Erzählungen aus der Römischen Geschichte in biographischer Form
Part 17
Die Mörder des Pompejus wüteten noch gegen den Leichnam. Sie schnitten ihm den Kopf ab und warfen den Rumpf nackt an das Ufer, wo er von einer Menge neugieriger Menschen begafft ward. Darauf erwies Philippus, der Freigelassene des Pompejus, seinem Herrn den letzten Dienst. Er wusch den verstümmelten Leichnam im Meere ab, wickelte ihn in eins seiner Gewänder und brachte dann einige Trümmer von einem alten Fischerkahn zusammen, um einen Scheiterhaufen zu errichten. Während er damit beschäftigt war, trat ein alter Römer, der einst unter Pompejus gedient hatte, mit den Worten zu ihm: „Wer bist du, der du den großen Pompejus zu bestatten suchst?“ -- „Sein Freigelassener“, antwortete Philippus. -- „Wenn du der bist“, erwiderte der Alte, „so teile die Ehre der Beerdigung mit mir, damit ich in dem Elend, das mich drückt, doch wenigstens das eine Glück genieße, den Leichnam des größten römischen Feldherrn mit meinen Händen zu begraben.“ Philippus willfahrte ihm, beide verbrannten den Leichnam, vergruben die Asche und setzten auf den Grabhügel eine Tafel mit der Inschrift: „Hier ruht Pompejus der Große!“
3. Cäsar in Afrika. Catos Tod.
Drei Tage nach des Pompejus Tode erschien Cäsar vor dem Hafen von Alexandria, der damaligen Hauptstadt Ägyptens. Alsbald kamen die Mörder in der Hoffnung auf eine Belohnung an Bord seines Schiffes und überreichten des Pompejus Haupt und Siegelring. Cäsar wandte sich mit Abscheu von dem Anblick des blutigen Hauptes, aber tränenden Auges empfing er den Siegelring des Mannes, der einst so groß und mächtig und durch Freundschaft und Verwandtschaft mit ihm verbunden gewesen.
Weit entfernt die Schandtat zu belohnen, bewies er sich milde und freundlich gegen die Anhänger des Pompejus, die man in Ägypten ergriffen hatte und in seine Gewalt lieferte. Denn Großmut und Nachsicht gegen besiegte Feinde bildeten den schönsten Zug seines Charakters. Er fand das ägyptische Volk gespalten und aufgeregt durch einen Zwist zwischen dem unmündigen König Ptolemäos und seiner älteren Schwester +Kleópatra+, die ihm den Thron streitig machte. Cäsar befahl beiden Teilen ihre Heere zu entlassen, und entschied dann zu gunsten der schönen Kleopatra, die ihn durch ihre verführerischen Reize geblendet hatte. Da brach plötzlich, durch die Ratgeber des Königs, Potheinos und Achillas, angestiftet, ein gewaltiger Aufstand in Alexandria aus, gegen den sich Cäsar mit den wenigen Truppen, die er mitgebracht, kaum zu behaupten vermochte. Er zog sich vor der Übermacht in das Brucheion, den schönsten und festesten Teil der Stadt, zurück. Hier bestand er, von jeder Verbindung mit Rom und den Provinzen abgeschnitten, unter der größten Bedrängnis neun Monate lang den Kampf gegen die empörte, vielmal überlegene Menge der Feinde. Um sich den Zugang zum Meere zu öffnen, verbrannte er die ägyptische Flotte im alexandrinischen Hafen, weil er nicht hoffen konnte sie zu erobern. Der Brand ergriff aber auch das Brucheion selbst, und die Hälfte jener berühmten alexandrinischen Bibliothek, die sich hier befand, ward ein Raub der Flammen. Während dieses traurige Schauspiel die Aufmerksamkeit der Einwohner beschäftigte, besetzte Cäsar die kleine Insel Pharos, die vor dem Hafen lag und den berühmten Turm, der als eins der sieben Wunderwerke der alten Welt galt. Von da an drehte sich der Kampf um die Behauptung des Hafens. Die Ägyptier schnitten den Römern