Part 3
Unterdessen fertigen wir die beiden Achsen an. Dazu brauchen wir zunächst zwei Messingstäbe, je 15 _cm_ lang und 5 bis 7 _mm_ dick, ferner 50 _cm_ blanken, geglühten, 2 _mm_ starken Kupferdraht. Den Draht reiben wir mit Glas- oder Schmirgelpapier sauber und wickeln ihn dann in dicht nebeneinanderliegenden Windungen zu einer 3 _cm_ langen Spirale auf einen der Messingstäbe auf (Abb. 16); ein Stück Lötzinn wird zu einem feinen Plättchen ausgehämmert und um die mit Lötwasser bestrichene Spirale herumgebogen, aus der wir den Messingstab herausziehen und sie dann in die Flamme eines Spiritus- oder Bunsenbrenners halten, bis sich das Lot gleichmäßig zwischen den Windungen verteilt hat. Nachdem sich dies so entstandene Rohr abgekühlt hat, sägen wir es mit einer in den Laubsägebogen eingespannten Metallsäge in vier gleiche Teile. Diese vier Ringe sollen sich immer noch bequem über die Messingstange schieben lassen; sollte dies Schwierigkeiten machen, weil vielleicht etwas zu viel Lot in das Innere gedrungen ist, so entferne man dies mit der Rundfeile. Nun schneide man aus Messingblech zwei Rechtecke von je 30 × 65 _mm_. Bei jedem machen wir an dem einen Ende mit einer Blechschere 10 bis 12 Einschnitte von je 2 _cm_ Länge parallel zu den Längskanten, so daß also 45 _mm_ uneingeschnitten übrig bleiben. Auf jedes Blech legen wir zwei von den vier Ringen, den einen am inneren Ende der Einschnitte nach innen zu, den anderen am entgegengesetzten nicht eingeschnittenen Rande, so daß zwischen ihnen etwa 3 _cm_ Raum bleibt; dann rollen wir das Blech fest um die Ringe. Es wird keinen vollständig geschlossenen Zylinder bilden, vielmehr wird ein etwa 4 _mm_ breiter Zwischenraum frei bleiben. Wir umwickeln nun diesen Blechzylinder fest mit Draht und löten ihn mit den Kupferringen zusammen. Nach dem Abkühlen entfernt man den Draht. Eines der so erhaltenen Achsenrohre zeigt Abb. 17: _a_ sind die Kupferdrahtringe, _b_ ist der Blechzylinder mit den durch Einschneiden entstandenen Streifen _c_. Um nachher diese beiden Achsenrohre an den Glasscheiben ankitten zu können, schneiden wir uns aus Messingblech zwei Scheiben von je 6 _cm_ Durchmesser und sägen bei jeder genau in der Mitte ein Loch, durch welches das in Abb. 17 dargestellte Achsenrohr sich gerade noch hindurchschieben läßt; nachdem wir das getan haben, biegen wir die Blechstreifen um und löten sie an der Messingscheibe fest (Abb. 18). Nunmehr wird die ebene Blechscheibe _a_ mit einer Flachzange am ganzen Rande, von der Achse weg ein wenig krumm gebogen, wie das in der Abb. 19 deutlich zu sehen ist; aus dieser Zeichnung geht auch hervor, wie dieser in der Abb. 18 abgebildete Teil auf der Glasscheibe aufzukitten ist: _G_ ist die Glasscheibe, _S_ der Schellackkitt, _B_ die Messingscheibe, _R_ die Kupferringe und _H_ die Messinghülse. Das Aufkitten mit Schellack erfolgt genau in der schon bei der Reibungselektrisiermaschine angegebenen Weise; nur müssen wir, um das Achsenrohr mit dem schon erwähnten Winkelmaß (Abb. 8) genau senkrecht zu stellen, eine der beiden Messingstangen in das Rohr stecken und dann wie oben beschrieben verfahren (siehe auch Abb. 20). Diese Achsenrohre müssen bei beiden Scheiben auf die ~zuerst~ bestrichenen Seiten aufgekittet werden. Sollte sich nach dem Auftrocknen des Kittes herausstellen, daß die Achsenrohre doch nicht genau senkrecht stehen, was man am deutlichsten erkennt, wenn man die Scheiben auf ihren Achsen rotieren läßt, so kann man noch folgende Vorkehrung treffen: Wir löten, wie aus Abb. 21 hervorgeht, eine Messingscheibe _M_, ähnlich der Scheibe _B_, nur etwas kleiner, aber dicker als diese mit ein paar Millimeter