Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt

Part 21

Chapter 211,670 wordsPublic domain

1. Hr. Dr. Arendt. 2. Hr. Justizrat Dietrich. 3. Hr. Amtsgerichtsrat Schwarz. 4. Hr. Oberstabsarzt Hönmann (der hiesige Begleiter). 5. Hr. Oberamtsrichter Kalkhof. 6. Hr. Ingenieur Hackbarth (Leiter der Usambara-Bahn). 7. Hr. v. Prince. 8. Hr. Kapitän Doherr von der Deutsch-Ostafrika-Linie. 9. Hr. Lehmann. 10. Hr. Bezirksamtmann Zache von Tanger. 11. Hr. Oberst v. Massow. 12. Fr. v. Prince.

(Zu S. 231.)]

Für Unverheiratete, die in der Steppe eine Farm gründen wollen, sind Kapitalien von 30000-50000 Mark erforderlich. Für Familien mit Kindern ist eine Ansiedlung dort wegen der Malaria nicht zu raten.

Ich schreibe dies im „Wonnemonat Mai“, wo zu Hause alles blüht und sprießt und zu neuem Leben erwacht ist. Auch uns gibt der Mai frisches Leben durch seine große Feuchtigkeit. April und Mai sind für uns die Winterzeit, die hier sogenannte große Regenzeit, für sie wird schon Monate vorher fleißig vorgearbeitet. Da wird der Boden urbar gemacht und zubereitet, um die Pflanzen, wenn die Regenzeit beginnt, aufnehmen zu können. Den neuen Anpflanzungen gibt der Regen frische Kraft, daß sie schneller anwurzeln. Dies ist für alle Kulturen das gleiche und ändert sich nur in der Art des Geländes; bei Grasland z. B. ist die Arbeit eine entsprechend geringere als bei Buschland. Ein guter Pflanzer ist derjenige, der bis zur großen Regenzeit -- so genannt zum Unterschied von der kleinen Regenzeit im November und Dezember, weil es in diesen Monaten weniger regnet -- sein gestecktes Ziel erreicht hat.

Überhaupt, gesund sind wir alle! Früher galt der Satz als unumstößlich richtig: wo es in Afrika fruchtbar ist, ist es ungesund und gesund nur, wo es unfruchtbar ist. Nun, Usambara liefert den Beweis, daß das in dieser Verallgemeinerung nicht zutrifft. Auch außerhalb der Usambara-Berge weist Deutsch-Ostafrika noch weite, weite Strecken Landes auf, in denen der Deutsche arbeiten kann.

Ich hoffe und ich glaube es bestimmt, unsere Berge werden in nicht allzu ferner Zeit vielen fleißigen deutschen Siedlern eine neue Heimat auf deutschem Boden gewähren. Es herrschen vielfach auch darüber ganz übertriebene Vorstellungen, welches Grundkapital dazu erforderlich sei, sich hier eine Existenz zu gründen. In Wirklichkeit gehören dazu nicht Hunderttausende. Schon mit einem Kapital von 30-50000 Mark kann man vorwärtskommen. Freilich: das Vermögen allein tut es wahrlich nicht. Zäher Fleiß und unbeugsame Energie und die Gabe, sich in den neuen Verhältnissen zurechtzufinden, müssen sich dazu gesellen. Man muß sich zu schicken wissen, muß Entbehrungen in den Kauf nehmen können. Man darf nicht mit den Allüren des großen Herrn nach hier kommen, der einen breiten Train mit sich führt, mit kostspieligem Aufsichtspersonal rechnet. Selbst ist der Mann -- das gilt hier! Und die Frau muß dem Mann als wahre Helferin, recht als guter Kamerad zur Seite stehen. Das Leben ist auch hier ein Kampf. Aber dieser Kampf birgt unzählige Freuden in sich. Das Ringen mit der Wildnis, das Erschließen eines Stückchens Land nach dem anderen gewährt immer neue Genugtuung. Und immer neue Befriedigung bringt auch das Erhalten des Errungenen, denn die Wildnis sucht sich jedes Fleckchen Erde, das man ihr abgewonnen, unausgesetzt zurückzuerobern. Wir sind glücklich bei alledem gewesen, andere können es auch sein: in dem Bewußtsein, für die eigene Familie zu arbeiten, die Pflicht gegen sie -- und zugleich damit eine Pflicht gegen unser teures Vaterland und seine schönste Kolonie zu erfüllen.

