Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel

Part 12

Chapter 123,412 wordsPublic domain

Jetzt müssen die Stahlstäbe gehärtet werden. In einem Holzkohlenfeuer, das wir auf unserer Schmiedeesse entfachen, werden sie einzeln bis auf helle Rotglut erhitzt und dann direkt aus dem Feuer heraus in kaltes Wasser geworfen. Nachdem so alle Stäbe gehärtet sind, werden sie mit Schmirgelleinwand von der durch das Glühen entstandenen Oxydschicht etwas befreit und müssen dann magnetisiert werden. Zu diesem Zweck stellen wir uns eine Drahtspule her, in die die Stahlstäbe gerade hineinpassen. Die Bewickelung muß so gewählt werden, daß mit der uns zur Verfügung stehenden Stromquelle ein möglichst ~starker~ Gleichstrom durch möglichst ~viele Windungen~ fließt. Mit Hilfe des Ohmschen Gesetzes (Seite 86 u. f.) ist es nicht schwer, das festzustellen. Ist unsere Stromquelle überhaupt schwach, so müssen wir den Strom entsprechend länger wirken lassen, was jedoch den Mangel an Intensität bei weitem nicht ersetzen kann. Es ist weit vorteilhafter, 12 Ampere 2½ Minuten wirken zu lassen, als z. B. 1 Ampere 30 Minuten. Nach einem andern Verfahren, das aber auch einen starken Strom erfordert, verfährt man folgendermaßen: Man windet sich aus 2 bis 2,5 _mm_ starkem, isoliertem Kupferdraht eine Spule, die aber für die kürzeren Magnetstäbe nicht länger als 2 _cm_, für die längeren nicht länger als 2,5 bis 3 _cm_ sein darf. In diese Spule bringen wir den zu magnetisierenden Stab so, daß die Spule genau über seiner Mitte liegt; erst jetzt wird ein möglichst starker Strom durch die Windungen geschickt und der Stab so in der Spule etwa 15 bis 20 mal hin und her geschoben, daß das Stabende der einen Seite immer nur bis zum Spulenende der gleichen Seite geführt wird. Man hört wieder in der Mitte auf und zwar so, daß jede Stabhälfte gleich oft durch die Spule gegangen ist; dann wird der Strom abgestellt. Steht uns kein starker Strom zur Verfügung, so tun wir gut daran, das Magnetisieren von einem zuverlässigen Mechaniker besorgen zu lassen. Stehen uns gute, starke Stahlmagnete zur Verfügung, so können wir unsere Stäbe auch durch Streichen magnetisch machen. Das einfachste Verfahren, wozu wir auch nur ~einen~ Magneten brauchen, besteht darin, daß man erst den einen, z. B. den Nordpol des Strichmagneten, in der Mitte auf den zu magnetisierenden Stab aufsetzt, ihn unter starkem Aufdrücken nach dem Ende zu führt, da hochhebt, in der Luft im Bogen zurückgeht, wieder in der Mitte aufsetzt u. s. f. 10 bis 20 mal; dann wiederholt man das gleiche Verfahren mit dem anderen Pol nach der anderen Seite des Stabes. Bessere Resultate gibt folgendes Verfahren: Wir legen zwischen 2 Stabmagnete ein Holz, das so dick wie die Magnete und 1 bis 2 _cm_ kürzer als die zu magnetisierenden Stäbe ist; rechts liegt der Nordpol, links der Südpol am Holz an. Darauf wird der Stahlstab so gelegt, daß seine Enden auf den Magnetpolen aufliegen. Zwei weitere Stabmagnete werden, durch ein 5 _mm_ dickes Hölzchen getrennt, so in der Mitte des Stabes aufgesetzt, daß sie mit diesem Winkel von 45° bilden und daß rechts der Nord-, links der Südpol aufliegt. Nun fährt man erst an das eine Ende (nicht darüber hinaus!), dann über die Mitte weg nach dem anderen u. s. f. 10 bis 20 mal und hört so in der Mitte auf, daß man gleich oft über jede Hälfte gefahren ist.

