Eine dänische Geschichte: Roman

Part 13

Chapter 13374 wordsPublic domain

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Da öffnete eines Tages Christian unvermuthet die Thüre des Studirstübchens seines alten Freundes; Alslev saß schlummernd in seinem hochrückigen Großvaterstuhl, er war über einer langen Actenrevision eingenickt, auf der Lehne des Sessels aber hing oder ritt ein wunderbar schöner Knabe von etwa sechs Jahren; er hatte dem Alten ein buntseidenes Band über den Kopf geworfen, daß er ihm durch die vom Schlaf halb erschlossenen Lippen zu ziehen eifrig bemüht war, indem er sich zugleich auf dessen Schulter zu schwingen suchte, um ihn zum Roß zu machen und einen kühnen Ritt in's Fabelland seiner Phantasie zu thun. »Willst Du mitspielen,« fragte das kecke Bübchen, »mußt aber jetzt auch Pferd sein und Dich von mir führen lassen, nachher darfst Du aber auch reiten!«

Helenens Sohn! durchblitzte es Christians Starrsinn, und die Wunderkraft der Kindheit trat plötzlich in ihr volles Licht. Denn der Graf vermochte kein Auge von dem kleinen Tyrannen zu wenden, der ihm mit schmeichelnder Gewalt den Zügel bot -- als Alslev von dem Jubel-Geschrei erwachte, war die Bekanntschaft schon weit vorgeschritten.

Wer in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren in Wallöe war, wird wohl den neuen herrlichen Aufbau des ehemaligen Cavalier-Hauses und seine prächtige Umgebung und Einrichtung bemerkt haben; sie ist solider aber noch kostbarer als sie vor etwa fünfzig Jahren es war. Ein neues, kräftiges Geschlecht der Gejer bringt dort die schönen Sommertage zu; die bösen Geister des erloschenen Stammes beunruhigen es nicht, sie sind dem heitern Glück gewichen!

Der jetzige Graf ist ein schöner, alternder Mann und unermeßlich reich, weil ihm das Vermögen aller Nebenzweige der großen Familie zugefallen; seine Mutter war eine geborene Comtesse Gejer und hieß Helene; er hat schon als Knabe den Namen derselben auf seiner Oheime Wunsch angenommen, weil ihnen selbst kein Stamm-Erbe erblüht war.

Fußnoten

[1] Zur Zeit der für Aufhebung des Gemeinbesitzes constituirten Commission 1759.

[2] Fröken, +adliges Fräulein+.

[3] Feste-Bauers, ohne alles Eigenthum.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Satzfehler wurden stillschweigend korrigiert.

Korrekturen (das korrigierte Wort ist in {} eingeschlossen):

S. 47: ancharten → Plancharten auf seine Bücher und {Plancharten}

S. 65: Halde → Haide leichten Ganges über die {Haide} hineilte

S. 140 aufgischend → aufgischtend Wildströme reißen sich {aufgischtend}

S. 235: Gräber → Gräben Ringmauern, ihre {Gräben} und Wälle eingebüßt

End of Project Gutenberg's Eine dänische Geschichte, by Adele Schopenhauer