Dort oben auf meinem Bücherbrett stehen Goethes Werke -- er hat auch uns ein gutes Wort gegeben:

„Wenn jeder von uns als einzelner seine Pflicht tut und jeder nur im Kreise seines nächsten Berufes brav und tüchtig ist, so wird es um das Wohl des Ganzen gut stehen... Jeder wisse den Besitz, der ihm von der Natur, von dem Schicksal gegönnt war, zu würdigen, zu erhalten, zu steigern; er greife mit allen seinen Fähigkeiten so weit umher, als er zu reichen fähig ist. Immer aber denke er dabei, wie er andere daran will teilnehmen lassen.“ -- -- --

Anhang.

Ballade.[13]

shairi la bwana Prinzi.

1. _sasa ntawakhubiri 1. Ihr, die ihr noch nicht wißt, khabari zilizojiri Was hier sich zugetragen, toka mwanzo na akheri So wie’s die Wahrheit ist, zote pia ntawambia._ Will ich euch alles sagen.

2. _moyo umetanaffasi 2. Zwar ist mir herzlich bang, wala sina wasiwasi Ob mir dies wird gelingen. sifu za bwana Prinzi Auf Prince einen Lobgesang sasa ntawahadithia._ Will ich euch allen singen.

3. _ntamsifu kwelikweli 3. Zu euch, die fern von hier, hatta na walio mbali Sein Lob auch Weg soll finden. wayasikie makali Drum lauschet alle mir, yote nitayowambia._ Ich will sein Lob verkünden.

4. _Prinzi ni mtu mwema 4. Prince ist ein guter Mann, ana wingi wa heshima Dem viele Ehr’ gebühret. wala sipati kusema Doch ich nicht sagen kann, nanyi mnajionea._ Ob ihr davon erführet.

5. _Prinzi mtu mkali 5. Prince ist ein tapf’rer Mann; anayo nyingi akili Verstand und Mut nicht fehlen. tazameni na dalili Seht als Beweis euch an mamboye yatawelea._ Seine Taten, die alles erzählen.

6. _Prinzi mtu thabiti 6. Prince ist der richt’ge Mann, aogopwa barra Afriti Ohn’ ihn es schlimm aussähe. Wahehe na Wamafiti Zur Ordnung hält er an adabu zimewengia._ Mafiti und Wahehe.

7. _aingiapo vitani 7. Er ist ganz umgetauscht, hana akili kitwani Wenn in den Kampf er zieht. umthanni +sakrani+ Er scheint von Wein berauscht, jinsi anavoghasia._ Und alles vor ihm flieht.

8. _Mzungu huyu thabiti 8. Er ist Europas Zier. wala hahofu mauti Sein Mut läßt sich nicht beugen. twamjua watu woti Wir kennen ihn alle dafür kweli nnayowambia._ Und können es allen bezeugen.

9. _wala sineni uwongo 9. Die Wahrheit ich euch bring’, thabiti wangu utungo Nichts ist daran verkehret. sifa za huyu Mzungu Und Princes Lob ich sing’, ote tumezisikia._ Wie wir es alle gehöret.

10. _Mzungu huyu shujaa 10. Die Wahehe, Prince sei dafür Lob, Wahehe walitaa Sich ihm unterwerfen kamen. imeondoka khadaa Der Wahn ist geschwunden drob kwa Wahehe ote pia._ Den Wahehe allen zusammen.

11. _Prinzi ana bahati 11. Viel Geschick hat Prince, unser Herr, wala kunena sipati Euch brauch’ ich es kaum noch singen, nawambiani kwa oti Doch möcht’ ich es übers Meer Ulaya jermania._ Nach Europa den Deutschen bringen.

12. _maneno yangu ni kweli 12. Exzellenz v. Schele nur fragt mwuzeni von Scheli Wollt unwahr mein Wort ihr finden atawapani dalili Denselben Bericht er euch sagt; na khabari yote pia._ Die Beweise wird er euch verkünden.

13. _yafaa kuheshimiwa 13. Prince neue Würden erlang. na daraja kuzitiwa Er verdienet gar viele Ehren. kupawa na umayoa Er erhalte den höchsten Rang, zama ataporejea._ Wenn nach Haus er zurück wird kehren.

14. _ni hayo yangu maneno 14. Er hatte hier schwere Zeit, eme toa bika kwa mno Wie keiner in der Runde. wala hapana mfano Drum erklinget weit und breit nami najimsifia._ Sein Lob aus jedem Munde.

15. _tafathali bana Scheli 15. Mit ihm zum Herrscher zu geh’n, sultani mkabili Bitt’ ich dich, _bana_ Schele; mwenende wote wawili Und alles, was wir geseh’n, umweleze yote pia._ Du ihm getreulich erzähle.

