Ein St.-Johannis-Nachts-Traum

Chapter 2

Chapter 23,815 wordsPublic domain

Titania. Wie, eifersücht'ger Oberon? du irrest! Ihr Feen, schlüpft mit mir hinweg, ich habe Sein Bett, und seinen Umgang abgeschworen.

Oberon. Halt, Unverschämte, bin ich nicht dein Herr?

Titania. So bin ich deine Frau! allein ich weiß Die Zeit noch wol, da du vom Feen-Land Dich heimlich stahlst, und in Corins Gestalt, Den ganzen Tag an einer Linde sizend, Auf deinem Haber-Rohr verliebte Seufzer Der schönen Phyllida entgegen girrtest! Sprich, warum eiltest du vom fernsten Gipfel Des Inder-Lands hieher? Weßwegen sonst, Als weil die strozende, Dianen-gleich Geschürzte Amazonin, deine kriegrische Gebieterin, mit Theseus sich vermählt? Du kömmst, nicht wahr? ihr Bette zu beglüken?

Oberon. Wie? läßt die Schaam diß zu, Titania, Die Gunst Hippolitas mir vorzurüken? Und weissest doch, ich kenne deine Liebe Zu Theseus? Warest du es nicht, die ihn Bey deinem eignen Schimmer, durch die Schatten Der stillen Nacht, von Perigenias Seite, Die er vorher geraubet hatt', entführte! Und wer als du verführt' ihn, seine Schwüre So viel betrognen Nymphen, Ariadnen, Der schönen Ägle, und Antiope Zu brechen?--

Titania. Falsche, grillenhafte Träume Der Eifersucht! Seit diese dich beherrschet, Seit jenem Sommer kamen wir nicht mehr Auf Hügeln, noch im Thal, im Hayn, auf Wiesen, Am Quell' der über kleine Kiesel rauschet, Noch raschen Bächen, die aus Felsen sprudeln, Noch an des Meeres klippenvollem Strande, Zum frohen Tanz zusammen, unsre Loken Zum Spiel der flüsternden, scherzhaften Winde Zu machen. Alle unsre Spiele hat Dein Groll gestört. Drum haben auch die Winde, Vergeblich uns zu pfeiffen überdrüssig, Als wie zur Rache, seuchenschwangre Nebel Tief aus der See gesogen, die hernach, Aufs Land ergossen, jeden über uns Erzürnten Bach mit solchem Stolze schwellten, Daß ihre Fluth die Ebnen überströmte. Umsonst hat nun der Stier sein Joch getragen, Der Akermann hat seinen Schweiß verlohren, Die grüne Ähre fault, eh ihre Jugend Das erste Milchhaar kränzt. Leer steh'n die Hürden im ertränkten Felde, Und Krähen mästet die ersäufte Heerde. Mit Schlamme ligt der Kegelplaz erfüllt, Unkennbar und verschwemmt der glatte Pfad, Der durch des Frühlings grüne Labyrinthe Sonst leitete. Die Sterblichen entbehren Der winterkürzenden gewohnten Freuden, Und keine Nacht wird Hymnen mehr geweyht. Nur Luna, die Beherrscherin der Fluthen, Vor Unmuth bleich, wascht überall die Luft, Und füllet sie mit fieberhaften Flüssen. Die Jahreszeiten selbst verwirren sich, Beschneyte Fröste sinken in den Schoos Der frischen Ros', und auf des alten Winters Eys-grauer Scheitel wird, als wie zum Spott, Ein Kranz gesezt von holden Sommer-Knospen. Der Lenz, der Sommer, der fruchtreiche Herbst, Der Winter wechseln ihre Liverey, Und die erstaunte Welt erkennt nicht mehr An dem gewohnten Schmuk, wer jeder ist. Diß ganze Heer von Plagen kömmt allein Von unserm Groll, von unsrer Zwiespalt her. Wir sind die Eltern dieser schwarzen Brut!

Oberon. So helfet dann, es ligt allein an euch! Wie kan Titania ihren Oberon Noch länger quälen? Alles was ich bitte, Ist nur ein kleiner Laff von einem Jungen, Aus dem ich einen Pagen machen will.