das Trinkwasser ab und leiteten Meerwasser in ihre Cisternen. Um der Not abzuhelfen, ließ Cäsar neue Brunnen graben. Bald aber geriet auch die Insel Pharos, die durch einen Damm mit dem Brucheion zusammenhing, in die Hände der Feinde. Vergebens suchte Cäsar sie wiederzunehmen. Er wurde zurückgeschlagen und kam dabei selbst in Lebensgefahr. Denn als er vom Damm in ein Schiff sprang, drohte dieses wegen Überfüllung zu sinken. Da sprang er ins Meer und schwamm unter einem Pfeilregen einige hundert Schritte weit nach einem andern Schiffe, wobei er mit der einen Hand wichtige Schriften emporhielt, um sie nicht vom Wasser verderben zu lassen, und erreichte glücklich das Ufer. Endlich kam die langersehnte Hilfe, die ihm Mithridates, ein angeblicher Sohn des Königs dieses Namens, aus Kleinasien und Syrien zuführte. Dieser eroberte Pelusion; der König Ptolemäos wurde geschlagen und ertrank auf der Flucht im Nil. Nun ergab sich Alexandria dem Sieger (47); Kleopatra ward zwar als Königin von Ägypten anerkannt, das Land aber von einem römischen Heer besetzt gehalten.
Bevor jedoch Cäsar nach Rom zurückkehrte, mußte er noch einen Feldzug gegen +Phárnakes+, den Sohn des großen Mithridates, unternehmen. Dieser hatte, unzufrieden mit dem kleinen Königreiche, das ihm Pompejus gelassen, das väterliche Reich wieder erobert und gegen alle Römer grausam gewütet. Cäsar brach mit einer Legion gegen ihn auf; durch Syrien und Cilicien gelangte er nach Pontus, wo er den listigen Pharnakes überfiel und ihm in der entscheidenden Schlacht bei +Ziéla+ eine vollständige Niederlage beibrachte (47). Er selbst war von seinem schnellen Sieg so überrascht, daß er an seine Freunde in Rom die berühmten Worte schrieb: „Ich kam, sah, siegte!“ (~Veni, vidi, vici.~) Pharnakes verlor alle Besitzungen und bald darauf durch einen treulosen Diener das Leben.
Jetzt erst kehrte Cäsar nach Rom zurück, wo seine Gegenwart dringend notwendig war, da ein unruhiger Volkstribun einen Aufstand verursacht hatte, der vielen Bürgern das Leben kostete. Cäsar stellte sogleich die Ruhe wieder her und überhäufte seine Anhänger mit Ehrenstellen und Belohnungen, dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf Afrika, wo sich die Anhänger des Pompejus gesammelt und eine bedeutende Macht an sich gezogen hatten. Noch war er mit den Rüstungen zu diesem Kriege beschäftigt, als eine Meuterei unter seinen Legionen ausbrach. Diese standen in Capua und warteten mit Ungeduld auf ihren Abschied, sowie auf die Belohnungen, die er ihnen versprochen hatte. Als er ihnen noch größere Belohnungen versprechen ließ, wenn sie ihm nach Afrika folgen wollten, empörten sie sich und brachen in ihrer Wut nach Rom auf, um sich ihren Lohn mit Gewalt zu holen. Nachdem sie auf dem Marsfelde angekommen waren, trat Cäsar unerwartet unter sie und fragte sie mit fester Stimme, was sie wollten. „Unsere Entlassung“, riefen sie. „Ihr sollt sie haben“, antwortete er, „und auch die versprochenen Geschenke, wenn ich an der Spitze anderer Legionen gesiegt habe und sie zum Triumphe nach Rom führe.“ Hiermit entfernte er sich und überließ die Bestürzten dem quälenden Gedanken, daß nun andere an ihrer statt Ruhm und Lohn neuer Siege ernten würden. Doch noch einmal wandte er sich an sie, aber nun nicht mehr mit der Anrede „Kameraden“ (~commilitones~), sondern mit der Anrede: „Bürger!“ (~Quirītes~). Da riefen alle, sie seien keine Bürger sondern Soldaten, und baten ihn sie nach Afrika zu führen.
