Part 4
Ave weht von den Türmen her, immer noch hörst du die Kirchen erzählen; doch die Paläste an stillen Kanälen verraten nichts mehr.
Und vorbei an der Traumesruh ihrer schlafenden Stirnen schwanken leise Gondeln wie schwarze Gedanken dem Abend zu.
ENGLAR IM EPPAN
Später Weg. Die Hütten kauern, und das dumpfe Dorf schläft ein. Ernste Türme seh ich dauern, weit aus weißen Blütenschauern wächst ihr Weltverlorensein.
Abendbrand in brachen Zinnen, und der Wind fährt durch den Saal. Und für wen im Burghof drinnen immer noch die Brunnen rinnen-- keiner weiß es dort im Tal.
TENNO
Der Kirchhof hoch im Sommerschnee gehört zum Berghof hin; wie über einem Hochlandsee wacht Frieden über ihn. Da weiß kein Blühn vom Frühlingsstrahl. Der Rasen schüchtert frühfrostfahl, die Kreuze arm, die Hügel kahl, und sacht und selten wächst die Zahl: einmal.
Der Weg ist schlecht, der Weg ist schmal. Im kleinen Dorf ist kleine Wahl und kleines Glück und kleine Qual,-- drum läuten sie so fern im Tal: einmal,--einmal,--einmal.--
CASABLANCA
Am Berge weiß ich trutzen ein Kirchlein mit rostigem Knauf, wie Mönche in grauen Kapuzen steigen Zypressen hinauf.
Vergessene Heilige wohnen dort einsam im Altarschrein; der Abend reicht ihnen Kronen durch hohle Fenster hinein.
ARCO
Die Hochschneezinne, schartig scharf, loht auf wie eine Mauerkrone, in die der lachende Nerone, der Morgen, seine Fackel warf.
Und wie die Flammen bis ins Blau sich zu verblühten Sternen strecken, erwacht das Tal in schönem Schrecken und taucht empor aus Traum und Tau.
I MULINI
Du müde, morsche Mühle, dein Moosrad feiert Ruh, aus der Olivenkühle schaut dir der Abend zu.
Der Bach singt wie verloren Menschenlieder nach, tiefer über die Ohren ziehst du dein trutziges Dach.
BODENSEE
Die Dörfer sind wie ein Garten. In Türmen von seltsamen Arten klingen die Glocken wie weh. Uferschlösser warten und schauen durch schwarze Scharten müd auf den Mittagsee.
Und schnellende Wellchen spielen, und goldene Dampfer kielen leise den lichten Lauf; und hinter den Uferzielen tauchen die vielen, vielen Silberberge auf.
KONSTANZ
Dem Tag ist so todesweh Müd gießt er aus goldenen Kelchen Wein in den Bergesschnee.
Hoch schüchtert, scheu wie ein Reh, ein Stern überm Uferschleh, und ziere, zitternde Weilchen gittern den Abendsee.
FUNDE
Wenn wie ein leises Flügelbreiten sich in den späten Lüften wiegt,-- ich möchte immer weiter schreiten bis in das Tal, wo riefgeschmiegt an abendrote Einsamkeiten die Sehnsucht wie ein Garten liegt.
Vielleicht darf ich dich dorten rinden, und zage wird dein erstes Mühn die wehen Wünsche mir verbinden, du wirst mich führen tief ins Grün-- und heimlich werden weiße Winden an meinem staubigen Stabe blühn.
Ich möchte draußen dir begegnen, wenn Mai auf Wunder Wunder häuft, und wenn ein leises Seelensegnen von allen Zweigen niederträuft.
Wenn bis zum Wegkreuz auf, zum schlanken, Jasmin die weißen Arme streckt und lind den ewgen Wehgedanken der Stirne Christi überdeckt.