Es ist besonders darauf zu achten, daß die eine Hälfte, also fünf Stück, der längeren Stahlstäbe an dem mit dem Ausschnitt versehenen Ende + (nord-) magnetisch, die andere Hälfte der Stäbe an dem ausgeschnittenen Ende − (süd-) magnetisch werden. Mit einer freischwebenden Magnetnadel stellen wir die Nord- und Südpole der einzelnen Magnete genau fest und bezeichnen sie deutlich mittels Tinte mit den Zeichen + und −. Nun werden diese Magnete in der aus Abb. 120 hervorgehenden Anordnung zusammengestellt. Zwei Eisenstäbe, die an beiden Enden mit Gewinden versehen sind, werden durch die Löcher geschoben, und mit je zwei Muttern werden die Magnete fest zusammengepreßt. Sollten an den Berührungsflächen der einzelnen Magnete infolge des Glühens oder eines anderen Umstandes Unebenheiten aufgetreten sein, so müssen diese durch Schleifen, was aber vor dem Magnetisieren auszuführen ist, mit Schmirgel beseitigt werden, feilen läßt sich gehärteter Stahl nicht mehr!

Den so gewonnenen Magnetstock können wir dadurch verstärken, daß wir uns noch Magnete von passender Größe herstellen, mit denen wir die Zwischenräume zwischen den einzelnen Stäben ausfüllen, natürlich unter richtiger Berücksichtigung der Pole.

Wir kommen nun zur Bewickelung des Ankers. Je länger und dünner der Draht ist, den wir verwenden, desto höher ist die Spannung und desto geringer die Stromstärke. Für eine Maschine in den hier angegebenen Dimensionen dürfte ein 0,3 bis 0,5 _mm_ starker Draht die besten Resultate ergeben. Die Drahtenden werden zu einem Kollektor geführt, wie er schon auf Seite 123 beschrieben worden ist. Die Stellung der Schleiffedern ist hier genau dieselbe wie dort. Außer diesem Kollektor, der den in den Spulen induzierten Wechselstrom in Gleichstrom umwandelt, können wir auch einen solchen zur Abnahme von Wechselstrom auf der Achse anbringen. Er besteht einfach aus zwei nebeneinander liegenden, aber voneinander isolierten Metallringen. Abb. 121 zeigt beide Kollektoren nebeneinander auf einer Achse. Die Drahtenden der Spule, die zu dem äußeren der beiden Kollektoren führen, müssen natürlich ~unter~ dem inneren hindurchgehen.

Verwenden wir statt des Doppel-_T_-Ankers den in Abbildung 118 _B_ abgebildeten, so ist der dazu nötige Stahlmagnet etwas einfacher herzustellen. Abb. 122 zeigt drei verschiedene Formen. Für die Verwendung von Sägeblättern dürfte die Form _C_ am geeignetesten sein; natürlich müssen dann mehr als drei Streifen zusammengelegt werden. Die Stirnfläche des Feldmagneten soll mindestens 1 _qcm_ groß sein.

Abb. 123 zeigt den Anker mit den Spulen (_d_) und deren Stellung zum Feldmagnet (_a_) im Schnitt; _c_ ist die Achse, _b_ der Ankerkern, _e_ der Kollektor. Diese Teile sind den entsprechenden des auf Seite 123 beschriebenen Elektromotors in jedem Punkte gleich. Für die Bewickelung gilt das nämliche wie beim Doppel-_T_-Anker.

