Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee
Part 42
Die besondern Merkmale des Gesichts sind: dicht zusammenstehende Augen, breite fleischige, platte Nase, sehr großer Mund mit vom Betelkauen schwarz gefärbten Zähnen und wulstige, vom Betel ziegelroth gefärbte Lippen. Das wollige Haar wird von den Frauen kurz geschnitten und von den Männern in ungefähr 10 cm langen den Pudelhaaren ähnelnden Zotteln getragen. Der Bart der Männer rahmt das Gesicht als schmale, ebenfalls zottige Krause ein, der übrige Bart ist gewöhnlich wegrasirt.
Verzierungen in oder auf der Haut, wie man es nun nennen mag, haben nur die Frauen, doch sind dieselben nicht durch Tätowirung eingeäzt, sondern bestehen in dicken, bis zu 1 cm breiten und ½ cm hohen Narben, welche künstlich in Gestalt verschiedenartiger Figuren durch Einschnitte in die Haut vermittelst geschliffener Lavaschlacke oder Muschelscherben hergestellt werden. Schmuck wird im alltäglichen Leben von beiden Geschlechtern übereinstimmend getragen und besteht zunächst im Färben der Kopf- und Körperhaare. Die gewöhnliche Farbe hierfür ist die rothe, doch sieht man zuweilen auch weiße Köpfe; ob dies nun eine höhere Zierde darstellt oder nur, wie auch in Samoa und Tonga, dazu dient, den Kopf von Ungeziefer zu reinigen, mag dahingestellt bleiben, da ich es nicht weiß. Dann haben beide Geschlechter am untern Rande der beiden Nasenflügel je ein oder zwei kleine Löcher von nahezu 2 mm Durchmesser und die Männer vielfach auch noch ein Loch durch die Nasenscheidewand. Diese Löcher, welche zur Aufnahme von mancherlei Zierath bei festlichen Gelegenheiten dienen, sind mit kleinen Holzstückchen ausgefüllt, damit sie in der Zwischenzeit nicht zuwachsen oder sich verengern. Mit einem Halsband schließt dann der Schmuck und die Bekleidung des Körpers ab, da das von den Männern getragene Armband, wie ich weiter unten auseinandersetzen werde, wol nicht als Schmuck bezeichnet werden kann.
Auf das Halsband, in welchem sich so ziemlich der ganze Kunst- und Schönheitssinn dieser Menschen wiedergibt, wird so viel Mühe und Sorgfalt verwendet, daß dasselbe eine nähere Beschreibung verdient. Bei den Männern besteht es vorzugsweise aus dicht aneinander gereihten Schweins- oder Walfischzähnen, doch tragen Häuptlinge auch gern einen tellerartigen Halsschmuck, welcher in Größe, Form und auch Farbe wohl am besten mit einem Pichel, wie er bei uns den Säuglingen vorgebunden wird, zu vergleichen ist und aus einem steifen Bastgewebe besteht, auf welches dicht aneinander Diwarra aufgenäht ist, wodurch das Stück auch einen reellen Werth erhält.
Das Halsband der Frauen ist in der Hauptsache aus kleinen böhmischen Glasperlen und Opossumzähnen zusammengesetzt und hat an herunterhängenden kurzen Schnüren vielerlei kleine Zierstücke. Je nach dem Reichthum des Mannes wachsen auch diese Frauenhalsbänder von einer einfachen Perlenschnur bis zu 6 cm breiten Bändern mit einem Mittelstück aus Opossumzähnen, welch letzteres hauptsächlich dem Schmuck Werth verleiht und zwar deshalb, weil jedes Opossum nur zwei der hierzu verwendbaren Zähne besitzt, mithin zur Herstellung eines solchen Stücks oft 50 dieser Thiere erforderlich sind. Ein besonders schönes Band, welches die mit so reichen Narbenmustern gezierte Lieblingsfrau King Dick’s trug und die es von ihrem Hals lösend mir schenkte, besteht aus einem gewissermaßen das Schloß bildenden 6 cm hohen und 4 cm breiten Mittelstück von über 100 Opossumzähnen. An dieses schließen sich nach beiden Seiten je 12 Perlenschnüre an, welche durch je zwei senkrecht stehende feine Schildkrotstäbchen geführt sind, wodurch sie in der Bandform erhalten werden. Vorn an dem Schloß hängen 12, und hinten an den beiden Bindeschnüren vier und acht 6-10 cm lange einfache Perlenschnüre, an welchen je eine kleine Muschel, ein Stück geschnittenes Perlmutter (die Halbmondform