Titania. Gebt euch zufrieden! Niemals kan diß seyn. Das ganze Feenland erkaufte nicht Diß Kind von mir. Ich liebte seine Mutter, Sie war von meinem Orden, und hat oft Des Nachts in Indiens süß-gewürzter Luft Durch ihre Spiele mir die Nacht verkürzt. Sie saß dann auf Neptuni gelbem Sand Bey mir, und sah den göldnen Schiffen nach, Die durch die Fluth mit Pegus Schäzen eilten; Wir lachten, wenn wir sahen, wie die Seegel, Vom ausgelaßnen Wind geschwängert, schwollen; Diß äffte sie, mir eine Lust zu machen, Mit anmuthsvoller schwimmender Bewegung, Kurzweilend nach, (ihr Leib war damals reich Von meinem jungen Ritter) segelte Ans Land, mir Kleinigkeiten abzuholen, Und kehrte wieder, wie von einer Reise, Mit reichen Waaren, um. Jedoch da sie Nur sterblich war, starb sie an diesem Kinde, Und ihrentwegen zieh' ich ihren Knaben auf, Und ihrentwegen will ich ihn nicht lassen.

Oberon. Wie lange denkt ihr noch in diesem Hayn zu bleiben?

Titania. Vielleicht bis nach dem Hochzeittag des Theseus. Gefällt es euch in unserm Kreis zu tanzen, Und unsern Mondlicht-Spielen zuzusehen, So folget uns; wo nicht, so weicht mich aus, So wie ich eure Jagden meiden will.

Oberon. Gieb mir den Knaben, und ich geh' mit dir.

Titania. Nicht für dein Königreich. Ihr Elfen, weg! Es giebt nur Zank, wenn wir uns länger säumen.

(Die Königin, und ihr Gefolg geht ab.)

Oberon. Gut, geh' nur deinen Weg! eh du den Hayn Verlassen hast, soll dich dein Troz bestraffen-- Hieher, mein muntrer Puk! Besinn'st du dich, Daß ich auf einem Vorgebürg einst saß, Und hörte der Syrenen einer zu, Wie sie, auf eines Delphins Rüken sizend, So zaubrisch-süsse Töne von sich hauchte, Daß selbst die rohe See bey ihrem Liede Mild ward, und liebestrunkne Sterne taumelnd Aus ihren Sphären sanken, der Musik Der Wasser-Nymphe zuzuhören?--

Puk. --Ich Erinnere mich's ganz wol.

Oberon. Zu gleicher Zeit sah' ich, (du konntest nicht) Den Liebesgott in hastiger Unruh, zwischen Dem Erdball und dem kalten Monde fliegen; Er hielt, und richtete den straffen Bogen Nach einer göttlichen Vestalin,* die Im Westen thront', und schoß mit solcher Macht Den Liebespfeil von seinem Bogen ab, Als sollt' er hunderttausend Herzen spalten; Allein ich sah' es, wie sein feur'ger Pfeil Im keuschen Stral des feuchten Monds sich löschte, Und in jungfräulichen Betrachtungen, Mit freyem Geist, die königliche Schöne Vorübergieng. Da merkt' ich, wo der Pfeil Des Amors fiel--Er fiel Auf eine kleine Blume, vormals weiß Wie Milch, izt röthlicht von der Liebes-Wunde, Und Mäd'gens nennen sie die müssige Liebe. Brich' diese Blume mir; ich zeigte dir Das Kräutchen einst; ihr Saft auf schlummernde Auglieder ausgegossen, hat die Kraft, Mann oder Mädchen bis zum Aberwiz Ins nächste Ding, das ihrem Blik begegnet, Verliebt zu machen. Pflüke diese Blume, Und sey mir wieder hier, Eh Leviathan eine Meile schwimmt.

