Die Zelle und die Gewebe (Vol. 1/2)

Part 7

Chapter 72,989 wordsPublic domain

III. Giebt es kernlose Elementarorganismen?

An die Beschreibung der chemischen und morphologischen Eigenschaften des Kerns lässt sich noch die wichtige Frage knüpfen, ob der Kern ein unentbehrlicher Bestandtheil jeder Zelle ist. Gibt es kernlose Elementarorganismen? Noch vor einer Reihe von Jahren war man mit einer Antwort auf diese Frage nicht verlegen. -- Da man in Folge der Mangelhaftigkeit der älteren Untersuchungsmethoden bei vielen niederen Organismen keine Kerne gefunden hatte, nahm man die Existenz von zwei verschiedenen Arten von Elementartheilen an, von einfacheren, die nur aus einem Klümpchen von Protoplasma bestehen, und von zusammengesetzten, welche in ihrem Innern noch als besonderes Organ den Kern entwickelt haben. Die ersteren bezeichnete +Haeckel+ (I. 10. II. 15) als Cytoden und ihre einfachsten, einzellebenden Formen als Moneren, die letzteren als Cellulae oder Cyten. Seitdem aber hat sich der Stand der Frage wesentlich verändert.

Dank den verbesserten optischen Hülfsmitteln und den vervollkommneten Färbungsmethoden ist die Existenz von Organismen ohne Kern sehr in Frage gezogen.

Bei sehr vielen niederen Pflanzen (Algen, Pilzen) und bei Protozoen, Vampyrellen, Polythalamien, Myxomyceten, die früher als Beweisobjecte für das Fehlen des Kerns gegolten hatten, gelingt es mit leichter Mühe, Kerne nachzuweisen. Nachdem auch bei der reifen Eizelle der Kern gefunden worden ist (Hertwig II. 19a), können wir sagen, dass im gesammten Thierreich kein sicher bewiesener Fall von kernlosen Zellen existirt. Man wird mir vielleicht die rothen Blutkörperchen der Säugethiere entgegenhalten. Freilich fehlt bei ihnen ein Kern, es fehlt ihnen aber ebensogut auch das Protoplasma, und es lässt sich mit guten Gründen, die später zusammengestellt werden sollen, die Ansicht verfechten, dass die Blutscheiben der Säugethiere nicht den Werth von Elementarorganismen besitzen, sondern nur die Umwandlungs- oder Bildungsproducte ehemals vorhandener Zellen sind.

Eine Zuflucht findet jetzt die Lehre von der Kernlosigkeit nur noch bei den Mikroorganismen, bei den Bacterien und verwandten Formen, bei denen wegen ihrer ausserordentlichen Kleinheit die Unterscheidung von Protoplasma und Kernsubstanz auf Schwierigkeiten stösst. Indessen auch hier hat Bütschli (II. 6) die Existenz kernartiger Gebilde nachzuweisen versucht. Als solche deutet er bei Oscillarien u. a. (Fig. 33 _A_. _B_) Körper, welche bei der Verdauung durch Magensaft nicht aufgelöst werden und einzelne in Farbstoff sich intensiv färbende Körnchen (wahrscheinlich Nucleinkörnchen) beherbergen. Dieselben machen den grösseren Theil des Zellkörpers aus, während Protoplasma nur als dünne Umhüllung vorhanden ist. Bütschli’s Ansichten werden im Allgemeinen von Zacharias (II. 47) getheilt.

Wer diese Angabe nicht als beweisend anerkennen will, wird zugeben müssen, dass die Annahme, welche die Mikroorganismen ganz oder vorzugsweise aus Kernsubstanz bestehen lässt, wenigstens ebenso viel wenn nicht mehr für sich hat, als die Annahme, sie seien nur kleinste, einfache Protoplasmaklümpchen. Denn für die erste Annahme fällt ihre ausserordentliche Neigung, Farbstoffe in sich aufzunehmen, sehr in die Wagschale.

