Die von denen Faunen gepeitschte Laster

Part 6

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Dieß Volk ruft frech und stolz: Ich seh auf Ruhm und Ehr; Wo wüste sonst die Welt wie ich zu nennen wär; Ich fordre meinen Rang; denn wer nicht auf sich siehet, Und sich um Glanz und Ruhm und Ansehn nicht bemühet, Und nicht was auf sich hält, der wird auch nicht geacht, Ihm wird kein Compliment nach seinem Wunsch gemacht.

Wie sieht man nicht die Welt vor falscher Ehrsucht rasen? Drum klagt man, daß das Feld und Wald so leer von Haasen Zu unsern Zeiten ist, dieweil man in der Stadt Dergleichen artig Vieh mit zweyen Füssen hat.

Die Ehre, vor der Welt bekannt und klug zu heisen; Der Ruhm, ein Zeitungs=Blat den Knaben aufzuweisen, Das ihren Nahmen meldt, lockt viele Thoren an, Daß sie ihr Hirngespinst, was der verderbte Wahn In ihre Feder flößt, so närrsch die Worte klingen, So Wiegenhaft es riecht, der Welt zu Markte bringen, Wie Lohrgen dort gefehlt; was Dorilis geschwazt; Wie Phillis ihrem Mann Aug, Mund und Bart zerkratzt; Was Strephon wiederfuhr, da er ein Kräutgen suchte; Wie scharf Luppinens Mund den falschen Buhlern fluchte; Was Thalon aufgesetzt, was jene Frau gewust Die bey der Wiege saß; wie stark der Floh gehußt Als Meister Stephans Sohn mit Fickgen Hochzeit machte; Was dort ein Wasserstrom ans Land getrieben brachte; Wie viel man Bücher hier in einem Jahr gedruckt; Wie viel Melintes Kraut und Pillen eingeschluckt; Wie viel es Mönche giebt, die weise Kutten tragen; Wie viel Partheyen sich im Schöppenstuhl verklagen, Obs recht, daß man das I an statt des Y setzt? Ob man die Reinigkeit der Sprache nicht verletzt? Wenn man, wie oft geschieht, das Wort Gemüthe schreibet, So, daß das liebe H darbey zurücke bleibet.

Wenn dieß der Feder=Held, wenn dieß der Criticus (Der Nahme macht schon Angst wenn ich ihn nennen muß.) Hat aufs Papir geschmiert, und in die Welt gesendet, (Daß jeder kluger sieht, wie sein Verstand verblendet) Und manchen Drucker reich, sich aber arm gemacht, Und seinen Nahmen nun auf manchem Blat betracht, So lacht er über sich, daß er in Süd und Norden (Durch seinen Unverstand,) bekannt genug geworden. Es freuet sich sein Geist wenn Kind und Pöbel spricht: Das ist ein kluger Mann! desgleichen ist wohl nicht! Gelehrte sagen auch, wo ist wohl seines gleichen? Wo wird ein kluger leicht des Narren Sinn erreichen? Vor Freuden bildt er sich (der Wahnwitz giebts ihm) ein, Er muß ein Journalist und Polyhistor seyn; Und zwar der Wichtigste; er saget allen Leuten, So muß man sich den Weg zu Ehr und Ruhm bereiten! Nur diesen streb ich nach, und unterdrucke nicht Die Regung die in mir durch Mark und Adern bricht. Er jauchzet, wenn er sieht, daß seine schöne Sachen, Die man zu Käsen braucht, die Leute lachend machen, Und wenn ein trunkner Mund, der nach der Pfeife stinkt, Bey einem Glaß voll Bier, sein Stückgen ließt und singt.

Wie manches Zuchthaus ist vor liederliche Vetteln, Die nur aus Müssiggang ihr Brod zusammen betteln, Verordnet und gebaut. Allein ist keins zu sehn? Das denen Hülfe schaft, die sich so thörigt blöhn. Wer weiß, wenn Pallas selbst die Züchtgung auf sich nähme, Ob der verlohrne Witz nicht etwa wieder käme? Doch nein, Minerva bleibt auf ihrem Helicon, Was soll sich ihre Hand mit Midas theuren Sohn, Mit Pans Geschlecht und Brut erhitzen oder schlagen? Wer nicht will weise seyn, der mag die Schellen tragen. Es muß der Unterschied in jeden Sachen seyn, Dieß trift auch ebenfals bey diesen Leuten ein; Pan liebt der Stümper Schaar; Apollo ist gerechter, Der straft sie, und wormit? mit ewigem Gelächter.

