Die von denen Faunen gepeitschte Laster
Part 7
Bleibt denn der Ehstand auch ohn Trübsaal und Betrüben? Nein! darum wendet nicht so viel auf Pracht und Staat, So giebt der Überfluß euch in dem Mangel Rath.
Ich weiß, man muß die Zeit bedächtig unterscheiden, Weil man sich jezo nicht wie ehmals pflegt zu kleiden; Kein aufgeschliztes Wamst und Pluderhosen trägt, Kein reiches Weib sich mehr in eine Schaube schlägt. Man richtet billig sich in Kleidung, Tracht und Moden Nach den Lebendigen, nicht aber nach den Toden. Deswegen glaub ich auch mit der gescheuten Welt, Daß es nicht unrecht ist, wenn man sich trägt und hält, Wie es die Zeit befiehlt, und Stand und Rang verlanget, Daß ein berühmter Mann in Hollands=Tüchern pranget, Mit netten seidnen Zeug und Leinwand sich bedeckt: Sein Haupt in fremdes Haar nach feinster Mode steckt, Worbey ein feiner Knopf die nette Kleidung zieret. Ich tadle nicht, daß sich ein Weib geschicklich schnüret, In netter Schläfe Zier und saubrer Kleidung geht, Und trägt was rein und schön und wohlanständig steht. O nein! ich tadle nicht, die klug und muntern Schönen, Daß sie Tabeens Art und Fleiß sich angewöhnen, Daß ihre kluge Hand die Kleider künstlich neht; Die Blumen und das Laub geschickt und artig dreht; Wodurch sie Mahlern gleich den Laub und Blumen leben, Durch Schatten und durch Licht durch Fall und Hebung geben. Ich lobe, daß man sich durch seinen klugen Fleiß In Kleidung mancher Art schön auszuschmücken weiß: So wird der Hände Kunst bewundrend wahrgenommen, Und kan zum Musterstück auf Kindes=Kinder kommen.
Nur dieß ist mir verhaßt, nur dieß ist ärgerlich Daß es bey dem nicht bleibt, daß mans so prächtiglich An Seide, Silber, Gold stickt, neht und zubereitet, Daß es mit Fürsten=Putz und Rang und Vorzug streitet. Daß mans so kostbar macht, daß eine einzge Post, Ein Kleid so vieles Geld, als zwey, ja viere kost. Nur dieß ist mir verhaßt, kein Kluger wird es leiden, Wenn schlechte Frauen sich in Fürsten=Trachten kleiden. Wenn hier ein Adliches, dort ein Professors Weib, Hier eine Kaufmanns=Frau den aufgeblaßnen Leib In Sammt und Hermelin und kostbar Pelzwerk schläget, Das Köngen nur gehört, das eine Fürstin träget. Es haßt es die Vernunft, wenn sich ein Weibesbild Vom Mittelstand und Gut in theuren Stof verhüllt, Wenn sie mit Spitzenwerk aus Hollands Krähmen prahlet, Und um sehr hohen Preiß ein ganzes Stück bezahlet; Daß Hauptputz, Leib und Fuß und alles kostbar prangt; Wenn eine Bürgers=Frau das Theureste verlangt; Wenn Handwerks=Weiber sich in Stof, Damast und Seiden, Und Spitzen aus Braband, in Gold und Zobel kleiden; Wenn eine Zofe hier, dort eine Kammer=Magd, Mit fremder Mod und Tracht sich auszuschmücken wagt, Und nach den Grösten richt; wenn man, so man was siehet, Sich auch um den Besitz und Eigenthum bemühet; Wenn man den Überfluß in allen Sachen liebt, Und nur fast täglich Geld vor Staat und Hoffart giebt. Dieß ists, was die Natur, Vernunft und Tugend hasset, Wovor ein Kluger stets den grösten Eckel fasset.
Ist jemand in der Welt an Glück und Ehre groß, Der gebe sein Gemüth zur Thorheit nicht so bloß, Und tracht an Kleid und Schmuck und prächtigen Geberden, Und Moden und Gepräng nicht Fürsten gleich zu werden. Es gaff ein Bürger=Weib, das sich von Frucht und Laub, Von Holz und Leinewand, das sich vom Pfeffer=Staub Und Schreiber=Sporteln nehrt, nicht nach den Adel=Frauen, Und lasse sich nicht so in Staat und Moden schauen. Ein jedes trage sich nicht über seinen Stand; Es werde nicht zuviel auf Kleider=Pracht gewand, Damit fein zierlich, schön, nett, sauber, artig, reine; Nicht aber voller Pracht ein Frauenbild erscheine.
