Chapter 2
Wunnibald stirbt 18. Dec. 761; Walburg 25. Febr. 779; Wilibald 7. Juli 781. Letzterer wurde in der Eichstaedter Kathedrale, die beiden ersteren im Kloster Heidenheim beigesetzt. Hier liess nachmals Abt Otkar Walburgis Erdgrab eroeffnen und erblickte drinnen die Leiche unverwest und thaufrisch: "totum corpus rore perfusum cernebatur". Am 21. Sept. 870 tragen zwei zusammen gebundene Rosse den Sarg nach Eichstaedt und bleiben hier freiwillig vor der Kirche zum hl. Kreuz stehen. Also liess Otkar die Leiche hier bestatten und den Tempel Walburgiskirche benennen. Schon auf dem Wege hieher hatten zwei Epileptische den Sarg beruehrt und wurden dadurch geheilt. Ein Lahmer geht auf Kruecken voran in die Kirche zu Wilibalds Grab und ruft da: Wilibald, gib mir das Botenbrod, deine Schwester kommt! Darueber laesst er die Kruecken fallen und ist geheilt. Gretser 739. Gegen das eben genannte Jahr dieser Versetzungsgeschichte streitet indess die weiter gehende Erzaehlung von der Theilung der Walburg-Reliquien. Als naemlich Walburg gestorben war, hatte ihre Gefaehrtin Lioba kein Gefallen mehr an Heidenheim, sondern gruendete aus ihren reichen Mitteln im J. 870 zu Monheim ein Frauenstift in der Benedictinerregel, und die von ihr nach Eichstaedt abgegebenen Walburgisreliquien mussten nun mit dem neuen Stifte Monheim getheilt werden. Als man sie desshalb im J. 893 zu Eichstaedt wiederum aufgrub, zeigten sie sich mit einer wundersamen Fluessigkeit ueberzogen, die bei Beruehrung nicht an den Fingern kleben blieb: cineres lympha tenui madefactos, ut quasi guttatim ab eis roris stillae extorqueri valerent (A. SS. 11, 293). Beide eben citirte Stellen sind in so ferne von Belang, weil sie die ersten Andeutungen des nachmals so beruehmt gewordnen Oelflusses enthalten. So blieb also ein Theil der Reliquien zu Eichstaedt, der andere kam nach Monheim und wurde hier an jedem Jahrestage durch vier Stadtraethe in einem silberueberzogenen Saerglein in gewohnter Prozession umhergetragen. Als aber durch die Reformation die Kloester des Sprengels der Reihe nach aufgehoben wurden: Solenhofen, Wuelzburg, Baring, Heidenheim, Monheim, zerstoerte der Bildersturm (haereticorum furor, sagt Rader 3, 48) auch die hl. Gruefte, so dass Wunnibalds Sarg in Heidenheim und die silberbeschlagne Arche in Monheim spurlos verloren giengen. Letzteres geschah erst 1542. Man sagt, Walburgis dort verwahrt gewesener bischoeflicher Stab, auf dessen Beruehrung Blinde das Augenlicht wieder erhielten, sei spaeter auf dem Walpersberge bei Koeln von den Jesuiten verwahrt worden und alljaehrlich am 1. Mai im Flurumgang durch die Felder getragen worden. A. SS. pg. 302. Wir werden spaeter darauf noch zurueckkommen.