ist sehr beliebt), ein alter Knopf, eine ausgehöhlte halbe Bohne mit daraus hervorstehendem Schweinezahn, ein Stückchen spiralförmig gedrehter Rinde, eine große bunte Perle u. a. m. befestigt ist. Einzelne Schnüre sind mit solchem Zierath noch nicht versehen und ich vermuthe, daß diese noch auf die Geschenke warten, welche der Gatte gelegentlich zu geben hat. Bei einem zweiten, mir von einer andern Frau Dick’s geschenkten Halsband, schließt sich an das Mittelstück statt der 12 Schnüre ein aus Perlen gewebtes breites Band mit zierlichen Mustern an, auch sind die nach unten hängenden einzelnen Schnüre nicht direct am Schloß befestigt, sondern es hängt an diesem zunächst ein 10 cm langes und 3 cm breites Perlenband, dessen Verlängerung die einzelnen Schnüre erst bilden. Die Halsbänder mit ihren weißen, blauen und rothen Farben, stehen, fest um den Hals gelegt, den braunen Gestalten entschieden gut. Hier mag angeführt werden, daß diese Eingeborenen eigentlich nur drei Farben kennen: das aus einer Erdart gewonnene Roth, das aus Ruß und Palmöl hergestellte Schwarz und das aus gebrannten Korallen hervorgehende Weiß. Blau kommt allerdings auch vor, doch ist dies jedenfalls von den Europäern eingeführtes Indigo. Andere Farben habe ich auf Duke of York und in Neu-Britannien nicht angewendet gesehen. In Neu-Irland muß nach der Bemalung der dort gefertigten Masken auch Gelb bekannt sein. Die weiße Farbe scheint die beliebteste und geschätzteste zu sein, weil beim Tauschhandel die weißen Glasperlen am höchsten im Preise stehen.
Auf den Schmuck, welcher bei Festen getragen wird, werde ich bei der Beschreibung der Tänze zurückkommen.
Das von den Männern auf dem linken Oberarm getragene Armband ist ursprünglich kein Schmuckstück und kann auch jetzt wol noch nicht als solches gelten, weil es nur sehr vereinzelt in einer andern als der ursprünglichen Form vorkommt und dann doch auch immer seinem eigentlichen Zwecke dient. Das gewöhnlichste Armband ist ein einfaches Stück Bast, welches so fest um die Mitte des Oberarms gebunden ist, daß es in das Fleisch einschneidet und so in ähnlicher Weise als Tasche dient, wie die Ohrlappen der Ellice-Insulaner, denn in Blätter gewickelte Betelnuß, ein Stück Taback, die Pfeife und andere kleine Gegenstände sind, zwischen Band und Fleisch geschoben, sicher untergebracht. An Stelle des einfachen Baststreifens findet man auch, aber wie gesagt nur vereinzelt, breitere aus ganz feinen Bast- und Rohrstreifen sauber und theilweise mit eingefügten Figuren geflochtene Bänder, welche an den Rändern wol auch mit Diwarra eingefaßt sind; dieselben bilden aber nie einen Ring, sondern sind stets zum Binden eingerichtet. Ein in meinem Besitz befindliches derartiges Band ist 5 cm breit. In Uebereinstimmung mit Vorstehendem sind auch die aus Muscheln hergestellten Armbänder zum Binden eingerichtet und bestehen daher aus drei bis vier charnierartig mit Bindfaden zusammengefügten schmalen Stücken. Die auf andern und namentlich den Salomons-Inseln vorkommende Sitte, aus einem einzigen Muschelstück geschnittene geschlossene Armbänder in größerer Zahl über den Arm gestreift als Schmuck zu tragen, besteht daher hier nicht, wenngleich solche Armbänder bei den Weißen hier zu haben sind. Danach, ob dieselben durch die weißen Händler von andern Inseln hierher gebracht werden, oder ob die Eingeborenen sie als Tauschobject selbst anfertigen, habe ich mich nicht erkundigt. Gegen die Verwendung der hiesigen Armbänder als Schmuck spricht übrigens auch noch der Umstand, daß sie nur auf dem linken Arm getragen werden, weil der Arm infolge des starken Drucks auf den obern Muskel an der Entfaltung seiner vollen Kraft gehindert wird und diese Wilden für ihre Waffen (Speer, Schleuder und Keule) der ganzen Kraft des rechten Armes bedürfen, sie also hier nur ein lose sitzendes Schmuckstück verwenden könnten.
