Ein Geschlecht: Tragödie

Part 3

Chapter 31,098 wordsPublic domain

mit dem Leibe schützend

Die Erde holt, was sie erschaffen hat, zurück in ihrer Fruchtbarkeit Gesetz!

Der andre Soldatenführer

Zu schlecht als Geierfraß!

Mutter

wehrend

Hier und dort, allüberall gedeiht der Mütter Schmerz! Des Jammers Sämann, freu Dich solcher Saat!

Der andre Soldatenführer

zur zaudernden Mannschaft

Gehorcht Ihr diesem Weibe oder mir?

Er treibt sie vor

Mutter

Eh Du das Volk mit Deinem Stabe zwingst Unmenschliches zu tun, reiß ich ihn fort!

Sie ringt um den Führerstab

Er, der allmächtig durch das Weltall wirkt, versage jeden Prügeldienst! Zu mir!

Der andre Soldatenführer

Zu mir!

Mutter

in seinem Besitz

Bei mir! Bei mir die Macht der Welt! O heilger Träger ungezählter Samen! O Himmelsäule! Du verwirrst mein Hirn! Aufbrechend lecken rote Flammen Dir wie Zungenlust entgegen! Es wirft mich um! Es reißt mich auf und bringt mir aller Mütter heißes Hoffen wieder! Von Dir berührt, erbrennt die erdge Haut! In allen Zellen meines Fleischs fällt Feuer!

Der andre Soldatenführer

Daß Deine Hand verdorre, die den Stab urheilger Macht so wahnsinnstoll umfängt!

Mutter

mit dem Stabe

Ich halte Dich und taumle unter Dir! Lebendig Leben durch das All ergossen, Du wirbelst Sonnen wie aus Übermut -- und stößt auf uns auch wieder brandend ein!

Der andre Soldatenführer

zur Mannschaft

Was murmelt Ihr und drängt Euch rückenan?

zur Mutter

In jedem Kopf hier waltet unser Atem, er gibt ihm erst Bedeutung, sich zu fühlen! Versuche nicht, Dich gegen uns zu stellen!

Mutter

Es stürzt hervor! Ach, meine Hände, weh, wie sie sich höhlen; ganz von ihm erfüllt rauscht Schöpfung bodenauf in diese Schale, die viel zu schwach, dem Feuer standzuhalten, die Finger öffnet, daß der Segen fließt!

Ein Soldatenführer

zur Mutter

Willst Du den Geist aus abertausend Geistern unwandelbar gefügt, wie Sphärenklang schon Gottes Herz umdrängend, willst Du das, was unser Stab durch aller Kräfte schuf, in Feuer setzen?

Der andre Soldatenführer

um den Stab ringend

Allzuviel Geschwätz!

Mutter

frei

Ich schwing Dich über dieser Erde Leib! Schon pfeift's um mich wie junger Gertenschlag und bricht aus leichensatten Feldern, Sturm! Da jauchzt er! Hei, wie seine Schauer vor Überglück erwachte Schollen schütteln!

Der andre Soldatenführer

zur Mannschaft

Hier wuchert Ansteckung! Rückt ab, und fort! Wie sollen Menschen ihrer Tage Sinn ergriffen leben, wenn Verzücktheit herrscht!

Ein Soldatenführer

zur Mutter

Dies Volk wirst Du uns nicht vom Zügel reißen!

Mutter

Was Ihr getürmt, gelenkt im Hin und Her, schuf salzge Augen!

Ein Soldatenführer

Doch der Ordnung Thron!

Mutter

Im Leichenhaus! Es rundet sich die Welt aus tiefster Freude nur ins Gleichgewicht!

Ein Soldatenführer

Frau, unsre Macht, die auf der Sitte Grund sich durch Geschlechter hart entwickelt hat, schreist Du nicht um! Sie lebt aus altem Recht!

Mutter

Es wandelt sich auch Recht!

Jüngster Sohn

vor der Mutter

Ihr hört es, Brüder!

Mutter

Es gibt nur eine Glut, aus der wir leben!

Jüngster Sohn

Sie leuchtet fackelhell von Deinem Mund!

Der andre Soldatenführer

zur Mannschaft

Ihr rottet Euch zusammen? Werft die Helme? Laßt Eure Schöpfe eigenwillig flattern?

Mutter

über aller Häupter wachsend

O weites Land. O selge Flächenlust! Dich möcht ich streicheln wie ein Wiegenbett, darunter heilges Leben schläft! Es naht der Tag, voll Lachen steigt er auf, da wir von der Erinnrung harter Last, die uns in unsres Ursprungs Dämmer zwingt, befreit sind, und wie Adler hoch im Flug der Qualgebirge Gipfel selig streifen!

