Ernst Koch's Gedichte Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Part 6

Chapter 63,593 wordsPublic domain

Nun und ewig nur zu _Deinem_ Ruhme, Will ich rauschend meine Saiten schwingen, Will sie _Dir_ zum Weihgeschenke bringen, Segne sie zu Deinem Heiligthume! Wenn sich tönend Reim' um Reime schlingen, Soll _Dein_ süßer Name sie durchklingen, Und mein letztes Lied, Du Himmelsblume, Jubelnd Deine Herrlichkeiten singen, Maria!

O, ein Psalm ist schon allein Dein Name, Und er tönt in allen Erdenkreisen. Also laß auch mich Dein Sänger heißen, Sei Du, Jungfrau, meine heil'ge Dame! Lehr' mein Lied nur einen einz'gen leisen Wiederhall von jenen Himmelsweisen, Meine Stimme, daß sie nicht erlahme, Deine Schönheit für und für zu preisen, Maria!

Du dagegen wollest für mich bitten! Des Allmächt'gen donnernde Gewalten Hätten längst mein sünd'ges Herz zerspalten, Wenn nicht Jesus an dem Kreuz gelitten. Bitt' für mich, damit sie gnädig walten, Und den Fluch von meinem Haupte halten! Laß zu Jesus sich die Lieb' inmitten Meiner Seele wie die Blum' entfalten! Maria!

Und zum andern woll'st Du mir erflehen, Daß ich spät und frühe _Dein_ gedenke, Treu und warm Dir meine Andacht schenke, Und auf Dich stets meine Augen sehen. Daß _Dein_ liebes Bild sich zu mir senke, Wenn mit Gaukelbildern mir die Ränke Einer eiteln Welt den Sinn verdrehen, Daß ich nimmer Deine Liebe kränke, O Mutter!

Mutter! welch ein Schmerz in diesem Worte! Ach, ich seh' Dich mit den bleichen Wangen, Wie die Söldner ihre Geißeln schwangen, Seh' Dich dringen durch die wilde Horde, Und vergeh'n in jammervollem Bangen, Als die heil'gen Lippen: Mutter! klangen, Seh', wie bei dem blut'gen Gottesmorde Dir das Schwert durch's keusche Herz gegangen, O Mutter!

Dennoch gibt dies Wort mir Trost und süßen Muth, verherrlicht und geehrt wie Keine, Thronst Du ja in ew'gem Glorienscheine, Und die Engel ruh'n zu Deinen Füßen. Mutter! o wie ich vor Freude weine, Daß Du, Mutter Gottes, auch die meine, Daß ich Dich mit diesem Namen grüßen, Zu Dir sagen darf, Du himmlisch Reine: O Mutter!

Bitt' für mich, bei Deines Sohnes Wunden! Laß nicht seine Liebe von mir weichen, Laß mich mehr und mehr Dir, Mutter, gleichen! Und dann, in der letzten meiner Stunden, Mutter, gib mir dann ein freundlich Zeichen, Daß ich froh Dir mag die Hände reichen, Und mein Herz dem ew'gen Licht gesunden, Maria!

Maria in der Seele.[14]

O heil'ge Mutter, wie ich mich betrübte, Und mich in Unruh' quälte Nacht und Tag! Eh' meine Seele Dich, wie jetzo, liebte, Und wie ich Dir's zu sagen nie vermag! Wie fühl' ich, gleich dem mutterlosen Kinde, Mein ganzes Leben so verwaist, so halb, Und wie erbärmlich hab' ich mit der Sünde Gerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp.

Sieh, meine Seele war wie eine Hütte, Die nur mit Mühe noch zusammenhält. Der Felsen drohte, daß er sie verschütte, Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt. Der Blitz, wie wenn's den Untergang gegolten, Umzingelte das Haus, und angstgepreßt Hielt d'rinnen zitternd, wenn die Donner rollten, Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest.

Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen, Ist meine Seel' ein königliches Haus. Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen, Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus. Du wandelst durch die duftigen Gemächer, Darinnen Flöten klingen und Schalmei'n, Die Engel steigen nieder auf die Dächer, Und Gottes Sonne scheint durch's Fenster 'nein.

Wie kam's doch? Hab' ich oft zu Dir gebetet, Freiwillig meine Seele Dir geschenkt? Hab' ich mich oft vor Deinem Bild verspätet, In Deine Herrlichkeiten mich versenkt? Du Kön'gin, hat mein Herz Dich eingeladen? Rief meine fromme Kühnheit Dich herab? Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden, So unverdiente Seligkeiten gab?

Ach nein, Maria, Du bist ungebeten, Und aus Erbarmen mit des Sünders Last, In meiner Seele dunkles Haus getreten; In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast. Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen, Du hast's gefunden, o wie wohl ist mir! Nun mag der Sturm weh'n und die Hölle fluchen, Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir.

Dies Herz -- Dein Frieden, Heilige, bewohnt es, Und Du zerstreutest seine Angst und Qual. Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes, Erfreut es sich an Deinem milden Strahl. O Heil'ge, bleibe bei mir jetzt und immer! Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht, Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer, Und führe rettend mich zum ew'gen Licht!

Die Verfolgung.

Halt ein! ihr Schergen diabol'scher Mächte, Was soll das wüste Waidwerk Tag für Tag? Ein Greis steht vor euch, hebt zu Gott die Rechte, Vernichten könnt't ihr ihn mit Einem Schlag. Ist einer unter euch, ihr feigen Knechte, Der ihm den weißen Schädel spalten mag? Ich ruf' euch zu mit aufgehob'nen Händen: Halt ein mit eurer Treibjagd, eurem Schänden!

Ja, eine Treibjagd, denn mit frecher Stirne Jagt ihr das Wildpret über Berg und Thal; Gefangen schleppt ihr's in die Fleischerschirne, Und freut euch wohlgefällig seiner Qual. Verwirrt hat euch der Teufel die Gehirne, Woraus er lachend die Vernunft euch stahl. Nun seid ihr seine herrschaftlichen Jäger. Pfui! dreimal pfui für solche Würdenträger!

Doch hört! vielleicht noch respectirt ihr Schranken, Vielleicht in eurer Brust ist noch ein Trieb. Ein Klang aus frühern Jahren, der dem kranken, Dem sturmbewegten Herzen theuer blieb. -- Dann thut es diesem einzigen Gedanken, Thut's dem, was euch noch heilig ist, zu lieb: Halt ein! beendigt eure Jagd zur Stunde, Gebt das Signal und koppelt eure Hunde!

Und thut ihr's nicht, so höret mit Entsetzen, Was dann geschieht, ich sag's euch, ich, ein Greis. Ihr denkt, das Wild würd' sich zur Wehre setzen, Mit Nimrod kämpfen die verfolgte Geis; In euern Lanzen sich den Leib zerfetzen, Und Rettung suchen um des Lebens Preis? Wir würden euch, wie Tilly einst den Schwed'schen, Den Zorn mit blut'gen Worten zukartätschen?

Aufspringen, denkt ihr, würden die Ementen, Und rächend hoch auf Barricaden steh'n, Die Glaubensbanner unter Sturmesläuten, Wie Oriflammen, von den Bergen weh'n, Und wir mit Stolz, gleich jenen Himmelsbräuten, In Kampf und Tod für uns're Kirche geh'n. Ihr denkt's? dann denkt es auch mit allen Schauern, Malt eures Meisters Bild nicht an die Mauern!

Doch nein, dem edlen Hochwild gilt das Jagen, Dem Hirsch, der stumm und ohn' Empfindung scheint. Nur wenn das Blei ihm in das Herz geschlagen, Und tödtlich ihn verwundet hat der Feind, Dann läßt er hör'n ein leises süßes Klagen, Und was er nie gekonnt und that: er weint. So leiden wir, so weinen wir und klagen, Wenn eure Bleie uns in's Leben schlagen.