Abstand an. (Mit dem Lötkolben rasch anlöten, damit sich das Glas nicht zu sehr erwärmt!) Am sichersten geht man, wenn man diese Vorrichtung gleich von vornherein, also schon vor dem Aufkitten, an dem Achsenrohr anbringt. Vorher haben wir schon nahe dem Rande in gleichen Abständen drei Löcher gebohrt und über jedes Loch eine Schraubenmutter (_R_) gelötet. (Wir können auch das Muttergewinde in die Scheibe _M_ selbst bohren.) Mit drei Metallschrauben, die wir durch diese Muttern eindrehen und verschieden stark anziehen, können wir nun mit Leichtigkeit die senkrechte Stellung der Achsenrohre erreichen. Nun müssen wir noch auf die Innenseite der einen Scheibe genau in der Mitte, also dem Achsenrohr gegenüber, mit einem Tropfen Schellack ein Zweipfennigstück aufkleben.
Während der übrigen Arbeit sollen die Scheiben unberührt liegen bleiben. Wir richten uns deshalb zwei Holzklötzchen her, die wir je mit einem Loch versehen, in das die Achsenrohre eingesteckt werden, so daß die Scheiben in horizontaler Lage aufbewahrt werden können, ohne daß das Glas selbst irgendwo aufliegt. An einem staubfreien abgeschlossenen Platze werden die Scheiben bis auf weiteres aufbewahrt.
[Sidenote: Das Maschinengestell.]
[Sidenote: Die Achsenträger.]
Wir wenden uns nun zu dem Maschinengestell. Zuerst schneiden wir uns eine Pappscheibe, genau so groß wie die Glasplatten, und stecken durch sie eine Messingstange, 30 _cm_ lang und genau so stark (5 bis 7 _mm_), wie die schon erwähnten Achsen. Abb. 22 zeigt das Gestell im Grundrisse; _Gl_ sollen die später einzusetzenden Glasscheiben sein. Entsprechend ihrer Größe wählen wir nach Anleitung des Grundrisses ein starkes Grundbrett _a_ von ausreichender Länge und Breite. _c_ in Abb. 22 zeigt die Befestigungsstelle der Achsenträger (Abb. 23). Man fertige sie beide aus Holzstücken, deren Länge je um 7 _cm_ mehr als der Scheibenradius beträgt und mache sie unten 10, oben 6 _cm_ breit. Oben ist ein etwa 15 _mm_ weites Loch _a_ zu bohren, und daneben sägen wir zu beiden Seiten einen Schlitz _b_ von 20 _mm_ Länge und 5 _mm_ Breite. Auf der Innenseite des Achsenhalters befestigen wir mit vier Holzschrauben eine Eisen- oder Messingplatte (in Abb. 23 durch die punktierte Linie und mit _b_ bezeichnet), die das Loch _a_, nicht aber die seitlichen Schlitze verdeckt. Die Platte muß ziemlich stark sein (3 _mm_) und kann nötigenfalls durch Aufeinanderlöten von zwei oder drei Blechscheiben hergestellt werden. Ehe diese Platte aufgeschraubt wird, ist sie mit einer mittleren Durchbohrung zu versehen, weit genug (5 bis 7 _mm_), daß die Scheibenachse gerade noch hindurchgesteckt werden kann. Die Platte ist so aufzuschrauben, daß ihre Durchbohrung mit dem Loche _a_ konzentrisch wird. Abb. 24 zeigt in etwas größerer Darstellung die Außenseite eines Achsenträgers und eine daraufliegende Metallplatte _a_ von etwa 5 × 1 _cm_ Größe, die das Loch _c_ und die beiden Schlitze _d_ bedeckt und drei Durchbohrungen hat: eine runde in der Mitte (5 bis 7 _mm_ weit) und zwei viereckige, die Schlitze _d_ rechtwinkelig kreuzend. Diese Metallplatte wird jedoch folgendermaßen befestigt: man steckt durch die einander kreuzenden Schlitze je eine Metallschraube von 5 _mm_ Dicke, deren Kopf man durch Überschieben eines breiten flachen Metallringes vergrößert, und schraubt eine passende Schraubenmutter auf das Gewinde. Die Platte _a_ in Abb. 24 wird dadurch festgehalten und kann nach Lüftung der beiden Muttern nach oben, unten und der Seite verschoben werden; denselben Teil zeigt Abb. 25 im Schnitt, _a_ ist die verstellbare Metallplatte, _b_ der hölzerne Achsenträger, _c_ das runde Loch darin und _d_ die Achse.