In Afrika bestand die Macht der Pompejaner aus zehn Legionen, 20000 afrikanischen Reitern und 120 Elefanten; dazu kamen noch die Hilfstruppen des mit ihnen verbundenen Königs +Juba+ von Numidien. Dieser furchtbaren Macht konnte Cäsar nur sechs Legionen und 2000 Reiter entgegenstellen, mit denen er noch in demselben Jahre (47) von Sicilien aus unter Segel ging, um seine Gegner, die ihn in der ungünstigen Jahreszeit nicht erwarteten, zu überraschen. Die Herbststürme jedoch zerstreuten seine Flotte, und er selbst erreichte nur mit 3000 Mann zu Fuß und 150 Reitern die afrikanische Küste. Als er in der Nähe von Adrumetum landete, fiel er dabei zur Erde, aber mit gewohnter Geistesgegenwart rief er aus: „Ich halte dich, Afrika!“ und verwandelte dadurch die schlimme Vorbedeutung, die seine Soldaten leicht in diesem Falle hätten sehen können, in eine gute. Bald auch fand sich die ganze Flotte wieder bei ihm ein, sodaß er im Anfang des Jahres 46 mit 15000 Mann einen Streifzug ins Innere unternehmen konnte. Da wurde er plötzlich von Labiēnus, der einst in Gallien sein bester und erfolgreichster Legat gewesen, und von Petrejus, den er vorher in Spanien besiegt und verschont hatte, mit einer solchen Übermacht angegriffen, daß er nur durch einen geschickt geleiteten Rückzug einer völligen Niederlage entging. Nicht lange darauf aber nötigte er seine Gegner zu der entscheidenden Schlacht bei +Thapsus+, welche mit der gänzlichen Vernichtung des pompejanischen Heeres endigte (46).
Unter den Häuptern der pompejanischen Partei, die bei Thapsus besiegt wurde, nahm der edle +M. Porcius Cato+, ein Urenkel jenes Cato, der die Zerstörung Karthagos zu fordern pflegte, den ersten Rang ein. Nach der Schlacht bei Pharsalos war er nach der Provinz Afrika gegangen und hatte dort die Verteidigung der Hauptstadt Utĭca übernommen. Als Cäsar heranzog, um durch die Eroberung dieser Stadt den Krieg zu beendigen, suchte er anfangs die Einwohner zum Widerstande zu bewegen. Da er aber sah, daß sie in ihren Meinungen geteilt waren, so änderte er seinen Plan. Zunächst war er vielen Senatoren mit Geld und Schiffen zur Flucht behilflich; ja, er riet sogar seinem eignen Sohn Marcus zur Flucht; dieser aber weigerte sich standhaft den Vater zu verlassen. Für ihn selbst hatte das Leben ohne den Bestand einer freien Republik keinen Wert mehr, und darum hielt er sich, nach den Grundsätzen der stoischen Lehre, deren eifriger Anhänger er war, für berechtigt sich selbst den Tod zu geben.
Gegen Abend ging er ins Bad und nahm dann mit seinen Freunden ein Mahl ein. Nach dem Essen trank er mit seinen Gästen und unterredete sich mit ihnen über den Satz, daß nur der Weise wahrhaft frei sei. Diese Behauptung verteidigte er mit solcher Wärme, daß allen seine Absicht klar wurde. Es folgte eine ängstliche Stille. Kaum merkte dies Cato, so lenkte er das Gespräch auf einen anderen Gegenstand. Dann nahm er mit besonderer Herzlichkeit Abschied und begab sich in sein Schlafgemach. Hier las er den Phädon, eine Schrift des griechischen Weisen Plato, welche von der Unsterblichkeit der Seele handelt und zugleich den Tod des edlen und weisen Sokrates schildert, zweimal durch, und wollte dann nach seinem Schwerte greifen. Er fand es aber nicht, denn sein Sohn hatte es heimlich entfernt. Er forderte es mit Ungestüm und ließ nicht eher ab, bis man es ihm brachte. Ohne sich an die Bitten und Tränen der Seinigen zu kehren, rief er: „Nun bin ich Herr über mich!“ entließ die Weinenden, las noch und schlief dann bis Mitternacht. Dann erkundigte er sich, ob seinen Freunden die Flucht gelungen sei. Auf die Nachricht, daß sie alle entkommen seien, verschloß er die Tür, stürzte sich in sein Schwert und fiel zu Boden, wobei er einen Tisch mit umriß. Auf das Geräusch eilten die Seinen herbei und verbanden seine Wunde; er aber, wieder zu sich gekommen, riß sie wieder auf und starb an Verblutung.