Des Wildes Klageton stirbt unter Zweigen, Der unsrige fliegt rasch zum Herrn empor. Wenn eure Flüch' hinab zur Hölle steigen, Dringt uns're Stimme bis zu Gottes Ohr. Kein menschlich Tribunal bringt sie zum Schweigen, Posaunengleich sprengt sie das Himmelsthor. Gott schreibt sie in die großen Jagdannalen, Um Wild und Jäger einst den Lohn zu zahlen.

's war eine Zeit -- vielleicht in stillen Nächten Habt ihr sie wie ein Traumbild noch erblickt; Es war die Zeit, eh' ihr von finstern Mächten Die Waffen lehrtet, die ihr auf uns zückt, Eh' ihr's gelernt, mit Gott und Kirche rechten, Und eh' der Satan euern Geist berückt -- Ach! diese Zeit mit ihren Seligkeiten, Sie ist verklungen wie ein Spiel der Saiten.

Ein festlich majestätisches Geläute Rief euch, noch Kinder, in das Gotteshaus. Ihr gingt mit Freudigkeit, wie wir noch heute, Ihr trugt, wie's Brauch ist, einen Blumenstrauß; Wie Glanz des Himmels, wie der Engel Freude, Sah euch die Unschuld aus dem Aug' heraus -- Und ihr gelobtet euch im Sacramente Dem lieben Heiland bis an's Lebensende.

Noch seh' ich euch am Tisch des Herren essen, Und wie die Gnade euer Herz durchbrannt. Noch seh' ich euch die keuschen Lippen pressen Auf's Kruzifix in eurer reinen Hand. O sagt, habt ihr die Thräne ganz vergessen, Die damals euch im frommen Auge stand? Wie weit ist's doch, seit jenen schönen Tagen Bis zu dem heut'gen mörderischen Jagen?

Und bringt euch, Buben, nichts mehr zu Verstande, So denkt an jenen einz'gen heil'gen Tag -- Und dann -- schlagt zu! dann laßt sie los, die Bande, Dann schießt und mordet durch Gebüsch und Hag. Noch nie gab's so viel Edelwild im Lande, Ein Jagen, wo's geduldiger erlag. Schlagt zu, ihr Herrn, und macht mir's nicht gelinder! Mein Weib ist todt, doch hier sind meine Kinder.

1848.

Ein wilder Sturm ist in die Welt gefahren, Durchwühlt die Völker, wie ein brausend Meer. Prophetenstimmen aus verklung'nen Jahren Zieh'n wie Posaunentöne vor ihm her. Entfesselt sind der Geister wilde Schaaren Und die Empörung schwingt den blut'gen Speer. Es ist ein Toben und ein wildes Kämpfen, Als wälzte sich die Zeit in schweren Krämpfen.

Wer ist der Steuermann in solchen Wettern, Wer ist der Geist, der über'n Wassern schwebt? Ein Herrscher, der das Schiff aus morschen Brettern Maschinenmäßig durch die Wellen hebt? Ein Feldmarschall, der unter Bombenschmettern Sich in die Weichen der Empörung gräbt? Kann Menschenweisheit jenem Sturm gebieten, Gibt uns ein Machtwort den verlor'nen Frieden?

Wohl mag ein _Stern_ uns aus den Wogen retten, Doch keiner, der auf Uniformen blinkt, Wohl eine _Hand_ vermag uns warm zu betten, Doch keine, die ein irdisch Scepter schwingt. Und für das Schiff gibt's neue, sich're Ketten, Doch keine, die uns um die Freiheit bringt. Wo Geister kämpfen mit der wilden Brandung, Führt nur ein Geist die Ringenden zur Landung.

Der _Stern_, die _Stella maris_, die wir kennen, Wir seh'n ihn hehr und schön vom Himmel schauen, 's ist kein Pilot, der ihn nicht weiß zu nennen, Den süßen Namen Uns'rer Lieben Frauen. Wo gibt's Fanale, die so glänzend brennen, Wenn uns die Nacht umfängt und Tod und Grauen? Das ist der Stern, vor dem in Sturmesreigen Die Wogen ihre stolzen Häupter neigen.

