Part 2
Wer außer Schiller, Körner und Mathisson, den Lieblingsdichtern seiner Jugend, Koch am meisten beeinflußt hat, mag nicht schwer zu errathen sein. Die überraschenden, oft brüsken Wendungen und Katastrophen, die behagliche Ungebundenheit in Form und Manier, das Abspringen von dem Gegenstand, um sich mit dem Leser oder mit sich selbst und über sich selbst in ein ironisch-humoristisches Zwiegespräch einzulassen, die eingestreuten komischen Situationen und Gedankenblitze erinnern an Jean Paul, zum Theil an den Verfasser der »Reisebilder«. Aber es wäre eine Verkennung der ihm in hohem Grade angebornen Produktionsgabe, wenn man ihn mit Kuzkow der servilen Imitation Heine's bezüchtigen wollte, wogegen sich Koch selbst in dem Vorwort zu seinen »Erzählungen« energisch verwahrt hat. Sind wir auch mit dem Dichter selbst weit davon entfernt, alles und jedes in seinem Leben wie in seinen Schriften billigend und lobend anzuerkennen, so müßten wir doch auch dagegen mit ihm in aller Entschiedenheit protestiren, wenn man ihn zum Gesinnungsgenossen des getauften Judenheiden herabwürdigen wollte. Die Gemeinheit, womit der Vater und Chorführer des »jungen Deutschland« alles Ernste und Heilige in den Koth seiner Leidenschaft herabzog, die Heuchelei des atheistischen Verstandesmenschen, der bei aller Gefühls- und Gesinnungslosigkeit mit Seelengröße und Byronischem »Weltschmerz« kokettiren konnte, war ihm aus Grund seines Herzens verhaßt. Bei allen jugendlichen Irrungen und allen Stürmen des Lebens hatte Koch den Adel seiner liebenswürdigen Seele bewahrt, und was er schrieb und sang, entströmte als die eigne Sprache eigner Poesie den tiefsten Tiefen seiner überaus genialen und überaus gemüthsvollen Dichternatur.
Was die vorliegende Sammlung betrifft, so hielt es der Herausgeber für eine Pflicht der Pietät gegen den Verewigten, alle seine hinterlassenen Gedichte ohne Auswahl und Sichtung in dieselbe aufzunehmen, wenn ihm auch das eine oder andere in Anlage und Form minder vollendet und befriedigend schien: soll doch nur durch das Ganze und im Zusammenhang mit seinen übrigen Produktionen ein vollständiges Bild von der Individualität des Dichters gewonnen werden. Mögen auch diese Blätter zur Würdigung des Mannes beitragen, der, wie er selbst schrieb, in der Literatur nach keinem fürstlichen Kleide gestrebt, aber auch hoffen durfte, nicht zu den literarischen Bettlern geworfen zu werden.
Und so nehmen wir denn noch einmal Abschied von dem geliebten Sänger, in das Trauerlied einstimmend, das wir auf die Gruft unseres Vorgängers als Schüler und Freund in dankbarer Erinnerung niederlegten.
Trost in Thränen.
_Grablied auf Professor Koch._
Nach der Harfe greif' ich wieder -- Und sie tönet Grabgesang, Bittern Schmerzes Klagelieder Zittern durch der Saiten Klang.
Ernst, in Wehmuth hingegossen, Schwieg der Jünger Trauerschaar, Weib und Kind, in Schmerz zerflossen, Standen an der Leichenbahr'.
Ach! der Sänger, der gerungen Treu für Gott und Vaterland -- Seine Saiten sind verklungen, Die er schlug mit Meisterhand!
Der uns sang der Minne Sehnen Und des Helden Sturmesdrang, Und des Dulders stille Thränen Und des Glaubens Siegessang! --
Mußt so früh den Tod Du finden, Lebensmuthig, liederreich? Wollten Dir die Schläf' umwinden Mit des Ruhmes Lorberzweig. --
Nicht bei Menschen, nicht hienieden War Dein Hoffen, schön'res Loos Ist der Treue dort beschieden. Wo Du ruh'st in Gottes Schooß.
Wo die Stirne wird umkränzen Der Verklärung Siegeskranz, Und ein Engel Du wirst glänzen In der Sel'gen Sonnenglanz'.
Luxemburg, 1. November 1859.
