Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel

Part 10

Chapter 103,189 wordsPublic domain

Eine elektrische Klingel ist sehr einfach herzustellen. Abb. 91 zeigt uns eine solche im Grundriß. _a_ ist ein Grundbrett von beliebigem Holz; _b_ ist ein Elektromagnet, den Abb. 92 im Schnitt zeigt: _a_ ist ein Stück Bandeisen, in das die beiden Magnetschenkel _b₁_ und _b₂_ eingenietet sind. _c_, _c_ sind die Drahtspulen. Die Rähmchen für diese drehen wir aus Holz oder kleben sie aus Karton zusammen. Das Bewickeln von Drahtspulen haben wir im zweiten Vortrag Seite 93 behandelt. Für eine Drahtrolle verwenden wir je nach Größe 12 bis 20 _m_ eines 0,4 bis 0,6 _mm_ starken Kupferdrahtes (für geringere Ansprüche genügen auch 8 bis 10 _m_ eines etwas stärkeren Drahtes). ~Die Endflächen der Magnetpole werden mit Papierscheibchen beklebt, weil sonst der Anker infolge des remanenten Magnetismus ab und zu haften bleiben könnte.~ _c_ (Abb. 91) ist ein federnder Blechstreifen, den wir aus einer alten Uhrfeder oder aus Messingblech herstellen, das wir durch kräftiges Hämmern auf dem Ambos elastisch machen, daran wird _e_, der Eisenanker (ein Stück Bandeisen), angenietet oder angelötet. Die Magnetkerne und der Anker müssen gut durchgeglüht werden. _d_ ist ein Holzklotz, an dem das eine Ende der Feder _c_ befestigt ist, das andere Ende wird mit einem Messinghämmerchen oder einer Messingkugel versehen; etwa in der Mitte wird ein Stückchen Platinblech aufgelötet, dem gegenüber die Kontaktspitze _f_ auf einer kleinen Messingsäule ruht. Es ist gut, wenn man _f_ mit einem Muttergewinde versieht, durch das eine Schraube eingedreht werden kann; an dieser lötet man vorn ein kurzes Stückchen Platindraht auf, das die Kontaktspitze bildet. Am Ende des Brettchens _a_ wird die Glockenschale _g_ angebracht. Wie die einzelnen Teile untereinander in leitende Verbindung zu setzen sind, geht aus der Abbildung hervor. Über dem ganzen kann eine Schutzhülle aus Holz oder Pappe angebracht werden; die Glocke selbst muß natürlich frei bleiben.

[Sidenote: Der Kontaktknopf.]

Wir können uns auch ohne Drehbank recht hübsche Kontaktknöpfe herstellen: Auf ein rundes Grundbrettchen _a_ (Abb. 93) wird in der Mitte ein Nagel mit einem breiten Messingkopf _b_ (Reißnagel) eingeschlagen. Aus gehämmertem Messingblech schneiden wir einen spiralförmigen Streifen (Abb. 94), den wir so mit dem breiteren Ende neben _b_ anschrauben, daß das etwas in die Höhe gebogene schmälere genau über _b_ zu stehen kommt. Die Kapsel stellen wir uns durch Übereinanderleimen von 3 bis 4 Ringen aus Zigarrenkistenholz her. (Siehe Abb. 93.)

Zur Erklärung der Schaltungsweise der elektrischen Hausklingel stellte Rudi eine Tafel auf, deren Zeichnung Abb. 95 zeigt.

[Sidenote: Der Morsesche Telegraph.]

