Chapter 4
Helena. Liebe Hermia, sey doch nicht So bitter gegen mich. Ich liebte dich Ja immerdar, that dir nie was zu Leide; Und schloß, was du mir anvertrautest, schweigend In meinen Busen, ausser dißmal nur Diß einzige mal entdekt' ich deine Flucht In diesen Wald, Demetrio, den ich liebe. Er folgte dir. Aus Liebe folgt' ich ihm, Allein er schalt mich fort, und drohte mir Mich wegzustossen, ja mich gar zu tödten. Und nun, wenn ihr mich ruhig gehen lasset, Nun will ich meine Thorheit nach Athen Zurüke tragen, und euch nicht mehr stören. O! laßt mich geh'n! Ihr seh't, was für ein schwaches Einfältigs Ding ich bin.
Hermia. Geh' deines Weges, Wer hindert dich?
Helena. Ein thöricht Herz, das ich zurüke lasse.
Hermia. Wie? Bey Lysander?
Helena. Bey Demetrius.
Lysander. Sey ohne Furcht, sie soll kein Leid dir thun Geliebte Helena!--
Demetrius. Nein, Herr! sie soll nicht, Ob du dich gleich zu ihrem Schüzer aufwirfst.
Helena. O! wenn sie zornig ist, so ist sie kühn; Sie war ein böses Ding, wie sie zur Schule gieng; Und hat, so klein sie ist, so viele Stärke.
Hermia. Schon wieder klein, und nichts als klein und klein. Wie könnt ihr leiden, daß sie so mich höhne? Laßt mich an sie!--
Lysander. Geh', pake dich, du Zwerg, Du Minimus, aus Besem-Kraut gemacht; Du Eichel, du, du Paternoster-Kralle.
Demetrius. Ihr seid allzudienstfertig, Herr Lysander, Für eine die sich eurer Dienste weigert. Laß sie allein, sprich nicht von Helena, Und laß sie unbeschüzt; denn wenn du dich Noch einmal untersteh'st von deiner Liebe So wenig als es sey, ihr anzutragen, So sollt du es bereun.
Lysander. Izt hält sie mich nicht mehr; Nun folge, wenn du darfst, es wird sich zeigen, Ob dein Recht, oder mein's an Helena Das Stärk're ist.
Demetrius. Dir folgen? Nein, ich will dich Stirn' an Stirne Begleiten--Komm!
(Lysander und Demetrius gehen ab.)
Hermia. Ihr, Frauenzimmer, aller dieser Lerm Ist eure Schuld--Nein, geh' nicht fort!--
Helena. Ich traue dir nicht, ich, noch werd' ich länger In deiner zänkischen Gesellschaft bleiben. Zum Rauffen hast du schnellere Händ' als ich, Doch zum Entlauffen hab' ich längere Beine.
(Sie gehen ab. Hermia verfolgt Helena.)
Achter Auftritt. (Oberon und Puk.)
