Einheimische Fische; Die Süßwasserfische unsrer Heimat

Part 13

Chapter 131,474 wordsPublic domain

Der _Maifisch_ oder die Alse (_Clúpea alósa_) mit dem tief gespaltenen Maul und den beiden merkwürdigen Flügelschuppen vor der Schwanzflosse kann uns zu der wirtschaftlich so hochwichtigen Gruppe der Heringe hinüberleiten, denn er läßt sich recht gut als der Hering des Süßwassers charakterisieren, und auch seine kleinere und etwas später erscheinende Abart, die Finte, verrät selbst dem Laien sofort ihre Zugehörigkeit zur großen Heringsfamilie. Auch der Maifisch verbringt den größten Teil seines Daseins im Meer und wandert nur zur Laichzeit in den Flüssen aufwärts, indem er sich mit seltener Pünktlichkeit an ihren Mündungen einstellt und dann in großen Scharen dicht unter der Oberfläche und mit vielem Gelärm, das durch fortwährende Schwanzschläge verursacht wird, sich aber wie Schweinegrunzen anhören soll, flußaufwärts zieht. So werden seine Wanderungen sehr auffällig und sind denn auch von jeher von den Fischern weidlich ausgenutzt worden. Zum Überspringen von Hindernissen entschließt sich dieser behäbige und phlegmatische Fisch aber nicht leicht, macht deshalb auch nur selten von den angelegten Fischleitern Gebrauch und fehlt daher heute schon vielfach wegen der vielen Wehre in Gewässern, wo er früher eine regelmäßige und gern gesehene Erscheinung war, wie im Main. Man sagt auch ihm nach, daß er während der ganzen Reise fasten soll, und jedenfalls sind die wenigen Maifische, die den Zähnen der Raubfische und den Netzen der Menschen entgingen und nach beendigtem Laichgeschäft wieder zum Meere zurückkehren, jämmerlich abgemagert und völlig erschöpft, so daß auch der sie mit Verachtung straft, dem im Frühjahr der feiste Fisch trotz seiner vielen Gräten als ein köstlicher Leckerbissen erschien. Dagegen soll der im Meere lebende Maifisch auch nichts wert sein, und es scheint, daß er erst eine Zeitlang Süßwasser kneipen müsse, um der menschlichen Tafel würdig zu werden. Bei der Rückkehr, die nach dem stolzen und geräuschvollen Frühlingseinzug anmutet wie die Rückkehr der großen Armee aus den Schneefeldern Rußlands, sterben viele vor Ermattung, und man sieht dann ihre Leichname oft massenhaft stromabwärts treiben. Leider wird auch dieser Fisch, der einst bei Speyer zu Tausenden mit Schaufeln dem Rhein entnommen werden konnte, bei uns immer seltener, wozu namentlich die Raubfischerei der Holländer beitragen mag, die die Rheinarme mit einer mehrfachen Netzwand ihrer ganzen Breite nach abzusperren pflegen, so daß der weitaus größte Teil der wandernden Fische schon hier ein frühzeitiges Ende findet.

In richtiger Erkenntnis von der steigenden wirtschaftlichen Bedeutung unserer Süßwasserfischerei, die durch die Verunreinigung der Gewässer vielfach zurückgegangen war, sich neuerdings aber mit Hilfe der künstlichen Fischzucht wieder gehoben hat, haben die Regierungen während der letzten Jahre die gesetzlichen Vorschriften zu ihrer Erhaltung beträchtlich ausgebaut und erweitert, die auf Fischfrevel gesetzten Strafen bedeutend verschärft. So begrüßenswert das ist, muß doch der Naturfreund bedauern, daß man dabei im Übereifer vielfach über das Ziel hinausgeschossen ist und insbesondere der systematischen Vernichtung der Fischfeinde eine ganz übertriebene Bedeutung beigelegt hat. Wohin soll es z. B. führen, wenn, wie der neue preußische Fischereigesetzentwurf vorsieht, künftig der Fischer das Recht haben soll, ohne Rücksicht auf den Jagdinhaber fischfressende Vögel zu vertilgen und sogar ihre Nester zu zerstören? Dann wären wir auch die letzten Reste von Reiherkolonien u. dgl. bald los, für Eisvogel und Wasseramsel hätte die Todesstunde geschlagen, und die traurige Verödung unserer einst so reichen Natur wäre wieder um einen Riesenschritt weiter. Nein, gerade der Fischer, der den unerschöpflichen Reichtum des Wassers kennt, wie kein anderer, sollte auch die Wahrheit des alten Spruches erkennen: Raum für alle hat die Erde!

