Erzählungen aus der Römischen Geschichte in biographischer Form
Part 14
So bildete er aus Lusitanern und Celtiberern waffengeübte Heerhaufen, mit denen er, verstärkt durch die aus Italien ihm zuströmenden marianischen Flüchtlinge, lange Zeit im kleinen Gebirgskrieg den römischen Legionen widerstand. Zwei Prokonsuln waren schon im Kampf gegen ihn gefallen. Die ganze Provinz schien bereits dem römischen Reiche verloren und Italien selber und die Herrschaft der Optimaten in Rom bedroht, zumal auch der Prokonsul Metellus Pius wenig gegen ihn ausrichtete. +Perpenna+, ein aus Italien vertriebener Marianer, der im Jahre 77 mit dem Rest der marianischen Truppen in Spanien erschienen war, ward von seinen Soldaten genötigt sich mit Sertorius zu vereinigen und ihm unterzuordnen. Dieser bildete nun einen eigenen Senat von 300 Mitgliedern, den er für den eigentlichen römischen Senat erklärte, während der Senat zu Rom nur aus Sullas Sklaven bestände. Auch errichtete er zu Oska auf seine Kosten eine Schule, wo die vornehmsten Hispanier ihre Söhne nach Art der jungen Römer erziehen und in der lateinischen und griechischen Sprache unterrichten ließen.
Sertorius vermied auch nach seiner Verstärkung durch Perpenna fortwährend offene Feldschlachten, sondern beschränkte sich auf den kleinen Krieg, den er in dem bergigen Lande mit Glück führte. Einst verlangten seine eigenen Soldaten, kühn geworden durch die immer zunehmende Zahl ihres Heeres, mit Ungestüm eine förmliche Schlacht. Sertorius gab nach. Bald aber wurden sie von den Feinden so bedrängt, daß ihr Untergang unvermeidlich gewesen wäre, wenn nicht Sertorius im rechten Augenblick zu ihrem Schutz herbeigeeilt wäre und sie sicher ins Lager zurückgeführt hätte. Als sie durch diesen Unfall mutlos geworden waren, ließ er einige Tage später zwei Pferde vorführen. Das eine war alt und schwach, das andere stark und jung mit einem dicken Schweif. Hinter jenes stellte er einen starken, hinter das andere einen kleinen schwächeren Soldaten. Auf ein gegebenes Zeichen mußten beide versuchen, den Pferden die Schweife auszuziehen. Der starke Soldat ergriff mit einem Mal den ganzen Schweif des schwachen Pferdes, um ihn mit einem Zuge auszureißen; aber er zog und zog, immer vergeblich. Indeß riß der kleine Soldat dem starken Pferde ein Haar nach dem andern aus, bis er zuletzt den ganzen Schweif in Händen hielt. So lehrte er sie, wie sie durch Ausdauer und kleine Gefechte auch einen überlegenen Feind schwächen könnten.
Die Fortschritte des Sertorius erregten endlich in Rom solche Besorgnisse, daß man den Pompejus mit einem neuen Heere nach Spanien schickte. Pompejus führte sein Heer von 30000 Mann zu Fuß und 1000 Reitern durch Gallien über die Pyrenäen (76). Jahrelang focht er, aber ohne Glück und Entscheidung gegen den unbesiegbaren Marianer, der sich sogar mit König Mithridates von Pontus in ein Bündnis einließ, bis endlich schnöder Verrat und Meuchelmord den Helden zu Fall brachte.