Wer ist wohl der sich nicht vor den Franzosen scheut? Doch unser Jungfervolk setzt diese Furcht beyseit, Und glaubt aus hohem Geist und voller Ehrbegierde Die Sprache dieses Volks erhöhte ihre Zierde. So löblich jedes Volk auf seine Sitten hält; So wohl ihm seine Zucht und ganzes Thun gefällt, Haßt doch das Jungfervolk der sonst berühmten Deutschen Die Titel ihres Lands: Sie lassen sich ehr peitschen Eh sie den neuen Brauch der Franzen Titel fliehn. Wo sieht man Jungfern jezt von Müttern auferziehn? Nur Mademoisellen sind zu unsrer Zeit zu kriegen. Soll denn in diesem Wort mehr Glanz und Ehre liegen? O falsche Ehr und Ruhm! klingt Jungfrau nicht so schön Als Mademoisell? Wie soll ich das verstehn? Daß man sich dieses Worts und schönen Titels schämet, Und seines Nahmens Glanz mit fremden Gold verbrämet. Wär der in Spanien sonst übliche Tribut Bey uns jetzt im Gebrauch, das wär fürwahr nicht gut. Man könte warlich nicht die Zahl der Jungfern stellen: Warum? Wir haben nichts als lauter Mademoisellen.

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Corintho ist verbrannt; Corintho ist verstöhrt; Sie ist in Schutt und Stein in Asch und Staub verkehrt. Der Reichthum, Stolz und Pracht, ihr herrliches Vergnügen, Sieht unter diesem Schutt so mancher Pilgrim liegen. Ihr Grabmaal stellet uns noch ihren Abschied vor:

Mein Wandrer! wer du bist, mein Ansehn und mein Flor, Mein schön und herrliches, und höchst vergnügtes Leben, Hat mir den Untergang und Aschen=Gruft gegeben.

Corintho wär verwüst! wendt Lucifer bald ein. Nein! nein! ihr Ebenbild wird noch zu finden seyn. Ein Phönix stirbt zwar wohl, jedoch sein Aschen=Hügel Bringt einen andern vor, der stark und frische Flügel, Und neue Kräfte hat. So giengs auch dieser Stadt; Ihr Staub, der in der Welt sich ausgetheilt hat, Und sich durch Nas und Haupt und Hirn hindurch gedrungen, Hat nun der Deutschen Sinn nach meinem Wunsch bezwungen; So, daß nun manche Stadt Corintho Trieb erlangt, Daß sie im Todte noch durch ihre Laster prangt. Büß ich Corintho ein, ist sie nicht mehr vorhanden, Was schadts! aus ihrem Staub ist manche Stadt entstanden. Ich, ich, als ein Monarch, spricht Lucifer noch mehr, Ich finde nicht allein bey Mächtigen Gehör; Nein auch bey denen selbst, die nur in Hütten leben, Bey denen die aus Noth sich in den Dienst begeben, Die sich von Stahl und Blut, die sich vom Fremden Raub; Die sich von fauler Milch; die sich vom Pfeffer-Staub; Die sich vom Herings=Schwanz von Oel, von Salz und Butter; Die sich von Ehl und Zwirn und Hosen=Unterfutter; Die sich von Korn und Vieh; die sich von Zeitungs=Wind, Und was ihr freyes Maul erzehlet und erfind; Die sich von alle dem und andern Sachen nehren; Die zu dem Niedrigsten in Stadt und Land gehören; Die sinds, die meine Stadt Corintho auferbaut, Und die mein Angesicht, als Reiches Säulen schaut.

Wie Nero dort auf Pracht und Wollust viel gewendet, Und wie Cleopatra den grösten Schatz verschwendet; Wie sich die Jesabel gezieret und geschmückt; Dieß wird bey Adlichen und Bürgers=Volk erblickt. Die wollen jezt an Pracht und zärtlichen Geberden, An stolz und fetten Tisch den Größten ähnlich werden.