IV. Die Central- oder Polkörperchen der Zelle.

In jüngster Zeit ist neben dem Kern im Protoplasma einiger Zellen ein ausserordentlich winziges, aber durch seine Function sehr wichtiges Gebilde nachgewiesen worden, das +Central-+ oder +Polkörperchen+ (+Centrosoma+). Bei der Zelltheilung, bei deren Darstellung es uns in Capitel VI wieder beschäftigen wird, ist es schon seit längerer Zeit bekannt und spielt hier eine sehr grosse Rolle, da es den Mittelpunkt für eigenthümliche Strahlungsfiguren und überhaupt einen Mittelpunkt in der Zelle bildet, nach welchem die verschiedensten Zellbestandtheile gewissermaassen centrirt sind.

Seine +Grösse+ liegt an der Grenze des eben sichtbaren und bleibt häufig unter dem Durchmesser kleinster Mikroorganismen zurück. Es scheint +stofflich+ aus derselben Substanz, wie das Mittelstück der Samenfäden zu bestehen, zu welchem sich übrigens auch beim Befruchtungsprocess genetische Beziehungen ergeben (s. Cap. VII, 1). Bei den gewöhnlichen Kernfärbemethoden nimmt es keinen Farbstoff auf, lässt sich aber bei geeignetem Verfahren, namentlich durch saure Anilinfarben, wie Säurefuchsin, Safranin, Orange, lebhaft tingiren. Es ist dies das einzige Mittel, das Centralkörperchen in den Fällen, wo es nicht von einer besonderen Strahlung oder Sphäre eingehüllt ist, von andern Körnchen des Zellinhalts (Mikrosomen) zu unterscheiden.

Wenn wir von der Zelltheilung und dem Befruchtungsprocess absehen, über welche spätere Abschnitte handeln, so ist das Centralkörperchen bis jetzt am häufigsten in Lymphzellen (Flemming II. 11 u. 12b und Heidenhain II. 16), in Pigmentzellen des Hechts (Solger II. 38), in sehr flachen Epithel-, Endothel- und Bindegewebszellen von Salamanderlarven (Flemming II. 12b) aufgefunden worden.

In Lymphzellen kommt meist nur ein einziges Centralkörperchen vor (Fig. 34) und ist dies ausser der Färbung noch dadurch kenntlich gemacht, dass das Protoplasma in seiner nächsten Umgebung ein deutlich strahliges Gefüge zeigt und die später uns noch öfters beschäftigende Strahlensphäre oder Attractionssphäre bildet. Das Centralkörperchen liegt zuweilen in einer Einbuchtung des Kerns oder, wenn dieser in mehrere Stücke zerfallen ist, was bei den Lymphzellen häufig vorkommt, bald zwischen ihnen an dieser oder jener Stelle des Protoplasmakörpers.

Bei Pigmentzellen (Fig. 35) hat +Solger+ (II. 38) nur die Strahlensphäre als eine helle Stelle zwischen den Pigmentkörnchen gesehen und daraus auf die Anwesenheit eines Centralkörperchens geschlossen.

In den Epithelien der Lunge, in Endothel- und Bindegewebszellen des Bauchfells von Salamanderlarven (Fig. 36 _A_, _B_), fand +Flemming+ fast stets anstatt eines einzigen zwei dicht zusammengelegene Centralkörperchen, entweder in grosser Nähe des im Ruhezustand befindlichen Kerns oder sogar in einer Delle desselben in unmittelbarer Nachbarschaft der Kernmembran. Eine Strahlensphäre war in diesen Fällen meist nicht nachweisbar; zuweilen waren die beiden Polkörperchen, anstatt sich fest zu berühren, ein wenig auseinandergerückt und war dann der erste Anfang einer Spindelbildung zwischen ihnen wahrzunehmen.

=Fig. 35. Pigmentzelle des Hechts mit 2 Kernen und 1 Polkörperchen in einer Strahlensphäre.= Nach ~Solger~ Fig. 2.

=Fig. 36.= _A_ Kern einer Endothelzelle des Peritoneums einer Salamanderlarve mit in der Nähe gelegenen Polkörperchen. Nach ~Flemming~ Fig. 2.