Der Morsesche Telegraphenapparat ist nicht so schwer herzustellen, wie es vielleicht manchem scheinen möchte. Die ganze Konstruktion ist aus den beiden Abb. 96 (Seitenansicht) und 97 (Grundriß) zu erkennen. _a_ ist das Grundbrett; _b₁_ und _b₂_ sind die Achsenträger für die Achse (_c_) des gleicharmigen Hebels _d_, der aus einem Holzstäbchen mit quadratischem Querschnitte herzustellen ist. Für _c_ nehmen wir ein Messing- oder Eisenstäbchen, eventuell einen starken Nagel. Die Achse soll im Hebel fest sitzen, sich in ihren Lagern in _b₁_ und _b₂_ aber leicht drehen lassen. In das eine Ende des Hebels wird der Anker, der mindestens 4 _mm_ dick und 1 _cm_ breit sein soll, eingelassen; das andere Ende wird mit einer Drahtöse versehen, in welche die Spiralfeder _g_ eingehängt werden kann; letztere wird aus 0,6 bis 0,7 _mm_ starkem Messingfederdraht durch Aufwickeln auf ein bleistiftstarkes Metallstäbchen hergestellt. Die Spannung regulieren wir erst später durch Verlängern oder Verkürzen des Aufhängehakens _p_. Statt der Spirale kann auch einfach eine Gummischnur verwendet werden.

Der zweispulige Elektromagnet _f_ wird ebenso hergestellt wie der der elektrischen Klingel; er muß aber etwas größer und stärker sein. Auf dem Hebel _d_ wird an dem Ankerende ein etwa 1 _cm_ breiter Blechstreifen aus gehämmertem, 0,5 bis 0,7 _mm_ starkem Messingblech angebracht. Dieser Streifen soll nahezu so lang sein wie der Hebel selbst. Das vorderste Ende (1 _cm_) wird rechtwinkelig aufgebogen und ein kurzes Stückchen Messingrohr mit etwa 5 _mm_ lichter Weite, in das wir später einen weichen Bleistift stecken, wird daselbst festgelötet. In den _Lagerträgern i₁_ und _i₂_ sind, wie dies in Abb. 98 zu sehen ist, zwei gedrehte Holzwalzen (_k₁_ und _k₂_) eingelassen, die 1,5 bis 2 _cm_ dick sind. Der eine Lagerfortsatz der Walze _k₂_ muß etwas länger sein, damit wir eine Kurbel an ihm befestigen können.

Da beide Walzen stets fest aufeinanderliegen müssen, so sind die Lager von _k₁_ so einzurichten, daß sie vermittels zweier Schrauben niedergedrückt werden können, wie dies aus Abb. 99 zu ersehen ist: Aus dem oberen Ende des Lagerträgers _i_ wird ein rechteckiges Stück (_a_), das die Bohrung für die Rollenachse enthält, herausgesägt und der dadurch entstandene rechteckige Einschnitt noch etwas vertieft. Damit _a_ nicht nach außen herausfallen kann, werden die Enden der Rollenachsen, nachdem die Stückchen _a_ darübergeschoben sind, mit kleinen Scheibchen (_c_, Abb. 98) beklebt. Durch Aufschrauben des Leistchens _b_ (Abb. 98 und 99) wird _a_ niedergedrückt, und dadurch werden die beiden Rollen, die wir noch je mit einem Stückchen Gummischlauch überziehen, aufeinandergepreßt. Die Lagerträger _i_ sind so auf _a_ anzuschrauben, daß _k₁_ gerade unter das Messingröhrchen, das wir am Ende von _h_ angelötet haben, zu liegen kommt. Die beiden Träger _l₁_, _l₂_ haben oben offene Einschnitte, so daß wir den runden Holzstab, auf den wir die Papierstreifenrolle aufschieben, bequem einsetzen können. Nun führen wir noch die beiden Drahtenden des Elektromagneten zu zwei Klemmen an einem Ende des Brettchens _a_.

