Elemente der Paläontologie

Part 1: Lamellibranchiata. 2 Bde 1884-85.

Chapter 118,069 wordsPublic domain

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Die Muschelthiere unterscheiden sich durch das Fehlen des Kopfes und der Kauwerkzeuge, sowie durch den Besitz einer zweiklappigen Kalkschale von den höher organisirten Weichthieren. Die Schale besteht aus zwei, links und rechts von der Mittelebene des Thieres gelegenen Theilen oder Klappen (Fig. 221 A) (Unterschied von den Brachiopodenschalen, deren Klappen durch die Mittelebene halbirt werden). -- Besitzen die beiden Klappen gleiche Grösse und Wölbung, so heisst die Schale gleichklappig (Fig. 221 B), im entgegengesetzten Falle ungleichklappig (Fig. 221 A). Dieser Unterschied tritt am besten hervor, wenn man die Trennungsebene der beiden Klappen (Mittelebene) in die Gesichtslinie fallen lässt (Fig. 221). Gewöhnlich stellt man die Schale aufrecht, mit dem zuerst gebildeten Theil, dem Wirbel (Fig. 222 w), nach oben und betrachtet dieselbe von der Seite, so dass bei gleichklappigen Schalen nur eine Klappe sichtbar ist (Fig. 234 A). Für diese Stellung gelten die Bezeichnungen Länge = Ausdehnung von links nach rechts (Fig. 222 y-y), Höhe = Ausdehnung von oben nach unten (Fig. 222 x-x) und Dicke = Ausdehnung von vorn nach hinten (die Breite der Schale in Fig. 221 A, B). Die Bezeichnungen Oberrand (oder Schlossrand) und Unterrand verstehen sich von selbst. Vorderrand (Fig. 222 rechts) und Hinterrand (Fig. 222 links) werden nach der Lage des Wirbels, welcher gewöhnlich nach vorn gerückt und oft nach vorn eingebogen ist, und nach der Lage des elastischen Bandes, des Ligamentes, welches ganz oder zum grössten Theil hinter dem Wirbel gelegen ist (Fig. 221 B l; Fig. 222 l), bestimmt. Die Bezeichnungen rechte oder linke Klappe gelten für die Betrachtung der Schale von hinten oder oben, wenn der Vorderrand nach vorn, der Hinterrand nach hinten gerichtet ist (Fig. 221 B). Blickt man von vorn auf die Schale, so kehren sich die Bezeichnungen um (Fig. 221 A). Da der Wirbel meist nicht in der Mitte des Oberrandes gelegen und der Vorderrand vom Hinterrande verschieden gebildet ist, so erscheinen die Schalen von der Seite gesehen ungleichseitig (Fig. 222) und zwar in den meisten Fällen vorn kürzer als hinten. Ungefähre Gleichseitigkeit kommt nur bei den Ordnungen der Taxodonta und Dysodonta vor (Fig. 240; Fig. 227 A).

Das elastische Band (Ligament), welches die beiden Klappen am oberen (dorsalen oder Schloss-) Rande zusammenhält, ist in der Regel von aussen sichtbar und dann von horniger Beschaffenheit (äusseres Ligament -- Fig. 221 B l). Häufig rückt ein Theil desselben, seltener das ganze Band, zwischen die Ränder der beiden Klappen und wird knorpelig (inneres Ligament -- Fig. 228 B l). Meist liegt es in einer Grube (Bandgrube -- Fig. 223 lg), zuweilen auf einem abgegrenzten Felde unter den Wirbeln (Bandarea -- Fig. 240 ar). Durch die selbstthätige Contraction des Bandes wird ein Klaffen der Schale am Unter-, Vorder- und Hinterrande verursacht, während das Schliessen der Schale durch ein Muskelpaar oder durch einen einfachen Muskel geschieht. Die Eindrücke der Schliessmuskeln sind auf der Innenseite jeder Klappe sichtbar. Meist sind 2, nahezu gleich grosse, ein vorderer (Fig. 222 m) und ein hinterer (Fig. 222 n) Muskeleindruck vorhanden -- Dimyaria, seltener zwei sehr ungleiche (Fig. 281 m, n) -- Heteromyaria, oder nur ein einziger, dem Hinterrande etwas genäherter, der hintere (Fig. 223 n) -- Monomyaria. Die kleinen Eindrücke der ebenfalls meist paarigen Fussmuskeln sind oft in der Nähe der Schliessmuskeleindrücke zu beobachten (Fig. 255 B fn). Viel seltener bleiben die Eindrücke der Muskeln, mit welchen der Eingeweidesack sich an der Schale festheftet, auf derselben sichtbar. Bei manchen Formen der Nuculidae bilden sie eine markirte Reihe, welche vom hinteren Schliessmuskel zum Wirbel zieht (Fig. 226 B am) -- accessorische Muskeleindrücke.

Die Grenze, bis zu welcher der Mantel des Thieres mit der Schale fest verwachsen ist, erscheint in der Regel auf der Innenseite beider Klappen als scharf bezeichnete Linie, welche dem Schalenrande ungefähr parallel verläuft (Mantellinie -- Fig. 222 ml). Bei den Homomyaria und Heteromyaria verläuft die Mantellinie von einem Muskeleindruck (Fig. 224 L m) zum andern (Fig. 224 L n). Sie heisst ganzrandig bei einfach bogenförmigem Verlaufe (Fig. 224 L -- Integripalliata), ausgebuchtet, wenn -- am hinteren Ende -- eine Einbiegung (Mantelbucht -- Fig. 222 mb) vorhanden ist (-- Sinupalliata). Das Auftreten dieser Bucht hängt von der Entwickelung der Kloaken- und Kiemenöffnung im Mantel zu mehr oder minder langen Röhren, den sog. Siphonen, ab.

Behufs festerer Verbindung der beiden Klappen finden sich bei den meisten Muscheln am oberen oder Schlossrande zahn- oder leistenartige Vorsprünge entwickelt, sog. Zähne (Fig. 224 a-f), welche in der Regel in entsprechende Gruben der anderen Klappe -- Zahngruben (Fig. 224 a’-f’) -- eingreifen und so eine feste Angel herstellen, die eine seitliche Verschiebung der beiden Klappen erschwert oder unmöglich macht. Diese Articulationseinrichtung wird als Schloss bezeichnet. Der Ober- oder Schlossrand jeder Klappe ist zu einer Platte -- Schlossplatte -- verbreitert und verdickt (Fig. 224). Wir haben folgende verschiedene Arten der Schlossbildung zu unterscheiden:

1. Das Schloss ist dysodont (zahnlos), d. h. es fehlen zahnartige Vorsprünge vollständig und die Klappen articuliren nur durch Ligament (Fig. 223).

2. Das Schloss ist heterodont. In jeder Klappe finden sich eine beschränkte Anzahl (bis 6) leistenförmige, seltener hakenförmige Zähne (Fig. 224 L a, b, c, d, R e, f, g), die durch Zahngruben (L e’, f’, R a’, b’, c’, d’) von einander getrennt werden. Die Zähne der einen Klappe greifen derart in die Gruben und zwischen die Zähne der anderen Klappe ein, dass kein todter Raum bleibt. Man unterscheidet die mittleren, gegen den Wirbel hin convergirenden Hauptzähne (L a, b, c, R e, f) von den seitlichen, dem Schalenrande mehr oder weniger parallelen Seitenzähnen (L d, R g) und bezeichnet die Zähne von vorn nach hinten zählend; z. B. für Fig. 224 L: a = vorderer, b = mittlerer, c = hinterer Hauptzahn, d = hinterer Seitenzahn. Die Stellung der Zähne lässt sich durch folgende allgemeine Formel ausdrücken: L 10101 / R 01010, wobei L die linke, R die rechte Klappe, 1 den Zahn und 0 die Zahngrube bezeichnet (die Seitenzähne sind dabei nicht berücksichtigt).

3. Das schizodonte Schloss besteht aus einem starken, meist in der Mitte gespaltenen, mittleren Dreieckszahne der linken Klappe (Fig. 225 C mz₂), welcher von 2 ∧-förmig divergirenden Zähnen der rechten Klappe (B mz’₁, mz’₂) umfasst wird. Letztere greifen in entsprechende Gruben der rechten Klappe und werden ihrerseits von 2 Zähnen derselben (C mz₁, mz₃) umschlossen. Der mittleren Grube des Dreieckzahnes (C mz₂) entspricht aber kein Zahn in der rechten Klappe, sondern an seiner Stelle befindet sich ein todter Raum (B). Zahnformel: L 10[(101]01 / R 01 10. Die Zähne sind meist quer gerieft.

4. Das taxodonte oder Reihenzahnschloss wird von zahlreichen, meist senkrecht zum Schlossrande gestellten, wenig differenzirten und schmalen Kerbzähnen gebildet, welche in beiden Klappen abwechselnd stehen (Fig. 226 B z, z’). Die Bezahnung ist in beiden Klappen wesentlich die gleiche, und oft stehen die Zähne zu beiden Seiten des Wirbels symmetrisch (Fig. 240 z).

5. Isodont heisst das Schloss bei symmetrischer Stellung weniger Zähne und Gruben in beiden Klappen. Je 2 Zähne der einen Klappe (Fig. 227 C y’-y’) umfassen 2 Zähne der anderen (B x). Die Zähne sind haken- oder leistenförmig. Die Zahnformel lautet: L 1001 / R 0110.

6. Bei dem desmodonten Schlosse greifen die Vorsprünge des Schlossrandes beider Klappen nur selten zahnartig in einander, stehen sich vielmehr meist gegenüber (Fig. 228 B ll, ll’) und schliessen gewöhnlich das Ligament (l) ein. Sie dienen in erster Linie als Träger des Ligamentes und besitzen eine löffelartige (Fig. 228 A) oder leistenförmige Gestalt. Wenn die Ränder oder Mittelleisten des Ligamentlöffels (Fig. 228 A vr, hr, ml) sich zu zahnartigen Leisten entwickeln, kann ein heterodontenähnliches Schloss entstehen. Die Zahnstellung wird aber nicht echt heterodont und die Gruben werden nicht immer ganz von Zähnen ausgefüllt, wie die Zahnformel von Mactra (Fig. 239 B, C) zeigt: L 01010 l / R 1 0 1 l’, wobei l und l’ die Ligamentgruben bedeuten.

Ausser den genannten Schlosstypen finden wir, namentlich bei den ältesten (paläozoischen) Muscheln, häufig mangelhaft ausgeprägte Schlossbildungen, die in einer erst beginnenden Kerbung des Schlossrandes (Fig. 229 B z) sich ausdrücken, oder bei relativ jüngeren Formen (Heteromyaria) reducirte Schlösser, welche vom taxodonten Schloss abgeleitet werden (Fig. 281 vz, hz). Ueberhaupt erleidet die Bezahnung selbst bei Formen einer und derselben Gattung sehr starke Veränderungen, die sich bis zum vollständigen Verschwinden der Zähne bei Gattungen mit starkem Schlosse steigern können.

Als wichtig für die Unterscheidung der Gattungen und Arten sind noch folgende äusserliche Merkmale der Schale zu nennen:

Grenzt sich vor den Wirbeln durch Kanten ein ovales Feld ab, so heisst dasselbe Möndchen (lunula). Findet das Gleiche hinter den Wirbeln statt, so wird dasselbe als Feldchen (Fig. 225 A fe) bezeichnet. Schild oder area nennt man ein abgegrenztes grösseres Feld des hinteren Theiles der Schalenseite (Fig. 225 A a) oder auch ein ebenes Feld unter dem Wirbel (Fig. 227 B a, C a’). Dasselbe wird insbesondere Bandarea genannt, wenn das Ligament ganz oder z. Th. auf diesem Felde liegt (Fig. 240 ar). Die periodischen Unterbrechungen des an den Wirbeln beginnenden Wachsthums der Schale kommen auf der Oberfläche derselben als concentrische Streifen, Rippen oder Furchen zum Ausdruck (Fig. 226 A). Zuweilen überträgt sich diese Furchung auch wohl auf die Schlosszähne (Trigonia, Fig. 255 C mz₂, D mz₂; Plicatula) oder auf die Muskeleindrücke (Astarte). Neben der concentrischen Verzierung findet sich nicht selten eine radiale in der Form von Falten, Knoten, Rippen oder Stacheln.

Schalenstructur. Die Kalkschale der Muscheln wird äusserlich von einer hornigen Cuticularbildung, der Oberhaut (oder sog. Epidermis) bedeckt, die in der Regel dünn bleibt, aber bei den Süsswassermuscheln eine beträchtliche Dicke erreichen kann, und grünlich oder bräunlich gefärbt ist. Die Kalkschale selbst setzt sich aus einer äusseren, prismatischen, und einer inneren, blätterigen (lamellösen) Schicht zusammen. Die hohlen Kalkprismen der ersteren stehen in der Regel senkrecht zur Schalenoberfläche, bei der Unterordnung der Chamacea liegen sie aber parallel mit derselben. Die innere Schalenschicht ist perlmutter- oder porzellanartig (aus ihr bilden sich die Perlen der Perlmuscheln). Da dieselbe im Gegensatz zu der äusseren, meist aus Calcit gebildeten Schicht in der Regel aus leichter löslichem Aragonit besteht, so finden wir sie bei fossilen Muscheln häufig aufgelöst oder, wenn erhalten, in Calcit umgewandelt.

Die Muschelthiere besitzen meist eine freie Bewegung, indem sie mit Hilfe ihres Fusses kriechen oder frei schwimmen. Häufig heftet sich das Thier mit Hilfe chitinartiger Fäden, des sog. Byssus, an anderen Gegenständen fest. Ein Ausschnitt der Schale im vorderen Theile derselben (Byssusausschnitt -- Fig. 281 a) bezeichnet die Stelle, wo das Haftorgan austritt. Diejenigen Muscheln, welche mit einer ganzen Klappe oder einem Theile derselben auf einer Unterlage direct aufwachsen (Ostrea etc., Chamacea), besitzen meist eine unregelmässige und ausnahmslos ungleichklappige Schale.

Die Mehrzahl der Muschelthiere lebt im Meere, höchstens ⅕ aller im Süsswasser. Manche können im brackischen und Salz-Wasser oder im süssen und Brack-Wasser zugleich fortkommen. Die Süsswasser-Muscheln besitzen nie lebhafte Färbungen; sie sind in der heissen Zone am grössten, formenreichsten und häufigsten. Für die marinen Formen gilt im Allgemeinen dasselbe. Letztere leben vorzugsweise in geringen Tiefen (von 0-35 Faden). Aus Tiefen über 200 Faden sind nur relativ wenige bekannt geworden.

Die Zahl der lebenden Arten beträgt etwa 5000; fossile kennt man gegen 10000.

Die Classification der Muscheln gestaltet sich namentlich für die paläozoischen Formen einigermaassen schwierig, da bei ihnen die Schlosscharaktere noch nicht in dem Maasse differenzirt erscheinen, wie bei den jüngeren. Ein Theil derselben muss deshalb noch zu der provisorischen Ordnung der Palaeoconchae zusammengefasst werden.

Eintheilung der Lamellibranchiata.

A. Dünnschalige, gleichklappige Muscheln ohne Ligamentgruben. Zähne kaum angedeutet oder fehlend (Cryptodonta). Soweit bekannt, mit 2 Muskeleindrücken und ganzrandiger Mantellinie. I. Palaeoconchae. B. Meist dickschalige, oft ungleichklappige Muscheln mit (selten reducirtem) Ligament. a. Zwei, ungefähr gleiche Muskeleindrücke vorhanden. Schloss taxodont, schizodont, heterodont oder desmodont, zuweilen fehlend (Isomyaria). α. Schloss desmodont. Schale meist klaffend. Mantellinie mit Bucht. Oft etwas ungleichklappig. II. Desmodonta. β. Schloss taxodont. Mantellinie meist ohne Bucht. Gleichklappig. III. Taxodonta. γ. Schloss schizodont. Mantellinie ohne Bucht. Gleichklappig. IV. Schizodonta. δ. Schloss heterodont, zuweilen atrophirt. Gleichklappig oder ungleichklappig. V. Heterodonta. b. Zwei sehr ungleiche oder ein einziger Muskeleindruck. Schlosszähne unregelmässig oder fehlend, selten isodont oder taxodont. Mantellinie oft undeutlich (Dysodonta). VI. Anisomyaria.

1. Ordnung Palaeoconchae.

Unter diesem Namen fasst man in äusseren Merkmalen wechselnde, sehr dünnschalige, gleichklappige Muscheln mit gleichmässig entwickelten Muskeleindrücken und einfacher Mantellinie zusammen, die entweder gar keine oder sehr wenig differenzirte Schlosszahnbildungen besitzen. Sie kommen wegen ihrer Dünnschaligkeit meist als Steinkerne vor, an denen Mantellinie und Muskeleindrücke selten beobachtet werden können. Im Umriss sind sie meist oval und breiter als hoch. Man vermuthet in den Palaeoconchae -- die wegen ihrer mangelhaften Zahnentwickelung auch Cryptodonta genannt werden -- die Stammgruppe, aus welcher sich die übrigen 4 Ordnungen der Zweischaler ableiten. Im Paläozoicum treten sie häufig, im Mesozoicum seltener auf und verschwinden in der Kreide. Sie kommen nur in meerischen Sedimenten vor. Einige Gattungen enthalten wichtige Leitfossilien, z. B.:

Cardiola Brod. (Fig. 229 A, B). Gewölbte Schalen mit geradem Schlossrand und hervorragenden, nach vorn umgebogenen Wirbeln. Schale mit radialen Rippen und gewellten, concentrischen Anwachsstreifen. Das unter dem Wirbel befindliche dreieckige Feld (? Bandfeld) wird zuweilen von Radialfurchen bedeckt, die am Schlossrande eine schwache, gleichmässige Kerbung (B z) hervorbringen. Doch ist hier noch keine Differenzirung in seitliche stärkere und mittlere schwächere Zahnkerben eingetreten, wie bei den Taxodonten. Auf Silur und Devon beschränkt.

C. interrupta Sow. (Fig. 229 A, B). Obersilur. England, Frankreich, Böhmen. C. retrostriata v. B. sp. (Leth. pal., t. 35, Fig. 16). Oberdevon. Belgien, Deutschland, Russland. Die Gattung Cardiola und eine Anzahl verwandter silurischer Gattungen mit theilweise besser differenzirten Zähnen zeigen äusserlich viel Aehnlichkeit mit den jüngeren Gattungen Cardium und Cardita.

Posidonomya (= Posidonia) Bronn (Fig. 230). Rundliche oder schief-ovale, fast flache Schalen mit concentrischen Anwachsstreifen und meist geradem Schlossrand. Wirbel kaum hervorragend, ein wenig nach vorn gerückt. Schlossrand ohne Zähne oder Gruben. Finden sich stets gesellig und meist plattgedrückt in schieferigen oder kalkigen Gesteinen. Die äusserlich sehr ähnliche Gattung Inoceramus (p. 283) unterscheidet sich durch ihre viel dickere faserige Schale und den Besitz von Ligamentgruben am Schlossrande. Die Schalen von Posidonomya sind auch leicht mit denen der Phyllopoden-Gattung Estheria zu verwechseln. Silur -- Jura.

P. Becheri Bronn (Fig. 230). Leitmuschel für die Culm-Facies des Subcarbons in Europa (Deutschland, England, Spanien). P. Bronni Gf. Leitmuschel für die sog. Posidonienschiefer des Oberen Lias (ε) in Mitteleuropa. P. alpina Gras. Bezeichnend für das sog. Posidonomyen-Gestein (Klausschichten) des oberen Doggers der Alpen. P. ornati Qu. Im Callovien Mitteleuropas und Südamerikas häufig.

Monotis Bronn (Fig. 231). Gleichklappige, schief ovale, schwach gewölbte Muscheln mit wenig hervortretendem, vor der Mitte gelegenem Wirbel. Vorderseite abgerundet. Hinter dem Wirbel ein dreieckiges, hinten abgestutztes, flügelförmiges Ohr ohne deutlichen Byssus-Ausschnitt (Unterschied von Pseudomonotis p. 281). Oberfläche durch zahlreiche, vom Wirbel ausstrahlende, durch Einsetzen sich vermehrende Rippen, feine concentrische Querstreifen und grobe Runzeln verziert. Trias, ? Jura, wahrscheinlich schon im Devon.

M. salinaria Schl. sp. (Fig. 231). Alpiner Keuper (Norische Stufe). Salzkammergut. Einzelne Bänke des Hallstätter Kalkes bestehen fast ausschliesslich aus den Schalen dieser Muschel.