Ludwig Housse, Prof. d. deutschen Sprache u. Literatur.
Meinen Eltern,
am Neujahrsmorgen 1825.
Wie einst Memnon's Säule sanft ertönte Bei Aurorens erstem Strahlenkusse: So tönt mir auch dieses Jahres erster Morgenstrahl Gefühle in die Brust, Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen, Wenn es sich an das der Eltern dränget. Auf die Feder scheint die Morgensonne Mir und ladet mich zum frohen Gruße. Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten, Die Minute, wo in Euren Armen Inniger mein Herz dem Eurigen Und der Zukunft ungewissen Tagen Freudig wünschend dann entgegenschläget!
Nicht entweihen will ich durch die Feder, Was die dankerfüllte Brust durchglühet, Sagen nicht, wie Eure Elternliebe Mich von meinem ersten bis zu diesem Morgen mit des Dankes Hochgefühlen Ewig an die treuen Herzen bindet; Sagen nicht, was ich aufzählen weder, Noch Euch je vergelten kann, -- ach wenn ich Mir dies denke, alle die Wohlthaten, Mir zurück in meine Seele rufe: Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele), Einer Thräne gleich, mein frommer Dank In dem Meer der elterlichen Liebe, Und das Ziel von allem meinem Streben Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen.
Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied Auf den kleinen Knaben nieder -- und der Kinderjahre gold'nen Traum; -- er wußte Noch nicht, wem er seine Freuden dankte: Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten, Der Natur, der heit're Frühlingshimmel Andere, erhabene Gefühle In die Jünglingsbrust; -- es weiß der Jüngling Nun für wen des Dankes Zähre fließt!
Der die Welten schuf und die Natur Und den heitern Frühlingshimmel, der das Leben seinen Menschen gibt und nimmt, Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen Ueber unserer Erde aufgeh'n ließ: Er nur kennt der Herzen heil'ge Tiefen, Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen, -- Beten!
Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter
(am 9. April 1827).
Jubelnd kommt der frohe Lenz gezogen, Flur und Haine bau'n ihm Ehrenbogen, Ihn begrüßt der Lerchen Chor, Und der Engel treuer Kindesliebe, Der die Brust erfüllt mit süßem Triebe, Schwingt mit ihnen sich empor.
Nimm es mit mein Herz zur ew'gen Ferne, Du, mein Engel, wo des Himmels Sterne Freundlich auf- und niedergeh'n, Wo die Brüder dort in süßer Wonne Und die heil'ge liebende Madonne Nieder auf die Menschen seh'n.
Schwinge Dich zu ihrem lichten Throne, Fleh die Heil'ge um die schönste Krone Für ein edles Mutterherz: Wenig Leiden und der Freuden viele, Langes Leben, und am späten Ziele Sanftes Scheiden himmelwärts.
Am Geburtstage meines Vaters
(während eines heftigen Gewitters geschrieben).
Glühend in des Mittags Schwüle Schickt die Sonne ihr Geschoß, Keuchend zieht das matte Roß, Sucht der Bäume Schattenkühle. Aller Lebensgluth beraubt, Steht der Hain mit schlaffen Zweigen, Und des Thales Blumen neigen Traurig, farbenlos, ihr Haupt. Einer Jungfrau gleich, die heimgegangen, Schon im Sarge, noch geschmückt, Wo der Tod von ihren Wangen Noch die Rose nicht gepflückt; Einem holden Frühling gleich Mit unendlicher Blumenfülle; Ohne das ewige Schaffen und Streben, Ohne das blühende, liebende Leben, Eine abgestorbene Hülle Liegt der Erde weites Reich.
Sieh, da kommt's in schwarzem Bogen Dort im Westen hergezogen, Wie das Schicksal, langsam, schwer, Wälzt es sich am Himmel her. Und des Aethers Azurschein Hüllt in Nacht sich ein, Und der Ewige naht Auf dem Gewölke den Fuß, Und die Sonnen und Welten auf seinem Pfad Bringen den Jubelgruß. -- Da siehe, ganz helle, Ein zuckender Strahl Mit Gedankenschnelle Erleuchtet das Thal. Ein Funken seiner Glorie kündet Des Herren Angesicht, Der Herr sprach: zurück, die Hütte nicht! Und der Funken hat nicht gezündet, Und der Mensch danket und betet an, Wie er sieht den Ew'gen nah'n.