Der Anker der magnetelektrischen Maschine muß, um einen elektrischen Strom zu liefern, ziemlich rasch gedreht werden. Wir befestigen deshalb auf der Achse eine aus Hartholz gedrechselte Welle, über die wir einen Riemen oder eine Schnur zu einem Schwungrade leiten. Wir können dazu das Schwungrad einer Nähmaschine mit Fußbetrieb verwenden, wenn wir die Nähmaschine von dem Tischchen abheben. Wir können uns aber auch ein Schwungrad folgendermaßen selbst herstellen: Wir sägen uns aus einem breiten Brett, das wir eventuell aus anderen zusammenleimen, eine runde Scheibe. Auf ihre beiden Seiten kleben wir je einen Ring aus starkem Pappendeckel, der so groß ist, daß er den Rand der Scheibe um etwa 0,5 _cm_ überragt. Dadurch wird eine Rinne gebildet, in der eine Schnur laufen kann, ohne abzugleiten. Es ist nun noch eine Kurbel anzubringen und die Scheibe auf einer Achse an einem Gestelle zu befestigen. Dessen Konstruktion ausfindig zu machen, überlassen wir der Phantasie des jungen Bastlers.

[Sidenote: Wirkungsweise der magnetelektrischen Maschine.]

Die Wirkungsweise der magnetelektrischen Maschine erklärte Rudi im Anschluß an die Experimente über Magneto- und Elektroinduktion. Dort haben wir gesehen, daß in einem Leiter elektrische Ströme entstehen, sobald Kraftlinien sich in ihm bewegen. Dabei konnten wir beobachten, daß das ~Ein~- oder ~Aus~treten der Kraftlinien für die Stromrichtung bedingend war. Maxwell hatte eine Regel aufgestellt, die uns gestattet, die Richtung des Induktionsstromes sicher festzustellen. Betrachten wir die Abb. 124, die die Kraftlinien eines Magnetstabes _NS_ darstellt; wir sehen an den eingezeichneten Pfeilen, daß diese Linien, vom Nordpol nach allen Seiten ausstrahlend, sich nach dem Südpol hin bewegen. Die Maxwellsche Regel heißt: ~Betrachtet man eine Drahtspule, die sich in einem magnetischen Felde[5] bewegt, in der Richtung der Kraftlinien, so bringen eintretende Kraftlinien einen Strom hervor, der der Uhrzeigerbewegung entgegengesetzt ist, austretende dagegen einen solchen, der dieselbe Drehungsrichtung hat wie der Uhrzeiger.~

In Abb. 124 sind fünf Drahtringe eingezeichnet. Nehmen wir an, daß sich I und II von links nach rechts bewegen und III, IV und V von rechts nach links, so werden die induzierten Ströme in der eingezeichneten Richtung fließen.