Da Jacobs Saamen noch des Stiftes Hütte sah, Da unter Knall und Glut der Allmacht Wort geschah, Da war die Demuth noch das Augenmerk der Grosen, Es suchte jederman um ihr Gewand zu losen. So hoch, so königlich, so frey das Volk regiert, So viel es Seegen auch an Zeitlichen verspührt, So wurde doch ihr Leib nicht prächtig eingehüllet, Die Lippen wurden nicht mit Leckerey erfüllet, Scharlachen, Rosinroth, das war von ihnen fern, Sie widmeten es nur zum Heiligthum des HErrn. Das beste ihrer Kost, das niedlichste der Speise, Verehrten sie dem HErrn, zu seinem Hohen Preise. Ihr Freud, ihr Ehren=Mahl bestande nur indem, Was die Natur gezeugt, was der Natur bequem Gesund und dienlich war; ein Stückgen guter Semmel; Ein Stück vom jungen Kalb; ein Stück von fetten Hemmel; Ein Kuchen, den die Frau auf nette weise buck; Ein Wildpret, das der Mann selbst in die Küche trug, Das zierte Haus und Tisch; sie haßten Lecker=Sachen, Die das Geblüte schwer die Sinne trunken machen, Und was das Leben sonst betrübt verkürzen kan. Sonst lebte manches Weib, sonst lebte mancher Mann Ins höchste Alterthum. Jezt muß er früh bey Jahren, Durch Mißbrauch seines Guts ins Reich der Todten fahren;

Wohin mein Genius? du führst mich durch die Luft Nach Rom, wo dein August in seiner Marmor=Gruft In Lorber=Reisern schläft. Er regt sich! seine Glieder Beleben sich aufs neu; sein edler Geist kömmt wieder. Er ruft uns freundlich zu: Ich sprach zu meinem Kind: Weil stolzer Kleider=Pracht der Hoffart Fahnen sind, Und von der Schwelgerey ein freyes Zeugnis geben, O! so gewöhne dich dem stets zu widerstreben. Ich gieng ihr und dem Volk mit meinem Beyspiel für, Ich unterdrückte stets die lüsterne Begier. Ein wohlgewachsen Kraut, das die Natur getrieben; Ein Mahl von lieblichen und wohlgebratnen Rüben War damahls meinem Mund und Magen süß und schön, Und niemand suchte mich deswegen zu verschmähn, Indem mein Ansehn, Ruhm und Ehrfurcht, Ehr und Liebe, Doch allezeit darbey in vollem Glanze bliebe. Wie glücklich war die Zeit, in welcher ich regiert; Wie glücklich war ich nicht, da ich den Thron geziert; Bestieg ich jezt den Thron; wie würd man mich verlachen, Und manchen Hohn=Gesang aus meiner Tugend machen? Der Ritter höhnte mich nebst jedem Bürger aus, Man spräch mit gröstem Spott: Hält der so sparsam haus? Will der kein zartes Kleid an seinem Leibe tragen? Sich nicht in schönem Stoff, in Sammt und Purpur schlagen? Drum wohl mir, daß ich jezt in meiner Kammer ruh. Ich laß die Welt und schließ die Augen wieder zu.

So hoch als unsre Zeit an schön galanten Lügen, An Wissenschaft und Kunst und Treflichkeit gestiegen, So viel Geheimniß man ergründet und entdeckt, So sehr wird der Verstand im Gegentheil versteckt, Wenn man so Geist als Leib dem Stolz und Pracht ergiebet, Der Eltern Schweiß verpraßt, und die Verschwendung liebet. Heist das wohl mit Vernunft des Glückes Pfund genützt, Wenn man ein güldnes Bild an Thür und Wagen schnitzt? Der Diener Kleider=Stoltz durch reiche Dressen mehret? Auf Fürsten Betten schläft, auf Prinzen Kutschen fähret? Die Bilder geiler Zeit, die Götter alter Welt, Gar oft zur Aergerniß, in Gäng und Gärten stellt? Allwo die Wasserkunst das Geld so gar verspritzet, Wo mancher Aff und Bär an statt des Wächters sitzet. Heist das wohl mit Vernunft das Erbtheil angelegt, Wenn man das, was man sieht in seine Gärten trägt, Und sich ein Labyrinth zur Pracht mit Schulden gründet? Da man den Eingang wohl; doch nicht den Ausgang findet? Heist das wohl klug gethan, wenn man Saal, Zimmer, Haus Mit aller Kostbarkeit, biß an das Dach heraus, Die Welschland, Gallien und Indien uns schicket, Aufs allerprächtigste bekleidet, ziert und schmücket? Die Zimmer übrig füllt; die Beutel aber leert? Und eine bunte Wand als einen Götzen ehrt? Sucht wohl die Tugend uns zu diesem anzulocken, Daß man den Glieder=Bau wie stolze Kinder=Docken Auf lächerliche Art und Vielfach prächtig kleidt?