Eine bewußte Pflege des Körpers ist wol kaum bekannt, da Reinlichkeit kein Bedürfniß, sondern nur eine natürliche Folge der Lebensweise ist. So habe ich die Frauen, welche allein die Arbeiten auf dem Lande verrichten, durchweg schmutzig gefunden, während die viel im Wasser lebenden Männer naturgemäß ziemlich rein sein müssen, denn sie gehen beim Fischfang nicht nur bis an die Brust ins Wasser, sondern holen tauchend für sie nützliches Gethier und Muscheln auch von dem Meeresboden herauf, wobei ihnen die mehrerwähnte Klarheit des Wassers hülfreich zur Hand geht. Dieselbe ist hier so groß, daß man auf 13 m Wassertiefe jeden kleinen Stein auf dem Meeresboden unterscheiden kann, und daß ein Eingeborener, dessen Taucherkunst wir prüfen wollten, uns aus dieser Tiefe eine ihm vom Schiffe aus bezeichnete, nur 4 cm im Durchmesser messende Muschel ohne Zaudern und schnell vom Meeresgrund heraufbrachte. Ja, das Wasser ist so klar, daß wir sogar 10 Uhr abends bei allerdings hellem Mondschein bis zu 10 m Wassertiefe größere Steine und Muscheln deutlich erkennen konnten.
Die Waffen sind vorläufig noch die ursprünglichen und bestehen in Speeren, Steinschleudern und Keulen, da die Europäer aus gewichtigen Gründen mit dem Verkauf von Feuerwaffen sehr zurückhaltend sind und in den einzelnen Fällen, wo sie die Forderung eines einflußreichen Häuptlings nicht gut zurückweisen konnten, das Gewehr ohne oder nur mit für wenige Schuß reichender Munition abgegeben haben. Weshalb die Leute sich mit einer solchen doch werthlosen Waffe begnügen, werde ich weiterhin noch auseinandersetzen.
Der Speer ist die verbreitetste Waffe und kann wol als die nationale bezeichnet werden. Der gewöhnliche Mann trägt nur den eigentlichen 2½ m langen Kriegsspeer, welcher im Kampf allein zur Anwendung kommt. Er ist aus dem schweren, fast unelastischen Kokospalmenholz gefertigt, hat eine 40-50 cm lange rothgefärbte Spitze, welche an ihrem untern Ende in den dicksten Theil des Holzes ausläuft. Von hier ab wird das Holz wieder schwächer und endet in einem an der untern Fläche platten Knopf von 30 cm Dicke. Dieser Speer wird mit der scharfen Spitze nach oben getragen und gehalten. Die beiden andern vorkommenden Arten, bis zu 3 m lang, sind nur Luxuswaffen und werden aus einem röthlichschwarzen, ebenholzartigen Holze gefertigt. Als Zierde trägt die eine Art an dem untern Ende, wenn die Spitze als oberes gelten soll, einen kunstvoll gefertigten Strauß von bunten Vogelfedern, deren diese Ländergebiete ja eine große Auswahl besitzen. Die Manschette, wenn ich so sagen darf, ist dicht mit kleinen Federn umhüllt, der eigentliche Strauß besteht aus längern Federn, von welchen die mittelsten am meisten hervorstehen. Bei der Anordnung dieses Federschmucks entwickeln die Eingeborenen zuweilen einen auch nach unsern Begriffen feinen Geschmack, denn ein von einem Häuptling an der Nordküste von Neu-Britannien mir als ein besonders schönes Stück geschenkter Speer hat an der Manschette nur matt gefärbte Federn, während der eigentliche Strauß aus tiefschwarzen mit einzeln dazwischengestreuten gelblichbraunen Federn besteht; diese Zusammenstellung ist von ganz ausgezeichneter Farbenwirkung. Die andere Speerart trägt am untern Ende als Schmuck einen Knochen, aber nicht, wie so vielfach behauptet wird, einen Menschenknochen, sondern den Oberschenkelknochen des Kasuar, ein schlankes, feines, schneeweißes Bein. Unser Stabsarzt hat sich auf meine Bitte hin der Mühe unterzogen und alle die uns unter die Augen gekommenen vielen alten und neuen Waffen dieser Art, welche wir in den Händen der Eingeborenen, der Händler, im Privatbesitz hier wie an vielen andern Plätzen sahen, untersucht und festgestellt, daß der Knochen stets vom Kasuar stammt, oder doch jedenfalls kein Menschenknochen war. Die Eingeborenen bestreiten auch entschieden, andere als Kasuarknochen zu ihrem Speerschmuck zu verwenden. An der Stelle, wo der Knochen mit dem Holz zusammenstößt, ist in der Regel ein rothes, mit Diwarra eingefaßtes Stück Baumrinde umgelegt, an welchem häufig auch noch kleiner Zierath, wie ihn die Halsbänder der Frauen haben, hängt. Diese Luxusspeere werden stets mit der Spitze nach unten getragen, wodurch diese natürlich sehr bald stumpf wird und den Gebrauch des Speers als eigentliche Waffe an sich ausschließt.
Die Steinschleuder ist die nächst wichtige Waffe. Sie besteht aus einem 6 cm langen, 4 cm breiten und 3 cm tiefen bootförmigen Körper aus Bast, an dessen beiden spitzen Enden zwei gleiche, etwas mehr als 1 m lange zweidrähtige Schnüre befestigt sind. Die eine Schnur endet in eine Schleife, die andere in einen konischen, nach oben breiter werdenden, zierlich aus Bast geflochtenen Knopf von 1½ cm Dicke. Der abgerundete Stein wiegt zwischen 100 und 150 gr. Beim Gebrauch wird die Schleife der einen Schnur um den Daumen, der Knopf der andern zwischen Mittel- und Ringfinger genommen und dieser Knopf dann von den ihn haltenden Fingern losgelassen, sobald der Schleuderer sein Ziel zu haben glaubt. Wie gefährlich diese Waffe in den Händen der Eingeborenen ist, habe ich früher schon gesagt; ich habe sie zwar nicht anwenden sehen, habe aber zwei Leute gesehen, von denen der eine durch die Schleuder einen Knochenbruch am Oberschenkel erlitten, der andere in der Hüfte ein verwachsenes 2 cm breites und tiefes Loch hatte.
Die Keule vertritt in gewissem Sinne die Stelle unsers Seitengewehrs, wird im Massenkampf wol kaum benutzt und dient im alltäglichen Leben als Vertheidigungswaffe, hauptsächlich aber wol als Schutzwehr, da jeder waffenlose Mann als vogelfrei gilt und von jedem, welcher Lust dazu verspürt, erschlagen werden kann. Mit der Bildung von größern Gemeinwesen indeß, mit dem Zusammenfassen ganzer Stämme unter die Gewalt eines Häuptlings ist die Waffe innerhalb der eigenen Grenzen als Schutzwehr überflüssig geworden und dient, wenn sie nicht zur Jagd gebraucht wird, nur noch als Symbol, ist das Abzeichen des freien Mannes. So ist es möglich geworden, daß an Stelle der Waffe die Attrape treten konnte, ein der Waffe nachgebildetes, als solche unbrauchbares Stück Holz, oder das Gewehr ohne Munition, denn der Träger genügt der Landessitte, hat das äußere Abzeichen und kann mit diesem sogar andern Stämmen ungefährdet entgegentreten. Die Keulen wurden vor dem Verkehr mit den Europäern nur in zwei Mustern hergestellt, entweder aus hartem, gewöhnlich Eisenholz allein, oder aus solchem Holz in Verbindung mit Stein. Die Holzkeule hat unten einen, das Abgleiten der Hand verhindernden Griff und oben eine Verstärkung, welche nach den Seiten in eine scharfe Kante und nach oben in eine Spitze ausläuft. Sie ist gewöhnlich roth bemalt und hat am Griff mancherlei eingeschnittenen und lose hängenden Zierath. Die Steinkeule besteht aus einem glatten Holzstock, über welchem oben ein bis zu 15 cm dicker, ausgehöhlter Stein gestreift und mit einer Pechart, in welches häufig noch Diwarra eingedrückt wird, befestigt ist. Das dritte Muster ist erst entstanden, nachdem die Eingeborenen durch die Europäer in den Besitz von Beilen gekommen waren. Diese Keule ist mit mehr Sorgfalt angefertigt und kann wol auch nur als Luxuswaffe bezeichnet werden. Das Beil sitzt auf einem flachen, mit eingelegtem Perlmutter verzierten Stiel, dessen unteres Ende die Form der von den Eingeborenen gebrauchten Ruder annimmt und hier reich geschnitzt, bemalt und mit einer großen Zahl angebundener Berloques schön gemacht ist. Dieses Keulenmuster wird vorzugsweise als Attrape benutzt.