Daonella Mojs. (Fig. 232). Gleichklappige, nur wenig ungleichseitige Schalen mit nahezu mittelständigem Wirbel. Vorn und hinten abgerundet, ohne Ohren und Ausschnitt. Durch radiale, häufig bündelförmig gruppirte Furchen gestreift. Alpiner Muschelkalk und Keuper, meist gesellig auftretend. Spitzbergen, Nordamerika. Selten auch im ausseralpinen Hauptmuschelkalk.

D. Moussoni Mer. sp. Norische Stufe. Südalpen. D. Lommeli Wissm. sp. (Fig. 232). Norische Stufe (Wengener Sch.). Südalpen, in den Nordalpen seltener. Afghanisches Turkestan.

Die nahe verwandte Gattung Halobia Bronn unterscheidet sich nur durch den Besitz eines vorderen, dreieckigen, gewölbten Ohres. Norische und karnische Stufe. Alpen, Spitzbergen, Neuseeland; gesteinbildend wie die vorige Gattung.

H. rugosa Gm. Karnische Stufe. Nordalpen, Karpathen.

2. Ordnung Desmodonta.

Gewöhnlich dünn-, seltener dickschalige, meist etwas ungleichklappige Muscheln, die stets hinten, zuweilen auch vorn klaffen. Der Schalenumriss ist queroval oder seltener dreieckig, vorn abgestutzt, nach hinten meist ausgezogen. Echte Schlosszähne fehlen. Häufig findet sich ein löffelartiger Fortsatz am inneren Schalenrande in einer Klappe oder in beiden entwickelt (Fig. 224), welcher als Träger des Ligamentes dient. Die Ränder dieses Ligamentlöffels sind auch wohl zu zahnartigen Vorsprüngen umgebildet (Fig. 239 B, C), die aber nie regelmässig abwechseln, wie bei den Heterodonta (vgl. Mactra p. 245). Das Ligament liegt äusserlich (Fig. 237 C l) oder z. Th. äusserlich, z. Th. innerlich, oder ganz innerlich (Mya -- Fig. 233 B l). Bei äusserer Lage des Ligamentes ist dasselbe meist in eine dem Schlossrande parallele Vertiefung eingesenkt. Die Muskeleindrücke sind paarig. Die Mantellinie zeigt durchgehends eine mehr oder minder tiefe Ausbuchtung (Fig. 236 A). Die Siphonen sind lang.

Von der Trias an mit Sicherheit bekannt, im Paläozoicum als Paläoconchen vorhanden. Zahlreiche Gattungen in Jura, Kreide, Tertiär und Gegenwart. Den paläozoischen Vorläufern, welche man den Paläoconchen beizuzählen pflegt, fehlen Ligamentträger und Mantelbucht. Ausschliesslich Bewohner des Meer- oder Brackwassers.

A. Ligament äusserlich. Schale dünn. Schlossrand ohne Zähne oder deutlich entwickelten Ligamentlöffel.

Pholadomya Sow. (Fig. 234 A, B). Die dünnschalige, gleichklappige Muschel zeigt einen querovalen oder fast dreiseitigen Umriss. Die Wirbel der vorn und hinten klaffenden Schale meist stark nach vorn gerückt und gegen einander gebogen (B). Schlossrand gerade, zahnlos oder mit schwach entwickeltem Vorsprunge. Das Ligament liegt äusserlich. Häufig trennen 2 von den Wirbeln nach hinten verlaufende Kanten ein vertieftes Schildchen von der Schale ab. Oberfläche der Schale mit concentrischen Anwachsstreifen und mit mehr oder minder zahlreichen radialen Rippen verziert, die an den Kreuzungspunkten oft zu Körnern oder Knoten anschwellen (A r).

Die Pholadomyen finden sich meist gesellig, fast stets als Steinkerne erhalten, vorwiegend in thonigen oder mergeligen Gesteinen der Juraformation ausserordentlich häufig, mit abnehmender Häufigkeit in der Kreide und im Tertiär. Eine einzige lebende, sehr seltene Art in grossen Tiefen (Antillen, Atl. Ocean).

a. Formen ohne Schildchen. Dogger -- Gegenwart. Ph. fidicula Sow. Unterer Dogger (Murchison-Sch.) -- Callovien. Europa, Südamerika. Ph. Murchisoni Sow. Mittlerer und oberer Dogger, } Callovien. } Ph. deltoidea Sow. sp. Oberer Dogger und Callovien. } Ph. exaltata Ag. Callovien -- Kimmeridge. } Ph. paucicosta Rö. (Fig. 234 A, B). Oxford und } Mitteleuropa. Kimmeridge. } Ph. multicostata Ag. Kimmeridge (Portland). } Ph. decussata Mant. sp. Obere Kreide. } Ph. Esmarki Nils. sp. Senon. } Ph. Puschi Gf. Oligocän und Miocän. Mittel- und Südeuropa. Ph. candida Sow. Recent. Antillen.

b. Formen mit Schildchen. Lias -- Miocän. Ph. corrugata Dkr. & K. Unterer und mittlerer Lias. } Ph. reticulata Ag. Unterer und mittlerer Dogger. } Ph. ovulum Ag. Mittlerer Dogger -- Callovien. } Mitteleuropa. Ph. decemcostata Rö. Oxford -- Kimmeridge. } Ph. margaritacea Sow. sp. Eocän -- Miocän. }

Wesentlich nur durch andere Schalenverzierung sind folgende zwei Gattungen unterschieden:

Goniomya Ag. Schale fast gleichseitig, durch ∨-förmig geknickte Rippen verziert. Oberfläche fein gekörnelt. Lias -- Kreide.

G. litterata Sow. sp. } } Oxford. Mitteleuropa. G. constricta Ag. } G. designata Gf. Senon. Norddeutschland.

Homomya Ag. (= Arcomya Ag.). Schale ungerippt, nur mit concentrischen Anwachsstreifen. Oberfläche fein gekörnelt. Meist sehr grosse Muscheln. Trias -- Kreide.

H. ventricosa Schl. sp. Oberer Muschelkalk. Deutschland. H. lagenalis Schfh. Rhät. Nord- und Südalpen. H. gibbosa Sow. sp. Oberer Dogger (»Homomyen-Mergel«), selten mittlerer Dogger. England, Frankreich, Süddeutschland, Schweiz.

Pleuromya Ag. (= Myacites) (Fig. 235 a, b). Schale quer verlängert, sehr wenig ungleichklappig, ungleichseitig, meist schwächer gewölbt als Pholadomya und Homomya (a). Schlossrand unter den weit nach vorn gelegenen Wirbeln jederseits mit einem wagerechten kleinen Vorsprung und dahinter gelegener Ausbuchtung (b). Der Schlossrand der linken Klappe etwas unter den der rechten geschoben (rechts unten Fig. 235). Band äusserlich. Oberfläche, wenn verziert, mit concentrischen Streifen versehen. Jura und Kreide. Den hierher gerechneten triadischen Formen fehlt die Mantelbucht, sie müssten also strenge genommen zu den Palaeoconchae gerechnet werden.

Pl. (Myacites) musculoides Schl. sp. Sehr häufig im unteren und oberen Muschelkalke, selten in der Lettenkohle. Deutschland. Pl. jurassi Brgt. sp. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa, Südamerika. Pl. donacina Gf. sp. Dogger und Malm weit verbreitet. Pl. peregrina d’Orb. (Fig. 235). Oberer Dogger und Callovien. Mitteleuropa.

Gresslya Ag. (Fig. 236 A, B). Schale vorn gerundet, hinten meist stark verschmälert. Wirbel vorn gelegen. Von Pleuromya durch die innere Ligamentleiste der rechten Klappe (B l) unterschieden; dieselbe hinterlässt auf dem Steinkern eine tiefe, dem Schlossrande parallele Furche (A f). Die rechte Klappe ist stets über die linke hinauf gerückt (B), da ihr Schlossrand über den der linken übergreift, wie bei Pleuromya (Fig. 235). Ligament links äusserlich, rechts innerlich gelegen. Sehr häufig im Jura.

G. gregaria Gf. sp. (Fig. 236 A, B). } Häufig im mitteleuropäischen G. abducta Phill. sp. } Dogger.

B. Ligament äusserlich. Schale meist dick. Ein Ligamentlöffel oder Zähne vorhanden.

Panopaea Men. (= Glycimeris Lmk.) (Fig. 237 A-C). Schale querverlängert, dick, hinten weit, vorn weniger klaffend. Ligament äusserlich, aber in eine tiefe, nach innen durch eine starke Bandleiste (Nymphe) begrenzte Grube eingesenkt. Diese Leiste entspricht der Mittelleiste des Löffels bei Mya (Fig. 238 A ml), während der in jeder Klappe vorhandene -- seltener fehlende -- conische Schlosszahn (C vr) mit dem Vorderrande des Löffels von Mya (Fig. 238 A vr) zu vergleichen ist. Das Schloss ist als ein umgebildeter Ligamentträger aufzufassen. Wahrscheinlich schon zur Kreidezeit vorhanden, ziemlich häufig im Tertiär. Mehrere lebende Arten.

P. Menardi Desh. (Fig. 237 A, B). Weit verbreitet im Miocän, seltener im Pliocän Europas. P. Norwegica Speng. sp. Pliocän. Süd- und Nordeuropa. Glacial und Recent. Nordeuropa. P. Aldrovandi Men. (Fig. 237 C). Lebend. Mittelmeer.

C. Ligament innerlich. Bandlöffel oder Zähne entwickelt.

Mya Lin. (Fig. 238). Die Form und Verzierung der Schale ähnlich wie bei Panopaea. Ligament innerlich (B l) zwischen einem weit vorspringenden horizontalen Löffel der linken (B ll) und einer zurückgebogenen, der Schale anliegenden Platte der rechten (B ll’) eingeschlossen. Vorderrand (A vr) und Hinterrand (A hr) des Löffels aufgewulstet, in der Mitte 2 schwach markirte Leisten (A ml). Neogen, Diluvial und Lebend.

M. truncata Lin. (Fig. 238). Pliocän. Süd- und Nordeuropa; Diluvial und Lebend. Nordeuropa. M. arenaria Lin. Pliocän -- Lebend. Nordeuropa.

Corbula. Schale stark ungleichklappig, concentrisch gestreift, nach hinten ausgezogen. Linke Klappe kleiner, flacher und hinten weniger ausgezogen als die rechte, in die rechte eingesenkt, so dass die Schale geschlossen. Innere Bandgrube der rechten Klappe zwischen 2 Zähnen gelegen, hinter der Bandgrube der linken folgt ein Löffel, dahinter ein Zahn. Mantelbucht wenig tief. Lebend im Meere und an Flussmündungen. Fossil vielleicht schon von der Trias an, häufig im Tertiär.

? C. gregaria v. Mü. sp. Muschelkalk und Lettenkohle. Deutschland. C. Gallica Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa. C. gibba Oliv. sp. (= nucleus Lmk.). Miocän -- Lebend. Europa.

Mactra Sch. (Fig. 239 A-C). Schale meist dreieckig, gleichklappig und fast gleichseitig, hinten ein wenig klaffend. Schloss sehr differenzirt. Vor der dreieckigen Ligamentgrube der linken Klappe 2 divergirende Zahnleisten (C vr, ml), die mit dem Vorderrande und der Mittelleiste des Löffels von Mya verglichen werden. Sie greifen beide zwischen die ähnlichen Leisten der rechten Klappe (B vr’, ml’) ein, alterniren also nicht mit denselben, wie bei den ähnlichen Schlossbildungen der Heterodonta. Der Hinterrand des Löffels (B hr, C hr) zu einer, dem Schlossrande parallelen Leiste umgebildet. Vor dem Löffel oft ein Seitenzahn entwickelt. Aeusseres Ligament rudimentär. Von der Juraformation an bekannt, häufig erst im Tertiär und besonders in der Gegenwart. Gemein an sandigen Flachküsten Europas.

M. semisulcata Desh. Mittel- und Obereocän. Pariser Becken. M. Podolica Eich. (Fig. 239 A). Obermiocän (Sarmatische Stufe). Osteuropa. M. triangula Ren. Untermiocän -- Lebend. Europa. M. stultorum Lin. Pliocän -- Lebend. Europa. Eine durch veränderte Lebensweise sehr abweichend gestaltete Gruppe der Desmodonta sind die Adesmacea (oder Bohrmuscheln). Schloss und Ligament sind ihnen vollständig verloren gegangen. Zu den 2 normalen Klappen gesellen sich oft noch weitere Kalk-(Ergänzungs-)stücke, die mit den Schalen unter einander und mit einer von den Siphonen erzeugten Kalkröhre zu einem Stücke verschmelzen können (Teredina). Ihre Gestalt ist keulen- oder röhrenförmig. Sie bohren in Holz, Stein etc. leicht kenntliche Gänge. Letztere werden fossil sehr häufig angetroffen, namentlich in jüngeren Formationen, seltener sind die Schalen selbst gut erhalten. Bekannte Gattungen sind Pholas L., Teredo L., Teredina Lmk. Marin und brackisch. Teredina Lmk. Schale, Ergänzungsstücke und Siphoröhre zu einem am Vorderende geschlossenen Körper verschmolzen. Eocän. T. personata Lmk. Untereocän. Pariser Becken.

3. Ordnung Taxodonta.

Die Taxodonta oder Reihenzähnler sind gleichklappige, häufig auch gleichseitige Muscheln von rundlichem (Fig. 240) oder verquertem Umriss (Fig. 241). Stets 2 gleiche Muskeleindrücke (Fig. 240 m, n) entwickelt. Mantellinie selten ausgebuchtet. Der gerade oder gebogene Schlossrand ist mit zahlreichen, in Reihen gestellten, kerben- oder leistenförmigen, wenig differenzirten Zähnen besetzt (Fig. 240 z). Das Ligament liegt innerlich (Fig. 241 B l) oder äusserlich (Fig. 240 ar), aber stets unter dem Wirbel, nicht ausschliesslich hinter dem Wirbel, wie bei der Mehrzahl der Heterodonta. Für viele Gattungen ist das Vorkommen eines äusseren dreieckigen Bandfeldes (Bandarea -- Fig. 240 ar) bezeichnend. Zuweilen stehen die Wirbel in der Mitte der Schale (Fig. 240 w), häufiger sind sie etwas nach vorn gerückt (Fig. 241-243). Die ungleichseitigen Formen werden manchen Heteromyaria (Pterinea p. 280) sehr ähnlich, unterscheiden sich aber von denselben durch den Mangel eines Ohres und des Byssusausschnittes.

Der Anschluss an die Palaeoconchae ist durch Gattungen mit Bandfeld und schwach entwickelten, kerbenartigen Zähnen gegeben.

Vom Silur an bis zur Gegenwart verbreitet, seit der Jurazeit besonders häufig.

Eintheilung der Taxodonta (oder Arcacea).

A. Band in der Regel äusserlich, auf einem dreieckigen, seltener linearen Bandfelde unter den Wirbeln gelegen und die Wirbel der beiden Klappen von einander entfernend. Umriss der Schale gerundet oder verquert rechteckig. Schlosslinie gerade oder gebogen (Fig. 242-244). Fam. Arcidae. B. Band in der Regel innerlich. Aeusseres Bandfeld fehlt. Wirbel genähert. Schalen ungleichseitig, nach hinten meist ausgezogen und verschmälert. Schlosslinie geknickt (Fig. 245, 246). Fam. Nuculidae.

Fam. Arcidae.

Arca Lin. (Fig. 242). Schale rundlich bis queroval. Wirbel stets aus der Mitte gerückt. Schlossrand lang und gerade, mit zahlreichen, senkrechten Kerbzähnen (A z). Ligament auf einer rhombischen, meist gestreiften Bandfläche (B ba) gelegen. Schale am Unterrande etwas klaffend. Oberfläche in der Regel mit radialen Rippen (A); wenn die Berippung sehr stark, erscheint der Innenrand der Schale gekerbt (B k). Vom Untersilur bis zur Gegenwart, vom Jura an recht häufig. Zahlreiche lebende Arten in den wärmeren Meeren.

A. striata Schl. sp. Perm. Deutschland, Nordamerika. A. elongata Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa. A. trisulcata Gf. Oxford -- Tithon. Mitteleuropa. A. interrupta } } Lmk. Eocän. Frankreich. England. A. biangula } A. Fichteli Desh. Miocän. Mitteleuropa. A. Noae Lin. } A. diluvii Lmk. (Fig. 242 A, B). } Miocän -- Lebend. Europa. A. barbata Lin. }

Cucullaea Lmk. (Fig. 243). Von Arca durch schiefes Hervortreten der Hinterseite und quere Stellung der seitlichen, leistenartigen Schlosszähne (sz) unterschieden. Mittelzähne (z) und Bandfeld (ba) wie bei Arca. Grobe Radialstreifen oder Rippen fehlen. Vom hinteren Muskeleindruck (n) zieht sich meist eine scharfe Leiste zum Wirbel, die auf den Steinkernen als markirte Furche erscheint. Von der Steinkohlenformation an, häufig im Jura und in der Kreide, selten im Tertiär und in der Gegenwart. Die älteren Formen gehören zumeist der Untergattung Macrodon Lyc. (Wirbel ganz nach vorn gerückt) an.

C. (Macrodon) Beyrichi. Unterer Muschelkalk. Deutschland. C. (Macrodon) Hirsonensis M. & Lyc. Oberer Dogger. England, Frankreich, Süddeutschland, Schweiz. C. Muensteri Ziet. Mittlerer Lias. Mitteleuropa. C. oblonga Sow. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa. C. concinna Gf. Oberer Dogger. Süddeutschland. C. Hersilia d’Orb. Oxford. Mitteleuropa. C. Gabrielis d’Orb. Neocom. Europa, Südamerika. C. fibrosa Sow. (Fig. 243). Gault. Frankreich, England, Schweiz. C. glabra Sow. Obere Kreide. Europa. C. crassatina Lmk. Eocän. Pariser Becken.

Pectunculus Lmk. (Fig. 244). Schale dick, meist gleichseitig, gerundet, seltener etwas schief und dann nach hinten verbreitert. Wirbel (w) schwach nach hinten gebogen. Vorderer Muskeleindruck (m) dreieckig -- gerundet, hinterer (n) trapezförmig -- gerundet, etwas kleiner als der vordere und nach innen durch eine scharfe Leiste begrenzt. Die gebogene Reihe der Kerbzähne (z) geht hinten etwas tiefer hinunter als vorn. Mittelzähne klein oder verschwindend. Mantellinie nach hinten zumeist ein wenig ausgeweitet. Bandfläche (ar) breit, ähnlich wie bei Arca. Oberfläche mit feinen concentrischen und radialen Streifen (nicht eigentlichen Rippen) verziert. Innenrand der Schale gekerbt (k). Von der Kreide an, sehr häufig im Tertiär und in den heutigen Meeren.

P. sublaevis Sow. Cenoman. England, Frankreich, Sachsen, Böhmen. P. Marotti d’Orb. Unteres Senon. Südfrankreich, Salzkammergut. P. pulvinatus Lmk. Eocän. Frankreich, England. P. obovatus Lmk. } Oligocän. Frankreich, P. angusticostatus Lmk. } Belgien, Deutschland. P. pilosus Lin. (Fig. 244). Miocän -- Lebend. Europa. P. glycimeris Lin. Pliocän -- Lebend. Europa.

Fam. Nuculidae.

Nucula Lmk. (Fig. 245). Schale flach oder gewölbt, dreiseitig (nach hinten verschmälert) oder queroval. Wirbel meist stark nach vorn gerückt, selten fast mittelständig. Ligament innerlich, in einer dreieckigen, schräg nach hinten gerichteten Grube unter dem Wirbel gelegen (vgl. Leda -- Fig. 246 B l). Zähne zahlreich, kurz, eine geknickte und durch das Ligament unterbrochene Reihe bildend (Fig. 245 A z), auf dem Steinkern eine beiderseits gekerbte Mittelleiste (C z) hinterlassend. Oberfläche mit concentrischen Streifen (B) oder auch (seltener) mit radialen. Innenrand der Schale glatt (A) oder gekerbt (bei den jüngeren Arten). Accessorische Muskeleindrücke (vgl. Leda -- Fig. 246 am) bei den älteren Formen häufig vorhanden. Vom Silur an, gemein vom Jura bis zur Gegenwart.

