Ernst Koch's Gedichte Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Part 4

Chapter 43,622 wordsPublic domain

Schon verschwunden war sein Hoffen, Ach! bis jetzt sein einz'ges Glück, -- Ha! da blieb das Thürchen offen, -- O, ersehnter Augenblick!

Freundlich, in der Freiheit Schooße Winkte Wonne, winkte Lust, Und es reifte jener große Entschluß in der kleinen Brust.

O, nun konnt' er freudig singen, Hüpfend bald von Baum zu Baum, Bald die ungewohnten Schwingen Übend in dem freien Raum.

Doch, wie kurz war nur die Freude! Als das junge Morgenroth Purpur auf die Fluren streute, Fand es ihn erstarrt und todt.

Ach! und Wald und Flur vereinte Sich zur Trauer und zum Harm, Jedes kleine Hälmchen weinte Eine Thräne, hell und warm.

's ist gescheh'n! Er ist geschieden! Seine zarte Stimme schweigt, Und hinab zum ew'gen Frieden Ist das kleine Haupt geneigt!

Drum gebiete Deinen Thränen, Und erheit're Deinen Blick, Denn es führt kein banges Sehnen Deinen Liebling Dir zurück!

Worte,

gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder aus dem Wimez'schen Institute aufführten.

Aengstlich treten wir und schüchtern In der Muse Tempel ein, In der Göttin Heiligthume Den bescheid'nen Kranz zu weih'n.

»Welch gewagtes Unternehmen! Kränze von so kleiner Hand, Die ein Chor von kühnen Mädchen Am Altar der Künste wand!«

O verzeiht, auf Eure Güte Hat das bange Herz vertraut, Und auf Eurer Milde gläubig All sein Hoffen aufgebaut.

Hebt auch schüchtern und mit Zagen Sich empor der scheue Blick, Gern vertraut die Seele wieder, Und die Hoffnung kehrt zurück.

Darum täuschet, Ihr Geliebten, Nicht dies kindliche Gefühl! Muthig haben wir gerungen Nach dem heiß ersehnten Ziel.

Und verkündet Euren Beifall Nur ein Lächeln, sauft und leicht, O dann ist ja tausendfältig Dieses schöne Ziel erreicht.

Wo der Seligkeiten höchste, Wo nur Dank und Freude wohnt, Wo mit diamant'nen Kronen Euer Beifall uns belohnt.

Gesang der Sterne.

Wir ziehen über Berg und Thal Und über's weite Meer; Wir ziehen über Menschenqual Und Menschenglück daher.

Wir kennen, was in stiller Brust Sich vor der Welt verhüllt, Und was mit namenloser Lust Ein einsam Auge füllt.

Und wenn der Schmerz die Seele quält, Wir geben ihr die Ruh', Und wenn die Lieb' ihr Glück erzählt, So hören wir ihr zu.

Wir schau'n auf manches kühle Grab, An dem ein Mensch sich härmt, Und schimmern in die Laub' hinab, In der die Liebe schwärmt.

Wir reden mit dem Gram und sind Stets mit dem Kummer wach; Die Thräne des Entzückens rinnt Gern unter unserm Dach.

Wir schlingen in den luftigen Höh'n Den stillen frohen Reih'n, Und scheinen Ruh' und Wiederseh'n In jedes Herz hinein. --

Der Liebe Sehnen.

(Einer andern Melodie untergelegt.)

Wer deutet mir dies bange Sehnen, Das mir so warm im Herzen glüht, Das nur nach Dir mich ewig zieht, Und oft das Auge füllt mit Thränen? Verschwunden ist mein froher Sinn, Mein gold'ner Frieden ist dahin.

Heraus mein Herz, aus Deinem Kerker Voll Schmerz und doch voll süßer Lust! Was pochst Du an die enge Brust So bang und ängstlich immer stärker? Könnt' ich zerbrechen, was mich hält, Und eilen in die freie Welt!