Wer etwa eine alte Wanduhr, die ihren Zweck als solche nicht mehr erfüllt, besitzt, kann diese zum maschinellen Antrieb für die Rollen _k_ benutzen. Alles für diesen Zweck Unnötige wird von der Uhr entfernt; also Zifferblatt, Zeiger, auch die Zahnradübersetzung 1 : 12 für den Stundenzeiger; ferner wird Pendel, Anker und Ankerrädchen herausgenommen. Das Rädchen, das zum Antrieb für das Ankerrädchen gedient hat, wird durch Anlöten zweier Blechplättchen mit Windflügeln versehen. Die Hauptachse, auf der der Minutenzeiger saß, wird mit der Rolle _k₂_ verbunden. Die Uhr selbst wird auch auf dem Grundbrette befestigt. In dem Werke bringen wir einen Hebel so verstellbar an, daß er das Flügelrädchen entweder freigibt oder festhält. Sollte nun die Geschwindigkeit, die die Uhr den Rollen erteilt, zu groß sein, so können wir, falls der Antrieb mit einem Gewicht erfolgt, dieses verkleinern. Bei Federantrieb geht das nicht; wir müssen deshalb das Ankerrädchen wieder einsetzen und an dieses die Flügel anlöten; durch Verbiegen der letzteren können wir die Geschwindigkeit noch weiter regeln. War die Geschwindigkeit zu gering, so müssen wir eben noch ein weiteres Übersetzungsrädchen herausnehmen.

Wir brauchen nun noch den Taster, der in Abb. 100 dargestellt ist. Er besteht aus einem Grundbrett und einem 1 _cm_ breiten und etwa 7 _cm_ langen Streifen aus federndem Messingblech, ist an einem Ende auf dem Grundbrett aufgeschraubt und am anderen, wie die Abbildung zeigt, umgebogen. Unter dem umgebogenen Ende ist ein Nagel mit einem Messingkopf angebracht. Dieser ist mit der einen, die Feder mit der zweiten Klemme in leitender Verbindung; mit der dritten Klemme ist ein Blechstreifen leitend verbunden, der über die Feder reicht und diese, wenn sie nicht niedergedrückt wird, berührt. Es ist gut, wenn die Verbindungsdrähte nicht nur eingeklemmt, sondern festgelötet werden.

Um den telegraphischen Verkehr zwischen zwei Stationen zu erläutern, hatte Rudi sich zwei Apparate gemacht, die er an den beiden Tischenden aufstellte und mit Batterie und Klingel so schaltete, wie die Abb. 101 zeigt. Hier sind die Apparate der beiden Stationen (I und II) folgendermaßen bezeichnet: _M_ = Morseapparat, _T_ = Taster, _B_ = Batterie (3 bis 4 Leclanché-Elemente), _g_ = Glocke und _U_ = Umschalter. Letzterer ist ähnlich konstruiert wie der Kommutator (siehe Seite 101); er erlaubt mit einem Handgriff entweder die Glocke, oder den Morseapparat einzuschalten.

Angenommen, man will von Station I nach Station II telegraphieren, so hat man folgendes zu tun: Der Umschalter ist so zu stellen, daß der Morseapparat statt der Glocke eingeschaltet ist; dann wird der Taster niedergedrückt, wodurch die Glocke bei II ertönt. Dabei macht der Strom folgenden Weg: in _T₁_ wird der Kontakt _a₁_ geschlossen; von da geht der Strom nach _B₁_, _b₁_, _c₁_, _d₁_, _M₁_, _e₁_, _k₁_, _l₁_, _f_, _l₂_, und da hier _U₂_ noch auf die Glocke geschaltet ist, nach _o₂_, durch _g₂_ hindurch nach _p₂_, _n₂_, _i_, _n₁_, _m₁_, _g₁_ und _a₁_. Durch das Glockenzeichen aufmerksam gemacht, wird nun auf II der Umschalter von _g₂_ auf den Morseapparat umgeschaltet und zum Zeichen, daß dies geschehen, der Taster ein paarmal niedergedrückt; dies bemerkt man in I an dem Aufschlagen des Ankers auf den Elektromagneten. In II wird nun der Papierstreifen in Bewegung gesetzt und in I der Taster. Drücken wir diesen längere Zeit nieder, etwa 1 Sekunde, so wird in II ebensolang der Anker angezogen und dadurch der Bleistift auf das über die Rollen gleitende Papier gedrückt, wodurch ein Strich aufgezeichnet wird. Drückt man dagegen den Taster nur ganz kurz nieder, so wird dadurch nur ein Punkt entstehen. Aus verschiedenen Zusammenstellungen von Punkten und Strichen hat man ein Alphabet festgesetzt, das hier wiedergegeben werden soll.