Ich mußte denken unverwandt, wie ich einst zwischen schwarzen Pinien den tiefen Frühling sinnen fand, als ich vor deiner Schönheit stand und durch der Scheitel dunkle Linien dein Antlitz träumte wie ein Land.
Es schlich von deiner Lippen Saum ein Lächeln auf verlornem Pfade-- ganz leis. Die andern merktens kaum. So weht ein Blatt vom Blütenbaum: Nur einer schaut die Frühlingsgnade, und der sie schaut, ist wie im Traum.
Fremd ist, was deine Lippen sagen, fremd ist dein Haar, fremd ist dein Kleid fremd ist, was deine Augen fragen, und auch aus unsern wilden Tagen reicht nicht ein leises Wellenschlagen an deine tiefe Seltsamkeit.
Du bist wie jene Bildgestalten, die überm leeren Altarspind noch immer ihre Hände falten, noch immer alte Kränze halten, noch immer leise Wunder walten-- wenn längst schon keine Wunder sind.
Du bist so fremd, du bist so bleich. Nur manchmal glüht auf deinen Wange ein hoffnungsloses Heimverlangen nach dem verlornen Rosenreich.
Dann sehnt dein Auge, tief und klar, aus allem Müssen, allem Mühen ins Land, wo nichts als stilles Blühen die Arbeit deiner Hände war.
Weißt du, ich will mich schleichen leise aus lautem Kreis, wenn ich erst die bleichen Sterne über den Eichen blühen weiß.
Wege will ich erkiesen, die selten wer betritt in blassen Abendwiesen-- und keinen Traum, als diesen: Du gehst mit.
Bei dir ist es traut: Zage Uhren schlagen wie aus weiten Tagen. Komm mir ein Liebes sagen: aber nur nicht laut.
Ein Tor geht irgendwo draußen im Blütentreiben. Der Abend horcht an den Scheiben. Laß uns leise bleiben: Keiner weiß uns so.
Die Nacht holt heimlich durch des Vorhangs Falten aus deinem Haar vergeßnen Sonnenschein. Schau, ich will nichts, als deine Hände halten und still und gut und voller Frieden sein.
Da wächst die Seele mir, bis sie in Scherben den Alltag sprengt; sie wird so wunderweit: An ihren morgenroten Molen sterben die ersten Wellen der Unendlichkeit.
Du, Hände, welche immer geben, die müssen blühn von fremdem Glück. Zart wie ein zartes Birkenbeben, bleibt von dem gebenden Erleben ein Rhythmenzittern drin zurück.
Das sind die Hände mit den schmalen Gelenken, die sich leise mühn; und wüßten die von Kathedralen, sie müßten sich in Wundenmalen vor allem Volke heiligblühn.
Bist gewandert durch Wahn und Weh, kommst aus meinen dunkelsten Tagen, hast dir eine Brücke geschlagen bis zu mir über Schuld und Schnee.
Lenkst mich lächelnd mit leisem Gebot, und auf kronengoldenen Locken trägst du flüchtige Federflocken in den fröhlichen Frühlingstod.
Will dir den Frühling zeigen, der hundert Wunder hat. Der Frühling ist waldeigen und kommt nicht in die Stadt.
Nur die weit aus den kalten Gassen zu zweien gehn und sich bei den Händen halten-- dürfen ihn einmal sehn.
Und dieser Frühling macht dich bleicher, in weite Wiesen will dein Fuß, dein Lied wird leis, dein Wort wird weicher, und deine Hände werden reicher mit jedem Wink, mit jedem Gruß.
Du holst aus düfteschwüler Lade dein Konfirmandenkleidchen dreist und trägst es in die wilden Pfade und schmückst dich für die große Gnade, die deine Seele blühen heißt.
Mir ist: ich muß dir den Brautnachtstrauß weit aus dem Abend bringen. Ich geh in die goldene Stunde hinaus, und die Fenster leuchten am letzten Haus, drin spielende Kinder singen.
