Die von denen Faunen gepeitschte Laster
Part 4
Kans ja nicht anders seyn, so wehr dich mit Verstand. Laß allzeit der Vernunft in dir die Oberhand. Glaub nicht so leicht, verzeih, und deut nicht alles böse; Zeig deine Großmuth stets in ihrer wahren Gröse. Begegne nicht dem Feind mit gleicher Bitterkeit; Begegne ihm vielmehr mit viel Bescheidenheit, Warn ihn vor Feind und Fall, befördre sein Gewerbe, Ja sorge, daß er nicht etwann durch dich verderbe. Vielleicht beschämet ihn dein schön und edles Thun, Vielleicht läßt er dich denn hinfort in Frieden ruhn. So hast du dich besiegt und auch den Feind bezwungen, Und kriegst noch größren Ruhm als der, so viel errungen. Gelingt dirs aber nicht; mehrt seine Boßheit sich; So bleibe dennoch fest und unveränderlich, Die Großmuth macht zuletzt der Feinde Säbel müde, So wirst du dann vergnügt und lebst in stetem Friede.
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Der Höchste sey gelobt! sang Davids froher Mund: Mein tapfrer Jonathan schliest mit mir einen Bund, Der über alles Glück und Frauen=Liebe gehet, Der, wenn mich alles flieht, zu meiner Seite stehet. Dem Himmel sey gedankt! stimmt Pythias mit ein, Wie könt ich glücklicher, als durch den Damon seyn? Der mir sein redlich Herz, ja sich mir selbst ergiebet, Und mich so treu, so schön, so zart und feste liebet. Es stürme Luft und Meer, es rase Glut und Wind; Wenn wir nur jederzeit verknüpft beysammen sind, So können wir die Noth, Gefahr und Todes=Rachen, Feind, Schwerd, und was uns droht, mit frischen Muth verlachen. Mein Freund! mein Bruder=Herz! mein Leben! meine Brust! Du meiner Augen=Trost! du meines Herzens Lust! So redet Pythias, so läßt sich David hören.
Doch noch ein ander Paar will sich daran nicht kehren; O! ho! wir leben auch spricht Joab. Ists nicht wahr? Sind Ich und Judas nicht ein braves Brüder=Paar? Wir leben euch zu trutz, und mehren unsre Staaten, Wir herrschen überall, es blühen unsre Thaten. Wo ein vertrautes Paar, wo zwey Bekannte seyn, Da schleichen wir uns bald in die Gesellschaft ein, Und wissen sie nach Wunsch auf ewig zu zertrennen, Daß sie sich fernerhin dem Namen nach kaum kennen.
Was vor ein Trauer=Thon betäubt jezt Sinn und Ohr? Man zieht, ich bin erstaunt, ein Leichen=Bret hervor: Die Falschheit hat o Schmerz! die Redlichkeit erschlagen; Man ist jezt im Begrif sie in die Gruft zu tragen. Das vorgenannte Paar senkt diese Leiche ein, Und schreibt mit frecher Faust dieß auf den Leichenstein: Die alte Redlichkeit ist nun vom Thron vertrieben; Der Falschheit ist allein der Scepter übrig blieben. Schlaf liebe Redlichkeit biß einer neuen Welt, Biß einer andern Zeit dein Bild aufs neu gefällt.
Da Deutschlands Pflug und Schaar noch vor die Enkel sorgte, Die Complimenten nicht von fremden Völkern borgte, Da man noch guten Tag, und guten Morgen sprach, Da gieng die Redlichkeit auch allen Schritten nach. Die Worte setzte man auf keine spitzge Schrauben, Man dachte wie man sprach, dieß dürfte jeder glauben. Kein schnöder Heuchel=Geist schlich sich im Umgang ein: Und Ausschlag, Herz und Mund bestand in Ja und Nein, Daß, wer sich einmahl Freund und lieber Bruder hiese, Auch seine Redlichkeit biß in den Tod bewiese. Die Falschheit war so fremd als hätte man gesagt: Das Volk von Liliput hat sich nach Wien gewagt.