Die Kampfweise entspricht selbstverständlich den vorhandenen Waffen. Die Steinschleuderer bilden das erste Treffen und beginnen den Kampf in größerer Entfernung, wo ihre Waffe zwar noch nicht zur vollen Geltung kommt, aber immerhin doch den einen oder andern Mann außer Gefecht setzen kann. Sobald nun die eine Partei ihren Steinhagel entsendet, dreht sich die angegriffene Colonne für einen Augenblick schnell um, neigt den Oberkörper zur Erde und streckt den ankommenden Steinen den fleischigsten Theil des Körpers entgegen, weil hier auftreffende Steine aus der großen Entfernung nur quetschen, aber keinen Knochenbruch erzeugen können. Dieses Manöver, welches auf den Unbetheiligten einen höchst lächerlichen Eindruck machen muß, sollen sie auch bei dem ersten ernstem Zusammenstoß mit den Weißen gegen deren Flintenkugeln angewendet haben, ergriffen dann aber, als die Kugeln schlank durchgingen, die Flucht, ohne ihr Gesicht wieder zu zeigen, und versuchten diesen Kniff später gegen Feuerwaffen nicht mehr. Sobald die feindlichen Colonnen in langsamem Schritt auf Speerwurfweite aneinander gekommen sind, ziehen die Schleuderer sich zur Seite, das erste Glied des Haupttreffens wirft seine Speere und eilt hinter die Front, um dem zweiten Gliede Platz zu machen oder aber sämmtlich die Flucht zu ergreifen. Denn bis zum Aufbrauch sämmtlicher Waffen soll es nie kommen, weil eine Partei gewöhnlich den Kampf aufgibt, sobald zwei bis drei von ihnen gefallen sind, und dies ist in der Regel schon nach dem ersten Speerwurf der Fall.
An Werkzeugen findet man die Steinaxt, ein Stück Knieholz, dessen langer Schenkel den Stiel bildet, während an dem kürzern ein harter, grünlicher, geschärfter Stein angebunden ist; dann, wie schon angegeben, Muschelscherben und Lavaschlacke. Eisen war vor dem Eindringen der Europäer nicht bekannt und in der ersten Zeit des Verkehrs wurden für kleine Stücke von alten Fässern gewonnenem Bandeisen die werthvollsten Producte eingehandelt. Nachdem aber, und zwar erst in der allerneuesten Zeit, Beile und Messer zum Kauf gestellt werden, hat das Bandeisen, welches doch nur mangelhafte Geräthe liefert, sehr an Werth verloren, obgleich Beile und Messer noch so hoch im Preise stehen, daß nur Häuptlinge sie erwerben können.
An Musikinstrumenten habe ich nur eine aus Bambus hergestellte Pfeife, die Trommel und die Maultrommel gefunden.
Die Pfeife, etwa 40 cm lang und mit eingebrannten Mustern verziert, ist am Mundstück einfach offen mit einem kleinen halbrunden Ausschnitt und unten geschlossen mit zwei oder drei Tonlöchern vor dem Abschluß.
Die Trommel, welche mit der Hand geschlagen wird, ist ein Cylinder von Bambus oder anderm Holz, unten offen, oben mit Fisch- oder Schlangenhaut bezogen, mit Schnitzwerk und Berloques verziert.
Die Maultrommel, in deren obere Seite zierliche Muster eingeschnitten sind, ist aus einem Stück Bambus gefertigt, 20 cm lang, 6 cm breit und wie eine große zweischneidige Messerklinge geformt. In dem 18 cm langen und ¾ cm breiten Schlitz liegt die aus dem ganzen Stück herausgeschnittene Tonzunge.
An künstlichen Erzeugnissen habe ich außer den bereits genannten Fischereigeräthen, Kanus, Dug-Dug-Masken, Schmuckgegenständen, Waffen, Werkzeugen und Musikinstrumenten nur noch sehr schön aus feinem Rohr geflochtene Körbchen, Tanzstöcke und Schädelmasken gefunden.