Da Adam und sein Weib die grose Herrlichkeit Im Paradieß verlohr, da trugen sie, ach leyder! Zum Zeugniß ihres Falls, ein Fell an statt der Kleider. Kein Dieb prangt mit dem Strick, der seinen Hals umschlug, Selbst Eva schämte sich da sie die Kleidung trug. Wir aber lassen uns so sehr den Kopf verrücken; Wir prangen höchst vergüngt mit unsern seidnen Stricken, Die unsrer Eitelkeit und Thorheit Zeugen seyn. Flößt dieses die Vernunft; giebt dieß die Tugend ein, Daß man den Leib fast stets als zum Triumphe schmücket, Die Kleider reich mit Gold und Silber übersticket, Und kostbar ausstaffirt? daß man nach höchster Pracht Die Kleider schön von Zeug und auf das feinste macht? Daß man den Überfluß so gar auch nicht vermeidet, Sich wo nicht wöchentlich, doch vierteljährig kleidet; Sich selbst zum Räuber wird; sich diebisch selbst bestiehlt, Biß daß man endlich Schimpf, Noth und Verachtung fühlt.

Wie thörig ist es nicht, wenn stolze Geister denken, Als könnt ein kostbar Kleid mehr Furcht und Ehre schenken, Wirst du ums Kleide wohl vor andern mehr geliebt? Meinst du, daß dir das Glück darum was grössers giebt? Verbessert sich dein Stand um deines güldnen Degen, Um deines stolzen Kleids und güldner Zwickel wegen? Geh! prange wie du wilst, in einem ofnem Saal; Stolziere wie du wilst, by einem Freuden=Mahl, Dein Stand, und nicht dein Kleid wird dir den Vorsitz geben. Das Kleid kan nicht den Mann, wenn er nichts gilt, erheben; Der Mann giebt nur allein dem Kleide Glanz und Zierd, Wenn er die Tugenden in Wort und Wercken führt.

Trät Ahasvers Gemahl jezt unter unsre Frauen, Was würde nicht ihr Aug vor Pracht und Hoffart schauen! Ich weiß es spräch ihr Mund: Ich trug mein Königs-Kleid Niemahls zur Lust und Pracht, und bloß zu solcher Zeit Wenn ich als Königin im Schmuck erscheinen muste, Weil man da nichts von Pracht und stolzem Aufputz wuste. Jezt stellt das Frauenvolk sich auch den grösten gleich; Macht Mann und Kinder arm, die Krämer aber reich; Sammt, Pelzwerk, theurer Stoff, und breit und stolze Dressen, Band, Spitzen, Leinewand, was Fürstliche Prinzessen Nur auszuschmücken pflegt, was ihnen bloß gebührt, Kauft jede Edel=Frau, die sich mit solchen ziert; Dieß ist der Schmuck in den sich Bürger=Weiber schlagen; Dieß ist der Schmuck den gar der Zünfte Weiber tragen. Kein modenhaftes Stück kömmt von der Seine her; Kein theures Zeug bringt man vom Po und Mittel=Meer Und von der Themse=Strohm, das Weib gaft schon nach allen, Und solte auch der Preiß aufs allerhöchste fallen. Was sonst ein vornehm Weib im ganzen Kleid verthat, Das ist anjezo kaum der Kopf= und Spitzen=Staat. So prächtig war sonst nicht ein adlich Haupt geschmücket, Als man anjezt den Fuß der Bürgerin erblicket.