Jezt, da man fast den Fuß von vielen Ränken lähmet, Und sich, wer weiß warum? des alten Grusses schämet, Ist auch die Redlichkeit und Treu und Freundschaft aus. Durchgeht ein niedriges, durchforscht in groses Haus, Ich weiß, ein jeder spricht: Der Mensch von jungen Jahren Hat manche Falschheit schon, der Greiß noch mehr erfahren. Wird einem Redlichen, der nie die Treu verletzt, Ein andrer Freund im Amt an seine Seit gesetzt, So sät die Falschheit doch gar zeitig ihren Saamen. Der Fremde sagt! Mein Freund! bey mir ist Ja und Amen, Ich meine es herzlich gut, ohn allen Heuchelschein; Ich will ein Pythias, ein andrer David seyn. Er schmeichelt, küßt und klopft, streicht Achseln, Händ und Wangen, Und spricht: Dein Umgang ist mein einziges Verlangen.
Die Worte klingen schön, und sind wie Honigseim; Doch diese dienen ihm zum Pech und Vogelleim, Damit er seinen Freund und dessen Seele fänget, Hernach ihn ängstiget und auf das höchste dränget. Durch sein so zärtlich Thun, durch seinen süssen Mund Erforscht er seinen Freund und dessen Herzens=Grund, Sein Wesen und Geschäft, und was er weiß und denket; Wohin er seinen Geist und seinen Willen lenket;
Dann schmeist er seinen Balk und seine Larve hin, Und zeigt sein treuloß Herz und seinen falschen Sinn, Verräth, verfolgt den Freund, und offenbahret alles Was zum Verderben dient, und freut sich seines Falles. In seiner Gegenwart schwatzt man ganz Ehrfurchts=voll Und ruckwärts weiß man nicht, wie man gnug höhnen soll. Des Jacobs glatter Mund und Esaus rauhe Hände Die locken Anfangs schön und täuschen uns am Ende. Die Falschheit nennet sich ein Diener, Sclav und Knecht, Doch herrscht sie als Tyrann der Glück und Ehre schwächt.
Es ist kein Freundschafts=Band beständig und vollkommen, Es gleicht dem vollen Licht, das stündlich abgenommen. Wer merkt und lernet doch der falschen Welt Betrug? Wer wird doch nur einmahl durch andrer Schaden klug? Gewiß zu unsrer Zeit ist Schlangen=List sehr nütze, Daß man sich vor dem Fall und vor dem Unglück schütze; Man traue keinem nicht; man setz dem Mund ein Ziel, Man offenbare nichts, und rede nicht zu viel. Doch muß uns auch darbey der Tauben Tugend zieren, Daß wir die Redlichkeit in unsern Herzen führen, Und fern von Falschheit seyn, so machts recht deutsches Blut, Man meyn es redlich treu und auch von Herzen gut. Ein redlich; aber nicht ein zu verträulich Wesen, Soll man sich jederzeit zum Augenmerk
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Die falsche Spahrsamkeit empfand den Heyraths=Trieb; Gewann daher den Geitz zu ihrem Bräutgam lieb. Dieß Paar vermählte sich mit höchst vergnügten Minen; Der Schau=Platz dieser Welt must ihr zum Schlosse dienen. Und giengs gleich hier so zu, wie in der andern Welt Wo man nicht ißt und trinkt und offne Tafel hält, So war doch vieles Volk, das solchen Ruf vernommen, Von groß und kleinen Stand zu dieser Hochzeit kommen, Um aus des Braut=Paars Mund die nützlich klugen Lehren, Zum kräftgen Unterricht mit Sorgfalt anzuhören.
Man rief nach Hochzeit=Brauch: lebt, wachst und mehret euch, Und euer Same blüh in jedem Königreich! Die Wünsche trafen ein. Geitz, Wucher und Betrügen, Und Unbarmherzigkeit sah man als Kinder wiegen. Sie bläuten ihnen ein: Folgt uns, und dem Gebot, Seyd fromm und dient mit Ernst der Christen ihrem GOtt.
Gold ist der Christen Gott! Ich meynt, der wär dort oben; Ich dacht, wir müsten den als unsern Schöpfer loben, Der uns Brod, Wein und Vieh und Kleid und Nahrung giebt, Der uns erhält und schützt, und uns so gnädig liebt. Wie? soll der HErr der Welt, dem keine Engel gleichen, Dem todten Klumpen Erz und Arons Kalbe weichen?
