Ein St.-Johannis-Nachts-Traum

Chapter 3

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Squenz. Ja, oder es könnte auch einer mit einem Dornbusch und einer Laterne heraus kommen, und sagen, er komme die Person des Mondscheins zu presidieren, oder zu defiguriren. Aber es ist noch etwas; wir müssen in der grossen Kammer eine Wand haben, denn Pyramus und Thisbe, sagt die Historie, redten durch die Spalte einer Wand mit einander.

Schnok. Ihr werdet nimmermehr keine Wand hinein bringen können. Was sagst du, Zettel?

Zettel. Einer oder ein Andrer muß die Wand vorstellen; er kan etwas Pflaster, oder etwas Leim, oder etwas Merdel an sich haben, das eine Mauer bedeutet; oder laßt ihn seine Finger so halten, und durch die Spalte können Pyramus und Thisbe wispern.

Squenz. Wenn das angeht, so ist alles gut. Kommet, jeder Mutters-Sohn size nieder, und probieret eure Pärte. Pyramus, ihr fanget an; wenn ihr eure Rede gesprochen habet, so geht hinter diesen Zaun; und so ein jeder wie es sein Merkwort erfodert.

Zweyter Auftritt. (Puk tritt von hinten auf.)

Puk. Was für ein Hauffen Galgenschwengel lermen So nah' beym Lager unsrer Königin? Wie? Gar ein Schauspiel? Ich will Hörer seyn; Vielleicht auch Acteur, wenn ich Anlas finde.

Squenz. Redet, Pyramus, Thisbe stehet weiter weg.

Pyramus. "Thisbe, wie eine Blum' schmekt von Geschmäken süß."

Squenz. Gerüchen! Gerüchen!

Pyramus. "Gerüchen G'schmäken süß. So thut dein Athem auch, o Thisbe, meine Zier! Doch horch, ich hör ein' Stimm'; es ist mein Vater g'wiß, Bleib eine Weile steh'n, ich bin gleich wieder hier."

Puk. Ein Pyramus, wie man nicht immer sieht!

Thisbe. Muß ich izt reden?

Squenz. Ja, zum Henker, freylich müßt ihr; ihr müßt wissen, daß er nur weggegangen ist, weil er ein Getöse gehört hat; er wird gleich wieder kommen.

Thisbe. "Umstrahlter Pyramus, an Farbe Lilien-weiß, Und roth wie eine Ros' auf triumphiern'dem Strauch. Du muntrer Juvenil, der Männer Zier und Preis, Treu wie das treuste Roß, das nie ermüdet auch. Ich will dich treffen an, glaub mir, bey Ninny's* Grab."

Squenz. Nini Grab, Mann! Aber das müßt ihr nicht izo sagen; das antwortet ihr dem Pyramus. Ihr sagt euern ganzen Part auf einmal her, Merkwörter und allen Plunder!--Pyramus!--heraus! Euer Merkwort ist schon gesagt, es ist ermüdet auch. (Zettel kömmt wieder mit einem Eselskopf heraus.)

Thisbe. O! "So treu wie's treuste Roß das nie ermüdet auch."

Pyramus. "Wenn, Thisbe, ich wär' schön, so wär' ich einzig dein."

Squenz. O! Abentheur! O! Wunder! Es spükt um uns herum. Helft, ihr Herren! flieht, ihr Herren, helft!

(Sie lauffen alle davon.)

Puk. Ich will euch folgen, ich will euch im Kreise Durch Sumpf und Busch, durch Kraut und Disteln jagen, Ein Pferd will ich bald seyn, und bald ein Hund, Ein Schwein, ein Bär, und bald ein flatternd Feuer, Und wiehern, bellen, grunzen, brummen, brennen, Wie Pferd, und Hund, und Schwein, und Bär, und Feuer.

(Geht ab.)

Zettel. Warum lauffen sie davon. Es ist nur eine Schelmerey von ihnen, mir Angst zu machen. (Schnauz kommt heraus.)

Schnauz. Zettel, du bist verwandelt! was seh' ich auf dir?

Zettel. Was du sieh'st? du sieh'st einen Eselskopf auf deinem eignen; nicht so?

(Schnauz geht ab.)

(Squenz kommt)

Squenz. Der Himmel sey dir gnädig, Zettel, du bist transferirt.

(Geht ab.)

Zettel. Ich merke ihre Schelmerey, sie wollen einen Esel aus mir machen, und mich erschreken wenn sie könnten; aber ich will nicht von der Stelle gehen, thun sie was sie können; ich will hier auf und ab spazieren, und singen, damit sie hören, daß ich mir nicht fürchte.

(Er singt.)

Der Amsel-Hahn von Farb so schwarz, Von Schnabel Orangen-gelb, Die Drostel, die so lustig singt, Das muntre Zeisiglein.

Titania (erwachend.) Welch Engel weket mich von meinem Blumenbette?

Zettel. Der Fink, der Sperling und die Lerch, Der graue Kukuk fein, Des wahrhaft Lied so mancher hört, Und darf nicht sagen, Nein! Denn, in der That, wer wollte seinen Wiz gegen einen so närrischen Vogel sezen? Wer wollte einen Vogel lügen heissen, und wenn er noch so viel Kuku** schrie?

Titania. Ich bitte dich, sing' wieder, o du schönster Der Sterblichen, mein Ohr ist ganz verliebt In deine Melodey; so ist mein Auge Entzükt von deiner Bildung, und mein Mund Von deiner schönen Tugend Macht gezwungen, Beym ersten Blik dir zu gesteh'n, zu schwören, Daß ich dich liebe--

Zettel. Mich dünkt, Frau, ihr solltet nicht viel Ursache dazu haben; und doch, die Wahrheit zu sagen, Vernunft und Liebe halten einander heut zu Tage selten Gesellschaft. Es ist zu bedauern, daß nicht ein oder andre ehrliche Nachbarn sie zu Freunden machen. Gelt! ich kan bey Gelegenheit auch spassen?

Titania. Du bist so weise, als du reizend bist.

Zettel. Keines sonderlich; doch wenn ich Wiz genug hätte, wieder aus diesem Wald zu kommen, so hätte ich gerade so viel, als ich für mich selbst brauche.

Titania. O! wünsche nicht aus diesem Hayn zu kommen; Hier sollt du bleiben, willig oder nicht. Ich bin ein Geist, von nicht gemeiner Art, Ein ew'ger Sommer wohnt auf meinem Staate; Ich liebe dich; drum geh' mit mir, ich will Dir Feen geben, welche dich bedienen, Und dir Juweelen aus der Tieffe holen, Und singen, wenn auf Blumen du entschlummerst; Und deine grobe sterbliche Natur Will ich zur Feinheit lüftiger Geister läutern. Senfsaamen, Bohnenblühte, Milbe, Spinnenweb! * Das Wortspiel ligt in der Verwechslung von (Ninus's) und (Ninny's. Ninny) heißt ein Tölpel, oder dummer Junge. ** Auch hier ligt der Scherz in der Ähnlichkeit des Worts (Cuckow), welches einen Kukuk, und (Cuckold), welches einen Ritter von dem Orden der grossen Brüderschaft bezeichnet.

Dritter Auftritt. (Die vier Feen treten auf.)

1. Fee. Bereit!

2. Fee. Und ich.

3. Fee. Und ich.

4. Fee. Und ich: Was sollen wir?

Titania. Seyd diesem feinen Herren hold und dienstbar, Hüpft vor ihm her, wenn er im Hayn spaziert, Und gaukelt ihm kurzweilend um die Augen. Speißt ihn mit Abricos und kühlenden Erdbeeren, Maulbeeren, Feigen, und mit Purpurtrauben. Beraubt die Bienen ihrer Honigwaben, Und zündet ihre wachsbeladnen Beine Für Fakeln an des Feurwurms Augen an, Dem Liebling meiner Brust zur Ruh' zu leuchten; Und rauft den buntgemahlten Schmetterlingen Die Flügel aus, den Mondschein wenn er schläft, Von seinen Augen wegzufächeln. Neigt euch ihr Elfen all, und grüsset ihn.

Die Feen. Heil! Sterblicher; Heil dir! Heil! Heil!

Zettel. Ich bitte Ew. Gestreng von Herzen um Vergebung; mit Erlaubniß, Gestrenger Herr, ihren Namen?

Spinnenweb. Spinnenweb.

Zettel. Ich wünsche besser mit euch bekannt zu werden, guter Herr Spinnenweb; wenn ich mich in den Finger schneide, so werde ich lustig mit euch machen. Euer Name, Junker?

Bohnenblühte. Bohnenblühte.

Zettel. Ich bitte, empfehlt mich der Frau Squasch, eurer Mutter, und dem Hrn. Bohnenhülse, euerm Vater. Lieber Herr Bohnenblühte, ich hoffe noch besser mit ihm bekannt zu werden. Euern Namen, Herr, wenn ich bitten darf.?

Senfsaamen. Senfsaamen.

Zettel. Mein lieber Herr Senfsaamen, ich kenne Ihre Verwandtschaft gar wol; dieser bärenhäutrische riesenmässige Schurke, dieser Rinderbraten, hat schon manchen wakern Herrn von euerm Hause aufgefressen. Ich verspreche euch, eure Freundschaft hat mir schon oft die Augen wässern gemacht. Ich wünsche bekannter mit euch zu werden, mein guter Herr Senfsaamen.

Titania. Kommt, führet ihn in meine Sommerlaube. Luna (so däucht mich) scheint mit Augen voller Wasser, Und wenn sie weint, weint jede kleine Blume Und klagt um irgend eine, durch die Hülfe Der kupplerischen Nacht bezwungne Jungfernschaft. Bindt meines Lieblings Zunge, führt ihn schweigend!

(Sie gehen ab.)

Vierter Auftritt. (Der König der Feen.)

Oberon. Mich wundert, ob Titania schon erwachte. (Puk erscheint.) Doch hier kommt mein Mercur! Wie geht es, Gaukler, Was Neues giebt's in diesem geistervollen Hayne?

Puk. Die Königin ist in ein Ungeheuer Verliebt. Nah' an der engen, ihrem Schlummer Geweyhten Laube, während daß sie schlief, Fand eine Bande lumpichter Gesellen, (Taglöhner, welche in den Hallen von Athen Ihr täglich Brod mit harter Hand verdienen,) Sich ein, ein Schauspiel zu probieren, Das sie an Theseus Hochzeitfest zu spielen Gesinnet sind. Der abgeschmakteste Von diesen Flegeln, der den Pyramus Vorstellte, lief aus seiner Scene weg, Und kam in einen Plaz mit Farrenkraut, Wo ich gleich über ihn den Vortheil nahm, Und einen Eselskopf auf seine Schultern sezte. Indeß muß Thisbe eine Antwort haben. Mein Kerlchen kömmt zurük; wie sie ihn sehen, So flieht, wie wilde Gänse die den Vogler Am Boden kriechen sehen, oder wie Ein bunter Schwarm von rothgefüßten Krähen, Vom Knall der Flinten aufgeschrekt, sich krächzend Zerstreut und sinnlos um die Wolken flattert; So flieht der ganze Trupp bey seinem Anblik; Und noch, von meines Fußtritts Ton erschrekt, Fiel, weil sie sich verfolgt von Geistern glaubten, Der eine überwälzend auf die Erde; Ein andrer schrie um Hülfe von Athen. Die Angst die ihrer Sinnen sie beraubte, Empörte wider sie selbst lebenlose Wesen; Denn Dorn und Heken schnappten ihnen nach, Hier blieb ein Hut zurük, ein Ermel dort; Den Fliehenden berupfen alle Dinge. So trieb ich sie vor Furcht entseelt herum, Und ließ indeß den holden Pyramus Verwandelt hier; im gleichen Augenblik Erwacht Titania, und verliebt sich straks In einen Esel--

Oberon. Diß fiel besser aus Als ich vermuthen durfte. Hast du aber Auch, wie ich dir zu thun befahl, die Augen Des Jünglings von Athen mit diesem Saft bestrichen?

Puk. Ich fand ihn schlafend; auch diß ist vorbey. Das Mädchen lag dabey, und nah' genug, Daß er sie sehen muß, wenn er erwacht.

Fünfter Auftritt. (Demetrius und Hermia.)

Oberon. Steh' still, diß ist der Jüngling den ich meynte.

Puk. Diß ist das Mädchen, aber nicht der Jüngling.

Demetrius. Wie hart begegnest du, dem der dich liebt? Gieb deinem Todfeind solche bittern Worte!

Hermia. Noch schelt' ich nur, weit schlimmer sollt ich dir Begegnen; denn, ich fürchte, du hast mir Dich zu verfluchen, Grund gegeben: Du hast Lysandern als er schlief erschlagen; So tief im Blut tauch dich noch tieffer ein, Und tödte mich. Die Sonn' ist nicht so rein, Als er bis diesen Tag getreu mir war. Würd' er von seiner Hermia, weil sie schlief, Sich weggestohlen haben? Eher wollt' ich glauben, Daß dieser Erdenball durchbohret werden, Und Luna durch das hole Centrum kriechen, Und ihres Bruders Mittag bey den Gegenfüßlern Beschämen könnt'! Es kan nicht anders seyn, Ermordet hast du ihn; so wie du blikest, So stier, so grimmig sollt ein Mörder bliken.

Demetrius. So sollte der Erschlagne ausseh'n, und so, ich, Dem deine Grausamkeit das Herz durchbohrt; Doch du, die Mörderin, du siehst so glänzend Als Venus dort in ihrer Sphäre funkelt.

Hermia. Was hat diß mit Lysandern? wo ist er? Ach! werther Freund, willt du ihn mir nicht geben?

Demetrius. Eh wollt ich seinen Rumpf den Hunden geben!

Hermia. Weg, Hund, hinweg! Du treibst mich aus den Grenzen Der weiblichen Geduld. So hast du ihn Erschlagen? o wenn dieses ist, so werde Hinfort nicht mehr den Menschen zugezählt! Sprich einmal wahr, sag' es mir zu Gefallen, Hätt'st du es wagen dürfen, weil er wachte Ihn anzuseh'n, und hast du ihn im Schlaf Ermordet? Wahrlich! eine kühne That! Kan nicht ein Wurm, ein kriechend Ungeziefer Das gleiche thun! Das bist du; keine Otter Hat je mit einer zweygespiztern Zunge, Als deine ist, du Schlangenbrut, gestochen.

Demetrius. Umsonst verschwendest du, o Schönste, deine Wuth; Denn ich bin schuldlos an Lysanders Blut, Noch ist er tod, so viel ich sagen kan.

Hermia. So sag', ich bitte dich, es sey ihm wohl!

Demetrius. Und könnt ich's, was gewönn' ich denn damit?

Hermia. Das Recht, mich nimmermehr zu sehen. Auf ewig meid' ich dein verhaßtes Antliz! Was auch Lysander sey, du sollt mich nicht mehr sehen.

(Geht ab.)

Demetrius. Es nuzet nichts, bey dieser bösen Laune Ihr nachzugeh'n; ich will noch hier verweilen, Des Kummers Last wird schwerer durch die Schuld Die der bankrotte Schlaf dem Kummer soll; Vielleicht bezahlt er einen Theil daran, Wenn ich, ihm abzuwarten, hier verweile.

(Er ligt nieder, und schläft.)

Oberon. Was thatest du? Du hast aus Mißverstand Auf irgend einer treuen Liebe Augen Den Zaubersaft gelegt; nun macht dein Irrthum Die treue Liebe falsch, und nicht die falsche treu.

Puk. So ist des Schiksals Schluß; für einen treuen Mann Sind hundert tausend, die mit Eiden spielen.

Oberon. Geh' schneller als der Wind, und finde mir In diesem Hayne Helena von Athen. Ganz Liebeskrank ist sie, und blaß vom Antliz, Und haucht ihr Rosenblut in Seufzer aus. Verleite sie hieher, ich will die Augen Des Jünglings den sie liebt, für sie bezaubern.

Puk. Kein Pfeil von eines Tartars Bogen, Ist je so schnell wie ich geflogen.

(Er geht ab.)

Oberon (indem er den Saft auf Demetrius Augen gießt.) Blume, die durch Amors Schaft In Purpur-Farbe glüht, Hauche deine Liebes-Kraft Durch sein Augenlied! Und sieht er dann die er bisher Durch Untreu zwang, ihm nachzuweinen, So laß sie schöner, glänzender Als Venus unterm Sternen-Heer, Vor des Entzükten Aug' erscheinen: Die Reyhe komme dann an ihn, Sich um ihr Lächeln zu bemüh'n, Und wenn sie flieht, ihr nachzuweinen!

(Puk kömmt zurük.)

Puk. Herr von unserm Feen-Land, Helena ist hier zur Hand; Ihr folgt der Jüngling von Athen, An dem ich vor mich überseh'n, Und fleht sie, was er flehen kan Um Lind'rung seiner Schmerzen an. Es ist ein Spaß dem Schauspiel zuzuseh'n; Herr! welch ein albern Volk sind diese Sterblichen!

Oberon. Gieb Acht, es könnte leicht vom Lermen so sie machen, Demetrius uns zu früh erwachen.

Puk. Dann wär' erst unser Spaß vollkommen, Dann buhlten ihrer Zwey um Eine. Je wiedersinnischer die Sachen Sich dreh'n, je mehr hat Puk zu lachen.

Sechster Auftritt. (Lysander und Helena.)

Lysander. Wie kanst du denken, daß ich deiner spotte? O! wenn zerfloß wol je der Spott in Thränen? Sieh', meine Thränen waschen den Verdacht Von den Gelübden ab, die ich dir weyhe, Und zeugen für die Wahrheit meiner Seufzer.

Helena. Je mehr du sprichst, entdekt sich deine Falschheit. Wenn Wahrheit Wahrheit tödtet, welch ein Zweykampf, Wie teuflisch-heilig!--Alle die Gelübde, Die du mir weyh'st, sind Hermias! Wäge nun Eyd gegen Eyd, so wirst du gar nichts wägen. Treuloser Mann, die Schwüre die du ihr Und die du mir geschworen, in zwey Schalen Geworffen, wägen gleich, und beyde gleich so viel Als Mährchen die der Kinder Schlaf befördern.

Lysander. Mir fehlte der Verstand, als ich ihr schwor.

Helena. Und fehlt dir izt, da du ihr treulos wirst.

Lysander. Demetrius liebet sie, und liebt nicht dich.

Demetrius (erwachend.) O Helena, Göttin, Nymphe, Schönste, Beste, Womit, Geliebte, soll ich deine Augen Vergleichen? Trüb ist gegen sie Crystall! Wie loket deiner Lippen reiffe Röthe, Gleich Kirschen, die dem Mund entgegen schwellen, Zum süssen Kuß; das reine dichte Weiß, Auf Taurus Höh' wird rabenschwarz, sobald Du deine Hand erhebst! O laß mich dieses Urbild Der reinsten Weisse küssen, und im Arme Der Göttinnen die Götter neidisch machen.

Helena. O! Schmach, o Hölle! Habt ihr's abgeredet, So ein barbarisch Spiel mit mir zu treiben? Wär't ihr gesittet, und der heiligen Geseze Des Wohlstands kundig, o! ihr würdet euch So niederträchtig mich zu kränken schämen. Könnt ihr mich denn nicht hassen, wie ich weiß Ihr thut es, ohne meiner noch zu spotten? Wär't ihr was ihr zu seyn scheint, wär't ihr Männer, Ihr würdet einem guten Mädchen nicht So unverschämt begegnen, ihre Gaben Durch übertriebnes Lob zu höhnen, und zu schwören, Der Abscheu, den sie euch erwekt, sey Liebe. Ihr beyde seyd, ich weiß es, Nebenbuler Um Hermia; nun seyd ihr's auch, um meiner Zu spotten. Eine feine Heldenthat; Fürwahr! ein männlich Unternehmen, Thränen Aus eines armen Mädchens Augen Zu zwingen! Keiner, dem ein edles Herz Im Busen schlüge, würde fähig seyn Mit einer Jungfrau so zu handeln!

Lysander. Nicht so, Demetrius! Nicht so unleutselig! Du liebest Hermia, und du weist, ich weiß es, Und hier tret' ich freywillig und von Herzen Dir meinen Theil an Hermias Liebe ab, Und fordre deinen nur an Helena, Die dir gleichgültig ist, und die ich liebe, Und bis zum lezten Athem lieben werde.

Helena. Niemals verlohren blöde Spötter mehr Unnüzen Athem!--

Demetrius. Höre mich, Lysander! Behalte deine Hermia, ich will keine. Liebt' ich sie einst, wie ich mich dessen kaum Besinnen kan, so ist es nun vorbey Mit dieser Liebe. Gastweis hielte sich Mein Herz nur bey ihr auf, und ist nunmehr Zu Helena auf ewig heimgekehrt!

Lysander. Es ist nicht so.

Demetrius. Schmäh' du nicht eine Treue Die du nicht kennst; du thätest es auf deine Gefahr!--Schau auf, da kömmt sie, deine Liebe.

Siebender Auftritt. (Hermia zu den vorigen.)

Hermia. Die Nacht entsezt das Auge seines Amtes, Und macht des Ohrs Empfindung desto schärfer. Was sie dem Sehen raubt, ersezet sie Dem Sinn des Hörens zweyfach. O Lysander, Mein Auge sucht dich lang' und fand dich nicht; Allein mein Ohr, Dank sey ihm, brachte mich, Auf deiner Stimme Spur, zu dir. Warum, Warum verließst du so unzärtlich mich?

Lysander. Wie konnt ich bleiben, da die Liebe mich Zu gehen trieb?

Hermia. Welch eine Liebe konnte Lysandern weg von meiner Seite treiben?

Lysander. Lysanders Liebe, die ihm nicht erlaubte Fern von der schönen Helena zu bleiben, Die mehr die Nacht vergüldt, Als alle jene feuerreichen Augen Des Himmels. Warum suchest du mich noch? Erklärte nicht die Sache selbst dir deutlich, Es sey der Haß zu dir, der mich dich fliehen machte.

Hermia. Du sprichst nicht wie du denkst, es kan nicht seyn.

Helena. Seh't, sie ist eine von dem edeln Bündniß; Nun seh' ich, alle drey vereinten sich Durch diese Mummerey mich zu verhönen. Boshafte Hermia, undankbares Mädchen, Was hab' ich dir gethan, daß du dich auch Zu ihnen schlägst, ein Spiel aus mir zu machen? Ist alle Freundschaft, die wir einst uns weyhten; Ist die Vertraulichkeit, die schwesterlichen Gelübd'; und jene Stunden, da wir ungern Uns scheidend, die zu schnelle Zeit beschalten; O! Ist diß alles, alles schon vergessen, Die Schultags-Freundschaft, und die spielende Schuldlose Liebe unsrer frohen Kindheit? Da, Hermia, schuffen wir mit unsern Nadeln Gleich zween kunstvollen Göttern eine Blume, Nach einem Riß, auf einem Polster sizend; Und gurgelten nach einer Melodie Ein muntres Lied, die Arbeit zu beleben; Als wären unsre Händ' und Stimm' und Herzen Verkörpert, nur Ein Leib, beseelt von unsrer Liebe. So wuchsen wir, wie eine Doppel-Kirsche Getheilt zwar scheinend, doch in Eins verwachsen Beysammen auf; zwo anmuthsvolle Beeren, An einem Stiele reiffend; so zwey Leiber Dem Scheine nach, doch nur ein Herz in beyden. Und willt du, kanst du unsre alte Liebe Vergessen, und um deiner armen Freundin Zu spotten, dich zu Männern zugesellen? O! das ist nicht freundschaftlich, nicht jungfräulich Gehandelt; du verschuldest dich an unserm Geschlechte, nicht an mir allein, obgleich Nur ich allein die bittre Kränkung fühle.

Hermia. Dein hiziges Reden sezt mich in Erstaunen! Nicht ich, du, scheint's, beleidigst mich!

Helena. Hast du Lysandern nicht, mir nachzugehen, Und mein Gesicht und meine Augen Zu preisen, aufgestiftet? Hast du nicht Demetrius, deinen andern Freund, der erst Mich noch mit seinem Fusse von sich stieß, Gereizt, mich Göttin, Nymphe, überirdisch, Himmlisch zu nennen? Warum sagt er so Zu einer die er haßt? Warum verläugnet Lysander deine Liebe, die sein Herz Doch ganz erfüllt, und sagt mir Süssigkeiten, Als, weil du sie gereizt, und eingewilligt? Wie? wenn ich gleich nicht so begünstigt bin, Wie du; nicht so beglükt, und so mit Liebe Behangen, ja von meinem Unstern gar Zur Schmach verurtheilt, ungeliebt zu lieben; Diß sollte dich vielmehr zu sanftem Mitleid Als zu Verachtung reizen!--

Hermia. Ich verstehe nicht, Was du mit allem diesem meyn'st--

Helena. So recht! Fahr immerfort, verstelle deine Minen, Zieh' Mäuler gegen mich, wenn ich mich drehe, Winkt euch einander zu! o haltet ja Diß schöne Spiel recht aus, es ist der Chronik würdig. Wenn ihr ein fühlend menschlich Herz, ja nur Manieren hättet, würdet ihr aus mir Den Inhalt eines solchen Spiels nicht machen. Jedoch der Fehler ist zum Theil an mir; Bald soll Entfernung oder Tod ihn heilen.

Lysander. Steh', holde Helena! hör', o hör' mich an! Mein Licht, mein Leben, meine schönste Liebe!