Wie sehr veränderlich ist nicht Fortunens Blick? Zieht sie nicht oftermahls ihr freundlich Aug zurück, Und zeigt der stolzen Brut, daß ihre schöne Gabe Die Unbeständigkeit zur Mitgefährtin habe. Was hilft mich denn der Stolz, wenn euch das Glück verläßt? Was werden nicht alsdann vor Thränen ausgepreßt? Was habt ihr dann vor Lob, wenn ihr an statt der Seiden, Euch müst mit Leinewand und Wollen Zeug bekleiden? Wie bald wird eure Pracht des Strohm= und Feuers=Raub? So liegt der Abgott dann in Asche, Glut und Staub. Der Pracht und Überfluß, der Stolz die Hoffarts=Fahne Bricht allezeit dem Fall und Untergang die Bahne.
Ein weiser Paulus spricht in seinem heilgen Brief Der an Timotheum den theuren Lehrer lief, Die Weiber sollen sich geschickt und zierlich kleiden; Gold, Perlen, stolz Gewand und Pracht und Hoffart meiden. Dieweil der Weiber Schmuck in Schaam und Zucht besteht.
Ein Weib das auf der Bahn der wahren Tugend geht, Erwehlt sich dieß zur Pracht, daß sie getreulich liebet, Den Gatten nicht mit Fleiß durch irgend was betrübet; Nicht trotzig widerspricht; zu rechter Stunde schweigt, Den Irrthum und den Fehl ihm in der Stille zeigt; Zu rechter Stunde redt, und hat sie was zu sagen, Sich allezeit bestrebt, bescheiden vorzutragen; Ihn im Beruf nicht stöhrt, hilft wo sie helfen kan; Sieht ihn zur Zeit der Ruh mit holden Blicken an; Und wenn sie auch mit ihm wie dort Rebecca scherzet, So ist sie nur bedacht, daß sie ihn zärtlich herzet; Sie liebt die Häußlichkeit, und haßt den Müssiggang; Sie hält die Kinder nicht im tollen Sclaven=Zwang, Doch führt sie ihnen auch in ihrer Lust den Ziegel. Ihr Tugend=-Wandel ist des ganzen Hauses Spiegel. Ihr Amt verrichtet sie bedächtlich, häußlich, klug, Und schadet keinen nicht durch Plaudern und Betrug. Ist gegen jederman bescheiden, mild und gütig, Flieht Hoffart, Pracht und Stolz, bezeigt sich eherbietig, Sie hört der Armen Noth, und dient nach Möglichkeit, Das Haus regieret sie mit Liebe, nicht mit Streit. Kurz, ein vernünftig Weib läßt dieses von sich lesen, Sie ist des Mannes Lust und süsser Trost gewesen. Den Kindern war sie stets ein wahres Mutter=Herz; Und wem sie dienen kunt, ein Balsam vor den Schmerz, Der Tugend Musterbild, der Haußgenossen Freude, Der Laster steter Feind, der Menschen Augen=Weide.
Die Hoffart fällt mir jezt verwegen in das Wort, Und spricht voll Unvernunft: ich sehe hier und dort Ein Haus und Wohngemach von Hausrath und von Tüchern, Von denen mich die Zahl und Zeichen vest versichern, Es rühre alles noch von ihren Eltern her. Das Kleid und weise Zeug das sie, die Frau, und er Der Mann am Leibe hat, das ist schon abgetragen. Wie lange soll man sich mit solchen Kleidern plagen? Also verräth der Mund die lasterhafte Seel.