Es bleibet doch gewiß: Gold ist der Christen Gott! Man weiß wie sich sein Volk mit Macht zusammen rott, Und ihm in Süd und Nord und Osten Tempel bauet, Ihn liebt, verehrt und fürcht und gänzlich ihm vertrauet. O! würde Jacobs GOtt vor einen GOtt geacht, Sein Sabbath würde wohl zum Feyertag gemacht; Man würde nicht ums Geld sein Wochen=Amt verwalten, Die Hände zum Verkauf und Kaufen offen halten. Man baute nicht so stark auf Wolken, Meer und Wind, Und schifte nicht dahin wo wilde Menschen sind. Um mit Gefahr und Müh die Waaren zu erstehen, Wodurch die Tugenden hernach in uns vergehen; Wär GOtt, und nicht das Gold der Christen liebster Gott; Man würde nicht ums Geld der armen Witwen Noth, Der Waysen Klag=Geschrey durch Trug und List vermehren, Man würde sie so wohl als ihre Feinde hören; Man fiel nicht ums Geschenk dem bösen Gegner bey; Man drückte keinen nicht, er sey auch wer er sey; Wär nicht das Gold ihr Gott, man würde sich bestreben, Dem Wort im Testament gehorsam nachzuleben, Das stets dem schnöden Geitz und Geldsucht widerspricht, Da heist es: täusche ja kein Mensch den andern nicht: Im Handel und Gewerb soll kein Betrug geschehen, Recht Maß, Gewicht und Ehl soll unter euch bestehen. Wär nicht das Geld ihr Gott, man würde lieber fliehn, Als seines Nächsten Schweiß und Armuth an sich ziehn. Man würde nicht sein Blut gleich wie die Igel saugen; Die Thränen dürften ihm nicht statt der Lauge taugen. Er trüg was er verdient, sein heises Tagelohn, Sein Stückgen Kummerbrod wohl unbezwackt davon. Er dürfte nicht so oft und kläglich darum bitten, Und solchen Zähren=Guß aus seinen Augen schütten. Man machte nicht den Lohn von Tag zu Tage klein, Und zög und zwackte ab, wo es nur könte seyn. Ja würde nicht das Geld als wie ein Gott betrachtet, Der Arme würde nicht in seiner Quaal verachtet, Man schaute seine Noth mit wahrem Mitleid an, Man hülf und diente ihm so gut es werden kan. Ein klein und wenig Geld könnt ihn von Trübsaals=Ketten, Von seiner Hungersnoth und Dürftigkeit erretten. Es läg kein Lazarus vor eines Reichen Thür, Die Blöse thät sich nicht an seiner Haut herfür, Man spräch nicht: wilst du Geld, so must du meinen Händen Haus, Hof, Geräth und Kleid, und was du hast, verpfänden. Man stellte sich wohl nicht den schlauen Juden gleich, Und machte sich wohl nicht durch grossen Wucher reich. Man würde nicht durch Zins und teuflische Intressen Dem Armen, der nichts hat, das Fleisch vom Leibe fressen.
So aber da das Herz den Diamante gleicht, Das kein Gebeth noch Flehn, noch Klaggeschrey erweicht; Da man so ärgerlich nach einem Goldstück ringet, Biß man den todten Schatz in sein Behältniß bringet, Ob man gleich Seel und Leib darbey zum Pfande setzt; Da man sich nicht an GOtt, nur bloß am Gold ergötzt; Da man mit diebscher Hand und mörderlichen Klauen Des andern Güther raubt, um sich ein Haus zu bauen: So sieht man offenbar, und findet in der That, Daß man das todte Gold zum Gott gemachet hat.
Was red ich? hat das Geld die ganze Welt bezwungen? Giebts denn nicht Christen noch, die mit beredten Zungen, Von Eifer angeflammt, den Leuten insgemein, Gerechten Vortrag thun, dem Geitze feind zu seyn? Daß man sich nie in Trug und Wucher soll verlieben; Daß man Barmherzigkeit am armen Nächsten üben, Und ihnen dienen soll, so gut man immer kan. Es hat wohl Cicero der klug=beredte Mann Der Sache Vortrag nie mit Worten so geschmücket, Als es der Redekunst in solchen Dingen glücket. Die Worte klingen gut. Jedoch man klagt mit mir: Die schöne Theorie stellt schlechte Praxin für. Denn wer schön sprechen kan, hat oft in seinen Jahren Das mindste selbst von dem, was er geredt, erfahren. Man zeigt nur mehrentheils, daß man ein Moralist, (Was fehlet diesem Ruhm?) und guter Redner ist. Denkt nicht das Volk darbey, wenns solche Redner höret: Was dort der klügste Mund bey dem Matthäo lehret. O! dieses wird anjezt so gut als dort erfüllt, Hierinnen zeiget sich der meisten Ebenbild.