Dir möcht' ich stets in's Auge seh'n Und in Dein Antlitz, engelrein; Wie selig, selig muß es sein, In Deinem Anschau'n einst vergeh'n, Und flieh'n im fessellosen Lauf Vom Himmel zu dem Himmel auf.

Dort zu den Sternen ew'ger Liebe O könnt' ich schwingen mich empor, Und suchen in der Welten Chor Das Ziel von meinem Sehnsuchtstriebe! Ach, selbst die Unermeßlichkeit Ist für mein Sehnen nicht zu weit.

Ich seh' den Frühling niederschweben. Heran mit Deiner Blüthenlust, Heran an meine enge Brust, Du Lenz mit Deinem jungen Leben! Die Knospe schwillt, das Jünglingsherz Ergreift der Sehnsucht Wonneschmerz.

Ihr Nachtigall'n im Blüthenhaine, Ihr Fluren im verjüngten Grün, Ihr Blumen, die so freundlich blüh'n, O sagt es mir, warum ich weine? Warum, seitdem ich _sie_ erblickt, Kein Frieden meine Brust beglückt?

Veilchenstrauß.

Kauft, schöner Herr, die Veilchen! Zwei Kreuzer gebt ihr mir! Ich steh' ein langes Weilchen Bereits vergebens hier.

Mein Vater liegt im Grabe, Meine Mutter liegt im Grab. Herr, für die kleine Gabe Kauft mir die Veilchen ab!

Geh, kleine Dirne, raff' Dich! Die so viel Geld begehrt! Das Sträußchen ist wahrhaftig Kaum einen Kreuzer werth.

Aß heut' noch keinen Krumen, Und, Herr, mich hungert sehr. D'rum nehmt sie, nehmt die Blumen! Gebt mir den Kreuzer her.

Das Mädchen gab die Veilchen, -- Da fiel 'ne Thräne darauf -- Der Herr, der nahm die Veilchen, Die Thräne mit in Kauf.

Und wie er kommt nach Hause -- 's ist kaum 'ne Stunde her -- Da blühet an dem Strauße Kein einzig Veilchen mehr.

Die Farben, die sie trugen, Sie sind verwelkt und blaß. Er will den Duft versuchen, -- Da sind die Veilchen naß.

Da faßt's ihn erst mit Leide, Und d'rauf unheimlich an, Er legt den Strauß bei Seite, Sieht nie ihn wieder an. --

Tag der Vereinigung.

Wann kommst Du Tag mit Deinem heitern Glanze, Der mir das Kleinod meines Lebens bringt? Wann kommst Du Tag, der mit dem Myrthenkranze Das theure Haupt der Einzigen umschlingt? Wann wirst Du mir, Du sel'ger Tag gewähren, Was meine heiße Liebe lang' ersehnt? Tag meiner Tage, der mit Freudenzähren, Gleich Demantkronen, meine Sehnsucht krönt?

Ziel meiner Wünsche, meines ganzen Strebens! Du Sohn des Himmels, wann begrüß' ich Dich? Tag meiner Liebe Du, Tag meines Lebens, Wann schüttest Du das Füllhorn über mich? Ach, wann mit Deiner leuchtenden Aurore Flammst Du herab auf meinen dunkeln Pfad? Wann öffnest Du mir jene gold'nen Thore, Durch die dem Göttlichen der Mensch sich naht?

Wann wird der Seelenbund geheiligt werden? Wann werd' ich, Vater in den ew'gen Höh'n, Mit Allem, was mir theuer ist auf Erden, Vor Deinem heiligen Altare steh'n? Dich bittend: segne Deine frohen Kinder, Laß über ihrem Glück Dein Auge sein! Wann wird, Allmächt'ger, Deines Worts Verkünder Das ird'sche Bündniß durch den Himmel weih'n?

Ja, Gott, in Deinem Haus, in Deinen Hallen, Wo die Gebete mit dem frommen Lied In großen Tönen zu dem Himmel wallen, Wo Glück und Schmerz, und Lieb' und Buße kniet, -- An heil'ger Stufe, wo in sanftem Weinen, Der Knab' einst seinen Glauben aufgebaut, Wann wirst Du dort auf ewig uns vereinen, Wann giebst Du, Herr, dem Jüngling seine Braut?