Im Stand nimmt man nicht nur die Ordnung nicht in acht; Er wird im Alter auch gewiß sehr schlecht betracht; Ein Weib, das fast so alt, als wie die graue Sare; Das kaum auf ihrem Haupt ein Dutzend weise Haare Und einen hohlen Zahn in ihrem Munde trägt; Da jede Runzel sich in tiefe Falten legt, Das Kind und Kindes=Kind als Grose=Mutter ehren; Das will doch noch die Zahl der Hoffarts=Narren mehren; Dieß geht oft noch so bunt und prächtig ausgeschmückt, Als man die Töchter kaum und Kindes=Kind erblickt. Von Rückwärts könte wohl ein Jüngling leicht verfehlen, Und eine sechzige vor sechzehnjährig wehlen. Sie dörften warlich nicht beym Felsenburgern stehn, Wo die Matronen nur modest und erbar gehn, Hingegen aber das, was jung und munter heiset, Sich eines hellen Zeugs und bunten Kleids befleiset.

Wär Davids Fürsten=Kind, die Thamar jetzt allhier Und sie verlöhre sich: O mein! wo würden wir Sie unter unserm Volk und Frauenzimmer finden? Die meisten pflegen sich in Röcke einzuwinden Die Thamars Fürsten=Rock gar gleich und ähnlich sind. Wo sich ein bunter Stof von theurem Wehrte findt Darein verhüllt man sich; man sticket goldne Stöcke, Und Silber=Muschelwerk, und Blumen in die Röcke, Daß mancher, der es sieht die närrsche Meinung hegt, Es sey ein Fürsten=Kind das solchen Aufputz trägt. Man kan jezt adliche und bürgerliche Frauen Im Pracht und Kostbarkeit als Prinzeßinnen schauen.

O Schade! daß doch nicht die kluge Vorsichts=Hand Euch gleichen herrlichen und hocherhabnen Stand, Der Hoffart gnug zu thun, in dieser Welt bestimmet, Weil doch ein solches Feuer in euren Herzen glimmet. Was vor ein herber Schmerz und bittre Seelen=Pein, Muß dieses eurem Stolz und blinder Hoffart seyn?

Jedoch nur unverzagt! wer weiß wie sichs verkehret, Ob euch die Ehre nicht auch einmal wiederfähret, Die jenem Bauersmann auf Tag und Nacht geschehn.

Man sagt es könte sich die Erde täglich drehn; So oft auch dieß geschieht, so hat der Moden Sitten Doch diesen Erden=Klump im Wechsel überschritten. Wie oft verkehrt man nicht die Mod= und Kleider=Tracht? O! würde sie nur nicht auch närrischer gemacht! Die Haare werden nicht mehr zierlich aufgekräuset, Man meint, es läßt galant, wenn man sie hangend weiset.

Ihr Schönen! seht euch vor, weil, wie die Rede geht, Ein merklicher Proceß im Schöppenstuhl entsteht. Es heist, das Schäfervolk wär klagend eingekommen, Man hätt von ihrer Heerd die Hunde weggenommen, Und mit dem Budel=Fell die Häupter ausgeziert. Drum seht euch vor; vielleicht, daß ihr das Recht verliehrt; Die Schäfer dringen drauf, sie wollen was gestohlen Von euren Häuptern selbst mit Nachdruck wiederhohlen. Drum so vertraget euch mit einem gütgen Sinn, Und gebt das Budel=Fell den Schäfern wieder hin.

Was vor Veränderung ist doch mit Stirn und Wangen Der Schönen biß daher so öfters vorgegangen? Ja unser Frauenvolk gönnt nicht dem Firmament, Daß Sonne, Mond und Stern an solchem feurig brennt; Drum lassen sie sich auch in ihrem Kopfe deuchten, Es müß die kleine Welt mit gleichen Fackeln leuchten. Drum wird aufs Angesicht als auf ein freyes Feld, Auch Sonne, Mond und Stern zum Zierath aufgestellt. Wenn jener Lichter Schein auf blauen Grunde strahlet; So wird der untern Glanz auf weisen Grund gemahlet. Und weil die Obersten nur vor die Nacht bestimmt, Indem ihr heller Glanz die Finsterniß benimmt. (Dieweil dem lichten Tag kein solcher Glanz vonnöthen.) So nimmt und schneidet man dergleichen Welt=Planeten Von schwarzen Taffend aus, und fragt wohl: läßts nicht schön, Wenn Sonne, Mond und Stern im Angesichte stehn?