Jedoch ich höre auch das Volk von Israel; Wie es gar anders spricht: Was vor ein schöner Seegen Erhielten wir vom HErrn auf unsern langen Wegen? Es wurden unsre Schu nicht mürbe, schlaf noch alt; Die Kleider wurden nicht verschabt noch ungestalt; Der Höchste wolte sie vor Riß und Moder schützen. Wie frölich kan ich doch in meiner Wohnung sitzen! Wie ruhig lieg ich doch in meinem Schlaf=Gemach! So spricht der Hoffart Feind dem Saamen Jacobs nach. Prangt meine Wohnung nicht mit lauter neuen Sachen, Laß ich mir wöchentlich nicht neuen Hoffart machen: Bleibt Kleid und Hausgeräth noch immer schön und gut, So freut sich des mein Geist, so bin ich wohlgemuth. Ich schäme mich des nicht, ich halts vor einen Seegen, Vor einen Hermons=Thau und fetten Gnaden=Regen, Daß meiner Eltern Schweiß noch brauchbar vor mir liegt; Das mein erworbner Fleiß nicht wie der Staub verfliegt; Daß mir wie Israel die Kleider nicht veralten: Es zeigt darneben an, daß ich gut hausgehalten, Daß ich die Sparsamkeit und Reinlichkeit geliebt, Und meine Eltern sich darinnen auch geübt, Es überzeugt mich auch, daß noch kein Fluch gekommen Der mir das Meinige geraubt und weggenommen: Und daß kein böser Wunsch auf meinem Hause ruht, Der mein ererbtes Theil verzehret und verthut. Lacht, höhnet immerhin ihr stolzen Mode=Narren; Ich wehle diesen Ruhm, und laß euch gern die Sparren.
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Steh auf Herodotus! und gieb die Ursach an, Warum in Persien des gröst= und reichsten Mann, Sein Schädel und sein Haupt sich also mürbe zeiget, Da der Egypter Haupt der stärkste Schlag nicht beuget? Ich weiß warum. Mir fällt die Ursach jetzo bey: Der Bürger an dem Niel veracht die Leckerey Und Wollust im Getränk, in Speisen und in Essen, Und hat die Zärtlichkeit bey seinem Thee vergessen. Er flieht den leckerhaft und delicaten Schmauß, Und härtet seinen Leib durch Wind und Hitze aus.
Die Welt dünkt sich so klug, und scheut die Kranckheits=Bürde, Damit der Glieder=Bau nicht hart gedrücket würde; Sie fürchtet Fieber, Brand, Geschwulst und Beul und Pest, Worbey sie in der Noth sich auf den Artzt verläßt. Und gleichwohl ist der Mensch an seinen Schmerz und Plagen Die er an Haupt und Fuß und Leibe muß ertragen, Nur selber Schuld daran; flöh er die Zärtlichkeit, Und gäb dem Munde nicht so viel Gelegenheit, Mit leckerhafter Kost und feurigen Getränken, Die China, Africa und Spanien uns schenken Den Magen, Leib und Sinn gleich einer vesten Stadt, Die gar ein feindlich Heer vor ihren Mauren hat, Zu stürmen, und die Burg des Leibes zu belagern; So würden viele nicht verdorren und vermagern. Sie Säfte würden nicht verzehret und verbrennt; Stein, Gicht und Podagra, und was man schmerzhaft nennt, Den Kopf=Weh, Mattigkeit und des Geblütes wallen Wird keinen Mässigen so leichtlich überfallen.
Wie ruhig und vergnügt lebt ein vernünftger Mann, Der seinen Lecker=Mund und Magen zwingen kan. Betracht des Bauers=Mann und stolzer Herren Kinder, Ist nicht die erste Art weit stärker und gesünder? Genießt das zarte Kind nicht größre Stärk und Lust Durch seiner Mutter Milch, als von der Huren Brust? Ein Stückgen Brod, ein Trank von Gersten giebt mehr Kräfte, Als alles Zuckerwerk und leckerhafte Säfte. So wird das zarte Kind von Jugend angewöhnt, Daß es sich nach der Kost der geilen Eltern sehnt; Was Wunder wenn hernach die Laster sich vermehren, Die das erworbne Gut durch Zungen=Lust verzehren. Wie glücklich ward nicht da das Volk am Tieber=Strohm, Da Bürgermeister noch die ganze Welt und Rom Geschickt regiereten. Da man Gesetze gabe, (h) Daß Rom die Mässigkeit zum Augenmerke habe.