Die beiden Achsenträger sind nun an den zwei in Abb. 22 mit _c_ bezeichneten Stellen auf dem Grundbrette zu befestigen, indem wir zunächst von dessen Unterseite her je zwei Schrauben eindrehen, durch das Brett hindurch bis in die Achsenträger. Da diese Befestigung wahrscheinlich nicht ausreichen würde, so schneiden wir von einer sogenannten Glaserlatte vier längere (je 10 _cm_) und vier entsprechend kürzere Stücke ab und schrauben sie bei jedem Achsenträger um dessen Fuß herum so auf das Grundbrett auf, daß sie seitlich ganz fest an den Trägern anliegen und diese wie in einer Versenkung stehen. Zur Probe und Abschätzung der Größenverhältnisse kann nun die Pappscheibe mit ihrer Achse in die Achsenlager der Träger eingesetzt werden. Abb. 26 zeigt einen schematischen Aufriß der Maschine, wobei _S_ die Scheibe, _T_ die Achsenträger bezeichnet.
[Sidenote: Die Spitzenkammträger.]
Nunmehr sind die Träger _g_ der beiden Spitzenkämme _Sp_ anzubringen. Die Träger _g_ sind Glasstäbe oder dickwandige Glasröhren, etwa 2 _cm_ im äußeren Durchmesser und an Länge etwa gleich den Achsenträgern _T_. Sie sind innen und außen genau so zu reinigen wie die Glasscheiben und auch in der gleichen Weise ebenfalls innen und außen mit einem Schellacküberzug zu versehen und dann 1 bis 2 Tage an einem staubfreien Orte liegen zu lassen. Unterdessen besorgen wir uns zwei Holzklötze (Abb. 26 _k_), jeden 4 × 4 _cm_ breit und 5 _cm_ hoch. Jeder dieser Klötze erhält von oben nach unten eine 3 _cm_ tiefe Bohrung, die so weit ist, daß wir die Glassäule bequem mit Siegellack oder Schellack einkitten können. Das obere Ende der Röhre (wenn wir eine solche und keinen Glasstab benutzt haben) wird mit einem Korke verschlossen und dann, wenn wir sicher sind, daß keine Feuchtigkeit in dem Rohre ist, das heißt, wenn es sich auf der Innenseite nach ein paar Stunden noch nicht beschlagen hat, mit Siegellack abgedichtet. Nachdem letzteres geschehen ist, krönen wir die Glassäule mit einem Holzklotz _f_, 4 × 4 _cm_ breit, 7 _cm_ hoch. Die Kammträger werden 3 _cm_ vom Scheibenrande entfernt an den in Abb. 22 mit _b_ bezeichneten Stellen aufgeschraubt und ebenso wie die Achsenträger mit Lattenstückchen umgeben.
[Sidenote: Die Triebräder.]