Die Predigt ist vorbey, der Vortrag ist geschehen, Man gehet stolz nach Haus und sieht zwey Arme stehen, Die um ein wenig Brod und kleine Gabe flehn, Wie fährt man sie nicht an? wie pflegt man sie zu schmähn? Dort wurde Lazarus so schlecht kaum abgewiesen, Als wir zu unsrer Zeit das arme Volk von diesen Die Christi Diener sind; was man den Armen reicht, Das ist oft schlecht genug, und doch geschichts nicht leicht. Ein Tropfen=Eßig=Trank aus ihren vollen Keller: Von ihrem Uberfluß ein abgenützter Heller; Von ihrer Tafel last, das was der Hund nicht will, Gehört vor Dürftige. Doch heists, man gebe viel, Und sey doch selber arm, es wolte nirgends reichen. Es reichte schon, wenn man dem Meister wolte gleichen, Der von der Mäsigkeit und nichts von Bauchdienst hielt.
Man spricht: im Alterthum ward doch dahin gezielt, Daß Levi und sein Volk den Opfer=Tisch genosse; Worbey das Fett vom Oel in seine Hände flosse, Und manch Geschenke fiel, manch Hebe=Opfer roch. O! wär doch diese Zeit mit den Gebräuchen noch! Da man zwar, immer nahm, und war doch frey von allem. Jezt geht es anders zu; es muß uns wohlgefallen, Seht! man befielt uns gar, wir sollen Gastfrey seyn.
Schweigt! wer thut einen Dienst? er sey auch noch so klein. Ist einer noch so arm, wo wird ihm was geschenket? Ja wenn der Dürftige an sein Gewissen denket, Und hat den Groschen nicht, so bläht der Geitz sich schon, Es heist: die Woche nur von eurem Tagelohn Zwey Heller hingelegt, so kan nach neunzig Tagen Die Hand den Groschen schon in meinen Beichtstuhl tragen. Jedoch es mag jezt seyn, ich bin nicht so genau; Geht, dient mir sonst einmahl, und scheuret meiner Frau; Bringt mir, so bald ihr könt drey Körbe Mist in Garten, Bringt Eyer, Rettige; doch von den grösten Arten.
O! würde nun das Geld nicht also hoch geacht, Und nicht, wie vor gesagt; zu einem Gott gemacht, Man würde dieß zu thun sich ohne Zweifel schämen, Und wahrlich mit der Hand mehr geben, als sonst nehmen.
O! würde nicht das Gold als wie ein Gott verehrt, Der Glaube würde wohl so leicht nicht umgekehrt, Man würde nicht so viel von ungeheuren Schwören, Noch von Vermessenheit, und falschen Eyden hören. Wär nicht das Gold ein Gott, wer nähm ein solches Weib Das keinen guten Zahn; das einen Knochen=Leib, Und einen Mund=Geruch wie faules Wildpret hätte, Zu seiner Augen=Lust, statt Fleiches=Lust ins Bette? Wer geb den Trauungs=Ring wohl einer solchen Hand Die schon (obwohl geheim) in mütterlichen Stand Versetzet worden ist? Wer liebte vor die Ester, Vor Sara und vor Ruth, der Jesabellen Schwester, Die fast Xantippen noch an Boßheit übersteigt? Wer wär der geilen Frau des Pothiphars geneigt? Wer würde ein Gemahl des er sich müste schämen, Blind, heßlich, bucklicht, lahm und sonst gebrechlich nehmen? Würd eine Jungfer wohl geliebet und geküßt, Die fragt; Ob ein Student auch wohl ein Mensche ist? Ob Störche auf dem Dach mit ihren Schnäbeln lachen? Ja was denn Weiber wohl mit ihren Männern machen? Ja würde nicht das Gold zu einem Gott gemacht, Es würde wohl kein Kranz dem alten Greiß gebracht, Der von Gebrechlichkeit gebückt am Stabe wanket, Der wie ein alter Bär im Hause brummt und zanket.