Als nämlich die Römer einen Preis von 100 Talenten und 20000 Morgen Landes auf den Kopf des Sertorius setzten, da ließen sich viele zum Abfall bewegen. Gefährlicher noch ward daher im eigenen Heer der ehrgeizige Perpenna, der, weil er dem Sertorius den Oberbefehl mißgönnte, die Gemüter vieler Untergebenen von ihm abwendig machte. Er stiftete Zwietracht im Senat des Sertorius und machte auch die Treue der Eingeborenen wankend. Da wurde Sertorius mißtrauisch und grausam und ließ sich zu einer furchtbaren Tat hinreißen: er ließ die Söhne der vornehmsten Spanier, welche er des Abfalles bezichtigte, in der Schule zu Oska töten. Die tiefe Mißstimmung und Erbitterung, die solches Verfahren auch bei den bisher treuesten Anhängern hervorrief, benutzte sein Legat Perpenna als Gelegenheit zu seinem Untergang. Er stiftete eine Verschwörung an und lud seinen arglosen Feldherrn zu einem Gastmahl ein, zu dem dieser mit zweien seiner Geheimschreiber erschien. Auf ein gegebenes Zeichen erhoben sich die Mitverschworenen des Gastgebers und töteten Sertorius mit den beiden Schreibern (72).
Perpenna stellte sich nun selbst an die Spitze des Heeres und hoffte die Sache der Marianer weiter zu führen. Bald aber ward er von Pompejus geschlagen und gefangen genommen. Vergebens erbot er sich die in seinen Händen befindlichen Briefe auszuliefern, durch die viele römische Senatoren in Gefahr gekommen wären. Pompejus ließ die Briefe ungelesen verbrennen und den Verräter hinrichten. Die überlebenden Marianer flüchteten übers Meer nach Mauretanien oder warfen sich auf den Seeraub. Die beiden spanischen Provinzen kehrten unter die römische Herrschaft zurück.
Da Metellus inzwischen schon nach Italien zurückgekehrt war, konnte sich Pompejus rühmen dem langjährigen und gefährlichen Kriege ein Ende gemacht zu haben, und mit jenem zusammen im folgenden Jahre einen glänzenden Triumph feiern. Sein Glück sollte ihm bald Gelegenheit bieten, neue kriegerische Lorbeern zu ernten.
3. Pompejus besiegt die Reste des Sklavenaufstandes.
Während des letzten Jahres, in welchem Pompejus in Spanien focht, wurde Italien durch einen schrecklichen Sklavenaufstand überrascht, der in der grausamen Behandlung der Sklaven seine Ursache hatte. Schon längst hatte bei den Römern das blutgierige Vergnügen Eingang gefunden, Menschen bei öffentlichen Festlichkeiten auf Leben und Tod mit einander fechten zu sehen. Solche Fechter nannte man Gladiatoren (vom lat. ~gladius~ „Schwert“). Anfangs nahm man dazu Gefangene und Verbrecher; allein die Sucht des römischen Volkes, sich an solchen Fechterspielen zu ergötzen, nahm so zu, daß ganze Sklavenhorden von gewinnsüchtigen Unternehmern gekauft, in eigenen Fechterschulen abgerichtet und an die hohen Beamten, welche dem Volke solche Spiele auf ihre Kosten zu geben pflegten, vermietet wurden. So fochten oft viele Hunderte von Fechterpaaren vor dem Volke und gaben zur Belustigung desselben ihr Leben hin.
Um diesem unmenschlichen Zustand zu entgehen, entfloh aus einer solchen Fechterschule zu Capua der Thraker +Spartacus+ mit einer Anzahl seiner thrakischen und gallischen Unglücksgenossen. In diesem Manne fand sich bei einer ungemeinen Körperstärke eine unbändige Freiheitsliebe, kühner Wagemut und eine seltene kriegerische Begabung. Anfangs der Hauptmann einer Räuberbande, erwies er sich bald als ein wirklicher Feldherr und erneuerte in Italien den „hannibalischen Schrecken“. Der Zulauf zu seiner kleinen Schar war so gewaltig, daß er nicht nur ein römisches Heer nach dem andern schlug, sondern auch Rom selbst zittern machte.