Die nächste Arbeit besteht in der Anfertigung der Triebräder, die in Abb. 27 mit _R_ bezeichnet sind. Man stellt sie aus Holz her und versieht sie am Rande mit einer Furche zur Aufnahme der Triebschnur. Die Achse dieser Triebräder muß durch entsprechende Löcher gehen, die in _T_ einzubohren sind, und soll nahe unter den untersten Scheibenrand zu liegen kommen. Um einen leichteren Gang zu erreichen, können wir die Lager dieser Achse _T_ mit Lagerröllchen ausstatten, deren Herstellung schon bei Abb. 16 beschrieben wurde. Zur Befestigung der Triebräder bohre man an den entsprechenden Stellen dünne Löcher in die Achse und treibe Drahtstifte hindurch, an welchen dann die Räder so befestigt werden, daß sie sich auf der Achse nicht mehr drehen können. Mit ebensolchen Drahtstiften ist die Achse selbst in ihren Lagern zu fixieren. Am einen Ende feilt man die Achse vierkantig und befestigt mit größter Vorsicht an ihr die Kurbel _k_, die mit einem entsprechenden Loche versehen sein muß.
[Sidenote: Das Einsetzen der Scheiben.]
Nun erfolgt das Einsetzen der Glasscheiben (Abb. 28). Die Scheiben werden hervorgeholt und man steckt die zu Anfang unserer Betrachtung erwähnten je 15 _cm_ langen Messingachsen _b_ von außen durch die Metallplatten _c_ und durch _h_ in die Achsenrohre _a_, nachdem man an entsprechenden Stellen die ebenfalls mit einer Furche versehenen Triebrollen _d_ auf ihnen befestigt hat. Die Achsen _b_ werden so weit nach innen geschoben, daß die beiden Glasscheiben _g_ in der Mitte sitzend nur noch durch das auf der einen aufgekittete Geldstück _f_ voneinander getrennt sind; durch Verstellen der Platten _c_ muß man es dahin bringen, daß die Scheiben _g_ genau vertikal und zueinander vollkommen parallel stehen. Da wo sich die Achsenrohre auf den Achsen drehen, werden diese ~gleich~ etwas eingeölt.
[Sidenote: Die Spitzenkämme.]
Wir kommen nun zur Herstellung der Spitzenkämme. Ihre Größe im Verhältnis zu den Scheiben, sowie ihre Stellung zu denselben geht aus dem schematischen Grundriß der Abb. 29 hervor; dabei sind _c_, _c_ die Holzklötze, welche die schon erwähnten Spitzenkammträger krönen. Nun sind zuerst einmal alle Ecken und Kanten dieser Holzklötzchen völlig abzurunden; dann erhalten sie auf zwei einander gegenüberliegenden Seiten je eine Furche, die so weit und tief ist, daß sie die nachher für den Spitzenkamm zu verwendende Röhre genau zur Hälfte in sich aufnimmt; Abb. 30 ist ein Schnitt, Abb. 31 eine Ansicht dieses Teiles. Die Spitzenkämme selbst werden bei kleinen Maschinen aus mindestens 5 _mm_, bei großen aus mindestens 10 _mm_ weiten Messingröhren hergestellt. Wir brauchen vier gleichlange Stücke, welche in Abb. 29 mit _Sp_ bezeichnet sind. Ferner benötigen wir zwei etwa 3 _cm_ weite Messingrohre, wie wir solche schon zu dem in der Abb. 3 dargestellten Konduktor verwendet haben, ihre Länge soll etwa gleich dem Abstand der beiden Achsenträger _T_ sein. Jedes dieser Rohre erhält drei Bohrungen. Das erste Loch sei möglichst nahe dem einen Ende; die Mitte des zweiten Loches sei von der Mitte des ersten genau um die Dicke des Holzklotzes _c_ (4 _cm_) entfernt; das dritte Loch ist nahe dem anderen Ende. Diese Bohrungen sollen so weit sein, daß wir die Messingröhren _Sp_ und _b_ gerade noch hindurchschieben können. Die Röhren _Sp_ erhalten da, wo sie an _c_ anliegen sollen, je eine Bohrung, durch welche sie mittels einer Holzschraube an _c_ festgeschraubt werden können. Statt hierbei Holzschrauben zu verwenden, können wir uns bei einem Mechaniker vier Messingkügelchen drehen und je mit einem Muttergewinde versehen lassen, ebenso zwei 3 _mm_ starke Messingstäbchen etwa 6 _cm_ lang, und an den Enden ebenfalls mit Gewinde versehen. Wir durchbohren nun nicht nur die Rohre _Sp_, sondern auch _c_, so daß wir die Messingstäbchen ganz hindurchstecken und durch beiderseitiges Aufschrauben der Kugelmuttern die Rohre _Sp_ an _c_ anklemmen können.