Und ich geh an dem einsamen Haus vorbei, drin singende Kinder wohnen, und mein Wandern wächst und wächst in den Mal und kann nicht zurück,--und die Blüten, verzeih, die wind ich mir alle zu Kronen.
Bist du so müd? Ich will dich leise leiten aus diesem Lärm, der längst auch mich verdroß. Wir werden wund im Zwange dieser Zeiten. Schau, hinterm Wald, in dem wir schauernd schreiten, harrt schon der Abend wie ein helles Schloß.
Komm du mit mir. Es soll kein Morgen wissen, und deiner Schönheit kuscht kein Licht im Haus.... Dein Duft geht wie ein Frühling durch die Kissen: Der Tag hat alle Träume mir zerrissen,-- du, winde wieder einen Kranz daraus.
Du: ein Schloß an wellenschweren, atlasblassen Abendmeeren-- und in seinen säulenhehren Sälen warten Preis und Prunk, uns zu ehren:
Weil wir beide wiederkehren-- ohne Kronen und mit leeren Händen-- aber jung
Purpurrote Rosen binden möcht ich mir für meinen Tisch und, verloren unter Linden, irgendwo ein Mädchen finden, klug und blond und träumerisch.
Möchte seine Hände fassen, möchte knieen vor dem Kind und den Mund, den sehnsuchtblassen, mir von Lippen küssen lassen, die der Frühling selber sind.
Ein Händeineinanderlegen, ein langer Kuß auf kühlen Mund, und dann; auf Schimmer weißen Wegen durchwandern wir den Wiesengrund.
Durch leisen, weißen Blütenregen schickt uns der Tag den ersten Kuß,-- mir ist: wir wandeln Gott entgegen, der durchs Gebreite kommen muß.
Du willst dir einen Pagen küren? Mich komm erküren, Königin. Mir klingt aus alten Aventüren ein Sang in Saitenspiel und Sinn.
Ich will ins weiße Schloß dich führen, in dem ich selber König bin, und singen hinter tausend Türen für meine weiße Königin.
Abend hat mich müd gemacht, und in meinen Sinnen schrillen kleine Wünsche mit den Grillen.
Wo das blasse Land verflacht, liegen lauter weiße Villen hinter roter Rosenpracht.
Liegen wie auf leiser Wacht weiße Villen an dem stillen Uferrand der Frühlingsnacht.
Was reißt ihr aus meinen blassen, blauen Stunden mich in der wirbelnden Kreise wirres Geflimmer? Ich mag nicht mehr euren Wahnsinn schauen. Ich will wie ein Kind im Krankenzimmer einsam, mit heimlichem Lächeln, leise, leise--Tage und Träume bauen.
Mir war so weh. Ich sah dich blaß und bang. Das war im Traum. Und deine Seele klang.
Ganz leise tönte meine Seele mit, und beide Seelen sangen sich; Ich litt.
Da wurde Friede tief in mir. Ich lag im Silberhimmel zwischen Traum und Tag.
Wie meine Träume nach dir schrein. Wir sind uns mühsam fremd geworden, jetzt will es mir die Seele morden, dies arme, bange Einsamsein.
Kein Hoffen, das die Segel bauscht. Nur diese weite, weiße Stille, in die mein tatenloser Wille in atemlosem Bangen lauscht.
Und du warst schön. In deinem Auge schien sich Nacht und Sonne sieghaft zu versöhnen. Und Hoheit hüllte wie ein Hermelin dich ein: So kam dich meine Liebe krönen. Und meine nächteblasse Sehnsucht stand, weißbindig wie der Vesta Priesterin, an deines Seelentempels Säulenrand und streute lächelnd weiße Blüten hin.
Du hast so große Augen, Kind. Du siehst gewiß oft nachts Gestalten, die, fremd und bleich, in marmorkalten Traumhänden rote Kronen halten, um die ein Leuchten leise rinnt. Dann ist dein Blick am Tag wie blind und deine Seele wie zerspalten, dann bangt dir vor den Alltagsalten, wenn Wünsche sich in dir entfalten, die allen andern Wahnsinn sind.