Von den Koerpertheilen Walburgis ist in ihrer Gruft zu Eichstaedt nichts anderes mehr als nur das Brustbein vorhanden. Dasselbe liegt dorten im Altar der Gruftkapelle der schon 1040 renovirten und 1631 neugebauten Walburgiskirche. Dieser Altar, ein laenglichter Steinwuerfel, ist in seinem Fundament nach aussen viereckig ausgehauen, so dass er als ein auf seine Breitseite umgelegter aelterer Steinsarg erscheint. Sein Material ist Sandstein, wie ihn die Brueche vom benachbarten Pleinfelden ergeben. Durch seine Hoehlung geht der Laenge nach eine ebne ungeschliffene Kalksteinplatte von der Art des naechsten Eichstaedterbruches, aufgesetzt auf zwei kurze Traeger aus Sandstein. Diese Bank heisst der Gnadenstein, denn auf ihrer nackten Flaeche liegt Walburgis Brustbein. Anfangs Oktober faerbt sie sich blaulicht und ueberlaeuft mit dunstigem Stoff, der zu erbsengrossen Perlen gerinnt und tropfenweise ehedem in einem viereckig ausgehauenen Mittelraume sich sammelte. So beschreibt es Gretser X, 907 (gestorben 1625); der spaetere Falkenstein, Nordgau. Alterth. 1, 31 sagt, dass diejenigen Tropfen, die nicht von oben her, sondern von der Seite der Steinbank hervordringen, durch silberne Abzugsrinnen in eine darunter stehende Goldschale geleitet werden, und so schildert es auch die Bavaria (3, Abth. 2, 979) als heute noch bestehend. Der Innenraum des Gruftsteins ist durchweg mit Silberblech ueberzogen, die Vorderseite wird mit einer von innen silberbeschlagenen Eisenthuere verschlossen. Dies ist das Mirakel des Oelthauens, von der Kirche das stillicidium genannt. Das Oel ist weiss und hell, geruch- und geschmacklos und schnell verfluechtigend; unaufgesammelt soll es am Gruftstein wie griesiges Schmalz in sich selber verstocken: Es wird von den Klosterfrauen in kleine, langhalsige; mit Wachs verschlossne Glasflaeschlein zum Verkauf umgeleert: An Ort und Stelle hat der Verfasser dieses in seiner Jugend eine messingene Eichel, vergoldet und am Napfdeckel aufzuschrauben, den Klosterfrauen abgekauft; sie enthielt wohlriechende, in dies Oel getauchte Baumwolle nebst einem gedruckten Gebrauchszettelchen, wornach man unter bestimmten Gebeten diese Wolle in schmerzende Zaehne und Ohren steckt. Frauen tragen derlei geweihte Metalleicheln an dem silbernen Schnuerwerk des Mieders.
Der erste Mai galt durchgehends als der Tag, da das Stillicidium begann. Joh. Georg Keysler, ein kirchlich unbetheiligter, in seinen Forschungen sehr genauer Autor, weiss in seinen Antiquitates Septentr. (Hannoverae 1720) S. 88 noch nicht anders, als dass dieser Oelfluss erfolge cum die prima Maji. Allein dieser Termin behagte den kirchlichen Skribenten nicht, vielmehr scheint seit dem 17. Jahrhundert, da Gretser die Geschichte der Eichstaedter Bischoefe und dieses Mirakels schrieb, folgende Zeit dafuer zur Geltung gebracht worden zu sein: Mit dem 12. Oktober, als dem Tage, da Walburgis Gebeine von Heidenheim in die Gruft nach Eichstaedt uebertragen wurden, beginnt das Oel zu fliessen und fliesst fort bis 25. Februar, als der Heiligen Todestag; alle uebrigen Monate, heisst es, bleibe der Gnadenstein unter jedem Witterungswechsel trocken. Allein im Widerspruche mit dieser Berechnung sagt die aelteste Aufzeichnung der Legende ausdruecklich: die apostolorum Philippi et Jacobi celebratur usque hodie festum canonizationis Walpurgae; eodem die omni anno stillicidium ejusdem sanctae virginis ad potandum administratur (Gretser X, 898b). Philipp und Jacobi fallen bekanntlich auf 1. Mai, dessen altheidnische Feier gildenweise mit dem Aeltrinken begangen wurde. Um nun diesen paganen Brauch vollends hier aus der Kirche zu entfernen, suchte man zu erweisen, dass der 1. Mai weder Geburts- noch Todestag, sondern nur der Canonisationstag Walburgis sei, und kuemmerte sich nicht weiter darum, dass das Walburgisfest in verschiednen Gegenden Deutschlands schon seit alter Zeit zu fuenf verschiednen Monaten und Tagen kirchlich begangen wurde[1].