Komm schöner Tag, nach dem die Wünsche ringen! Denk' ich an Dich, bin ich ein sel'ges Kind. O zögre nicht, weil Deine bunten Schwingen Mit Himmeln ach, so reich! beladen sind. Du wirst den Muth dem heißen Streben lohnen, Der fernen Sehnsucht den geduld'gen Schmerz. Komm, sel'ger Tag, mit Deinen gold'nen Kronen, Schütt' Deine Himmel in mein glücklich Herz. --

Siehst Du, wo im Abendgolde Feurig dort die Berge glüh'n, Wo im stillen Aether holde, Leuchtende Gewölke zieh'n, Dort liegt der ersehnte Strand, Meiner Liebe Vaterland.

Und wo auf den fernen Hügeln Dort ein Traum der Wehmuth liegt, Wo die Taub' auf weißen Flügeln Schwebend sich im Azur wiegt, -- Hinter dem Gebirge weit, Meiner Sehnsucht schmerzlich Leid.

Der Bürgergardist.

Seht dort den Mann mit Waff' und Wehr! Er schreitet so männlich und fest einher; Ihm schmückt eine weißblaue Binde den Arm, Ihm blitzt das Auge nicht toll und wild, Er schaut so ernst, er schaut so mild, Als trüg' er's im Herzen groß und warm.

Wer bist Du, Krieger, ich sah in der That So einfach im Schmucke nie einen Soldat? Wem dienst Du, sprich, Du ernsthafter Mann? »Mir blühet ein einfach und schönes Loos, »Still herrscht meine Königin, heilig und groß, »Ihr gehör' ich im Leben und Sterben an.«

Wo liegt das Land Deiner Königin? Hat's viele der Männer von Deinem Sinn? Stellt's viele Regimenter in's Feld hinaus? »Das Land meiner Königin ist nicht weit. »D'rin schaffet und baut sie für jegliche Zeit »Geräuschlos dem Frieden ein goldenes Haus.«

So ist Deine Königin reich an Gold? Was erhältst Du, glücklicher Mann, an Sold? Wie stark an der Zahl ist das stehende Heer? »Reich ist uns're Königin, reich unser Lohn; »Wir stützen als fleißige Bürger den Thron »Und greifen als Krieger für ihn zur Wehr.«

So sprich denn, Du Mann in schwarzer Tracht, Wer ist Deine große ausländische Macht? Nenn mir Deiner Königin heiliges Land. »Die Ordnung ist meine Königin, »Für sie geb' ich Glück und Leben hin, »Und das Land ist Dein eig'nes Vaterland.«

Die Natur.

Ist auch der Mensch voll Tück' und Lügen Ist doch die Erde wunderschön! Und grinst der Haß aus Menschenzügen, Die Liebe lacht von Thal und Höh'n.

Wie bist Du sanft, Du stiller Frieden, In dem die Erde grünt und blüht, So fern von allem Schmerz geschieden, Der in der Brust des Menschen glüht!

Wie bist Du sanft, Du Lied im Haine, Du Zephyr, der die Aeste wiegt, Du Grün der Saat im Abendscheine, Du Blau, das auf den Bergen liegt!

Nimm Du mich auf mit Deiner Liebe, Mit Deinem Frieden Du, Natur, Wenn auch kein Herz auf Erden bliebe, Er hätte Trost, bliebst Du ihm nur!

Das Deine schlägt so warm und ewig, Und seiner Reinheit sich bewußt, Natur, Du heil'ge, in Dir leb' ich, Und ruh' im Tod' an Deiner Brust. --

Vaterfreude.[7]

Juchheisa, mein Junge, komm, gieb mir die Händchen! Juchheisa, mein Bübchen, nun hat's keine Noth! Auf'm Ohr die Haube mit rosigem Bändchen, Vom Trinken die andere Wange roth. Juchhe, nun tanzen wir, gelt? Du bist froh, Wenn ich mit Dir tanze und singe so so, Und erzähl' Dir vom Wolf und vom Schaf', Und wiege mein _Paul_'chen in Schlaf.