Die _Hand_, das ist die Hand der Braut des Herren, Die lehrend sich herab zum Schiffer neigt, Die, wenn sich Fels auf Fels entgegensperren, Ihm winkt und ihm die Fahrt zum Hafen zeigt, Und, daß die Wogen ihn nicht abwärts zerren, Den Segen ihres hohen Bräut'gams reicht. Wo _diese_ Hand regiert, von Gottes wegen, Da geht das Schiff dem sichern Port entgegen.

Die _Kette_, die es hält für alle Zeiten, Reicht von der Erde in die Ewigkeit, Die Kette zweier Welten, die in beiden Uns zur Gemeinschaft aller Heil'gen reiht -- Im Siegen, wie im Sterben und im Leiden, In Nacht und Trübsal, Gnad' und Herrlichkeit -- Das ist die Kette von Demant und Eisen, Die keine Stürme dieser Welt zerreißen.

O süßer Meerstern, der vom Himmel d'roben So mild und freundlich auf uns niederschaut, O zarte Hand, der, wenn die Wellen toben, Der Schiffer demuthsvoll den Kahn vertraut, O diamantnes Band, von Gott gewoben, -- Ja, wenn es uns in Nacht und Stürmen graut -- Und wenn wir nichts mehr hoffen, nichts mehr lieben, Wir glauben noch, denn _ihr_ seid uns geblieben.

Komm!

O komm, still' unser heißestes Verlangen, O zeige Dich dem sehnsuchtsvollen Blick; O wüßtest Du nur unsers Herzens Bangen, Längst wärst Du bei den Trauernden zurück. Mit Dir ist Fried' und Freud' hinausgezogen; Seitdem Du fehlst, fehlt unser liebstes Glück. So harrt die Braut nicht ihres Auserwählten, Wie wir bisher die Tag' und Stunden zählten.

O komm, o komm, ein Jammer ist's im Lande; Seitdem Du gingst, war's eine schwere Zeit, Ein Hurrah über's and're schreit die Bande, Der Teufel machte sich noch nie so breit; Doch wer sich zu der Mutter Gottes wandte, Hat Dir schon manch Gebet geweiht. O komm, du kannst's ja, von Sanct Peter's Stufen, Hat Dir es Pius freundlich zugerufen.

O komm, Dir harren tausend Herzen: Die Kirche mit der Glocken Jubelton, Die Hochaltäre mit dem Schmuck der Kerzen, Die Gläub'gen mit Gesang und Prozession; Empfang' die Lieb' als Balsam Deiner Schmerzen, Und für die uns'rigen sei Du der Lohn, Damit uns so, mit Gott verbunden, Das Leid vergeht, vernarben uns're Wunden.

Gott sei geklagt, die Jungen und die Alten, Sie fragen sich, was Deine Schritte hemmt? Der Vater weiß, mit welchen Trotzgewalten Der böse Geist sich Dir entgegenstemmt; Doch wenn die Kinder ihre Händchen falten Und Abends fragen, wann ihr Bischof kömmt, Dann sagt die Mutter leise wieder: Morgen. Das Kind entschläft, die Mutter wacht in Sorgen.

O komm, steh, alle Tage wird es trüber, Die alte Zeit scheintodt stieg aus dem Grab, Nicht ist, seitdem Du gingst, der Sturm vorüber, Kein Retter uns erschien, der Frieden gab. So komm denn Du, den Hermelin wirf über, Gebiet dem Sturm mit Deinem gold'nen Stab, Laß auf die Wogen, die wir bang durchlenken, Sich Dein gewohnter Segen niedersenken.

Das Marienbild zu Rimini.

1850.

Wunder! Leben gießt sich in das Todte. Durch des Menschen Machwerk zuckt der Geist, Zuckt der Strahl, der als ein Himmelsbote Die Gesetze der Natur zerreißt. Seht, das Auge öffnet sich und milde Strahlt es den unmittelbaren Gruß, Und das Volk fällt nieder vor dem Bilde -- _Signa dantur infidelibus_.