Nun müssen wir die Spitzenreihen auflöten. Die Spitzen sollen etwa 1 _mm_ Abstand von den Glasscheiben haben. Wir besorgen uns eine große Anzahl von Stecknadeln von passender Größe. Wir dürfen für eine 20 _cm_ lange Spitzenreihe 80 bis 100 Nadeln rechnen. Die Rohre _Sp_ werden auf einer Seite etwas flach gefeilt, die Nadeln werden einzeln mit Schmirgelpapier abgerieben und mit den Spitzen in entsprechenden Abständen in einen Pappstreifen gesteckt und mit ihren Kopfenden -- die Köpfe selbst sind alle mit einer Drahtzange abgezwickt worden -- auf die abgeflachte Seite des Rohres gelegt; durch Beschweren und Unterstützen werden beide Teile in dieser Lage festgehalten und mit Lötwasser bestrichen; unter Anwendung von ziemlich viel Lot werden die Nadeln aufgelötet. Nach dem Erkalten wird die ganze Lotstelle sorglich rund gefeilt. Sollte sich nachher herausstellen, daß einige Nadeln zu lang sind und die Glasscheiben berühren, so kann man sie durch Biegen nach oben oder unten auf ihren richtigen Abstand bringen. Ist dies alles geregelt, so können wir die Rohre _a_ über die noch frei über _c_ hinausragenden Endstücke von _Sp_ schieben und anlöten. An die Enden selbst löten wir kleine Kugeln _k_. Die Enden der Rohre _a_ haben wir schon vorher, wie bei dem Konduktor in Abb. 3, mit Kugelhauben versehen.
[Sidenote: Die Elektrodenstangen.]
Nun wären noch die Elektrodenstangen anzubringen; ihre Form geht aus Abb. 29 hervor; sie werden aus dem gleichen Material gefertigt wie die Spitzenkämme und müssen sich in der für sie bestimmten Bohrung in _a_ hin und her schieben lassen. Die inneren Enden werden mit Kugeln versehen, die äußeren müssen isolierende Griffe erhalten. Diese können wir uns selbst in der Weise herstellen, daß wir die mit einer groben Feile aufgerauhten Enden mehrfach mit in Schellackfirnis getränktem Bindfaden umwickeln und nach dem Auftrocknen des Schellacks mit einer dicken Schicht roten Siegellacks überziehen.
[Sidenote: Die Ausgleicher.]
Abb. 26 zeigt nun noch die beiden Ausgleicher _A_, die wir aus zwei Kupferdrähten von 3 _mm_ Stärke herstellen; die Länge der Drähte darf etwas weniger als der Durchmesser der Scheiben betragen. Sie werden mit ihren Mitten an den Achsenträgern befestigt und erhalten an ihren Enden aus Metalldresse hergestellte Pinselchen, die auf den Scheiben, etwa 4 _cm_ vom Rande, leicht aufliegen sollen. Die Stellung der beiden Ausgleicher ist aus Abb. 26 zu ersehen: _A₂_ ist der vordere und bildet mit den Kämmen einen Winkel von 45°, _A₁_ befindet sich auf der anderen Seite der Scheiben und kreuzt _A₂_ unter einem rechten Winkel.
[Sidenote: Aufkleben des Scheibenbelages.]