Horch, da murmelt's am fernen Himmel, Gleich einem rieselnden Felsenbach, Und murmelt näher und näher ohn' Ende, Und rollt jetzt lauter am Firmamente, Und bebt in des Berges Schluchten nach, Und donnert und kracht, Und heult in die Nacht, Als wären die Welten im Kampfgetümmel, Als wollt' im angstvollen Beben Die Erd' aus den Angeln sich heben, Und ein _Schlag_, daß die Himmel zittern, Hemmet des Donners furchtbaren Lauf, Und des Eichbaums Aeste splittern: Dampfend zu dem Himmel auf Wallt des Haines Opfergluth Ihm, der uns mit treuer Hut. Schützt in Ungewittern.
Siehe, nun kommt der unendliche Segen, Und es ergießt sich der rauschende Regen, Ziehet dahin über Felder und Auen, Sie mit erquickendem Leben zu thauen. Freudig erhebet die Blume das Haupt, Frisch hat der lachende Baum sich belaubt.
Holde Nachtigallen Singen in dem Hain, Hörnerklänge schallen, Flöten und Schalmei'n, Und es grünet die Weide, Und die Heerden zieh'n Mit harmonischem Geläute An dem Anger hin.
Der Landmann sieht die Felder blüh'n Und seiner Wiesen neu belebtes Grün, Und sieht auf seinen Fluren Des Vaters Segensspuren. Zum Himmel hebt er die Hände gern Und dankt dem Herrn. Und ein Jüngling schmiegt sich an seinen Arm, Drückt an die Brust ihn lieb und warm, Blickt empor zu des Himmels Blau, Sehnsucht im Auge und Thränenthau, Will einen Kranz dem Vater winden, Kann für das Herz nicht Worte finden, Er schaut in den Frühling und findet sie, Und beugt in kindlicher Andacht das Knie:
Du in ew'gen Fernen, Vater über'n Sternen, Höre mein Gebet! Geber aller Freuden, Du nur kannst es deuten, Was die Seele fleht. Herr, wie auf Dein Zeichen Die Gewitter weichen, Und die Wolken fliehen: Also winke liebend, Wenn Gewitter trübend Seine Stirn' umzieh'n. Schaffen, Wirken, Streben Sei das frohe Leben, Das Du ihm verlieh'n, Und durch Frühlingstage Ohne Schmerz und Klage Leite, Vater, ihn. Deine Huld und Güte, Ewiger, verhüte, Kummer, Gram und Leid; Kräfte gib dem Sohne Zu dem großen Lohne, Bis die Dankbarkeit Einst in späten Zeiten Unter Trauerweiden Feuchten Auges steht, Bis die Nebel sinken Und die Fluren winken, Wo die Palme weht!
Am Anfange der Osterferien.
1826.
Auf, auf, mein Herz, der Frühling ist da, Laß schweigen das nächtliche Sehnen, Hast wacker gekämpft, die Stunde sie naht, Wo Kronen der Liebe dich krönen!
Auf, auf, mein Herz, die Lerche schwirrt, Es senket der Lenz seine Flügel, Auf, auf, nach der Heimath durch Wald und Flur, Hinaus über grünende Hügel!
Warum so still, wenn die Freude Dir lacht? Hast Du nicht dem Himmel vertraut? Und hat der beglückende Frieden in Dir Nicht gold'ne Palläste gebaut?
Hast Du nicht errungen das Wonnegefühl, Gekämpft und gesieget zu haben? Hast du in den niederen Gängen der Lust Die Hoffnung der Eltern begraben?
Warum so still, wenn der Frühling Dir lacht? Wenn himmlische Freuden Dir winken? Bald sollst Du an liebender Vaterbrust Die Wonne des Wiederseh'ns trinken!