_B_ Kern einer Bindegewebszelle des Peritoneums einer Salamanderlarve mit in der Nähe gelegenen Polkörperchen. Nach ~Flemming~ Fig. 4.

Von +van Beneden+ (II. 4) ist zuerst die Hypothese aufgestellt worden, dass +das Centralkörperchen gleich dem Kern ein constantes Organ jeder Zelle sei+ und dass es sich neben dem Kern irgendwo im Protoplasma jeder Zelle eingeschlossen finden müsse. Für den ersten Theil dieser Ansicht spricht die Eigenschaft des Centralkörperchens, sich auf dem Wege der +Selbsttheilung+ vermehren zu können (siehe Cap. VI) und seine Rolle beim Befruchtungsprocess (siehe Cap. VII, 1). Die an zweiter Stelle behauptete Zugehörigkeit der Centralkörperchen zum Protoplasma, die jetzt sehr allgemein angenommen wird, scheint mir dagegen weniger sicher gestellt zu sein.

Ich habe früher die Ansicht gehabt und halte sie aus Gründen, die ich später (siehe Cap. VI) anführen werde, auch jetzt noch für beachtenswerth, dass die Centralkörperchen für gewöhnlich Bestandtheile des ruhenden Kerns selbst sind, indem sie nach der Theilung in seinen Inhalt eintreten und bei der Vorbereitung zur Theilung in das Protoplasma wieder austreten. Nur in besonderen Fällen würde das oder die Centralkörperchen auch während der Ruhe des Kerns im Protoplasma selbst verbleiben und dann gewissermaassen neben dem Haupt- noch einen Nebenkern darstellen. Bei dieser Auffassung würde es sich erklären, dass auch mit den neueren Methoden und optischen Hülfsmitteln sich +Centralkörperchen für gewöhnlich neben dem ruhenden Kern im Protoplasma der Zellen nicht nachweisen lassen+.

V. Ueber die Molecularstructur organisirter Körper.

Um die chemisch-physikalischen Eigenschaften der organisirten Körper zu erklären, hat Nägeli (V. 17. 18 II. 27. 28) eine Micellarhypothese aufgestellt, welche zwar viel des Subjectiven an sich trägt, immerhin aber geeignet ist, manche complicirte Verhältnisse uns leichter verständlich und vor allen Dingen anschaulicher zu machen. Ein kurzer Abriss der +Micellarhypothese+, welche schon allein wegen ihrer streng logischen Durchführung Beachtung verdient, mag daher hier Platz finden.

Eine der auffälligsten Eigenschaften der organisirten Körper ist ihre Quellbarkeit, ihr Vermögen, bis zu einem gewissen Grade grosse Mengen Wasser und Substanzen, die in Wasser gelöst sind, in ihr Inneres aufzunehmen. Es kann dies so weit gehen, dass in einem organisirten Körper überhaupt nur wenige Procente fester Substanz enthalten sind.

Entsprechend der Wasseraufnahme nimmt das Volumen des Körpers zu, um sich bei Abgabe von Wasser wieder zu verkleinern. Dabei lagert sich das Wasser nicht in präexistirende, mit Luft gefüllte Hohlräume ein, wie bei einem porösen Körper, sondern es vertheilt sich gleichmässig zwischen die organisirten Theilchen, die, je grösser die Quellung ist, um so mehr auseinander rücken und durch mächtigere Wasserhüllen von einander getrennt werden müssen. Trotz der beträchtlichen Wasseraufnahme findet dabei keine Auflösung der organisirten Substanz statt. Sie verhält sich auch in dieser Beziehung verschieden von einem Krystall von Salz oder Zucker, dem auf der einen Seite die Fähigkeit der Quellung abgeht, der aber auf der andern Seite sich in Wasser auflöst, indem sich seine Moleküle von einander trennen und gleichmässig im Wasser vertheilen.

Quellungsfähigkeit und Unlöslichkeit im Wasser sind Haupteigenschaften der organisirten Körper, ohne welche der Lebensprocess nicht denkbar ist.