N. Beyrichi v. Schaur. Zechstein. Thüringen, Nordamerika. N. strigillata Gf. Alpenkeuper (Cassianer Schichten). Dolomitalpen. N. palmae Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa. N. Hammeri Dfr. (Fig. 245 A, B). Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa. N. pectinata Sow. Gault. England, Frankreich. N. Neckeri P. & R. (Fig. 245 C). Gault. Frankreich, Schweiz. N. Parisiensis Desh. Mitteleocän. Pariser Becken. N. Chastelii Nyst. Mitteloligocän. Pariser und Mainzer Becken. N. margaritacea Lmk. Miocän -- Lebend. Europa.

Leda Schum. (Fig. 246). Schale nach hinten mehr oder weniger stark ausgezogen (geschnäbelt). Oberfläche concentrisch oder schräg gestreift, mit einer vom Wirbel zum Hinterrande verlaufenden Kante (A). Bandgrube dreieckig, unter dem Wirbel gelegen (l). Mantellinie mit schwacher Bucht (b) vor dem hinteren Muskeleindruck (n). Zwischen dem Wirbel und dem vorderen Muskeleindruck (m) häufig eine Reihe accessorischer Muskeleindrücke (B am) vorhanden. Wirbel schwach zurückgebogen. Zahlreiche Arten vom Silur bis zur Gegenwart. Lebend hauptsächlich in kälteren Meeren.

L. speluncaria Gein. Zechstein. Mitteldeutschland. L. elliptica Mnstr. Alpenkeuper (Cassianer Sch.). Südtirol. L. complanata Phill. Mittlerer Lias. Mitteleuropa. L. claviformis Sow. Unterer Dogger (Torulosus-Sch.). Mitteleuropa. L. Deshayesii Duch. (Fig. 246). Leitfossil für den mitteloligocänen Septarienthon in Mitteleuropa. L. (Yoldia) arctica Gray. Pliocän. England. Diluvial. Nordeuropa (Yoldienthon). Lebend in den arktischen Meeren in Wasser zwischen +1° und -2° C.

IV. Ordnung Schizodonta (Trigonidae).

Die Schalen besitzen einen bezeichnend dreieckigen, seltener mehr ovalen Umriss. Ihre Wirbel sind gewöhnlich stark nach vorn gerückt und etwas nach rückwärts umgebogen (Fig. 247 A); hinter denselben liegt das kurze, äusserliche Ligament (Fig. 252 B l). Oberfläche zuweilen glatt oder nur mit concentrischen Anwachsstreifen, meist aber trennt eine vom Wirbel nach der unteren Ecke des Hinterrandes verlaufende Kante (Arealkante) (Fig. 247 A k) den vorderen Theil der Schale von dem hinteren ab. In der Regel sind beide verschieden verziert mit concentrischen oder radialen Streifen (Fig. 249 A), Rippen (Fig. 249 B) oder Knotenreihen (Fig. 247 A). Schloss der rechten Klappe (Fig. 247 B) aus 2 ∧-förmig vom Wirbel divergirenden Zahnleisten (mz’₁, mz’₂), einer vorderen, kürzeren (mz’₁) und einer hinteren längeren (mz’₂) gebildet. Zwischen dieselben greift ein plumper, meist gespaltener Dreieckszahn der linken Klappe (Fig. 247 B mz₂), während sie selbst von den beiden leistenförmigen, ebenfalls ∧-förmig gespreizten, seitlichen Leistenzähnen der linken Klappe (B mz₁, mz₃) umfasst werden. Die Zähne sind häufig im Sinne der concentrischen Berippung gekerbt (Fig. 255 C, D). Muskeleindrücke etwas ungleich. Mantellinie einfach. Vom Silur an bekannt, Hauptentwickelung im Mesozoicum, selten im Känozoicum.

Die 3 wichtigsten Gattungen unterscheiden sich wie folgt:

A. Schale unverziert. Vorderer Muskeleindruck entfernt vom Schlosse gelegen. Zähne nicht gekerbt (Fig. 248 A-C). Eine vordere Muskelleiste fehlt. (Devon -- Perm.) Schizodus. B. Schale meist verziert. Vorderer Muskeleindruck dicht unter dem oder am Schlosse gelegen, klein und tief (Fig. 247 m’, C m). Vorderer, oft auch hinterer Muskeleindruck nach innen durch eine Leiste gestützt. Zähne meist gekerbt (Fig. 247 B, C). a. Vorderer Muskeleindruck nicht über die untere Grenze des vorderen Schlosszahnes hinaufreichend (Fig. 249 C m, B m). Dreieckszahn häufig ungespalten (Fig. 249 C mz₂). Zähne oft ungekerbt. Rippen niemals in Knotenreihen aufgelöst. (Perm -- Trias.) Myophoria. b. Vorderer Muskeleindruck über die untere Grenze des vorderen Schlosszahnes hinaufreichend (Fig. 247 B m’, C m). Dreieckszahn stets gespalten. Zähne stets gekerbt (Fig. 247 B, C). Statt der Rippen häufig schiefe Knotenreihen (Fig. 247 A). (Jura -- Gegenwart.) Trigonia.

Schizodus King (Fig. 248 A-C). Schale dreieckig oder trapezförmig, vorn gerundet und angeschwollen, hinten abgestutzt und verschmälert, dünn, unverziert. Wirbel zurückgekrümmt, nach vorn gerückt oder nahezu mittelständig. Schloss bei den jüngeren (dyadischen) Formen typisch schizodont (B, C), bei den älteren (devonischen) einfacher, indem der Dreieckszahn ungetheilt und die Leistenzähne nur theilweise ausgebildet. Vorderer Muskeleindruck vom Schlosse entfernt (A m’). Vom Devon bis ins Perm.

Sch. inflatus A. Rö. sp. } Unterdevon (Spiriferensandstein). Sch. trapezoidalis A. Rö. sp. } Harz. Sch. truncatus King. } Perm. Deutschland, Sch. obscurus Sow. sp. (Fig. 248 A-C). } England, Nordamerika. Sch. Rossicus de Ver. Perm. Russland, Nordamerika.

Myophoria Bronn (Fig. 249 A-D). Schale durchschnittlich viel kleiner als bei Trigonia, aussen glatt oder mit einer vom Wirbel nach hinten und unten ziehenden Arealkante oder mit zahlreichen radialen oder concentrischen Rippen bedeckt. Wirbel schwach nach vorn gebogen. Dreieckszahn getheilt oder ungetheilt (C mz₂). Zähne glatt, selten gestreift. Vorderer Muskeleindruck auf der Schlossplatte, aber unterhalb des vorderen Zahnes gelegen (C m, D m’), nach innen von einer erhabenen Leiste begrenzt, die auf dem Steinkerne als tiefe Furche hervortritt. Die Gattung zeigt sich in Indien bereits im Perm, in Europa charakterisirt sie die Trias innerhalb, besonders aber ausserhalb der Alpen. Nach der Art der Berippung lassen sich mehrere, z. Th. sehr wenig scharf begrenzte Gruppen unterscheiden.

A. Laeves. Schale glatt, ohne radiale oder concentrische Rippen.

M. ovata Gf. sp. Unterer Muschelkalk. Südalpen. Unterer, oberer Muschelkalk und Lettenkohle. Deutschland. M. orbicularis Gf. sp. Unterer Muschelkalk. Deutschland.

B. Carinatae. Der hintere Theil der Schale (Area -- Fig. 249 A a’) durch eine Arealkante (k’) vom vorderen geschieden, ausserdem häufig mit einigen radialen, aber ohne concentrische Rippen (Fig. 249 A).

M. vulgaris Schl. sp. Muschelkalk. Deutschland und Alpen. M. laevigata Gf. sp. Unterer und oberer Muschelkalk. Deutschland. M. pes anseris Schl. sp. Oberer Muschelkalk. Deutschland. M. Kefersteini v. Mnst. sp. (= Raibliana) (Fig. 249 A). Oberer Alpenkeuper (Raibler Schichten). Südalpen. Mittlerer Keuper. Franken.

C. Costatae. Arealkante und -furche sowie zahlreiche gröbere concentrische Rippen vorhanden. (Vgl. Trigonia costata Fig. 253.)

M. elegans Gf. sp. Muschelkalk und Lettenkohle. Deutschland. M. postera Qu. sp. Rhätische Stufe. Alpen, Deutschland, England.

D. Flabellatae. Area gesondert verziert. Zahlreiche radiale Rippen und feine concentrische Furchen auf dem Vordertheil der Schale (Fig. 249 B).

M. costata Znkr. sp. Oberer Buntsandstein (Röth). Alpen, Deutschland. M. Goldfussi v. Alb. (Fig. 249 B). Oberer Muschelkalk und Lettenkohle. Deutschland, Sardinien. M. Whateleyae v. B. sp. (Fig. 249 C, D). Oberer Alpenkeuper (Raibler Sch.). Südalpen.

Trigonia Brug. (Fig. 250-255).

Schale durchschnittlich viel grösser und dicker als bei Myophoria, von wechselndem, aber stets mehr oder weniger dreieckigem Umriss. Wirbel fast immer endständig, seltener (Fig. 254) mehr gegen die Mitte gerückt, zurückgebogen. Oberflächenverzierung sehr mannigfaltig. Rippen häufig in Knoten aufgelöst. Selten fehlt die vom Wirbel zur unteren Ecke des Hinterrandes verlaufende Arealkante (Fig. 251 k), welche die Area von dem anders verzierten vorderen Theile der Schale abtrennt. Eine Innenkante (Fig. 251 k’) trennt die Area von dem darüber gelegenen, meist schmalen und häufig durch mangelnde Verzierung ausgezeichneten Feldchen (oder Schilde -- Fig. 252 fe). Häufig wird die Area durch eine Mittelkante (Fig. 251 mk) oder Mittelfurche (Fig. 252 A f) getheilt. Vom Feldchen trennt sich das hinter den Wirbeln gelegene, länglich ovale Bandfeld (Fig. 252 B l) ab. Das Band selbst ist kurz und wird durch Ligamentplatten (Fig. 252 A lp) gestützt. welche mehr oder weniger über den Schalenrand hervorragen. In der Mitte der linken Klappe ein grosser, gespaltener Dreieckszahn (Fig. 250 C mz₂), seitlich 2 zurücktretende, divergirende Leisten (Fig. 250 C mz₁, C mz₃). Rechte Klappe mit 2 ∧-förmig gespreizten Leistenzähnen (Fig. 250 B mz’₁, mz’₂). Alle Zähne im Sinne der concentrischen Schalenberippung quer gekerbt. Vorderer Muskeleindruck klein und stark vertieft, ganz oder z. Th. neben dem vorderen Zahne gelegen (Fig. 250 B m’, C m), in die Schlossplatte eingesenkt und seitlich durch eine Leiste begrenzt (Fig. 255 B l’). Hinterer Muskeleindruck unterhalb des Schlosses, grösser und flacher als der vordere, nach innen zuweilen durch eine Leiste gestützt. Die Gattung lässt sich nicht scharf von Myophoria trennen. Sehr häufig und in sehr mannigfaltigen Formen im Jura und in der Kreide, seltener im Tertiär und in der Gegenwart.

Es werden 10 Gruppen, die den Werth von Untergattungen besitzen, unterschieden. Die wichtigsten derselben sind:

A. Scaphoidae (Fig. 250). Vorderrand fast gerade abgestutzt. Area fast glatt. Vordertheil der Schale mit queren, Mitteltheil mit fächerförmig von der Randkante nach unten divergirenden Knotenrippen (Fig. 250 A). Jura, seltener Kreide. Wenige Arten.

Tr. navis Lmk. (Fig. 250 A-C). Leitfossil für die Opalinus- (= Navis-) Schichten (Unterster Dogger) in Deutschland, Westfrankreich und der Schweiz. Tr. pulchella Ag. Ebendaselbst. Oberer Lias. England.

B. Clavellatae (Fig. 251). Mit concentrischen, theilweise aber bereits am Unterrande endigenden Knotenrippen. Area durch 2 geknotete Kiele eingeschlossen (Fig. 251 k, k’), meist auch mit Mittelkiel (mk) und Mittelfurche, concentrisch gestreift (Fig. 251). Dogger und Malm in zahlreichen Arten, sehr selten in der unteren Kreide.

Tr. formosa Lyc. Unterer Dogger. Mitteleuropa. Tr. signata Ag. Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa, Südamerika. In Schwaben in den sog. »Clavellatenschichten« des oberen Dogger. Tr. clavellata Sow. (Fig. 251). Oxford. England, Norddeutschland, ? Schweiz. Tr. Bronni Ag. Oberes Oxford und unteres Kimmeridge. Frankreich, Norddeutschland, Schweiz. Tr. Alina Cont. Oberes Kimmeridge. England, Norddeutschland, Frankreich, Schweiz. Tr. ingens Lyc. Mittelneocom. England.

C. Undulatae. Allgemeine Form der Clavellatae. Rippen einfach oder geknotet, stets scharf eingebogen oder gebrochen. Oberer Lias -- Oberer Malm, häufig im Dogger.

Tr. litterata Ag. Oberer Lias. England. Unterer Dogger. Süddeutschland. Tr. Goldfussi Ag. Mittlerer Dogger (Sowerbyi-Sch.). Süddeutschland, Schweiz, Frankreich. Tr. undulata Fromh. Oberer Dogger. England, Süddeutschland. Tr. geographica Ag. Oxford. England, Frankreich, Schweiz.

D. Quadratae (Fig. 252). Umriss vierseitig. Rippen in Höckerreihen aufgelöst, die von der Schale auf die Area und das Feldchen übergreifen (Fig. 252). Area (a) wenig scharf von der Seite geschieden, durch Mittelkante oder Mittelfurche getheilt (Fig. 252 A f). Nur in der Kreide.

Tr. nodosa Sow. Neocom. England, Frankreich, Schweiz. Tr. Hondoana Lea. Oberes Neocom (Urgon). Spanien, Portugal, Columbien. Tr. daedalea Sow. Cenoman. England, Frankreich. Tr. quadrata Ag. (Fig. 252 A, B). Cenoman. Frankreich.

E. Costatae (Fig. 253). Schale mit einfachen, concentrischen Rippen bedeckt, von der Area durch eine gekerbte Randkante geschieden. Area mit radialen und feinen, concentrischen Rippen. Die Ungleichheit der beiden Klappen durch den weiteren Zwischenraum zwischen den Rippen der Seite und der Arealkante in der linken, den kleineren in der rechten ausgeprägt (Fig. 253). Schliessen sich an die Myophoriae costatae (p. 252) an. Vom Lias bis in die untere Kreide, hauptsächlich im Dogger und Malm.

Tr. infracostata Lyc. Unterer Lias. Spanien. Tr. similis Ag. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Elsass. Tr. costata Sow. (Fig. 253). Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa. Tr. elongata Sow. Callovien und Oxford. Mitteleuropa. Tr. monilifera Ag. } } Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa. Tr. papillata Ag. } Tr. carinata Ag. Untere Kreide. Mitteleuropa.

F. Glabrae (Fig. 254). Schale oval, oft nach hinten stark verlängert. Wirbel vom Vorderrande entfernt. Die concentrischen, oft etwas geknoteten Rippen setzen nicht auf die undeutlich abgetrennte Area fort (Fig. 254). Diese Gruppe schliesst an die Myophoriae laeves und M. carinatae an. Lias -- Untere Kreide.

Tr. Lingonensis Dum. Mittlerer Lias. England, Frankreich. Tr. gibbosa Sow. (Fig. 254) } Oberer Malm (Portland). Tr. Damoni de Lor. } Nordfrankreich, England. Tr. longa Ag. Neocom. Europa, Südamerika. Tr. excentrica Park. Cenoman. England, Frankreich.

G. Scabrae (Fig. 255). Dreiseitiger bis halbmondförmiger Umriss. Wirbel stark hervorragend und zurückgebogen. Oberrand ausgebuchtet. Area meist reducirt. Die geknoteten Rippen setzen oft bis auf das Feldchen fort (Fig. 255 A fe, D fe). Nur in der Kreide.

Tr. Vectiana Lyc. Aptien. England, Frankreich, Schweiz. Tr. caudata Ag. Neocom. England, Frankreich, Schweiz, Spanien. Tr. ornata d’Orb. Oberes Neocom (Urgon). England, Frankreich, Schweiz. Tr. aliformis Park. Cenoman. England, Schweiz. Verwandte Formen in der unteren Kreide Südamerikas. Tr. sulcataria Lmk. Cenoman. England, Frankreich. Tr. scabra Lmk. (Fig. 255 A-D). Turon. Frankreich. Tr. limbata d’Orb. Unteres Senon. Frankreich. Tr. crenulata Lmk. Cenoman. Frankreich. Viele nahestehende Formen in der oberen Kreide.

H. Pectinatae. Radiale Rippen. Area nur undeutlich von der Schale geschieden. Tertiär und Lebend.

Tr. pectinata Lmk. Tertiär und Lebend. Australien.

5. Ordnung Heterodonta.

Die Schalen der Heterodonta zeigen eine grosse Mannigfaltigkeit der äusseren Gestaltung. Sie sind theils gleichklappig, theils ungleichklappig. Das Ligament liegt meist äusserlich, selten innerlich. Das Schloss setzt sich im normalen, d. h. nicht reducirten Zustande, aus den abwechselnd in den beiden Klappen gestellten, unter dem Wirbel gelegenen Hauptzähnen und den randlich gestellten Seitenzähnen zusammen, deren Zahl in jeder Klappe stets eine geringe (0-6) ist. Jedem Zahne in der einen Klappe entspricht eine Zahngrube in der anderen und umgekehrt. Dabei greifen die Zähne derart in einander, dass kein todter Raum zwischen denselben bleibt und dass zwei benachbarte Zähne derselben Klappe stets durch einen Zahn der anderen Klappe getrennt werden (Fig. 256 B, C). Häufig verschwinden die Seitenzähne ganz, und auch die Hauptzähne können in seltenen Fällen vollständig reducirt werden. Da die Ausbildung der Schlosszähne selbst bei sonst nahestehenden Formen sehr verschieden sein kann, ja mitunter bei einer und derselben Art, je nachdem die rechte oder linke Klappe festwächst die Bezahnung wechselt, so lässt sich das Schloss nicht als alleiniges Unterscheidungsmerkmal der Familien und Gattungen verwenden, sondern es müssen neben dem allgemeinen Charakter des Schlosses noch andere Kennzeichen zu Hilfe genommen werden. Bei der Mehrzahl der Heterodonta gleichen sich die beiden Klappen bis auf die Bezahnung vollständig, bei einer aberranten Abtheilung derselben, den Chamacea, entwickeln sich dagegen die beiden Klappen sehr verschieden, indem die eine (rechte oder linke) durch Festwachsen und Ausdehnung in die Dicke (Unterklappe) viel grösser wird und sich anders gestaltet, als die andere, freie, meist weniger grosse, deckelartige (Deckelklappe).

Man kennt Vertreter der Heterodonta schon vom Silur an, ihre Hauptentwickelung erreichen sie aber erst in mesozoischen und jüngeren Schichten. Sie kommen theils im Meerwasser, theils im Süsswasser vor.

Eintheilung der Heterodonta.

1. Conchacea. Schale im Allgemeinen gleichklappig, meist frei, in seltenen Fällen mit einer Klappe angeheftet. Seitenzähne meist vorhanden (Fig. 256). A. Integripalliata. Mantellinie ohne Mantelbucht (Fig. 257). B. Sinupalliata. Mantellinie mit einer deutlichen Bucht (Fig. 256). 2. Chamacea. Schale dick, (meist stark) ungleichklappig, stets mit einer Klappe, festgewachsen. Ohne Seitenzähne. Hauptzähne meist sehr stark (Fig. 269).

1. Unterordnung Conchacea.

Die Eintheilung dieser Gruppe in Sinupalliata und Integripalliata ist keineswegs eine naturgemässe und ganz scharfe, da auch unter den letzteren gelegentlich Formen mit schwach ausgebildeter Mantelbucht (Cyrena) vorkommen und bei manchen Sinupalliata (Pronoë) eine Bucht kaum angedeutet ist. Doch wird die Uebersicht über die zahlreichen Familien durch diese Eintheilung erleichtert. Die meisten Familien der Conchacea lassen sich nach den Merkmalen der Schale allein nicht scharf begrenzen, da die Bezahnung sowohl als die Oberflächensculptur grossem Wechsel unterworfen ist. Immerhin dürfte die folgende Tabelle die Bestimmung der typischen Gattungen einigermaassen erleichtern.

A. Integripalliata. -- Mantellinie im allgemeinen ohne Bucht. Schale meist geschlossen. Ligament nur bei den Crassatellidae innerlich.