Register

Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine Abbildung im Text

Aal 21, 67, *69 Aalleiter 72 Aalmutter 67 Aalraupe 97 _Abramis brama_ 60 _Acerina cernua_ 28 _Acerina schraetser_ 27 _Acipenser_ 98 Aland 59 Alandblecke 62 _Alburnus alburnus_ 61 _Alburnus bipunctatus_ 62 _Alburnus mento_ 62 Alse 101 _Anableps tetrophthalmus_ 37 _Anguilla vulgaris_ 67 Äsche 90 _Aspius aspius_ 60 _Aspro streber_ 27 _Aspro zingel_ 27

Bachneunauge 99 Bachsaibling 90 Barbe 21 _Barbus fluviatilis_ 21 _Barbus petenyl_ 21 Barsch 65 Bartgrundel 13 Berschik 27 Bitterling 39, 40 Blaufelchen 91 Blei 60 _Blicca björkna_ 60 Blikke 60 Brassen 60 Breitschädel 17

_Carassius carassius_ *55 _Chondostroma nasus_ 62 _Clupea alosa_ 101 _Cobitis barbatula_ 13 _Cobitis fossilis_ 10 _Cobitis taenia_ *12 _Coregonus albula_ 91 _Coregonus hiemalis_ 92 _Coregonus lavaretus_ 91 _Coregonus oxyrhynchus_ 92 _Coregonus wartmanni_ 91 _Cottus gobio_ 15, *16 _Cyprinus carpio_ 48

Darmatmung 14 Dickkopf 17 Döbel 58 Donaulachs 88 Dünnbauch 34 Durstgefühl 54

Elritze 57 Entwicklung des Eis 86, *87 _Esox lucius_ 92

Farbenblindheit 38 Färbung 17 Farbwechselvermögen 19 Finte 101 Fischauge 36 Fischzucht, künstliche 85 Flußbarbe 21 Flußbarsch 22, *23 Föhrchen 84 Forelle 12, 15, 66, 81 Forellenbarsch 28

Gähnen 10 _Gasterosteus aculeatus_ 42 _Gasterosteus pungitius_ 47 Gefühlssinn 32 Gehörorgan 29 Geruchssinn 35 Geschmackssinn 35, 36 Giftwaffen 20 Glasaal 71 Glöckchen 36 _Gobio gobio_ 56 _Gobio uranoscopus_ 57 Goldfisch 56 Goldorfe 59 Greßling 56 Groppe 15, *16 Grotzfisch 17 Grundforelle 90 Gründling 56, *57 Güster 60

Hai 6 Hakenlachs *77 Hecht 92 Hochzeitskleid 39 Huchen 88

Jahresringe 80 _Ichthyophonus hoferi_ 84

Karausche *55 Karpfen 7, 8, 48, 65 Katzenhai 6, 9 Katzenwels 35 Kaulbarsch 28 Kaulhäuptlein 17 Kaulquappe 17 Kautzenkopf 17 Kiemenapparate 15 Kiemenatmung 14 Kilch 92 Körper, »roter« 54 Kropffelchen 92 Kulheet 17

Lachs 70, 75 Lachsforelle 89 Lamprete 99 Lauben 62 Lederkarpfen 48 Legeröhre 40 _Leptocephalus brevirostris_ 70 Lernfähigkeit 66 _Leucaspius delineatus_ 33 Leuchtorgane 19 _Leuciscus cephalus_ 58 _Leuciscus erythrophthalmus_ 59 _Leuciscus idus_ 59 _Leuciscus rutilus_ 59 Lippfisch 9 _Lota lota_ 97 _Lucioperca sandra_ 26 _Lucioperca volgensis_ 27

Maifisch 101 Maiforelle 90 Mairenke 62 Makrele 99 Malermuschel *40, 41 Maräne, große 91 Maulbrüter 9 Mäusefresser 58 Meerforelle 89 Messerkarpfen 34 Moderlieschen *33 Mühlkoppe 17