Hat man des Mammons Freund und dieses Götzen Knecht Den Nächsten durch Betrug und Wucher gnug geschwächt; Durch Falschheit und Proceß den Redlichen betrogen; Des Tagelöhners Blut, der Witwen Schweiß gesogen, Und sich davon ein Haus und Wucher=Sitz erbaut, So, daß er Aecker, Feld und Vieh und Wiesen schaut, Und seinen Götzen sieht im eisern Tempel liegen, Vor dem sich seine Knie fast täglich eifrigst biegen; So zeigt er, daß er ihn recht würdiglich verehrt; Es wird des Jahrs einmahl Haus, Saal und Schloth gekehrt. Er glaubt, der dicke Staub verwehre Frost und Kälte; Es käm am Holze bey, zumahl wenns sehr viel gelte. Die Zimmer werden nur im Jubel=Jahr geweißt, Dieweil die weise Farb die Augen blendt und beist, Man könte ja das Geld nicht ohne Sorgen zehlen, Es möchte leicht ein Scherf an hundert Thalern fehlen, Man würde nicht das Korn im Zinß=Gemäße sehn, Wie leichte wärs darbey um einen Strich geschehn. Er zehlt, wie viele Halm des Tags das Vieh verkäuet; Wie viel man etwa Stroh auf eine Woche streuet, Wie viele Körner wohl ein Huhn des Tages frißt, Wornach er denn genau die Sachen wiegt und mißt. Sind nun die Halme lang, die Körner groß und dicke So rechnet er darnach, und zieht davon zurücke. Er fühlet mit der Hand wie schwer das Eyter wiegt, Damit ihn nicht die Magd um einen Strich betrügt. Er fühlt die Hühner an, wie viel sie Eyer legen, Damit die Seinigen ihm keins entwenden mögen. Nicht selten jaget er die Hühner auf das Feld, Allwo der ganze Schwarm frey offne Tafel hält. Er spricht: Wer wolte nicht dem Vieh die Freude gönnen, Ich selber werd hierdurch viel Frucht ersparen können. Nicht selten, daß sein Fuß in kräftge Winkel kriecht, Und forscht, ob auch der Koth nach seinem Weine riecht, Er denkt, steht gleich bey mir der Keller niemahls offen, Vielleicht schliest jemand nach, und hat daraus gesoffen. Er sorgt, ob nicht sein Obst auch Näscher nach sich zieht, Drum guckt er, ob er was von Kern und Schaalen sieht. Sein Garten wird verpacht, damit kein Kind nichts schmecket, Er spricht: Die rothe Ruhr wird durch das Obst erwecket. Sind denn die Felder weiß, legt man die Sicheln an, So schmerzt ihm, daß er dieß nicht selbst verrichten kan. Wünscht Nero seinem Volk nur einen Halß im Leben, So wünscht er aller Händ, um keinen Lohn zu geben, Und wenn der Sonnen Glut die Schnitter lächzend macht, So wird ein kalter Trank von Wasser dargebracht. Es heist: Das starke Bier dient nicht in grosser Wärme, Es bringt das Fieber mit, und schneidet die Gedärme. Glaubt, Argus hat die Kuh so strenge nicht bewacht, Als wie er Augen jezt auf seine Aehren macht, Damit kein Armes sich an seinem Weitzen labe. Bricht denn des Herbstes Reif des Weinstocks Blätter abe, Daß man die süsse Frucht vom Reben schneiden kan, So hebt sein froher Mund ganz laut zu singen an Und weckt die Leser auf, damit sie unterdessen, Kein Träubgen von dem Stock zum Labsal können essen. Wenn sich der Abend nun mit seinem Schatten regt, So nimt er einen Stab mit dem er forscht und schlägt, Ob eine Reben=Frucht im Sacke anzutreffen, Damit von seinem Grimm und Fluchen, Zank und Kleffen Den Lesern bange wird, die vor dem Schelten fliehn, So weiß er ihren Lohn mit List an sich zu ziehn. So süß der Rebensaft, so angenehm er schmecket, So weiß sein Kind doch nicht die Kraft die in ihm stecket. So sparsam hält er hauß; kein Tröpfgen ist so klein Er kostets dennoch nicht; er widmet es dem Wein. In seinem Hause wird die Sparsamkeit