Part 3
mit dem Leibe schützend
Die Erde holt, was sie erschaffen hat, zurück in ihrer Fruchtbarkeit Gesetz!
Der andre Soldatenführer
Zu schlecht als Geierfraß!
Mutter
wehrend
Hier und dort, allüberall gedeiht der Mütter Schmerz! Des Jammers Sämann, freu Dich solcher Saat!
Der andre Soldatenführer
zur zaudernden Mannschaft
Gehorcht Ihr diesem Weibe oder mir?
Er treibt sie vor
Mutter
Eh Du das Volk mit Deinem Stabe zwingst Unmenschliches zu tun, reiß ich ihn fort!
Sie ringt um den Führerstab
Er, der allmächtig durch das Weltall wirkt, versage jeden Prügeldienst! Zu mir!
Der andre Soldatenführer
Zu mir!
Mutter
in seinem Besitz
Bei mir! Bei mir die Macht der Welt! O heilger Träger ungezählter Samen! O Himmelsäule! Du verwirrst mein Hirn! Aufbrechend lecken rote Flammen Dir wie Zungenlust entgegen! Es wirft mich um! Es reißt mich auf und bringt mir aller Mütter heißes Hoffen wieder! Von Dir berührt, erbrennt die erdge Haut! In allen Zellen meines Fleischs fällt Feuer!
Der andre Soldatenführer
Daß Deine Hand verdorre, die den Stab urheilger Macht so wahnsinnstoll umfängt!
Mutter
mit dem Stabe
Ich halte Dich und taumle unter Dir! Lebendig Leben durch das All ergossen, Du wirbelst Sonnen wie aus Übermut -- und stößt auf uns auch wieder brandend ein!
Der andre Soldatenführer
zur Mannschaft
Was murmelt Ihr und drängt Euch rückenan?
zur Mutter
In jedem Kopf hier waltet unser Atem, er gibt ihm erst Bedeutung, sich zu fühlen! Versuche nicht, Dich gegen uns zu stellen!
Mutter
Es stürzt hervor! Ach, meine Hände, weh, wie sie sich höhlen; ganz von ihm erfüllt rauscht Schöpfung bodenauf in diese Schale, die viel zu schwach, dem Feuer standzuhalten, die Finger öffnet, daß der Segen fließt!
Ein Soldatenführer
zur Mutter
Willst Du den Geist aus abertausend Geistern unwandelbar gefügt, wie Sphärenklang schon Gottes Herz umdrängend, willst Du das, was unser Stab durch aller Kräfte schuf, in Feuer setzen?
Der andre Soldatenführer
um den Stab ringend
Allzuviel Geschwätz!
Mutter
frei
Ich schwing Dich über dieser Erde Leib! Schon pfeift's um mich wie junger Gertenschlag und bricht aus leichensatten Feldern, Sturm! Da jauchzt er! Hei, wie seine Schauer vor Überglück erwachte Schollen schütteln!
Der andre Soldatenführer
zur Mannschaft
Hier wuchert Ansteckung! Rückt ab, und fort! Wie sollen Menschen ihrer Tage Sinn ergriffen leben, wenn Verzücktheit herrscht!
Ein Soldatenführer
zur Mutter
Dies Volk wirst Du uns nicht vom Zügel reißen!
Mutter
Was Ihr getürmt, gelenkt im Hin und Her, schuf salzge Augen!
Ein Soldatenführer
Doch der Ordnung Thron!
Mutter
Im Leichenhaus! Es rundet sich die Welt aus tiefster Freude nur ins Gleichgewicht!
Ein Soldatenführer
Frau, unsre Macht, die auf der Sitte Grund sich durch Geschlechter hart entwickelt hat, schreist Du nicht um! Sie lebt aus altem Recht!
Mutter
Es wandelt sich auch Recht!
Jüngster Sohn
vor der Mutter
Ihr hört es, Brüder!
Mutter
Es gibt nur eine Glut, aus der wir leben!
Jüngster Sohn
Sie leuchtet fackelhell von Deinem Mund!
Der andre Soldatenführer
zur Mannschaft
Ihr rottet Euch zusammen? Werft die Helme? Laßt Eure Schöpfe eigenwillig flattern?
Mutter
über aller Häupter wachsend
O weites Land. O selge Flächenlust! Dich möcht ich streicheln wie ein Wiegenbett, darunter heilges Leben schläft! Es naht der Tag, voll Lachen steigt er auf, da wir von der Erinnrung harter Last, die uns in unsres Ursprungs Dämmer zwingt, befreit sind, und wie Adler hoch im Flug der Qualgebirge Gipfel selig streifen!
