Die von denen Faunen gepeitschte Laster

Part 8

Chapter 8 1,560 words Public domain Markdown

Willkommen Brüdergen! kennt ihr die Schwester nicht? Willkommen Brüdergen! nun ist mein Leid verschwunden, Weil ich euch allesamt so glücklich wieder funden. Auf! füllt der Sittenkunst zu Trutz die Gurgeln an, Schwelgt, fresset, sauft und schluckt, so lang als einer kan, Besudelt euren Leib, die Erde, Kleid und Kragen, Und laßt euch wenns geschehn, aufs Streu im Stalle tragen; Alsdann wird euer Nest gleich wie das Meine seyn, Da werft euch mit mir um, und schlaft so wie ich ein.

O Mensch! verlangst du denn wie diese Sau zu stinken? Wer klug ist, pfleget sich mit nichten voll zu trinken! Er trinket vor den Durst zur Labung und zur Stärk; Die edle Nüchternheit ist stets sein Augenmerk. Ein Kluger weiß wie sehr er seinen Schöpfer kränket, Wenn er zum Überfluß die Zung und Lippen tränket; Er weiß wie sehr die Kraft der Seelen Schaden leidt; Wie sehr er Gottes=Hauß durch solche That entweyht; Wie weit die Tugend flieht; wie weit der Wohlstand reiset; Wie oft man nur zum Spott mit Fingern auf ihn weiset, Und ihn verächtlich hält; daß sein Gesundheits=Kahn Auf dem Schlaraffen=Meer bald Schifbruch nehmen kan: Deshalben will er nicht mit unterm Narren Haufen Nach Lethens todten Pfuhl zu seiner Schande laufen.

Wir haltens insgesamt vor eine Landes=Noth, Wenn uns ein feindlich Heer mit Schwerdt und Pulver droht, Und unsre Friedenstadt bemüht ist zu belagern, Und durch die Kriegeskunst gedencket auszumagern, Durch Kugeln, Blitz und Glut die Stadt verderben will. Wie kläglich klingt nicht da das Sayt= und Singe=Spiel? Man fürchtet Schwerd und Feind, und schmiedt doch selbst die Waffen, Wodurch wir unsern Fall, Noth, Todt und Elend schaffen. Die Liebe zu dem Trunck ist gar ein starcker Feind, Ob er gleich ohn Geschütz und Schwerd und Bley erscheint. Ein oft gefülltes Glaß mit Gerst= und Reben=Tropfen, Ist schon genug bey uns, zum Kriege anzuklopfen: Der Sieg ist auch gewiß; Es nimt gar bald der Wein Das Hauptwerck an dem Bau der Leibes=Festung ein. Er hauset als ein Feind, und raubt und plündert alles, Was die Natur zur Wehr und Hindrung unsers Halles Durch die Vernunft gesetzt. Da springet Thor und Thür, Geist, Kräfte, Ehre, Glück, das alles missen wir. Die Thorheit kan darauf die Siegs=Trompete blasen, Sie ruft: Die Tugend fiel alhier auf diesen Rasen.

Ich bin kein Prediger der vor die Seele schreibt, Wo sie in solchem Fall, wenn sie verschwindet, bleibt. Kan sie nach Salem wohl Elias Wagen tragen; So wenig, als den Mann der im Duell erschlagen. Ich rede nur wie tief, wie sehr ein trunckner Mann In Schande, Hohn und Noth und Elend fallen kan. Ward Loth nicht durch den Trunck ein Eydam seiner Töchter? Ward Noah nicht dadurch den Söhnen ein Gelächter? Ward Nabal nicht durch ihn des Lebens=Lichts beraubt? Verlohr nicht Holofern dadurch sein Helden=Haupt? So schändlich starb ein Held der Volck und Land bezwungen. O! wie verderbet euch die kleine Lust der Zungen! Ein Kluger wundert sich, wie solches möglich ist, Daß sich ein Gläser=Freund so liederlich vergißt, Vernunft, Verstand und Witz und Wohlstand nicht bedencket, Und diß zum Opferdienst dem stummen Bacho schencket.