Oberon. Diß ist dein Fehler; stets versieh'st du was; Doch bist du Schelms genug, vielleicht es gar Mit Fleiß gethan zu haben--
Puk. Glaubet mir, König der Schatten, ich versahe mich. Ihr sagtet ja, ich würde meinen Mann An seinem Attischen Habit erkennen, Und dieser täuschte mich; doch da der Irrthum Nun einmal, ohne meine Schuld, begangen ist, So freut mich's, weil mich diese Zänkerey Kurzweilig däucht--
Oberon. Du siehest, diese Nebenbuhler suchen Sich einen Plaz zum Fechten. Eile dann, Robin, umzieh' die heitre Nacht mit Dunkel, Und hülle das gestirnte Firmament In Nebel ein, schwarz wie der Acheron; Und führe diese Streiter so vonsammen, Daß keiner in den Weg des andern komme. Bald bilde deine Zunge gleich Lysanders, Durch bittern Schimpf Demetrius aufzureizen, Und bald Lysandern mit Demetrius Stimme; Treib sie so lang umher, doch stets entfernt, Bis über ihre Augenlieder Der Schlaf mit Leder-Flügeln und mit Füssen Von Bley, dem Tod nachäffend kriecht, dann lege Diß Kräutchen auf Lysanders Augen, welches Die Kraft besizt, von ihnen allen Irrthum Hinweg zu thun, und nach gewohnter Art Sie seh'n zu machen. Wenn sie dann erwachen, So wird sie dünken, dieses ganze Spiel Sey nur ein Tand, ein eitles Nachtgesicht Der Scherz von einem Sommertraum gewesen; Und durch ein Band verknüpft, das nur der Tod soll lösen, Wird jedes Liebespaar sich nach Athen Zurük begeben. Weil du diß verrichtest, Will ich zu meiner Königin, von ihr Die Ursach unsers Streits, den Indischen Knaben Zu fordern; giebt sie ihn, so will ich ihr Bezaubert Auge von dem Schwindel heilen, Der für ein Ungeheuer sie entzükt; Und alle Fehde soll in süssem Frieden enden.
Puk. Diß muß, o Geisterfürst, in Eil verrichtet werden; Die schnellen Drachen die den Wagen ziehen Der braunen Nacht, durchschneiden schon die Wolken Mit größrer Hast, und dorten scheint Aurorens Vorläuffer schon, bey dessen Ankunft Umirrende Gespenster schaarenweise Heim zu Kirchhöfen eilen; Schon sind alle Verdammten Geister, die in Scheidewegen Und in den Fluthen ihr Begräbniß haben, Zu ihrem Würmer-vollen Bette bebend Zurük gekehrt; aus Furcht, der lezte Tag Möcht' ihre Schande seh'n, verbannen sie Freywillig sich vom Licht, und bleiben Auf ewig zu der schwarzen Nacht gesellt.
Oberon. Doch wir sind Geister einer andern Art. Oft hab' ich mit dem Morgenlicht gescherzt, Und mag so lang die Hayne, wie ein Jäger Durchtraben, bis des Himmels Pfort' in Osten Ganz feuerroth, sich gegen den Neptun Mit weit umher ergoßnen Stralen öffnend, All seine grünen Ström' in Gold verwandelt. Doch eile drum nichts minder, zög're nicht, Vor Tag kan alles schon verrichtet seyn.
(Oberon geht ab.)
Puk. Auf und ab, auf und ab, Führ' ich sie in schnellem Trab Kobolt, führ' sie auf und ab. Hier kömmt einer--(Demetrius tritt auf.)
Demetrius. Lysander, sprich noch einmal, Du Hasenherz, du feige Memme, du, Bist du entlauffen? Sprich aus irgend einem Busch? Wo hast du dich verstekt?
Puk. Du, Memme selbst, wie? prahlst du zu den Sternen, Sag'st zu den Stauden, daß du fechten wollest, Und darfst nicht kommen? Komm, du kleiner Bube, Die Ruthe sollst du haben; er ist fort Der gegen dich ein Schwerdt gezogen.
Demetrius. Ha, bist du dort--
Puk. Folg' meiner Stimme nach, Hier ist kein Plaz zum Fechten.
(Sie gehen ab.)
(Lysander kömmt zurük.)
Lysander. Stets läuft er vor mir her, und fordert mich Heraus, und wenn ich komme wo er hin mich ruft, So ist er fort; der Schlingel ist Schnell-füssigter als ich, ich folgt' ihm schnell, Doch er floh' schneller noch: Nun bin ich hier In diesen dunkeln und unebnen Weg Gerathen, und hier will ich ruhen. Komm, Du holder Tag,
(er legt sich;)
denn zeigst du mir nur einst Dein graues Licht, so will ich bald ihn finden, Um diesen Hohn an ihm zu rächen.