Horch, 's war 'mal ein Mann, und ein Lämmchen, ein kleines, Und der Mann, der hatte das Lämmchen so lieb, Es hatt' ein weiß Kleidchen, so schneeig wie Deines, Und es war auch ein Wolf, ein gar arger Dieb, Der wollte das Lämmchen gern kaufen für Geld. Nein, sprach der Mann, nicht für die ganze Welt! Papa kennt das Lämmchen gar wohl, Es ist ja sein lieblicher _Paul_.

Und wenn dann mein Jüngchen ist größer geworden, Dann kriegt er 'nen Säbel, den hängt er sich um, Und kriegt eine Mütze mit goldenen Borden, Und auch eine Trommel, und trommelt trum trum! Und auch eine Flinte und Pulver und Schrot, Dann schießen wir beide den Wolf maustodt, Und schlafen dann ruhig und wohl, Nicht wahr Du, mein herziger _Paul_?

Und marschier'n, wie die Preußen, durch die Gassen, Gehst aber nicht fort in den Krieg hinaus? Willst aber nicht Vater und Mutter verlassen? Sonst grämt sich Papa und Mama zu Haus. Wollen lieber Schildwacht zu Hause steh'n, Damit der Mama kein Leids mag gescheh'n, Denn lieb hat Mama Dich, mein _Paul_, Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!

Dann reist auch Papa und Mama mit dem Kinde In 'nem großen Wagen in's deutsche Land, Und _Paul_ nimmt den Säbel mit und auch die Flinte, Und schlägt seinem Großpapa derb in die Hand, Und sagt: ich bin zwar von kleinem Schrot, Doch schieß' ich die Wölfe, wie Spatzen, todt. Puff, puff! schießt der liebliche _Paul_, Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!

Nun schlafe und träume vom deutschen Lande, Und träume vom Mann und vom Wolf und vom Schaf, Und träume vom Säbel mit goldenem Bande, Und reise und reise im süßesten Schlaf. Wir schießen die Wölfe, ja ja, sei still! Wir schießen so viel, als mein Junge nur will. Nun schlafe, mein herziger _Paul_, Schlaf, schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!

Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande,

_Großherzogs von Luxemburg_.

1840.

Der Winter naht, es brausen Sturm und Wetter, Verblüht sind längst die Wälder und die Flur, Und eingesammelt hat die welken Blätter Und schlafen geht die liebende Natur. Ein Land nur gibt es, das wir alle kennen, Da weht ein Frühling, still und ungeschaut, Der, statt im Blüthenwalde der Ardennen, In unsern Herzen seine Tempel baut.

Und dieser Frühling da ist uns're Liebe, Mit der das Land stolz seinen König nennt, Das sind des Volkes kindlich frommen Triebe, Die's jetzt und ewig seinem Herrn bekennt. Das ist die Hoffnungssaat, die aller Orten Jung, grün und herrlich in dem Lande steht, Und die Er jüngst mit königlichen Worten, Mir reicher Huld in unser Herz gesä't.

Du altes Land, das nach so bitterm Harme Sich zu des Thrones Füßen treu gelegt; Du stolze Mutter, die auf Riesenarme Die Wiege seines Königshauses trägt; Du tapf'res Land, das einst so groß gestritten, Du schönes Land, wo Reb' und Aehre blüh'n; Du treues Land, das einst so viel gelitten, Was sind die Wünsche, die Dein Herz durchglüh'n?

Du Herr der Welten, wollst dem König geben Den mächt'gen Segen Deiner Vaterhand! Du woll'st bekleiden Sein geliebtes Leben Mit Deiner Gnade köstlichem Gewand, Und Sein Gemüth durch Kraft und Weisheit segnen, Damit Sein Ruhm erblühe weit und breit, Damit Sein Heil und uns'res sich begegnen, Und wir Dich loben bis in Ewigkeit!