Vielleicht befürchten sich jeztunder unsre Schönen, Das Mannsvolk möchte sich nach Perser=Art gewöhnen. (Denn dieser schickt vorher zu der erkohrnen Braut Die nächste Freundin hin, die sie mit Fleiß beschaut, Ob sie vollkommen ist. (Denn bey den Amazonen Wird wohl kein Mannesbild so leicht nicht wollen wohnen.) Drum zeigt das Frauenvolk vollkommen aufgedeckt, Daß keine Amazon' in ihrer Schnürbrust steckt: Und folglich man auch nicht die schöne Weiber=Gabe Nach Persischem Gebrauch erst zu erforschen habe.

Man thut in diesem Stück den Schönen auch zuviel, Als ob denselbigen die Sorgfalt nicht gefiel. Man hört und siehet ja wie sie vom frühen Morgen Biß auf die Abend=Zeit vor das so mühsam sorgen: Was auch so gar versteckt, und nicht ins Auge fällt. Allwo der Unterrock den ersten Platz behält. Das Knie-Band folget nach. Wer hats euch denn gepfiffen, Es würd nach selbigen gesehn, wohl gar gegriffen? Wer kan denn vor das Spiel! man thut, was dieß gebeut! Wer kan denn vor den Scherz und vor Geschwindigkeit! Um nun das schöne Lob der Reinlichkeit zu hören, So sucht man alles dieß mit Schönheit zu vermehren.

Ich weiß warhaftig nicht woher es weyland kam, Daß eine Frau das Band von Bachi Throne nahm, Um einen neuen Thron, worauf sie könte sitzen, Zu bauen, und zugleich die Arm zu unterstützen. Das Schicksaal führte sie mit samt dem neuen Thron Zu einem Musen=Sitz, woselbt sich Bachi Sohn Vor andern sonderlich im Schreyen hören liese. Doch als ein Schnorren=Schwarm auf Bachus Brüder stiese (Und man sich vor dem Feind durch eine Freystadt schützt Der zornig wieder uns mit Stahl und Eisen blitzt) So rief dieß tapfre Weib: Nur unverzagt und munter! Hier ist mein Reifrock! eilt! und kriechet alle unter! Der soll vor Wach und Schnorr und sonst geheime Pein Der allerbeste Schutz und sichre Freystadt seyn. Die Pursche ruften hoch! und schrien mit grosen Schalle: Wir bitten flehentlich: Ihr schönen! leget alle Dergleichen Röcke an. Wir wollen wieder sehn, Wie wir zur andern Zeit euch wo zu Dienste stehn. Gesucht, gewünscht, geschehn. Wer nur galant wolt heisen, Der muste sich alsbald auf diese Tracht befleisen. Die Gassen kamen drauf darwieder klagend ein, Sie würden fernerhin nicht breit und räumlich seyn, Sie wandten klüglich für: Die Weite würde ihnen, Den Jungfern nehmlich selbst, noch mehr zum Schaden dienen: {Stuffen Weil ein zu weiter Rock an alle {Ecken stößt, So reißt die Seide auf daß sich der Faden lößt, Und also desto ehr das Kleid zu Grunde gehet. Die Männer fielen bey: Die Mode widerstehet Der Weiber Sparsamkeit. Das Kleid, das man vordem Zu Putz und Nothdurft trug, wird dadurch unbequem, Dieweils den weiten Rock nicht decket noch bekleidet: So nimt man denn zwey Stück, woraus man eines schneidet. Da heist es: Männgen! thu zum neuen Kleider=Kauf Nur ohne Widerspruch den Beutel willig auf. Heist das nun nicht den Mann und Vater zu bestehlen?

Allein kein gutes Wort noch sonst ein ernsthaft Schmehlen Galt bey dem Frauenvolk. Man sprach: es bleibt darbey, Daß nur ein groser Rock in Zukunft Mode sey, Und wo die Männer uns nicht neue Kleider schaffen, So wollen wir so lang nicht bey denselben schlaffen, Biß sich ihr Eigensinn nach unserm Willen bricht.

Wie artig fällt es nicht in aller Angesicht, Wenn eine Knochen=Lust, wenn eine Härings=Seele, Ein Weib aus Liliput solch ungeheure Höhle Zu ihrem Sitze wehlt? Es sieht so zierlich aus, Als ragt aus einem Faß ein Weiden=Hölzgen raus.

Und weil das Mannesvolk vom Staub die Schuh beschmutzet, So werden sie dadurch beständig abgeputzet. So zeigt das Frauenvolk durch diese Dienste an, Wie sie zum voraus schon den Männern unterthan. Es kan das Mannesvolk sich würklich glücklich achten, (Weiber Daß {Jungfern auf der Straß die Schu zu putzen trachten.