Nun geht die Maschine ihrer Vollendung entgegen. Wir nehmen die Scheiben nochmals heraus und bestreichen alle Holzteile mit Schellack. Die Scheiben selbst versehen wir jetzt mit den Stanniolbelägen: Wir zeichnen auf einen Bogen Papier einen Kreis, dessen Durchmesser gleich dem Scheibendurchmesser ist. Dieser Kreis ist in Abb. 32 mit _a_ bezeichnet; außerdem zeichnen wir mit einem 2 bis 2,5 _cm_ kleineren Radius einen zweiten (_b_) und mit einem je nach Scheibengröße 6 bis 10 _cm_ kleineren Radius einen dritten konzentrischen Kreis (_c_). Den Umfang der Kreise _b_ und _c_ teilen wir dann in 16 bis 24 gleiche Teile und verbinden die Teilpunkte paarweise. Endlich zeichnen wir wie in Abb. 32 um diese Linien schraffierte Flächen auf, die etwa halb bis ein Drittel so breit sind als ihre Zwischenräume. Einen dieser Sektoren schneidet man heraus und fertigt sich nach seinem Muster die doppelte Anzahl (32 bis 48) Beläge aus starkem Stanniol. Man legt nun zunächst die eine, dann die andere Scheibe auf die Zeichnung und beklebt eine jede da, wo die schraffierten Flächen durchscheinen, mit Stanniolbelägen. Das Bekleben geschieht folgendermaßen: man bestreicht den Stanniolstreifen auf einer Seite mit einem Pinsel mit Spiritus, legt ihn mit der bestrichenen Seite auf die Glasplatte, gleich genau an seinen Platz, und streicht ihn dann mit dem Finger fest auf, ohne ihn aber dabei zu verschieben.
[Sidenote: Die Treibschnüre.]
Sind die Sektoren alle aufgeklebt, so kann die Maschine wieder zusammengesetzt werden, und es fehlen dann nur noch die Treibschnüre. Da sich die Scheiben in entgegengesetzter Richtung drehen müssen, so können wir dies nur dadurch erreichen, daß wir auf der einen Seite die Schnur direkt, auf der anderen sich kreuzend über Triebrad und Triebrolle führen. Abb. 33 veranschaulicht diese Anordnung.
Pünktliche, saubere Arbeit ist die erste Bedingung für das Gelingen. Wer alle hier gegebenen Anweisungen genau befolgt, dem bleibt der Erfolg sicher nicht aus. Die Maschine selbst muß auch nach der Fertigstellung sehr sorglich behandelt werden. Vor allem muß sie bei Nichtgebrauch vor dem schädlichen Verstauben bewahrt bleiben, weshalb es sehr ratsam ist, eine Papierhülle herzustellen, wie dies schon bei der Reibungselektrisiermaschine (Seite 17) beschrieben wurde. -- Läßt bei ein- bis zweijährigem Gebrauche die Wirkung der Maschine nach, so sind die Scheiben völlig von ihrem Überzug und ihren Belägen zu befreien und müssen von neuem hergerichtet werden, genau so, wie das erste Mal. -- Für den Besitzer einer Influenzelektrisiermaschine ist eine Reibungselektrisiermaschine überflüssig; diese hat nur den Vorzug, daß sie einfacher herzustellen ist; dagegen ist sie weniger leistungsfähig und erfordert viel mehr Arbeit, um aus ihr die benötigte geringe Menge von Elektrizität zu erhalten. Die Influenzmaschine kann für viele Versuche einen Funkeninduktor ersetzen.
[Sidenote: Die letzten Vorbereitungen zum Vortrag.]
Da unser Rudi alles, was er einmal anfing, auch pünktlich und gut ausführte und lieber etwas mehr Zeit aufwandte, als etwas schlecht zu machen, so war es über seinen Vorbereitungen Winter geworden. Die nötigen Apparate waren fertig, auch wäre es in seinem Dachkämmerchen jetzt zu kalt gewesen, um noch darin zu arbeiten. Es handelte sich nun noch darum, den Vortrag selbst auszuarbeiten und schließlich denn auch wirklich zu halten. Die Ausarbeitung des Vortrags machte unserem Rudi zwar mehr Mühe, als er sich anfangs vorgestellt hatte, doch wurde er verhältnismäßig bald damit fertig, und nun wurden die Zuhörer und Zuhörerinnen geladen auf einen Sonntagnachmittag 6 Uhr.