Jüngster Sohn
vor der Mutter
Aus Deiner Seele ward der Tag geboren! Er lebt!
Der andre Soldatenführer
zur Mutter
Wird diese Raserei nicht enden?
Mutter
über alles Volk
O Mutterleib, o Leib, so wild verflucht und aller Greuel tiefster Anlaß erst, Du sollst das Herz im Bau des Weltalls werden und ein Geschlecht aus Deiner Wonne bilden, das herrlicher als Ihr den Stab gebraucht! -- Ihm werf ich ihn erschaudernd so entgegen!
Sie tut es
Der andre Soldatenführer
Ihr habt's gehört, gesehn! Geduld fahr hin!
Er wendet sich gegen die Mutter
Jüngster Sohn
stößt ihn zurück
Ins Knie vor ihr!
Ein Soldatenführer
packt den Jüngsten Sohn
Vergreift er sich an uns?
Mannschaft
mühsam aufbrechend
Der weite Grund hat unser Blut getrunken! Wir sind hinfort Verwalter dieses Bodens und wehe, wer uns unsern Gang verzäunt!
Ein Soldatenführer
zur Mutter
Wo soll das enden? Weib, Du rührst an Gott!
Der andre Soldatenführer
vor der Mutter
Eh Du des Staates Wuchtgefüge störst, erfordert es sein Leben, daß Du fällst!
Er drängt die Mutter in den Kirchhof
Mutter
zum andern Führer
Hier, hier und da, stoßt alle Eisenschäfte mir tief ins Blut! Ich will sie so zerschmelzen, daß meinen Kindern keine Schmerzen bleiben!
Sie wird auf den Gräberhügel gestoßen
Tochter
aus dem Kirchhof, unbeherrscht
Sie töten meine Mutter!
Der andre Soldatenführer
hinter ihr
Still, Gekeif!
fängt sie
Tochter
Von Kellerasseln überkrabbelt werden muß gegen Deine Arme Wollust sein! Hätt ich in meinem Speichel Natterngift!
beißt sich los, bleibt angesichts der Mannschaft
Ich suche mir ein Dickicht, wo ich ende!
Sie schleicht fort
Jüngster Sohn
der sich losgerissen hat, am Tor
Zwei Lachen Blut! Zwei Lachen rotes Blut!
Ein Soldatenführer
zum andern Soldatenführer
Das wogt und ebbet nach!
Jüngster Sohn
O Mutterhauch, von Dir geschmolzen rolle die Lawine auf die Kasernen der Gewalt hinab, und was sich je zu frech ins Blau gebaut, fall hin!
zu Kameraden
Steht Ihr entsetzt? Kommt, stürmend Licht reißt uns mit fort, zu Dir, zu Dir, o Mutter!
Mannschaft
trunken
Auf, schultert ihn!
Es geschieht, sie stürmen alle zu Tal
Der andre Soldatenführer
zum Soldatenführer
Nun heißt's, am Ruder bleiben und dieses anvertraute Menschengut auf ihres Blutes wilder Flut zu Tal mit ernstem Griff zur Tätigkeit zu steuern!
Ein Soldatenführer
Der Feige Sohn wird der Sicht wieder frei
Noch einer steht in Fesseln.
Der andre Soldatenführer
bei ihm
Würgst an Worten? Dich sterben lassen, hieße Gnade üben! Dein feiger Anblick nagle alle fest, die uns zu trotzen wagen!
Er bindet ihn los
Laufe Du!
hetzt ihn ins Tal
Ein Soldatenführer
sieht ihm nach
Aus seinem Schweigen wetterleuchtet Arges!
Der andre Soldatenführer
Wir dürfen nicht wie Wachs im Feuer weichen, wenn dieser Menschheit Guß gedeihen soll, wie Gott ihn sich in höchster Weisheit dachte, dann müssen wir die Siegelhalter sein! Wie der Kristall nach festem Willen wächst, um im Gebilde leuchtender zu strahlen.
Er folgt der Mannschaft
Ein Soldatenführer
allein
Ich schlösse froh das Tor, wär Tod auch Ende! Du fürchterliches Weib, ergreift Dein Blut auch mich? Daß es im Innern quält und zuckt und heulend brennt, als hüllten diese Falten des Mantels meine Seele ganz in Flammen? Herunter mit dem roten Tuch der Schrecken! Ich geb es hin! Die Sonne mög es bleichen!
Er wirft den Mantel fort und geht zu Tal
Im Felde
begonnen Sommer 1915 -- beendet Herbst 1916