Wie öfters werden uns die Augen nicht berückt, Wenn man bald hier und da ein Frauenbild erblickt, Das Achsel, Leib und Haupt und Hals mit Bändern zieret, Und wie ein Kutsch=Pferd prangt, das Hochzeit=Gäste führet.

Ihr Jungfern! die ihr euch nur wie es euch gelüst, In eurer Kleider=Tracht nach Pfauen=Weise brüst, Und euch aufs herrlichste und allerbeste kleidet, Und auch den Überfluß in Hoffart nicht vermeidet. Was reizet euch darzu daß ihr so prächtig geht? Vielleicht ist das der Grund, warum ihr euch so blöht, Daß ihr dem Mannesvolk wolt in die Augen fallen, Ob etwa ihre Brust vor Liebe möchte wallen, Daß man euch in das Buch der Bräute schreiben soll?

Die Reizung ist zu frech! die Lockung ist zu toll! Das Mannsvolk ist zu klug, das läßt sich wohl durch Schmücken, Durch Frechheit, Stolz und Pracht so leichte nicht berücken. Je gröser eure Pracht; je kleiner ist ihr Trieb, Und desto weniger gewinnen sie euch lieb. Glaubt, desto stärker ist die Furcht vor euren Strahlen, Sie denken, wer dich freyt, der muß nur immer zahlen; Der muß, was er erwirbt, verdienet und gewinnt, An deine Kleider=Pracht, du stolz und müssig Kind! Mit heimlichem Verdruß und Schaden nur verwenden, Und wohl noch gar darzu sein bestes Gut verpfänden. Sie glauben, welche sich dem Putz und Staat ergiebt, Daß die auch Müssiggang und Fenster-Rahmen liebt.

Dieß ist der Jungfern Schmuck, der sie gefällig machet, Wenn sie nicht frech und stolz und spöttisch spricht und lachet, Nicht tadelsüchtig ist, und allen Umgang flieht, Der sie von Tugenden und von dem Wohlstand zieht. Keusch, freundlich, sittsam, klug, manierlich und bescheiden Zu seyn, den stolzen Ernst und frechen Scherz zu meiden, Der Wirthschaft nachzugehn, dieß ziehrt die Jungfern mehr, Als wenn des Cörpers Bau in Gold gekleidet wär; Dieß macht euch angenehm, gefällig und beliebet, Daß euch das Mannesvolk Herz, Ring und Vorzug giebet. Du mein geliebt Geschlecht! Ihr Schönen! saget mir, Wenn nun des Bräutgams Hand die grüne Myrthen=Zier Und Kranz vom Haupte reißt, ob das die Klugheit leidet, Daß man auf dieses Fest so vieles Geld verkleidet, Verschwendet und verzehrt, gar keine Mase hält, Und sich so prächtiglich der Welt vor Augen stellt? Wodurch ihr euren Stand und euch in Schaden bringet, So, daß ihr öfters drauf das Miserere singet.

Die Braut ist freylich wohl des Bräutgams Augen=Trost; Doch wisse, da dein Freund zuerst um dich geloßt; Da er dich kennen lernt, und dich oft angesehen, Da er dich voller Fleiß im Hause sahe gehen, Da er dich nett im Kleid, jedoch nicht prächtig fand. Ward er nicht dazumahl in seiner Brust entbrand? Hat damahls nicht sein Geist dich andern vorgezogen? Und war dir brünstiglich und inniglich gewogen; Hat nun dein stolzer Putz die Liebe nicht erregt, So wird sie würklich nicht erst jezt auf dich gelegt, Da man dich stolz im Kleid und in gar theuren Spitzen, Und Perl= und Steinen=Schmuck sieht an der Seite sitzen. Da sich dein Bräutgam nun an deinem netten Kleid, An deinem klugen Fleiß, und nicht am Pracht erfreut, Weswegen wilst du dann bald die, bald jene Gaben, Zu deiner Pracht und Zier von deinem Manne haben?

Was fehlt auch deiner Pracht, wenn dich dein Gatte ehrt, Und liebt, und deine Ruh durch keine Kränkung stöhrt? Ist dieß nicht über Schmuck und Kleider=Stolz zu lieben?