Dann ist die Sehnsucht dir erwacht, stolz zu entfliehn den eitlen Schreiern, die plump, mit Händen, blöd und bleiern, auf deiner Silberseele leiern das irre Lied, das sterblich macht; zu fliehn in eine blaue Nacht, drin alle Wipfel lauschend feiern; der Glieder Hymne zu entschleiern und scheu im Schoß von weißen Weihern zu finden ihre nackte Pracht.
Du sahst in hohe Lichthofmauern und spieltest still in dumpfem Raum, es lag ein unverstandnes Trauern auf deinem blassen Kindheitsträum.
Und deine Tage waren bleiern, die Mutter krank, der Vater roh; und manchmal kam ein Krüppel leiern-- dann lauschtest du und weintest so.
Was kann dir nun der Sommer taugen? Müd, wie mit scheuem Schwingenschlag, durchirren deine Heimwehaugen den uferlosen Sonnentag.
Sie war: Ein unerwünschtes Kind, verstoßen auch aus der Mutter Nachtgebet, und ewig fern von jenem Großen, das gebend durch die Zeiten geht.
Sie wünschte wenig--und nur selten kam wie ein Weinen über sie nach einem Land mit Purpurzelten, nach einer fremden Melodie,
nach weißen Wegen, die nicht stauben-- dann bog sie Rosen sich ins Haar, und konnte doch nie Liebe glauben, auch wenn es tief im Frühling war.
Wenn ich dir ernst ins Auge schaute, klang oft dein Wort so kummerkrank, wie eine leise Liebeslaute, die einsam einst ein Meister baute, als seine Seele Sehnsucht sang.
Sie lernte seither leichte Lieder und tönte gern zu Tag und Tanz,-- da greift ein Träumer ihre Glieder: und wie erwachend weint sie wieder das Heimweh ihres Heimatlands.
Ja, früher, wenn ich an dich dachte, wie Wunder wars: ein Mai erwachte um dich im Aureolenglänz, und meine Sehnsucht träumte sachte um deine Stirne einen Kranz.
Jetzt seh ich dich; du senkst dein Weinen ins Herz den herbstverhangnen Hainen, schleicht an den bleichen Meilensteinen ein wunder Sonnenuntergang.
Ich ging durch ein Land, durch ein trauriges Land. Wie auf leerer Wiege ein Wiegenband lag der blasse Fluß auf dem flachen Sand, darüber aus nassem Nebelgewand reckte die Weide die Totenhand.
Mir war so traurig. Ich starrte und stand. Ich sah dich kauern am Wegesrand. Einst hab ich dich und das Glück gekannt. Du weintest wühlend und unverwandt, und ich fragte dich: Ist das dein Heimatland?
Du nicktest, du nicktest wie traumgebannt.... Da hab ich dich wieder wie einst genannt; doch dein Bild zerrann mir, dein Bild entschwand. Die Pappeln kohlten im Abendbrand, und der Tod ging rot durch dein Heimatland.
Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte ins Haar, das leis ein weher Wind bewegt-- Siehst du den Mond, wie eine silberechte Merkmünze, und ein Bild ist eingeprägt: ein Weib, das lächelnd dunkle Dornen trägt-- Das ist das Zeichen toter Liebesnächte.
Fühlst du die Rosen auf der Stirne sterben? Und jede läßt die Schwester schauernd los und muß allein verdarben und verderben, und alle fallen fahl in deinen Schoß. Dort sind sie tot. Ihr Leid war leis und groß. Komm in die Nacht. Und wir sind Rosenerben.
Kannst du die alten Lieder noch spielen? Spiele, Liebling. Sie wehn durch mein Weh wie die Schiffe mit silbernen Kielen, die nach heimlichen Inselzielen treiben im leisen Abendsee.