Betrachten wir nun die Verhältnisse bei unserer magnetelektrischen Maschine mit dem Hufeisenanker in der in Abb. 123 dargestellten Lage, so gehen die Kraftlinien im Bogen vom +-Pol des Stahlmagneten durch den Anker hindurch zum −-Pol. Dabei treten sie in die linke Drahtrolle von vorn, in die rechte von hinten ein, da sie in einem Bogen von einem Pol zum anderen gehen. Wird der Anker so gedreht, daß die linke Spule gewissermaßen nach oben aus der Bildfläche heraustritt und die rechte sich abwärts bewegt, so treten aus beiden Spulen Kraftlinien so lange ~aus~, bis der Anker eine Drehung von 90° gemacht hat. Wird er dann weiter gedreht, so dringen Kraftlinien ~ein~, aber von der anderen, der hinteren Seite her, bis die Pole des Ankers, nachdem er sich um 180° gedreht hat, vor denen des Magneten stehen. Wir wollen die Richtung der während der halben Umdrehung in den beiden Spulen induzierten Ströme feststellen. Dabei soll „von vorn gesehen“ ~jedesmal~ die Richtung vom Anker zum Feldmagneten, „von hinten gesehen“ die umgekehrte Richtung angeben. Zuerst, während sich die linke Spule nach oben bewegt, treten von hinten kommende Kraftlinien aus ihr heraus, oder, wie man sich auch ausdrücken kann, die Zahl der von ~hinten~ in die Spule eindringenden Kraftlinien wird ständig ~geringer~; der Strom wird also von ~hinten~ gesehen im Sinne der Uhrzeigerbewegung durch die Spule fließen. Beginnt die Spule nach einer Drehung von 90° sich wieder abwärts zu bewegen, so wird die Zahl der von ~vorn~ eindringenden Kraftlinien beständig ~größer~. Betrachten wir nun wie vorhin die Spule von ~hinten~, so fließt der induzierte Strom immer noch im Sinne der Uhrzeigerbewegung. Jetzt wollen wir sehen, was unterdessen in der anderen Drahtrolle -- die ursprünglich rechts stand -- vor sich gegangen ist. Hier sind zuerst die von ~vorn~ kommenden Kraftlinien aus der Spule ~aus~getreten, dann -- nach einer Viertelumdrehung -- die von ~hinten~ kommenden ~ein~getreten, also gerade umgekehrt wie bei der zuerst betrachteten Drahtrolle. Hier fließt demnach der Induktionsstrom von hinten gesehen ~entgegen~ dem Sinne der Uhrzeigerbewegung. Daraus folgt, daß der Strom in den Spulen, die sich oberhalb der Bildebene bewegen, in der einen, in denen, die sich unterhalb der Ebene bewegen, in der anderen Richtung fließt. Verbinden wir die Drahtenden der Spulen so wie bei einem gewöhnlichen Elektromagnet, bei welchem der Draht um den einen Magnetschenkel ~rechts~, um den anderen ~links~ herum aufgewickelt ist, so werden sich die in den beiden Drahtrollen induzierten Ströme nicht entgegenfließen, sondern addieren; dagegen werden sie die Drähte während der ersten halben Umdrehung in der einen, während der zweiten in der anderen Richtung durchfließen, da ja in beiden Spulen in dem Augenblick, in dem sie die Pole des Feldmagneten passieren, der Induktionsstrom seine Richtung ändert.

Führen wir die Drahtenden der Ankerspulen zu zwei ganzen, voneinander isolierten Ringen auf der Achse und leiten mittels zweier Schleiffedern den Strom in einen Draht, so durchfließt er diesen unter fortwährender Änderung seiner Richtung. Davon können wir uns überzeugen, wenn wir das Vertikalgalvanoskop mit den Schleiffedern verbinden und die Maschine ganz langsam in Gang setzen: nach je einer halben Ankerumdrehung wird die Nadel des Instrumentes zuerst nach der einen, dann nach der anderen Seite ausschlagen. Drehen wir aber den Anker sehr rasch, so bekommen wir überhaupt keinen Ausschlag, weil die einzelnen Impulse, die ständig ihre Angriffsrichtungen auf die Nadel ändern, so rasch nacheinander eintreffen, daß die Trägheit der Nadel und des Magneten diesen nicht erlauben, den Impulsen zu folgen. Wir können dagegen mit einer kleinen Glühlampe das Vorhandensein eines Stromes nachweisen, denn der Kohlenfaden wird in der gleichen Weise erhitzt, ob der Strom in der einen oder anderen Richtung ihn durchfließt.

Um von der magnetelektrischen Maschine Gleichstrom abnehmen zu können, haben wir auch den zweihälftigen Kollektor auf der Achse montiert. Daß dieser als Kommutator, als Stromwender wirkt, haben wir schon auf Seite 123 gesehen.

[Sidenote: Die Dynamomaschine.]

Sich selbst eine Dynamomaschine, die wirklich als Generator zu gebrauchen ist, anfertigen zu wollen, ist ein Unternehmen, das meistens daran scheitert, daß eben eine solche Maschine in allen ihren Teilen ganz genau berechnet sein will. Wer sich nach den Berechnungsangaben auf Seite 134 u. f. einen größeren Motor gebaut hat, kann unter Umständen das Glück haben -- es wäre ein Zufall --, daß derselbe auch als Generator zu verwenden ist. Unter den beschriebenen Motoren kann in dieser Beziehung am meisten von den vierpoligen mit Hufeisenanker oder von solchen mit Doppel-_T_-Anker erwartet werden. Wie wir die Maschinen auf ihre Fähigkeiten dieser Art hin zu prüfen haben, wird am Ende des Abschnittes erwähnt. Jetzt wollen wir zuerst hören, was Rudi in seinem Vortrag über das Prinzip der Dynamomaschine ausführte.