Manche organisirte Körper lassen sich durch geeignete Verfahren in eine Lösung überführen, so z. B. Stärke und leimgebende Substanz, wenn sie in Wasser gekocht werden. Aber auch Stärke- und Leimlösungen unterscheiden sich in ihren Eigenschaften sehr wesentlich von Lösungen von Salzen oder Zucker. Diese diosmiren leicht durch Membranen, jene nicht oder nur in geringem Maasse und bilden schleimige oder fadenziehende Lösungen. Schon Graham hat beide Gruppen von Stoffen, welche in Lösung so ungleiche Eigenschaften zeigen, von einander als +Krystalloide+ und +Colloide+ unterschieden.

Nägeli sucht nun alle hier namhaft gemachten Erscheinungen aus Unterschieden in der molecularen Constitution der Körper zu erklären. Wie Atome sich zu Molekülen verbinden und so eine grosse Verschiedenheit chemischer Stoffe erzeugen, so lässt er, damit die complicirteren Eigenschaften der organisirten Körper zu Stande kommen, Gruppen von Molekülen zu noch höheren Einheiten, den +Micellen+, zusammentreten. +Im Verhältnisse zum Molekül besitzt das Micell eine beträchtlichere, wenn auch jenseits der Grenze mikroskopischer Wahrnehmung liegende Grösse und kann nicht bloss aus Hunderten, sondern aus vielen Tausenden von Molekülen aufgebaut sein.+

Nägeli schreibt den Micellen einen krystallinischen Bau zu, gestützt auf die Erscheinungen der Doppelbrechung, welche viele organisirten Körper, Cellulosemembran, Stärke, Muskelsubstanz, selbst das Protoplasma im polarisirten Licht darbieten. Dabei kann ihre äussere Gestalt alle möglichen Formen zeigen, wie auch ihre Grösse eine sehr verschiedene sein wird.

Die Micellen üben eine Anziehung sowohl auf das Wasser als auch auf einander aus, woraus die Quellungserscheinungen zu erklären sind. In einem trockenen, organisirten Körper liegen die Micellen dicht an einander, nur durch geringe Wasserhüllen getrennt, diese vergrössern sich beträchtlich bei der Imbibition, indem zunächst zwischen Wasser und Micellen stärkere Anziehungskräfte wirksam sind als zwischen den Micellen untereinander. Diese werden durch das eindringende Wasser wie durch einen Keil auseinander getrieben; „zu einer Lösung kommt es aber im organisirten Körper nicht, weil die Anziehungskraft zum Wasser mit der Entfernung in einem schnelleren Verhältnisse abnimmt, als die Anziehungskraft der Micellen unter einander, und so, nachdem die Wasserhüllen eine gewisse Mächtigkeit erlangten, ein Gleichgewichtszustand, die Grenze der Quellung, erreicht wird.“

Wenn trotzdem durch geeignete Verfahren der Zusammenhang zwischen den Micellen ganz aufgehoben wird, so erhält man eine +Micellarlösung+. Dieselbe erscheint matt und opalescirend, ein Beweis, dass das Licht ungleich gebrochen wird. Nägeli vergleicht sie mit den schleimigen, opalescirenden Massen, welche Spaltpilze durch Aneinanderlagern erzeugen.

Die Unterschiede, die +Graham+ zwischen Lösungen krystalloider und colloider Substanzen aufgestellt hat, beruhen nach Nägeli darauf, dass in den ersteren zwischen den Wassertheilchen vereinzelte Moleküle, in den letzteren aber krystallinische Molekülgruppen oder vereinzelte Micellen vertheilt sind. Die einen sind also +Molecular-+, +die anderen Micellarlösungen+ (Lösungen von Eiweiss, Leim, Gummi etc.). Die Micellen selbst setzen dem Zerfallen in Moleküle einen grösseren Widerstand entgegen. Gewöhnlich ist dieser Zerfall mit chemischen Umwandlungen verbunden. So kann Stärke durch Umsetzung in Zucker in eine Molecularlösung übergeführt werden, desgleichen Albuminate und leimgebende Substanzen, wenn sie sich in Peptone umwandeln.