{ed.-* Der Umstand, daß dieses Lustspiel noch unter der Regierung der Königin Elisabeth aufgeführt worden, wird es einem jeden merklich machen, daß die Vestalin niemand anders als diese jungfräuliche Heldin bezeichne. Daß aber unter der Syrene die Königin Maria von Schottland abgebildet sey, scheint der scharfsichtige Warbürton zuerst angemerkt zu haben. Er bemerkt überhaupt, dieser allegorische Schleyer, unter welchem ein Gemisch von Lob und Satyre verborgen ist, müsse uns auf den Schluß leiten, daß die Rede von einer Person sey, welche der Poet unverdekt weder loben noch schelten durfte. Dieses passe nun völlig auf Maria von Schottland. Die Königin Elisabeth konnte nicht leiden, wenn Maria gelobt wurde; und ihr Nachfolger, (Jakob der 1ste,) würde eine Satyre auf seine Mutter nicht vergeben haben. Allein, fährt Warbürton fort, der Poet hat jeden unterscheidenden Umstand ihres Lebens und Charakters in dieser schönen Allegorie so deutlich ausgezeichnet, daß über seine geheime Absicht kein Zweifel übrig bleiben kan. Sie wird 1.) eine Syrene genannt aus dem entgegengesezten Grunde, warum Elisabeth eine Vestalin heißt, nemlich einer Untugend wegen, um derentwillen diese unglükliche Princessin eben so berüchtigt ist, als die Syrene bey den alten Dichtern. 2.) Der Rüken des Delphins, worauf sie sizt, deutet auf die Vermählung der Königin Maria mit dem Dauphin von Frankreich, dem Sohn Heinrichs des 2ten. 3.) Der bezaubernde Gesang dieser Syrene ist eine Anspielung auf die ausserordentlichen Reizungen und Talente der gedachten Princessin, wodurch sie bey ihrem Aufenthalt am Französischen Hofe alle Welt in Verwundrung sezte. 4.) Daß ihre Stimme die wilde See selbst zahm gemacht, deutet auf die während ihrer Abwesenheit in Schottland entstandnen Unruhen, die ihre Wiederkunft sogleich wieder gestillet. Warbürton merkt an, die Schönheit dieses Bildes sey desto grösser, weil der gemeinen Sage nach, die Syrenen oder Meerweiber nur in Stürmen singen. 5.) Die verliebten Sterne, die ihr zulieb aus ihren Sphären sanken, bezeichnen verschiedene Herren von dem Englischen hohen Adel, welche von dieser Princessin in ihr unglükliches Schiksal gezogen worden, besonders die Grafen von Northumberland und Westmorland, und den Herzog von Norfolk, den das Project sie zu heurathen das Leben kostete.}

Puk. Ich wollte, wenn du es befählest, In viermal zeh'n Minuten einen Gürtel Rings um die Erde zieh'n.

(Geht ab.)

Oberon. --Hab' ich nun Erst diesen Saft, so will ich lauern, bis Titania schlafend ligt, und dann die Tropfen Auf ihre Augen träufeln. Das nächste Ding, worauf sodann erwachend Ihr Auge ruht, sey's Löwe oder Bär, Wolf oder Stier, Waldteufel oder Affe, Wird sie mit Sehnsucht, mit dem Geist der Liebe Verfolgen. Nimmer will ich diesen Zauber Von ihren Augen nehmen, (wie ich's kan), Bis sie den Knaben mir bewilligt hat. Wer kömmt hier, ich bin unsichtbar, und will Behorchen, was sie sprechen--

Dritter Auftritt. (Demetrius, welchem Helena folget)

Demetrius. Was verfolgst Du den, der dich nicht liebt? Wo ist Lysander? wo Die schöne Hermia? jenen will ich tödten, Und diese tödtet mich. Du sagtest mir, Sie hätten sich in diesen Wald gestohlen; Und hier bin ich, und wild in diesem Walde,* Weil ich hier meine Hermia nicht entdeke. Weg, pake dich, und folge mir nicht mehr!

{ed.-* (And here am I, and Wood within this Wood. Wood) heißt Wald, und heißt auch wüthend, wild; dieses dem Shakespeareso gewöhnliche Spiel mit dem Schall der Worte hat im Deutschen hier nur unvollkommen ausgedrükt werden können, und wird künftig oft gar nicht geachtet werden.}

Helena. Du ziehst mich an, hartherziger Magnet, Doch ziehest du nicht Eisen; denn mein Herz Ist treu wie Stah'l. Hör' auf mich anzuziehen, Und ich will unterlassen dir zu folgen.

Demetrius. Such' ich dich zu gewinnen? Sag' ich dir Liebkosungen? und nicht vielmehr mit runder Aufrichtigkeit, daß ich dich weder liebe, Noch lieben kan?

Helena. --Und eben dessentwegen Lieb' ich dich desto mehr; ich bin dein Hündchen, Demetrius! das nur destomehr liebkoset, Je mehr du's schlägest. Halte mich nur so, Als wie dein Hündchen, scheuche, schlage mich, Vergiß, verliehr' mich, nur erlaube mir, So werthlos als ich bin, dir stets zu folgen; Welch schlechtern Plaz kan ich in deiner Liebe Erfleh'n, (und doch ist er in meinen Augen hoch!) Als daß du mich wie deinen Hund nur haltest?

