Ein Stück Lebensgeschichte, und andere Erzählungen

Chapter 17

Chapter 171,116 wordsPublic domain

Mich selbst frage ich alle Tage: Wird daraus ein Buch werden können? Wird es je geschrieben werden? Wird irgendein Mensch es lesen wollen?

Aber kann man diesem Neger solche Frage stellen? Hat solch ein Urzeitwesen je ein Buch gesehen? Hat es eine Ahnung davon, was überhaupt ein Roman ist?

Aber da es ja doch nichts andres gibt, was ich in diesem Augenblick wissen wollte, entschließe ich mich, einen Versuch zu machen. Und ich hefte meinen Gedanken auf dieses: »Wird es mir gelingen, ein Buch über die Schweden hier draußen in Jerusalem zu schreiben?«

Der Wahrsager erhebt seine Hand über den Sand, den er vor sich ausgebreitet hat. Er streckt einen dicken Zeigefinger aus, an dem ein Nagel sitzt, der einer Tierkralle gleicht, und macht einige Linien und Löcher, die er dann sehr eingehend betrachtet. Es dauert ziemlich lange, bevor er zu sprechen anfängt. Aber plötzlich wendet er sich an den Dragoman und spricht eine Menge unverständliche Worte.

»Er sagt, daß die Lady an etwas denkt, was sie auf ein Papier schreiben will,« übersetzt Jemil. »Er bittet die Lady, sich nicht zu beunruhigen. Was sie zu tun gedenkt, wird ihr gelingen.«

Ich bin wirklich ein wenig erstaunt. Das sieht aus, als könnte er Gedanken lesen, dieser schmutzige alte Neger.

Er betrachtet mich abwartend, und ich bitte den Dragoman, ihm zu erklären, daß er eine richtige Antwort gegeben habe, und daß ich sehr zufrieden sei.

Sogleich fährt er über den Sand, so daß er wieder ganz glatt daliegt, und bittet mich dann, noch eine stumme Frage zu stellen.

Diesmal besinne ich mich nicht lange. Wir wollen Jerusalem am nächsten Tage verlassen, um nach Nazareth, Tiberius, Damaskus zu reisen. Ich frage nur: »Werden wir eine gute Reise haben? Werden wir alles sehen, was wir zu sehen wünschen?«

Es dauert nicht lange, so beginnt der Wahrsager wieder zu sprechen. Aber er gibt keine Antwort auf meine Frage, sondern bittet mich, ihm meine Hände zu zeigen, meine beiden Hände.

Ich strecke die Hände mit den Handflächen nach oben aus. Der Wahrsager betrachtet sie, macht einen Schritt zurück und erhebt die Arme zum Himmel. Die Worte stürzen über seine Lippen. Er ist offenbar erregt.

»Was gibt es? Was sagt er?« frage ich den Dragoman.

»Er sagt, daß die Lady an einen Weg denkt, der vor ihr liegt,« antwortet dieser, »und er versichert, daß die Lady eine gute Reise haben wird. Er sagt weiter, daß diese Lady Sultan Ibrahim il Kalils und Sultan Solimans Zeichen auf ihren Händen hat. Er sagt, daß dieser Lady alles gelingen wird. Diese Lady hat einen sehr starken Stern.«

Ich bitte den Dragoman, ihm zu versichern, daß ich sehr erfreut über seine Antwort sei, und ich frage nicht weiter, sondern bezahle ihm seinen Frank. Nun ich erfahren habe, daß ich Abrahams und Salomos Zeichen in meinen Händen trage, muß ich ja wohl zufrieden sein.

Während ich in mein Zimmer zurückkehre, denke ich an Tante Wennervik und frage mich, was sie dazu sagen würde.