Nase 62 Neunauge 99

_Osmerus eperlanus_ 90 Otolith 29 Oval 54

Panzerwels 9 Papst 17 _Pelecus cultratus_ 34 _Perca fluviatilis_ 22 _Petromyzon fluviatilis_ 100 _Petromyzon marinus_ 99 _Petromyzon planeri_ 99 Pfaffenlaus 28 Pfäffikonmaräne 91 Pfrillen 58 Phototaxis 64 _Phoxinus laevis_ 57 Plötze 59 Pricke 100

Quappe 97 Querder 100

Rapfen 60 Regenbogenforelle 90 _Rhodeus amarus_ 39 Roche 6 Rotauge 59 Rotzkober 17 Rümpchen 58

Saibling 89 Salm 76 _Salmo fontinalis_ 90 _Salmo hucho_ 88 _Salmo irideus_ 90 _Salmo lacustris_ 89 _Salmo salar_ 75, 76 _Salmo salvelinus_ 89 _Salmo trutta_ 89 Schill 26 Schlafstellung 8 Schlammbeißer 10, 12, 14 Schlammgeschmack 14 Schlammpeitzker 8, 9, 10, 12 Schleie 56 Schmerle 13 Schnäpel 92 Schneider 62 Schneiderkarpfen 39 Schnelligkeit 52 Schrätzer 27 Schutzfärbung 19 Schwarzbarsch 28 Schwarzreiter 89 Schwebeforelle 89 Schwimmbewegung 52 Schwimmblase 53 Seeforelle 89 Seitenlinie 31, 32 Semling 21 Sichelfortsatz 36 Sichling 34 Silberforelle 90 _Silurus glanis_ 96 Sommerschlaf 7 Spiegelkarpfen 48 Statolith 29 Stechbüttel 43 Steinbeißer 9, *12 Steingreßling 57 Stichling 42, 66 Stint 90 Stör 98 Streber 27 Symbiose 41

Taumelkrankheit 84 Tastsinn 32 _Thymallus vulgaris_ 90 _Tinca tinca_ 56 Töne 15 Traunseemaräne 91 Trüsche 97 _Trutta fario_ 81

Uckelei 61

Waller 96 Wanderung 63 Weißfisch 7 Wels 96 Winterschlaf 7

Zahnkarpfen 37 Zander 26 Zicke 34 Zingel 27 _Zoarces vivipara_ 67 Zwergbricke 99 Zwergmaräne 91 Zwergstichling 47 Zwergwels 9

Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages!

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_Jahresbeitrag von nur M 4.80_

(Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto besonders.)

= K 5.80 h ö. W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied keinerlei Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende _große Vorteile geboten: _

Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren Jahresbeitrag im Jahre 1913 kostenlos:

I. Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde. _Reich illustr. Mit mehreren Beiblättern (siehe S. 3 des Prospektes)._

Preis für Nichtmitglieder M 2.80.

II. Die ordentlichen Veröffentlichungen.

Nichtmitglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.-- pro Band.

Dr. H. Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.

Dr. Ad. Koelsch, Der blühende See.

W. Boelsche, Festländer und Meere.

Dr. K. Floericke, Einheimische Fische.

Dr. A. Zart, Atome, Moleküle und andere naturwissenschaftliche Hypothesen.

Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser bekanntgegeben.)

III. Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden naturwissenschaftlichen Werken _(siehe Seite 6 des Prospektes)_.

[Symbol Hand]_Jede Buchhandlung_ nimmt Beitrittserklärungen entgegen und besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die Geschäftsstelle des Kosmos in Stuttgart.

Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.

Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.

Satzung

§ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten.

§ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die Herausgabe eines den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch Herausgabe neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, die sie ihren Mitgliedern unentgeltlich oder zu einem besonders billigen Preise zugänglich macht, usw.

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§ 5. Siehe vorige Seite.

§ 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der =Franckh'schen Verlagshandlung=, Stuttgart, Pfizerstraße 5. Alle Zuschriften, Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.

Kosmos

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Erscheint jährlich zwölfmal -- 2 bis 3 Bogen stark --

und enthält:

=Originalaufsätze= von allgemeinem Interesse aus sämtlichen Gebieten der Naturwissenschaften. Reich illustriert.

=Regelmäßig orientierende Berichte= über Fortschritte und neue Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.

=Auskunftsstelle= -- Interessante kleine Mitteilungen.

=Mitteilungen über Naturbeobachtungen=, Vorschläge und Anfragen aus dem Leserkreise.

=Bibliographische Notizen= über bemerkenswerte neue Erscheinungen der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.