Als Cäsar bei seinem Einzug in Utica, welches ihm die Tore öffnete, Catos Tod vernahm, sagte er mit aufrichtigem Schmerz: „Cato, ich mißgönne dir deinen Tod, weil du mir deine Erhaltung nicht gegönnt hast!“ Auch verzieh er dem jungen Cato und ließ ihm das väterliche Vermögen. Catos Beispiel folgend gaben sich auch Metellus, Scipio, Juba und Petrejus den Tod. Labienus aber und Sextus Pompejus verzweifelten noch nicht, sondern flohen nach Spanien, um dort den Krieg zu erneuern.
4. Cäsars fernere Taten und Tod.
Als Cäsar nach Rom zurückgekehrt war, wetteiferten der Senat und das ihm ergebene Volk, ihn mit den höchsten Ehren und Würden zu überhäufen. Die Diktatur, mit welcher die unumschränkte Macht über den ganzen Staat verbunden war, wurde ihm auf zehn Jahre übertragen; auf goldenem Sessel saß er neben den Konsuln, und 72 Liktoren, sechsmal mehr als den Konsuln, schritten ihm voran, so oft er sein Haus verließ. Für seinen Sieg bei Thapsus ordnete der Senat ein vierzigtägiges Dankfest an, und seine Siege über Gallien, Ägypten, Pontus und Afrika feierte Cäsar durch einen vierfachen Triumph. Neben dem Tempel der Fortuna, der Göttin des Glücks, brach, ein schlimmes Vorzeichen, die Achse seines Triumphwagens, und er mußte einen andern besteigen, dann stieg er die Stufen des Jupitertempels auf den Knieen hinauf. Bei dieser Gelegenheit legte er die Kriegsbeute über 200 Millionen Mark an Gold und 2822 goldene Kränze im Werte von mehr als 15 Millionen Mark in den öffentlichen Schatz. Seinen Feinden verzieh er großmütig und bewies überall die größte Milde. Bei dem öffentlichen Festmahle, das er gab, wurde das Volk an 22000 Tischen aufs köstlichste bewirtet, wobei sogar die bei den Römern so beliebte Fischart der Muränen und die berühmten Falerner- und Chierweine nicht fehlten. Außer dieser allgemeinen Speisung beschenkte er noch 50000 arme Bürger mit Getreide und Öl und je 60 Mark an Geld. Von seinen Kriegern bekam jeder gemeine Soldat 3000 Mark, ein Hauptmann das Doppelte, ein Oberst das Dreifache.