betrachtet; Da wird kein fettes Huhn, noch Ganß, noch Schwein geschlachtet. Er meint, das viele Fett wär in der That ein Gift, Weil es nur vielen Schleim und kurzen Athem stift. Auch wär das magre Fleisch den Zähnen nur ein Schrecken, Es blieb zu ihrer Last in denen Lücken stecken, Und bohrte mans heraus, so mehrt es nur den Schmerz; Es drückte überdieß den Magen und das Herz. Der braune Gersten=Trank, des Weines edle Säfte Benähmen den Verstand und schwächten Geist und Kräfte. Bey einem Wasser=Trank und Kofend wär man schön, Die Geister blieben auch in ihrem Cirkel stehn. Ein einzig Kofend Glaß wird auf den Tisch getragen, (Im Kruge möchte man ein stärker Schlückgen wagen.) Damit er sieht, wie viel ein jeder zu sich nimmt, Dieweil er nur dieß Glaß vor alle hat bestimmt. Auf zweymahl wird ein Ey zur Suppe eingerieben. Ein halb geschmelzter Kohl und ungeschehlte Rüben, (So machts die Sparsamkeit) und ein, ich weiß nicht was, Aus einem Käse=Korb und alten Butter=Faß Genomnes Mittags=Mahl muß Frau und Kinder stärken, Worbey denn allemahl viel Andacht zu bemerken. Er singt und betet laut, und lehret stets darbey, Daß nur die Mäsigkeit die schönste Tugend sey. Daß man dadurch vor GOtt gerecht und löblich walle, Und auch den Aerzten nicht in ihre Hände falle. Aus einem Stückgen Vieh, das man aus Noth geschlacht, Wird nur ein Freuden=Mahl, das schlecht genug, gemacht. Die Abend=Mahlzeit ist zur Fastenzeit erkohren. Ein Gastmahl hält er ein. Was Mäuse sonst verlohren, Und in das Korn gelegt; was ihnen nicht beliebt, Das ist, was er statt Mehl und Brod zu essen giebt. Mit Butter, die er oft sehr falsch gewogen schicket, Die an ihm auf dem Markt sehr oft zum Schimpf zerdrücket, Worbey er Zetter schreyt, und seine Haare rauft, Und fluchet, daß die Magd sie nicht nach Wunsch verkauft, Mit dieser schmelzt er noch, o grosser Schmerz! das Essen. Doch wird er nie darbey der Sparsamkeit vergessen. Er kostet keinen Wein, als der am Fasse läuft, Der aus dem Spunde schwitzt, und aus dem Zapfen träuft. Vier Mandeln Erbsen zehlt die Hand auf einen Magen: Denn mehr kan doch der Mensch ohn Drücken nicht vertragen. Zur Suppe schneidet er die Weichlen selber ein, Nur fünfzehn sind genug. Man muß fein mäsig seyn. Damit ihn auch kein Freund von Fremden mög beschweren, So heists: Es läßt sich was in meinem Hause hören Das Furcht und Schrecken macht. Sein bestes Leib=Gewand Ist grob, denn dieses thut der Wollust Widerstand. Sein Oberhemd wird links, und rücklings weiß gewaschen, So sparet er das Geld zu Seife, Holz und Aschen. Und wird ein stückgen Geld zur Zahlung abgetheilt; So wird von jeglichem vorher was abgefeilt. Ruft ihn der Christen Brauch zu einem heilgen Mahl, So macht des Priesters Sold ihm tausend Angst und Qual. Dahero wendt er vor: Er könte kaum was geben, Es wär ihm ärgerlich. Nach langem Widerstreben, Greift er sich endlich an, und sendet ihm ein Kalb Das vor dem Messerstich dem Tod schon würklich halb In seinen Klauen war. Kommts endlich an das Scheiden, Soll er nun seinen Gott im Kasten ewig meiden, So hört er kein Gebet und frommes Singen an. Er schreyt Verzweiflungs voll: Ach! weh! mir armen Mann! Wie wird es künftig hin um meinen Haushalt stehen? Wer sorgt vor meinen Gott? O könt er mit mir gehen! Ja, wenn das Auge schon benebst der Zunge bricht; So fährt er starrend auf, und rufet: Hört ihr nicht: Wo ist das Silber=Pfand? Wer rasselt dort am Kasten? Was ist das vor ein Schelm? Wer sucht ihn anzutasten?