+----------+----------+-------------+---------------+---------------------+ |Familien |Hauptzähne| Seitenzähne |Radialrippen |Sonstige Merkmale | +==========+==========+=============+===============+=====================+ |Cyprinidae|vorhanden |vorn fehlend,|meist fehlend; | Wirbel meist | |(Fig. 257)| 2-3 | hinten |wenn vorhanden,| stark eingerollt | | | | vorhanden | schwach | | +----------+----------+-------------+---------------+---------------------+ |Cyrenidae |vorhanden | vorn und | fehlen | brackisch oder | |(Fig. 258)| 2-3 | hinten | | limnisch | +----------+----------+-------------+---------------+---------------------+ |Cardiidae |vorhanden | vorn und | vorhanden | Wirbel mittel- | |(Fig. 259)| 2-2, | hinten, | | ständig, | | | selten | selten | | Schalenrand | | |fehlend | fehlend | | meist gekerbt | +----------+----------+-------------+---------------+---------------------+ |Lucinidae |vorhanden | vorn und |meist fehlend; | vorderer Muskel- | | |2-2, nicht|hinten, ni- |wenn vorhanden,| eindruck meist | | |selten |cht selten | schwach | verlängert | | |verkümmert|verkümmert | | | +----------+----------+-------------+---------------+---------------------+ |Astartidae|vorhanden | meist | fehlend oder | Schalenrand | |(Fig. 260,| 2-3 | fehlend | vorhanden | meist gekerbt | |261) | | | | | +----------+----------+-------------+---------------+---------------------+ |Cardinidae| meist | meist stark,| fehlen | Schale meist dick; | |(Fig. 262)| reducirt | vorn und | | accessorische | | | | hinten | | Muskeleindrücke | | | | | | fehlen | +----------+----------+-------------+---------------+---------------------+ |Unionidae |vorhanden | vorhanden | selten | Wirbel abgenagt; | |(Fig. 263)| oder | oder | vorhanden |Süsswasserbewohner; | | |fehlend | fehlend | |accessorische Muskel-| | | | | |eindrücke vorhanden | +----------+----------+-------------+---------------+---------------------+ |Crassatel-|vorhanden |fehlen meist | selten | Schale dick; | |lidae | | | vorhanden | Band innerlich | |(Fig. 264)| | | | | +----------+----------+-------------+---------------+---------------------+ |Megalodon-|vorhanden,| fehlen fast | fehlen | Schale sehr dick, | |tidae | stark | immer | | oft etwas ungleich | |(Fig. 265)| | | | klappig, höher als | | | | | | breit; Wirbel stark | +----------+----------+-------------+---------------+---------------------+

B. Sinupalliata. -- Mantellinie mit deutlicher Bucht. Schale häufig klaffend. Ligament fast ausnahmslos äusserlich.

+-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+ |Familien | Schlosszähne | Schale | Umriss | Sonstige Merkmale | +===========+==============+===========+=============+====================+ |Veneridae | stark; | solid, |oval, selten | Mantelbucht meist | |(Fig. 266, | zuweilen |geschlossen| verquert | schmal; Schalenrand| | 267) | Seitenzähne | | | häufig gekerbt | +-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+ |Tellinidae | zart; |dünn, hin- | oval, hinten| Mantelbucht breit; | |(Fig. 268) | zuweilen |ten etwas | meist | Schalenrand | | | Seitenzähne |klaffend | ausgezogen | ungekerbt | +-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+ |Solenidae |zart und |dünn, vorn |stark verqu- |Schlossrand lang und| | |klein; ohne |und hinten |ert,scheiden-|gerade; Schalenrand | | |Seitenzähne | klaffend | förmig | ungekerbt | +-----------+--------------+-----------+-------------+--------------------+

A. Integripalliata.

Fam. Cyprinidae.

Schale ziemlich dick, meist gerundet, quer- oder längsoval, gewölbt. Wirbel stark, nach vorn gebogen oder eingerollt. Schloss stark. 2-3 Hauptzähne und hinterer Seitenzahn meist vorhanden. Mantellinie zuweilen mit schwacher Bucht. Meeresbewohner. Mit Sicherheit erst seit der mesozoischen Zeit bekannt. Einige Gattungen ausgestorben. Von den Veneridae nicht scharf geschieden.

Cyprina Lmk. (Fig. 257 R, L). Schale ungleichseitig, aufgebläht, gerundet, mit concentrischen Anwachsstreifen. Wirbel mässig stark. Rechte Klappe mit 3 (oder 2) Hauptzähnen, von denen der mittlere (e) conisch, der hintere (f) lang und schräg. Von den 3 Hauptzähnen der linken Klappe ist ebenfalls der hintere (c) lang und schmal, die beiden anderen (a, b) kurz und dick. Hinterer Seitenzahn jederseits (d und g) kräftig. Schalenrand ungekerbt. Bei den geologisch älteren Formen ist zuweilen eine Mantelbucht schwach angedeutet; auch liegt der Wirbel häufig fast mittelständig und die Schale ist dünn. Jura -- Gegenwart, am häufigsten in der Kreide.

C. trigonellaris Schl. sp. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Süddeutschland. C. Brongniarti Rö. sp. } Oberer Malm (Kimmeridge und Portland). C. nuculaeformis Rö. sp } Norddeutschland, Nordfrankreich, Schweiz. C. cornuta Klöd. sp. } C. Ligeriensis d’Orb. Cenoman. Frankreich. C. angulata Sow. Cenoman. England. C. rotundata Br. Oligocän. Mitteleuropa. C. tumida Nyst. (Fig. 257). Pliocän. Nordeuropa. C. islandica Lin. Pliocän und Pleistocän. Nord- und Südeuropa. Lebend in den nordischen Meeren.

Fam. Cyrenidae.

Schale gerundet, oval bis dreiseitig, ungleichseitig oder fast gleichseitig, mässig dick oder dünn, concentrisch gestreift, mit Epidermis überzogen. 2 oder 3 Hauptzähne. Vorn und hinten Seitenzähne. Mantellinie zuweilen mit schwacher Bucht. Leben in Teichen, Flüssen und im Brackwasser. Von der oberen Trias an mit Sicherheit bekannt, vom oberen Jura an häufig. Lebend hauptsächlich in wärmeren Zonen.

Cyrena Lmk. (Fig. 258 A-D) (= Corbicula). Mässig dickschalige Muscheln mit 3 (oder 2) wenig gespreizten Hauptzähnen in jeder Klappe (C, D) und einem vorderen und hinteren Seitenzahn (C vz, hz) in der linken, je 2 Seitenzähnen in der rechten Klappe (D). Wirbel häufig angenagt. Band äusserlich, stark (B l). Von der Trias an in brackischen und Süsswasser-Ablagerungen, häufig im Wealden, besonders aber im Oligocän. Lebend in Flüssen der wärmeren Klimate. In den europäischen Flüssen die verwandte (dünnschalige) Gattung Cyclas häufig.

C. rhaetica Leps. Rhätische Stufe. Südalpen. C. rugosa Sow. sp. (Fig. 258 A-D). Kimmeridge, Portland und Purbeck. England, Frankreich, Norddeutschland, Schweiz. C. Mantelli Dnkr. Purbeck und Wealden. Nordfrankreich, Norddeutschland. C. cuneiformis Fér. Untereocän. Pariser und Londoner Becken. C. semistriata Desh. Oligocän. Frankreich, Belgien, Schweiz, Süddeutschland, sehr häufig im oberoligocänen Cyrenenmergel des Mainzer Beckens. C. (Corbicula) Faujasi Desh. sp. Häufig im miocänen Corbiculakalk des Mainzer Beckens. C. (Corbicula) fluminalis Müll. sp. Pliocän und Pleistocän. Europa. Lebend. Nordafrika und Asien.

Fam. Cardiidae.

Schale längs- oder queroval, aufgebläht, radial berippt. Wirbel hervorragend, meist mittelständig, wodurch die Schale fast gleichseitig. Schalenrand gekerbt. Zwei, oft gekreuzte Hauptzähne in jeder Klappe, dazu ein vorderer und ein hinterer Seitenzahn. Seit der Silurzeit entwickelt. Die paläozoischen Vertreter (Präcardien) zeichnen sich durch Dünnschaligkeit und häufig durch den Besitz eines unter dem Wirbel gelegenen Bandfeldes aus (vgl. Cardiola -- p. 238). In mesozoischen und jüngeren Schichten sehr häufig. Zahlreiche lebende Formen in allen Meeren.

Cardium Lin. (Fig. 259 A-D). Meist die ganze Schalenoberfläche radial gerippt (B), selten glatt; bei der Untergattung Protocardia Beyr. beschränken sich die radialen Rippen auf die Hinterseite. Die Seitenzähne der linken Klappe fassen über die der rechten. Die Brackwasserformen der sarmatischen Stufe verlieren z. Th. die Zähne vollständig (Adacna). Von der Trias an, sehr häufig von der Kreide bis zur Gegenwart.

C. (Protocardia) rhaeticum Mer. Rhätische Stufe. Alpin und ausseralpin. C. (Protocardia) truncatum Sow. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa. C. (Protocardia) impressum Desh. Neocom. Mitteleuropa. C. (Protocardia) Hillanum Sow. (Fig. 259 A). Cenoman. Mitteleuropa. Nahe verwandte Formen in der oberen Kreide in Europa, Kleinasien, Indien, Südamerika. C. corallinum Leym. Korallenkalk der Oxford-, Kimmeridge- und Tithonstufe in Mittel- und Südeuropa. C. productum Sow. Obere Kreide. Europa. C. porulosum Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa. C. cingulatum Gf. (Fig. 259 C, D). Oligocän. Mitteleuropa. C. multicostatum Brocch. Miocän. Europa. C. hians Brocch. Miocän -- Lebend. Europa. C. edule L. (Fig. 259 B). Miocän -- Lebend. Häufig in allen europäischen Meeren; auch brackisch. C. groenlandicum Lin. Pliocän und Pleistocän. Nordeuropa. Lebend in den arktischen Gewässern. Adacna Eichw. Schale querverlängert, ungleichseitig. Brackwasser. Zähne verkümmert. C. (Adacna) sociale Krauss. Miocän. Süddeutschland. C. (Adacna) obsoletum Eichw. Sarmatische Stufe. Osteuropa. C. (Adacna) edentulum Desh. } C. (Adacna) conjungens Partsch und zahlreiche } Congerienstufe. andere Arten } Osteuropa.

Fam. Lucinidae.

Von den Cardiidae durch die wenig vorstehenden Wirbel, die meist geringe Aufblähung der Schale, die Seltenheit der Radialrippen und durch den meist bandförmig verlängerten vorderen Muskeleindruck unterschieden. Haupt- und Seitenzähne vorhanden oder fehlend. Diese Familie enthält neben einigen ausgestorbenen, mesozoischen Gattungen hauptsächlich tertiäre und lebende Formen. Bereits vom Silur an kennt man die typische Gattung:

Lucina Brug. Linsenförmig, meist flach; aussen glatt oder concentrisch gestreift, selten mit radialen Rippen. Lunula wohl entwickelt. Band verlängert, stark vertieft, zuweilen fast innerlich. In paläozoischen und mesozoischen Schichten nicht häufig; zahlreiche tertiäre und lebende Arten.

L. prisca His. sp. (Leth. pal., t. 14, Fig. 2). Obersilur. Nordeuropa. L. proavia Gf. (Leth. pal., t. 29, Fig. 5). Mitteldevon. Eifel. Unterdevon. Nordamerika. L. plana Ziet. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa. L. gigantea Desh. Mitteleocän. Pariser Becken. L. columbella Lmk. Miocän. Mittel- und Südeuropa. L. divaricata Lin. Lebend. Mittelmeer, England.

Fam. Astartidae.

Schale solid, meist ungleichseitig, concentrisch oder radial berippt. Wirbel gerade oder nach vorn gebogen. Bezahnung ähnlich wie bei den Cyprinidae. 2-3 Hauptzähne. Vordere Seitenzähne fehlen fast immer, hintere oft. Schalenrand in der Regel gekerbt. Meeresbewohner. Diese Familie wird im Paläozoicum durch eine Reihe ausgestorbener Gattungen (Prosocoelus, Pleurophorus etc.) vertreten, in mesozoischen Schichten erreicht sie ihre Maximalentwickelung mit mehreren erloschenen und den jetzt noch lebenden Gattungen Astarte und Cardita.

Astarte Sow. (Fig. 260 A-C). Schalen kreisförmig, oval (A) oder dreiseitig (C), mehr oder weniger stark aufgebläht oder fast flach, fast gleichseitig (C) oder sehr ungleichseitig (A). Oberfläche stets concentrisch gestreift oder regelmässig berippt, ohne Radialsculptur. Hauptzähne meist 2 in jeder Klappe (A). Seitenzähne fehlen. Vom Silur an, häufig in Jura, Kreide und Tertiär. Etwa 20 lebende Arten in den kühleren Meeren.

A. triasina Schl. sp. Muschelkalk. Deutschland. A. Voltzi Hön. (Fig. 260 C). Unterer Dogger (Torulosus-Sch.). Mitteleuropa. A. elegans Sow. } } Mittlerer Dogger. Mitteleuropa. A. obliqua Desh. (Fig. 260 A) } A. depressa Gf. Oberer Dogger. Mitteleuropa. A. supracorallina d’Orb. (Fig. 260 B). Unteres Kimmeridge (»Astartien«). Mitteleuropa. A. Beaumonti Leym. Mittelneocom. Frankreich. A. Kickxii Nyst. Oligocän. Mitteleuropa. A. borealis Chem. sp. Pliocän u. Pleistocän. Nordeuropa. Lebend. Nordische Meere.

Cardita Brug. (= Venericardia) (Fig. 261). Von Astarte durch die vorherrschend radiale Berippung und das häufige Auftreten eines hinteren Seitenzahnes unterschieden. Hauptzähne schief. Schale dick. Von der Trias an, häufig im Tertiär und in der Gegenwart (in allen Meeren).

C. crenata Mnstr. (Fig. 261). Karnische Stufe (Cassianer Sch.). Alpen. »Cardita-Schichten«. C. tenuicosta Fitt. sp. Gault. England, Frankreich. C. pectuncularis Lmk. Untereocän. Pariser Becken. C. planicosta Desh. Mittel- und Obereocän. Mitteleuropa, Alabama. C. Jouanneti Bast. Miocän. Mitteleuropa. C. calyculata Brug. Lebend. Mittelmeer.

Fam. Cardinidae.

Die Schalen der typischen Gattung Cardinia sind im Umriss dreiseitig oder oval, kurz oder stark verquert, solid, mit starkem Schloss; Hauptzähne schwach, Seitenzähne stark ausgeprägt. Bei der älteren Gattung Anoplophora verschwinden die Zähne fast ganz. Wirbel weit nach vorn gerückt. Hinterer Muskeleindruck einfach; Fussmuskeleindrücke daneben fehlen. Marine, auch wohl brackische Formen, auf Trias und Jura beschränkt.

Cardinia Ag. (Fig. 262 A-C). Dickschalige, wenig aufgeblähte, dreiseitige bis ovale Muscheln mit kleinen, nach vorn gelegenen, spitzen Wirbeln. Vorderseite unter den Wirbeln zu einer Lunula (B lu, C lu’) vertieft. Rechte Klappe mit einem starken vorderen (C vz’), linke mit einem hinteren (B hz) Seitenzahn. In der rechten Klappe ein wenig hervorragender Hauptzahn. Trias und Jura, am häufigsten in den Angulaten-Schichten des unteren Lias.

C. concinna Sow. sp. } Unterer Lias, besonders häufig C. Listeri Sow. sp. } in den Angulaten-Schichten. C. hybrida Sow. sp. (Fig. 262 A-C)} England, Frankreich, Deutschland.

Die triadische Gattung Anoplophora Sandb. (= Myacites p. 242) unterscheidet sich durch das Fehlen des hinteren Seitenzahnes. Der Schalenumriss ist stets queroval, die Schale nicht sehr dick und die Wirbel liegen weit nach vorn. In der alpinen und ausseralpinen Trias. Vielleicht passender zu den Desmodonta zu stellen.

A. lettica Qu. sp. Lettenkohle. Deutschland.

Auch die in der Steinkohlenformation vieler Länder und im unteren Perm oft in grossen Mengen, aber meist schlecht erhalten sich findende Gattung Anthracosia King. schliesst sich hier an und ist von der vorigen kaum scharf zu unterscheiden. Im Süsswasser.

A. carbonaria Gf. sp. Unteres Perm. Saarbrücken.

Fam. Unionidae.

Schale rundlichoval oder dreiseitig, mit dicker Epidermis bekleidet, zuweilen unregelmässig radial gerippt. Schloss sehr variabel. Häufig starke, oft längsgestreifte, etwas unregelmässige Hauptzähne und meist Seitenzähne vorhanden (Fig. 263 B). Neben und über dem vorderen Muskeleindrucke einer oder mehrere accessorische (B fm). Hierher gehören die perlenbildenden Teich- und Flussmuscheln. Als Süsswasserbewohner meist mit abgenagten Wirbeln. Vom Jura an mit Sicherheit bekannt.

Unio Retz. (Fig. 263 A, B). Zähne wohlentwickelt oder fehlend (Anodonta). Schale ziemlich gross, mässig aufgebläht. Wirbel meist weit nach vorn gerückt. Muskeleindrücke vertieft. Vom Jura an in Süsswasserbildungen nicht selten, im Tertiär und in der Gegenwart sehr häufig und über die ganze Erde verbreitet.

U. porrectus Sow. Untere Kreide (Wealden). England, Norddeutschland. U. priscus M. & H. sowie zahlreiche andere Arten an der Grenze von Kreide und Tertiär (Laramie-Gruppe) in Nordamerika. U. Solandri Sow. Unteroligocän. England, Frankreich. U. flabellatus Gf. (Fig. 263 A, B). Obermiocän. Süddeutschland, Schweiz, Südfrankreich, Südosteuropa (Congerien-St.). U. atavus Partsch. Pliocän (Pontische Stufe). Osteuropa. Nebst zahlreichen anderen Arten. U. batavus Nils. Diluvium und Gegenwart. Europa.

Fam. Crassatellidae.

Die Glieder dieser Familie sind an der inneren Lage des Ligamentes leicht zu unterscheiden. Die Schalen gleichen im Habitus und in der Bezahnung der Gattung Astarte. Die dickschalige Muschel hinten abgestutzt; die Muskeleindrücke liegen vertieft. Seitenzähne fehlen meist. Von der Kreide an, hauptsächlich tertiär und lebend. Wenige Gattungen.

Crassatella Lmk. (Fig. 264). Schale hinten oft ausgezogen und mit einer schräg nach hinten laufenden Kante. Oberfläche concentrisch gestreift. Lunula deutlich. Schalenrand glatt oder gekerbt. Kreide -- Gegenwart, am grössten und häufigsten im Eocän und Miocän.

C. macrodonta Sow. sp. Senon (Hippuritenkreide). Südfrankreich, Salzkammergut. C. ponderosa Chem. sp. (= plumbea Lmk.) (Fig. 264). Mitteleocän. Europa. C. concentrica Duj. Miocän. Mitteleuropa.

Fam. Megalodontidae.

Dickschalig, meist höher als breit, herzförmig, mit starkem Wirbel und breiter Schlossplatte, häufig etwas ungleichklappig. Hauptzähne bogig gekrümmt, meist getheilt. Seitenzähne fehlen. Vorderer Muskeleindruck schmal, gebogen und tief, hinterer auf einer Längsleiste. Ausgestorbene Familie, vom Devon bis in den Jura reichend, Maximalentwickelung in der Trias. Wenige Gattungen. Hieran schliessen sich die Chamacea (p. 269).

Megalodon Sow. (Fig. 265 A-C). Schale von der Seite gesehen dreieckig, von vorn herzförmig (C), mit nach vorn eingerollten Wirbeln. nur mit concentrischen Streifen bedeckt. Zwei, häufig getheilte und wulstige Hauptzähne in jeder Klappe. Zuweilen ein hinterer Seitenzahn entwickelt. Wegen der ausserordentlichen Breite der Schlossplatte treten auf Steinkernen (C) die Wirbel weit heraus. Vom Devon bis in den Lias, sehr häufig in der alpinen Trias.

M. cucullatus Gf. (Fig. 265 A, B). Häufig im englischen und rheinischen Mitteldevon. M. triqueter Wulf. sp. (Fig. 265 C) nebst mehreren verwandten Arten in der karnischen und rhätischen Stufe der Alpen häufig (»Dachsteinbivalve«); auch in Indien. M. pumilus Gmb. Lias (Graue Kalke). Südtirol, Venetien, Frankreich, Portugal.