Wie glücklich ward ihr doch ihr Alten jener Zeit! Die ihr euch an der Zier der Mäßigkeit erfreut. Wie ward ihr so beherzt, gesund und stark und wacker, Da euer Mund das aß, was euer fetter Acker Und Reb= und Garten=Bau, und Vieh und Schäfer=Stab, Teich, Waldung, Hof und Stall euch zu verzehren gab? Ein ausgepreßter Trank von selbst gepflanzten Reben, Benebst dem braunen Saft, den Gersten=Körner geben; Ein Fisch, den euer Netz und Angel selber fieng; Ein Wildpret, welches euch zu nah in Garten gieng; Ein Vogel, welcher sich in euren Garten setzte, Und sich den zarten Fuß durch Schling und Leim verletzte; Ein Stück von einem Schaaf, und eingesalzten Schwein, Ein Stück von einem Kalb, und fetten Rinder=Bein; Ein Stückgen von der Brust, nebst guten Rinder=Zungen, Die Küchen=Rauch gefärbt, und beisend Salz durchdrungen, Worüber man die Brüh von alledem gekocht, Was selbst die Hand gepflanzt, und was das Beet vermocht; Als Lorbern, Timian, Wachholdern, Roßmarien, Lauch, Kimmel, Majoran, und Zwiebeln die nicht bliehen, Und was der Garten sonst an Frucht und Beeren giebt. Ein Kohl, den die Natur und nicht die Kunst geschiebt; Ein Obst, das ebenfals nur die Natur getrieben, Milch, Ey und Butterwerk, das rein und frisch geblieben; Ein Kuchen, den das Weib weiß, fett und locker buck, Dieß war was man zu Tisch und auf die Tafel trug: Damit erquickten sich die Grosen und die Kleinen. So blieben sie gesund und stark an Fleisch und Beinen So lebten sie vergnügt, und gaben zu verstehn, Wie gerne sie den Flor der Kindes=Kinder sehn, Daher sie solchen auch die Gelder nicht verpraßten.
Jezt aber, da die Welt mit Segel, Wind und Masten, Aus dem vor kurzem erst entdeckten Theil der Welt, Das was auch Africa und Ceilon in sich hält, Was uns Levante zeigt, was Welschlands Boden träget, Was Ungarn, Spanien vor unsre Augen leget, Mit stürmender Gefahr und Kosten hergebracht, So wird der Alten Kost jezt spöttisch ausgelacht. Der Deutsche Trauben=Saft, der Wein von unsern Reben, Wird selten beym Besuch und Gastmahl hergegeben. Der ist zu schlecht darzu. Es lüstert Mund und Seel Nach neuer Leckerey gleich wie dort Israel. Ein neuer Tag muß auch ein neu Gericht ersinnen! Um der Verschwendung nur das sträfliche Beginnen Aufs strengste, uns zum Spott und Schaden, zu vollziehn. Eh noch die Speisen reif, wenn sie noch wäßrig grün, und roh und sauer sind, so lüstert man nach diesen. Da heists: Wenns andre schon auf ihrem Tisch geniessen, So eckelt mir davor. Was theuer ist, schmeckt gut; Was viele Thaler kost, das labet Zung und Blut.
Die alte Redlichkeit in Speisen und in Essen, Bringt jetzt die Leckerey und Wollust ins vergessen. Wie manche Härings=Milch (wer lacht jezt nicht mit mir) Setzt man den Austern gleich in Auster=Schaalen für, Daß man den Appetit der Lecker nur ergötze, Und ihren lüstern Mund in süsse Ruhe setze. Sonst nahm der Köchin Hand den Vogel=Mist heraus; Jezt ist derselbige das beste auf den Schmauß Wornach man sehnlich greift. Man darf den Hottentotten, Der Darm und Mist verzehrt, hinführo nicht mehr spotten; Ihr machts mit Vögeln so. Ja spricht die Weisheit jezt, Der Vogel, welcher nur auf kräftgen Stauden sizt, Ist ganz ein ander Ding; er frißt sonst nichts als Kräuter. Gut! aber gehe doch nur wenig Schritte weiter Da weidet eine Kuh, die gleichfals Kräuter frißt. Warum gelüst dir dann nicht auch nach ihrem Mist? (Doch dieses widmet man zum Schnupftoback der Schönen, Die sich denselbigen so eifrigst angewöhnen, Als wärs ihr Element.) Ein Hecht der Karpfen frißt, Und dessen Aufenthalt ein klares Wasser ist, Der scheint jezt nicht genug den Appetit zu stillen. Die leckerhafte Welt, (sind das nicht närrsche Grillen?) Ergötzet sich an dem, was in den Sümpfen kriecht, Und was beym ersten Blick schon eckelhaftig riecht. Die Kröten welche sich mit Schild und Harnisch decken, Und dem der sie erblickt, nicht wenig Graus erwecken; Die Frösche, die der Schlamm, Gestank, Pful und Morast In seinem Inbegrief verschließt und in sich faßt, Die groß gebildet sind, und recht gefährlich sehen; Die Schnecken, welche sich kaum auf der Erde drehen; Das, was so unrein ist und so abscheulich sieht, Und öfters Magen=Schmerz und Drücken nach sich zieht, Das soll, man höre doch, ich könnt es nicht errathen, Viel delicater noch als guter Kälber=Braten, Als Tauben, Hecht und Hahn, und Rinder=Zungen seyn.