Nun vom Volk zu des Allmächt'gen Throne Hebt der Blick der Heiligen sich empor. »Gott allein die Ehr' und seinem Sohne, Der zur Himmelskön'gin mich erkor!« _Sursum corda!_ und zum Herrn und Meister, Mit des Auges seligstem Erguß, Reißt sie aufwärts die erschrock'nen Geister -- _Signa dantur infidelibus_.

D'rauf der Heil'gen Auge senkt sich nieder, Und zurück zu Staube sinkt das Erz, Und das Volk wird seiner Sünde wieder, Seines Fluchs bewußt das Menschenherz. Laßt uns beten, beten tief im Staube: »Herr zertritt mich nicht mit Deinem Fuß.« Laßt uns einig sein in Lieb' und Glaube -- _Signa dantur infidelibus_.

An Maria.

O Maria, laß gelingen, Und sei meine Helferin, Laß mich gut und recht vollbringen, Was ich jetzt gesonnen bin. Mutter Gottes, alle Tage Warst Du bei mir, sonst und jetzt, Und ich habe keine Klage, Daß Du mich verlassen hätt'st.

Hilf mir auch bei diesem Werke, Gib, wofern Du mich noch liebst, Daß ich mir die Winke merke, Die Du deinem Diener gibst. Wenn's dann geht, wie ich begehre, Dann sei Dir das Werk geweiht, Dir allein zu Ruhmes Ehre, Mutter aller Herrlichkeit.

Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel,

_Direktor des Jünglingsvereines_, zu seinem Namenstage, den 7. December 1854, vom Vereine gewidmet.

Wenn ringsumher die Bösen uns umschleichen, Dem Löwen gleich, der seine Beute sucht; Wenn der Gesellschaft Fundamente weichen; Wenn schlecht, was fromm, und gut ist, was verrucht; Wenn Brüder, statt die Hände sich zu reichen, Im Hasse einer wild dem andern flucht -- Wohin mit deinem süßen Himmelstriebe, Wohin willst du dich flüchten, heil'ge Liebe?

Wenn ringsumher die Völker sich befehden, Von West nach Ost die Kriegsdrommete klingt; Wenn seinen Schlachtgesang auf fernen Rheden Der Tod aus tausend Feuerschlünden singt, Und, wo noch jüngst des Friedens Palmen wehten, Der Haß die Fackel der Vernichtung schwingt -- O Liebe dann, zu welchen Freiheitsstätten Willst du, der flücht'gen Taube gleich, dich retten?

Da öffnen sich die großen Geisterhallen, Die ein Granit auf seinem Haupte trägt, Wo ewig neu die Wogen niederprallen Der Brandung, die an ihre Mauern schlägt. Dort ist die Stätte, dorthin magst du wallen, Dort, wo kein Streit des Menschen Herz bewegt, Wo keine Ketten dich der Erde binden, O süße Liebe, deine Ruhe finden.

Und hat dies heil'ge Dach zur rechten Stunde Auch uns vereinigt, eine junge Schaar, Zu Lieb' und Treu', zu brüderlichem Bunde, Ein Obdach gegen Sturm und Tod'sgefahr: So drängt es sich vom Herzen nach dem Munde, Zu danken dem, der unser Leitstern war, Der uns'rer Seelen träges Feuer schürte, Und uns zum Tempel heil'ger Liebe führte.

Und alle Gnaden, die wir uns erwerben, Und jeder Blick vom lieben Jesuskind; Und jede Huld, im Leben und im Sterben, Die aus den Händen der Maria rinnt, Und jede Rettung, die aus dem Verderben Der heil'ge Joseph unserm Bund gewinnt, Ja, alles Gute, was uns Gott gesendet, Sei dankbar unserm Führer zugewendet.

Lied für den Jünglingsverein.

1854.