Und sie landen am Blütengestade, und der Frühling ist dort so jung. Und da findet an einsamem Pfade vergessene Götter in wartender Gnade meine müde Erinnerung.
Wo sind die Lilien aus dem hohen Glas, die deine Hand zu pflegen nie vergaß? Schon tot? Wo ist die Freude deiner Wangen hin, die wie ein ganzer Lenz zu prangen schien-- Verloht? Und wo ist unser Glück so groß und rein, das hell dein Haar wie ein Madonnenschein Umspann? Auch das ist tot. Heut weinen wir ihm nach, und morgen kommt der Frost uns ins Gemach-- Und dann?
MÜTTER
Ich sehne oft nach einer Mutter mich, nach einer stillen Frau mit weißen Scheiteln. In ihrer Liebe blühte erst mein Ich; sie könnte jenen wilden Haß vereiteln, der eisig sich in meine Seele schlich.
Dann säßen wir wohl beieinander dicht, ein Feuer surrte leise im Kamine. Ich lauschte, was die liebe Lippe spricht, und Friede schwebte ob der Teeterrine so wie ein Falter um das Lampenlicht.
Mir ist oft, daß ich fragen müßt: Du, Mutter, was hast du gesungen, eh deinem blassen, blonden Jungen der Schlaf die Wangen warm geküßt?
Hattest du damals sehr viel Gram? Und weißt du, wie du aufgesprungen, wenn deinem blassen, blonden Jungen im tiefen Traum ein Weinen kam?
Ich gehe unter roten Zweigen und suche einen späten Strauß. Weiß nicht vor Glück wo ein und aus, mir ist so neu, mir ist so eigen: Mein Lieb ist müd und ist zu Haus.
Jetzt ist mein Mädel erst recht eitel, seit sich sein Mieder weiter zieht, und seit ein Wunder ihm geschieht: Bald hat es breite braune Scheitel und sitzt und singt ein Wiegenlied.
Leise weht ein erstes Blühn von den Lindenbäumen, und, in meinen Träumen kühn, seh ich dich im Laubengrün hold im ersten Muttermühn Kinderhemdchen säumen.
Singst ein kleines Lied dabei, und dein Lied klingt in den Mai: Blühe, blühe, Blütenbaum, tief im trauten Garten. Blühe, blühe, Blütenbaum, meiner Sehnsucht schönsten Traum will ich hier erwarten.
Blühe, blühe Blütenbaum, Sommer wird dirs zahlen. Blühe, blühe, Blütenbaum. Schau, ich säume einen Saum hier mit Sonnenstrahlen.
Blühe, blühe, Blürenbaum, balde kommt das Reifen. Blühe, blühe, Blütenbaum, meiner Sehnsucht schönsten Traum lehr mich, ihn begreifen.
Singst ein kleines Lied dabei, und dein Lied ist lauter Mai.
Und der Blütenbaum wird blühn, blühn vor allen Bäumen, sonnig wird dein Saum erglühn, und verklärt im Laubengrün wird dein junges Muttermühn Kinderhemdchen säumen.
Und reden sie dir jetzt von Schande, da Schmerz und Sorge dich durchirrt,-- o, lächle, Weib! Du stehst am Rande des Wunders, das dich weihen wird.
Fühlst du in dir das scheue Schwellen, und Leib und Seele wird dir weit-- o, bete, Weib! Das sind die Wellen der Ewigkeit.
DER BLONDE KNABE SINGT: Was weinst du, Mutter? Ist das Spind auch bettelleer,--sei gut! Ich bin dein blondes Kronenkind, und du hast Edelblut.
Ich schaute ja, du weißt es nicht,-- wie du so oft noch spät beim morgenmatten Lampenlicht dein Königskleid genäht.