Wie enge schrenkt sich doch jetzt Witz und Klugheit ein. Was wird die Leckerey noch weiter unterfangen? Habt acht, ich warne euch ihr schnell und krummen Schlangen, Man stellt euch würklich nach, und macht euch endlich ein, Als soltens köstliche und rare Bricken seyn. Ihr Regen=Würmer weicht, kriecht ja nicht aus der Erden, Ihr müst sonst würklich noch zu Wasser=Schmerlen werden. Ihr Ratten seht euch vor, versteckt euch in die Höh, Sonst macht man euren Leib zu einem Fricassee. Ihr Fledermäuse fliegt, sonst steckt man euch ans Feuer. Jezt hat man euch umsonst, man kauft euch doch wohl theuer, Man sucht euch wohl alsdann mit vieler Müh zu Rom, So wie den Regen=Schmerl im schnellen Tieber=Strohm. Ja Maden, welche auch aus alten Käsen sprudeln, Die werden endlich noch zu Moschcowitschen Nudeln.
Zur Nahrung und zur Noth pflegt man den Leib jezt nicht, Zum Überfluß sind jezt die Zungen abgericht. Der Tisch kan oft die Last der Schüsseln nicht ertragen; Den Magen trachtet man mit Zungen=Lust zu plagen; Nachdem man lang gespeißt und seinen Bauch gemäst, Daß man kaum Ohdmen kan, und schwer und käuchend bläßt, So wird Levantens Frucht durch Asch und Staub verzehret, Wodurch die Wollust schon viel Beutel ausgeleeret. Der Leib hat bey dem Tisch des Tags nur einmal Ruh; Man bringt den ganzen Tag mit Trink und Essen zu. Wodurch man die Vernunft und Tugenden begräbet, Und mehr vor seinen Bauch als vor den Nächsten lebet.
Ich widerspreche nicht, daß hier ein Graf und Fürst Nach theurem Trauben=Blut, und raren Weine dürst; Daß er mit fremder Kost die Tafel reich bedecket, Und manche Kostbarkeit und niedlich Essen schmecket; Wer nehrte sich wohl sonst; wo käme sonst das Geld Durch Handel und Gewerb und Nahrung in die Welt? Ich tadle nicht, daß auch ein Reicher das geniesset, Was in dem feinen Meer und fremden Ströhmen fliesset; Daß er Italiens und Ungerns süsse Frucht Von Reben oder Baum zu seiner Lust versucht; Daß seine Zunge sich an diesen auch erquicket, Was uns durch Wind und Mast Ost, West und Süden schicket: Damit er der Natur auch ihre Schätze sieht, Wie kräftig dieses schmeckt, wie prächtig jenes blüht, Und weiß, wie jedes pflegt geschickt gemacht zu werden. Dieß aber widerspricht der Klugheit auf der Erden, Wenn er sich dran gewöhnt, und seinen Mund nicht zwingt, Dieß ers aus Leckerey und Übermuth verschlingt.
Dieß kan die Tugend nicht, noch die Vernunft vertragen, Daß Männer, welche sich durch Trug ans Bret geschlagen, Die Fürsten ungetreu und Landes=Plager sind; Daß Männer, welche sich durch Advocaten=Wind Und rechtlichen Betrug ein Haufen Geld erlogen; Daß Männer, die das Blut der Waysen ausgesogen, Die Urtheil nur nach Gunst und Thalern abgefaßt, Und die Gerechtigkeit als einen Feind gehaßt; Daß Männer, die durch Pfand und Jüdische Intressen Des Tagelöhners Brod, der Wittwen Scherf gefressen; Daß Männer, die das Maas und Ehle und Gewicht Und Waaren zum Betrug und Diebstahl eingericht, Und sich mit Weib und Kind von dem Betrug ernehren, Das speisen, was wohl oft die Grosen nicht verzehren; Daß man die Tafel stets mit solchen Sachen füllt, Womit sich nur der Mund und Wollusts=Zunge stillt. Daß sich ein Bürgermann gleich wie ein Groser speiset, Dieß ist, was die Vernunft und Tugend Thorheit heiset.