Ein fernerer Grund, der hier verschiedene Male noethigte, den solennen Beginn des Oelflusses auf andere Termine anzusetzen, liegt in der Eichstaedter Oelquelle selbst, die eine intermittirende ist und ausserdem in frueheren Jahrhunderten viel reichlicher floss als heute. Oftmals bleibt sie sogar ganz aus. So schon unter Bischof Friedrich II., welcher 1237 sammt seinem Domkapitel von der Buergerschaft verjagt wurde. Die versperrte Domsakristei wurde aufgesprengt und verwuestet, das Walburgisoel hoerte auf zu fliessen. Sicherer jedoch ist derselbe Fall, da 1713 zum groessten Schrecken des Klosters vom 15. Februar bis 9. Maerz fast kein Tropfen Fluessigkeit an dem Gnadensteine bemerkbar war; nach einer alten Tradition schob man die Schuld auf die im Convent der Schwestern ausgebrochne Uneinigkeit. Sax, Gesch. des Hochstifts Eichstaedt, S. 283. In der Leichenrede, die der Jesuite Jos. Giggenbach beim Tode der dortigen Abtissin Maria Anna Barbara hielt (gedruckt zu Eichstaedt 1730, 4 deg.), heisst es S. 27: Walburg lasse das Oel in solchem Masse aus ihrem Brustbeine entquellen, dass man damals ein hohes grosses Glas voll davon im Kloster zurueck gestellt hatte; zur Haelfte trank es die erkrankte Abtissin weg und sprach: Deine Kinder, o Heilige, haben sich so stark vermehrt, dass sie entweder dursten und hungern muessen, oder du ihnen die Muttermilch vermehren musst! worauf jenes halbgeleerte Gefaess sich sogleich wieder ganz mit Oel anfuellte.--Der Eichstaedter Bischof Philipp von Rathsamhausen, Verfasser der drittaeltesten Walburgislegende, erzaehlt, wie er es selbst becherweise gegen seine Krankheit getrunken: praecepimus nobis copiosius (de oleo) adferri, et desiderabili haustu phialam plenam ebibimus. A. SS. saec. III. P. II, 306. Als es einst ein ganzes Jahr nicht mehr geflossen war und die darob verzagten Eichstaedter ihren Sittenwandel besserten, brach es so reichlich los, dass man ein Weinlaegel von einer halben Pinte, also ein wirkliches Fass, damit anfuellen konnte. Ibid. pag. 307.
So verwundert sich auch "das Buch vom Aberglauben" (von H.L. Fischer) Hannover 1794, Bd. 3, 118 ueber "die ungeheure Menge" Walburgisoel zu Eichstaedt, die in alle Gegenden verschickt und in schweren Krankheiten statt Arzenei verbraucht wird; es soll, sagt der Verf., wirkliches Bergoel von grosser Durchsichtigkeit und sehr fluechtig sein; wer es bei sich trage, behaupten die Moenche, muesse sich im Stande der Gnaden befinden, damit es nicht sogleich verfliege.
Dass das Oel hier nicht aus der Reliquie, sondern aus dem Tragsteine derselben quillt, hatte die Kirche urspruenglich nicht verheimlicht. Schon Gregor von Nazianz sagt, nicht nur der Maertyrer Asche und Gebein, sondern auch andere den Reliquien nahegebrachte Dinge sind heilkraeftig, und so auch das Oel, das aus den Heiligengebeinen "oder aus ihren Grabsteinen herausfliesst." Vom Grabe der hl. Katharina erzaehlt Reinfrit von Braunschweig (Grimm, Altd. Waelder 2, 185), wie ole von irme libe vloz; und das Gedicht von Katharinens Marter (Pfeiffer, Germania 8, 179) fuegt erklaerend bei:
uz dem sarksteine, da inne lit diu reine, vil heilic ol vluzet, des diu werlt vil genuzet. der iht siecheite hat, des wirt al ze hant rat, als man ez dar an strichet.