»Wohl bin ich so still, ob die Freude mir lacht, »Wohl hab' ich dem Himmel vertraut; »Wohl hat der beglückende Frieden in mir »Die gold'nen Dächer gebaut;«
»Wohl schwirret die Lerche, es lächelt so klar »Der Aether in freundlicher Bläue, »Wohl nahen die Freuden, die himmlischen all', »Mit Kränzen der Liebe und Treue:«
»Doch ach, mein Harren und Sehnen ist hin, »Das innig und heiß mich durchglühte, »Ich kann nicht mehr wünschen, mein Hoffen ist hin, »Gepflückt ist die köstlichste Blüthe.«
»_Ach! süßer entfloh'n, und ich wußte es nicht,_ »_Im Harren und Sehnen die Stunden,_ »_Die Frucht ist gereift, die Blüthe verwelkt,_ »_Die Krone der Freude empfunden!_«
Am 8. December.
Sieh, wie buntes Schneegewimmel Spielet durch den öden Himmel, Und es heult der Stürme Wuth. Ob auch mit erstorb'nen Lilienwangen Die Natur im Schlummer ruht, Ist mir doch ein Frühling aufgegangen, Und (ich fühl' es an dem Wogen Dieser übersel'gen Brust) In mein frohes Herz gezogen, Reich an Blüthen, reich an Luft. War nicht heute, freudig tönt's die Laute, Beben's meine Saiten nach, War nicht heute jener frohe Tag, Wo Dein Blick dies schöne Leben schaute? Ach, Geliebte, war's nicht heute? Wo ich, noch ein Knab', an Deiner Wiege saß, Und mein Lieblingsspiel vergaß, Und der Schwester königlich mich freute, Selig dir ins Auge blickte, Ja, und dreimal glücklich war, Wenn ich auf Dein kleines Lippenpaar Dir den Kuß der Bruderliebe drückte? Vierzehn Lenze sind geschwunden, Doch des Knaben Liebe nicht. Was ich damals schon empfunden, Fühl' ich noch in schönen Stunden, Wenn Dein sanftes Angesicht Treue Schwesterliebe spricht.
Hätt' ich Hölty's Lautenklang, Ließe meine Saiten rauschen, Daß die Engel mir im Himmel lauschen, Säng' ich meinen schönsten Hochgesang: Nimmer würd' es mir gelingen, Meine Liebe Dir zu singen.
Wandle froh und glücklich durch Dein Leben, Trau dem frommen, kindlich reinen Sinn, Von den Engeln, welche Dich umschweben, Sei die Sanftmuth Deine Führerin. Unschuld, an der Liebe Hand, Leite Dich zum bessern Land. Ach, noch keinem Menschen war's verliehen Immer glücklich, immer froh zu sein! Und soll über Dir auch eine Wolke ziehen, Wohl, so sei's im rosenfarbnen Schein, Und sie senk' in Freudenthränen sich In Dein stilles Leben nieder. Dann umlächle freundlich wieder Dein entwölkter Himmel Dich!
Elegie
auf den Tod meines Kanarienvogels.
So bist auch Du des Todes Beute! O namenloser Schmerz! Auch Du, mein Glück und meine Freude, Das einz'ge treue Herz?
Da liegst Du kalt und ohne Leben, Geliebtes Thierchen Du, Um Dein gesunk'nes Köpfchen schweben Die Thränen süßer Ruh'.
Der frohe Lenz er kehret wieder Mit seiner Blüthenlust, Ihn grüßen nicht mehr Jubellieder Aus Deiner frohen Brust.
Sonst, wenn die warme Frühlingssonne Durch's offene Fenster schien, Sangst Du Dein Glück und Deine Wonne In zarten Melodien.
Meiner kleinen Schwester,
an ihrem Geburtstage.
Spiele, holde Kleine Mit dem gold'nen Sinn, Durch Dein Rosenleben, Spiele immerhin!
Schöne Blumen blühen, Kleine, rings um Dich, Lilien und Rosen Duften rings um Dich!
Holde Vöglein singen, Dir im Blüthenhain, Deine Sonne leuchtet Milden Purpurschein.
Himmel steh'n Dir offen, Und herab zu Dir Schweben kleine Engel, Spielen gern mit Dir.
Winden mit Dir Kränze. Deiner Locken Zier, Pflücken mit Dir Blumen, Freuen sich mit Dir.
Rufen die Gespielen, Holde Kleine, Dir, Bleib', die Mutter weinet, Bleibe, Kind, bei ihr.
Durch Dein Rosenleben, Mit dem Engelssinn, Mit dem frohen Herzen, Spiele immerhin!