Wie seufzt die Liebe doch! o! zög ein reiches Weib, Auch wohl ein stolzer Mann ein einzig Kleid vom Leib, Ja einen Aufsatz nur, und deckte arme Seelen, Die sich vor Kält und Frost, und Blöse trostloß quälen; Entzög ein Leckermaul und ein Verschwender nur Die Woche eine Kost von mancher Creatur; Von seinem Uberfluß ein Gläßgen aus dem Keller; Von seiner Tafel Last den Uberrest vom Teller Und gäbs dem Lazarus, der dort nach Brode schmacht, Wie seelig hätt er nicht die Wohlthat angebracht. Wie herzlich würden sich die armen Brüder freuen; Was würde nicht vor Heyl auf seinen Boden schneyen.
Ihr Eltern, die ihr stets nach Lecker=Speisen strebt, Und alle Tag in Freud= und Zungen=Lüsten lebt, Ists möglich, daß ihr ganz den Liebes=Trieb verfluchet, Und eurer Kinder Noth durch eure Wollust suchet? Wär noch ein Fünkgen Feuer von Elterlicher Lieb' In eurer Brust, ich weiß, daß dieses unterblieb. Ihr würdet euer Gut nicht durch den Mund verzehren, Daß euer Saame sich mit Ehren könte nehren, Der sonst vor Glück und Lob, wenn ihr dereinsten sterbt, Der Unterdrückten Fluch, Schuld, Noth und Armuth erbt. Ihr Eltern gehet hin, und lernet von den Raben, Was sie vor Lieb' und Sorg vor ihre Jungen haben.
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Da Gottes Allmachts=Hand, die Sonne, Tag und Zeit Und diese Welt erschuf, und sie mit Seltenheit, Mit Zierde, Glanz und Pracht und aller Schönheit baute, Und was er nur gemacht, mit viel Vergnügen schaute. Beschloß er, daß der Mensch, sein ächtes Ebenbild Mit viel und groser Macht und Herrlichkeit erfüllt, Und mit besonderm Glanz gezieret solte werden. Der Schöpffer machte ihn zum Herrn der ganzen Erden. Er was sein herrlichstes und liebstes Augenmerk; Drum hat er selbigen auch über alle Werk Die er so schön gemacht, die er so hoch geschätzet, Und aller Creatur zum Fürst und Herrn gesetzet. So herrlich und so hoch sah GOtt den Menschen an; Er sprach: Mach dir die Welt und Erde Unterthan; Herrsch über alles das, was auf der Erde lebet, Was sich in Wassern regt, und unterm Himmel schwebet.
Allein! wo schließt der Mensch des Geistes Augen auf? Wenn hebt er wohl sein Licht zur Sternenburg hinauf, Und denkt an seinen Glanz, Macht, Adel, Würd und Ehre? Daß er warhaftig auch ein Herr der Erde wäre. Wie schätzt er doch so schlecht die gröste Herrlichkeit? Wie setzt er die Vernunft, den Adelstand beyseit, Den ihm sein Schöpfer gab? der Mensch von grosen Gaben; Der Mensch, den GOtt so hoch gesetzet und erhaben, Der diese ganze Welt und Erd beherrschen soll, Der ein Monarch will seyn, der ist so dum und toll, Und stellt sich so herab, daß er vom Saft der Trauben, Und Bier sich Geist und Witz, Verstand und Kraft läßt rauben. Ey seht! der stolze Mensch legt Sclaven=Fesseln an, Und wird dem Erd=Gewächs so schimpflich unterthan. Der Mensch, die kleine Welt, O! solt er sich nicht schämen! Läßt sich von einer Frucht der Welt gefangen nehmen.