16. _umwambie mtu mwema 16. Sag’ ihm, wie tüchtig er sei, amwongezee heshima Daß neue Ehr’ er ihm baue. ampe na nyumba njema Er gab ihm ein Haus, schön und neu, apate kufurahia._ Damit er sich daran erfreue.

17. _mwambie bana Kaisa 17. Sag’ es dem Kaiser an, kalla neno aliweza Der geben kann nach Gefallen. naye ni mtu aziza Er ist ja ein mächtiger Mann, sultani wetu pia._ Der Herrscher von uns allen.

18. _tamati ntawakifu 18. Doch gekommen bin ich zum End’, ya Prinzi kumsifu Daß Princes Lob ich euch singe. ni huo wake wasifu Sein Verdienst, das jeder hier kennt, ote nimesha wambia._ Ist wahr, so wie ich’s euch bringe.

19. _nnakuaga kwa heri 19. Und nun sei der Abschied gemacht; nasikia wasafiri Ich höre, du willst verreisen. nimetunga ushairi Ich habe in Verse gebracht, sifa zako zote pia._ Was wir alle hier an dir preisen.

20. _wakatabahu hakiri 20. Der Dichter des Lied’s ist gering, Baraka bin Shomari Mbaraka, Sohn des Shamari. ndio mtunga shairi Ich euch allen das Lied hier sing’, mwanzo hatta akhiria._ Von Anfang bis zu Ende.

E. S. Mittler & Sohn, Berlin _SW._, Kochstr. 68-71.

Fußnoten:

[1] Vom 18. September 1895 bis zum 3. Juni 1900 (seinem Todestage) Oberführer und charakterisierter Major der Kaiserlichen Schutztruppe in Ostafrika.

[2] Der graue Papagei heißt im Kiswahili „Kassuku“.

[3] Der Dorfschulze trägt nämlich eine großartige, englische Husarenuniform.

[4] Das ganz lange Gras, 3 evtl. 4 _m_, kenne ich nur an der Ulanga-Niederung in +größeren+ Partien.

[5] Einige Monate später wurde er mit Speerstich verwundet und erlag bald darauf dem Würgengel Afrikas, der Malaria.

[6] Auch dieser tapfere Offizier und liebenswürdige Kamerad nahm im Kolonialdienst ein tragisches Ende: am 5. Februar 1903 wurde er bei Marrua in Kamerun als Oberleutnant der Kaiserlichen Schutztruppe während einer Expedition ins Innere des Schutzgebietes, vor seinem Zelte sitzend, von einem Neger überfallen, der zwei vergiftete Pfeile auf ihn abschoß; der zweite Schuß traf in den rechten Oberschenkel; der Pfeil wurde zwar sofort entfernt, aber schon binnen fünfzehn Minuten erlag Graf Fugger der tödlichen Wirkung des Pfeilgiftes. Bis zu seinem letzten Atemzug bei vollem Bewußtsein, hat er noch an seine Braut geschrieben. Seine letzten Worte sind würdig, der Erinnerung erhalten zu werden: „Nehmt nicht Rache an diesen Schwarzen, sie wissen nicht, was sie taten. -- --“ Man hat so vieles Schlechte von Afrika in die Welt posaunt, aber von solchem Adel der Gesinnung erfährt man nichts.

[7] Kanzu = langes weißes Negerhemd.

[8] Seitdem an Malaria gestorben.

[9] Wenige Jahre später war dieser kleine Kreis stark gelichtet. Präfekt Maurus erlag in Medibira dem Fieber, was er sich wohl von der Küste mitgebracht hatte, zwei Schwestern fielen der Pest zum Opfer bei Ausübung ihrer barmherzigen Krankenpflege, und Schwester Gabriele, die mich mit großer Aufopferung gepflegt hatte, starb an Lungenentzündung.

[10] Wurde, weil er treu zu uns hielt, bei dem Aufstand 1906 ermordet.

[11] Ein halbes Jahr später raffte diesen hoffnungsvollen Offizier das perniziöse Fieber auf seinem Heimatsurlaub dahin.

[12] Wurde bei Lupembe verwundet und verunglückte vor einem Jahre auf einer Elefantenjagd.

[13] Durch die Freundlichkeit des Herrn Professor Dr. Velten, der sich um die Erforschung der Eigenart unserer Neger so hoch verdient gemacht hat, erhielt ich dies Gedicht. Es wurde wohl 1894 nach dem Wahehezug des Gouverneurs Exz. v. Schele gedichtet, als mein Mann seinen ersten Urlaub nach 5jährigem Aufenthalt in Afrika antrat.