Wir haben gesehen, daß, wenn sich ein Drahtkreis in einem magnetischen Felde bewegt, in diesem -- dem Drahtkreis -- ein elektrischer Strom erzeugt wird. Der Strom ist umso stärker, je stärker das magnetische Feld ist. Nun ist es eine bekannte Tatsache, daß wir ein Stück weiches Eisen mit Hilfe eines elektrischen Stromes zu einem viel stärkeren Magnet machen können als ein gleich großes Stück Stahl. Es lag deshalb der Gedanke nahe, für magnetelektrische Maschinen statt Stahlmagnete Elektromagnete zu verwenden und den Strom für diese entweder einer Batterie, oder einer kleineren magnetelektrischen Maschine zu entnehmen. Werner v. Siemens kam zuerst (i. J. 1867) auf den Gedanken, den Ankerstrom selbst zur Erregung der Feldmagnete zu verwenden. Auch das weichste Eisen, wenn es einmal magnetisch gemacht war, behält eine Spur von Magnetismus, die genügt, einen wenn auch sehr kleinen Strom im Anker zu erzeugen. Dieser kleine Strom wird um den Feldmagnet geleitet und macht ihn ein wenig stärker, wodurch auch der induzierte Strom wieder stärker wird und den Feldmagnet noch stärker macht u. s. f., bis die Grenze der Magnetisierungsfähigkeit des Eisens erreicht ist. Zur besseren Veranschaulichung dieses Vorganges stellte Rudi eine Tafel mit der in Abb. 125 dargestellten Figur auf.

Diese Tafel zeigt die sogenannte ~Hauptstrom-~ oder ~Serienschaltung~, weil der Hauptstrom, das ist der ganze im Anker erzeugt werdende Strom, durch die Windungen des Feldmagneten fließt. Anders verhält sich das bei der in Abb. 126 dargestellten Schaltungsweise, der sogenannten ~Nebenschlußschaltung~. Hier liegen die Feldmagnete im Nebenschluß zu dem im Anker erzeugten und durch das Leitungsnetz (_X_) fließenden Strom. Diese Schaltungsweise ist die gebräuchlichere, da durch einen bei _R_ (Abb. 126) eingeschalteten Rheostaten (siehe Anhang) die Spannung bequem reguliert werden kann. Mache ich den Widerstand in _R_ größer, so sinkt die Spannung, mache ich ihn kleiner, so steigt sie.

Es können auch beide Schaltungsweisen kombiniert werden (Verbund- oder Compoundmaschine), doch ist hier nicht der Platz, auf all diese Einzelheiten einzugehen; wir wollen uns lieber nur mit solchen Experimenten beschäftigen, die den Verhältnissen unseres einfachen Laboratoriums angepaßt sind.

So wollen wir z. B. sehen, wie wir einen Elektromotor zur magnetelektrischen Maschine machen können: Wir verbinden die Drahtenden der Feldmagnetwickelung mit einer Batterie und können dann, wenn der Anker gedreht wird, von den Schleiffedern Strom abnehmen. Diese Schaltungsweise zeigt Abb. 127.