Jüngster Sohn

vor der Mutter

Aus Deiner Seele ward der Tag geboren! Er lebt!

Der andre Soldatenführer

zur Mutter

Wird diese Raserei nicht enden?

Mutter

über alles Volk

O Mutterleib, o Leib, so wild verflucht und aller Greuel tiefster Anlaß erst, Du sollst das Herz im Bau des Weltalls werden und ein Geschlecht aus Deiner Wonne bilden, das herrlicher als Ihr den Stab gebraucht! -- Ihm werf ich ihn erschaudernd so entgegen!

Sie tut es

Der andre Soldatenführer

Ihr habt's gehört, gesehn! Geduld fahr hin!

Er wendet sich gegen die Mutter

Jüngster Sohn

stößt ihn zurück

Ins Knie vor ihr!

Ein Soldatenführer

packt den Jüngsten Sohn

Vergreift er sich an uns?

Mannschaft

mühsam aufbrechend

Der weite Grund hat unser Blut getrunken! Wir sind hinfort Verwalter dieses Bodens und wehe, wer uns unsern Gang verzäunt!

Ein Soldatenführer

zur Mutter

Wo soll das enden? Weib, Du rührst an Gott!

Der andre Soldatenführer

vor der Mutter

Eh Du des Staates Wuchtgefüge störst, erfordert es sein Leben, daß Du fällst!

Er drängt die Mutter in den Kirchhof

Mutter

zum andern Führer

Hier, hier und da, stoßt alle Eisenschäfte mir tief ins Blut! Ich will sie so zerschmelzen, daß meinen Kindern keine Schmerzen bleiben!

Sie wird auf den Gräberhügel gestoßen

Tochter

aus dem Kirchhof, unbeherrscht

Sie töten meine Mutter!

Der andre Soldatenführer

hinter ihr

Still, Gekeif!

fängt sie

Tochter

Von Kellerasseln überkrabbelt werden muß gegen Deine Arme Wollust sein! Hätt ich in meinem Speichel Natterngift!

beißt sich los, bleibt angesichts der Mannschaft

Ich suche mir ein Dickicht, wo ich ende!

Sie schleicht fort

Jüngster Sohn

der sich losgerissen hat, am Tor

Zwei Lachen Blut! Zwei Lachen rotes Blut!

Ein Soldatenführer

zum andern Soldatenführer

Das wogt und ebbet nach!

Jüngster Sohn

O Mutterhauch, von Dir geschmolzen rolle die Lawine auf die Kasernen der Gewalt hinab, und was sich je zu frech ins Blau gebaut, fall hin!

zu Kameraden

Steht Ihr entsetzt? Kommt, stürmend Licht reißt uns mit fort, zu Dir, zu Dir, o Mutter!

Mannschaft

trunken

Auf, schultert ihn!

Es geschieht, sie stürmen alle zu Tal

Der andre Soldatenführer

zum Soldatenführer

Nun heißt's, am Ruder bleiben und dieses anvertraute Menschengut auf ihres Blutes wilder Flut zu Tal mit ernstem Griff zur Tätigkeit zu steuern!

Ein Soldatenführer

Der Feige Sohn wird der Sicht wieder frei

Noch einer steht in Fesseln.

Der andre Soldatenführer

bei ihm

Würgst an Worten? Dich sterben lassen, hieße Gnade üben! Dein feiger Anblick nagle alle fest, die uns zu trotzen wagen!

Er bindet ihn los

Laufe Du!

hetzt ihn ins Tal

Ein Soldatenführer

sieht ihm nach

Aus seinem Schweigen wetterleuchtet Arges!

Der andre Soldatenführer

Wir dürfen nicht wie Wachs im Feuer weichen, wenn dieser Menschheit Guß gedeihen soll, wie Gott ihn sich in höchster Weisheit dachte, dann müssen wir die Siegelhalter sein! Wie der Kristall nach festem Willen wächst, um im Gebilde leuchtender zu strahlen.

Er folgt der Mannschaft

Ein Soldatenführer

allein

Ich schlösse froh das Tor, wär Tod auch Ende! Du fürchterliches Weib, ergreift Dein Blut auch mich? Daß es im Innern quält und zuckt und heulend brennt, als hüllten diese Falten des Mantels meine Seele ganz in Flammen? Herunter mit dem roten Tuch der Schrecken! Ich geb es hin! Die Sonne mög es bleichen!

Er wirft den Mantel fort und geht zu Tal

Im Felde

begonnen Sommer 1915 -- beendet Herbst 1916