(Puk und Demetrius kommen zurük.)
Puk. Ho! ho! du Memme, warum kommst du nicht?
Demetrius. Komm näher, wenn du darfst; ich weiß es wol, Daß du von Ort zu Ort mir stets entläufst, Und darfst nicht steh'n und mir ins Antliz sehen. Wo bist du?
Puk. Komm du nur hieher, hier bin ich!
Demetrius. Du äffest mich; du sollt es theur bezahlen, Wenn ich je dein Gesicht bey Tag erblike. Izt, pake dich, mich zwingt die Mattigkeit, Auf dieses kalte Bette mich zu streken. Erwarte bey des Tages Anbruch mich!
(Er ligt nieder.)
Neunter Auftritt.
Helena. O schwere Nacht, verdrießlich lange Nacht, Verkürze deine Stunden! brich heran, Erwünschtes Licht, das mich von diesen Leuten Die meine Gegenwart verabscheun, nach Athen Zurüke leit'. Inzwischen komm, o du Der oft des Kummers müdes Auge schließt, Komm, sanfter Schlaf, und stiehl mich eine Weile Von meiner eigenen Gesellschaft.
(Sie entschläft.)
Puk. Noch sind's erst drey; nur eine noch, So sind sie alle vier beysammen. Hier kömmt sie, unmuthsvoll und traurig! Cupido ist ein schlimmer Vogel, So arme Mädchens zu bethören. (Hermia tritt auf.)
Hermia. Nie so ermüdet, nie von Schmerzen so Bedrüket, naß von Thau, von Dornen wund, Kan ich nicht weiter geh'n, noch weiter kriechen; Hier will ich ruhen, und den Tag erwarten! Ihr Götter schüzt Lysandern, wenn ihr Streit Mit einem Kampf sich endet--
(Sie liegt nieder.)
Puk. Schlafe du In süsser Ruh! Unterweilen Soll die Kraft Von diesem Saft Deines Lieblings Augen heilen.
(Er gießt den Saft auf Lysanders Augen.)
Erwachest du, so wird in Hermias Bliken Dich der gewohnte Reiz entzüken. So trift bey euerm Wachen dann Das alte Sprüchwort zu: Hans nimmt sein Gretchen wieder an, Und alles ist in Ruh.
(Puk geht ab.)
Vierter Aufzug.
Erster Auftritt. (Der Wald) (Die Königin der Feen, Zettel, aufwartende Feen, und Oberon hinter ihnen)
Titania. Komm, seze dich auf dieses Blumenbette, Weil ich dir deine holden Wangen streichle, Dein glattes weiches Haupt mit Rosen kränze, Und deine schönen langen Ohren küsse, Mein süsses Herz--
Zettel. Wo ist Bohnenblühte?
Bohnenblühte. Hier.
Zettel. Krazt mir im Kopf, Bohnenblühte. Wo ist Monsieur Spinnenweb?
Spinnenweb. Hier.
Zettel. Monsieur Spinnenweb, werther Monsieur, nehmt eure Waffen zur Hand, und tödtet mir eine rothgeschenkelte Hummel auf einem Distelkopf; und, werther Monsieur, bringt mir den Honigwaben. Lauft euch nicht zu sehr aus dem Athem, Monsieur; und, werther Monsieur, habet Sorge, daß der Honigwaben nicht breche; es sollte mir leid seyn, euch mit Honigseim übergossen zu sehen, Signior. Wo ist Messer Senfsaamen?
Senfsaamen. Hier!
Zettel. Leih' mir deine Faust, Monsieur Senfsaamen. Ich bitte euch, nicht so viel Complimente, werther Monsieur.
Senfsaamen. Was beliebt Ihnen?
Zettel. Nichts, werther Monsieur, als Cavalero Spinnenweb krazen zu helfen. Ich muß zum Barbier, Monsieur, denn mir däucht, ich bin ganz erstaunlich haaricht um's Gesichte. Und ich bin ein so zärtlicher Esel, wenn mein Haar mich nur ein bißchen kizelt, so muß ich krazen.