Wollen wir mit einem unserer Motoren unser Glück probieren, ob er auch als Generator zu verwenden ist, so müssen wir folgendermaßen verfahren: Wir schalten Anker und Feldmagnet hintereinander (Serienschaltung), in den Stromkreis des Feldmagneten eine Stromquelle und in den äußeren Stromkreis ein Amperemeter _X_ ein, wie aus Abb. 128 ersichtlich ist. (Die Elemente können natürlich auch an einer anderen Stelle des Stromkreises eingeschaltet werden.) Dieser Hilfsstrom braucht nicht stärker zu sein, als daß er den Motor gerade noch in langsame Rotation versetzt. Drehen wir nun den Anker gewaltsam in entgegengesetzter Richtung, als er durch den Batteriestrom gedreht wurde, so wird er einen Strom erzeugen, der gleichgerichtet mit dem der Elemente ist. Während die Maschine im Gang ist, verbinden wir zuerst die beiden Punkte _a_ und _b_ (Abb. 128) durch einen kurzen Kupferdraht und schalten dann die Batterie aus. An dem angeschlossenen Amperemeter können wir jetzt sehen, ob das Glück uns hold war und unseren Motor auch als Generator arbeiten läßt.

Nachdem Rudi die wichtigsten theoretischen Dinge über Motoren und Generatoren besprochen hatte, ging er dazu über, seinen aufmerksamen Zuhörern die praktische Anwendung dieser Maschinen im Großbetriebe zu erklären.

[Sidenote: Die elektrische Lokomotive.]

Zuerst führte er eine kleine elektrische Lokomotive vor. Er hatte sie sich aus einer Spielzeugeisenbahn, an deren Maschine die Betriebsfeder gebrochen war, hergestellt, indem er einen kleinen Elektromotor so auf der Lokomotive, von der er Kessel und Uhrwerk entfernt hatte, befestigte, daß die Welle des Motors unmittelbar auf dem oberen Rande des Lokomotivenrades auflag. Um die Reibung zwischen diesen beiden Rädern zu vergrößern, legte er in die Furche der Motorwelle einen kleinen Gummiring.

Das Geleise der Bahn, das ein großes Oval bildete, befestigte er auf einem entsprechend großen Pappendeckel, den er, um ihm mehr Halt zu geben, auf der Unterseite mit Holzleistchen benagelte. In Abständen von etwa 10 _cm_ stellte er Tragmasten aus Weidenholzstäbchen auf und verband je zwei, die einander gegenüber standen, während das Geleise zwischen ihnen hindurchlief, mit einer Schnur. An dieser wurde die aus 1 _mm_ starkem Kupferdraht bestehende „Oberleitung“ befestigt. Damit die Unterseite, an welcher der stromabnehmende Schleifbügel entlanggleiten sollte, auch an den Befestigungsstellen völlig glatt sei, lötete er auf der Oberseite Drahthäkchen an, die in Schlingen der Aufhängeschnüre eingehängt wurden. Der Schleifbügel war in der Form gebogen, wie wir sie an unseren Straßenbahnen sehen, isoliert von dem übrigen Gestell auf der Lokomotive befestigt und mit der einen Polklemme des Motors verbunden. Die andere Klemme wurde mit dem Gestell der Maschine und außerdem mit einer auf der Radachse aufliegenden Schleiffeder in leitende Verbindung gebracht. Die einzelnen Schienen des Geleises waren untereinander verlötet. Der Strom eines kleinen Akkumulators, der durch die Oberleitung in den Motor eintreten und durch die Räder und Schienen wieder zurückfließen konnte, ließ unsere elektrische Lokomotive ohne Schwierigkeiten eine stattliche Anzahl kleiner Wagen mit ziemlich großer Geschwindigkeit hinter sich herziehen.

[Sidenote: Die Bogenlampe.]