Während Cäsar noch damit beschäftigt war durch eine Reihe von Gesetzen und Anordnungen die Ruhe und Ordnung des tief erschütterten Staates herzustellen, rief ihn die Besorgnis vor der drohenden Macht der Pompejaner in +Spanien+ zu neuem Kampfe ab. Dort hatten Gnaeus und Sextus, die Söhne des großen Pompejus, wieder ein Heer von dreizehn Legionen gesammelt. Cäsar zog mit acht Legionen gegen diese letzten Verteidiger der Republik, und bei der Stadt +Munda+ kam es zu dem erbittertsten und blutigsten Kampf dieses ganzen Bürgerkrieges (45). Schon schwankten seine Legionen und das Glück schien ihn zu verlassen; schon focht er, wie er später gestand, mehr um sein Leben als um den Sieg. Da sprang er vom Pferde und warf sich, entblößten Hauptes um von den Seinigen erkannt zu werden, und mit den Worten: „Wollt ihr mich diesen Knaben überliefern?“ in die vordersten Reihen. So hitzig focht er, daß viele unter seinen Streichen sanken und sein Schild von mehr als hundert Geschossen durchbohrt wurde, bis er mit seiner zehnten Legion und seiner Reiterei das Gleichgewicht wieder herstellte. Schon neigte sich der Tag, und die Schlacht war noch unentschieden, als Cäsar bemerkte, wie der pompejanische Anführer Labiēnus fünf Kohorten zum Schutze seines Lagers absandte, und im Augenblick rief er: „Seht, die Feinde fliehen!“ Dies glückliche Wort, das schnell durch die Reihen lief, erhöhte den Mut der Seinen so sehr, daß sie mit hellem Siegesrufe vordrangen und die Pompejaner, bestürzt durch die plötzliche Wendung, nun wirklich die Flucht ergriffen. Nun erst begann, wie gewöhnlich in jenen Zeiten, das eigentliche Gemetzel unter den aufgelösten Scharen der Besiegten. Über 33000 Erschlagene bedeckten das Schlachtfeld. Gnaeus Pompejus fiel auf der Flucht, als er eben die Küste erreicht hatte und Spanien verlassen wollte. Nur sein Bruder Sextus, der der Schlacht nicht beigewohnt hatte, blieb allein von den Häuptern der pompejanischen Partei am Leben.
Dieser Sieg machte dem Bürgerkrieg, der 170000 Menschen hingerafft hatte, ein Ende. Als Cäsar nach Rom zurückkehrte, überhäufte ihn der Senat mit neuen Ehren, wie sie noch nie einem Römer zuteil geworden waren. Er erhielt den Titel Imperator oder Oberbefehlshaber der gesamten Kriegsmacht, und dieser Titel wurde ihm auf Lebenszeit beigelegt und sollte auch auf seine Nachkommen forterben können; ebenso ward er auf zehn Jahre Konsul, auf Lebensdauer Diktator, „Vater des Vaterlandes“, „Befreier“ ward er genannt, und unter einem der zahlreichen Standbilder, die man ihm errichtete, war geschrieben: „Dem unbesiegten Gotte“. So war er denn in Wahrheit Alleinherrscher des römischen Reiches, wenn ihm auch dieser Name fehlte, und als solcher suchte er die Erinnerung an die Zeit der freien Republik im Volke allmählich auszulöschen, und die Amtswürden des herrschenden Adels sanken zu bloßen Titeln herab. Er vermehrte den Senat auf 900 Mitglieder, von denen er die Hälfte selbst ernannte; bei der Wahl der andern Hälfte nahm das Volk auf seine Vorschläge Rücksicht. Auch ein neues Forum legte er an, und errichtete daselbst der Venus Victrix, der „siegreichen Venus“, die er als Stammmutter seines Geschlechts ausgab, einen herrlichen Tempel. Auf die Einweihung dieses Tempels folgten glänzende Volksspiele: in einem künstlichen See wurden Schiffsgefechte geliefert, im Circus wurden 400 Löwen gejagt, wilde Stiere erlegt und endlich eine förmliche Landschlacht dargestellt.