Titania. Verlangest du Musik, mein werthes Leben?
Zettel. Ich hab ein raisonabel gutes Ohr zur Musik.
(Eine ländliche Musik.)
Titania. Sag izt, mein Herz, was wünschest du zu essen?
Zettel. Die Wahrheit zu sagen, eine Handvoll Futter würde mir nicht übel thun; ich wollte euch ein gut Theil von euerm Haber käuen, wenn ich hätte. Mich dünkt, ich habe einen grossen Appetit nach einem Schober Heu; gutes Heu, zartes Heu, hat nicht seines gleichen.
Titania. Sogleich soll eine meiner schnellsten Feen Dir aus des Eichhorns Vorrath frische Nüsse hohlen.
Zettel. Ich hätte lieber eine Handvoll oder zwo dürre Bohnen. Aber ich bitte, laßt niemand von euern Leuten mich beunruhigen; ich habe eine Exposition von Schlaf die mich ankommt.
Titania. Schlaf du, und ich will dich in meine Arme winden. Ihr Feen, geht, hinweg ihr Elfen alle! So windet sich das weiche Geißblatt Sanft um den Ahorn, Epheu windet so Sich um des Ulmbaums ausgestrekte Arme. O! wie ich bis zur Schwärmerey dich liebe! (Puk erscheint.)
Oberon. Willkommen, Robin! Sieh'st du diesen Anblik? Ihr Wahnwiz fängt mein Mitleid an zu reizen. Denn da ich sie vorhin in diesem Hayne Beschlich, indem sie eben süsse Düfte Für dieses abgeschmakte Monkalb suchte, Beschalt ich sie, und hielt mit bittern Worten Ihr ihren Unsinn vor; denn seine rauhen Behaarten Schläfe hatte sie mit Kränzen Von auserlesnen Blumen rings umkränzt; Und eben dieser Thau, der auf den Rosenknospen Gleich runden morgenländischen Perlen sonst geblinkt, Stund izt in dieser holden Blümchen Augen Wie Thränen, die solch eine Schmach beweinten. Als ich sie nun nach Herzenslust gezankt, Und sie mich um Geduld in milden Worten bat, Da fodert' ich den kleinen Jungen ab, Den sie mir sonst so trozig abgeschlagen; Sie gab ihn willig her, und schikte ihre Fee Ihn gleich in meine Laub' im Feenlande Zu tragen. Nun, da ich den Knaben habe, Will ich von dieser häßlichen Verblendung Ihr Aug' entbinden; du aber, holder Puk, Nimm diese Mißgestalt von des Atheners Haupte, Daß er zugleich mit jenen Schläfern dort Erwachend, wieder heim mit ihnen kehre; Und All' an dieser Nacht Begebenheiten Nicht weiter denken, als an eines Traumes Beängstigungen. Itz will ich zuförderst Die Feen-Königin entzaubern.
Sey wieder was du ehmals warst, Sieh' wieder wie du ehmals sahst; Solch eine heilungsvolle Macht Hat Phöbes Knospe über Amors Blume. Erwache nun, Titania, meine Königin!
Titania. Mein Oberon, was sah' ich für Gesichter! Mich däucht' ich war verliebt in einen Esel.
Oberon. Hier ligt dein Liebling.
Titania. Wie gieng dieses zu? Wie ekelt mir vor diesem Anblik izt!
Oberon. Still eine Weile! Robin, nimm diß Haupt! Titania, horche dieser Symphonie, Die, stärker als gemeiner Schlaf, die Sinnen Von diesen Schläfern bindet--
Titania. Ha! Musik! einschläfernde Musik!
Puk (zu Zettel.) Wenn du erwach'st, so guke Aus deinen eignen Narren-Augen wieder.
