Ernst Koch's Gedichte Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Part 8

Chapter 81,308 wordsPublic domain

Auch Billerbeck, Eyb und Halletius, Und Heiligenstedt, welche getroffen ein Schuß Zu Stralsund am Knieperthore, Von Alvensleben auch, der wackere Held, Und der tapfere Wachtmeister Sommerfeld, Sie treten hervor aus dem Chore.

Da ruft der Major: _Sanct Leonhard!_ D'rauf kommen sie, die man bei Braunschweig verscharrt, Die vierzehn gefangenen Krieger. Sechs Kugeln trägt jeder in seiner Brust, Sie starben sich ihres Ruhmes bewußt, Und waren im Tode Sieger.

Nun bleiben noch elf Offiziere zurück -- Der Major ruft: _Wesel!_ und verhüllt den Blick, Und die Elfe beschließen die Schaaren -- Gar edle Jünglinge, hingestreckt, Wo jetzt sie ein einziger Sarg bedeckt, Die im Leben nur Ein Herz waren.

Und als sie versammelt sind Mann für Mann, Da heben die Trompeter zu blasen an Die schönste der Serenaden, Ein Jubellied, das zum Herzen dringt Und hell majestätisch die Nacht durchklingt, _Zum Gruß ihrem alten Kameraden_.

Und ein Hurrah, dreifach wie aus einem Mund, Ein Hurrah, wie dazumal zu Stralsund, Ein Hurrah folgt auf die Fanfaren. So schauerlich hörte die Stadt noch keins -- Da schlug die Uhr vom Kirchthurm _Eins_ -- Und zerstoben war Schill mit den Schaaren.

Die St.-Helena-Medaille.[16]

Weis' her die wälsche Medaille! Wie funkelt so neu das Ding! Und so alt schon ist die Bataille, Wo Dein Arm zum Teufel ging.

Wär' weiter nichts mitgegangen, Nicht Dein Herz, Dein größter Schatz, Sie hätten Dir nicht gehangen Die Medaille an seinen Platz.

Sie hätten es nicht probiret, Nach fünfzig Jahren auf's Neu', Und zweimal speculiret Auf Deine Kaisertreu'.

Der Kaiser liegt im Grabe Und seine Garde dazu. Gott geb' ihm und seinem Stabe Pardon und die ew'ge Ruh'.

Viel Jahre sind gezogen Wohl über die Gruft daher. Kaum rauschen noch die Wogen Die blutige Kaisermähr.

Und Gras ist viel gewachsen Ueber Ehr' und über Schand', In Preußen und in Sachsen Und im Franzosenland.

Nun kommen sie wieder und äffen Und schmücken sich mit dem Ding Und werben Dich für den Neffen Um einen Silberling.

Kämen sie im Schlachtgebrause Zu hunderttausend Mann, Wir schickten sie nach Hause, Wie wir es schon gethan.

Und Du greifst nach dem Bande? Du heftest Dir es an? Du brüstest Dich mit der Schande! O, schäme Dich, alter Mann!

Testament.

(November 1858.)

Wenn ich ausgelitten hab' Und mich von euch wende, Macht mir doch mit meinem Grab' Nicht viel Complimente.

Setzt mir keinen Stein daher, Der's den Leuten sage: Freut euch, daß ich keinen mehr Auf dem Herzen trage.

Auch mit Rosen bleibt mir fort, Kränzen oder Kronen, Flechtet sie, wo hier und dort Frohe Menschen wohnen.

Weder Schutt noch Blumenfeld, Scherben oder Kräuter, Machen mir die and're Welt Länger oder breiter.

Viel Poeten haben's gern Wenn sich Vöglein's Flügel Um die Zeit vom Abendstern Senkt auf ihren Hügel,

Oder wenn vom nahen Baum Nachtigallen pfeifen, Während durch den stillen Raum Laue Weste streifen.

Nichts begehr' ich von dem All'n Wollt' auch eh'r erdolcht sein, Als von Mond und Nachtigall'n Bis in's Grab verfolgt sein.

Im November jedes Jahr Soll't ihr mich besuchen, Dort, wohin mich auf der Bahr Fremde Schultern trugen.

Ob vielleicht schon Schnee und Frost Mich bedeckt da draußen, Ob die Stürm' aus Nord und Ost Durch die Felder brausen --

Grade wenn's recht stürmisch ist, Sollt ihr zu mir treten, »Vater unser, der du bist«, Herzhaft für mich beten.

So befohlen und gestift't Hier in dem Gedichte, Auf daß Jeder, den's betrifft, Demgemäß sich richte.

Inhaltsverzeichniß.