In Tirol kennt man kirchlich zwei solcher oelspendenden Steine; der eine lag ehmals in der alten Kirche zu Niedervintl und trug die Inschrift: Brunnen des Oels, 1500; der andere ist noch im Kirchlein St. Kosmas und Damian, bei Bozen. Aus einer Eintiefe an seiner Oberflaeche quoll Heiloel und wurde von zahlreichen Pilgern begehrt, doch es vertrocknete fuer immer, als der Eigenthuemer der Kapelle damit Wucher zu treiben begann. Zingerle, Tirol. Sag. no. 624. 625. Als zu Eichstaedt 1309 die Gebeine des hl. Gundacar erhoben wurden, ergaben sowohl sie wie der Deckel des Steinsarges eine so reichliche Menge fliessenden Oeles, dass der damalige Bischof Philipp von Rathsamhausen hievon zwei Gefaesse fuer die Kranken anfuellen liess. Sax, Eichstaedt. Hochstift S. 101. Die von Rom nach Tegernsee gebrachten Gebeine des hl. Quirinus ergaben in dortiger Quirinuskapelle ein Heiloel, das in kleinen Flaeschlein an die Glaeubigen verkauft wurde. Heute steht diese "Oelkapelle" noch; einige Quellen olivengruenes Naphta entspringen unter ihrem Dache; man sammelt jaehrlich davon gegen 40 Mass. Steub, Bair. Hochland, 196.
Die im Reliquiencultus so unenthaltsam gewesne Kirche hat sich indessen auf solcherlei Steinoel allein nicht beschraenken moegen. Schon zu Justinians Zeit fliesst Oel aus Heiligenknochen (Grimm, GDS. 140); von Orosius an meldet eine Reihe mittelalterlicher Schriftsteller, welche in Massmanns Kaiserchronik 3, 556 aufgefuehrt sind, zu Rom sei bei Christi Geburt ein Oelbrunnen entsprungen und habe sich in die Tiber ergossen. Zugleich faellt damals auch ein Honigregen. Sechzehn Heilige und achterlei heilige Jungfrauen zaehlt Matth. Rader, Bavaria sancta 3, 49 auf, aus deren Gebeinen nunmehr wunderthaetiges Oel fliesst. Kaspar Lang, Histor. theolog. Grundriss 1692. 1, 84 und Abraham a Sta Clara (im Judas der Erzschelm 4, 42) setzen diese Zaehlung noch weiter fort. Mit dem Oel der hl. Helena einen Kristall zu betraeufen, um damit den Dieb zu entdecken, raeth Felix Hemmerlin (1454) in seiner Schrift de exorcismo. Gretser X, 907 nennt ferner die hl. Elisabeth in Thueringen, die Martyrknaben zu Novara und noch andere, deren Gebein, in Kirchenaltaeren ausgesetzt, Oel giebt, und Rader 3, 41 fuegt bei, Gleiches stehe der Walburgis um so mehr zu, als sie eine im Dienste Gottes streitende Jungfrau gewesen sei und also in diesem taeglichen Faustkampfe Oel habe schwitzen muessen:
Cur oleae stillat Walpurgis ab artubus humor? In cavea Martis num pugil illa fuit?
Im Stil der Kirchenvaeter wird der mit dem Satan ringende Christ mit dem Athleten in der Arena verglichen, dessen Leib mit dem Oele des Gebetes gesalbt ist, damit der Feind ihn nicht fassen koenne. So sagt Pseudo-Ambrosius (de sacram. I, 2): Venimus ad fontem--Unctus es quasi athleta Christi. Denselben Gedanken aeussert auch Chrysostomus in seiner 6. Homilie ueber den Brief an die Coloss.--Nork, Realwoertb. 3, 301.
Von der Wunderwirkung des zu Eichstaedt fliessenden Oeles sagen die Acta SS. 1. c. pg. 306, dass es Blinde, Taube und besonders haeufig Lahme geheilt habe; Gretser fuegt bei, X, 917, es foerdere die Geburten, auch lutherische Frauen haetten in Kindesnoethen damit den Versuch gemacht und seien darueber wieder der alten Kirche beigetreten. Medibards Hymnen (bei Gretser 801, dritte Reihe) wissen, dass es besonders den Wolfshunger heilt:
Hinc quendam fastidiosum Fame paene mortuum Alloquens per visionem Monet, ut de calice Ejus biberet; quo facto Esuriit solito.