Es galt zunächst, das größte Zimmer der Wohnung in ein Auditorium umzuwandeln. Zu diesem Zwecke wurde, von den schweren Möbeln abgesehen, alles aus dem Zimmer herausgeräumt; zwei Schritte von der einen kürzeren Wand entfernt wurde ein langer Tisch aufgestellt und vier Schritte davon begannen die Stuhlreihen. Auf dem Tisch hatte Rudi die Apparate so aufgestellt, wie er sie nacheinander in seinem Vortrag brauchte. Die Mitte des Tisches hatte er freigelassen. Außerdem versah er die einzelnen Lampen des Kronleuchters nach der Seite der Zuhörer mit Lampenschirmen, so daß der Experimentiertisch zwar hell beleuchtet, die Stuhlreihen aber im Schatten waren. Mit der Ausführung der einzelnen Experimente hatte Rudi bereits seine jüngere Schwester Käthe vertraut gemacht; sie sollte ihm während des Vortrags assistieren.
[Sidenote: Der Vortrag.]
Unter allerlei Vorkehrungen, die noch getroffen werden mußten, verging der Nachmittag, die geladenen Gäste begannen zu kommen, und als die letzte Tante eingetreten war und Platz genommen hatte, erschien Rudi, gefolgt von seiner Schwester, die sich auf der einen Seite auf einen Stuhl setzen mußte, stellte sich hinter seinen Tisch, schlug bedächtig sein Vortragskonzept auf, ließ einen forschenden Blick über die Zuhörer schweifen und begann also zu sprechen:
„Meine Herren und Damen! Zuerst meinen besten Dank für Ihr zahlreiches Erscheinen. Ich hoffe, daß es mir gelingt, Ihnen heute einige interessante und lehrreiche Experimente vorzuführen, Experimente aus dem Gebiet der Reibungs- und Influenzelektrizität.“
[Sidenote: Die geriebene Siegellackstange.]
„Das Wort Elektrizität stammt von dem griechischen Worte Elektron, das Bernstein bedeutet. Es war schon den alten Griechen bekannt, daß Bernstein, wenn er gerieben wird, die Fähigkeit erlangt, kleine leichte Gegenstände anzuziehen. Wie Sie alle wissen, ist Bernstein ein Harz, und wir können daher dieses bekannte Experiment mit jeder Siegellackstange wiederholen (Käthe war aufgestanden, rieb nun die bereitgelegte Siegellackstange mit einem wollenen Lappen und führte das Experiment aus), wie Sie hier sehen. Es gibt nun noch eine ganze Reihe von Körpern, die durch Reibung diese Fähigkeit erlangen, die, wie wir uns ausdrücken, elektrisch werden. So werden wohl manche von Ihnen schon die Beobachtung gemacht haben, daß beim Kämmen der Haare mit einem Kautschukkamme dieser elektrisch wird und die Haare anzieht; oft hört man dabei ein Knistern, und im Dunkeln sieht man kleine Fünkchen überspringen. Hier wird ein Stab aus Hartgummi gerieben, er zeigt die gleiche Fähigkeit, ebenso dieser Glasstab. Wer eben den Vorgang genau beobachtet hat, konnte sehen, daß einige der angezogenen Papierschnitzel, kaum daß sie an dem Glasstab hingen, gleich wieder weggeschleudert wurden. Woher mag das kommen?“
[Sidenote: Anziehung und Abstossung.]
[Sidenote: Leiter und Nichtleiter.]
[Sidenote: Die verschiedenen Elektrizitäten.]
[Sidenote: Erklärungen über die elektrischen Erscheinungen.]