Was sonst noch unser Herz bedrängt, wir sprachen's Noch jüngst an Seiner Thronen Stufen aus. Frag' Keiner, was uns Noth thut, denn es sagen's Ein Mann dem andern sich von Haus zu Haus. Es thut uns Noth ein kräftiges Beschirmen Der alten Halle, die uns einst gebar, Des heil'gen Hauses, das in mächt'gen Stürmen Die Wohnung Luxemburger Treue war.

Dies Haus sind uns're Bräuche, uns're Sitten, Und jene Einheit, die daraus ersteht; Das ist der Dom, für den wir oft gestritten, Von dem die Fahne uns'res Volkes weht. Daß Gott den Blitz von diesem Hanse leite, Und daß der schlaue Feind es nie entweiht! Denn eines Volkes köstlichstes Geschmeide, Das ist des Volkes Eigenthümlichkeit.

Und steht es fest in seinen guten Fugen, Dann schleicht vergebens sich der Feind hinein, Dann kümmern nicht uns jene Wunderklugen, Die uns verbieten, was wir sind, zu sein. Doch, was wir lieben und was uns erkannte, Das komm' herein, dem sei der Weg gebahnt. Willkommen d'rum, erhab'ner Fürst, im Lande, Wenn Dich der Mai an Dein Versprechen mahnt!

Ludwig Philipp.[8]

Frieden, um den Preis der Erde Frieden! Manche Nacht -- Europa ist's bekannt -- Wenn der Schlaf die Millionen Müden In die Fesseln seiner Macht gebannt, Und die Sterne Frankreichs niederschieden, Hing die Wage noch in meiner Hand, -- Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle Meines Sohnes Leichnam in die Schale.

Frankreich! siehe jenen Tempel zittern, Dem ich deine Zukunft anvertrau't! Sieh, wie klagend unter den Gewittern Von der Zinne hoch der Genius schaut! Muß _mein eigner todter Sohn_ erschüttern, Was auf _deiner Söhne_ Grab gebaut? Und ein unerklärliches Vergelten Opfern meinen Sohn für deine Helden?

Auf dem _Pflaster_, das in Juliwettern Du erzürnt zum Thron geschleudert hast, _In den Tagen_, die wir gern vergöttern, Und wo deine eig'nen Söhn' erblaßt, Muß ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern, Das, wie du, die Despotie gehaßt? Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben, Und es bebt, ich fühl's, mein eig'nes Leben.

Diesmal hat's getroffen! Unter sieben Traf nicht Einer das ersehnte Ziel: Meine Brust ist unversehrt geblieben Bei dem mörderischen Würfelspiel. Gott hab' ich's mit Danke zugeschrieben, Bis das Haupt von meinem Kinde fiel: _Da_ just war der Fleck, _da_ stirbt mein Hoffen! Sieben Kugeln! _Diesmal_ hat's getroffen!

Fahre wohl denn, du geliebte Leiche, Bis wir ewig bei einander sind. Auf die Wange, wo vom Todesstreiche Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, -- Einen Kuß noch auf die Stirn, die bleiche, -- Dann leb' wohl, mein liebes, liebes Kind! O! daß mir des Weinens Tröstung wäre! Gott! ein Königreich für eine Zähre!

Ja, ich fühl's an meiner Pulse Schlägen, Du nimmst meine letzte Kraft dahin. Willenlos auf meinen dunkeln Wegen Folg' ich, wie ein Kind, der Führerin. Ferdinand, ich zittre dir entgegen, Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn. Lebe wohl, und daß dich Gott verkläre! O! ein Königreich für eine Zähre!

Frieden, den ich Frankreich oft erhalten, Meiner eignen Brust versagt ihn Gott. Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten, Und der Julithron der Welt zum Spott. Neue Kugeln warten auf den Alten, _Rächend steigt der Bourbon vom Schaffot_. Frieden, um den Preis der Erde Frieden! Und der Alte scheidet gern hienieden!