Die Zeichen für die Buchstaben sind:

a . -- j . -- -- -- s . . . ä . -- . -- k -- . -- t -- b -- . . . l . -- . . u . . -- c -- . -- . m -- -- ü . . -- -- d -- . . n -- . v . . . -- e . o -- -- -- w . -- -- f . . -- . ö -- -- -- . x -- . . -- g -- -- . p . -- -- . y -- . -- -- h . . . . q -- -- . -- z -- -- . . i . . r . -- . ch -- -- -- --

Die Zeichen für die Zahlen sind:

1 . -- -- -- -- 4 . . . . -- 8 -- -- -- . . 2 . . -- -- -- 5 . . . . . 9 -- -- -- -- . 3 . . . -- -- 6 -- . . . . 0 -- -- -- -- -- 7 -- -- . . .

Weitere Zeichen sind noch für:

Punkt . . . . . Komma . -- . -- . -- Fragezeichen . . -- -- . . Ausrufzeichen -- -- . . -- --

Nachdem Rudi seiner Schwester auf diese Weise ein Telegramm über den Tisch hinüber gesandt und Käthe es übersetzt hatte, erwähnte er noch, daß man in der Praxis die eine der beiden Leitungen nicht legt, sondern den Strom durch die Erde leitet. Auch erklärte er, daß man mit dieser einfachen Einrichtung nicht auf sehr große Entfernungen telegraphieren könnte, da in dem großen Widerstand des langen Drahtes der Strom so sehr geschwächt würde, daß er nicht mehr im stande wäre, einen Morseapparat in Tätigkeit zu setzen. Man bediene sich deshalb der sogenannten Relais. Rudi beschrieb nur die Einrichtung und Schaltung des Relais, da er sich keines hergestellt hatte. Er mußte es jedoch später für die drahtlose Telegraphie anfertigen, und es sei deshalb schon hier beschrieben.

[Sidenote: Das Relais.]

Abb. 102 zeigt das Relais im Grundriß. Im wesentlichen ist es konstruiert wie die elektrische Glocke; nur fehlt die Glockenschale, und die Kontaktspitze befindet sich auf der Seite des Ankers, auf der auch der Elektromagnet ist. Der Anker steht ~höchstens~ 0,5 _mm_ von den Magnetpolen entfernt, und die Feder darf nicht sehr stark sein; ihre Spannung kann mit der Stellschraube _e_ reguliert werden. Man darf nicht vergessen, die Polenden mit Papier zu bekleben. Die Kontaktspitze ist so zu stellen, daß sie etwa 0,5 _mm_ von der ihr gegenüberliegenden Verlängerung der Feder absteht. Für normale Ansprüche genügt hier die gleiche Bewickelung, wie bei der Klingel. Nehmen wir mehr und etwas dünneren Draht, so wird das Instrument empfindlicher.

Zum Gebrauche werden die Fernleitungen an die beiden Klemmen _a_ und _b_ angeschlossen; die Klemme _c_ wird mit der einen Klemme des Morseapparates, _d_ mit dem einen Pol der Batterie und die andere Klemme des Apparats mit dem anderen Pole der Batterie verbunden. Kommt nun durch die Ferndrähte von der anderen Station ein Strom, so wird er, auch wenn er sehr schwach ist, den Anker des empfindlichen Relais anziehen; dadurch wird aber der lokale, durch den Morseapparat gehende Batteriestrom geschlossen und der Schreibstift auf den Papierstreifen niedergedrückt. Hört der Fernstrom auf, so geht der Anker des Relais zurück und unterbricht damit auch den lokalen Strom u. s. w.