So bist du eine Königin, und sei nicht bang und zag-- und bis Ich erst krafteigen bin, kommt unser Königs tag.
DIE MUTTER: "Liebling, hast du gerufen?" Es war ein Wort im Wind. "Wie viele steile Stufen sind noch bis zu dir, mein Kind?"-- Da fand ihre Stimme die Sterne, fand aber die Tochter nicht.
Im Tale in tiefer Taverne löschte ein letztes Licht.
Manchmal fühlt sie: Das Leben ist groß, wilder, wie Strüme, die schäumen, wilder, wie Sturm in den Bäumen. Und leise läßt sie die Stunden los und schenkt ihre Seele den Träumen.
Dann erwacht sie. Da steht ein Stern still überm leisen Gelände, und ihr Haus hat ganz weiße Wände-- Da weiß sie: Das Leben ist fremd und fern-- und faltet die alternden Hände.
INHALT
LARENOPFER (1896)
Im alten Hause Auf der Kleinseite Ein Adelshaus Der Hradschin Bei St. Veit Im Dome In der Kapelle St. Wenzels Vom Lugaus Der Bau Im Stübchen Zauber Ein anderes Noch eines Und das letzte Im Erkerstübchen Der Novembertag Im Straßenkapellchen Das Kloster Bei den Kapuzinern Abend Jar. Vrchlický Im Kreuzgang von Loretto Der junge Bildner Frühling Land und Volk Der Engel Allerseelen I. II. Bei Nacht Abend Auf dem Wolschan I II Wintermorgen Brunnen Sphinx Träume Maitag König Abend An der Ecke Heilige Das arme Kind Wenns Frühling wird Als ich die Universität bezog Superavit Trotzdem Herbststimmung An Julius Zeyer Der Träumer I II Die Mutter Unser Abendgang Kajetan Týl Volksweise Das Volkslied Dorfsonntag Mein Geburtshaus In dubiis I. II. Barbaren Sommerabend Gerichtet Das Märchen von der Wolke Freiheitsklänge Nachtbild Hinter Smichov Im Sommer Am Kirchhof zu Königsaal (aula regis) Vigilien I. II. III. IV. Der letzte Sonnengruß Kaiser Rudolf Aus dem Dreißigjährigen Kriege. 1. Krieg 2. Alea jacta est 3. Kriegsknechts-Sang 4. Kriegsknechts-Rang 5. Beim Kloster 6. Ballade 7. Der Fenstersturz 8. Gold 9. Szene 10. Feuerlilie 11. Beim Friedland 12. Frieden Bei den Ursulinen Aus der Kinderzeit Rabbi Löw Die alte Uhr Kämpfen Siegen Im Herbst Der kleine "Drateník" In der Vorstadt Bei St. Heinrich Mittelböhmische Landschaft Das Heimatlied
TRAUMGEKRÖNT (1897)
Königslied Träumen I. Mein Herz gleicht II. Ich denke an: III. Mir ist: ein Häuschen wär mein eigen IV. Eine alte Weide trauert V. Die Rose hier, die gelbe VI. Wir saßen beisammen VII. Ich wollt, sie hätten statt der Wiege VIII. Jene Wolke will ich neiden IX. Mir ist: Die Welt X. Wenn das Volk, das drohnenträge XI. Weiß ich denn, wie mir geschieht XII. Schon blinzt XIII. Fahlgrauer Himmel XIV. Die Nacht liegt duftschwer XV. Im Schoß der silberhellen XVI. Abendläuten XVII. Weltenweiter Wandrer XVIII. Möchte mir ein blondes Glück erkiesen XIX. Vor mir liegt ein Felsenmeer XX. Die Fenster glühten XXI. Es gibt so wunderweiße Nächte XXII. Wie eine Riesenwunderblume XXIII. Wie, jegliches Gefühl vertiefend. XXIV. O gäbs doch Sterne XXV. Mir ist so weh, so weh, als müßte XXVI. Matt durch der Tale XXVII. Ein Erinnern, das ich heilig heiße XXVIII. Glaubt mir
LIEBEN