Demetrius. Reiz nicht zu sehr den Abscheu meiner Seele; Mir wird schon übel, wenn ich dich nur sehe.

Helena. Und mir ist übel, wenn ich dich nicht sehe.

Demetrius. Du sezest deine Tugend in zu grosse Gefahr, die Stadt so zu verlassen, und Dich in die Hände eines Manns, der dich Nicht liebt zu liefern, und der lokenden Bequemen Nacht, und dieses öden Waldes Versuchung, deiner jungferlichen Ehre Kostbaren Werth so sorglos zu vertrauen.

Helena. O! Meine Sicherheit ist deine Tugend! Und darum, däucht mich, bin ich nicht im Dunkeln. Es ist nicht Nacht, wenn ich dein Antliz sehe; Auch fehlt es diesem Hayne nicht an Welten Gesellschaft; denn für mich bist du die ganze Welt. Wie kan man denn, daß ich allein sey, sagen, Wenn alle Welt hier ist, und auf mich schaut?

Demetrius. Ich werde von dir rennen, in das Farrenkraut; Mich dort versteken, und den wilden Thieren Dich überlassen--

Helena. --O! das wildeste Hat kein solch Herz wie du! Flieh', wenn du willst, Flieh' nur, so wird sich die Geschichte drehen, Apollo flieh'n, und Daphne ihn verfolgen. Die Daube jagt den Gey'r, die sanfte Hindin eilt Den Tyger zu erhaschen. Schwaches Eilen! Wenn Zagheit jagt, und Dapferkeit entflieht.

Demetrius. Ich will nicht länger säumen, deine Fragen Zu hören. Laß mich geh'n; und folgst du mir, So glaube nur, ich füge dir ein Leid In diesem Holze zu--

Helena. --O! in der Stadt Im Feld, im Tempel fügst du Leid mir zu! O! schäme dich, Demetrius, deine Härte Entehret mein Geschlecht. Wir können nicht Für Liebe fechten, wie die Männer mögen; Gesucht zu werden, und nicht selbst zu suchen, Sind wir gemacht!--jedoch, ich folge dir; Und selbst der Tod von dieser werthen Hand Wird eine Hölle mir zum Himmel machen.

(Sie gehen ab.)

Vierter Auftritt.

Oberon. Fahr wol, o Nymph'! eh du den Hayn verlässest, Sollt du ihn flieh'n, er deine Liebe suchen. (Puk tritt auf.) Wo ist die Blume? Willkommen, Wand'rer!

Puk. Hier ist sie!

Oberon. Gieb sie her. Ein Hügel Ist mir bekannt, wo wilder Thymus blüht, Wo Ochsenzung' und wankende Violen, Hoch überwölbt von weichem Geißblatt, Von Muscus-Rosen und Hambutten wachsen; Dort schläft Titania einen Theil der Nacht, Durch Tänz' und Scherz in Blumen eingewiegt, Und eingeschleyert in der schönsten Schlange Geschmelzte Haut, die sie dort abwarf, weit Genug, um eine Fee darein zu wikeln. Schläft sie, dann will ich diesen Zauber-Saft Auf ihre Augen streichen, und ihr Hirn Mit ungereimten Phantasien füllen. Nimm du davon, und suche durch den Hayn. Ein holdes Mädchen von Athen verfolgt, Von Liebe krank, den Jüngling der sie hasset. Bestreiche seine Augen, aber so, Damit das erste was er wachend sieht Das Mädchen sey. Du wirst am Attischen Gewand Ihn leicht erkennen. Mache daß er sie Inbrünstiger noch liebe, als sie ihn, Und siehe zu noch vor dem ersten Krähen Des frühen Hahns, mich wieder hier zu finden.

Puk. Verlaß dich, Herr, auf deines Dieners Fleiß!

(Sie gehen ab.)

Fünfter Auftritt. (Die Königin der Feen, und ihr Gefolge.)

Königin. Kommt einen Rundtanz und ein Feen-Lied, Dann für den dritten Theil der Nacht hinweg! Die einen in der Muscus-Rose Knospen Der Raupen Brut zu tödten; andre sollen Mit Fledermäusen um ihre Flügel kämpfen, Um meinen Elfen Röke draus zu machen! Andre die schreyerische Eule, die uns nächtlich Belauscht, und unsrer Scherze sich verwundert Von hinnen treiben! Singt mich nun in Schlaf, Denn weg zu eurer Pflicht, und laßt mich ruhen. (Die Feen singen.)