B. Sinupalliata.

Fam. Veneridae.

Schale solid, geschlossen mit concentrischer oder auch radialer Skulptur, oval oder kreisförmig, selten stark verquert. 2-3 starke Hauptzähne, zuweilen Seitenzähne. Wirbel ziemlich stark. Mantelbucht in der Regel vorhanden, nicht ausgeweitet, seltener fehlend. Mit den Cyprinidae (p. 259) nahe verwandt. Seit dem Jura entwickelt, in der Tertiärzeit und Gegenwart dominirend.

Venus L. (Fig. 266 A-C). Schalenverzierung sehr mannigfaltig. Lunula meist entwickelt. Schloss stark, jederseits mit 3 divergirenden Hauptzähnen (C mz₁-mz₃), zuweilen mit einem kleinen, knopfförmigen Lunularzahn vor dem ersten Hauptzahn (mz₁). Schalenrand in der Regel fein gekerbt (B k). Vom Jura an, häufig im Tertiär, besonders aber in der Gegenwart (in allen Meeren).

V. texta Lmk. Mittel- und Obereocän, Mitteleuropa. V. umbonaria Lmk. Oligocän -- Pliocän. Mittel- und Südeuropa. V. multilamella Lmk. (Fig. 266 A-C) } } Miocän. Mittel- und Südeuropa. V. cincta Eichw. } V. plicata Gmel. Miocän und Pliocän. Europa. Lebend im indischen Ocean. V. casina Lin. Pliocän und lebend. Europa. V. mercenaria Lin. Lebend. Atlantische Küsten Europas und Nordamerikas.

Cytherea Lmk. (= Meretrix) (Fig. 267). Unterscheidet sich von Venus durch die starke Ausbildung des vorderen, queren Seitenzahnes in der linken Klappe (vz) und durch das ständige Fehlen der Schalenkerbung. Zuweilen auch ein hinterer Seitenzahn angedeutet. Mantelbucht (mb) meist tiefer als bei Venus. Geologische Verbreitung wie Venus; die Maximalentwickelung fällt aber in das Eogen.

C. ovalis Gf. sp. } Mitteleocän. Europa. C. semisulcata Lmk.} C. incrassata Sow. sp. Oligocän. Europa. C. Pedemontana Ag. (Fig. 267). Miocän. Europa. C. Chione Lin. Pliocän -- Lebend. Europa.

Fam. Tellinidae.

Schale meist dünn, quer verlängert, hinten meist ausgezogen und ein wenig klaffend. Wirbel klein. Zähne zart, höchstens 2 Hauptzähne und meist ein hinterer und vorderer Seitenzahn ausgebildet. Mantelbucht tief und ausgeweitet. Schalenrand ungekerbt. Die beiden Klappen sind meist ein wenig ungleich. Vom Jura an, sehr häufig im Tertiär und in der Gegenwart.

Tellina L. (Fig. 268 A-C) Hinterseite der Schale von der Seitenmitte durch eine Falte (A f) getrennt, oft kürzer als die Vorderseite. Wirbel fast mittelständig. Mit concentrischen Streifen, seltener radial, verziert. Lunula fehlt. Seitenzähne der rechten Klappe (B vz’, hz’) stärker als die der linken (C vz, hz). Vom Jura an, in der Kreide noch spärlich, später sehr häufig. Mehrere hundert Arten lebend in allen Meeren.

T. semiradiata Math. Turon und Senon. Mitteleuropa. T. rostralis Lmk. Mitteleocän. Mitteleuropa. T. Nysti Desh. Oligocän. Mitteleuropa. T. crassa Penn. (Fig. 268 A-C) } } Miocän -- Lebend. Europa. T. donacina Lin. }

Fam. Solenidae.

Diese Familie umfasst scheidenförmig quer verlängerte, vorn und hinten klaffende Muscheln mit kaum sichtbaren Wirbeln und sehr schwachen Hauptzähnen. Seitenzähne fehlen. Bereits seit der paläozoischen Zeit vorhanden. Die Stellung dieser Familie ist noch nicht gesichert. Die bekannteste Gattung ist:

Solen L. Wirbel am Vorderende der scheidenförmigen Schale gelegen. Oberfläche nur mit concentrischen Anwachsstreifen. Linke Klappe mit 2 hakenförmigen Zähnen, rechte mit einem. Tertiär und Gegenwart. Zahlreiche lebende Arten in fast allen Meeren.

S. obliquus Sow. Mittel- und Obereocän. England, Frankreich. S. vagina Lin. Miocän -- Lebend. Europa. S. subfragilis Eichw. Neogen (Sarmatische Stufe). Osteuropa. Der Form nach nahestehende Muscheln kennt man schon vom Devon an, z. B. (?) S. pelagicus Gf. Mitteldevon. Eifel.

2. Unterordnung Chamacea.

Von den Conchacea unterscheiden sich die Chamacea durch die Ungleichheit der beiden, meist sehr dickschaligen Klappen, eine Folge des Festwachsens der einen derselben, ferner durch die sehr poröse Structur der äusseren (prismatischen) Schalenschicht, welche meist eine bedeutende Dicke besitzt und aus parallel der Schalenoberfläche gestellten Prismen besteht. Die festgewachsene -- rechte oder linke -- Klappe übertrifft die freie durchgängig an Grösse und ist häufig anders gestaltet als die freie, oft deckelförmige (vgl. Fig. 270). Im letzteren Falle wählt man für die Betrachtung der Schale eine andere Stellung als gewöhnlich, nämlich derart, dass man die grössere Klappe (s) mit der Spitze nach unten richtet und dass die Deckelklappe (s’) nach oben zu liegen kommt (Fig. 270).

Die eine der beiden Klappen besitzt meist 2 (seltener 1) Schlosszähne (Fig. 269 A x, y) und eine zwischen denselben gelegene Zahngrube (p’) zur Aufnahme des einzigen Zahnes der anderen Klappe, welch’ letztere 2 (1) Zahngruben zu beiden Seiten dieses Zahnes aufweist (Fig. 277 B x, y). Der Vorderzahn der zweizähnigen Klappe (Fig. 269 A x) liegt auf der Schlossplatte in einiger Entfernung vom Schalenrande, der meist verlängerte Hinterzahn (y’) dem Schalenrande und dem Ligament genähert.

Als normale Formen werden diejenigen bezeichnet, welche mit der linken Klappe festgewachsen sind (Fig. 272), als inverse solche, bei denen das umgekehrte Verhältniss statt hat (Caprinidae -- Fig. 269, Hippuritidae -- Fig. 270). Meist erfolgt das Festwachsen mit grosser Regelmässigkeit, nur bei der ältesten Gattung Diceras und bei der jüngsten Gattung Chama kommen normale und inverse Formen neben einander selbst bei ein und derselben Art vor.

Die Zähne sind kräftig und bei den Formen mit äusserem Ligament meist stumpf und gebogen (Fig. 269 A x’, y’). Seitenzähne fehlen stets. Die Mantellinie ist stets ganz. Die Muskeleindrücke sind meist gross, der hintere liegt gewöhnlich auf einer starken Muskelleiste (Fig. 269 A n’), wie bei den Megalodontidae (p. 266).

Die ältesten, wenig ungleichklappigen Formen der Conchacea (Diceras -- Jura) schliessen sich an triadische und jurassische Gattungen der Megalodontidae enge an. Sie sind wie jene durch hornartig gewundene, vom Schalenrande sich entfernende Wirbel (Fig. 271 A) ausgezeichnet. Aehnliche, aber mehr ungleichklappige Gattungen mit normaler Anheftung (Requienia etc.) finden sich in der Kreide; an diese schliesst sich die einzige tertiäre und lebende Gattung Chama an, welche meist eine normale, seltener eine inverse Anheftung zeigt. -- Familie Chamidae.

Ein zweiter, bisher nur aus der Kreide bekannt gewordener Zweig enthält ausschliesslich inverse (mit der rechten Klappe angeheftete) Formen, deren Wirbel z. Th. wenig oder gar nicht eingerollt sind und deren Schalen durch ihre Dicke, Ungleichklappigkeit und durch das in denselben verlaufende Canalsystem nur noch sehr wenig Aehnlichkeit mit normalen Muscheln aufweisen. Bei den aberrantesten Formen, den Hippuritidae oder Rudistae, wird das Ligament innerlich oder verschwindet ganz. Im letzteren Falle geschieht das Schliessen der Schale nur noch durch Muskeln. -- Familien: Monopleuridae, Caprinidae, Hippuritidae.

Die ca. 20, meist cretaceischen Gattungen, welche man unterschieden hat, vertheilen sich in mehrere Familien. Die wichtigsten Gattungen lassen sich folgendermaassen trennen:

A. Schale meist mit der linken, seltener mit der rechten Klappe festgeheftet. -- Normale Formen. Wirbel stets gekrümmt oder eingerollt. Schale ohne Canäle. Ligament äusserlich. Fam. Chamidae. a. Schalenoberfläche glatt oder concentrisch gestreift. Hintere Muskelleiste in einer oder in beiden Klappen. α. Beide Klappen convex, meist hornartig gewunden (Fig. 271) Diceras. β. Rechte (Deckel-)Klappe flach oder, wenn erhöht, mit concaver Aussenfläche (Fig. 272) Requienia. b. Schalenoberfläche blätterig oder stachelig. Muskelleisten fehlen (Fig. 273) Chama. B. Schale stets mit der rechten Klappe festgeheftet. -- Inverse Formen. Wirbel gekrümmt oder gerade. Schale oft mit Canälen. Ligament äusserlich, innerlich oder fehlend. a. Ligament ganz oder z. Th. äusserlich, meist in einer zum Wirbel ziehenden Falte. α. Schale dünn oder mässig dick, ohne Canäle (Fig. 274). Fam. Monopleuridae. Monopleura. β. Schale dick. Die kleinere, zuweilen auch die grössere Klappe mit Längscanälen (Fig. 275). Fam. Caprinidae. Plagioptychus. b. Ligament innerlich oder fehlend. Beide Muskelansätze der kleineren (linken) Klappe zu vorstehenden Apophysen (Fig. 277 A m’, n’) verlängert. Wirbel gerade oder schwach gebogen. Fam. Hippuritidae. α. Rechte (grössere) Klappe mit einer inneren Ligamentfalte (Fig. 277 B p) und 2 Pfeilern (q, r) hinter derselben. Hippurites. β. Rechte Klappe nur mit Ligamentfalte (Fig. 280 B l) oder ohne Ligament und Pfeiler. Linke Klappe nicht von radialen Canälen durchzogen. Radiolites.

A. Normale Formen.

Fam. Chamidae.

Die Familie beginnt im Jura und reicht bis in die Gegenwart.

Diceras Lmk. (Fig. 271 A, B). Schale dick, ungleichklappig, mit dem Wirbel der grösseren, gewöhnlich linken, seltener rechten Klappe festgeheftet. Wirbel vom Schalenrande entfernt, nach vorn und seitlich gekrümmt oder eingebogen (A). Ligament am Schalenrande gelegen und von dort jederseits nach vorn einen Zweig bis zur Wirbelspitze entsendend (B b’). Schlossplatte und Zähne stark. Einzähnige Klappe bald festgewachsen, bald frei, mit einem ohrförmigen Zahne (B x’), einer kleineren, vorderen (unterhalb des Zahnes gelegenen) und einer hinteren, gebogenen Zahngrube. Zweizähnige Klappe mit einem kleinen vorderen (unteren) und einem starken, oft nach aussen gebogenen, dem Schlossrande parallelen, hinteren Zahne; zwischen beiden eine ohrförmige Zahngrube. Hinterer (B n’), zuweilen auch vorderer Muskeleindruck (m’) durch eine in das Innere der Schale sich fortsetzende Muskelleiste gestützt, die auf dem Steinkerne eine entsprechende Furche zurücklässt. Erheben sich die Muskeleindrücke bis zur Höhe der Schlossplatte, so fallen die Muskelleisten und demgemäss die Furchen auf dem Steinkerne fort.

Die Hauptmasse der Schale besteht aus dichter, porzellanartiger Kalksubstanz, die lockere, prismatische Oberflächenschicht ist nur selten erhalten. Diese Gattung ist bezeichnend für die Korallenbildungen des Oxford, Kimmeridge und Tithon in Mittel- und Südeuropa (»Diceraskalke«).

D. arietinum Lmk. (Fig. 271 A, B). Häufig im Oxford (»Corallien«), bis in das Tithon reichend. D. Muensteri Gf. Kimmeridge und Tithon. D. Escheri d. Lor. } } Tithon. D. Luci Dfr. } Aehnliche, aber inverse und durch eine andere Lage der hinteren Muskelleiste ausgezeichnete Formen finden sich in der oberen (Hippuriten-)Kreide Südeuropas (Bayleia).

Requienia Math. (= Caprotina) (Fig. 272). Stets mit der linken grösseren, hornartig gewundenen Klappe (s’) festgeheftet. Rechte Klappe (s) sehr viel kleiner als die linke, spiral eingerollt, häufig deckelförmig, mit concaver Oberfläche. Ligament wie bei Diceras. Schlosszähne deutlich (Toucasia) oder fast obsolet. Hintere Muskelleiste, auf der Oberfläche durch eine spirale Furche angedeutet, nur in der linken Klappe oder in beiden (Toucasia). In der Kreide, besonders häufig im Urgon (Schratten- oder Caprotinenkalk) Südeuropas und der Alpen.

R. ammonia Gf. sp. } } Urgon. Nordalpen, Südfrankreich. R. (Toucasia) carinata Math. } R. Lonsdalei Sow. sp. Urgon. Südfrankreich, England.

Chama Lin. (Fig. 273). Meist mit der linken, seltener mit der rechten Klappe aufgewachsen. Feste Klappe (c) stets, wenn auch nur wenig grösser als die Deckelklappe (a, b). Oberfläche mit concentrisch angeordneten Blättern oder Stacheln verziert (a). Muskeleindrücke nicht durch Muskelleisten gestützt. Vorderzahn der zweizähnigen Klappe (b) schwach oder fehlend. Schale aus 3 verschiedenen Schichten gebildet. Häufig im Tertiär und in der Gegenwart (besonders in den wärmeren Meeren).

Ch. distans Desh. (Fig. 273). Untereocän. Pariser Becken. Ch. calcarata Lmk. Mitteleocän. England, Frankreich, Indien. Ch. gryphoides Lin. Miocän, Pliocän. Mittel- und Südeuropa. Lebend. Mittelmeer.

B. Inverse Formen.

Fam. Monopleuridae.

Schale meist mässig dick, sehr ungleichklappig, nicht von Canälen durchzogen. Wirbel eingerollt oder fast gerade. Kleinere (freie) Klappe meist mit 2 fast gleich grossen Zähnen. Ligament äusserlich, bis zu den Wirbeln fortsetzend. In der Kreide Europas und Nordamerikas.

Monopleura Math. (Fig. 274). Schale glatt oder längsgestreift. Linke (freie) Klappe deckel- oder mützenförmig, mit 2 nahezu gleich grossen Zähnen und einer tiefen mittleren Zahngrube. Schlossplatte nach hinten zu einer Leiste verlängert, welche den hinteren Muskeleindruck trägt (Fig. 274 links). Rechte Klappe verlängert, conisch, meist spiral, mit einem sehr starken, von 2 Gruben umschlossenen Mittelzahn. Hinterer Muskeleindruck auf einer breiten Platte gelegen (Fig. 274 rechts). Ligament gewöhnlich senkrecht zum Schlossrande gestellt. In der Kreide, besonders häufig im Urgon Südfrankreichs.

M. varians Math. (Fig. 274) } } Urgon. Südfrankreich. M. trilobata d’Orb. } M. marcida White. Obere Kreide. Nordamerika. Cenoman. Böhmen. M. Marticensis Math. Unteres Senon. Südfrankreich. M. gryphoides Bayle. Oberes Senon. Südfrankreich.

Häufiger und in der Kreide Nordeuropas und Westrusslands weit verbreitet ist die verwandte Gattung Gyropleura Douv. Die Schalenoberfläche wird von schuppigen oder stacheligen Rippen verziert. Die Unterschale ist mit breiter Fläche angewachsen, ihr Schloss nach hinten gerückt, der hintere Muskeleindruck auf die Schlossplatte hinaufgeschoben und durch eine starke Leiste gestützt.

G. cenomanensis d’Orb. sp. Cenoman. Frankreich. G. Delaruei d’Orb. sp. Senon. Nordfrankreich. G. Moritzi Stromb. sp. Senon. Norddeutschland.

Fam. Caprinidae.

Schale dick, sehr ungleichklappig. Die Wirbel einer oder beider Klappen eingerollt. Ligamentfurche äusserlich bis fast innerlich. Die innere Schalenschicht der kleineren, zuweilen auch der grösseren Klappe von radialen Canälen durchzogen (Fig. 275 C k). Die 3 Gattungen dieser Familie sind auf die obere Kreide beschränkt. Europa und Nordamerika.

Plagioptychus Math. (Fig. 275 A-C). Grössere, rechte Klappe (B s) conisch verlängert, gebogen oder eingerollt, mit äusserer, bis zum Wirbel verlängerter Bandfurche (b). Kleinere Klappe (B s’, A) gewölbt, mit schwach nach vorn gebogenem Wirbel und randlichem, am hinteren Schlosszahne (A y’) endigendem, halb innerlichem Ligament. Schlossplatte sehr kräftig. Vorderzahn der kleineren (linken) Klappe (A x’) klein, Hinterzahn (A y’) gross, nach auswärts gebogen. Hinterer Muskeleindruck (A n’) auf einer Apophyse gelegen und durch eine Leiste (s’) gestützt. Vorderer Muskeleindruck (A m’) auf der Schlossplatte. Vorderer Muskeleindruck der rechten Klappe vertieft, hinterer auf einer Platte gelegen. Die dicke Innenschicht der linken Klappe wird von -- aussen weiten (C k), innen schmäleren (C h) -- Canälen durchzogen, die bei der Verwitterung als radiale Furchen (A k, B k) erscheinen.

In der Hippuritenkreide (Turon und Senon) Südeuropas häufig; auch in Nordamerika.

Pl. Aguilloni d’Orb. (Fig. 275 A-C). Gosauschichten. Salzkammergut, Südfrankreich. Pl. Haueri Tell. sp. Cenoman. Böhmen. Pl. Orcutti White sp. Obere Kreide. Californien.

Caprina d’Orb. besitzt in beiden Klappen Canäle. Die freie linke Klappe ist grösser als die rechte.

C. adversa d’Orb. Cenoman. Frankreich, Ostalpen, Böhmen.

Fam. Hippuritidae (= Rudistae).

Die Schalen der Hippuritidae gleichen einem gedeckelten Trichter. Die rechte, festgeheftete Klappe wächst kegelförmig in die Dicke und der Wirbel rückt an die Spitze des Kegels (Fig. 276 A s), die linke verflacht sich zu einem schwach convexen oder flachen Deckel (A s’). Keine der beiden Klappen ist spiral gewunden, höchstens zeigt die rechte Klappe eine schwache Krümmung (Fig. 276 A s). Die Bandfurche wird von der Schale eingeschlossen und ihre Lage ist im Inneren der rechten Klappe durch eine nach innen vorspringende Falte angedeutet (Fig. 277 B p) oder sie fehlt gänzlich. Die rechte Klappe (Fig. 277 B) zeigt in der Tiefe einen schmalen, leistenförmigen Zahn zwischen 2 Zahngruben (Fig. 277 B x-y). Die linke Deckelklappe besitzt 2 lange, conische Zähne (Fig. 277 A x’-y’); beide Muskeln derselben heften sich an vorspringende Apophysen (m’-n’). Radiale Canäle in der Deckelklappe wie bei Plagioptychus vorhanden. Die Schale ist meist sehr dick. Die äussere, prismatisch-zellige Schicht sehr leicht, wenn nicht mit Mineralsubstanz infiltrirt, die innere compact, aber leicht zerstörbar.

Diese fremdartigsten aller Muscheln wurden lange Zeit für Korallen oder Brachiopoden gehalten, bis Quenstedt ihnen die richtige Stellung anwies. Sie sind, wie die meisten Chamacea, auf die Kreide beschränkt und gehören zu den bezeichnendsten Fossilien dieser Formation. Ihre Maximalentwickelung fällt in das obere Turon, Senon und Danien (Hippuritenkreide). Ihre oft mehrere Fuss langen Schalen finden sich in Südeuropa und den Alpen zu mächtigen Bänken oder Riffen angehäuft. Sie waren Seichtwasserbewohner und liebten ähnliche Lebensbedingungen wie die Riffkorallen.