Der Monheimer Knabe Beretgis, seit 3 Jahren an beiden Fuessen lahm, wurde von seiner Mutter Ratila zum Walburgisgrabe in Monheim getragen und da auf ihr Gebet sogleich hergestellt; worauf sie ihn der Kirche, durch die er seine Koerperkraft wieder erlangt hatte, zu lebenslaenglicher Leibeigenschaft uebergab. A. SS. ibid. pag. 304. Die mystische Kraft, welche dem Walburgisoel beigelegt wurde, erklaert sich Jac. 5, 14: Ist einer unter euch krank, so rufe er die Aeltesten der Gemeinde herbei, dieselben sollen ueber ihn beten, nachdem sie ihn mit Oel gesalbt im Namen des Herrn--und der Herr wird ihn aufrichten.
Da Walburgs Reliquien in vielerlei Kirchen zerstreut worden sind (per totum mundum, ad diversas Francorum provincias S. Walpurgis reliquiae dispersae sunt. A. SS. l.c. 306), so ist auch in vielen Provinzen das Wunderoel zu haben gewesen. Oel, Knochen, fuenf Zaehne und ein Gewandrest Walburgis wurden zu Wittenberg jaehrlich am Montag nach Misericordias ausgestellt, wobei ein Glas voll von demjenigen Oele mit hergezeigt wurde, das aus den Gebeinen der hl. Elisabeth, Landgraefin von Hessen, geflossen war. Das Glas ging an Luther ueber, der wie J. Mathesius erzaehlt, es einst seinen Joachimsthaler Gaesten zu einem andaechtigen Tischtrunk aufstellte. Karl der Kahle hatte in der Kaiserpfalz zu Attigny (Champagne) eine Walburgiskirche erbaut; noch im J. 1720 kamen daselbst die Geistlichen von mehr als vierzig Pfarreien am 1. Mai zusammen, um das Walburgisoel auszuspenden. Odo, Abt zu Clugny, (Burgund) kannte in seiner Nachbarschaft eine Walburgiskirche, in welcher die dortigen Partikeln etliche Tage des Jahres Oel schwitzten; die Heilige hiess dorten Sainte Vaubourg und Gualbourg. Gretser pg. 906. Bolland. 518b. 519a. A. SS. II, pg. 307. 308.
Von altkirchlichen Abbildungen Walburgis sind folgende zu nennen. Im Schiff der Heidenheimer Klosterkirche, die waehrend der Reformation verwuestet wurde (more Lutheranae sectae, quae omnia sacra polluit, sagt Rader 3, 45) liegt gegen das Chor zu ein 2-1/2 F. hoher Grabstein, auf welchem Walburg in ganzer Figur ausgehauen ist, in der rechten Hand einen Stab haltend, auf dessen Wirbel ein kleines Kreuz sitzt, in der linken ein Buch, zu Fuessen ein Wappenschild. Dieser saeulengeschmueckte Aufbau mit Perlenfries gehoert den Werken der romanischen Periode an (Bavaria 3, 863). Auf einem gegenueber liegenden aehnlichen Grabstein ist Wunnibald ausgehauen; drunter steht die Inschrift: sepulcrum stae Walburgis 1484. Eine Abbildung davon erschien bei Bruegel in Ansbach und im Jahresberichte des histor. Vereins fuer Mittelfranken 1843. Der hl. Wilibald mit seiner ganzen Verwandtschaft ist dargestellt auf einem Teppich, welcher urspruenglich in der Eichstaedter Kirche aufbewahrt wurde und nun im Muenchner Nationalmuseum ist.--Auf folgenden Stichen erscheint die Heilige als Abtissin mit dem Stab, das Oelflaeschlein in der Hand haltend:
Fons olei Walpurg. a Jacobo Gretser, S.J. Ingolst. 1629.--P. Emil de Novara, capuccino. Breve ristretto della Sta. principessa Walpurga. Eichst. 1722.--Matth. Rader, Bavaria sancta. Muenchen 1704 (wiederholt das Grabmal).--P. Goudin, Unerschoepflicher Gnadenbrunnen der hl. Walburgis. Regensb. 1708.