Im Waffenkleid, in blankem Stahl Vom Kopf bis zu den Waden, Umsteh'n den tapfern General Die muthigen Soldaten. Im Auge blitzt der Heldenmuth, Verachtung für die Schande. Sie rufen laut -- und schwenken den Hut -- Ein Hoch! dem Vaterlande.

Und Hoch! dem General, der sie So oft ins Feld geführet, Und gegen manche Schlachtbatt'rie Die Truppen commandiret. Der sitzt mit seinem Ordensband Auf seinem stolzen Pferde, Und dankt, an seinem Hut die Hand, Mit freudiger Geberde.

Auch _wir_ sind eine stärk're Armee, Als manche Contingente. Es hängt uns zwar kein Portepee, Kein Schwert um uns're Lende; Doch unser Schwert und uns're Wehr, Das ist der gute Glaube, Der heil'ge Schutz von Oben her Ist uns're Pickelhaube.

Auch unser Herz durchglüht der Muth, Auch wir verachten die Schande, Und rufen auch -- und schwenken den Hut -- Ein Hoch! dem Vaterlande. Das ist noch größer als Oesterreich, Als Preußenland und Polen, Man mißt's nicht aus, und lief man gleich Auf Siebenmeilen-Sohlen.

Und alle Menschen wohnen d'rin, Die Großen und die Kleinen, Das Land umschließt als Hüterin Eine Mauer von Edelsteinen. Und unser Herrgott hat gesagt: Mit Stürmen und Gewittern Soll nicht die Hölle, wenn sie's wagt, Dies Vaterland erschüttern.

Es leb' auch hoch der General, Der uns zu Felde führet, Und der uns nicht zum ersten Mal Zum Kampfe commandiret. Der sitzt nicht mit dem Ordensband Auf einem stolzen Pferde: Er trägt ein einfach schwarz Gewand Und geht auf rauher Erde.

Nicht streng ist sein Commandowort, Es dringt aus sanfter Kehle, Und dennoch reißt's wie Sturmwind fort, Und dringt uns durch die Seele. Er droht uns nicht mit Haft und Strang, Der Feind nur kriegt die Hiebe, Und unser ganzes Reglement Ist guter Will' und Liebe.

Sein Hauptquartier und Marschallzelt Ist eine stille Klause, Dort stünd' ein jeder, wenn es gält', Als Schildwach vor dem Hause. Wir halten bei ihm allzumal, Im Frieden wie im Streite. Es lebe unser Feldmarschall In seinem Ordenskleide.

Der Jünglingsverein an seinen Director,

_bei dessen Abreise nach Rom_,

am 10. April 1855.[15]

Großer Jubel ist in Sion, und die Glocken rings im Land Bringen uns die frohe Kunde, daß der Herr vom Tod erstand. Und mit ihm aus langer Trauer ist erwacht die Creatur, Wird's lebendig in den Herzen und lebendig in der Flur.

O das ist ein Tag, da läßt sich wohl verwinden manches Weh, Und der Erde Leid und Kummer schmilzt dahin wie Frühlingsschnee. Zeigt sich dann im Menschenauge eine Thräne hell und klar, Das ist der verwund'ne Kummer, der vor Gott zerschmolzen war.

Darum sind wir nicht zu klagen hier erschienen im Verein, Nicht dem Schmerze, nur dem Wunsche wollen wir die Sprache leih'n. Geh mit Gott, doch bleibe bei uns! In der Ferne bleib' uns nah! Deiner Kinder hier im Lande denk' im Land Italia!

Wo Du weilest in der Ferne, fliegst auf rascher Eisenbahn, Schaukelst auf der Ströme Wellen, oder auf des Meeres Plan, Wandelst auf dem welschen Boden, unter'm blauen Himmelszelt, Oder durch die ew'gen Hallen in der großen Stadt der Welt: --

Unsre betenden Gedanken geben treu Dir das Geleit, Und die Heil'gen, die wir rufen, steh'n als Garde Dir zur Seit'. Jesus, Maria und Joseph steigen mit Dir ein und aus, Und zu Wasser und zu Lande fliegt ein Engel Dir voraus.