1. Ihr zweygezüngten bunten Schlangen, Ihr dornenvollen Igel, hin! Ihr Nattern, die um Blumen hangen Nah't nicht unsrer Königin! Philomelens Melodey Sing' in unsrer Lullabey! Lulla, lulla, lullabey, :|: Kein Harm und keine Zauberey, Komm unsrer holden Frauen bey! So gute Nacht mit lullabey. 2. Ihr webenden Spinnen flieht von hier, Du langgebeinte--* flieh! Ihr schwarzen Schröter nah't nicht ihr! Kein Wurm noch Schnaak berühre sie! Philomelens Melodie u.s.w.

{ed.-* Spider.}

Eine Fee. Hinweg, Sie schläft schon, folget mir, Doch Eine bleib und wache hier!

(Die Feen gehen ab.)

(Oberon tritt wieder auf.)

Oberon. Was du sieh'st, wenn du erwach'st, Soll dein Herz mit Glut erfüllen, Brenn' und schmacht' um seinetwillen, Möcht es Panther, Stachelschwein, Löwe oder Kaze seyn! Was zuerst dein Aug erblikt, Ist der Schaz, der dich entzükt!

Sechster Auftritt. (Lysander und Hermia.)

Lysander. Du schmachtest, Theure, von dem langen Irren Im Walde, und die Wahrheit zu gesteh'n, Die Nacht hat uns vom rechten Weg verleitet; Laß uns hier ruhen, Hermia, und den Tag Wenn dir's beliebt, erwarten.

Hermia. --Sey es so Lysander! Suche dir ein Lager aus; Ich will mein Haupt auf diesen Wasen legen.

Lysander. Ein Wasen soll zum Kissen beyden dienen; Ein Herz, ein Bett, zween Busen, eine Treu!

Hermia. Nicht so, Lysander! Mir zu lieb, mein Werther, Lig weiter weg, lig nicht so nah' bey mir!

Lysander. Nimm, Holde, was ich sagte, wie ich's meynte; Laß deiner eignen Liebe Unschuld dir Die Sprache meiner Liebe deuten. Mein Herz ist so dem deinigen verwebt, Daß eine Seele nur in beyden lebt! Zween Busen, durch den gleichen Eyd verschlungen; So sind's zween Busen zwar, doch eine Treue! Versag' mir also nicht den Plaz an deiner Seite, O Hermia, denn so ligend lüg ich nicht.

Hermia. Lysander spielt ganz artig mit den Worten. Doch, liebster Freund, aus Zärtlichkeit und Achtung Für mich, lig weiter weg; so weit die Zucht, Der Menschheit Vorrecht, sagt, daß einem Mädchen Und einem tugendhaften Jüngling zieme, So weit entferne dich! Nun gute Nacht, Mein süsser Freund, und möge deine Liebe Sich nur mit deinem holden Leben enden!

Lysander. Mein Leben ende dann, wenn meine Liebe! Hier soll mein Bette seyn. Der sanfte Schlaf Mög' alle seine Ruh' auf dich ergiessen!

Hermia. Und dieses Wunsches Helfte des Wünschers Augen schliessen!

(Sie schlaffen.)

(Puk tritt auf)

Puk. Keinen Jüngling von Athen Konnt ich in dem Hayn erspäh'n, Dessen Auge dieser Blume Zauberkraft bewähren könne! Nacht und Stille! Wer ist der? Kleider von Athen trägt er. Der ist's, den der König meynt, Um den diß gute Mädchen weint. Hier ligt es, hier, und schläft gesund Auf dem feuchten lokern Grund. Die holde Seele! durft's nicht wagen, Sich näher zu dem wilden Manne, Dem Mädchen-Hässer hinzulegen. Kerl'! ich gieß auf deine Augen Allen Zauber dieser Blume! Wach'st du auf, so soll dem Schlummer Amors Zorn auf deinem Auglied Den gewohnten Siz verbieten.

(Geht ab.)

Siebender Auftritt. (Demetrius, und Helena, die ihm nacheilt.)

Helena. Steh' hier, Demetrius, wär's auch mich zu tödten!