In den organisirten Körpern sind die Micellen zu regelmässigen Verbänden vereinigt. In diesen können die einzelnen Micellen aus derselben Substanz oder aus verschiedenen chemischen Substanzen bestehen, von verschiedener Grösse und Form sein; sie können auch innerhalb der Verbände sich noch zu grösseren und kleineren Micellgruppen zusammenschliessen. +In den Micellarverbänden scheinen sich im Allgemeinen die Micellen in Ketten aneinander zu hängen, die sich wieder zu einem Gerüst oder Netzwerk mit engeren oder weiteren Maschen verbinden. In den Lücken oder Micellarinterstitien ist Wasser eingeschlossen.+ „Nur auf diesem Wege wird es möglich, mit wenig Substanz und viel Wasser ein festes Gefüge herzustellen, wie es die Gallerte darbieten.“

Das in organisirten Körpern enthaltene Wasser kann sich in drei verschiedenen Zuständen befinden, die von Nägeli als +Constitutions- oder Krystallwasser+, als +Adhäsionswasser+ und als +Capillarwasser+ unterschieden werden. Unter dem ersteren versteht man die Wassermoleküle, die wie bei einem Krystall mit den Substanzmolekülen sich zur Constitution des Micells fest und in bestimmter Menge verbunden haben. Adhäsionswasser wird gebildet von den Wassermolekülen, welche an der Oberfläche der Micelle durch Molecularattraction festgehalten werden. „In der Wassersphäre, welche eine Micelle umkleidet, ist in den concentrischen Wasserschichten die Verdichtung und die Unbeweglichkeit des Wassers sehr verschieden, und diese erreicht natürlich unmittelbar an der Oberfläche der Micelle ihren grössten Werth.“ (Pfeffer.) Das Capillarwasser endlich füllt ausserhalb der attractiven Wirkungssphäre der einzelnen Micellen die Lücken zwischen den Micellengerüsten aus. „Diese drei Arten von Wasser weichen in dem Grade der Beweglichkeit ihrer Moleküle von einander ab. Das capillare Wasser hat die vollen Molecularbewegungen des freien Wassers; in dem Adhäsionswasser sind die fortschreitenden Bewegungen der Molecüle mehr oder weniger vermindert, und in dem Constitutionswasser befinden sich die Moleküle in einem starren, unbeweglichen Zustande.“ „Die Diosmose durch eine Membran kann also nur durch das capillare und das Adhäsionswasser vermittelt werden.“

+Wie an der Oberfläche der Micelle Wassertheilchen durch Molecularattraction festgehalten werden, so können sich ihnen auch andere Stoffe (Kalk- und Kieselsalze, Farbstoffe, stickstoffhaltige Verbindungen etc.) anlagern, nachdem sie in gelöstem Zustand in den organisirten Körper aufgenommen worden sind.+ Das Wachsthum organischer Substanz durch Intussusception stellt sich Nägeli in der Weise vor, dass Substanztheilchen in gelöstem Zustand in den organisirten Körper eindringen, so zum Beispiel Zuckermoleküle in eine Cellulosemembran, und hier entweder sich den vorhandenen Micellen anlagern und zur Vergrösserung derselben dienen oder zwischen den vorhandenen Micellen zu neuen Micellen gewissermaassen auskrystallisiren. Hierbei würden die als Beispiel benutzten Zuckermoleküle sich in Cellulosemoleküle chemisch umsetzen.

Auf die Nägeli’sche Micellarhypothese wird in späteren Abschnitten öfters Bezug genommen werden, wenn es gilt, sich eine Vorstellung von der complicirten Stoffanordnung im Elementarorganismus zu machen.

Literatur II.