Vorwort mit der Biographie des Dichters III Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825 3 Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter 5 Am Geburtstage meines Vaters 6 Am Anfange der Osterferien 11 Am 8. December 13 Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels 15 Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage 16 Nachtwächter-Lied 19 Es war mir heut' Abend so einsam, so leer 21 Gruß an die Heimath 22 Mein Engel 25 Sehnsucht nach dem Tode 27 Reliquie eines Verschollenen 31 Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters 36 Die Waldmühle 38 Schweizers Sehnsucht 41 Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel 43 Mein Wunsch 47 Die letzte Rose 48 Sonett 51 Sonett 52 Die Johannisblume 53 In der Ferne wohnt mein Glück 54 Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg 56 An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels 59 Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder 63 aus dem Wimez'schen Institute aufführten Gesang der Sterne 65 Der Liebe Sehnen 67 Veilchenstrauß 69 Tag der Vereinigung 71 Siehst Du, wo im Abendgolde 73 Der Bürgergardist 74 Die Natur 76 Vaterfreude 78 Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, Großherzogs 81 von Luxemburg Ludwig Philipp 84 Was ist des Deutschen Vaterland? 87 Blau, weiß, roth 90 Bei Sebastopol 92 Ferienweihe 94 Von der Luxemburger Mosel 99 Es lag mir schon sehr lange nah' 102 Die Fische 103 Morgenlied von dem Schäfchen 105 Maria und der Doctor 107 Des armen Kindes heiliger Christ 109 Des Schweizers Heimweh 112 Der Morgen im Garten 114 Am Abend 116 Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und 118 apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes Der Katholik 120 In einer protestantischen Kirche 122 Maria! 130 Maria in der Seele 135 Die Verfolgung 138 1848 142 Komm! 145 Das Marienbild zu Rimini 147 An Maria 149 Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des 150 Jünglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December 1854, vom Vereine gewidmet Lied für den Jünglingsverein 152 Der Jünglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach 155 Rom Der Lehrer an seine Schüler 158 Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenäum zu Luxemburg 161 Nach gegebenen Endreimen 166 An P. Klein's Grabe 167 Die Schutzengel 169 Der Cölibat 173 Arion 179 Militär-Toast 182 Ein Geister-Ständchen 184 Die St.-Helena-Medaille 188 Testament 190

Fußnoten.

[1] Meine Inaugural-Dissertation (_De jure ejus, qui speciem ex aliena materia fecit_) findet sich in den Pandektencompendien citirt.

[2] Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten Constitution die Verwaltung des Landes auf französischem Fuße eingerichtet wurde, fing auch Koch's Stellung an zu schwanken. Mit dem Aufhören der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretär derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef (_chef de division_) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann zum Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher Stelle er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser Zeit an genoß Koch ein Wartegehalt und blieb, außer der geringen Beschäftigung als beeideter Uebersetzer des »Memorial«, für das er den deutschen Text zu besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis er vor elf Jahren erst provisorisch, dann definitiv zum Professor der deutschen Sprache und Literatur am königl. großherzgl. Athenäum ernannt wurde.

Anm. d. H.

[3] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang 1846, Nr. 28.

D. H.

[4] Kassel. Luckhardt 1834, und Göttingen bei Georg H. Wigand 1857. Bei dem Letztern ist so eben auch die englische Übersetzung erschienen: _E. Helmer, Prinz Rosa-Stramin. Translated from the latest german edition by A. v. Beresford. 8._

[5] Seine Novellen erschienen in verschiedenen Zeitschriften, später bei Hotop in Cassel (»Salon-Novellen« 1851, ferner »Drei Novellen«), einzelne bei Wigand in Göttingen in der Sammlung »Was ihr wollt«.

[6] Vgl. »Morgenblatt« 1847, »Telegraph für Deutschland«, Hamburg 1847, Nr. 111.

D. H.

[7] Aus dem »Salon« Jahrg. 1842, Nr. 40 abgedruckt.

D. H.

[8] Abgedruckt aus dem »Salon« 1842. Nr. 60.

D. H.

[9] Abgedruckt aus dem »Lux. Wort«, Jahrg. 1849.

D. H.

[10] Vgl. »Des fremden Kindes heiliger Christ« von Rückert.

D. H.

[11] Joh. VI.

[12] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang 1846, Nr. 31.

D. H.

[13] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang 1846, Nr. 33.

D. H.

[14] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang 1846, Nr. 33.

D. H.

[15] Abgedruckt aus der »_Quotidienne Luxembourgeoise_«, Jahrgang 1855, Nr. 83.

D. H.

[16] Abgedruckt in der »Köln. Ztg.«, Jahrgang 1857, Nr. 287.

D. H.

Anmerkungen zur Transkription

Fußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt.

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.