Die Menschheit äusert sich durch Sprache und Verstand, Wo wird diß beydes wohl am Trunckenbolt erkannt? Verstand und Geist ist hin, er weiß nicht was er sinnet, Noch was er unternimmt und in der That beginnet. Die Sprache wird gehemmt; es will kein reines Wort, Noch Gruß, noch Redensart von Zung und Lippen fort.

Die Regel ist uns ja in Hirn und Brust geschrieben, Wir sollen unser Wohl und uns vornemlich lieben. Wir sollen allemahl der nächste Freund uns seyn. Wo aber stimmet das mit Truncknen überein? Ein Trunckner liebt sich nicht, er wird sich selbst zum Feinde, Denn er verräth sein Herz dem Feinde und dem Freunde. Er ist als wie ein Faß das voll, und übergeht, Und von sich stößt und wirft, was vor dem Spunde steht. Das Gute welches ihm zu Amt und Glücke dienet, Wodurch sonst seine Lust und auch ein Wohlstand grünet, Das stößt er durch den Trunck zu seinem Munde aus, Und bringt sich um sein Glück, ja gar um Hof und Haus. Ein andrer wendet das, was er im Trunk verrathen Zu seinem Nutzen an, und fördert seine Thaten. Ein Trunkner schweigt so gar von seinen Fehlern nicht, Es wird ihm durch ihm selbst ein Schand=Maal aufgericht. Er stürzt sich wohl darzu, durch trunknene Geschwätze In Unglück und Gefahr; es straft ihn das Gesetze. Ein Freund des Trunks kan nie ein Freund des Nächsten seyn. Man lässet sich mit ihm in keine Freundschaft ein: Denn er verräth den Freund, und schwazt von seinem Handel, Von seiner Eigenschaft, Gespräch und Lebens=Wandel. Ein Trunkner wird zum Spott, zum Kinder=Spott gemacht, Wie höhnisch wird er nicht von allen ausgelacht? Er lacht, wenn andere bey seinen Affen=Sachen Und Kindervollem Spiel ein laut Gelächter machen. Er merkt nicht, wenn man gleich sein laut Geschwätze höhnt, Und jauchzet wenn man ihn mit Haasen=Pappeln krönt. Zwey Stieber hält er oft vor zärtliche Caressen, Die eine schöne Hand ihm gütig zugemessen.

Ein Trunkner glaubt === jedoch ich werff die Feder hin, Weil ich nicht in Pariß noch Hollands Fluren bin, Wo man die Laster darf bey ihren Namen nennen. Ich putze nicht das Licht, ich möcht mich sonst verbrennen.

(a) Magnus.

(b) Da der grose Alexander bey seinen Feldzügen unbekanter Weise auf ein Rathhaus zu forschen gieng, hörte er, daß zu dem Richter ein Mann sagte: Ich habe einen Keller wollen graben, und da habe ich einen Schatz gefunden,welcher aber nicht mir, sondern dem Manne gehört, von dem ich das Haus gekauft, ich bitte also ihn zu nöthigen, daß er sein Geld annehme. Der andere sprach: der Schatz ist niemahls meiner gewesen, denn die Stätte darauf ich das verkaufte Haus gebaut, war ein freyer Platz, darauf jeder bauen konte. Endlich sind diese Männer eins worden dem Richter den Schatz zu geben. Der Richter wendet aber dargegen ein: Ihr bekennt Beyde, daß der Schatz nicht eure sey, da er da in euren Häusern gefunden worden ist: unter was Vorschein solt ich ihn denn annehmen, da ich hier fremd bin? Davor behüten mich die Götter, daß ich mich nicht fremdes Gutes anmasse! Ihr schiebet die ganze Sache meinem Amte und Gewissen heim. Wohlan, so will ich einen Rath finden. Habe darauf den einen gefragt: ob er einen Sohn habe, der denn mit Ja antwortet: Ob auch der andere eine Tochter habe? Und da dieser gleichfals Ja sagt: Habe der Richter den Ausspruch gethan, daß diese einander heyrathen sollen, und er wolle ihnen den gefundenen Schatz zum Braut=Schatze mitgeben. Da Alexander über diese kluge Gerechtigkeit erstaunet, hat der Richter gesagt: Ist es auch möglich, daß Leute gefunden werden die anders thun? Und auf des Alexanders Ja! setzt er noch dieses zu: Ob an solchen Oertern, wo sie nicht also richteten, die Götter auch Regen fallen liesen, und ob die Sonne alda auch ihre Strahlen gäbe?