Was ist des Deutschen Vaterland?[9]

Wie hat das Lied so schön geklungen, Das einst Herr Arndt, der Dichter, sang, Und das wir Alle mitgesungen Bei drei und dreißig Jahre lang?

Das Lied vorn deutschen Vaterlande, Wo an dem Rhein die Rebe blüht, Und wo, dem deutschen Rhein zur Schande, Am fernen Belt die Möve zieht.

Und wo wir mit Vergnügen sehen, Daß alle Länder, groß und klein, Wie sie im Buch bei Deutschland stehen, Das Vaterland des Deutschen sein.

Der Deutsche Bund -- Gott geb' ihm Friede -- Hat immer, seit der Völkerschlacht, Bei diesem geograph'schen Liede Ein fürchterlich Gesicht gemacht.

Und als der Deutsche Bund entschlafen, Wie ist das Lied dahergebraust! Wie ist's den Fürsten und den Grafen Gleich Sturmwind um den Kopf gebraust!

Boch-Buschmann, unser Deputirte, Sang's oft zu Frankfurt auf der Zeil, Und wenn er jetzt sich nicht genirte, Er säng' das Lied noch alleweil.

Gesungen ward's in allen Städten, In allen Gassen ist's erschallt, Auch haben zwischendurch Musketen Als Accompagnement geknallt.

Wohin ich mocht' durch Deutschland wandern, Am Rhein und an der Donau Strand, Hat einer stets gefragt den andern: Was ist des Deutschen Vaterland?

Da sprach an einem schönen Tage Zu Wien Herr Raveaux frank und frei: Daß nunmehr auf die ew'ge Frage Die Antwort schon gefunden sei.

Doch dieses war nur eine Flause, -- Noch heute ist es unbekannt, Noch singen sie bei jedem Schmause: Was ist des Deutschen Vaterland?

Arndt saß hernach im Parlamente -- Inzwischen war ergraut sein Haar -- Sein Votum zeigte, daß am Ende Sein Lied auch eine Lüge war.

Ja, eine rechte schöne Lüge, Viel schöner als die Verse sind. Ich wünsche wohl, daß ich mich trüge, Wenn mir die Thrän' vom Auge rinnt.

Blau, weiß, roth.

(Melodie: _Les Girondins._)

Gott grüß' euch Vaterlandes Farben! Du stolze Fahne, blau, weiß, roth! Für die einst uns're Väter starben, Mit Dir geh'n wir in Kampf und Tod. Dreifarbig Band, umschling' das Land, Führ' uns zum Sieg an Gottes Hand, Zum Sieg oder Tod! Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!

Das Blau bedeutet Treu und Glauben, Treu Gott und unserm Vaterland, Den Ruhm soll keine Macht uns rauben, Wir dulden weder Schimpf noch Schand'. O köstlich Gut! o heil'ge Glut! Vernichtung der Tyrannenbrut, Uns Sieg oder Tod! Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!

Weiß glänzt das Kleid der Seelenreinheit, Drum sei verdammt der Lug und Trug! Noch Keiner schwang sich auf zur Freiheit, Wenn er die Schuld im Herzen trug. Rein sei die Hand zu Gott gewandt, Die Rettung heischt für's Vaterland. Uns Sieg oder Tod! Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!

Blutroth, Du letzte uns'rer Farben! Wenn Du uns rufst in Schmerz und Noth, Wie andere litten, wie andere starben, So geh'n auch wir in Kampf und Tod. Nimm unser Gut, nimm unser Blut, Nimm's hin, du niederträchtige Brut! Ja, Sieg oder Tod! Hurrah, es lebe blau, weiß roth!

Bei Sebastopol.

1855.

Die Geschütze krachen, die Schlacht erbraust, Das Gewehrfeuer rollt, die Rakete saust, Der Tod zermalmet die Braven. _En avant!_ Seht, Brüder, die Mine springt, _En avant!_ Vom Malakoffthurme winkt Die Tricolorfahne der Zuaven.

Die Nacht bricht an, der Tod ist nicht müd', Die Redouten springen, und roth erglüht Der Nebel über dem Hafen. Und unten die Stadt ist ein Feuermeer, Und droben steh'n auf den Bergen umher Die Linien, Garden und Zuaven.