[Sidenote: Der Elektromotor.]

Eine weitere, in der Praxis ungeheuer wichtig gewordene elektrische Maschine ist der Elektromotor.

Alle die Konstruktionen, nach denen man sich gute Elektromotoren selbst anfertigen kann, hier zu beschreiben, würde zu weit führen. Es seien deshalb nur die Haupttypen erwähnt.

_a_) ~Mit zweipoligem Hufeisenanker.~ Der einfachste Motor besteht aus zwei einander mit den Polen gegenüberstehenden Elektromagneten, von denen der eine fest (~Feldmagnet~), der andere drehbar ist (~Anker~). Die Anordnung geht aus Abb. 103 hervor. _A_ ist der feste, _B_ der bewegliche Magnet; beide sind im wesentlichen ebenso hergestellt wie die der elektrischen Klingel, nur müssen hier die beiden Magnetschenkel weiter auseinanderstehen, da zwischen ihnen die Achse und deren Lagerträger Platz finden müssen. Das Verbindungsstück des drehbaren Magneten ist in der Mitte mit einer Bohrung versehen zur Aufnahme der Achse, die angelötet werden kann. Die Lager werden so hergestellt, wie es schon früher (siehe Seite 22 u. f.) beschrieben wurde, und müssen auch hier gleich eingeölt werden. Bei _c_ wird die Achse mit einer Feile etwas aufgerauht und auf eine Strecke von 1 bis 2 _cm_ in 2 oder 3 Lagen mit Bindfaden umwunden. Dabei ist darauf zu achten, daß alle Windungen regelmäßig nebeneinander liegen. Der dadurch entstandene Wulst ist reichlich mit Schellacklösung (siehe Seite 20) zu bestreichen. Er muß so dick sein, daß wir gerade noch ein etwa 1,5 _cm_ langes Stückchen Messingrohr darüberschieben können. Letzteres wird in zwei Halbzylinder zersägt und so auf dem Wulste befestigt, daß die beiden Hälften einander nicht berühren. Ihre Befestigung erfolgt dadurch, daß wir sie nahe den äußeren Rändern mehrmals mit einem starken Seidenfaden umwinden (siehe auch Seite 143, Abb. 121). Diesen Teil der Maschine nennt man den ~Kollektor~, obgleich die Bezeichnung hier nicht ganz richtig ist; besser wäre es, diesen Teil Kommutator zu nennen; denn er bewirkt, daß die Stromrichtung im Anker im geeigneten Moment geändert wird. Der Ausdruck Kollektor ist von den Ring- und Trommelankermaschinen übernommen. -- Die Enden der Ankerbewickelung sind an den beiden Halbröhrchen, deren Stellung zu den Magnetpolen aus Abb. 104 zu erkennen ist, anzulöten. Der Strom wird dem Anker durch zwei auf dem Kollektor schleifende Federn aus Kupferblech (_a_ und _b_) zugeführt. Wie die einzelnen Drähte zu verbinden sind, geht aus Abb. 103 hervor. Der Strom tritt bei _d_ ein, geht durch die beiden Spulen des Feldmagneten zur oberen Schleiffeder (_b_), durch die Ankerwickelung zur unteren Schleiffeder (_a_) und durch _e_ zur Stromquelle zurück.

Betrachten wir nun die drei schematischen Bilder der Abb. 104. In _A_ geht der Strom so durch den Draht, daß die Pole die vermerkten Vorzeichen erhalten. Die Folge davon ist, daß die Ankerpole von denen des Feldmagneten angezogen werden, bis sie die in _B_ angedeutete Stellung erreicht haben. Hier wird nun die Stromrichtung in der Ankerwickelung gewechselt, da der zur unteren Schleiffeder eintretende Strom jetzt durch die andere Kollektorhälfte in die Ankerwindungen eintritt; dadurch werden die einander gegenüberstehenden Pole gleichnamig magnetisch und stoßen einander ab, wodurch die Stellung _C_ erreicht wird u. s. w.

_b_) ~Mit vierpoligem Hufeisenanker.~ Wollen wir die Wirkung dieses Motors verstärken, so können wir statt eines zweipoligen einen vierpoligen Anker verwenden, wie ihn Abb. 105 zeigt. Dementsprechend ist auch der Kollektor vierteilig zu machen, und es sind die Drahtenden der einzelnen Spulen so mit den vier Kollektorlamellen zu verbinden, wie das Abb. 106 zeigt. Hier sind die beiden Schleiffedern, das heißt die Stellen, an denen der Strom ein- und austritt, mit den Pfeilen α und β bezeichnet. Wie dann der Strom die Magnetpole umkreist, ist durch kleine Pfeile angedeutet. Wir können uns neben der Ampereschen Schwimmerregel zur Bestimmung der Magnetpole noch eine andere, etwas einfachere Regel merken. Sehen wir auf die Polfläche eines Elektromagneten und lassen den Strom ~gegen~ die Richtung der Uhrzeigerbewegung, also ~links~ herum kreisen, so wird der Pol ein ~Nordpol~; geht dagegen der Strom in gleicher Drehungsrichtung wie der Uhrzeiger, also rechts herum, so wird der Pol ein ~Südpol~.

Wir können noch weiter gehen und auch den Feldmagnet vierpolig machen. Dann müssen aber die einander ~gegenüberstehenden~ Pole des Ankers jeweils ~gleichnamig~ magnetisch sein und ebenso die Pole des Feldmagneten. Die Stromumkehr im Anker muß immer dann erfolgen, wenn Anker und Feldmagnetpole einander gegenüberstehen.

_c_) ~Mit sternförmigem sechspoligem Anker.~ Abb. 107 zeigt eine sechspolige Maschine, bei der aber Feldmagnete und Anker etwas anders angeordnet sind als bei der oben beschriebenen Maschine. Diese nach einer photographischen Aufnahme wiedergegebene Maschine kann sich jeder mit sehr geringen Hilfsmitteln anfertigen. Der Anker besteht aus einem sechsteiligen Stern, der aus geglühtem Eisendraht zusammengesetzt ist. Jeder Teil dieses Sternes besteht aus einem Drahtbündel, das fest mit dünnem Bindfaden zu umwinden ist. Durch die Mitte geht eine als Achse dienende Messingstange, die mit den Drähten verlötet ist. Damit die Polenden des Ankers alle gleichweit von der Mitte entfernt seien -- und das ist sehr wichtig --, wurden die einzelnen Drähte zuerst etwas länger genommen und die umwundenen Bündel dann an der richtigen Stelle abgesägt; denn feilen lassen sich die Enden solcher Drahtbündel nicht gut. Die einzelnen Schenkel des Feldmagneten sind gleichfalls aus Drahtstücken hergestellt, die in ein aus vier Bandeisenstreifen hergestelltes und mit Draht umwundenes Sechseck eingeklemmt sind. In die vier Eisenbänder wurden an den sechs Stellen der Magnetschenkel halbrunde Ausschnitte eingefeilt, in welche die runden Drahtbündel eingeklemmt werden konnten, ohne ihre Form zu verlieren. Die Maschine ist für zweiphasigen Wechselstrom von 120 Volt gebaut, kann aber auch für Gleichstrom verwendet werden und dient zum Antrieb für eine Influenzelektrisiermaschine von 50 _cm_ Scheibendurchmesser. Der Abstand zweier Sechseckseiten beträgt 20 _cm_. Werden die Magnetenden noch mit Polschuhen versehen (siehe unten), so wird die Wirkung erhöht.

