Eine Reise nach Freiland

Part 16

Chapter 16799 wordsPublic domain

Als ich mich mit meiner Braut verlobt hatte und die Einrichtung unseres zukünftigen Heims zur Sprache kam, erwähnte ich, daß ich in Europa ein sehr bedeutendes Vermögen zurückgelassen, über welches ich allerdings teilweise bereits zu gunsten des freiländischen Gemeinwesens verfügte, von welchem jedoch immerhin noch genug vorhanden sei, um uns hier den Luxus eines besonders schön und behaglich eingerichteten Hausstandes zu gestatten. Da verfärbte sich meine Braut und bat mich dringend, auf diesen Gedanken zu verzichten. Als ich nach dem Grunde forschte und zu wissen begehrte, warum ihr meine Absicht so hochgradigen Widerwillen einflöße, erklärte sie mir zögernd, es wäre ihr geradezu unheimlich, einen Luxus zu genießen, der aus Not und Jammer unterdrückter Mitgeschöpfe erwachsen. »Mir würde zu Mute« -- so meinte sie -- »als ob ich Menschenfleisch genießen müßte; so wenig eine in Europa aufgewachsene Frau es ertragen könnte, wenn in ihren Hausstand eine Anzahl fetter Menschen eingeschlachtet würde, ebensowenig kann ich, die ich seit meiner Kindheit Freilands Luft geatmet, es vertragen, etwas zu genießen, was entstanden ist, indem menschliche Geschöpfe durch Überanstrengung und Entbehrung zu Tode gehetzt wurden.«

Und dabei blieb es; auch der Rest meines in Europa von meinen Vorfahren nach den dortigen Begriffen »redlich erworbenen« Vermögens ist in die Kasse der freiländischen Behörde für auswärtige Angelegenheiten gewandert, welche derartige Einzahlungen reicher Genossen -- in Verbindung natürlich mit den zu gleichen Zwecken aufgewendeten Mitteln unseres Gemeinwesens -- dazu benützt, um stets größeren und größeren Massen ausländischer Proletarier die Übersiedelung nach Freiland zu ermöglichen.

Ende.

Inhaltsverzeichnis.

Seite Vorwort 3 1. Kap. Warum ich auswanderte 7 2. Kap. Die Reise 18 3. Kap. Wo Freiland liegt und was Freiland ist 25 4. Kap. Wer mir in Freiland die Stiefel putzte und wie es 32 dort in den Straßen aussieht. Das Eigentum an Wohnhäusern 5. Kap. Wie ich in Freiland einen Beruf wählte und im 42 Speisehause mein Mittagessen bezahlte 6. Kap. Das Statut einer freiländischen Erwerbsgesellschaft 52 und die Arbeitserträge 7. Kap. Warum Freiland so viel Maschinen verwendet und 64 woher es sie nimmt 8. Kap. Ein freiländisches Hauswesen und das freiländische 81 Versorgungsrecht 9. Kap. Die Centralbank, das Geldwesen und das Lagerhaus. 92 Über die Freiheit in Freiland 10. Kap. Unmöglichkeit von Krisen in Freiland. Die 108 freiländische Rentenversicherung 11. Kap. Eine Ferienreise in Freiland. Der 117 landwirtschaftliche Betrieb. Verteilung von Boden und Kapital 12. Kap. Eine Gründung in Freiland 134 13. Kap. Die Verfassung von Freiland. Die freiländische 145 Steuer 14. Kap. Über Geselligkeit, Liebe und Religion in Freiland 156 15. Kap. Über die Tüchtigkeit der gewählten 168 Betriebsleitungen, künstlerische Produktion, Kommunismus und Anarchismus, Staatsbetrieb, allgemeine Anwendbarkeit der freiländischen Grundsätze und die Furcht vor Übervölkerung Schlußkapitel 182

Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Korrekturen (vorher/nachher):

[S. 7]: ... gebildetsten und liebenswürdigsten Mädchens aus einer der ... ... gebildetsten und liebenswürdigsten Mädchen aus einer der ...

[S. 16]: ... verzichte entgültig auf dieselbe. Meinem Mitbewerber erzählte ... ... verzichte endgültig auf dieselbe. Meinem Mitbewerber erzählte ...

[S. 23]: ... Unser Zug brauchte für die 280 Kiliometer der Tana-Keniabahn ... ... Unser Zug brauchte für die 280 Kilometer der Tana-Keniabahn ...

[S. 33]: ... denn, mir unerfahrene Fremdling zu erklären, erstens, wozu ... ... denn, mir unerfahrenem Fremdling zu erklären, erstens, wozu ...

[S. 35]: ... es nur gerecht finden, daß uns auch die Wartezeit vergüte ... ... es nur gerecht finden, daß uns auch die Wartezeit vergütet ...

[S. 51]: ... Orten zu erzielenden Gewinste zur Beschaffheit und Nähe ... ... Orten zu erzielenden Gewinste zur Beschaffenheit und Nähe ...

[S. 55]: ... durch die Generversammlung im Wege einer mit jedem ... ... durch die Generalversammlung im Wege einer mit jedem ...

[S. 66]: ... Nun besteht in Europa zwischen dem Werte des Arbeitergebnisses ... ... Nun besteht in Europa zwischen dem Werte des Arbeitsergebnisses ...

[S. 67]: ... zehn Jahreslöhne nicht einmal 60-70 Pfund Sterling. ... ... zehn Jahreslöhne nicht einmal 60-70 Pfund Sterling.« ...

[S. 86]: ... auf jede Frau 108 Pfund Sterling, der Kinderzuschlage ... ... auf jede Frau 108 Pfund Sterling, der Kinderzuschlag ...

[S. 87]: ... Rechtes, welches auch die Arbeitsunfähigen an den allgemeinen ... ... Rechtes, welches auch die Arbeitsunfähigen an dem allgemeinen ...

[S. 100]: ... bemessen« fragte ich. ... ... bemessen?« fragte ich. ...

[S. 114]: ... seine Versorgungerente beliebig erhöhen. ... ... seine Versorgungsrente beliebig erhöhen. ...

[S. 114]: ... des Bezugberechtigten auf zwölf Mark steigen; unser Mann ... ... des Bezugsberechtigten auf zwölf Mark steigen; unser Mann ...

[S. 124]: ... hunterttausend Arbeitsstunden beanspruchen, so würde ... ... hunderttausend Arbeitsstunden beanspruchen, so würde ...

[S. 129]: ... verbietet ihr hier den Leuten, Kapital, daß sie allenfalls auf ... ... verbietet ihr hier den Leuten, Kapital, das sie allenfalls auf ...

[S. 131]: ... die Begriffstützigkeit einer Frau, die in frühester Jugend Ihr ... ... die Begriffsstutzigkeit einer Frau, die in frühester Jugend Ihr ...

[S. 136]: ... derzeit auf zwölhundertundfünfzig Mark im Jahre. ... ... derzeit auf zwölfhundertundfünfzig Mark im Jahre. ...

[S. 137]: ... wäre, sie an die Verwirklichung eines derartigen Hingespinstes ... ... wäre, sie an die Verwirklichung eines derartigen Hirngespinstes ...

[S. 143]: ... sollen, über das Außmaß dieser Bewilligung verhandeln, ist ... ... sollen, über das Ausmaß dieser Bewilligung verhandeln, ist ...

End of Project Gutenberg's Eine Reise nach Freiland, by Theodor Hertzka