Da bringen sie eben von Brück' zu Brück' Die Verwundeten in das Lager zurück, Die zerstümmelten blutenden Braven, Und vor jeder Bahre, die kommt daher, Präsentiren im Flammenschein das Gewehr Die Linien, Garden und Zuaven.

Da tragen sie einen Sergeant-Major, Der in der Courtine den Arm verlor, Und den halben Schädel im Graben, Und am Malakoffthurme commandirte er Halt, Und richtet sich aufrecht, die blut'ge Gestalt, Der Sergeant-Major von den Zuaven.

Von der brennenden Stadt der rothe Schein Und das Licht, das die springenden Forts ausspei'n, Beleuchten sein Antlitz erhaben. Er entblößt sein Haupt, daß die Wunde klafft, Und nimmt zusammen die letzte Kraft, Der Sergeant-Major von den Zuaven.

»Nun fahr' ich mit Freud' in die and're Welt, »Der Feind entflieht, Sebastopol fällt, »Im Flammenmeere begraben! »Lebt wohl, Cameraden! _Vive l'Empereur!_« Er stirbt, und es präsentiren das Gewehr Die Linien, Garden und Zuaven.

Ferienweihe.

I.

Ich sitz' im Garten, die gold'nen Schleier Des Morgens rauschen um mich her, Und Alles prangt in stolzer Feier, Als ob's ein heil'ger Sonntag wär'.

Nichts hör' ich hier vom Weltgetriebe, Und hinter'n Bäumen liegt die Stadt, Mit ihrem Haß und ihrer Liebe, Und Allem, was sie Schönes hat;

Mit ihrem Verdruß und ihren Freuden, Mit ihren Straßen grad' und krumm, Mit ihren großen und kleinen Gebäuden -- Und vor Allem mit dem Gymnasium.

Und hinter'n Bäumen liegt die Stube, Die stille Zeugin meiner Geduld, Der Wissenschaft Gold- und Silbergrube, Mit dem tintenbefleckten Schreibepult,

Und mit den Prüfungs-Exercitien, Und zumal mit den Büchern rings herum, Den tiefgelehrten und den witz'gen Und dem ganzen heiligen Classikerthum.

Dagegen blühen mir hier die Rosen, Und auf jeder strahlt ein Diamant; Hier reifen die Pflaumen und Aprikosen Und die Trauben an der Raketenwand.

Und ein Heer von Astern und Georginen Und die Sonnenblumen stolzen Wink's, Sie grüßen mich mit gnäd'gen Mienen, Und die Schwalben pfeifen rechts und links.

Und Lorbern mehr, als wir Dichter haben, Sie schießen aus braunen Kisten empor, Und ein freies Bienchen verließ die Waben, Und singt melodisch mir um das Ohr;

Und erzählt mir alte Geschichten, die wußt' ich Schon, als ich noch ein Knabe war -- Ich glaube, sie machen sich über mich lustig, Die Blumen, die Schwalben und der Lorber gar!

Ach, freilich ist ja der ganze Garten Eine große lebendige Poesie, Und ach, es bleiben die Dichtungsarten Bei der Biene summender Melodie!

Curies! ich habe keine Schule heute: D'rum glaubt' ich, daß es Sonntag wär', Und horch! es bringen fernes Geläute Die Morgenwinde zu mir her.

So läutet denn, ihr fernen Glocken Mir feierlich meine Ferien ein, -- Dann will ich mit der Biene frohlocken Und fröhlich und frei mit den Schwalben sein.

II.

Schwalben und Bienen.

Die Biene lebt in engem Kreise, Der Garten nur ist ihre Welt -- Die Schwalben, sie sausen moderner Weise Wie der Blitz durch die Luft über Stadt und Feld.

Die Schwalbe badet in Wolkenlüften Und verzehrt die Mücken im Sonnenstrahl -- Die Biene badet in Rosendüften Und schwelgt in ihrem ätherischen Mahl.