Um die Verwaltung des Staates und der Provinzen, die von Grund auf neu zu ordnen war, erwarb Cäsar sich große Verdienste. Neben vielen anderen Gesetzen dieser Art ist besonders zu nennen die gründliche Verbesserung des römischen +Kalenders+, die er mit Hilfe des alexandrinischen Mathematikers Sosígenes durchführte. Es war darin eine solche Verwirrung eingerissen, daß damals die Abweichung der Monats- und Tagesrechnung von der wahren Zeit bereits 67 Tage betrug und sich die Feste um ebensoviel Tage aus ihrer ursprünglichen Lage verschoben. Die Ursache lag darin, daß man sich dabei nicht nach dem Laufe der Sonne und der Dauer des Sonnenjahres, sondern nach den Mondumläufen richtete, deren zwölf ein Jahr von 354 anstatt von 365 Tagen ergaben. Und doch hatten schon längst die Ägyptier das Jahr nach dem Sonnenlaufe auf 365 Tage 6 Stunden festgesetzt, während die Griechen und Römer noch immer ihre Jahresrechnung auf den Mondlauf gründeten und dadurch zu ungleichen Einschaltungen genötigt waren. Der neue, dem ägyptischen nachgebildete Kalender, der nach seinem Urheber der +julianische+ genannt wird, machte allen diesen Ungleichheiten und Schwankungen ein heilsames Ende. Zwar war auch er noch nicht ganz der wirklichen Zeit entsprechend. Denn indem er dem Jahre 365 Tage und jedem vierten Jahre mit einem Schalttage 366 gab, wich er von der wahren Jahreslänge des Sonnenumlaufs um ein Zuviel von mehreren Minuten ab, ein Fehler, der im Laufe der folgenden Jahrhunderte auf etwa 10 Tage anwuchs und erst durch den gregorianischen Kalender (1582 n. Chr.) ausgeglichen wurde. Auch verlegte Cäsar den Anfang des Kalenderjahres vom 1. März auf den 1. Januar. Die Namen der römischen Monate behielt er bei, nur daß durch Senatsbeschluß der bisherige Quinctīlis dem Cäsar zu Ehren fortan Julius genannt wurde.
Doch so sehr auch Cäsar seine Feinde durch Milde und Gnade gewonnen zu haben glaubte, so große Verdienste er sich um die Vergrößerung und den Ruhm des Staates erworben hatte, so vermochte er doch nicht den tiefen Haß aller derjenigen zu versöhnen, welche bisher gewohnt waren den Staat zu regieren und zu ihren Vorteilen auszubeuten. Auch schonte er nicht in allem seinem Tun die ehrwürdigen alten Überlieferungen der Republik, an denen das Volk mit zäher Beharrlichkeit hing. Nicht zufrieden mit königlicher Macht, strebte er auch nach dem königlichen Titel und beleidigte das Volk durch die Äußerung, daß die Republik nur ein leerer Name sei. Seine Freunde beeiferten sich ihm den Titel „König“ zu verschaffen, der den Römern seit der Vertreibung der Könige ein Gegenstand des Abscheus war. Einst bekränzten sie heimlich seine Bildsäule mit dem Diadem, aber die Tribunen rissen es ab und schickten die Täter unter dem Beifall des Volkes ins Gefängnis. Ein anderes Mal mischten einige in den Zuruf des Volkes den Königsgruß, aber die Menge stimmte nicht ein, und Cäsar mußte erklären, er heiße Cäsar, nicht König. An einem Fest trat einst sein Mitkonsul +Antonius+ mit einer Rede auf und wollte ihm dann eine Krone mit den Worten überreichen: „Dies sendet dir das römische Volk durch mich!“ aber das Volk brach in lautes Wehklagen aus, Cäsar wies das Geschenk zurück, und als Antonius fortfuhr ihm knieend das Diadem darzubieten, sagte er: „Nur Jupiter ist König!“ und schickte es auf das Kapitol.
Wenn nun auch diese Versuche, den königlichen Titel zu erhalten, mißlangen, so war doch sein Streben nach der Königswürde unverkennbar. Die Furcht vor der Gewaltherrschaft eines Königs, Cäsars beleidigender Stolz gegen vornehme Römer, der Haß einzelner Großen, die seine unumschränkte Macht nur mit tiefem Ingrimm ertrugen, brachten endlich eine Verschwörung zuwege, deren Zweck war den großen Diktator zu ermorden und die alte Ordnung wieder herzustellen.