Besondere Weihkirchen und Kapellen besitzt die hl. Walburg auf dem Gebiete der Baiern, Alemannen, Franken, Burgundionen, Niedersachsen und Friesen; soweit durch dieselben der hier zu behandelnde Stoff vervollstaendigt wird, wird von ihnen im Einzelnen ferner hier die Rede sein. Eben dieselbe Bemerkung hat auch von den an vielfachen Orten aufbewahrten und verehrten Walburgsreliquien zu gelten.
Auf dem bairischen Lechfelde liegt in der Gemeindeflur von Kaufering eine sehr alte Walburgskapelle, auf ihrem eignen Huegel stehend, von Linden beschattet, von einer Mauer eingefriedet. Der Eintritt fuehrt drei Stufen abwaerts, die Wand ist schwarz, das Innere finster. Im Anbau steht der Pestkarren, die Raeder sind mit Filz beschlagen, um die zur Pestzeit gehaeuften Leichen geraeuschlos abzufuehren. Walburg hat jener Pest gewehrt. Diese Kirche, sagt das Volk, sei heidnischen Ursprungs, man habe hier noch den Goetzen geopfert. Schoeppner, Bair. Sagb. no. 889.
Bairische Ortschaften, vom Namen Walburg ableitend, zaehlt das topographisch-statistische Handbuch des Koenigreichs (Muenchen 1868) folgende auf: Walbenhof, Einoede bei Neustadt a.d. Waldnab; Walbenreuth, Dorf bei Tirschenreuth; Dorf Walberngruen bei Stadtsteinach; Walbertsberg bei Kunreut; hier wird neben der Walburgskapelle unter den Linden ein Maimarkt abgehalten, zu welchem die Landleute bis auf zehn Stunden weit zusammen kommen. (Reynitzsch, Truhtensteine 187.) Walburgskirchen, Dorf bei Pfarrkirchen; Walburgsreut, Weiler bei der Stadt Hof; Walburgswinden, Einoede bei Neustadt a.d. Aisch; Walpenreuth, Dorf bei Berneck; Walpersberg, Dorf bei Bogen; Walpersdorf, ein Weiler bei Rosenheim, und zwei gleichnamige Doerfer bei Rottenburg und bei Schwabach; Walpershof, Dorf bei Eschenbach; Walpersreuth, Weiler bei Neustadt a.d.W.; Walperstetten, Dorf bei Dingolfing; Walperstorf, bei Landshut; Walpertshofen, Weiler bei Dachau; Walpertskirchen, Pfarrdorf bei Erding; Woelbersbach, Dorf bei der Stadt Hof; Wolpersreut, Dorf bei Kulmbach; Wolperstetten, Dorf bei Dillingen; Wolpertsau, Einoede bei Neuburg an der Donau. Diese Liste laesst sich jedoch noch um vieles vermehren, wenn man dabei die mundartlichen Formen des Namens Walburg mitverwerthet. Er lautet im Altmuehlthale Buergli, in altbairisch-oberpfaelzischer Mundart Walberl (nicht zu verwechseln mit Waberl, Wawl, Wabm, was in Altbaiern und Mittelfranken Barbara ist), im tiroler Zillerthal Purgel u.s.w. Einer der Hauptberge am oberbaierischen Tegernsee wird 1420 in einem Lateingedichte des Peter v. Rosenheim als Walber foecundissimus begruesst. Schneller Woertb. 4, 61.