Anfangs setzte er sich mit seinen Gefährten in der Umgegend des Vesuvs fest. Bald sammelten sich mehr und mehr Fechter und Sklaven aus Süditalien um ihn, die er militärisch ordnete; Raub und Kriegsbeute verschafften Unterhalt und Waffen, und seine Erfolge begeisterten die wilden Haufen bald zu unbedingtem Gehorsam gegen den kühnen Führer. In Rom verkannte man anfangs die Größe der Gefahr. Die schwachen Kohorten, die man gegen den Aufstand sandte, wurden geschlagen. Erst als der Übermut und die Grausamkeit des täglich anwachsenden Heerhaufens die Städte Unteritaliens in Not und Schrecken setzte, rückten größere Truppen gegen ihn aus, die einen regelrechten Feldzug eröffneten.
Einst hatte Spartacus mit seinen Truppen eine Höhe besetzt; der römische Befehlshaber konnte sie hier nicht angreifen und lagerte sich vor der Höhe, da, wo ein einziger schmaler Weg zu ihr hinaufführte, um die Feinde auszuhungern. Allein diese verfertigten aus wilden Weinranken, mit denen die Höhe besetzt war, möglichst starke Ketten, an denen sie sich nachts an der steilsten Stelle herabließen, ohne daß die Römer auf der andern Seite das Mindeste merkten. Ja, sie wurden sogar von den um den Berg herumgekommenen Fechtern so plötzlich überfallen, daß sie die Flucht ergriffen und das Lager preisgaben. Dieser Sieg verschaffte dem Spartacus einen solchen Ruf, daß ihm weitere Tausende von Sklaven zuliefen.
Ein andermal hatte ihn der römische Prätor schon eingeschlossen, sodaß er entweder sich ergeben oder durch Hunger umkommen mußte. Da ließ er nachts vor dem Lager Leichname, die an Pfähle gebunden waren und Waffen in den Händen hielten, in gehörigen Zwischenräumen aufstellen; alle Wachtfeuer brannten, ein Trompeter blies dann und wann; dies alles, damit die Römer ihr Lager fortwährend besetzt halten sollten. Inzwischen entwischte Spartacus mit seinem ganzen Heere an einer wenig bewachten Stelle.
So schlug er nach einander drei Prätoren und zwei Konsuln. Da er jedoch fühlte, daß er seine aus 70000 Mann angeschwollene Masse wilder Thraker, Gallier und Germanen nicht lange werde zusammenhalten können, so suchte er nach Oberitalien zu dringen, um sie von da über die Alpen in ihre Heimat zu führen. Allein das Raubleben in Italien gefiel den meisten, und ein Unterbefehlshaber des Spartacus, namens Crixus, trennte sich mit 30000 Galliern von ihm, erlitt aber bald eine völlige Niederlage. Spartacus selbst ward von seinen Leuten gedrängt sie gegen Rom zu führen.
Hier wurde der durch seinen Reichtum bekannte +Licinius Crassus+ zum Feldherrn gegen Spartacus ernannt. Er stellte zuerst die verfallene Kriegszucht wieder her, ließ in zwei Legionen seines Unterfeldherrn den zehnten Mann zur Strafe für ihre schimpfliche Flucht hinrichten, und schloß dann den Feind durch einen meilenlangen Wallgraben ein. Spartacus aber durchbrach den Wall und ward dann von Crassus zur Schlacht am Flusse Silārus in Lucanien (71) genötigt. Er kämpfte mit dem Mute eines Löwen; er hatte sein Pferd selbst erstochen, denn er wollte siegen oder sterben. Er stürzte sich in den Feind und suchte den Crassus zu treffen, jedoch vergebens; dagegen sanken viele andere unter seinen Streichen. Als er, schwer an der Hüfte verwundet, nicht mehr stehen konnte, schlug er knieend um sich, bis er aus der Ferne mit Wurfspießen getötet wurde. In der Schlacht kamen 60000 Sklaven um, 6000 wurden gefangen und an der Landstraße von Capua nach Rom ans Kreuz geschlagen, und nur einem Reste von 5000 Mann gelang es sich nach Oberitalien durchzuschlagen.