* * * * *
Ist mit der Freude doch der Schmerz im Bunde, An Blüthen hängt der Thräne Silberschein, Und mit der heitern schwingt die trübe Stunde Sich durch der Tage bunt bekränzte Reih'n. Das Leben ist gewirkt auf düsterm Grunde, Es webt die Liebe nur die Blumen ein, Und, wie sie zart von ihrer Hand gestaltet, -- Zu Deinen Füßen liegen sie entfaltet.
Betritt es nun das künstliche Gebilde, Gern trägt die Blume Deinen zarten Fuß, Es winkt die Rose Dir mit Frühlingsmilde, Die Lilie ladet Dich mit sanftem Gruß, Aus beiden weben sich die Lenzgefilde, Durch die Dein Engel Dich geleiten muß. Und glänzen Thränen je in Deinen Zügen, Er wird sie Dir zu Diademen fügen.
Du hast ein ird'sches Leiden tief empfunden, Das fern von Deinen Lieben Dich gequält. Doch Kronen sind der Dulderin gewunden, Und jeder Deiner Schmerzen ist gezählt. Nun stehst Du da in blühendem Gesunden, Von heller Jugend ist Dein Blick beseelt, Und in dem ros'gen Aether Deiner Wangen Ist uns ein neues Leben aufgegangen.
Schon wärmer strahlt die Sonn' am Firmamente, Bald kommt der Frühling aus dem fernen Land Denn jugendlich, im Wechseltanz ohn' Ende, Umschweben uns die Horen Hand in Hand. O daß der Lenz doch immer wiederfände Im Kreise, die die Liebe Dir verband! Das Lied verklingt, der Tag gebar sein Leben, -- Die Herzen nur, sie bleiben Dir ergeben.
Nachtwächter-Lied.
1831.
Hört, _Ihr Herrn und laßt Euch sagen_, Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen, Hab' Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht, Hab' Euch gesungen bei stürmischer Nacht, Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht! Die Sternlein geh'n hinunter -- Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
_Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!_ Viel hat sich im Alten zugetragen. Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut, D'rin wohnt eine schöne Himmelsbraut, Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut -- Wer reißt uns das Fähnlein herunter? Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
_Bewahrt das Feuer und auch das Licht!_ Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht: Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus, D'rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus, Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus, Behütet den heiligen Zunder! Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
_Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!_ Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht, Das Haus umschleichet die Diebesbrut: Sie wollen uns stehlen das heilige Gut, Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut! Die Sternlein geh'n hinunter -- Halloh, ihr Herrn, seid munter!
_Und lobet Gott den Herrn!_ Er sendet den Morgenstern! Der lässet den Sturm auf der Erde weh'n, Und die Sternlein auf und nieder geh'n! Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe, Denn unser Gott thut Wunder -- Halloh, ihr Herrn, seid munter!
Es war mir heut' Abend so einsam, so leer, Als wenn ich von etwas geschieden wär'; Mir war so betrübt, so wunderbar Zu Muthe, weiß selbst nicht, was mir war; Ich war verdrießlich und wußt' nicht warum; Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum, Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug Und das gelbe Laub durch die Lüfte trug, Da blies fern, fern mit bebendem Ton, Ein uraltes Lied ein Postillon. Es handelt, ich hab's einmal aufgeschnappt, Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt. Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an, Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan, Ueberhaupt auch den Postillon kenn' ich nicht, Und doch hielt ich mir das Tuch vor's Gesicht.
Gruß an die Heimath.
1838.
O was bewegt mir denn den warmen Busen, Und warum schlägt mir denn das Herz so laut? Es sind nicht Weihegrüße meiner Musen, Nicht das Umfangen meiner lieben Braut. Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten? Was trübt denn nun noch Deiner Freude Glanz? Hab' Muth, horch' jener Abendglocke Läuten, Es sind ja Töne Deines Heimathlands.
Wie oft hab' ich in ewig weiter Ferne Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut, Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne Die Grüße meines Herzens anvertraut. Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen, Dort, wo das Allah durch die Wüste klingt, Fragt' ich die Wolken, die nach Süden zogen: Ist keine, die mir Gruß der Heimath bringt?
Und in der Pyrenäen Schreckensgründen, Auf des Pelargus schauerlicher Höh', Im Schlachtgetös von tausend Feuerschlünden, Vergaß die Seele nicht das tiefe Weh. Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen, Der Wasserfälle Sturz, der Vögel Chor, Gefall'ner Kameraden bleiche Lippen, Erzählten mir von meiner Liebe vor.