Das schwaebische Rittergeschlecht von Waldburg, einst Truchsessen, nunmehr wuertembergische Standesherren, theilt sich in die Linien Hohenlohe-Wb., Waldburg-Zeil, Wb.-Wurzach, Wb.-Wolfegg. Ihr Stammschloss ist die beim gleichnamigen Pfarrdorf gelegne Veste Waldburg, suedoestlich von Ravensburg. Vier Treppen hoch in dieser Burg liegt die Walburgiskapelle. Von den zu Koeln bei den Jesuiten aufbewahrten Wb.-Reliquien hatten sich die Grafen Einiges erbeten, jedoch erfolglos. Bolland. 3, 518.
Im Elsass hat Walburg drei Kirchen: 1) diejenige bei Leimen mit der Wallfahrt zum Helgenbronn, von welcher weiter unten die Rede sein wird; 2) zu Knoersheim bei Maurmuenster; 3) bei Biblisheim, unfern der Stadt Hagenau; sie wird im J. 1085 als Kloster genannt (Trithem. Chron. Hirsaug. 1, 280) und 1102 vom Schwabenherzog Friedrich I. zur Abtei erhoben. Neugart, Episc. Const. 2, 8.
Auf einer Halbinsel der Seine stand in der Normandie eine Walburgskapelle, diejenige Stelle bezeichnend, wo die Heilige auf ihrem Wege aus England nach Deutschland ausgeruht hat. Gretser, 906.
Der groessere Theil der aeltesten Kirchen Niederdeutschlands ist derselben Heiligen geweiht, so zu Groeningen, Veurne, Utrecht, Antwerpen, Arnheim, Aldenaerde, Bruegge, Zuetphen, Harlem; von ihnen wird im Einzelnen spaeter noch zu handeln sein.
Reliquienpartikeln von der hl. Walburgis lagen laut Falkenstein, Nordgau. Alterth. 1, 29 im vorigen Jahrhundert in folgenden Kirchen.
In Baiern zu Augsburg, zu Monheim und im Kloster Andechs. Ferner zu Mainz in der Gereonskirche zu Koeln ein Finger, in der Jesuitenkirche daselbst die Hirnschale, welche dahin kam vom benachbarten Walpersberg, einem vormaligen Kloster. In Frankreich zu Attigny und Clugny. Die Acta fundationis monasterii Murensis (Kloster Muri im Aargau ist 1027 gegruendet) nennen bei Herzaehlung der daselbst verwahrten Reliquien zu dreien malen Knochen und Asche vom Leib der hl. Walburg. Reliquienpartikeln des hl. Wilibald und Wunnibald und Richardis uebersendete 1482 der Eichstaedter Bischof Wilhelm von Reichenau an Koenig Heinrich VII. von England, der sie in Canterbury verwahren liess. Ueber diese Reliquien und die der Walburg gewidmeten Kirchen hat der Jesuite Godefredus Henschenius in Actis SS. ausfuehrlich berichtet.
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FUSSNOTEN:
[1] Die folgenden nennt Gretser, Vitae SS. tom. X.
25. Febr., Walburgis Todestag, wird begangen zu Eichstaedt in der Kathedrale, und zu Antwerpen in der Basilica.--20. Maerz: Gretser l.c. pag. 907.
1. Mai, Walburgis Translation von Heidenheim nach Eichstaedt; gefeiert in der Eichstaedt. Kathedrale und zu Antwerpen in der Basilica. Bollandisten, 25. Febr., tom. III, 513a. Das Martyrologium des schweiz. Klosters Rheinau stammt aus dem X. Jahrh. und setzt auf 1. Mai die Feier: Philippi et Jacobi et S. Waldp. uir(go). Marzohl-Schneller, Liturgia 4, 768.
4. Aug.: exitus Walburgis ex Anglia, gefeiert zu Eichstaedt (Bollandisten ibid. 514b); zu Tornacum, Gandanum, Antwerpen und Aldenaerde: Bolland. 522; zu Veurne, in der flandr. Dioecese Ypern: Gretser X, 912.
12. Okt.: Antwerpner Basilica und Eichstaedter Walb.kloster.
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Zweiter Abschnitt.
Walburgis Hunde, Walburgis Aehren.