Auf einmahl giebt er sich den grösten Herzens=Stoß, Er reißt ein Spanisch Stück von seinen Götzen loß Und wirfts dem Priester hin, daß er ihn hoch erhebe, Und in dem Leich=Sermon ein herrlich Zeugniß gebe. Drauf stirbt er: Und dann heists: Das war ein frommer Mann, Der uns zum Musterbild der Tugend dienen kan!
Ein treuer Gottesdienst wird reichlich gnug belohnet, Von dem der Vater heist und dort im Himmel wohnet. Sein Diener wird von ihm mit einem Sinn begabt, Der sich an wenigem sehr wohl vergnügt und labt. Es gilt ihm alles gleich; er ist mit dem zufrieden, Was ihm der Vorsicht=Hand an Zeitlichen beschieden. Er schläft des Nachts getrost, und ohne Sorgen ein. Er macht sich im Verlust nicht grosse Quaal und Pein. Weil seine Seele weiß, GOtt hab es ihm geliehen. Was er ihm erst geschenkt, das könn er ihm entziehen. Er lebt wie ein Monarch, sein Geist ist Banden frey, Und zeiget, daß er gar kein Sclav des Goldes sey. Er herrschet über sich und seine Glückes=Gaben, Er macht sie sich zu nutz, und sucht sich dran zu laben. Sein Sterben fällt ihm auch nicht ängstlich oder schwer, Ihm parentirt der Ruf, das ganze Tugend=Heer, Und spricht: Ein GOttes Knecht ist leider! jezt gestorben, Der sich ein Ehrenmaal und stetes Lob erworben.
Was hat denn aber wohl vor seinem Götzen=Dienst Der arme Mammons=Knecht vor Nutzen und Gewinst? Was kan ihm dann sein Gott das Gold vor Freude geben? Nichts als ein Kummerreich und Hungervolles Leben. Er schläft mit Sorgen ein. Die Nacht wird ihm zur Last, Er fährt mit Schrecken auf, und ruft, und schreyt: wer faßt, Wer greift die Schlösser an? Es ist ein Dieb vorhanden. Ach! rettet meinen Gott, und helft mir von den Banden. Kein Laban kan so sehr um seine Götzen schreyn, Kein Nabal auf sein Brod so sehr erbittert seyn, Als dieser sich geberdt. Wird ihm ein Lamm gestohlen, So will er schon den Strick sich aufzuhengen hohlen. Des Tages ist er nie mit seinem Schatz vergnügt, Obschon des Vorraths gnug vor seinen Augen liegt; Er darf das Regiment nicht über sich verwalten; Er muß dem tauben Gott als Sclave stille halten; Er darf auf keinem Bett von weichen Federn ruhn; Er darf von seinem Vieh sich nichts zu gute thun; Er darf kein reines Brod, noch Bier, noch Wein genießen; Er muß bey Hungerkost fast Thränen lassen fließen, Er ißt, und wird nicht satt, er sammlet, und ist arm, Sein ganzer Lebenslauf ist Elend, Müh und Harm. Und endlich ruft ein Mund von der gestirnten Zinne: Du Götzen=Knecht! du Narr! halt mit dem Geitzen inne! Es klopfet schon der Tod an deine Kammer=Thür; Man fordert diese Nacht noch deine Seel von dir. Du Narr! wem wird dein Gut das du bißher auf Erden Mit Angst gesamlet hast, nunmehr zu Theile werden?
Ist dieß, ihr Thoren! nun benebst der Höllen Glut Der Lohn vor euren Dienst? bedenkt doch, was ihr thut! Glaubt, daß die Erben euch im Todte noch verlachen, Und sich ein fettes Maul durch euren Hunger machen? Daß euch, wie ihr verdient, die kluge Welt verspott: Seht! dieser Mammons=Knecht verehrte einen Gott, Allein er half ihm nichts, er blieb ihm nicht gewogen, Am Ende hat er ihn um Leib und Seel betrogen.
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