Auch eine kleine Bogenlampe fertigte sich Rudi. Abb. 129 zeigt ihre Einrichtung: Auf dem Grundbrett _a_ ist die Säule _b_ errichtet, in welcher der Hebel _c_ mit dem Griff _d_ befestigt ist. Der Hebel ist aus Holz und darf sich nicht zu leicht um seine Achse drehen, damit er in jeder Lage, in die wir ihn bringen, stehen bleibt. Er hat bei _e_ ein Loch, in welchem die Kohle _K₁_ festgesteckt werden kann; für denselben Zweck ist in _a_, bei _f_ ein Loch. Für _K₁_ und _K₂_ verwenden wir möglichst dünne Bogenlampenkohlen, die wir, wenn wir nur einen schwachen Strom zur Verfügung haben, mit dem Messer sehr fein zuspitzen. Um die Kohlen wickeln wir blanke Kupferdrähte, die zu den Klemmen _g_ und _h_ führen. Um den Lichtbogen zu erzeugen, verbinden wir die beiden Klemmen mit unserer stärksten Stromquelle, bringen die beiden Kohlespitzen zuerst miteinander in Berührung und rücken sie dann ein paar Millimeter auseinander, in welchem Augenblicke der Lichtbogen entsteht. Dies wird bei unserem einfachen Apparat aber nur kurze Zeit dauern, da die Kohlespitzen abbrennen; wir müssen deshalb von Zeit zu Zeit _K₁_, durch Verstellen des Hebels tiefer rücken. Bei großen Bogenlampen werden die Kohlenstifte durch ein selbsttätig wirkendes Uhrwerk auf dem richtigen Abstand erhalten.

[Sidenote: Der Kurzschluss.]

Um das Wesen des berüchtigten ~Kurzschlusses~ zu erklären, hatte Rudi für den Vortrag eine kleine Spielerei hergerichtet. Er klebte sich aus Packpapier ein kleines Häuschen und malte Fenster, Türen u. s. w. auf. An beiden Giebeln ließ er zwei weiße Isolierknöpfe sehen. Rechts und links vom Hause, den Giebeln gegenüber stellte er je eine Telegraphenstange auf. Von den Isolierknöpfen am linken Giebel des Hauses führten zwei starke Kupferdrähte über die Telegraphenstange nach der Akkumulatorenbatterie. Diese Leitungen setzte er mit zwei dünnen Eisendrähten durch das Haus hindurch über die Isolierknöpfe am rechten Giebel bis zu der zweiten Telegraphenstange fort, an welcher eine Leiter lehnte, auf der ein aus Papier geschnittener Arbeiter stand. Der Arbeiter schien an einer Glühlampe zu arbeiten, die an die beiden Eisendrähte angeschlossen war und glühte. In dem Papierhaus legte Rudi auf die Leitung leicht zusammengeballtes mit ~wenig~ Tropfen Petroleum beträufeltes Seidenpapier.

Er erklärte, daß hier von einer starken Stromquelle in einer durch das Haus führenden Leitung der Glühlampe Elektrizität zugeführt werde. Die Glühlampe biete dem Strom einen sehr großen Widerstand, so daß er eine gewisse Stärke nicht überschreiten könne. Wenn nun aber der an der Leitung arbeitende Mann aus Unachtsamkeit ein Werkzeug, z. B. eine Zange fallen ließe, und sie würde so auf die beiden Leitungsdrähte zu liegen kommen, „wie dieses Stückchen Draht hier“ -- dabei legte er ein Stückchen Kupferdraht auf die beiden Eisendrähte --, so würde auch im großen das gleiche Ereignis eintreten wie hier im kleinen. Kaum hatte er das Kupferdrahtstückchen auf die Leitung gelegt, als diese anfing glühend zu werden und durchschmolz; einen Augenblick später stand das Haus in Flammen. Dadurch, daß der Strom, statt den schwierigen Weg durch die Glühlampe nehmen zu müssen, durch das Drahtstückchen ~kurz geschlossen~ -- daher das Wort „~Kurzschluß~“ -- war, wurde er so stark, daß die Leitungsdrähte zu glühen anfingen und das auf ihnen liegende Papier im Hause entzündeten. In Wirklichkeit liegt zwar kein Seidenpapier auf den Leitungsdrähten, diese sind aber meist mit leicht entzündlichen, sehr stark brennenden Materialien wie Pech, Wachs, Guttapercha u. s. w. isoliert.

[Sidenote: Die Sicherungen.]