I. Und wie mag die Liebe II. Das war der Tag III. Einen Maitag mit dir beisammen sein IV. Ich weiß nicht, wie mir geschieht V. Ob dus noch denkst VI. Wir saßen beide in Gedanken VII. Blondköpfchen hinter den Scheiben VIII. Die Liese wird heute IX. Ich träume tief im Weingerank X. Es ist ein Weltmeer voller Lichte XI. Ich war noch ein Knabe XII. Die Nacht im Silberfunkenkleid XIII. Schon starb der Tag XIV. Es leuchteten im Garten die Syringen XV. Oft scheinst du mir ein Kind XVI. Nach einem Glück XVII. Wir gingen XVIII. Im Frühling oder im Traume XIX. Sie hatte keinerlei Geschichte XX. Man merkte: der Herbst kam XXI. Manchmal da ist mir XXII. Es ist lang
ADVENT (1898)
Advent. Es treibt der Wind
GABEN
Das ist mein Streit Du meine heilige Einsamkeit Der Bach hat leise Melodien Ich liebe vergessene Flurmadonnen Warst du ein Kind in froher Schar Pfauenfeder: in deiner Feinheit Oft denk ich auf der Alltagsreise Damit ich glücklich wäre An manchem Tag ist meine Seele still Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt Die hohen Tannen atmen heiser Der Abend kommt von weit gegangen Das Wetter war grau und grell Sonne verlodert am Himmelsrain Du arme, alte Kapelle Die Mädchen singen Lehnen im Abendgarten beide Eine der weißen Vestageweihten Im Kreise der Barone Ein weißes Schloß in weißer Einsamkeit Irgendwo muß es Paläste geben Im Schlosse mit den roten Zinken Einmal möcht ich dich wiederschauen Es kommt in prunkenden Gebreiten Horch, verhallt nicht ein scheuer Der König Abend weiß sich schwach Der Tag entschlummert leise
FAHRTEN
Venedig I. Fremdes Rufen II. Immer ist mir, daß die leisen III. Mein Ruder sang IV. Ave weht von den Türmen her Englar im Eppan Tenno Casablanca Arco I mulini Bodensee Konstanz
FUNDE
Wenn wie ein leises Flügelbreiten Ich möchte draußen dir begegnen Ich mußte denken unverwandt Fremd ist, was deine Lippen sagen Du bist so fremd, du bist so bleich Weißt du, ich will mich schleichen Bei dir ist es traut Die Nacht holt heimlich Du, Hände, welche immer geben Bist gewandert durch Wähn und Weh Will dir den Frühling zeigen Und dieser Frühling macht dich bleicher Mir ist: ich muß dir den Brautnachtstrauß Bist du so müd? Ich will dich leise leiten Du: ein Schloß an wellenschweren Purpurrote Rosen binden Ein Händeineinanderlegen Du willst dir einen Pagen küren? Abend hat mich müd gemacht Was reißt ihr aus meinen blassen, blauen Mir war so weh. Ich sah dich blaß und bang Wie meine Träume nach dir schrein Und du warst schön. In deinem Auge schien Du hast so große Augen, Kind Du sahst in hohe Lichthofmauern Sie war: Ein unerwünschtes Kind Wenn ich dir ernst ins Auge schaute Ja, früher, wenn ich an dich dachte Ich ging durch ein Land Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte Kannst du die alten Lieder noch spielen Wo sind die Lilien aus dem hohen Glas
MÜTTER
Ich sehne oft nach einer Mutter mich Mir ist oft, daß ich fragen müßt Ich gehe unter roten Zweigen Leise weht ein erstes Blühn Und reden sie dir jetzt von Schande Der blonde Knabe singt Die Mutter Manchmal fühlt sie: Das Leben ist groß