Aber hier stießen sie auf die Legionen, mit denen Pompejus aus Spanien heimkehrte. Er vernichtete den Haufen mit leichter Mühe bis auf den letzten Mann, und schrieb großprahlend an den Senat, Crassus habe zwar die Sklaven in geordnetem Treffen geschlagen, er aber habe diesem Sklavenkrieg erst die Wurzel ausgerissen! Gepriesen von seinen Schmeichlern, erhielt er nach seinem Triumph über Spanien das Konsulat, in dem er eben jenen Licinius Crassus, der ihm natürlich nicht hold war, zum Amtsgenossen hatte. Diese beiden Männer strebten jetzt nach der Gunst des Volkes und dadurch nach der Herrschaft. Crassus bewirtete das Volk an 10000 Tafeln und spendete ihm Getreide auf drei Monate; Pompejus stellte die Macht der Volkstribunen, die Sulla beschränkt hatte, wieder her, um mit ihrer Hilfe seine ehrgeizigen Pläne zu fördern (70).
Am Schluß dieses Jahres vermittelten Freunde zwischen beiden Konsuln eine Versöhnung, wobei sich der gutmütigere Crassus zuerst von seinem Sitze erhob und dem Pompejus die Hand reichte. Dieser liebte es mit erkünstelter Bescheidenheit aufzutreten. Als in dem Jahre seines Konsulats die Censoren die übliche Musterung über die Ritter hielten, erschien auch Pompejus, als ob er dem Ritterstande angehörte, sein Pferd am Zügel führend. Alles staunte; und als er auf die Frage, ob er auch die den Angehörigen des Ritterstandes obliegenden Feldzüge mitgemacht habe, mit lauter Stimme antwortete: „Ja, alle, und zwar immer als Oberbefehlshaber!“ da brach die Menge in lauten Beifall aus und gab ihm jubelnd das Ehrengeleit nach seinem Hause.
4. Pompejus besiegt die Seeräuber.
Schon seit vielen Jahren befanden sich die östlichen Provinzen des römischen Reiches in fortgesetzter Bedrängnis durch das überhandnehmende Unwesen der Seeräuber, die namentlich seit dem Kriege mit Mithridates durch die Söldnerscharen, welche in seinen Diensten gestanden, außerordentlichen Zuwachs erhalten hatten. Sie hatten ihren Sitz hauptsächlich an den rauhen Küsten Ciliciens in Kleinasien und auf Kreta, und betrieben ihre Raubzüge in planmäßiger Ordnung. Alle Küstenländer und Küstenstädte, sowie die Inseln von der Küste Asiens bis zur spanischen Meerenge wurden durch Plünderungen, Menschenraub und Erpressungen in Not und Schrecken gesetzt. Sie befuhren mit weit über tausend trefflich bemannten und schnell segelnden Schiffen das Meer, erschienen in ganzen kriegsmäßig geleiteten Geschwadern, geboten über 400 eroberte Städte und hatten allenthalben ihre festen Plätze, wo sie ihren Raub verbargen und verpraßten. Sie liefen in die Mündungen der Flüsse ein und überall, wo sie landeten, wagte man es nicht mehr das Feld zu bestellen. Dabei hatten sie immer ihre Hehler und Helfer in den Provinzen wie in Italien selbst. Vorzüglich gingen sie darauf aus, angesehene Personen aufzufangen, um hohe Lösegelder für sie zu bekommen; wer sich nicht löste, verlor Freiheit oder Leben. Besonders suchten sie die Küsten Italiens heim, wo sie bald da, bald dort landeten und einmal sogar die Tochter eines Senators, ja selbst zwei Prätoren samt ihren Liktoren fortschleppten. So waren die Herren der Welt nicht mehr Herren an ihrem eigenen Herde.