In demselben Augenblick ist es mir, als wenn eine harte und klare Stimme mir im traulichsten Värmländisch ins Ohr sagte:

»Das mußt du doch wissen, Kind, daß sich diese Orientalen, auch wenn sie in Fetzen gehen und häßlich wie die Affen sind, doch besser darauf verstehen, zu schmeicheln und schöne Dinge zu sagen als wir andern, namentlich wenn es sich darum handelt, ein paar Groschen zu verdienen. Aber auf meine Prophezeiung kannst du dich verlassen. Die ist nicht bezahlt. Reisen wirst du machen, Arbeit wirst du haben, und Bücher schreiben wirst du, und so richtig gesund wirst du nie. Und so wird dein Leben hingehen.«

»Ja, das ist wahr,« antworte ich, »aber du verstehst den Sinn seiner Worte nicht. Er will nur sagen, daß, wem sich in reifen Jahren seine Kindheitsträume erfüllen, das Glück der alten Weisen besitzt und von einem guten Stern geleitet wird.«

Anmerkungen zur Transkription:

Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.

p 38: Lachen ausbrechen zu hären -> hören p 57: du Unehre über uns gebracht hätte -> hättest p 71: IV -> 4 p 76: V -> 5 p 107: »Jetzt sollst ... geholt habe.« [Anführungszeichen ergänzt] p 111: Gudmud sah ihr fest in die Augen. [Anführungszeichen entfernt] p 119: Strumpfband anders, aber er -> es p 137: wie die andern Jungern -> Jungen p 141: sich auf die Plattform schleichen -> zu schleichen p 143: kunterbunt stehen lassen. [Punkt ergänzt] p 164: den sie icht -> nicht p 169: zu Ende gegegangen -> gegangen p 170: und die Schritte deren -> derer p 177: »Ja« [Anführungszeichen ergänzt] p 185: der Gedanke beängstigt, daß [Komma ergänzt] p 187: »Würdest du dich dann für verflichtet -> verpflichtet p 193: bedeckt war, und das Kaprifoliuum -> Kaprifolium p 194: zuvor zwischen den Beeren -> Beeten p 197: Johannes bedeutete ihn -> ihm p 214: sagte den Mönchen, nun ein so -> Mönchen, da nun p 234: glitt sie mit mir aus.« [Anführungszeichen ergänzt] p 239: über die ich Saiten gespannt hatte.« [Anführungszeichen ergänzt] p 256: antwortete Tante Wennervik. [Punkt ergänzt] p 265: natürlich alles blutig ernst. [Punkt ergänzt] p 273: Wir sind in kleine Gruppen von drei -> in kleinen Gruppen

Die Originalschreibweise und kleinere Inkonsistenzen in der Formatierung wurden prinzipiell beibehalten.

Formatierung:

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Transcriber's Notes:

The table below lists all corrections applied to the original text.

p 38: Lachen ausbrechen zu hären -> hören p 57: du Unehre über uns gebracht hätte -> hättest p 71: IV -> 4 p 76: V -> 5 p 107: »Jetzt sollst du ... ich dich geholt habe.« [both quotes added] p 111: Gudmud sah ihr fest in die Augen. [closing quotes deleted] p 119: Strumpfband anders, aber er -> es p 137: wie die andern Jungern -> Jungen p 141: sich auf die Plattform schleichen -> zu schleichen p 143: kunterbunt stehen lassen. [period added] p 164: den sie icht -> nicht p 169: zu Ende gegegangen -> gegangen p 170: und die Schritte deren -> derer p 177: »Ja« [closing quotes added] p 185: der Gedanke beängstigt, daß [comma added] p 187: »Würdest du dich dann für verflichtet -> verpflichtet p 193: bedeckt war, und das Kaprifoliuum -> Kaprifolium p 194: zuvor zwischen den Beeren -> Beeten p 197: Johannes bedeutete ihn -> ihm p 214: sagte den Mönchen, nun ein so -> Mönchen, da nun p 234: glitt sie mit mir aus.« [closing quotes added] p 239: über die ich Saiten gespannt hatte.« [closing quotes added] p 256: antwortete Tante Wennervik. [period added] p 265: natürlich alles blutig ernst. [period added] p 273: Wir sind in kleine Gruppen von drei -> in kleinen Gruppen

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