Oberon. Ertöne fort, Musik! leg' Hand mit mir Titania an, den Grund zu wiegen, Wo diese holden Schläfer ligen. Die Freundschaft zwischen mir und dir Ist nun erneut, und daure für und für. Morgen in der Mitternacht Wollen wir, wie im Triumphe, Wir mit allen unsern Elfen, Herzog Theseus Haus durchtanzen, Und bis zu den fernsten Enkeln Es mit unserm Segen weihen.
Puk. Feen-König, horch! mein Ohr Hört der frühen Lerchen Chor.
Oberon. So laß uns dann, o Königin, Den Schatten nach in ernster Stille fliehn.
Titania. Komm, mein Gemahl, und weil wir fliehn, Enträthsle mir die Wunder dieser Nacht; Und wie es kam, daß man mich hier Bey diesen Sterblichen schlafend fand?
(Sie gehen ab. Die Schlafenden bleiben liegen. Man hört Hifthörner.)
Zweyter Auftritt. (Theseus, Hippolita, Egeus und Gefolge.)
Theseus. Geh' einer von euch, sucht den Forster auf, Denn unsre Mayen-Andacht ist geendigt; Und weil die Dämm'rung günstig ist, soll izt Hippolita die Musik meiner Hunde hören. Eilt, hohlt den Forster, und entfesselt sie. Wir wollen, meine schöne Königin, Auf dieses Berges Gipfel steigen, und Von da die musicalische Verwirrung Vom Laut der Hunde mit dem Nachhall hören.
Hippolita. Ich war mit Herkules und Cadmus einst Als sie in einem Walde von Dictynna Den Bären mit Spartanischen Hunden hezten. Nie hört' ich solch ein prächtiges Getöne. Nicht nur die Büsche, Luft, und Berg, und Quellen, Die ganze Gegend schien ein einziges Zusammenstimmendes Geschrey. Ich hörte nie Solch eine musicalische Dissonanz, Solch einen anmuthsvollen Donner.
Theseus. Auch meine Hunde sind von Spartas Art, So kurz von Haar, so barticht, so mit Ohren, Die, schlapp und niederhangend von dem Grase Den Thau wegwischen, krumm von Knie, und hautig Am Halse wie Thessaliens Stiere, langsam Im Jagen, aber wie ein Glokenspiel Im Laut gestimmt, stets einer unter'm andern. Nie ward ein schöneres Getön in Creta, Noch Sparta, noch Thessaliens Plänen, Vom Jagdgeschrey und Hifthorn aufgemuntert. Urtheile, wenn du hörst. Doch still, was sind Für Nymphen hier?
Egeus. Mylord, es ist mein Mädchen; Diß Helena, des alten Nedars Tochter; Und diß Lysander, diß Demetrius, alle Schlafend! Mich wundert, wie sie hier zusammen Gekommen.
Theseus. Ohne Zweifel standen sie Früh auf, die festlichen Gebräuche Des Mayen zu begeh'n, und auf die Nachricht Von unserm Vorsaz kamen sie hieher Um unsre Feyrlichkeit zu zieren. Doch, sprich Egeus, ist diß nicht der Tag, An welchem Hermia ihre Wahl entdeken soll?
Egeus. Er ists.
Theseus. Geh', laß die Jäger sie mit ihren Hörnern weken.
(Hifthörner und Jagdgeschrey innerhalb der Scene.)
(Demetrius, Lysander, Hermia und Helena erwachen, und stehen erschroken auf.)
Theseus. Ihr Freunde, guten Tag! Sanct Valentin Ist schon vorbey: Wie, fangen diese Vögel Erst izo sich zu paaren an?
Lysander. Vergebung, Mein königlicher Herr!
Theseus. Ich bitte, stehet auf Ich weiß es, daß ihr Feind' und Nebenbuhler seyd. Woher dann diese Eintracht, und wie kömmt's Daß Haß, so fern von Eifersucht, bey Haß In diesem Hayne schläft, und keine Feindschaft fürchtet?