Schon seit dem Jahre 78 v. Chr. führten die Römer Krieg gegen die Seeräuber; aber wenn diese auch einmal geschlagen und ihre Raubnester zerstört wurden, so war doch das Unwesen nicht ausgerottet, ja es trat nach einiger Zeit noch stärker hervor, sodaß Handel und Verkehr allgemein stockte, die Getreideschiffe aus Sizilien und Afrika ausblieben, in Rom die Teuerung immer höher stieg, und Hungersnot und Aufruhr des Stadtvolkes drohte. Als nun endlich sogar vor Ostia, wenige Meilen von der Hauptstadt, eine römische Flotte von den Seeräubern geschlagen und versenkt wurde, da erkannte man die Notwendigkeit entscheidende Maßregeln zu ergreifen (67). Der Volkstribun +Aulus Gabinius+, ein Anhänger des Pompejus, trat mit dem Vorschlage auf, man solle einen der gewesenen Konsuln mit der Führung des Krieges gegen die Seeräuber betrauen und ihm auf drei Jahre mit den nötigen Truppen und Geldmitteln die unumschränkte Gewalt, Verfügung über die ganze Seemacht und über alle Küstenländer des römischen Reiches bis auf zehn Meilen landeinwärts übertragen.
Da jedermann einsah, daß unter dem Einen, dem man auf diese Weise den Befehl über fast das halbe römische Reich in die Hände legen sollte, kein anderer als Pompejus gemeint sein konnte, so setzte der Senat den ernstesten Widerstand entgegen. Bei den Beratungen über den Antrag des Gabinius ging es so stürmisch und gewalttätig zu, daß dieser selbst in Lebensgefahr geriet; aber auch die Senatoren würden vom Volke, das dem Tribunen zu Hilfe in den Sitzungssaal eingedrungen war, erschlagen worden sein, wenn sie nicht geflohen wären. Pompejus selbst gab sich zwar in einer Rede vor der Volksversammlung den Anschein, als wünsche er dieser großen Aufgabe, die so vielen Neid und Widerspruch errege, überhoben zu sein; er habe schon so viel im Kriege ausgestanden, daß er (der kaum 40 Jahre alt war) sich selbst als ein abgebrauchter alter Mann vorkäme; man sollte daher einen Tüchtigeren wählen. Das Volk ward dadurch nur noch bestärkt in dem Entschlusse den Vorschlag des Tribunen durchzusetzen, und es erhob sich ein solcher Lärm, daß ein oben vorbeifliegender Rabe, von dem Geschrei betäubt, zur Erde fiel.
Der Antrag ging durch, und Pompejus erhielt 500 Schiffe, 120000 Legionssoldaten mit 7000 Reitern und 25 Unterfeldherren (Legaten), dazu 144 Millionen Sesterze (33 Millionen Mark) aus dem Staatsschatz, nebst der Vollmacht über alle Mittel der Provinzen zu verfügen. Eine solche Macht hatte gesetzmäßig vor ihm noch kein römischer Feldherr besessen.
Nun teilte Pompejus das ganze Mittelmeer in dreizehn Bezirke, über deren jeden er einen Legaten mit den nötigen Streitmitteln setzte, und befahl sodann die Piraten zunächst aus dem westlichen Meere, also aus allen Schlupfwinkeln an den Küsten Italiens, Spaniens, Afrikas und der dazwischen liegenden Inseln aufzuscheuchen und nach dem östlichen Meere zu treiben. Als dies geschehen war, wendete er sich mit der Hauptmacht nach Osten. Schon auf dem Wege dorthin ergaben sich ihm viele auf Gnade und Ungnade, und er behandelte sie mit schonender Milde, um durch diese Mäßigung den andern die Rückkehr zur Ordnung zu erleichtern. Die meisten aber suchten ihre Zuflucht in den cilicischen Buchten und Bergfesten. Pompejus schlug dort ihre Flotte in einer regelmäßigen Schlacht gänzlich, zerstörte ihre Burgen, nahm ihnen alle ihre Städte, Schiffe, Vorräte, Waffen, und verpflanzte die Gefangenen, über 20000, tief in das Land hinein, um sich dort anzubauen und des Piratenlebens zu entwöhnen.
Auf diese Weise hatte er in drei Monaten das Seeräuberwesen vertilgt und Rom die Herrschaft zur See wiedergegeben.
Die rasche und glückliche Beendigung dieses Krieges versetzte das römische Volk in solche Freude, daß es den Freunden des Pompejus leicht wurde, dem Gefeierten ein noch größeres Feld des Ruhmes zu verschaffen, auf dem er abermals die Frucht der Arbeit anderer ernten sollte.