_d_) ~Mit Doppel-_T_-Anker.~ Die Motoren mit dem Doppel-_T_-Anker sind zwar in ihrer Konstruktion sehr einfach, haben aber den Nachteil, daß wir uns den Anker, wie den Feldmagnet nicht selbst herstellen können. Wir kommen auf diese Ankerform bei der magnetelektrischen Maschine (Seite 138 u. f.) nochmals zurück und gehen darum hier nicht näher darauf ein. Bei all den hier beschriebenen Maschinen sind die Lager für die Achsen nach der auf Seite 22 u. f. angegebenen Weise anzufertigen und sofort zu ölen.

_e_) ~Mit Ringanker.~ Rudi erklärte in diesem Vortrag auch den Grammeschen Ring ziemlich ausführlich. Er hatte sich einen Ringankermotor gebaut, der ihn allerdings sehr viel Zeit und Arbeit kostete, wobei er sich aber durch manchen Mißerfolg nicht abschrecken ließ.

Es möge hier die Herstellung einer solchen Ringmaschine beschrieben werden; doch es sei vorher erwähnt, daß nur sauberste und sorgfältigste Arbeit einen guten Erfolg verbürgt.

Zuerst wollen wir jedoch das Wesen des Grammeschen Ringes kennen lernen, das Rudi mit einem einfachen Experiment seinen Hörern klar machte. Er umwickelte zwei halbkreisförmig gebogene kleine Eisenstangen nach der in Abb. 108 angegebenen Weise in wenig Windungen mit je einem isolierten Kupferdrahte, durch den er dann in einer bestimmten Richtung den Strom schickte und die dabei entstehenden Magnetpole durch die Ablenkung der Magnetnadel erkennen ließ. Als er nun die beiden Halbkreise so mit den gleichnamigen Polen zusammenhielt, daß ein geschlossener Kreis entstand, wirkte der Ring wie ein einziger, zweipoliger Magnet.

So einfach die Herstellung dieses Modells des Grammeschen Ringes ist, soviel Mühe und Sorgfalt erfordert der richtige Ringanker.

Der Kern des Ankers, der die Form eines flachen Ringes erhält, wird aus 0,5 _mm_ starkem gut durchgeglühtem Eisendraht hergestellt, indem wir den Draht auf eine entsprechende Form aufwinden. Den Schnitt durch diese Form zeigt Abb. 109. Ein rundes Brettchen, dessen Durchmesser gleich dem der Öffnung des Ringes ist, wird beiderseits mit zwei größeren Brettchen begrenzt, so daß eine Rinne entsteht, in die der Draht hineingewickelt wird. (Die Größenverhältnisse der einzelnen Teile kann man der Abb. 114 entnehmen.) Zwischen die einzelnen Lagen wird reichlich eine dicke Schellacklösung gegossen, die nach dem Trocknen den Draht zusammenhält, so daß die runden Brettchen entfernt werden können.

Der Ring wird nun mit zwölf kleinen Drahtspulen umgeben, wie wir aus Abb. 110 ersehen können. Um diese Spulen möglichst regelmäßig anbringen zu können, bezeichnen wir die betreffenden Stellen durch Papierstreifchen, die wir mit Schellack aufkleben. Jede Spule erhält drei bis vier Lagen eines ~gut~ isolierten Kupferdrahtes. Über die Drahtstärken wird weiter unten (Seite 134) noch ausführlich gesprochen werden. Kommt mit Baumwolle umsponnener Draht zur Verwendung, so ist dieser während des Aufwickelns mit Schellacklösung zu bestreichen. Bei doppelt mit Seide umsponnenem Draht ist das nicht nötig, es trägt jedoch zur größeren Festigkeit der Spulen bei. Die Drahtenden werden von ihrer Isolierung befreit, und jeweils wird der Anfang des Drahtes der einen Spule mit dem Ende des Drahtes der nächsten zusammengedreht.