Der Plan zu diesem Morde entsprang aus dem finsteren Gemüte des +Gajus Cassius+, der Cäsars Gnade das Leben verdankte. Er merkte aber bald, daß kein angesehener Mann seinem Anschlage beitreten werde, wenn nicht der damalige erste Prätor +Marcus Brutus+, Cäsars Liebling, ein wegen seiner reichen Bildung und strenger Sinnesweise hochangesehener Mann, sich seinem Plane anschlösse. Diesen suchte er daher vor allem dafür zu gewinnen. Bald legte er Zettel auf seinen Prätorstuhl mit den Worten: „Brutus, du schläfst!“ -- oder „Du bist wahrlich kein Brutus!“ Bald schrieb er an die Bildsäule des alten Brutus, der vorzeiten das Königtum gestürzt und die Freiheit begründet hatte (S. 24): „O daß du noch lebtest, oder daß von deinen Nachkommen einer dir gleich wäre!“ Lange blieb Brutus unentschlossen. Als er endlich der Verschwörung beitrat, wirkte sein Beispiel so mächtig, daß bald sechzig andere, teils begünstigte Freunde Cäsars, teils begnadigte Feinde, sich anschlossen. Es fehlte ihnen nur noch die Gelegenheit zur Ausführung ihres Planes, und diese bot ihnen Cäsar selbst.
Damals, im Jahre 44, trug er sich mit dem großen Gedanken eines Kriegszugs gegen die Parther, um die noch nicht gesühnte Niederlage bei Karrhä (S. 157) an ihnen zu rächen und die Ostgrenzen des Reiches gegen diese mächtigen Feinde zu sichern. Sobald ihm dieses gelungen wäre, gedachte er längs den Küsten des kaspischen Meeres um den Kaukasus herum zu ziehen, in Skythien einzudringen und von da wieder westwärts durch die weiten Gebiete der Sarmaten, Daken, Germanen nach Italien zurückzukehren. Während er zu diesem Zuge die nötigen Anstalten traf, verbreiteten seine Freunde das Gerücht, daß nach einem Spruch der sibyllinischen Bücher (S. 22) die Parther nur von einem König besiegt werden könnten. Darum verlangten sie, daß Cäsar bloß in Italien Diktator heißen, in den Provinzen aber den Königstitel führen sollte. An den Iden des März (15. März, ~idibus Martiis~, denn ~idus~ hieß nach römischem Sprachgebrauch der 15. oder 13. Tag eines Monates), sollte über diese Frage im Senate verhandelt werden, und so beschlossen denn die Verschworenen ihn an diesem Tage in der von Pompejus gebauten Kurie (Ratshalle), wohin der Senat berufen war, zu ermorden.
Vergebens warnten ihn drohende Anzeichen. Man fand, wie erzählt wird, eine alte eherne Tafel mit einer griechischen Inschrift, die auf seinen gewaltsamen Tod deutete; in der Nacht vor dem Morde gaben die heiligen Schilde auf dem Kapitol einen klingenden Ton; Cäsars Pferde wollten nicht fressen, und in den Tieren, die er opferte, fand sich kein Herz. Der Seher Spurinna warnte ihn gerade vor den Iden des Märzes. Doch Cäsars großes Herz war der Furcht und Sorge um sein Leben verschlossen. Am Abend des 14. März speiste er bei Lépidus, der als „Reiteroberst“ (~magister equitum~) dem Diktator als Gehilfe zur Seite stand. Während er dort einige Briefe unterschrieb, warf einer von den Gästen die Frage auf, welcher Tod der beste sei. Cäsar antwortete schnell: „Der unerwartete.“ Die Nacht darauf verbrachte er in großer Unruhe. Aufgeschreckt durch ein plötzliches Geräusch sah er bei hellem Mondlicht die Türen seines Gemachs von selbst geöffnet und hörte seine Gemahlin Calpurnia im Schlafe wehklagen. Ihr träumte, man hätte ihren Gemahl ermordet, und sie halte den Toten weinend in ihren Armen. Als der Morgen kam, bat sie, erschreckt durch diesen Traum, ihren Gemahl inständig zu Hause zu bleiben. Cäsar war bereit ihren Bitten zu willfahren, und gab schon dem Konsul Antonius den Auftrag den versammelten Senat wieder zu entlassen.