5. Pompejus in Asien.
Während Pompejus diese schnellen Siege erfocht, hatte sich +Mithridates+, der den Römern so furchtbare König von Pontus, zu einem neuen Kampfe gerüstet. Er hatte seine Land- und Seemacht verstärkt und durch römische Hauptleute, die ihm nach der Unterdrückung der Marianer in Menge zuströmten, in römischer Weise einüben lassen. Mit seinem Eidam, dem König +Tigránes+ von Armenien, und mit Sertorius in Spanien schloß er ein Bündnis und suchte die kriegerischen Völker im Norden des schwarzen Meeres und an der Donau zum Kampfe gegen die Römer aufzureizen. Nach dem Tode des Königs Nikomédes von Bithynien, der die Römer zu Erben seines Reiches ernannt hatte, fiel Mithridates in Bithynien ein mit einem Heer von 120000 Mann zu Fuß, 16000 Reitern und 100 Sichelwagen (74 v. Chr.). Allenthalben ward er als Befreier vom römischen Druck gern aufgenommen. Die Römer aber beauftragten die beiden Konsuln dieses Jahres, L. Licinius +Lucullus+ und M. Aurelius +Cotta+, mit der Führung des Krieges, von denen dieser hauptsächlich die Leitung der Flotte, ersterer die des Hauptheeres zu Lande erhielt.
Nachdem Cotta in der Propontis unglücklich gegen Mithridates gekämpft und dabei seine ganze Flotte eingebüßt hatte, gelang es Lucullus, der von Cilicien her eben dorthin vorgerückt war, das weit zahlreichere Heer, womit der König die große Seestadt Kyzikos hart bedrängte, völlig zu schlagen, die Stadt zu entsetzen, und bald darauf auch die Flotte des Königs zu vernichten (73). Noch sieben Jahre, bis 67, dauerte der Krieg, der sich allmählich ostwärts bis in die Gebirge Armeniens und Mediens zog und den Gegner immer härter bedrängte. Schon gab Mithridates sein Reich verloren und ließ in seiner Hauptstadt seine Schwestern und Frauen töten, um sie vor römischer Gefangenschaft zu bewahren; er selbst floh zu seinem Schwiegersohn Tigranes von Armenien, der eben im Begriff stand, das Königreich Syrien mit dem seinigen zu vereinigen. Lucullus ließ ihn auffordern, den Flüchtling auszuliefern. Da er aber sein Schreiben an den „König“ Tigranes richtete, statt an den „König der Könige“, wie sich jener hochmütig nannte, so fühlte sich Tigranes gekränkt und gab eine abschlägige Antwort. Da zog Lucullus auch gegen ihn und schlug das zwanzigmal stärkere armenische Heer bei seiner Hauptstadt Tigranokerta in die Flucht (69). Dieser Sieg gewährte unermeßliche Beute. Lucullus gedachte noch weiter vorzudringen, allein der Ungehorsam seiner meuterischen Soldaten, deren Genuß- und Beutegier er nicht genug frönte, hemmte ihn in seinen Unternehmungen, und mitten im glücklichsten Lauf seiner Siege riefen ihn Neid und Mißgunst und boshafte Verleumdungen seiner Gegner vom Schauplatze des Krieges ab.
Diese Feinde hatte sich Lucullus durch seine rücksichtsvolle und menschliche Behandlung der kleinasiatischen Städte zugezogen. Die ihnen von Sulla auferlegten 20000 Talente waren durch die Schulden, die sie bei den römischen Wucherern hatten machen müssen, zu der entsetzlichen Höhe von 120000 Talenten angewachsen, und die unvermögenden Schuldner wurden durch Kerkerstrafen und Martern aufs schrecklichste gepreßt. Lucullus setzte die Schuld auf 40000 Talente herab und gewährte den Städten noch andere Erleichterungen. Dafür ward er denn von den römischen Wucherern daheim auf das heftigste angegriffen und verleumdet. Diese und die Anhänger des Pompejus brachten es dahin, daß ihm der Oberbefehl genommen und auf den Antrag des Volkstribunen Manilius, den Cicero in einer Rede verteidigte, dem Pompejus übertragen wurde (67). Nun ging Pompejus nach Kleinasien, wo er in Galatien mit Lucullus eine Unterredung hatte. Anfangs spendeten sich beide die größten Lobsprüche; zuletzt überhäuften sie sich gegenseitig mit Vorwürfen, indem Lucullus dem Pompejus seinen unersättlichen Ehrgeiz, dieser dem Lucullus seine unersättliche Habgier vorhielt.
Lucullus ging nach Rom, wo er nach langem Warten einen Triumph erhielt, und dann sein weiteres Leben in der Beschäftigung mit Kunst und Literatur und im Genuß seiner ungeheuren Reichtümer hinbrachte. Seine reichen Sammlungen von kostbaren Gemälden, Bildsäulen, Büchern, seine prächtigen Paläste, Landhäuser, Lustgärten, seine Fischteiche und künstlichen Seen, seine Prachtgeräte und Kleinodien, seine üppigen Gastmähler, wozu er die seltensten Speisen und Weine aus allen Weltgegenden herbeischaffen ließ, machten lucullischen Luxus zum Sprichwort. Kostete ihm doch ein einziges Prunkmahl im Apollo (so hieß einer seiner Speisesäle) an 30000 Mark nach unserem Gelde! Durch ihn wurden die Kirschen und andere aus Asien eingeführte edle Obstarten in Europa einheimisch Sein Beispiel blieb natürlich nicht ohne verderbliche Nachahmung; fast alle reichen und vornehmen Männer Roms wetteiferten seitdem in der Pracht ihres Haushalts und ihrer Lebensführung, und je größer ihre Verschwendung ward, um so gieriger suchten sie sich in den Provinzen durch Erpressungen und Bestechlichkeit zu bereichern.
Pompejus, dem sein Vorgänger schon durch große Erfolge vorgearbeitet hatte, setzte nun den Krieg gegen Mithridates fort. Dieser hatte sich inzwischen wieder erholt und mit rastloser Tätigkeit ein neues Heer von 33000 Mann aufgestellt. Vor dem andringenden Pompejus zog er sich in das Innere seines Landes zurück und suchte den Euphrat zu gewinnen. Hier holte ihn Pompejus ein, umging ihn unbemerkt und besetzte die umgebenden Höhen eines Engtals, durch welches die Gegner ihren Marsch nehmen mußten. Mithridates schlug, ohne Ahnung von der Nähe der Feinde, in diesem Tal sein Lager auf. Die Nacht kam und alles lag in tiefer Ruhe. Plötzlich schmetterten auf allen Seiten die römischen Trompeten; die römischen Legionen erhoben ihren gefürchteten Schlachtruf und schlugen mit den Waffen an die Schilde, daß die Schluchten widerhallten. Hierauf ergoß sich ein Pfeil- und Speerregen von den Anhöhen herab über die Aufgeschreckten, die in wildestem Gedränge den Ausweg im Dunkeln suchten. Dann verließen die Römer die Berge; der Feind sah sie nicht, aber er fühlte ihr Schwert; alles flüchtete und drängte nach der Mitte, wo man sich erdrückte und zertrat. Endlich ging der Mond auf und beleuchtete das gräßliche Nachtstück. Mithridates selber entkam mit zwei Begleitern und einer seiner Frauen, die ihn in persischer Reitertracht zu begleiten und alle Gefahren zu teilen pflegte. Sein ganzes Heer war vernichtet.
Pompejus wandte sich darauf gegen Tigranes nach Armenien, das er ohne Schwertstreich einnahm. Der alte Tigranes, von dem eigenen Sohne verraten und an seinem Glücke verzweifelnd, kam in das Lager des Pompejus, legte ihm sein Diadem zu Füßen und bat um Schonung. Er behielt sein Erbreich und zahlte 6000 Talente.