Die Tanzstöcke bestehen aus einem flachen Stock, welcher unten einen Griff bildet, an welchem sich zwei nach oben zeigende und in einen Winkel von 30° nach beiden Seiten neigende, mit der flachen Seite des Stocks in einer Ebene liegende und mit bunten Federn verzierte kürzere Stöcke anschließen; unten am Griff ist außerdem noch ein kleiner Federstrauß angebracht. Die bessern Stöcke sind bis 1½ m lang, aus schwarzem glänzenden Holz gefertigt und haben an den Außenrändern schön gewundene Linien.
Die Schädelmasken haben diesen Namen von den Europäern erhalten, weil die vordere Hälfte eines Menschenschädels den Kern der Maske bildet. Auf diesen Kern ist mit Lehm die treue Maske der hiesigen Eingeborenen geformt. Die Oberkiefer sind innerhalb durch ein fingerdickes Stück Holz verbunden, welches der Träger in den Mund nimmt und so sein eigenes Gesicht verdeckt.
Von den Dug-Dug-Masken kann ich keine eingehendere Beschreibung geben, weil ich keine Gelegenheit mehr fand, mir dieselben näher anzusehen, doch wird das Nachfolgende vielleicht auch genügen. Den untern Theil bildet ein dicker, aus langen schmalen getrockneten Blättern hergestellter Rock, welcher von der Brust bis fast zu den Knien reicht. Auf diesen Rock legt sich ein ebensolcher Laubkranz bis zum Hals hinauf, sodaß der Träger des Anzugs zwischen diesem Kranz und dem Rock seine Hände und Arme hindurchstecken kann, sowol um dieselben, wenn nöthig, überhaupt gebrauchen, wie auch Geschenke in Empfang nehmen zu können; Hände und Arme dürfen aber eigentlich nie gezeigt werden, weshalb man bei der Darreichung eines Geschenks dicht an die Maske herantreten muß und die Gabe dann dahin reicht, wo zwischen dem Laub die dunkeln Finger sich bemerkbar machen. Auf den Kranz endlich kommt der oft über 2 m hohe thurm- oder pyramidenartige Oberkörper mit Kopf. Derselbe ist ein Gitterwerk von ganz leichten Rohrstäben und so mit Federn, Laub und schwarz-weiß-rother Malerei verziert, daß man nicht in das Innere sehen kann. Ganz oben auf der Spitze ist das eigentliche, scharf karikirte Gesicht angebracht, dessen Augen aus den unter dem Namen „Katzenaugen“ bekannten Verschlußstücken einer bestimmten Muschelart bestehen. Das Merkwürdigste an dieser Figur sind die durch die Vermummung hervorgebrachten wunderlichen Körpermaße. Ganz oben, 3-4 m über dem Erdboden, der kleine spitze Kopf, an welchen sich der schmale armlose Oberkörper anschließt, dann die riesige Hüftenpartie, welche bei dem Hals des Trägers anfängt und bis zu dessen Knien reicht, und schließlich die kurzen Beinchen von den Knien bis zu den Füßen.
Die Nahrungsmittel der Eingeborenen bestehen in der Kokosnuß, Bananen, Erdfrüchten (Yam, Taro, süße Kartoffeln), Fischen und Seethieren, Vogeleiern (Hühner sind nicht bekannt), Menschen- und schließlich seit zwei Jahren auch Schweinefleisch. Der Genuß des Schweinefleisch war vordem, obwol das Schwein wild vorkommt, nicht bekannt und ist wol diesem Umstand allein der Brauch der Menschenfresserei zuzuschreiben, da die menschliche Natur doch nun einmal Fleischnahrung verlangt. Seitdem die Weißen den Eingeborenen gebratenes Schweinefleisch vorgesetzt hatten, welches sie für Menschenfleisch aßen, und nachdem dann vor ihren Augen ein Schwein geschlachtet war und sie dieses Fleisch ebenso gut wie das vorher genossene fanden, greift die Verwendung der Schweine als Nahrungsmittel immer mehr um sich und die Menschenfresserei nimmt zwar langsam aber stetig ab. Sind die Verhältnisse aber erst so geordnet, daß die Weißen daran denken können, Rindvieh einzuführen und zu züchten, dann wird die Menschenfresserei sicher bald ganz der Vergangenheit angehören.