Hippurites Lmk. (Fig. 276-278). Schale dick, sehr ungleichklappig, radial gerippt oder gefurcht, seltener glatt (Fig. 276 A, B), meist mit 3, in beiden Klappen correspondirenden Furchen versehen.

Grössere, rechte Klappe (Fig. 276 A s, B s) conisch oder kreiselförmig, gerade oder gebogen, mit dem endständigen Wirbel festgeheftet. Den 3 (2) Furchen der Oberfläche entsprechen 3 (2) Vorsprünge im Inneren. Der vorderste derselben (Fig. 277 B p), bei manchen Arten fehlend, meist schmal und nach innen nicht verdickt, ist durch die Einfaltung des Ligamentes in die Schale entstanden -- Schlosskamm; entspricht der äusseren Schlossfalte. In seiner Fortsetzung nach innen liegt der schmale Leistenzahn, welcher von der vorderen (B x) und hinteren Zahngrube (B y) eingeschlossen wird. Der zweite, häufig kürzeste Vorsprung heisst Afterkamm oder vorderer Pfeiler (B q), weil er wahrscheinlich der Afteröffnung im Mantel von Chama entspricht. Er schliesst den hinteren Muskeleindruck (n) nach hinten ab. Der hintere, weiter vorspringende Pfeiler (B r) entspricht wahrscheinlich der Kiemenöffnung im Mantel von Chama und heisst Kiemenkamm. Der vordere, getheilte Muskeleindruck (B m) liegt weniger tief als der hintere (n). Der Wohnraum für das Thier (w) ist relativ klein; eine accessorische Höhlung (v) liegt über der vorderen Zahngrube (x). Der Oberrand der Schale ist nach innen abgeschrägt und mit radialen Gefässeindrücken des Mantels bedeckt. Im unteren Theile der Schale entstehen durch Aufblätterung der inneren Schalenschicht häufig Zwischenkammern, die durch Querblätter (Fig. 276 C t) geschieden sind.

Kleinere, linke Klappe (Fig. 276 A s, B s’; Fig. 277 A) deckelförmig, flach oder schwach gewölbt, mit 2 oder 3 Einbuchtungen (Fig. 276 B s’; Fig. 277 A p’, q’, r’). Oberfläche von zahlreichen kleineren Poren und zuweilen von 2 grösseren Oeffnungen durchbrochen, welche letztere in ihrer Lage den Pfeilern der anderen Klappe entsprechen. Bei der Verwitterung treten die vom mittelständigen Wirbel nach dem Umfange verlaufenden, verzweigten Canäle zu Tage (Fig. 277 A s’). Der vordere Muskeleindruck (A m’) liegt auf einem gebogenen, breiten Vorsprunge, welcher mit dem Vorderzahn (x’) verwachsen ist. Hinterzahn (y’) kürzer als der Vorderzahn. Hinterer Muskeleindruck auf einem langen, zahnförmigen Vorsprunge (n’).

Beide Klappen werden aus einer äusseren prismatischen (Fig. 278 a, a’) und einer inneren porzellanartigen, meist in späthigen Calcit umgewandelten Kalkschicht (i, i’) gebildet. Die Muskelfortsätze und Zähne bestehen aus letzterer. In der Deckelklappe verlaufen an der Grenze beider Schichten die radialen Canäle und senden aufrechte Röhren durch die Aussenschicht, welche als Poren auf der Oberfläche münden (Fig. 278 a’).

Die Gattung Hippurites ist auf die obere Abtheilung der Kreideformation beschränkt. In grösserer Häufigkeit und riffbildend trifft man sie nur vom Provencien bis zum Danien in Gesellschaft der Gattungen Plagioptychus und Radiolites. Den Kreidemeeren Mittel- und Nordeuropas waren sie fremd. Die »Hippuritenkreide« ist in den Nordalpen, Südfrankreich, Südeuropa, Kleinasien, Persien, Nordafrika verbreitet. Die häufigsten Arten sind:

H. cornu-vaccinum Gf. (Fig. 276 A; Fig. 278). } Oberes Turon } (Provencien) H. organisans Mtf. (Fig. 276 B, C). } und Senon. H. radiosus Desm. (Fig. 277). Danien. H. sulcatus Dfr. Oberes Turon (Provencien) und Senon. H. bioculatus Lmk. } } Oberes Turon (Provencien), besonders Senon. H. dilatatus Dfr. }

Radiolites Lmk. (= Sphaerulites) (Fig. 279, 280). Schale dick, verkehrt kegelförmig bis schüsselförmig. Aeussere Schalenschicht dick, innere dünn und häufig zerstört. Oberfläche der rechten (grösseren) Klappe meist schuppig-blätterig oder längsgerippt, gewöhnlich mit 2 Längsbändern (Afterband und Kiemenband), welche durch Aufbiegung der concentrischen Blätter oder andere Verzierung sich von der Schale abheben (Fig. 279 f; Fig. 280 B q, r). Zuweilen werden diese Bänder durch schwache Verdickungen der Wand im Innern der Klappe ersetzt, zu einer Bildung von Pfeilern wie bei Hippurites kommt es aber nicht. Meist ist das Ligament äusserlich durch eine Schlosseinbuchtung angedeutet (Fig. 280 p). Bandhöhlung innerlich in beiden Klappen (Fig. 280 l, l’); seltener fehlend (Biradiolites). Schloss ähnlich wie bei Hippurites; aber der vordere Muskelfortsatz der Deckelklappe (Fig. 279 A m’) vom Vorderzahne (x’) getrennt und etwa von gleicher Länge wie der hintere (n’); hinterer Muskeleindruck der grösseren Klappe (n) erhaben (nicht vertieft). Deckelklappe ohne Radialcanäle.

Die Gattung Radiolites ist wie Hippurites auf die Kreide beschränkt, scheint aber schon in der unteren Abtheilung derselben zu beginnen. Die horizontale Verbreitung ist grösser als bei Hippurites -- Nord- und Südeuropa, Nordafrika, Persien, Indien, Südamerika, Nordamerika.

? R. Blumenbachi Stud. Häufig im Urgon (Schrattenkalk) der Alpen. Verwandte Formen in Südamerika. R. foliaceus Desm. Cenoman. Frankreich. R. saxonicus Gein. Cenoman. Sachsen, Böhmen. R. (Biradiolites) cornu-pastoris Desm. (Fig. 279). Mittleres Turon (Carentonien). Südfrankreich. R. radiosus d’Orb. } } Oberes Turon (Provencien). Südfrankreich. R. Sauvagesi H. F. } R. augeoides Lap. Oberes Turon (Provencien). Südfrankreich, Gosau. R. Hoeninghausi Desm. Senon. Südfrankreich, Turkestan. R. alatus d’Orb. Senon. Südfrankreich. R. cylindraceus Desm. Danien. Südfrankreich. R. suecicus Lundgr. Danien. Dänemark.

6. Ordnung Anisomyaria (= Dysodonta).

Schlosszähne fehlen meist, wenn vorhanden, isodont oder unregelmässig. 2 sehr ungleiche oder 1 einziger, dem Hinterrande genäherter (hinterer) Muskeleindruck. Mantellinie, mit sehr seltenen Ausnahmen, einfach, oft verwischt. Band äusserlich oder innerlich.

Die Dysodonta sind schon in paläozoischen Ablagerungen vertreten. Manche der älteren Formen (Pterinea) stehen in ihrer Zahn- und Bandbildung gewissen Taxodonten (Cucullaea) nahe, andere mesozoische Formen nähern sich durch ihre Dünnschaligkeit (Pseudomonotis) gewissen Paläoconchen (Monotis, p. 239).

Die Maximalentwickelung der Ordnung fällt in das Mesozoicum und Känozoicum.

Man unterscheidet 3 Unterordnungen, jede mit mehreren Familien, die sich folgendermaassen charakterisiren lassen:

A. Schloss unsymmetrisch: Vertheilung des Ligaments und der Zähne zu beiden Seiten des Wirbels verschieden. Meist 2, sehr ungleiche Muskeleindrücke. Schale meist sehr ungleichseitig, schief (Fig. 281-289) 1. Mytilacea (Heteromyaria). B. Schloss symmetrisch: Ligament in einer centralen Grube; Zähne, wenn vorhanden, zu beiden Seiten des Bandes symmetrisch, isodont oder taxodont. Meist nur 1 (hinterer) Muskeleindruck vorhanden (Monomyaria). a. Schlossrand mehr oder weniger gerade, aber meist kurz. Schale gleichklappig oder ungleichklappig, in der Regel mit Ohren, zuweilen mit der rechten Klappe festgewachsen. Zähne zuweilen vorhanden. 2. Pectinacea. b. Schlossrand meist gebogen. Schale meist sehr ungleichklappig. Linke (grössere) Klappe in der Regel festgewachsen. Zähne fehlen. 3. Ostracea.

1. Unterordnung Mytilacea.

Schale gleichklappig oder ungleichklappig, meist sehr ungleichseitig, mit Byssus festgeheftet. Vorderer Muskeleindruck klein (selten fehlend), in der Nähe des Wirbels gelegen (Fig. 281 m), hinterer gross, vom Wirbel entfernt (Fig. 281 n). Wirbel meist nach vorn gerückt (Fig. 281 w). Ligament linear, nicht auf eine Grube unter dem Wirbel beschränkt. Folgende 2 Familien sind besonders wichtig:

Fam. Aviculidae. Schlossrand gerade. Schale meist vorn oder hinten oder beiderseits geflügelt oder geohrt. Rechte Klappe meist flacher als die linke und in der Regel mit einem Byssusausschnitt unter dem vorderen Ohr (Fig. 281 a). Zähne oft vorhanden, aber undeutlich und unsymmetrisch gestellt (Fig. 281 vz, hz). Eine äussere, prismatische Schalenschicht vorhanden. Vom Silur bis zur Gegenwart. Nur marin. Fam. Mytilidae. Schlossrand meist gebogen. Schale gleichklappig, ohne Ohren oder Flügel. Zähne kaum entwickelt. Aeussere prismatische Schalenschicht undeutlich prismatisch. Vom Silur bis zur Gegenwart. Im Meer- und Süsswasser.

Fam. Aviculidae.

Gruppe A. Ligament einfach, nicht quergetheilt.

Pterinea Gf. (Fig. 281). Schale dick, ungleichseitig, schief, vorn mit kurzem (vo), hinten mit langem, flügelartigem Ohr (ho). Oberfläche meist radial berippt und concentrisch gestreift. Bandfeld lang und breit, längsgefurcht, dem Schlossrande parallel (r). (Vgl. Arcidae p. 247.) Vor dem Wirbel einige kurze (vz), hinter demselben einige lange Leistenzähne (hz). Rechte Klappe flacher als die linke und mit einem tiefen Byssusausschnitt unter dem Vorderohr. Silur und Devon häufig.

Pt. retroflexa His. sp. } (Leth. pal., t. 14, Fig. 1). Obersilur. } Nordeuropa. Als Diluvialgeschiebe Pt. reticulata His. sp. } in Norddeutschland. Pt. fasciculata Gf. } Pt. lineata Gf. } Unterdevon. Rheinisches Pt. laevis Gf. (Fig. 281) } Schiefergebirge, Harz.

Pseudomonotis Beyr. (Fig. 282 A-C). Schale schief, rundlich oval, radial und concentrisch gestreift, geohrt (o). Linke Klappe (A) gewölbt, mit vorstehendem Wirbel, rechte Klappe (C) schwach gewölbt, flach oder concav, mit zurücktretendem Wirbel und tiefem, ein schmales, vorstehendes Byssusohr (b’) abtrennendem Byssusausschnitt, stets kleiner als die rechte (B). Ligament in einer verlängerten Grube hinter dem Wirbel. Vorderer Muskeleindruck in der Wirbelhöhlung gelegen. Zuweilen ein kleiner Schlosszahn entwickelt. Vom Devon bis in die Kreide häufig, jünger nicht bekannt.

Ps. bifida Sdb. sp. Unterdevon. Nassau. Ps. speluncaria Schl. sp. Perm. Europa, Indien, Nordamerika. Ps. Clarai Emmr. sp. Alpiner Buntsandstein (Werfener Sch.). Südalpen, Balkanhalbinsel. Ps. ochotica Keys. sp. (Fig. 282 A). Norische Stufe. Ostasien, Amerika, Neuseeland. Ps. cygnipes Y. & B. sp. Mittlerer Lias. Mitteleuropa. Ps. inaequivalvis Münst. sp. Lias. Mitteleuropa. Ps. substriata Münst. sp. Oberer Lias (Posidonien-Sch.). Mitteleuropa. Ps. Münsteri Bronn. sp. Dogger. Mitteleuropa, Südamerika. Ps. echinata Sow. sp. (Fig. 282 B). Oberer Dogger. Mitteleuropa.

Avicula Klein (Fig. 283). Schale weniger ungleichklappig als bei der vorigen Gattung. Byssusohr der rechten Klappe weniger scharf abgetrennt. Meist beiderseits abgesetzte Ohren. Ligament doppelt: ein äusseres am Schlossrande, ein inneres in einer breiten Grube. Von Pseudomonotis nicht scharf zu trennen. Von der Steinkohlenformation bis zur Gegenwart.

A. contorta Portl. (Fig. 283). Leitfossil für den oberen Keuper (Contorta-Sch.) innerhalb und ausserhalb der Alpen. A. exilis Stop. Leitfossil für den Hauptdolomit (Karnische Stufe) der Südalpen. A. Gesneri Thurm. Kimmeridge. Norddeutschland, Schweizer Jura. A. seminuda Dam. Als cenomanes Geschiebe in Norddeutschland häufig. A. phalaenacea Lmk. } } Unteres Miocän (Meeresmolasse). Schweiz. A. Studeri May. } A. margaritifera L. (Echte Perlmuschel.) Lebend. Indischer Ocean.

Aviculopecten M’Coy schliesst sich durch sein verlängertes (aber einfaches) Ligament und die schiefe Gestalt der Schale hier an. Wegen des Fehlens der äusseren prismatischen Schalenschicht wird diese Gattung auch wohl zu den Pectinacea (p. 285) gestellt. Silur -- Perm, sehr häufig in der Steinkohlenformation.

A. papyraceus Sow. sp. (Leth. pal., t. 44, Fig. 1). Steinkohlenformation. England, Deutschland.

Gruppe B. Ligament mehrfach quergetheilt, in einer Reihe zum Schlossrande senkrechter Gruben gelegen (Fig. 286 b).

Gervillia Dfr. (= Hoernesia) (Fig. 284). Schale schief verlängert, oft gekrümmt, mehr oder weniger ungleichklappig, concentrisch gestreift. Wirbel fast endständig. Ohren nur undeutlich von der Schale geschieden. Band in einer Anzahl zum Schlossrande senkrechter Gruben. Zähne mehr oder weniger entwickelt. Trias -- Eocän. Lebend nicht bekannt.

G. socialis Schl. sp. (Fig. 284). Sehr häufig im ausseralpinen Muschelkalke, seltener im unteren; sehr selten im mittleren Keuper. G. costata Schl. sp. Ausseralpiner Muschelkalk und unterer Keuper. G. bipartita Mer. Karnische Stufe (Raibler Sch.). Alpen. G. salvata Brun. Leitfossil des Hauptdolomites (Karnische Stufe) in den Alpen. G. inflata Schafh. Leitfossil für die Kössener (Gervillien-) Schichten (Rhätische Stufe) in den Alpen. G. praecursor Qu. Leitfossil für die rhätischen Schichten innerhalb und ausserhalb der Alpen. G. Hartmanni Gf. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa. G. subtortuosa Gf. Unterer Dogger (Murchison-Sch.). Mitteleuropa. G. aviculoides Sow. Oxford. Mitteleuropa. G. anceps Desh. Neocom. England, Frankreich. G. solenoides Dfr. Senon. Europa, Indien.

Inoceramus Sow. (Fig. 285; Fig. 286). Schale gleichklappig bis sehr ungleichklappig, gerundet, längs- oder queroval, ohne Ohren, aber oberer Schalenrand hinten etwas niedergedrückt. Zähne fehlen. Der gerade, kurze oder lange Schlossrand mit zahlreichen kleinen Bandgruben (Fig. 285 rechts; Fig. 286 b). Zähne fehlen. Wirbel vorstehend, zuweilen eingerollt. Oberfläche stets mit concentrischer Streifung oder Runzelung (Fig. 285 links), zuweilen auch mit Radialrippen (Fig. 286). Die Schale besteht meist nur noch aus der dicken äusseren prismatischen Schicht. Manche Arten erreichen bedeutende Dimensionen. Von der Trias bis in die jüngste Kreide, in letzterer sehr häufig und als Leitfossil weit verbreitet (Europa, Afrika, Indien, Nord- und Südamerika).

I. dubius Sow. Oberer Lias (Posidonienschiefer). Mitteleuropa. I. polyplocus Rö. Bezeichnend für die Schichten des In. p. (Brauner Jura β u. γ) in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. I. Falgeri Mer. Oberer Lias. Nordalpen. I. aucella Trd. Neocom. Russland. (»Inoceramenthon«.) I. concentricus Park. } } Gault. Mitteleuropa. I. sulcatus Park. (Fig. 286) } I. orbicularis Münst. Cenoman. Norddeutschland. I. labiatus Schl. (= mytiloides) (Fig. 285). Unterstes Turon. Norddeutschland (Mytiloides-Pläner), England, Frankreich. I. Brongniarti Sow. Mittleres und oberes Turon. Norddeutschland (Brongniarti-Pläner), Frankreich, England. I. Cuvieri Sow. Oberes Turon und unterstes Senon. Norddeutschland (Cuvieri-Pläner), Frankreich, England. I. digitatus Sow. Unterstes Senon (Emscher). Europa, Asien. I. lobatus Münst. Unteres Senon. Norddeutschland, England. I. Cripsii Mant. Senon und Danien. Europa, Asien, Nordamerika.

Fam. Mytilidae.

Mytilus Lin. (Fig. 287; Fig. 288). Schale gleichklappig, ungleichseitig, hoch und schmal, oft dreiseitig. Unterrand gerundet, Vorderrand ausgehöhlt, Hinterrand convex. Wirbel ganz oder fast endständig. Ligament verlängert, halb innerlich, am hinteren Schlossrande (Fig. 287 oben). Zuweilen kleine Kerbzähne vorhanden. Vorderer Muskeleindruck unter dem Wirbel, klein. Oberfläche concentrisch (Fig. 287) oder auch radial gestreift oder gerippt (Fig. 288). Von der Trias bis zur Gegenwart. Lebend in fast allen Meeren. Nahe verwandte Gattungen schon vom Untersilur an.

A. Wirbel endständig, meist spitz. (Mytilus.)

M. eduliformis Schl. Muschelkalk, unterer und mittlerer Keuper. Deutschland. Muschelkalk. Sardinien. M. jurensis Rö. } } Kimmeridge. Mitteleuropa. M. subpectinatus d’Orb. } M. laitmairensis de Lor. Leitfossil für die »Mytilus-Schichten« (? Oberer Dogger) in den schweizer Westalpen. M. edulis Lin. Pliocän -- Lebend. Europa. (Die essbare Miesmuschel.)

B. Wirbel nicht ganz endständig, abgerundet (Fig. 287; Fig. 288). (Modiola.)

M. minutus Gf. Rhätische Schichten innerhalb und ausserhalb der Alpen. M. cuneatus Sow. Unterer und mittlerer Dogger. } M. giganteus Qu. Mittlerer Dogger. } Mitteleuropa. M. Sowerbyi d’Orb. Dogger. } M. imbricatus Sow. (Fig. 288). Oberer Dogger. Europa, Südamerika. M. modiolus Lin. Pliocän -- Lebend. Europa.

Dreissensia v. Ben. (= Congeria) (Fig. 289). Schale mytilusähnlich (A) oder vierseitig und stark aufgebläht (B). Schloss zahnlos, zuweilen ein kleiner Zahn in der rechten Klappe. Ligament getheilt, z. Th. in einer randlichen, verlängerten Grube (B l), z. Th. in einer drei- oder viereckigen Grube unter dem Wirbel (B x) gelegen. Letztere ist in eine scheidewandartige Platte ausgehöhlt, an deren hinterem Ende der vordere Muskeleindruck (B m) sich befindet. Hinterer Muskeleindruck verlängert. Vorderrand mit Byssusspalte.