Lysander. Halb wach, halb schlafend, und ob allem dem Was mir begegnet, selbst erstaunt, was soll ich Zur Antwort geben? Glaubet meinem Schwure, Ich kan nicht sagen, wie ich eigentlich Hieher gekommen--Doch mich dünkt, (denn gerne Wollt ich die Wahrheit sagen) izo, ja! Besinn' ich wieder mich, so ist's, mit Hermia Kam ich hieher. Wir wollten von Athen An einen Ort entflieh'n, wo wir sicher Vor dem Athenischen Geseze wohnen könnten.
Egeus. Genug, genug, mein Fürst; ich ford're wieder ihn Die Strenge des Gesezes, das Gesez Auf sein verwürktes Haupt! Ihr Vorsaz war Sich wegzustehlen, und dadurch, Demetrius Uns beyde zu berauben; deines Weibes, dich, Mich meiner Einwilligung--
Demetrius. Mylord, die schöne Helena Verrieth mir ihre Flucht, und ihren Vorsaz, In diesem Hayne sich bey Nacht zu finden; In Wuth verfolgt' ich sie, mir folgt' aus Liebe Die schöne Helena! Nun, mein gnädiger Herr, Durch was für eine Gottheit weiß ich nicht, Doch ist es wahrlich einer Gottheit Werk, Daß meine Leidenschaft für Hermia weg Wie Schnee geschmolzen ist, mir izo nur Wie die Erinn'rung scheint an eine Puppe, Wornach ich mich in meiner Kindheit sehnte; Und aller Trieb', und Kräfte meines Herzens Einziger Gegenstand, die Wonne meiner Augen Diß holde Mädchen ist. Ihr, Mylord, war Ich schon versprochen, eh ich Hermia sah'; Wie uns in Krankheit sonst geliebte Speisen Oft widersteh'n, so gieng es mir mit ihr: Doch da ich nun zu meinem vorigen Natürlichen Geschmak genesen bin; Nun wünsch ich, lieb ich sie, und sehne mich Nach ihr, und werd' ihr immer treu verbleiben.
Theseus. Ihr habt euch, holde Günstlinge der Liebe, Zu euerm Glük zusammen hier gefunden. Egeus, nun übertret' ich euern Willen selbst, Denn dieses Doppel-Paar soll neben uns Auf ewig am Altar verbunden werden. Und da der Morgen nun verstrichen ist, Soll unsre Jagd auf eine andre Zeit Verschoben seyn. Kommt mit uns nach Athen, Und helft die Feyrlichkeit von unserm Fest vermehren.
(Der Herzog, Hippolita, und Gefolge gehen ab.)
Demetrius. Diß alles was uns hier begegnet ist, Scheint klein und unerkennbar, gleich entfernten Gebürgen, die in Wolken sich verliehren.
Hermia. Mich dünkt, ich sehe diese Dinge mit Getheilten Augen, die mir alles doppelt Erscheinen machen.
Helena. Eben so ist's mir, Ich fand Demetrius hier gleich einem Kleinod* Mein eigen, und nicht mein eigen.
{ed.-* Hr. Warbürton findet hier den Text dunkel, und glaubt durch Veränderung des Wortes (Jewel) (Kleinod) in (Gemell) (Zwilling) alles deutlich zu machen. Weil ich aber seine Verbesserung weit dunkler finde als den Text, so bin ich bey dem leztern geblieben, der meiner Meynung nach, einen ganz richtigen Sinn darbietet.}
Demetrius. Mich dünkt's Wir schlafen, träumen noch. Kam's euch nicht vor, Der Herzog sey hier, und heiß' uns folgen.
Hermia. Ja, und mein Vater.
Helena. Und Hippolita.