Der Seelen Wandelung, die so viel Streitens macht, Da Zeno ihren Grund und Lehre vorgebracht, Beweiset sich an dem, der sich zum Bacho wendet, Und dem gefüllten Glaß Vernunft und Witz verpfändet. Wo in der Seele sonst Verstand und Tugend saß; Und man die Handlung stets nach klugen Regeln maß; Da wird der Seelen Thun durch Saufen umgekehret, Das Gute abgeschaft, verworffen und verstöhret. Die Klugheit bläßt ihr Licht und ihre Strahlen ein; Die Weisheit kan beym Trunk nicht mehr Regentin seyn. Der Tugend=Fackel wird verlöscht und ausgebrennet, Und was sich sonsten schön und nach dem Wohlstand nennet, Das findet durch den Trunk ein ganz gewisses Grab, Die Thorheit giebt darbey den klugen Redner ab, Und spricht: Der Tod wird sonst vor mächtig ausgeschriehen, Es muß auch in der That die Seel vom Leibe fliehen. Allein die Lust zum Trank besitzet noch mehr Macht, Durch diese wird so gar die Seele umgebracht. Sie tödten selbt den Geist, Verstand und alle Sinnen.
Darius wach jezt auf! und höre das Beginnen Der Knaben, die zur Wach bey deinem Throne stehn; Wie jeder seinen Witz durch einen Spruch läßt sehn. Mich deucht ich seh im Geist dein gröstes Königs=Zimmer, Mir ist als fänd ich dich in deinem Glanz und Schimmer, Und deine Mächtigsten um deinen Purpur=Thron, Wie da der Klugheit Kind, wie da der Weisheit Sohn, Vom Wein und seiner Kraft so schöne Reden führet, Daß man den klugen Geist aus seinen Worten spühret.
Er hebt verwundernd an: Wie mächtig ist der Wein! Denn er verführet die, so ihm ergeben seyn. Fürst, Freye, Weise, Knecht, die Armen und die Reichen Macht er, daß sie durch ihn an Witz einander gleichen. Er raubet den Verstand, bringt Widerwärtigkeit, Macht fröhlich, aber so, daß man das Ziel beyseit Und aus den Augen setzt, daß man sich nicht bezwinget, Noch auf des Landes Wohl wie sichs gebühret, dringet! Er macht durch Phantasie und Wahnwitz alle reich; Es denkt der Unterthan, er sey dem Fürsten gleich; Setzt dadurch Ehr und Furcht und Demuth auf die Seite, Und spricht, wem lächerts nicht? von groser Ehr und Beute. Hat denn der Trunk den Geist in völliger Gewalt, So gilt kein Freundschafts=Band. Es heist: Du Hundsfott halt! Und zucke das Gewehr! Ist denn der Rausch vergangen, So weiß man nicht, was man im Trunke angefangen.
Der Saal verliehrt sich mir; ich seh an dessen statt Das Thier, das Bileam vordem geritten hat. Es scheint, als kriegt es gar jezt seine Sprache wieder, Und ruft den Menschen zu: Ihr singt mir tolle Lieder Von meiner Einfalt vor. Doch kommt in meinen Stall, Gebt nur ein wenig acht, ihr merket überall Daß ich an Klugheit euch bey Weitem überstiegen, Ich speise nicht mehr Heu, drum bleibt sehr vieles liegen, Als nur mein Hunger braucht. Kein Wasser trink ich mehr, Als biß mein Durst gelöscht. Ich wüst nicht wie mir wär? Solt ich, das dümmste Thier, den Magen überladen, Und mir an meiner Kraft und der Gesundheit schaden? Ihr Menschen aber seyd viel ärger als das Vieh, Weit dummer als wie ich. Ihr esst und trinket nie; O! nein! ihr sauft und schwelgt, und hört nicht auf zu fressen, Biß die Vernunft versenkt, und alle Schaam vergessen, Und ausgerottet ist, biß daß die Tugend stirbt, Und jeder unter euch der Höllen=Lohn erwirbt.
Ich habe ehedem in einem Buch gelesen, Daß Circens Zauberstock, so kräftig sey gewesen, Daß er Ulysses Volk in Thiers=Gestalt verkehrt. Da mich nun jezt ein Schwein in meiner Rede stöhrt, So glaub ich, dieß gehört mit unter solchen Orden, Die durch den Zauberstock zu Thieren sind geworden. Ihr Menschen! hört doch zu, wie es so artig spricht: