Erzählungen aus der Römischen Geschichte in biographischer Form

Part 13

Chapter 133,535 wordsPublic domain

Unterwegs hörte Marius, daß sich sein Sohn und einige seiner Anhänger in Numidien befanden und segelte daher nach dem alten Hafen von Karthago. Aber kaum war er daselbst angekommen, als ihm der Statthalter Sextius durch einen Liktor befehlen ließ Afrika zu verlassen. Marius war eben in düstere Betrachtungen versunken. Der Platz, auf welchem sonst Karthago gestanden hatte, erinnerte ihn lebhaft an den Wechsel seines eigenen Glückes. So blieb er eine Zeitlang stumm, bis ihn der Liktor fragte, ob er ihm keine Antwort an den Prätor erteilen wollte. Da sprach er die bedeutsamen Worte: „Melde dem Sextius, du habest den alten Marius auf den Trümmern von Karthago sitzen sehen.“ Bald darauf fand er seinen Sohn und dessen Gefährten. Mit diesem begab er sich auf eine Insel unweit der Küste von Afrika, wo er den Winter hindurch lebte und auf Rache sann.

3. Sullas Krieg gegen Mithridates.

Mittlerweile hatte Sulla in Rom die Wahl des ihm treu ergebenen Octavius zum Konsul durchgesetzt, neben welchem das Volk den eifrigen Marianer +Cornelius Cinna+ wählte. Diesen ließ Sulla schwören, daß er an der Ordnung und Verfassung des Staates nichts ändern würde, und zog im folgenden Jahre (87) mit seinem Heere gegen Mithridates, dessen Feldherr Archelaos sich inzwischen Makedoniens und des größten Teils von Griechenland bemächtigt und besonders in der Stadt Athen einen festen Stützpunkt für sein Heer und seine Flotte gefunden hatte.

Sulla landete in Epirus und drang durch Thessalien und Böotien gegen Athen vor, dessen Bewohner es mit Mithridates hielten. Da seine Versuche, die von Archelaos verteidigte Stadt zu erstürmen, mißlangen, so mußte er sich zu einer langen und mühseligen Belagerung entschließen. Um sich Geld zu verschaffen, nahm er die Tempelschätze zu Delphi, und um Holz für die Belagerungswerke zu bekommen, ließ er die Bäume im Haine der Akademie fällen, wo einst der große Philosoph Platon gelebt und gelehrt hatte. Unter diesen und anderen Zurüstungen, wie sie die Belagerung erforderte, verging der Winter. Mit Beginn des Frühlings (86) wurden Stadt und Hafen enger eingeschlossen und die Versuche sie zu erstürmen mehrmals, obgleich vergeblich, erneuert. In der Stadt aber erreichte die Hungersnot einen so hohen Grad, daß die Einwohner sich entschließen mußten, mit Sulla des Friedens wegen zu unterhandeln. Ihre Gesandten hielten vor Sulla eine abgeschmackte Rede, in der sie alle Herrlichkeiten des alten Athens aufzählten und in stolzem Tone Schonung ihrer Stadt verlangten. Sulla aber schickte sie mit den Worten zurück, solche Dinge sollten sie die Schüler in den Redeschulen vortragen lassen. Endlich wurde die Stadt durch einen Zufall verraten. Spione meldeten, daß einige alte Männer in einer Barbierstube sich unwillig darüber geäußert hätten, daß eine Stelle der Stadt nicht gehörig bewacht wäre. Diese Stelle wurde in der nächsten Nacht erstiegen und die Stadt eingenommen. Raubend und mordend drangen die sullanischen Soldaten ein und richteten ein furchtbares Blutbad an. Erst am andern Tage tat Sulla der zerstörenden Wut seiner Truppen Einhalt. Er gedachte der ruhmvollen Vergangenheit der Stadt, ihrer vielen großen Männer, welche als Staatsmänner, Dichter, Künstler und Schriftsteller die Welt mit dem Glanze ihrer Namen erfüllt hatten, und rief: „Ich will vielen um weniger willen, und den Lebenden der Toten wegen verzeihen.“

Nach der Eroberung Athens zog Sulla nach Böotien, wo der Sohn des pontischen Königs und der aus Athen entkommene Archelaus mit 120000 Mann standen, denen er kaum 40000 Mann entgegenzustellen hatte. In der Nähe von +Chäroneia+, wo einst die Freiheit Griechenlands den Makedonern unter König Philipp und seinem Sohne Alexandros erlegen war, trafen beide Heere zusammen. Sullas Soldaten, der anstrengenden Arbeiten müde, forderten laut eine Schlacht. Ihr Wunsch ward erfüllt, und so vollständig war ihr Sieg, daß Archelaus nur mit 10000 Mann entkommen sein soll. Noch blutiger und entscheidender war die Schlacht bei +Orchomenos+, wo Archelaus, durch ein neues von seinem König geschicktes und besonders an Reiterei überlegenes Heer verstärkt, eine feste Stellung genommen hatte (85). Schon neigte sich der Sieg auf die Seite des Gegners, als Sulla vom Pferde sprang, einem Fahnenträger den Adler aus der Hand riß und mit den Worten: „Hier will ich sterben, und wenn man euch fragt, wo ihr euren Feldherrn verlassen habt, so sagt: bei Orchomenos!“ sich auf die Feinde stürzte. Da warfen sich seine Truppen von neuem in den Kampf und schlugen den Feind mit einem Verlust von 15000 Mann zurück. Am folgenden Tage sollen noch 30000 Mann in den nahen Sümpfen umgekommen sein. Archelaus selbst hielt sich zwei Tage lang in einem Sumpfe versteckt und entkam am dritten Tage nach der Insel Euböa hinüber.

In demselben Jahre unterhandelte Archelaus persönlich mit Sulla über den Frieden. Zu Delion in Böotien kamen beide Feldherren zusammen. Als Archelaus die Bedingungen Sullas zu hart fand, rief dieser: „Mithridates sollte es mir auf den Knieen danken, daß ich ihm die rechte Hand lasse, mit der er so viele Römer getötet hat.“ So wurden die Unterhandlungen abgebrochen. Mithridates knüpfte sie aber von neuem wieder an, als Sulla in Asien erschien. Hier hatte er mit dem König selbst eine Unterredung zu Dardanos (in der Nähe des alten Troja) wo jener in alle Forderungen Sullas einwilligte. Bei dieser Zusammenkunft schwieg Mithridates anfänglich und schien Sulla die Eröffnung der Unterredung überlassen zu wollen, doch dieser sagte: „Sprich du zuerst, da du den Frieden nötig hast; der Sieger hat das Recht zu schweigen und zu hören.“ Mithridates begann nun seine früheren Taten zu rechtfertigen, aber Sulla versetzte: „Wohl hatten diejenigen recht, die mir deine Beredsamkeit rühmten; denn es gehört in der Tat ein großer Redner dazu, solche Schandtaten zu beschönigen.“ -- Der König mußte alle seine Eroberungen herausgeben, 2000 Talente (gegen 10 Millionen Mark) bezahlen und 80 Schiffe ausliefern. Die kleinasiatischen Städte, die jetzt wieder unter römische Gewalt kamen, mußten ungeheure Kriegssteuern zahlen, zusammen 20000 Talente (fast 100 Millionen Mark) und außerdem die römischen Truppen lange Zeit auf ihre Kosten unterhalten. Nie hat die Provinz Asia sich von dem Druck dieser Lasten ganz erholt. Denn um die großen Summen aufzubringen, wurden sie die Schuldner römischer Kapitalisten, denen sie hohe Wucherzinsen zahlen mußten. Sulla selbst kehrte alsbald nach dem Friedensschluß nach Rom zurück, wo seine Gegenwart dringend notwendig war, wenn nicht seine Partei den Marianern völlig erliegen sollte.

4. Cinna in Rom. Marius’ Rückkehr und Tod.

Kaum hatte nämlich Sulla im Jahre 87 Italien verlassen, als der eine der neuen Konsuln, +L. Cornelius Cinna+, eine Volksversammlung berief, um die Zurückberufung des Marius und der übrigen Geächteten zu bewirken. Hierbei kam es zu blutigen Kämpfen. Der andere Konsul Octavius eilte mit seinen Scharen herbei und drängte Cinna bis an die Tore der Stadt zurück; 10000 Anhänger Cinnas sollen bei dem Gemetzel das Leben verloren haben. Hilflos floh dieser, seiner Konsulwürde verlustig erklärt, nach Campanien. In Nola gewann er die Kriegstribunen der dortigen Legionen und trat dann vor den versammelten Truppen auf. Von Liktoren umgeben, mit allen Zeichen seiner konsularischen Würde angetan, begann er seine Anrede, ließ dann aber plötzlich die Liktoren abtreten und erzählte weinend, wie ihn der Senat seiner Würde entsetzt habe; er zerriß seine Kleidung, sprang von der Rednerbühne und warf sich auf die Erde. Die Soldaten ließen sich durch dieses Schauspiel zu Mitleid hinreißen, sie führten ihn zur Rednertribüne zurück, gaben ihm alle Zeichen seiner Würde zurück und versprachen den dem Konsul gebührenden Gehorsam. Nach diesem Erfolge rief er alle Anhänger der senatsfeindlichen Partei zu seinen Fahnen, lud den geächteten Marius zur Rückkehr ein, und erschien mit einem gewaltigen Heere vor Rom.

Die Zeit der Rache war für Marius gekommen. Er landete in Etrurien und brachte dort 1000 Reiter und außerdem eine Bande von mehreren Tausend Sklaven zusammen, und an der Spitze dieser wilden Rotte stieß er zum Heere Cinnas. Der Senat war außerstande, die Stadt zu verteidigen, und da zudem noch Hungersnot ausbrach, so suchte er die erbitterten Gegner durch Unterhandlungen zu gewinnen. Als die Gesandten zum Cinna kamen, fragte er sie, ob sie zu ihm als ihrem Konsul kämen. Darauf konnten sie nicht antworten und gingen unverrichteter Sache zurück. Nun erkannte ihn der Senat als Konsul an und schickte von neuem Abgeordnete an ihn. Sie fanden ihn auf seinem Amtssessel sitzend und mit allen Zeichen der konsularischen Würde angetan. Marius stand schweigend neben ihm, aber sein finsterer Blick verriet die grimmige Rachgier seines Herzens.

Die beiden Verbündeten kamen hierauf zum Stadttor. Cinna zog ein; Marius aber blieb am Tore stehen und sagte mit bitterem Lächeln: „Verbannte dürfen ja die Stadt nicht betreten.“ Cinna ließ daher sogleich das Volk zusammenkommen, um die Aufhebung des Beschlusses zu bewirken, durch welchen Marius geächtet worden war. Allein kaum hatten drei Abteilungen des Volkes für seine Rückkehr gestimmt, so konnte sich dieser nicht länger halten. Er brach in die Stadt, ließ mit wütender Grausamkeit alles, was ihm in den Weg kam, niederstoßen, befahl Sullas Haus dem Erdboden gleich zu machen, und erlaubte seinen wilden Horden die schrecklichsten Ausschweifungen. Als das Morden fünf Tage und fünf Nächte lang gedauert hatte, ward Cinna dessen überdrüssig; aber der alte Marius hatte seinen Blutdurst noch nicht gesättigt; wem er den Gruß weigerte, der wurde getötet, darunter die vornehmsten und verdienstvollsten Männer des Staates, unter anderen der Konsul Octavius, die Konsulare M. Antonius, der größte römische Redner seinerzeit, Q. Catulus, der Mitsieger bei Vercellä (S. 118). Da überfiel endlich Cinna mit einer Schar Bewaffneter diese Mordsklaven in ihrem nächtlichen Lager und ließ sie niedermetzeln.

Als die erste Wut vorüber war, ernannten sich Cinna und Marius eigenmächtig zu Konsuln. Marius bekleidete dieses Amt nun zum siebenten Male, aber nur auf wenige Tage. Sulla hatte den Senat von seinen Siegen über Mithridates benachrichtigt und zugleich versichert, er werde bald kommen, um an seinen Feinden Rache zu nehmen. Diese Nachricht erfüllte den alten Wüterich, der selbst seinen Parteigenossen ein Greuel und Schrecken geworden war, mit Unruhe und Angst, und vergebens suchte er den fliehenden Schlaf in maßlosem Weingenuß. In solchem Taumel befiel ihn ein hitziges Fieber, dem er nach sieben Tagen erlag. Er starb im Januar 86, am siebenzehnten Tage seines Konsulats.

5. Sullas Rückkehr und Proskriptionen. Sein Tod.

Drei Jahre hindurch behauptete sich Cinna im Konsulat, als er aber dem zurückkehrenden Sulla entgegen ziehen wollte, ward er in einem Aufstand von seinen eigenen Leuten, die nicht gegen Sulla fechten wollten, getötet. Sulla erschien an der Spitze eines siegreichen Heeres von 40000 Mann, das er überschwenglich belohnt hatte, in Italien (84), wo ihm die Marianer eine Macht von 200000 Mann entgegenstellen konnten. Aber von den sie führenden Konsuln ward der eine geschlagen, der andere von seinen Truppen, die zu Sulla übergingen, verlassen. Sulla wußte sogar das Heer des jungen Marius durch geschickte Überredung auf seine Seite zu bringen, sodaß Papirius Carbo, einer der marianischen Parteihäupter, sagte: „In Sulla steckt ein Löwe und ein Fuchs, und dieser ist noch mehr zu fürchten als jener.“ Der junge Marius warf sich in die hochgelegene feste Stadt Präneste, nicht weit von Rom, wo er sich heldenmütig verteidigte. Als aber Sulla vor den Toren Roms ein großes Heer der Samniter, den letzten Rest der aufständischen Italiker, geschlagen und vernichtet hatte, ließ sich Marius, am glücklichen Erfolge verzweifelnd, durch einen Sklaven töten. Seinen Kopf stellte Sulla auf der Rednerbühne aus und sagte spottend: „Das Bürschchen hätte erst Ruderer werden sollen, zum Steuermann war es noch zu jung.“

Nach einer Reihe von Siegen zog Sulla in Rom ein, und jetzt verwandelte er sich in den blutgierigsten Wüterich, den Rom jemals gehabt hat. Er hatte in der letzten Schlacht 6000 Gefangene gemacht. Diese ließ er in der großen Rennbahn, dem Zirkus Maximus, auf einmal niederhauen. Während dies geschah, versammelte er den Senat nicht weit vom Zirkus im Tempel der Bellōna. Hier hielt er eine drohende Rede, worin er die Senatoren nicht als Häupter eines freien Staates, sondern als pflichtvergessene Untertanen eines stolzen Gebieters behandelte. Während dieser Rede hörten die Senatoren das klägliche Geschrei jener Gefangenen, die eben im Zirkus ermordet wurden. Alle erschraken und sprangen bestürzt von ihren Sitzen auf. Nur Sulla blieb unbewegt. Ohne eine Miene zu verändern, sagte er bloß: „Laßt euch nicht stören, versammelte Väter! Was ihr hört, ist das Geschrei einiger Aufrührer, die auf meinen Befehl gestraft werden.“ Dann setzte er seine Rede fort, bis das Geschrei verstummte. Nicht lange nachher hielt er eine Rede vor dem Volk, worin er deutlich sagte, daß er keines Menschen schonen würde, der gegen ihn die Waffen getragen hätte. Der Grausame hielt Wort. Denn nun erfolgte das fürchterlichste Blutbad in Rom und ganz Italien. Vierzig Senatoren, sechzehnhundert Ritter und viele tausend Bürger wurden getötet, viele italische Städte zerstört, und jeder konnte ungestraft den ermorden, den er haßte oder dessen Vermögen er zu besitzen wünschte.

Als das Morden schon einige Tage gedauert hatte, sprach Metellus, ein Haupt der Optimaten und Parteigenosse Sullas, in der Senatssitzung zu ihm: „Wir bitten dich nicht diejenigen leben zu lassen, die du zu töten beschlossen hast, sondern nur diejenigen nicht durch Angst zu töten, die du erhalten willst.“ Sulla ward durch diese Freimütigkeit nicht beleidigt. Er erwiderte bloß, daß er selbst noch nicht wisse, wen er verschonen wolle. Hierauf sagte Metellus weiter: „Nun, so nenne uns diejenigen, die du zu töten entschlossen bist.“

Dies geschah. Sulla ließ die Namen derjenigen in Listen verzeichnen, die ihre Güter und ihr Leben verlieren sollten. Mit solchen Verzeichnissen, den sogenannten Proskriptionen, gab Sulla das erste und schrecklichste Beispiel politischen Massenmordes. Die Listen der zum Tode Bestimmten wurden öffentlich auf dem Forum ausgestellt und zugleich durch ein Gesetz bekannt gegeben, daß mit der Ächtung auch der Verlust des Vermögens verbunden sei. Sulla schickte ganze Scharen gallischer Reiter aus, um die Verurteilten aufzusuchen und umzubringen. Wer den Kopf eines Geächteten brachte, erhielt zwei Talente (fast 10000 Mark) zur Belohnung; wer einen Verurteilten aufnahm, verbarg oder ihm zur Flucht verhalf, ward mit dem Tode bestraft. Diese Achtserklärungen erzeugten die greulichsten Schandtaten. Sklaven verrieten ihre Herren, Kinder gaben ihre Eltern preis, Brüder und Gatten gerieten in Streit und tödlichen Haß. Tempel und Altäre wurden mit dem Blute der Verfolgten befleckt. Nicht nur Rom, sondern fast alle Städte Italiens waren der Schauplatz solcher unerhörten Greuel. Verrat, Undank, Meuchelmord, Bosheit, Raub und Habsucht wüteten allenthalben. Die Zahl der Getöteten ließ sich nicht genau bestimmen; in Rom sollen nahe an 5000 gefallen sein. Sulla hörte nicht eher auf durch Achtserklärungen seine wirklichen oder angeblichen Gegner zu verfolgen, als bis die Rache und die Habsucht aller seiner Anhänger gesättigt war. Ein gewisser Furfidius mahnte ihn doch einige seiner Feinde leben zu lassen, damit Menschen übrig blieben, über die er herrschen könnte.

Als Sulla seine Rache endlich gesättigt hatte, ließ er sich zum Diktator auf Lebenszeit ernennen und begann durch eine Reihe von Gesetzen die Verfassung und Verwaltung des Staates umzugestalten, wobei sein Absehen vor allem darauf gerichtet war, die Macht und das Ansehen der Optimaten und des Senates zu verstärken, die Geltung und den Einfluß der Tribunen zu schwächen, und überhaupt der verhaßten Volksherrschaft enge Schranken zu setzen. Wegen seiner Siege über Mithridates hielt er einen glänzenden Triumph, und belohnte alle Soldaten und seine Anhänger mit Geld und Landgütern.

Aber schon im zweiten Jahre legte er die Diktatur nieder (79), nachdem er noch einmal in einer Rede vor dem Volke seine Taten und sein Glück gepriesen hatte. Er lebte dann noch ein Jahr als Privatmann, dem Vergnügen und der Jagd ergeben. Seine letzten Tage wurden ihm durch eine sehr schmerzhafte und Ekel erregende Krankheit verbittert. Er starb im Jahre 78. In seiner Zurückgezogenheit hatte er die Denkwürdigkeiten seines Lebens in griechischer Sprache geschrieben. Sein Leichnam ward auf dem Marsfeld verbrannt. In der Grabschrift, die er selber verfaßt hatte, rühmte er sich, daß er alles gute oder schlimme, daß er von Menschen erfahren hätte, ihnen reichlich vergolten habe.

XXV.

Gnaeus Pompejus Magnus.

1. Sein erstes Auftreten.

Gnaeus Pompejus, geboren 106, war der Sohn des Pompejus Strabo, der im Kriege der Römer gegen ihre aufständischen italischen Bundesgenossen (91-88 v. Chr.) mit Auszeichnung gefochten und einen Triumph gefeiert hatte. Während aber der Vater wegen seiner Geldgier und seines zweideutigen politischen Verhaltens beim Volk und beim Heer mißliebig war, wußte der junge Pompejus durch Vorzüge des Geistes und Charakters, durch persönliche Anmut und leutseliges Benehmen die Liebe und Gunst des Volkes zu gewinnen. Schon als Jüngling gab er Beweise von Mut und Unerschrockenheit. Während des Bürgerkrieges hatte Cinna einen Mörder gegen den älteren Pompejus gedungen, allein der Anschlag ward verraten und durch die wachsame Umsicht des Sohnes vereitelt. Ein andermal, als die Truppen dem verhaßten Feldherrn den Gehorsam weigerten und dieser aus Furcht nicht hervortrat, stellte sich der Sohn mitten unter die Soldaten, die bereits das Lager verlassen wollten, und suchte sie durch geschickte Rede zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Als seine Vorstellungen nichts fruchteten, warf er sich vor dem Tor des Lagers zur Erde und hieß diejenigen, die abziehen wollten, zuvor seinen Körper zertreten. Bei diesem Anblick kehrten die beschämten Soldaten zurück und versöhnten sich mit ihrem Feldherrn.

Im Bürgerkriege nahm er entschiedene Partei für Sulla und die Sache der Optimaten. Solange die Herrschaft der Marianer dauerte, lebte er auf seinen Gütern, trat aber, als Sulla nach Italien zurückgekehrt war, offen für diesen auf. Siegreich kämpfte er mit seiner Truppe, die er selbst geworben, gegen die Marianer, sodaß Sulla dem erst 23jährigen jungen Krieger den Ehrennamen Imperator beilegte. Als Sulla seinen Einzug in Rom gehalten hatte, sandte er den Pompejus nach Sizilien und Afrika, um auch dort die Marianer zu vernichten. In Sizilien schlug er Papirius Carbo, nahm ihn gefangen und ließ ihn hinrichten. Nach Afrika übergesetzt, gelang es ihm in nur vierzig Tagen diese Provinz zu beruhigen. Als dann seine Legionen, nach Beendigung des Krieges, auf Sullas Befehl sich auflösen sollten, wollten diese die Waffen nicht eher niederlegen, als bis man sie auf gleiche Weise wie die Sullanischen belohnt hätte; ja sie forderten sogar den Pompejus auf sie gegen Sulla zu führen, und nur durch die Drohung, er werde lieber sich selbst töten, wußte dieser die Meuterer zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Diese selbstlose Hingebung setzte ihn bei dem Diktator in die höchste Gunst. Dieser gab ihm den ehrenden Beinamen des Großen (Magnus) und zeichnete ihn noch besonders dadurch aus, daß er sich bei seinem Eintritt vom Amtssessel erhob. Als aber Pompejus auch die Ehre des Triumphes verlangte, eine Ehre, die nur siegreichen Prätoren und Konsuln zuteil zu werden pflegte, schlug ihm Sulla seine Bitte ab und verwies ihm seinen allzu großen Ehrgeiz. Da hatte der junge Sieger die Kühnheit zu erwidern: „Die aufgehende Sonne hat mehr Anbeter als die untergehende!“ Sulla, durch diese kecke Äußerung betroffen, gewährte ihm zwar die Bitte und rief zweimal: „So triumphiere denn!“ Aber von der Zeit an waren beide Männer keine Freunde mehr.