1) =Altmann.= _Die Elementarorganismen u. ihre Beziehungen zu den Zellen. Leipzig 1890._

2) =Jul. Arnold.= _Ueber feinere Structur der Zellen unter normalen und pathologischen Bedingungen. Virchows Archiv. Bd. 77. 1879. pag. 181._

3) =Balbiani.= _Sur la structure du noyau des cellules salivaires chez les larves de Chironomus. Zoologischer Anzeiger. 1881. pag. 637._

4) =van Beneden et Neyt.= _Nouvelles recherches sur la fécondation et la division mitosique chez l’ascaride mégalocéphale. Leipzig 1887._

5) =Bütschli.= _Einige Bemerkungen über gewisse Organisationsverhältnisse der sogenannten Cilioflagellaten und der Noctiluca. Morphol. Jahrbuch. Bd. X. 1885._

6) +_Derselbe._+ _Ueber den Bau der Bakterien und verwandter Organismen. Leipzig 1890._]

7a) +_Derselbe._+ _Ueber die Structur des Protoplasmas. Verhandlungen des Naturhist.-Med.-Vereins zu Heidelberg. N. F. Bd. IV. Heft 3. 1889. Heft 4. 1890._

7b): =Bütschli.= _Untersuchungen über mikroskopische Schäume u. das Protoplasma. 1892._

8) =Carnoy.= _Mehrere Abhandlungen in La cellule. Recueil de Cytologie et d’histologie générale._

+_Derselbe._+ _La cytodiérèse chez les arthropodes. Bd. I._

+_Derselbe._+ _La vésicule germinative et les glob. polaires chez divers nématodes._

+_Derselbe._+ _Conférence donnée à la société belge de microscopie. Bd. III._

9) =Engelmann.= _Ueber den fasrigen Bau d. contractilen Substanzen. Pflügers Archiv. Bd. 26._

10) =Flemming.= _Zellsubstanz, Kern und Zelltheilung. Leipzig 1882._

11) +_Derselbe._+ _Ueber Theilung u. Kernformen bei Leukocyten und über deren Attractionssphären. Archiv f. mikroskop. Anat. Bd. 37. pag. 249._]

12a) +_Derselbe._+ _Neue Beiträge zur Kenntniss der Zelle. II. Theil. Archiv f. mikroskop. Anat. Bd. 37. pag. 685._]

+_Derselbe._+ _Attractionssphären und Centralkörper in Gewebszellen und Wanderzellen. Anatomischer Anzeiger. Bd. VI._

13) =Fol.= _Lehrbuch der vergleich. mikroskop. Anatomie. Leipzig 1884._]

14a) =Frommann.= _Zur Lehre von der Structur der Zellen. Jenaische Zeitschrift f. Med. und Naturw. Bd. 9. 1875._]

14b) +_Derselbe._+ _Zelle. Realencyklopädie der gesammten Heilkunde. 2. Aufl. 1890._

15) =Haeckel.= _Generelle Morphologie._

16) =Martin Heidenhain.= _Ueber Kern u. Protoplasma. Festschrift für Kölliker. 1892._

17) =C. Heitzmann.= _Untersuch. über Protoplasma. Wiener Sitzungsber. math. naturw. Classe. Bd. LXVII. 1873._

18) =Richard Hertwig.= _Beiträge zu einer einheitlichen Auffassung der verschiedenen Kernformen. Morphol. Jahrbuch. Bd. 2. 1876._]

19a) =Oscar Hertwig.= _Beiträge zur Kenntniss der Bildung, Befruchtung und Theilung des thierischen Eies. Morphol. Jahrbuch. Bd. I, II, IV._]

19b) +_Derselbe._+ _Vergleich der Ei- u. Samenbildung bei Nematoden. Archiv f. mikroskop. Anatomie. Bd. 36. 1890._

20) =Hofmeister.= _Die Lehre von der Pflanzenzelle. Leipzig 1867._

21) =E. Klein.= _Observations on the Structure of Cells and Nuclei. Quarterly journal of microscopical science. Vol. XVIII. 1878. pag. 315._

22) =Kölliker.= _Handbuch der Gewebelehre. 1889._]