Lysander. Und sagt uns, in den Tempel ihm zu folgen.
Demetrius. Wie denn, so wachen wir; laßt uns ihm folgen, Und unterwegs uns unsre Träum' erzählen.
(Sie gehen ab.)
Dritter Auftritt. (Wie sie abgehen, erwacht Zettel.)
Zettel. Wenn mein Merkwort kömmt, so ruft mir, und ich will antworten. Mein nächstes ist--O schönster Pyramus--hey! Holla!--Peter Squenz, Flaut der Blasbalgfliker! Schnauz, der Keßler! Schluker! Beym Element, sie sind alle fortgelauffen; und lassen mich hier schlaffen. Ich habe eine höchst seltsame Vision gehabt. Ich hatte einen Traum, es geht über Menschen-Wiz zu sagen, was für ein Traum das war: Ein Mensch ist nur ein Esel, wenn er sich einfallen lassen will, diesen Traum zu begreiffen. Mich dünkte ich war, kein Mensch kan sagen was. Mich dünkte ich war, und mich dünkte ich hatte-- Doch ein Mensch wäre nur ein ausgemachter Narr, wenn er sich dafür austhun wollte, zu sagen was ich hatte. Keines Menschen Auge hat gehört, keines Menschen Ohr hat gesehen; keines Menschen Hand ist vermögend zu schmeken, noch seine Zunge zu begreiffen; noch sein Herz zu erzählen, was mein Traum war. Ich will Peter Squenz bitten, daß er einen Gesang aus diesem Traum mache; er soll Zettels Traum genennt werden, und ich will ihn zu Ende des Spiels vor dem Herzog absingen; vielleicht, um es noch graziöser zu machen, will ich ihn singen, wenn ich mich erstochen habe.
(Geht ab.)
Vierte Scene. (Die Stadt.) (Squenz, Flaut, Schnauz und Schluker.)
Squenz. Habt ihr nach Zettels Hause geschikt? Ist er noch nicht heim gekommen?
Schluker. Man hört kein Wort von ihm. Ohne Zweifel haben ihn die Geister davon geführt.
Flaut. Wenn er nicht kömmt, so ist das Spiel verdorben. Es geht nicht vor sich, thut es?
Squenz. Es ist unmöglich. Ihr findet keinen Mann in ganz Athen, der im Stand wäre, den Pyramus vorzustellen, als ihn.
Flaut. Nein, er hat kurzum den besten Kopf unter allen Handwerksleuten in Athen.
Squenz. So ists, und die beste Person dazu; er ist ein rechter Gegenstand für eine zarte Stimme. (Schnok kömmt.)
Schnok. Ihr Herren, der Herzog kömmt aus dem Tempel, und es sind noch zwey oder drey Herren und Damen mehr vermählt worden. Wenn unser Spiel vor sich gegangen wäre, so wären wir alle gemachte Leute gewesen.
Flaut. O du guter Zettel, du hast einen Sechser des Tags für dein ganzes Lebenlang verlohren. Mein Seel! er hätte einem Sechser des Tags nicht entgehen können. Wenn ihm der Herzog nicht einen Sechser des Tags für den Pyramus gegeben hätte, so will ich gehangen seyn. Einen Sechser des Tags für Pyramus, oder nichts. (Zettel kömmt.)
Zettel. Wo sind die Jungens? wo sind diese Hasen-Herzen?
Squenz. Zettel!--O! höchst curaschöser Tag! o glükselige Stunde!
Zettel. Ihr Herren, ich habe Wunderdinge zu erzählen, aber fragt mich nicht was; denn, ich will kein ehrlicher Athener seyn, wenn ich's euch sage. Ich will euch alles sagen, wie es gegangen ist.
Squenz. Laß uns hören, lieber Zettel.