Dennoch blieb Pompejus der Partei des Sulla getreu. Die eigentliche Zeit seines Ruhmes brach aber erst nach Sullas Tode an, als er Gelegenheit fand eine Reihe glücklicher Kriege zu führen. Freilich waren es seine glänzenden Eigenschaften nicht allein, die ihn solche Erfolge erringen ließen; nicht selten war es die besondere Gunst der Umstände, die ihn dabei unterstützten, und die Kunst sich die Siege anderer und ihre Früchte anzueignen.

2. Pompejus gegen Sertorius.

+Quintus Sertorius+ stammte aus dem Sabinerlande, aus einer bislang namenlosen Familie. In seiner Vaterstadt erlangte er einigen Ruf durch seine Beredsamkeit; bald aber widmete er sich einzig und allein dem Waffendienste. Er machte die Feldzüge gegen die Cimbern und Teutonen mit und kämpfte später im Bundesgenossenkrieg. Er verrichtete so bewunderungswürdige Taten, daß das Volk ihn mit lautem Freudengeschrei begrüßte, so oft er zu Rom im Theater erschien. Bei dem Ausbruche des Bürgerkrieges zwischen Marius und Sulla schloß er sich jenem an, und als die Sache der Marianer in Italien verloren war, ging er nach Spanien, wo er sich acht Jahre lang, 80-72, als Haupt der in Italien unterlegenen Volkspartei gegen die Übermacht der gegen ihn vom Staat geschickten Heerführer siegreich behauptete. Unermüdlich in allen Anstrengungen des Krieges, abgehärtet und bedürfnislos wie ein einfacher Kriegsmann, dabei mit List und Gewandtheit allen Gefahren sich entziehend, mit immer neuen Anschlägen die Gegner überraschend, ward er ein Abgott seiner Anhänger und des spanischen Volkes, das ihn den zweiten Hannibal nannte.

Anfangs, als sein Heer noch klein und ungeregelt war, wurde er von dem ersten Heere, das Sulla gegen ihn geschickt hatte, genötigt, Spanien zu verlassen. Da fuhr er denn mit seinen 3000 Mann eine Zeitlang abenteuernd an den spanischen Küsten umher, und schon kam ihm der trübe Gedanke, aus der zerrütteten römischen Welt auszuscheiden und sich auf den „glücklichen Inseln“ (den kanarischen), deren paradiesische Schönheit die überlieferten Erzählungen griechischer Seefahrer nicht genug rühmen konnten, eine neue Heimat zu suchen. Aber seine Truppen hatten dazu keine Lust, und so führte er sie nach Afrika hinüber zu den Mauretaniern, denen er in einem Aufstande gegen ihren König half. Hier erwarben ihm seine Taten einen solchen Ruf, daß eine Einladung der noch immer freiheitsstolzen Lusitaner (im heutigen Portugal) an ihn erging, sie gegen die Heere der römischen Statthalter anzuführen. Nun ging er wieder nach Spanien. Hier wußte er durch Mut und Tapferkeit, durch Klugheit und erfindsamen Geist, sowie durch milde und rücksichtsvolle Behandlung der Eingeborenen die Hälfte aller spanischen Völkerschaften auf seine Seite zu ziehen. Sie räumten ihm volle Feldherrngewalt ein und ließen sich sogar die Strenge des römischen Kriegsdienstes gefallen. Um die Eingeborenen im Gehorsam zu erhalten, kam ihm ein Aberglaube zustatten. Die Spanier standen nämlich in der Meinung, eine Gottheit tue ihm ihren Willen durch die weiße Hindin kund, die er sich gezähmt hatte, und die ihn überall begleitete, selbst mitten im Kriegslärm.