Demetrius. Ich sag's dir, weg, und jage mich nicht so!

Helena. Ach! willt du hier im Dunkeln mich verlassen?

Demetrius. Bleib wo du willt, ich will alleine geh'n.

(Demetrius geht ab.)

Helena. O! ich bin athemlos von dieser Jagd. Glüksel'ge Hermia, wo du izt auch ligst, Dich hat des Himmels Gunst allein mit Augen Die Seelen an sich zieh'n, begabt. Was machte sie so glänzend? wahrlich nicht Gesalzne Thränen; diese waschen öfter Die meinen als die ihrigen! Nein! ich bin So häßlich als ein Bär, die Thiere selbst Die mir begegnen flieh'n erschrekt von mir. Was Wunder, daß, wenn mich Demetrius sieh't, Er meine Gegenwart wie eines Scheusals flieht. Welch ein verwünschtes lügenhaftes Glas Beredte mich, mit Hermias Sternen-Augen Die meinen zu vergleichen!--Wer ist hier? Lysander auf dem Grund! todt oder schlafend? Ich sehe weder Blut noch Wund'. Erwache Lysander, wenn du lebst, so höre mich!

Lysander (erwachend.) Und durch die Flammen selbst renn' ich für dich! Glanzreiche Helena! welch eine Kunst, Beweiset die Natur, die mich dein Herz Durch deinen Busen sehen läßt! Wo ist Demetrius? O! verhaßter Name, Gemacht, auf meinem Schwerdte zu ersterben.

Helena. O! Sprich nicht so, Lysander, sprich nicht so! Liebt er gleich deine Hermia! was ists mehr? Sie liebet doch nur dich; drum sey zufrieden!

Lysander. Mit Hermia? Wahrlich, nein! wie reuen mich Die freudenlosen Augenblike, Die sie mir stahl! Nicht Hermia, Helena Ist's die ich liebe. Wer wird nicht den Raben Um eine Daube tauschen? Unser Wille Wird durch Vernunft beherrscht, und diese sagt, Du sey'st die Liebenswerthere unter beyden. Was noch erst wächßt, reift nicht vor seiner Zeit! So reift' ich, noch zu jung, nicht zur Vernunft Bis diesen Augenblik. Izt da mein Wachsthum Den Punct der Reiff erreicht hat, ist Vernunft Der Marschall über meinen Willen, Und leitet mich zu deinen Augen hin, Der Liebe reizendste Geschichten in Der Liebe reichstem Buch zu lesen.

Helena. Wofür ward ich zu diesem Hohn gebohren? Wenn hab' ich diese Schmach um dich verdient? Ists nicht genug, ists nicht genug, o Jüngling, Daß von Demetrius Augen ich noch nie Mir einen günstigen Blik erwerben konnte? Must du noch meines Unvermögens spotten? Diß ist unedel! Ja, fürwahr, es ist! Doch fahre wohl! Du zwingst mir's ab, zu sagen, Daß ich dich Meister beßrer Sitten glaubte. O! daß ein Mädchen, die ein Mann verschmäht, Vom andern noch verspottet werden soll!

(Sie geht.)

Lysander. Sie siehet Hermia nicht; Hier, schlaf du, Hermia! Und möchtest du Lysandern nimmer nahen! Denn wie das Übermaaß der angenehmsten Speisen Den Magen nur mit grösserm Ekel drükt; Wie Kezereyen, wenn wir sie verlassen, Uns nur verhaßter sind, je mehr sie einst uns täuschten, So sey du, meine Unverdaulichkeit, Und meine Kezerey,* von aller Welt Gehasset, doch von niemand mehr als mir! Und alle Kräfte meines Wesens sollen, Für Helena zu Liebestrieben werden.

{ed.-* Man hat, so seltsam diese Einfälle tönen, eine wörtliche Übersezung derselben gut befunden; und wird dieses noch öfters thun, damit die Leser den Shakespeareauch von dieser Seite kennen lernen.}

(Er geht ab.)

Hermia. Hilf mir, Lysander! hilf! ich flehe dir, Reiß diese Schlang' aus meiner Brust!--Weh mir! Was für ein Traum war das! Lysander! sieh' Wie ich vor Schreken schlottre--Eine Schlange, Fraß, däuchte mich, mein Herz, und du Sah'st lächelnd zu!--Lysander!--wie? Entfernt? Lysander! Freund! Wie bist du denn so ferne, Daß du nicht hören kanst?--Kein Wort, kein Laut! Ach, ach! wo bist du, sprich, wenn du noch hör'st, O sprich, um aller Liebesgötter willen! (Mir wird vor Angst ohnmächtig)--Nun?--Ich will Es bald erfahren, ob du ferne bist. Ich geh' den Tod zu finden, oder dich.