(c) Cambyses ließ einem Richter der sich bestechen lassen, und daher ein ungerechtes Urtheil abgefasset hatte, die Haut vom Leibe ziehen, dieselbe mit Nägeln an den Richterstuhl zum ewigen Spectacul fest anschlagen und damit bedecken,auch den Sohn an dessen Stelle zum Richter setzen.

(d) Gleichwie Galeacius Herzog von Meyland gethan, welcher einen Advocaten, der die Processe boßhafter Weise so lange triebe und aufhielte, ließ an Galgen hengen und dann in Stücke zerreisen.

(e) Römischer Kayser, welcher davor hielte, daß es bey Austheilung der Geschenke, und Belohnung treuer Dienste nur aufs Glück ankäme.

(f) Velibegus und Arsambegus zwei Türkische Obristen hatten ein Duel miteinander, da der letztere den erstbenannten rückwärts hinterlistiger Weise verwundete/worauf die Sache nach Constantinopel gekommen, und Velilebus citirt und befragt werde. Unter andern sagte dieser folgende Worte: Mein Gegenpart hat mich hinterlistig angegriffen/hätte er/als einem Cavallier gebührt, sich ritterlich erzeigen wollen, so hätte er nur sollen erscheinen, als welchen ich oftmals zu einem Duell heraus gefordert. Worauf die anwesenden Bassen zornig worden, und gesprochen: Was hast du dich mit deinem Spieß=Gesellen rauffen wollen? Sind denn keine Christen mehr in der Welt, an denen du deine Mannheit hättest erweisen können? Ihr esset beyde unsers Kaysers Brod, und habt euch miteinander schlagen wollen? Aus was Recht und Fug hast du das in Sinn genommen? Und wo hast du dergleichen Exempel jemahl unter uns gehabt? Hast du nicht denken sollen, wer unter euch beyden gefallen und umkommen wäre, der wäre mit Schaden unsers Kaysers gefallen und umkommen. Worauf er auch in das Gefängniß geworfen worden.

(g) Magnus

(h) Fabius, Römischer Bürgermeister gab ein Gesetz, daß keiner auf einem Banquet mehr verzehren dürfte als dreysig Sestertios, so viel als ohngefehr zwölf Thaler. Messinius verordnete: daß kein Fremder Wein dorfte eingelegt werden. Emilius gebot den Römern nicht mehr als fünf Gerichte zu speisen. Antio befahl, das Koch=Handwerk nicht vielen lernen zu lassen, denn er hielt dafür, daß, wo viele Köche wären, die Leute nur arm, der Leib ungesund, die Seele aber und das Gemüthe beflecket würden. Julius Cäsar brachte auf, daß niemand mit zugeschlossener Thür essen durfte, damit die Censores sehen könten, ob jemand im Essen Überfluß brauchte. Aristimius schrieb vor, daß man zwar des Mittags jemand möchte zu Gaste haben, aber nicht länger als biß gegen den Abend behalten.

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes "Die von denen Faunen gepeitschte Laster" von Sidonia Hedwig Zäunemann.