Doch jetzt, wo mich der Heimath Thäler grüßen, Erneut sich alles Leid und alle Qual; Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versüßen, Und keine Blume find' ich in dem Thal, Gestorb'ne Liebe und zerriss'ne Banden, Zerschlag'ne Freuden und zertret'ner Keim -- Kaum hat mich Einer hie und da verstanden: Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr' ich heim.
Nur eins mißlang den finsteren Gewalten: Von allem, was das Leben mir zerbrach, Hab' ich doch meine Harfe noch behalten, Und manches Lied, das mir am Herzen lag. Im fremden Lande singt sich's nicht von Herzen, Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand; Drum kommt, ihr meine Lieder, helft's verschmerzen; Sei mir gegrüßt, mein theures Vaterland!
So send' ich Dir denn dieses ohne Zaudern, Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund. Laß so mich oft mit Deinem Herzen plaudern, Und währe nicht geschwätz'gem Dichtermund! Mir ist als würd' ich von des Lebens Schaudern, Von all dem Weh mit einemmal gesund, Als könnte mit dem wunderbaren Klingen Mein Herz sich alte Freud' und Lieb' ersingen.
So ist's, schien einmal Dir mit Morgenröthen Das Ideal tief in die Brust hinein, So bleibt's Dir treu, das Leben kann's nicht tödten; Und bist Du elend, gramvoll und allein, Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken, Du siehst's verklärt in rosenfarb'nem Schein, Auf sonn'gen Höh'n weht seine heil'ge Fahne, Und Himmelswahrheit liegt in Sängers Wahne.
Mein Engel.
Heut' vor 'nem Jahr, in fremdem Land, Da hab' ich krank gelegen, Da that mich keine liebe Hand In meinem Fieber pflegen.
Bei Nacht im dunkeln Krankensaal Hob ich die schwachen Hände Und bat, daß Gott mir endlich 'mal Den Todesengel sende.
Der thät wohl auf und ab mit Ruh' Von Bett zu Bette wandern, Drückt hier und da die Augen zu Dem einen wie dem andern.
Das meine ward -- ich war so froh -- Von Tag zu Tage trüber, Doch ging an meinem Bett von Stroh Der Engel stets vorüber.
Wie gern ich auch die matte Hand Ihm hingegeben hätte, Ein and'rer Bote Gottes stand An meinem Krankenbette.
Er trocknet mit dem weißen Tuch Den Schweiß von meinen Wangen, Und hielt mir hin den irdnen Krug, That ich den Trunk verlangen.
Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer Im stillen Kampfe neigte; Es war ja Niemand um mich her, Der mir den Dienst erzeigte.
Hat mir erzählt gar lieb und gut Von meinem Heimathlande, Als ich in einer Fiebergluth Der Mutter Namen nannte.
Ich hab' den Engel nicht geseh'n, Und Niemand konnt' ihn schauen, Doch muß ich seit dem Aufersteh'n Auf seine Vollmacht bauen.
Sehnsucht nach dem Tode.
Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide, Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt. So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide, Als mit der Perle, die Dein Auge trägt. Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide, Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt; So herzlich grüß' ich einst mit bleichem Munde Den stillen Engel meiner letzten Stunde.
Ich schmäh' das Leben nicht, wenn ich's verlasse: Es war ein blüthenreicher Frühlingstag; Glaub' nicht, daß ich das süße Traumbild hasse, Weil's mich belügend sein Versprechen brach, Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse, Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag. Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten -- Sie log -- und bin ihr doch nicht gram geworden.
Das Leben ladet uns zu frohen Festen, Den Bettler wie den König allzumal, Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen, Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal; Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen, Zieh'n Melodien durch den gold'nen Saal, Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen, Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.
Und wie sie zu Accorden sich gestalten, Da wird's Dir weh um's Herz, fühlst Dich allein, Und lauschest durch entzückend helle Spalten, Und siehst in rosenfarb'nem Morgenschein, Sich einen strahlenden Palast entfalten, Den tragen mit Gesang der Engel Reih'n; Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen, Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.
Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen, Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt, Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen, Ein armer Tischler hat sie einst gefügt. Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen, Und eine Brust war drunter eingewiegt. Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum! Eil' hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.