Aber, wenn Dein Werk vollendet und erfüllt ist Deine Pflicht, Heim aus Roma's Herrlichkeiten, heimzukehren zögre nicht. Wenn Du an der reichen Quelle, an dem Born des Lebens trinkst, Dann vergiß nicht Deiner Durst'gen, daß Du ihnen Labung bringst.

O dann zählen wir die Stunden, wo das Boot die Räder schlägt, Das, vom lauen Süd beflügelt, den Geliebten zu uns trägt. Und die Heiligen begleiten wieder Dich zu Land und Meer. Zögre nicht! der Herr schickt wieder seinen Engel vor Dir her.

Segne uns noch, eh' Du scheidest! Deine Schaar ist nicht verwaist, Rufst Du betend auf sie nieder Vater, Sohn und heil'gen Geist. Dann leb' wohl auf Wiedersehen! und zum Liebespfand, Daß sie aus der Fern' uns leite, reich uns deine theure Hand.

Der Lehrer an seine Schüler.

Es ist ein heilig Band, das um die Herzen Der Lehrer und der Lernenden unsichtbar Die Wissenschaften und die Künste winden -- Ein Band, gar oft entweiht, doch unvergänglich, Wenn die Gemüther sich einander finden. Dies Band zu weben, sind geheime Geister Mit raschen Händen früh und spät geschäftig. Bald kommen sie auf Sternenhöh'n des Glaubens, Die nicht des Menschen Auge schauen kann; Bald aus den Räumen der geschaffenen Naturwelt, die sein kühner Blick durchdringet; Bald aus den Tiefen der Philosophie; Bald aus dem bunten Reiche fremder Zungen, Die der Verstand zur Harmonie gezwungen: Bald aus des Alterthums entleg'nen Welten, Von denen Weise jener Tage melden; Bald aus den Wäldern weit entfernter Zonen, Wo weder Thiere noch die Menschen wohnen.

So kommen sie, mit alt' und neuem Leben, Die unsichtbaren Geister, gleich den Elfen, Aus allen Elementen, um zu helfen, Geheimnißvoll der Liebe Band zu weben. Doch kenn' ich zwei von jenen kleinen Webern, Gar sehr geschäftig, mächtig, flink Geschwister. Die eine, ernst, mit blauem deutschem Auge, Von reichem und harmonischem Gemüthe, -- Die Schwester, eine schöne Himmelsblüthe, Die einst als Mädchen aus der Fremde kam, Mit einem Füllhorn überird'scher Gaben. Die erste trägt die Tafeln der Gesetze, Wonach die Muttersprache tönt und klingt; Die and're mit dem Amaltheahorne, Sie trägt die gold'nen Schlüssel zu dem Borne, Aus welchem in melod'schen Wellen Die Lieder uns'rer Dichter quellen.

Was hab' ich diesen Schwestern zu verdanken, Wenn jetzt auch uns mit Amaranthenzweigen Die Früchte und die Lieb' umranken, Die sich so schön in diesem Strauße zeigen?

Dann bin ich glücklich, denn, wie jene Schwestern, Zu allen Zeiten, heut' wie gestern, Ein ewig jugendlicher Hauch durchdringt: So wird auch immer leben, was sie schufen, Und oft den Freund, der ferne von euch geht, Und jetzt bewegten Herzens vor euch steht, In euer liebendes Gedächtniß rufen.

Lebt wohl, ich dank euch für die schönen Stunden, Wo ihr der Muttersprache Melodien Ein freundlich und empfänglich Ohr geliehen, -- Wo ich für kurze Zeit das Glück gefunden, Mit euch durch jene Blumenflur zu ziehen, In der wir manchen schönen Strauß gebunden.

Lebt wohl, und laßt der Welt ihr eitles Treiben! Was uns verknüpft, muß ewig bleiben!

Epilog nach der Preisevertheilung

_im K.-G. Athenäum zu Luxemburg_

am 21. August 1853.