(Geht ab.)

Dritter Aufzug.

Erster Auftritt. (Der Wald.) (Squenz, Zettel, Schnok, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.)

(Die Feen-Königin ligt noch schlafend.)

Zettel. Sind wir alle beysammen?

Squenz. Recht gut! recht gut! Das ist ein unvergleichlicher Plaz zu unsrer Probe. Dieser grüne Plaz soll unser Schauplaz seyn; die kleine Wiese hinter diesem Weißdorn-Zaun unsre Kammer zum Ankleiden; und wir wollen nur gleich so agieren, als ob es vor dem Herzog wäre.

Zettel. Peter Squenz--

Squenz. Was willt du, Schurke Zettel?

Zettel. Es sind Sachen in dieser Comödie von Pyramus und Thisbe, die nimmermehr gefallen werden. Fürs erste: So muß Pyramus ein Schwerdt ziehen, sich selbst umzubringen, und das werden die Damen nicht aushalten können. Was antwortet ihr auf das?

Schnauz. Beym Velten, das wird Kopf-Verbrechens brauchen!

Schluker. Ich denke, wir müssen eben das Umbringen auslassen, wenn alles andre vorbey ist.

Zettel. Nichts, nichts! ich habe einen Einfall der alles gut machen wird: Schreibet mir einen Prologus, und laßt ihn sagen, daß wir mit unsern Schwerdtern kein Unglük anstellen werden, und daß Pyramus nicht würklich umgebracht wird; und zu desto grösserer Sicherheit laßt ihn sagen, daß ich Pyramus nicht Pyramus bin, sondern Claus Zettel der Weber; das wird ihnen schon die Furcht benehmen.

Squenz. Gut, wir wollen einen solchen Prologus haben, und er soll in acht und sechsen* geschrieben seyn.

{ed.-* In einem Sonnet, welches wie bekannt, nur vierzehn Zeilen haben darf.}

Zettel. Nein, machet zwey mehr; schreibt es in acht und achten.

Schnauz. Werden die Damen nicht auch über den Löwen erschreken?

Schluker. Ich fürcht' es, das versprach' ich euch.

Zettel. Ihr Herren, bedenket vorher was ihr thun wollt; einen Löwen, Gott bewahr uns! unter Damen zu bringen, ist eine fürchterliche Sache; denn es ist kein schlimmerer Waldvogel als euer Löwe, wenn er lebendig ist; wir können zusehen.

Schnauz. Es muß also ein andrer Prologus sagen, daß er kein Löwe ist.

Zettel. Man kan ja seinen Namen nennen, und sein halbes Gesicht durch des Löwen Hals hervor guken lassen; und er selbst kan daraus hervor reden, und so oder zu eben diesem Defect sagen: Lädies, oder schöne Lädies, ich wollte wünschen, oder ich wollte gebetten haben, oder ich wollte ersucht haben, fürchten Sie sich nicht, zittern Sie nicht so; mein Leben für das Ihrige, es soll ihnen nichts geschehen! Wenn Sie dächten, ich komme hieher als ein Löwe, so daurte mich nur meine Haut; Nein, nein, ich bin nichts dergleichen, ich bin ein Mensch wie andre Menschen; und dann kan er sich ja nennen, und ihnen rund heraus sagen, daß er Schnok der Schreiner ist.

Squenz. Gut, so soll es seyn. Aber es sind noch zwey harte Puncten: Eins ist, wie wollen wir den Mondschein in das Zimmer bringen? denn ihr wißt, Pyramus und Thisbe kommen beym Mondschein zusammen.

Schnok. Scheint der Mond in der Nacht, worinn wir spielen?

Zettel. Einen Calender! einen Calender! sehet in den Almanach: Suchet Mondschein, suchet Mondschein!

Squenz. Ja, er scheinet diese Nacht.

Zettel. Nun, so kan man ja einen Flügel von dem grossen Kammerfenster, wo wir spielen, offen lassen; und der Mond kan durch den Flügel herein scheinen.