Helena. Vortrefflich!

Hermia. Lieber Freund, verspotte sie nicht so.

Demetrius. Vermag ihr Bitten nichts, so kan ich zwingen.

Lysander. Du kanst es so, wie sie erbitten kan. Dein Droh'n hat nicht mehr Kraft als ihre schwache Bitten. Helena, ich liebe dich; bey meinem Leben, Ich liebe dich; bey dem was ich für dich Verliehren will, dem der es widerspricht Es zu beweisen, daß er lügt--

Demetrius. Ich sage, Ich liebe dich weit mehr als er dich liebt.

Lysander. Wenn du das sagst, so komm es zu beweisen.

Demetrius. Nur gleich--

Hermia. Lysander, wozu soll diß alles?

Lysander. Aus meinem Weg, du Mohr!

Demetrius. Besorge nichts, Er thut nur so dergleichen; es ist nicht Sein Ernst mit mir zu kommen--Geh', Lysander, Du bist ein zahmer Mann--

Lysander (zu Hermia.) Hinweg du Kaze, du Klette, du nichtswürdigs Ding; Laß mich, sonst schleudr' ich dich wie eine Schlange Von mir hinweg--

Hermia. Warum so rauh? welch eine Änd'rung Ist das, mein Herz!

Lysander. Dein Herz? Fort, du schwarzgelber Tartar, fort, Du ekelhafte Medicin, hinweg!

Hermia. Scherzt ihr, Lysander?

Helena. Freylich, wie du auch.

Lysander. Demetrius, ich will dir mein Wort unfehlbar halten!

Demetrius. Du must mir Bürgschaft stellen, denn ich merke, Daß deinem Wort nicht viel zu trauen ist.

Lysander. Wie? soll ich sie denn stossen, schlagen, tödten? Haß' ich sie gleich, so will ich ihr doch nichts Zu Leide thun.

Hermia. Und welch ein grösseres Leid Kanst du mir thun, als hassen? wie? Mich hassen? Wofür? weh mir! welch eine Neuigkeit! Bin ich nicht Hermia? Bist nicht du, Lysander? Ich bin izt noch so schön, als vor so kurzer Weile. Noch diese Nacht, war ich von dir geliebt, Und doch, in dieser Nacht verließst du mich! Warum verliessest du mich?--(O! die Götter Verhüten es!) in Ernste, soll ich sagen?

Lysander. So ists, bey meinem Leben! Ganz in Ernst, Und mit dem Wunsche, nimmer dich zu sehen. Sey also ausser Hoffnung, Frag und Zweifel, Versichre dich's: Nichts kan gewisser seyn, Ich hasse dich, und liebe Helena.

Hermia. Weh mir! du Taschenspielerin, wurmstich'ge Blume, Du Liebes-Diebin, kamst du bey der Nacht, Mir meines Freundes Herz hinweg zu stehlen?

Helena. In Wahrheit! fein!--Hast du denn kein Gefühl Von Sittsamkeit, von jüngferlicher Schaam? Willt du von meiner sanften Zunge Worte Der Ungeduld erzwingen! Schäme dich, Du angestrichnes Bild, du Puppe, du!

Hermia. Puppe? wie so?--Ha, ha! So ligt das Spiel! Nun merk ich es! Sie hat ihn das Verhältniß, Von ihrer Länge zu der meinigen, Bemerken lassen; sie hat ihre Höhe Gelten gemacht, und ihm mit ihrer Person, mit ihrer langen aufgeschoßnen Person, bey meiner Treu! mit ihrer Höhe Das Herz genommen--Seyd ihr darum also So hoch in seiner Gunst emporgewachsen, Weil ich so klein, so Zwergen-mässig bin? Wie klein bin ich? Du Bohnenstikel, sprich, Wie klein bin ich? Ich bin doch nicht so klein, Daß meine Nägel nicht an deine Augen reichen.

Helena. Ihr Herr'n, ich bitte euch, so gram ihr mir Auch seyn mög't, laßt sie mich nicht schlagen! Ich war nie zänkerisch, und habe gar Gar keine Gabe mich mit ihr zu rauffen. O! laßt sie nicht an mich! Ihr denkt vielleicht, Weil sie um etwas kleiner ist als ich, Ich könnte sie bezwingen--

Hermia. Kleiner! horcht! Schon wieder!--