Lebend im Brack- und Süsswasser in Europa, Asien, Afrika und Amerika. Fossil sehr häufig im Neogen, oft ganze Bänke bildend.

Dr. unguiculus Sandb. Oligocän. England, Belgien. Dr. Basteroti Desh. sp. Oberoligocän. Frankreich, Schweiz, Süddeutschland. Dr. Brardi Fauj. sp. (Fig. 289 A). Untermiocän. Mainzer Becken. Dr. amygdaloides Dkr. } } Obermiocän. Süddeutschland. Dr. clavaeformis Krauss } Dr. subglobosa Partsch sp. } } Unterpliocän (»Congerienschichten«). Dr. triangularis Partsch sp. } Osteuropa. Dr. polymorpha Pall. Lebend. Südosteuropa; von dort aus in alle europäischen Flüsse verschleppt.

2. Unterordnung Pectinacea.

Schale gleichklappig oder ungleichklappig, gleichseitig oder schief, mit ganz oder nahezu mittelständigem Wirbel, frei oder nur mit Byssus festgeheftet, selten festgewachsen. Schlossrand gerade. Ohren in der Regel entwickelt. Band central. Bezahnung, wenn vorhanden, taxodont oder isodont. Band unter dem Wirbel gelegen. Mit seltener Ausnahme ein einziger (hinterer) Muskeleindruck, dem hinteren Schalenrande genähert. Im Paläozoicum noch selten, vom Mesozoicum bis in die Gegenwart sehr häufig und jetzt in zahlreichen Formen in allen Meeren verbreitet. Nur marin.

A. Schlosszähne fehlen oder, wenn vorhanden, taxodont. Schale gleichklappig, nicht festgewachsen.

Lima Brug. (Fig. 290; Fig. 291). Schale ganz oder nahezu gleichklappig, beiderseits geohrt, schief (nach vorn verlängert). Hinteres Ohr grösser als das (oft sehr kleine) vordere. Unter dem vorderen Ohr ein Spalt. Oberfläche mit radialen Rippen (Fig. 290) und concentrischen Streifen, seltener glatt (Fig. 291). Unter dem Wirbel eine Area mit dreieckiger, halb innerlicher Bandgrube (Fig. 290 B l). Zuweilen kleine Kerbzähne neben derselben (Limea).

Wenige Arten in jung-paläozoischen Schichten, sehr häufig im Jura, namentlich in der Kreide, später selten werdend. Etwa 20 lebende (freischwimmende) Arten.

a. Schale mit geraden Radialrippen.

L. striata Schl. sp. (Fig. 290 A, B). Sehr häufig im deutschen Muschelkalke, namentlich im oberen. Auch auf Sardinien. L. pectinoides Sow. sp. Unterer Lias (α und β). Mitteleuropa. L. duplicata Sow. } } Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa. L. gibbosa Sow. } L. cardiiformis Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa. L. ovata Rö. } } Senon. Norddeutschland, Frankreich. L. semistriata Desh. }

b. Schale mit welligen Rippen oder glatt.

L. lineata Schl. sp. Häufig im unteren, seltener im oberen Muschelkalke. Deutschland. L. succincta Schl. sp. Unterer Lias (α). Mitteleuropa. L. gigantea Sow. sp. (Fig. 291). Unterer Lias (α). Mitteleuropa. Sehr grosse Muschel. L. semiornata d’Orb. Cenoman. } } Mittel- und Nordeuropa. L. Hoperi Mant. sp. Senon. }

Limea Bronn. unterscheidet sich durch den Besitz von Kerbzähnen zu beiden Seiten des Ligaments.

L. acuticosta Gf. Mittlerer Lias. Mitteleuropa. L. duplicata Gf. Oberer Dogger. Mitteleuropa.

Ctenostreon Eichw. (Fig. 292) ist durch eine sehr dicke, mit kräftigen, schuppigen Rippen bedeckte Schale und grosse, fast gleiche Ohren ausgezeichnet. Vielleicht zu den Aviculiden (p. 280) zu stellen. Jura und Kreide.

Ct. proboscideum Sow. sp. (Fig. 292). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa. Nahe verwandte Formen bis in die Kreide.

B. Zähne fehlen, Schale meist ungleichklappig, nicht festgewachsen.

Pecten (Fig. 293-295). Schale frei oder mit Byssus festgeheftet, meist ungleichklappig durch verschiedene Grösse, Wölbung oder Verzierung der beiden Klappen; selten gleichklappig. Wirbel mittelständig. Umriss kreisrund oder oval. Das vordere Ohr meist grösser als das hintere. Unter dem vorderen Ohr der rechten Klappe in der Regel ein Ausschnitt für den Byssus. Ligament innerlich, in einer dreieckigen Grube unter den Wirbeln. Muskeleindruck nahezu mittelständig. Schalenoberfläche sehr mannigfaltig: glatt, concentrisch gestreift, radial gerippt oder gefaltet. Im Paläozoicum noch selten, von der Trias an häufig, vom Jura an gemein. Fast 200, meist schwimmende Arten, lebend in allen Meeren (Kammmuschel).

Es lassen sich zahlreiche Gruppen oder Untergattungen unterscheiden, deren wichtigste folgende sind:

A. Schale glatt oder nur concentrisch gestreift (Fig. 294 A, B; Fig. 295 A). Perm -- Gegenwart.

a. Innenseite der Schale ohne Radialrippen (Fig. 295).

P. discites Schl. sp. } Häufig im oberen Muschelkalk, selten im } unteren und im unteren Keuper. P. laevigatus Schl. sp. } Deutschland. P. Hehli d’Orb. Unterer Lias (α). Mitteleuropa. P. liasinus Nyst. Mittlerer Lias. Mitteleuropa. P. disciformis Schübl. (Fig. 295 A). Unterer und mittlerer Dogger. Mitteleuropa. P. crassitesta Rö. Neocom. England, Norddeutschland, Frankreich. P. laminosus Mant. } } Cenoman. Mittel- und Nordeuropa. P. orbicularis Sow. } P. similis Lmk. Pliocän -- Lebend. Nordeuropa.

b. Innenseite der Schale mit radialen Rippen, die auf dem Steinkerne als Furchen erscheinen (Fig. 294 A, B).

P. incrustatus Dfr. Oberer Lias (ε). Mitteleuropa. P. pumilus Lmk. (= personatus Gf.) (Fig. 294 A, B). Unterer und mittlerer Dogger. Mitteleuropa, Südamerika. P. alpinus d’Orb. Neocom. Alpen, Südfrankreich. P. cristatus Bronn. sp. Miocän. Europa, Nordafrika. P. pleuronectes Lin. Lebend. Südsee.

B. Oberfläche mit feinen, nach den Seitenrändern zu divergirenden, punktirten Furchen. Nur Jura und Kreide.

P. lens Sow. Im ganzen Dogger, namentlich im mittleren und oberen. Europa, Südamerika. Personaten-(= Murchisonae-)Sandstein. P. striato-punctatus Rö. Neocom. Norddeutschland, Frankreich. P. divaricatus Rss. Cenoman. Europa, Indien. P. virgatus Nils. Senon. Nordeuropa.

C. Oberfläche mit gröberen radialen Rippen verziert. Trias -- Gegenwart.

P. textorius Schl. Unterer Lias (α). Europa. P. aequivalvis Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa. P. vagans Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa. P. fibrosus Sow, Callovien. Mitteleuropa. P. vimineus Sow. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa. P. subarmatus Mnstr. Oxford. Mitteleuropa. P. asper Lmk. (Fig. 293). Leitmuschel für das untere Cenoman in Mitteleuropa. P. Beaveri Sow. Cenoman. Europa. P. muricatus Gf. } } Senon. Mitteleuropa. P. cretosus Dfr. } P. plebejus Lmk. Eocän. England, Frankreich. P. pictus Gf. Oligocän. Mittel- und Nordeuropa. P. palmatus Gf. } } P. Burdigalenis Lmk. } Häufig im Miocän Mittel- und Südeuropas. } P. latissimus Brocch. } P. opercularis Lin. sp. Pliocän -- Lebend. Europa.

D. Die beiden Klappen sehr ungleich, radial gerippt. Rechte Klappe hoch gewölbt, linke flach. Lias -- Gegenwart, hauptsächlich in der Kreide -- Vola (= Janira).

P. alatus Buch. Leitfossil für den südamerikanischen Lias. P. atavus Rö. (Fig. 295 B). Neocom. Europa. P. aequicostatus Lmk. Cenoman. Europa. P. quinquecostatus Sow. } } Obere Kreide. Europa. P. quadricostatus Sow. }

Hinnites Dfr. zeichnet sich durch unregelmässige Berippung aus. Die rechte Klappe ist im Alter festgewachsen. Trias -- Gegenwart, häufig im Jura.

H. comptus Gf. sp. Muschelkalk. Deutschland. H. abjectus Phill. sp. Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa. H. velatus Gf. sp. Malm. Mitteleuropa.

C. Schale ungleichklappig, mit dem Wirbel der rechten Klappe aufgewachsen. Haken- oder leistenförmige, symmetrisch vertheilte Schlosszähne vorhanden.

Plicatula Lmk. (Fig. 296 A, B). Schale flach, im Umriss dreieckig, nach hinten verbreitert, unregelmässig verziert (concentrisch und radial). Ohren fehlen. Rippen oft schuppig oder stachelig. Area schwach entwickelt. Rechte Klappe etwas grösser als die linke. Das dreieckige, innerliche Ligament wird in der rechten Klappe (B l) von 2 divergirenden Leistenzähnen, in der linken von den entsprechenden Zahngruben eingefasst. Die Leistenzähne der linken Klappe umfassen die der rechten, werden aber ihrerseits oft noch von einem Paare äusserer Zähne der rechten (B) eingeschlossen. Muskeleindruck dem Hinterrande genähert. Vom Trias bis zur Gegenwart. Lebend in wärmeren Meeren.

Pl. spinosa Sow. (Fig. 296 A, B). Mittlerer (selten oberer) Lias. Mitteleuropa. Pl. tubifera Lmk. Oxford. Mitteleuropa. Pl. placunea Lmk. Aptien. Mitteleuropa, Spanien. (»Argile à Plicatules«.) Pl. radiola Lmk. Albien. Mitteleuropa. Pl. aspera Lmk. Senon. Mitteleuropa. Pl. cristata Lmk. Lebend. Westindien. Pl. intusstriata Emmr. Rhät. Nord- und Südalpen.

Spondylus Lin. (Fig. 297 A-C). Schale meist dick, mit stacheligen oder schuppigen Radialrippen verziert (A). Wirbel auseinander gerückt. Beiderseits mit Ohren (A o). Rechte Klappe grösser und mit grösserer Area (B a) als die (freie) linke (C a’). Ligament median, in einer Längsgrube, z. Th. innerlich (B li, C li’), z. Th. äusserlich (B le, C le’). Bezahnung isodont, wie bei Plicatula, aber die Zähne hakenförmig, nach aufwärts gekrümmt, 2 in jeder Klappe (B x, C y’). Muskeleindruck etwas nach hinten gerückt. Vom oberen Jura bis zur Gegenwart, häufig von der Kreide an. Lebend nur in den wärmeren Meeren, meist Korallenriffe bewohnend.

Sp. aculeïferus Ziet. Oberer Malm. Mitteleuropa. Sp. striatus Sow. sp. } } Cenoman. Mitteleuropa. Sp. hystrix Gf. } Sp. truncatus Gf. Unteres Senon. Mitteleuropa. Sp. spinosus Sow. sp. (Fig. 297 A). Turon und Senon. Mitteleuropa. Häufig. Sp. radula Lmk. Eocän. Mittel- und Südeuropa. Sp. tenuispina Sdb. (Fig. 297 B, C). Oligocän. Mitteleuropa. Sp. crassicosta Lmk. Miocän. Mittel- und Südeuropa. Sp. gaederopus Lin. Lebend. Mittelmeer.

3. Unterordnung Ostracea.

Schale meist dick, blätterig, ungleichklappig, verlängert, in der Regel mit der grösseren (linken) Klappe festgewachsen. Schlossrand gerundet, ohne Zähne. Ligament innerlich, unter dem mehr oder weniger mittelständigen, oft gebogenen Wirbel gelegen (Fig. 298 lg). Mantellinie meist undeutlich. Muskeleindruck etwas hinter der Mitte gelegen (Fig. 298 n). Meeresbewohner (gelegentlich auch im Brackwasser), die vom Silur bis zur Trias selten, vom Jura an ausserordentlich häufig sich finden und ihre stärkste Entwickelung in der Kreide besitzen.

Die Familie der Anomidae zeichnet sich durch dünne Schalen aus, die sich mit der rechten Klappe festheften oder mit derselben aufliegen. Vom Jura an entwickelt.

Die Schalen der Ostreidae sind meist dick und in der Regel mit der linken Klappe festgewachsen. Der wichtigste Vertreter dieser Familie ist die Gattung:

Ostrea L. (Auster) (Fig. 298-303). Schale oft unregelmässig, dick, ungleichklappig. Die aufgewachsene, sehr selten freie (linke) Unterklappe grösser und stärker gewölbt, als die flachere (rechte) Deckelklappe (Fig. 301 s, s’). Schale stets ungleichseitig, weil nach hinten zu ausgezogen (Fig. 298). Wirbel fast oder ganz mittelständig, mehr oder weniger vorstehend, oft gekrümmt (Fig. 301 u) oder seitwärts spiral gedreht (Fig. 302 u) (bald nach vorn, bald nach hinten). Ligamentgrube (Fig. 298 lg) verlängert, dreieckig. Muskeleindruck hinter der Mitte (Fig. 298 n). Die Oberfläche der Schale ist glatt, gestreift oder gerippt; die concentrische Anwachsstreifung meist sehr deutlich. Manche Austernschalen werden bis über 0,5 m lang und mehrere cm dick. Man trifft sie fossil und lebend in der Regel zu Bänken angehäuft (Austernbänke). Ihre hohe Bedeutung als Leitfossilien wird durch die Häufigkeit und gute Erhaltung der meisten Arten bedingt.

Manche präjurassische austernartige Muscheln sind mit der rechten Klappe aufgewachsen und werden meist an Spondylus angeschlossen (Terquemia Tate). Echte Austern werden erst im Jura häufig. Man kennt ca. 500 fossile und ca. 100 lebende Arten. Am häufigsten sind sie in Jura und Kreide.

Mehrere Untergattungen werden unterschieden:

A. Wirbel gerade, nicht gekrümmt oder eingerollt. Schale glatt oder gerippt (Fig. 298, 299) Ostrea. B. Wirbel der (linken) gewölbten Klappe gekrümmt. Rechte Klappe flach, mit kaum hervortretendem Wirbel. Schale ungerippt, im Alter oft frei (Fig. 300, 301) Gryphaea. C. Wirbel (einer oder beider Klappen) seitwärts gedreht. Schale glatt, gestreift oder gerippt, gewöhnlich frei (Fig. 302, 303) Exogyra.

Ostrea Lin. s. st. Steinkohlenformation -- Gegenwart.

A. Beide Klappen mit Rippen oder Falten (Alectryonia).

O. montis-caprilis Klipst. Norische Stufe (Wengener Sch.). Südtirol. O. Haidingeri Emmr. Rhätische Schichten. Alpen. O. flabelloides Lmk. (Fig. 299). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa. O. Marshi Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa. O. costata Sow. } } Oberer Dogger. Mitteleuropa. O. Knorri Voltz. } O. gregaria Sow. Oxford. Westeuropa. O. rastellata Mnstr. Dogger und Malm. Mitteleuropa. O. macroptera Sow. Neocom. England, Frankreich, Norddeutschland, Schweiz. O. Boussingaulti d’Orb. Grenzschichten der unteren und oberen Kreide. Südwesteuropa, Südamerika. O. carinata Lmk. Cenoman. Europa, Indien. Obere Kreide. Texas. O. diluviana Lin. Cenoman, seltener Turon. Europa, Indien, Texas. O. frons Park. Senon. Frankreich, Holland, Schweden. O. larva Lmk. Senon und Danien. Europa, Nordamerika, Indien. O. plicatula Gmel. Miocän -- Lebend. Südeuropa. O. crista galli Lmk. Lebend. Indischer Ocean.

B. Unterklappe gefaltet, Deckelklappe glatt.

O. bellovacina Lmk. Untereocän. England, Frankreich. O. flabellula Lmk. Mitteleocän. England, Frankreich, Belgien, Indien. O. cyathula Lmk. Oligocän. Mitteleuropa. O. Gingensis Schl. sp. (Fig. 298) } Miocän, Pliocän. Mittel- und O. digitalina Dub. } Südeuropa. O. edulis L. Lebend. Europäische Meere.

C. Beide Klappen ohne Falten oder Rippen.

O. explanata Gf. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa. O. deltoidea Sow. Oberer Malm (Kimmeridge). Mitteleuropa. O. acuminata Sow. Oberer Dogger (Leitfossil für die Oolith-Facies). Westeuropa. »Acuminata-Schichten«. O. biauriculata Lmk. Cenoman. Frankreich. O. gigantea Brand. Mitteleocän. Westeuropa, Indien. O. longirostris Lmk. Oligocän. England, Frankreich. O. callifera Lmk. Leitfossil für das Oligocän in Westeuropa. O. crassissima Lmk. Bis 0,6 m lang. Miocän. Europa, Kleinasien.

Gryphaea Lmk. (Fig. 300, 301). Lias -- Gegenwart.

G. arcuata Lmk. (Fig. 300). Unterer Lias (α). Mitteleuropa, Westalpen. G. obliqua Gf. Unterer Lias (β). Mitteleuropa. Seealpen. G. cymbium Lmk. Mittlerer Lias. Mitteleuropa. G. ferruginea Terq. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Lothringen, Frankreich. G. calceola Ziet. Unterer Dogger (Murchisonae-Sch.). Mitteleuropa, Nordamerika, Südamerika. G. sublobata Desh. Unterer Dogger (Sowerbyi-Sch.). Mitteleuropa. G. dilatata Sow. Oxford, Mitteleuropa. G. Pitcheri Mort. Häufig im Senon Nordamerikas. G. vesicularis Lmk. (Fig. 301). Obere Kreide, hauptsächlich Senon. Ueber die ganze Erde verbreitet. G. Brongniarti Br. Eocän und Oligocän. Nordalpen, Südeuropa. G. cochlear Poti. Miocän -- Lebend. Mittel- und Südeuropa.

Exogyra Say. (Fig. 302, 303). Lias -- Senon.

E. reniformis Gf. Oxford. Mitteleuropa. E. Bruntrutana Thur. Oberer Malm. Mitteleuropa. E. virgula Dfr. (Fig. 303). Kimmeridge (»Virgula Stufe«). Mitteleuropa. E. spiralis Rö. Neocom. Mitteleuropa. E. sinuata Sow. Neocom. Mitteleuropa, Südamerika. E. aquila Brongn. Aptien. Mitteleuropa, Nordamerika. E. lateralis Nils. Gault -- Senon. Europa, Indien. E. columba Lmk. (Fig. 302). Cenoman und Turon. Mittel- und Südeuropa, Indien. E. conica Sow. Cenoman. Mittel- und Südeuropa. E. haliotoidea Sow. sp. Cenoman. Europa, Indien. E. Owerwegi Sow. Cenoman. Nordafrika. E. Matheroni d’Orb. Senon (Hippuritenkreide). Südeuropa. E. costata Say. Senon. Nordamerika.

Geologische Verbreitung der Lamellibranchiata.

Ueber das Vorkommen der Zweischaler in cambrischen Schichten liegen nur dürftige Angaben vor. Im Silur finden wir aber bereits Vertreter mehrerer Ordnungen derselben. Abgesehen von den in paläozoischen Schichten reichlich entwickelten Palaeoconchae treten schon im Untersilur echte Taxodonta und Heteromyaria auf. Im Obersilur erscheinen Formen mit typisch heterodontem Schlosse und ihnen gesellen sich im Devon die ersten Schizodonta zu. Monomyaria sind aus Silur und Devon nur unvollkommen bekannt; erst in der Steinkohlenformation werden sie von Bedeutung.

