehret haben. Der Fried des Herrn sei mit euch, einen guten Abend haben Sie allzugleich, dazu ein fröhlich neues Jahr; Gott helf, daß es uns allen widerfahr, Gott helf, daß er nach dieser Zeit uns bringe zu der Ewigkeit.
Der Vers: »Heut schleußt er wieder auf die Tür« beschließt auch das Cranzahler Spiel.
Aus dem
Mildenauer Spiel
teilt Mosen nur einige Verse des Wirtes mit, die in unserem Schlußspiel am Anfang des Krippenspiels, Nr. 5, gesprochen werden.
Das Neudorfer Spiel.
Im Jahre 1860 lernte Gustav Mosen bei seinen Forschungen nach Christspielen in Neudorf einen 90jährigen Greis kennen, einen gewissen Oeser, der das ganze Neudorfer Spiel im Gedächtnis hatte. Kantor Türke in Neudorf hat Mosen das Spiel aufgeschrieben, und -- was noch bedeutsamer ist -- auch die Weisen der Lieder mit, sodaß auf diese Weise einige köstliche Gesänge überliefert worden sind. Das Spiel enthält einige Szenen, die in den Resten der anderen Engelscharen nicht erkennbar sind. Zunächst singt der Chor in der Hausflur den 1. Vers des Liedes: »Vom Himmel kam der Engel Schar.« Während dieses Gesanges kniet der Engel Gabriel auf der Türschwelle. Hierauf erhebt er sich, tritt mit feierlichen Schritten in das Zimmer und spricht:
In diesem Hause sei des höchsten Gottes Friede, den angemeldet hat in einem neuen Liede der Engel aller Schar in dieser frohen Nacht, die uns der Völker Heil und Licht zuweggebracht. Zu des Augustus Zeit ist uns ein Sohn gegeben, der uns gebähnet hat den Weg zum Himmel eben. Ihr Leute, höret zu, was von dem Kinde sagt ein jeder unter uns, und seid ganz unverzagt.
Die Schar kommt herein und _Joseph_ spricht:
Mein Herz ist voll lauter Not. Maria, die schöne Braut, ist mir zum ehelichen Weibe anvertraut; allein man sagt jetzt allerorten, sie wär, ich weiß nicht wie, schwanger worden. Nun werd ich mir den Vorsatz fassen, um sie bald heimlich zu verlassen. Nun wird mir mein Herz so schwer! Ich will mich ein wenig ducken hieher.