Zettel. Nicht ein Wort von mir. Alles was ich euch sagen will, ist, daß der Herzog zu Mittag gegessen hat. Schaft eure Zurüstungen herbey, gute Strike für eure Bärte, neue Bänder für eure Stiefeletten; kommet alle bey dem Pallast zusammen, jedermann übersehe seinen Part; denn, ohne langes und breites, das Ende vom Lied ist, unser Spiel wird den Vorzug bekommen. Auf allen Fall, laßt Thisbe weisse Wäsche anziehen; und laßt den der den Löwen spielen soll, seine Nägel nicht abschneiden, denn sie müssen als des Löwen Klauen heraus hangen: Und meine werthesten Agenten, esset mir ja weder Zwiebel noch Knoblauch; denn wir müssen einen süssen Athem von uns geben, und ich zweifle nicht, sie werden sagen, es ist eine recht süsse Comödie. Keine Worte mehr, ab! Tretet alle ab.
(Sie gehen.)
Fünfter Aufzug.
Erster Auftritt. (Der Pallast.) (Theseus, Hippolita, Egeus und Gefolge.)
Hippolita. Das sind, mein Theseus, wunderbare Dinge, Was diese Liebenden erzählen.
Theseus. Mehr wunderbar als wahr. Ich habe niemals Von diesen alten Fabeln, Feen-Mährchen Und Zaubereyen was geglaubt. Verliebte Sind hierinn den Verrükten ähnlich: Beyde Mit so erhiztem Hirn, so schöpfrischer Einbildungskraft begabt, sich vorzustellen, Was ruhige Vernunft nicht fassen kan. Mondsüchtige, Poeten und Verliebte Sind lauter Phantasie; der eine sieht Mehr Teufel, als die weite Hölle faßt; Indeß daß der Verliebte, gleich phrenetisch In einer Mohrin Ledas Schönheit sieht. Des Dichters Aug' in feinem Wahnwiz rollend, Blizt von der Erde zum Olymp, vom Himmel Zur Erd'; und wie die Phantasie Gestalten Von unbekannten Dingen ausgebiert, So bildet sie sein Kiel, und giebt dem lüftigen Unding Verbindung, Ort und Zeit, und einen Namen. So ist die Phantasie gewohnt zu würken; Sobald sie irgend eine Lust empfindt, Erfindt sie einen Schöpfer dieser Lust; Denn wenn bey Nacht uns eine Furcht befällt, Wie leicht ist's, einen Busch für einen Bär zu halten.
Hippolita. Doch diese ganze Nachtgeschichte Mit ihren Folgen, dieser wunderbaren Verwandlung ihrer Seelen, zeugt von mehr Als Dichtungen der Phantasie, und wächßt Zu etwas, das zusammenhängend ist; Und doch darum nicht minder unbegreiflich. (Lysander, Demetrius, Hermia und Helena treten auf.)
Theseus. Hier kommen sie, voll Lust und Frölichkeit. Heil, holde Freunde, Heil und frische Tage Der Lieb', ein Frühling dem kein Winter folge, Begleite eure Herzen--
Lysander. So mögen sie, in ungezählter Menge Um Eure Hoheit wachen.
Theseus. Kommet nun, Was haben wir für Masken, was für Tänze, Um diesen langen Zeitlauf von drey Stunden, Vor schlafengehn, hinwegzuscherzen? Wo ist der Meister unsrer Lustbarkeiten? Was Spiele giebt's? Ist nicht ein Schauspiel da, Die Pein von einer langen Stunde zu erleichtern? Ruft Philostrat herbey. (Philostratus kömmt.)
Philostratus. Hier, mächtiger Theseus.
Theseus. Was hast du, diesen Abend zu verkürzen? Was für Ballette, für Musik und Tänze? Wie können wir die träge Zeit betrügen, Wenn nicht durch irgend eine Lustbarkeit?
Philostratus. Hier, Prinz, ist eine Liste von den Spielen, Die eurer Hoheit Wahl und Wink erwarten.
Theseus (ließt.)