In der Trias überwiegen neben Paläoconchen Heteromyaria, Schizodonta und gewisse integripalliate Conchacea (Megalodontidae) über die anderen Ordnungen. Je weiter wir in der mesozoischen Schichtenfolge aufsteigen, desto stärker treten Heterodonta, Monomyaria und Desmodonta in den Vordergrund, während die Schizodonta in der oberen Kreide bereits zurücktreten und die Palaeoconchae daselbst gänzlich verschwinden. Unter den Heterodonta herrschen die Chamacea zur Zeit des oberen Jura und der Kreide, die Sinupalliata stehen gegen die Integripalliata noch zurück. Unter den Desmodonta herrschen die Gattung Pholadomya und ihre Verwandten vor.

Im Känozoicum spielen Schizodonta, Chamacea und Heteromyaria nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Charakter der Fauna wird durch das Hervortreten der Conchacea, namentlich der sinupalliaten, in erster Linie bestimmt. Daneben sind Desmodonta, Monomyaria und Taxodonta, welch’ letztere kaum eine wesentliche Abnahme seit der Silurzeit aufweisen, reichlich entwickelt.

Süsswassermuscheln finden sich seit der Devonzeit. Bis zur oberen Kreide sind ihre Reste aber relativ spärlich. Die erste reichhaltige Fauna erscheint in den Grenzschichten zwischen Kreide und Tertiär in Nordamerika (Laramie-Gruppe). Die tertiären Süsswasserbildungen sind reich an Vertretern der Unionidae und Cyrenidae, der noch heute dominirenden Süsswassermuscheln.

Die geologische Verbreitung der wichtigsten Gattungen ist in nachfolgender Tabelle zusammengestellt.

+---------------+-----+-----+-------------+-----+-----+------+-------+ | |Silur|Devon|Steinkohlenf.|Trias| Jura|Kreide|Tertiär| | | | | und | | | | und | | | | | Perm | | | | Lebend| +---------------+-----+-----+-------------+-----+-----+------+-------+ | Monotis | | | | ... | ? | | | | Daonella | | | | --- | | | | | Halobia | | | | --- | | | | | Pholadomya | | | | | --- | ... | ... | | Arca | ... | ... | | ... | ... | ... | ... | | Pectunculus | | | | | | ... | --- | | Nucula | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | | Schizodus | | ... | ... | | | | | | Myophoria | | | | --- | | | | | Trigonia | | | | | --- | --- | ... | | Cyprina | | | | | ... | --- | ... | | Cyrena | | | | ... | ... | ... | --- | | Astarte | ... | ... | | ... | --- | --- | ... | | Cardita | | | | ... | ... | ... | --- | | Cardinia | | | | ... | --- | | | | Unio | | | | | ... | ... | --- | | Megalodon | | ... | | --- | ... | | | | Venus | | | | | ... | ... | --- | | Diceras | | | | | --- | | | | Requienia | | | | | | --- | | | Chama | | | | | | | --- | | Monopleura | | | | | | --- | | | Plagioptychus | | | | | | ... | | | Hippurites | | | | | | --- | | | Radiolites | | | | | | --- | | | Pterinea | --- | --- | | | | | | | Pseudomonotis | | ... | ... | --- | --- | ... | | | Avicula | | | ... | ... | ... | ... | --- | | Aviculopecten | ... | ... | --- | | | | | | Gervillia | | | | --- | ... | ... | | | Inoceramus | | | | ... | ... | --- | | | Mytilus | | | | ... | ... | ... | ... | | Lima | | | ... | ... | --- | --- | ... | | Pecten | | | ... | ... | --- | --- | --- | | Ostrea | | | ... | ... | --- | --- | --- | | Gryphaea | | | | | --- | --- | ... | | Exogyra | | | | | ... | --- | | +---------------+-----+-----+-------------+-----+-----+------+-------+

2. Klasse: Scaphopoda.

Die Scaphopoda oder Grabfüssler unterscheiden sich von allen höher organisirten Mollusken durch das Fehlen eines gesonderten Kopfes, von den Lamellibranchiata durch den Besitz von Zunge und Kiefer, insbesondere aber durch die einfache, röhrenförmige, an beiden Enden geöffnete Kalkschale, welche niemals fehlt (Fig. 304). (Die scheinbar ähnlichen, röhrenförmigen Gehäuse mancher Würmer und Schnecken sind am hinteren Ende in der Regel geschlossen.) Ausschliesslich marine Thiere, die in der Nähe der Küsten im Sande oder Schlamme leben, aber auch in den abyssischen Regionen (über 500 m) recht häufig vorkommen. Fossil schon seit der Silurzeit bekannt, aber erst im Tertiär häufig.

Dentalium L. (Fig. 304). Die schwach gebogene Röhre verschmälert und verengt sich nach hinten allmählich und besitzt häufig auf der Convexseite des Hinterrandes einen kürzeren oder längeren Schlitz. Die Oberfläche ist glatt oder mit Längsrippen oder -streifen verziert, oft durch Anwachsstreifen quergerunzelt. Vom Silur an bekannt, vom Tertiär an häufig. Die älteren Formen meist ungerippt.

A. Schale glatt.

D. antiquum Gf. Mitteldevon. Eifel. D. ingens d. Kon. Subcarbon. Belgien. D. laeve Schl. Unterer und oberer Muschelkalk. Deutschland (»Dentalienbank« des Wellenkalks). D. Parkinsoni Qu. Häufig im »Dentalienthone« des oberen Dogger (Br. J. ε) in Schwaben. D. Mosae Mtf. sp. Oberste Kreide (Danien). Holland, Schonen. D. entale Lin. Jungtertiär und Lebend. Europa.

B. Schale längsgerippt.

D. Kickxii Nyst. Oligocän. Mitteleuropa. D. sexangulare Lmk. (Fig. 304). Im Neogen Südeuropas häufig. D. elephantinum Lin. Jungtertiär und Lebend. Südeuropa.

3. Klasse: Gastropoda (Bauchfüssler, Schnecken).

Litteratur über Gastropoda.

(Vergl. p. 228, 229.)

Bellardi, L. I Molluschi de terreni terziari del Piemonte e della Liguria. Parte I-III. Torino 1872-1882.

Cossmann. Contributions a l’étude de la Faune de l’Étage Bathonien en France (Gastropodes). (Mém. soc. géol. France. IIIᵉ sér., tom. III, 3, 1885.)

Hoernes, R. Die fossilen Mollusken des Wiener Tertiärbeckens. Bd. I. Univalven (Abb. d. k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. III. Wien 1856.)

de Koninck. Faune du Calcaire carbonifère de la Belgique, IIIᵉ et IVᵉ partie. 1881-1883. (Annales du Musée royal d’histoire naturelle de Belgique.)

Lindström, G. On the silurian Gastropoda and Pteropoda of Gotland. (Kongl. Svenska Vet. Ak. Handl. Bd. XIX, No. 6. 1884.)

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Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. VII. Gasteropoden. Leipzig 1881-84.

Stoliczka, F. Cretaceous Fauna of Southern India. II. The Gasteropoda (Memoirs of the Geolog. Survey of Southern India. Palaeontologica Indica). Calcutta 1868.

Waagen, W. Salt-Range fossils. I. Productus Limestone fossils. 2 Gastropoda. (Memoirs of the geol. Survey of India. Palaeontologica Indica. Ser. XIII.) Calcutta 1880.

Zekeli, F. Die Gasteropoden der Gosau-Gebilde in den nordöstl. Alpen (Abh. d. k. k. geol. Reichsanstalt. Bd. I. 1852). Bemerk. dazu von Reuss, A., und Stoliczka, F. (Sitzb. d. k. k. Akad. d. W. in Wien. 1853 und 1865).

Zittel, K. A. Die Gastropoden der Stramberger Schichten (Mitth. aus d. Mus. d. k. bay. Staates. Bd. II, Abth. 3. 1873).

Die Schnecken sind nackte oder beschalte Weichthiere mit gesondertem Kopfe und einem bauchständigen Fusse (daher der Name Gastropoda). Sie leben z. Th. im Wasser, z. Th. auf dem Lande und athmen theils durch Kiemen, theils durch Lungen. Die Mehrzahl der Schnecken besitzt die Fähigkeit, ein kalkiges Gehäuse (Schale) abzusondern, welches in der Regel äusserlich liegt, so dass das Thier sich in dasselbe ganz oder theilweise zurückziehen kann, seltener befindet sich die rückgebildete Schale in der Körperhaut versteckt. Das Gehäuse ist ähnlich zusammengesetzt wie die Schale der Lamellibranchiata; eine -- oft fehlende -- äussere, hornige Lage (Oberhaut) bedeckt die eigentliche Schale. Letztere besitzt meist eine porzellanartige Beschaffenheit; zuweilen ist die innerste Lage perlmutterartig. Der kohlensaure Kalk ist vorwiegend als Aragonit vorhanden und dies ist der Grund der relativ leichten Zerstörbarkeit der Schneckenschalen, die in den älteren Formationen entweder in Calcit umgewandelt oder gänzlich aufgelöst sind.

Die für die Unterscheidung der fossilen Schnecken allein verwerthbare Schale besteht nur in den seltensten Fällen aus mehreren (8) Stücken (Placophora), vielmehr gewöhnlich nur aus einem einzigen Stücke. Zweiseitig symmetrische [und dann in der Regel napfförmige (Fig. 312) oder spiral in einer Ebene aufgerollte (Fig. 311)] Schalen gehören zu den seltenen Erscheinungen. Die in der Anlage vorhandene zweiseitige Symmetrie des Thieres und der conisch röhrenförmigen Schale wird vielmehr in der Regel dadurch gestört, dass sie sich spiral um eine Achse wickeln unter fortwährender Verschiebung der Aufrollungsebene nach einer und derselben Richtung (von hinten nach vorn). Der zuerst gebildete Theil der Schale -- Spitze (Fig. 305 sp’) -- ist geschlossen, der zuletzt entstandene -- Basis (Fig. 305 b) -- besitzt eine Oeffnung, Mündung (Fig. 305 M) genannt, aus welcher das Thier Fuss, Kopf und einen Theil des Mantels hervorstrecken kann. Für die Betrachtung wird die Schale gewöhnlich derart gestellt, dass die Spitze nach oben, die Basis nach unten gerichtet ist, und der Beschauer die Mündung in ihrer ganzen Breite übersieht (Fig. 306, 307 A). Die Ausdehnung der Schale in der Richtung der Aufrollungsachse heisst Länge oder Höhe (Fig. 305 B h-h), die grösste dazu senkrechte Ausdehnung Dicke oder Breite (Fig. 305 B b-b). Man bezeichnet die Schale als links gewunden, wenn bei der erwähnten Stellung derselben die Mündung links von der Achse gelegen ist (Fig. 306), im entgegengesetzten, häufigeren Falle als rechts gewunden (Fig. 305; Fig. 307 A, B). Die einzelnen Windungen der Schale (Umgänge) wickeln sich in sehr verschiedenartiger Weise um die Aufrollungsachse, wodurch eine grosse Mannigfaltigkeit der Gesammtform hervorgerufen wird. Die hauptsächlichsten Abänderungen der spiral gewundenen Schale sind folgende:

Die Schale ist:

1. walzenförmig (die Umgänge nehmen nach unten nur wenig an Dicke zu) (Fig. 393); 2. thurmförmig oder verlängert (zahlreiche, langsam und regelmässig an Dicke zunehmende Umgänge) (Fig. 314, 317); 3. eiförmig (Gewinde kurz, letzter Umgang mehr oder weniger oval) (Fig. 329); 4. spindelförmig (Schale beiderseits zugespitzt) (Fig. 305); 5. kegelförmig (regelmässig conisch mit platter Grundfläche) (Fig. 325); 6. kreiselförmig (regelmässig conisch mit convexer Grundfläche) (Fig. 320); 7. kugelig (Gewinde niedrig, letzter Umgang sehr breit) (Fig. 307 A); 8. mützenförmig (Gewinde kurz oder fast fehlend, letzter Umgang trompetenartig erweitert) (Fig. 313); 9. niedergedrückt (Gewinde kaum hervorragend, Umgänge regelmässig an Weite zunehmend) (Fig. 319); 10. scheibenförmig (Umgänge nahezu in einer Ebene liegend, Gewinde von der Seite nicht sichtbar) (Fig. 327).

In seltenen Fällen werden die Windungen ganz unregelmässig, wodurch Formen entstehen, die manchen Serpulaschalen (Fig. 118 D) zum Verwechseln ähnlich sehen.

Die Schneckenschale umschliesst für gewöhnlich eine einfache Höhlung, die dem Thiere als Wohnraum dient. Der Eingeweidesack des Thieres liegt in dem hinteren Theil der Schalenhöhlung, dem Gewinde (Fig. 305 g) versteckt, Kopf und Fuss können in den letzten Umgang der Schale (Fig. 305 u) zurückgezogen werden. Zuweilen liegt aber ein Theil des Mantels ausserhalb der Schale und auf diese zurückgeschlagen. Der zuerst gebildete, vom Thiere nicht mehr bewohnte Theil der Schalenhöhlung wird häufig durch kalkige Querblätter von dem Wohnraum abgeschieden oder auch durch compacte Kalksubstanz ausgefüllt (Fig. 305 u’).

Meist wickeln sich die Umgänge in der Richtung der Achse fest um einander und bilden eine solide Säule, die Spindel oder Columella (Fig. 305 sp). Die Spindel wird nur an der Innenseite der Mündung von aussen sichtbar, ebenso die spiralen Wülste, welche häufig auf der Spindel verlaufen und Spindelfalten oder schlechtweg Falten genannt werden (Fig. 305 f). Berühren sich die Windungen in der Achse der Schale nicht, so entsteht ein engerer oder weiterer, conischer, gegen unten verbreiterter und sich öffnender Hohlraum, Nabel (Fig. 307 B n’). Wird derselbe nachträglich von einer schwieligen Verdickung verschlossen, so spricht man von einer Nabelschwiele (Fig. 322). Die äusserlich gewöhnlich durch Vertiefungen bezeichnete Grenze der Umgänge heisst Naht (Fig. 308 n).

Die Mündung der Schale wechselt in ihrem Umriss ausserordentlich: sie kann kreisrund (Fig. 386), halbmondförmig (Fig. 310 A), eiförmig (Fig. 324 A), linear (Fig. 328) etc. sein. Nur selten bildet der Mundrand oder -saum ein geschlossenes Ganzes -- zusammenhängender Mundrand (Fig. 324) --, meist trennt sich der Aussenrand (Aussenlippe -- Fig. 310 A a) vom Innen- oder Spindelrande (Innenlippe -- Fig. 310 A i). An Stelle des fehlenden Innenrandes können die vorletzte Windung oder die Spindel treten (Fig. 326). Die Trennung der beiden Ränder tritt dann besonders scharf hervor, wenn die Mündung sich nach unten (vorn) in eine kürzere oder längere Rinne (Ausguss oder Canal -- Fig. 308 c) verlängert, welche die Athemröhre aufnimmt, oder wenn gar eine Rinne am oberen (hinteren) Ende der Mündung auftritt (Fig. 308 c’). Der Innenrand legt sich meist fest an die vorletzte Windung oder die Spindel an. Der Aussenrand verläuft gerade, d. h. in der Fortsetzung des letzten Umganges (Fig. 325), er kann aber auch nach innen eingerollt, nach aussen umgeschlagen (Fig. 314 a), zuweilen flügelartig ausgebreitet (Fig. 368) und dann auch wohl fingerförmig zertheilt sein (Fig. 369). Auf Innen- wie Aussenlippe treten Verzierungen, als Zähne (Fig. 310 A z), Runzeln oder Falten auf. Die Verzierungen der Schalenoberfläche (Skulptur genannt) wie Wülste, Rippen, Streifen, Furchen, Stacheln, Höcker etc. verlaufen entweder den Nähten parallel, also spiral -- Spiralverzierungen (Fig. 308 s, 309, 310 A) -- oder senkrecht dazu -- Querverzierungen (Fig. 315). Die bei lebenden Schnecken (namentlich Meeresschnecken) zur Artunterscheidung gut verwerthbaren Farbenzeichnungen finden sich bei den fossilen in der Regel nicht mehr erhalten. Die Schalen der Süsswasserschnecken sind an ihrer (durch Bacterien) angefressenen Spitze und der grünen oder schwarzen (zuweilen auch bei meerischen Schnecken vorkommenden) Epidermis kenntlich.

Viele Schnecken, namentlich aus der Ordnung der Prosobranchiata, tragen auf der Hinterseite des Fusses eine gesonderte, hornige oder kalkige Platte, meist von der ungefähren Form der Mündung, den sog. Deckel, mit welchem das Thier beim Zurückziehen in die Schale die Mündung verschliessen kann (Fig. 384). Häufig zeigt der Deckel spirale Windungen (Fig. 351 b). Manche Lungenschnecken sondern nur für den Winter ein deckelartiges Gebilde (Winterdeckel oder Diaphragma) ab. Bei der Gattung Clausilia findet sich ein an die Spindel festgeheftetes Deckelstück (Clausilium -- Fig. 392 B).

Die meisten Gastropoden leben im Wasser, die Mehrzahl der Lungenschnecken (Pulmonata) und einige Prosobranchiata (Unterordnung Neurobranchiata) auf dem Lande. Weitaus der grösste Theil der Wasserbewohner findet sich im Meere, nur ein geringer Theil im Süsswasser; manche Formen können in salzigem und brackischem, andere in süssem und brackischem gleich gut fortkommen. Sowohl Land- als Wasserschnecken zeigen gegen die Pole zu eine Abnahme der Formenmannigfaltigkeit, der Grösse und der Pracht der Verzierung. Die Meeresschnecken leben meist in geringen Tiefen (0-72 m), in grösseren Tiefen nehmen sie rasch ab, und in der abyssischen Region (über 500 m) findet man nur noch wenige, z. Th. sehr dünnschalige Formen.

Man theilt die Gastropoden in folgende Ordnungen und Unterordnungen ein:

A. Athmung durch Kiemen (wenn durch Lungen, meist ein Deckel vorhanden). a. Kiemen und Vorhof hinter der Kammer des Herzens. Schale häufig fehlend. Fossil nicht sehr wichtig. I. Ordn. Opisthobranchiata. b. Kiemen und Vorhof vor der Kammer des Herzens. Schale meist vorhanden. α. Vorderer Theil des Fusses zu einer aufrechten Flosse umgewandelt. Nackt oder beschalt. Fossil unwichtig. II. Ordn. Heteropoda. β. Fuss mit Kriechsohle. Schale stets, Deckel meist vorhanden. Fossil sehr wichtig. III. Ordn. Prosobranchiata. 1. Schale aus 8 beweglichen Stücken bestehend. Fossil unwichtig. 1. Placophora. 2. Schale aus einem Stück bestehend. * Athmung durch Kiemen. o Kiemen blattförmig, kreisförmig angeordnet. Schale napfförmig. Fossil nicht wichtig. 2. Cyclobranchiata. oo Kiemen federförmig. Schale spiral aufgerollt, selten napfförmig. Fossil wichtig. 3. Aspidobranchiata. ooo Kiemen kammförmig. Schale spiral. Meist ein Deckel vorhanden. Fossil sehr wichtig. 4. Ctenobranchiata. ** Athmung durch Lungen. Fossil nicht sehr wichtig. 5. Neurobranchiata. B. Athmung durch Lungen. Ein eigentlicher Deckel fehlt. Fossil wichtig. IV. Ordn. Pulmonata.

Die systematische Stellung mancher fossilen Schnecken muss unsicher bleiben, weil ganz ähnliche und im fossilen Zustande schwer oder gar nicht unterscheidbare Gehäuse von ganz verschieden organisirten Thieren erzeugt werden können. Eine natürliche Eintheilung lässt sich somit nach den Gehäusen allein nicht erzielen. Um dem Anfänger die Bestimmung der wichtigsten fossilen Formen zu erleichtern, geben wir nachstehende Schlüsseltabelle, in welcher nur Merkmale der Schale für die Unterscheidung verwerthet sind. Die Gruppirung der Gattungen ist dadurch vielfach eine ganz unnatürliche geworden.

A. Schale aus mehreren (8) Stücken bestehend Chiton. B. Schale aus einem Stück bestehend, oft mit Deckel. a. Schale vollkommen zweiseitig symmetrisch, spiral in einer Ebene aufgerollt oder napfförmig (Fig. 311, 312). α. Schale napfförmig (Fig. 312). 1. Am Wirbel geschlossen (Fig. 331) Patella. 2. Am Wirbel mit Schlitz (Fig. 312) Fissurella. β. Schale spiral in einer Ebene aufgerollt, Aussenlippe mit Spalt (Fig. 311) Bellerophon. b. Schale mützenförmig, gebogen oder im Anfang spiral, oft fast symmetrisch. Mündung trompetenartig erweitert (Fig. 313) Capulus.