23a =Kossel.= _Zur Chemie des Zellkerns. Zeitschrift für physiolog. Chemie von Hoppe-Seyler. 1882. Bd. 7._

+_Derselbe._+ _Untersuchungen über die Nucleine und ihre Spaltungsprodukte. Strassburg 1881._

24) =C. Kupffer.= _Ueber Differenzirung des Protoplasma an den Zellen thierischer Gewebe. Schriften des naturwissenschaftl. Vereins für Schleswig-Holstein. Bd. I. pag. 229. Heft 3. 1875._

25) =Leydig.= _Untersuchungen zur Anatomie u. Histologie der Thiere. Bonn 1883._

26) +_Derselbe._+ _Zelle und Gewebe. Bonn 1885._

27) =Nägeli= _u._ =Schwendener=. _Das Mikroskop. Theorie u. Anwendung desselben. 1877._

28) =C. Nägeli.= _Mechanisch-physiologische Theorie der Abstammungslehre. München und Leipzig. 1884._

29) =Pfitzner.= _Beiträge zur Lehre vom Bau des Zellkerns u. seinen Theilungserscheinungen. Archiv f. mikrosk. Anatomie. Bd. 22. 1883._

30) =v. Rath.= _Ueber eine eigenartige polycentrische Anordnung des Chromatins. Zoolog. Anzeiger. 1890._

31) =Rauber.= _Neue Grundlegungen zur Kenntniss der Zelle. Morphol. Jahrb. VIII. 1882._

32) =Reinke= _u._ =H. Rodewald=. _Studien über das Protoplasma. Untersuchungen aus dem botanischen Institut der Universität Göttingen. Heft 2. 1881._

33) =Sachs.= _Vorlesungen über Pflanzenphysiologie. 1882._

34) =Schäfer= _u._ =E. R. Lankester=. _Discussion on the present aspect of the cell question. Nature. Vol. 36. 1887._

35) =Schieferdecker= _u._ =Kossel=. _Gewebelehre mit besonderer Berücksichtigung des menschl. Körpers._

36) =Schmitz.= _Untersuchungen über die Structur des Protoplasmas und der Zellkerne der Pflanzenzellen. Sitz.-Ber. der Niederrh. Gesellsch. f. Natur u. Heilk. Bonn 1880._

37) =Frank Schwarz.= _Die morphologische und chemische Zusammensetzung des Protoplasmas. Beiträge zur Biologie der Pflanzen. Bd. V. Breslau 1887._

38) =Solger.= _Zur Kenntniss der Pigmentzellen. Anatomischer Anzeiger. Jahrg. VI. S. 162._

39) =Strasburger.= _Zellbildung und Zelltheilung. 2. Aufl. Jena 1876._

40) +_Derselbe._+ _Studien über das Protoplasma. Jenaische Zeitschr. 1876. Bd. X._

41) +_Derselbe._+ _Das botanische Practicum._

42) =Wiesner.= _Elementarstructur und Wachsthum der lebenden Substanz._

43) =Zacharias.= _Ueber den Zellkern. Botanische Zeitung. 1882. p. 639._

44) +_Derselbe._+ _Ueber Eiweiss, Nuclein und Plastin. Botanische Zeitung. 1883._

45) +_Derselbe._+ _Ueber den Nucleolus. Botanische Zeitung. 1885._

46) +_Derselbe._+ _Beiträge zur Kenntniss des Zellkerns u. der Sexualzellen. Botan. Zeitung. 1887. Bd. 45._

47) +_Derselbe._+ _Ueber die Zellen der Cyanophyceen. Botanische Zeitung. 1890._

48) =List.= _Untersuch. über das Cloakenepithel der Plagiostomen. Sitzungsber. der kaiserl. Acad. der Wissensch. zu Wien. Bd. XCII. III. Abth. 1885._

49) =Miescher.= _Verhandl. der naturforschenden Gesellschaft in Basel. 1874._

50) =Auerbach.= _Organologische Studien. Heft I. 1874._

DRITTES CAPITEL.

Die Lebenseigenschaften der Zelle.

I. Die Bewegungserscheinungen.