Die von denen Faunen gepeitschte Laster

Part 2

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Da noch die Erde stund; die Sonn im Cirkel lief; Da man den tapfersten zum Regiment berief; Da Helden aus der Schlacht durch ihre Kunst im Siegen, Den höchsten Fürsten=Stuhl, und Königs=Thron bestiegen; Da man den Adel nicht nach sechzehn Ahnen maß, Und den nur adlich hieß der Tugenden besaß, Der sich nur durch sich selbst Glanz, Ehr und Ruhm erworben, Dem Vaterland zu Nutz gelebt und auch gestorben. Da man den Würdigsten zum Landes=Vater nahm, Ob er schon nicht vom Blut gekrönter Prinzen kam; Da man aus Liebe nur zu solcher Zeit die Bräute, Nicht aber nach Geburt und Tonnen Goldes freyte; Da mancher Fürst im Thor und im Gerichte saß, Die Klagen selbst vernahm, und erst das Urteil laß Eh er es unterschrieb; da Fürsten das genossen, Was sie durch Fleiß gezeugt, und durch die Faust geschossen, Da eine Gasterey aus Honig, Wein und Bier, Aus einem guten Kalb, nebst einem fetten Stier Und Kuchenwerck bestund; da man noch Fürsten Frauen Bey ihrer Mägde Fleiß und Arbeit konte schauen; Da man wie Jacob dort wohl ganzer vierzehn Jahr Um eine Braut gedient, die schön und häußlich war. Da man mit Eyden nicht als wie mit Blumen spielte; Und was man zugesagt, bey Treu und Glauben hielte; Da noch die Tapferkeit in Thiere Häute kroch, Und man im Felde nicht nach Mehl und Biesam roch; Da man ein schlechtes Kleid statt seidner Stofe führte, Und ein gestickter Rock nur Königs=Kinder zierte, Da war noch gute Zeit; da blühte Volk und Staat; Da fand der Landmann Trost; da fand der Bürger Rath, Und jeder Schutz und Recht; da dürfte man nicht klagen, Daß die Gerechtigkeit zu Grabe sey getragen. Kein Reicher ward geprest, kein Landmann arm gemacht, Die Waysen wurden nicht um Geld und Guth gebracht. Da gieng die Redlichkeit durchaus in vollem Schwange? Weil Mein und Dein noch nicht die nächsten Freunde drange. Da ward der Eltern Schweiß nicht freventlich verpraßt; Verschwendung war so sehr als wie der Geitz verhaßt; Da pflegte man sich noch in reine Keuschheits=Seiden, Und nicht in Wollusts=Schmuck und Hoffart einzukleiden. Ein jeder hatte sich nach seinem Stand geschmückt.

Da aber nach der Zeit der Thier=Kreiß sich verrückt, Und ein Copernicus den Erd=Ball umgedrehet, Daß nun derselbe lauft, die Sonne stille stehet; So hält die Tugend auch im Lauf gar öfters ein, Es scheint der Menschen Thun ganz umgekehrt zu seyn. Jetzt zeigt die Demuth nicht die schönen alten Proben. Die Sitten sind verderbt, wer will die Zeiten loben?

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Der Seelen Wandelung wird niemand Glauben geben. Warum? Wir wissen jetzt von einem andern Leben. Inzwischen sieht man doch daß Ahabs schnöder Geist, Mit samt der Jesabel sich noch auf Erden weist. Ich dächt, es sässe ja dort am Regierungs=Ruder So mancher ungerecht und böser Ahabs Bruder, Der nach des Nächsten Haus, Gut, Feld und Garten tracht, Und täglich sorgt und sinnt, wie er es klüglich macht, Daß er durch armen Schweiß mit einem Schein der Rechte Sein Haus noch grösser bau, sein Gut verstärken möchte. Hier dürst er geitziglich nach einem Reben-Berg; Dort nach dem schönen Stück von Feld und Gartenwerk. Hier macht er auch so gar nach Hunden, Vieh und Pferden Die eigennützigsten und gräulichsten Geberden. Da fällt ihm wiederum der Vögel Stimm und Zier, Hier Flinten und Gewehr zum Augenmerke für. Kurz, was er hört und sieht, das will und muß er haben, Und solt er sichtbarlich damit zur Hölle traben. Sein Geitz und Eigennutz, sein Neid, Stolz und Betrug Macht den verruchten Geist durch krumme Ränke klug; Doch weil ein böser Geist die Einsamkeit verfluchet, Und sieben Stärkre noch zur treuen Freundschaft suchet. So wehlt er sich zum Trost, zum Rath und Hülf=Gesell Der Tugend Mörderin, die freche Jesabel. Da muß die Themis fort; das Recht wird unterdrücket; Und auf des Nächsten Halß der Boßheit Schwerd gezücket; Da wird des Bürgers Gut um Spott=Geld feil gemacht; Da heists: verkaufs doch dem, der Strafe, Recht und Macht In seinen Händen hat; er kan euch wieder schaden, O! setzt euch doch vielmehr bey ihm in Gunst und Gnaden. Spricht denn der arme Mann: Der Reiche hat sein Brod, Dieß aber dienet mir zu meiner Leibes=Noth; Dieß ist das einzige, woran ich mich erfreue; Sein Haus ist groß genug zur Wohnung, Stall und Streue. Mein Häusgen ist zwar schlecht, doch liegt es mir bequem, Weil ich von diesem Ort die meiste Nahrung nehm, Drum ist es mir nicht feil. Da lodert denn das Feuer Aus seiner Asch herfür; da tobt das Ungeheuer, Da raßt die Höllen=Brut, und saget ohne Scheu: Daß dieß ein troziger und böser Bürger sey. Da kränkt, da drückt man ihn, daß er sich soll vergehen, Da sucht man Sylb und Wort mit Vorsatz zu verdrehen. Da bürdet man ihm auf, er hab der Obrigkeit Geflucht, und ihr mit GOtt und seinem Zorn gedräut. Da heists, man straf ihn nur an Leib und Gut und Ehre, Und wenns auch wider GOtt und alle Rechte wäre. Die Warheit wird verlacht, die Unschuld ausgehöhnt, Und die Gerechtigkeit mit Schimpf und Spott gekrönt. Das Evangelium mag hin und her gebiethen, So sucht doch Jesabel und Ahab fort zu wüthen. Da wird der arme Mann mit List, Gewalt und Macht Um Haus und Feld und Vieh, und was er hat, gebracht.

Heist dieß das Richter=Amt an GOttes statt verwalten? Heist diß den Unterthan bey Freyheit zu erhalten? Es sollen Väter seyn, durch die sich jeder nehrt; Ja Räuber, deren Wuth der Armen Schweiß verzehrt.

Wenn edle Geister sich durch Pulver oder Schriften, Durch Großmuth, Fleiß und Witz ein ewig Denkmaal stiften: So wünscht ihr auch ein Maal damit man von euch spricht. Doch weil euch Geist, Vernunft und Trieb darzu gebricht, Weil euch der Weg zu schwer; so tragen Ahabs Hände Des Nahmens schnöden Ruf biß an der Erden Ende. O Ruf! O Nahmens=Maal! das zwar nicht untersinkt; Das aber nur nach Schand und nach der Hölle stinkt. O Ruf! der euch ein Maal, ein Brandmaal ins Gewissen Und Schandfleck ins Gesicht geritzet und gebissen. So tobt, so raßt die Welt, so stirbet die Vernunft; So lebt die Laster=Brut; so blüht der Thoren Zunft.

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Ach! die Gerechtigkeit steht in verhaßten Orden, Und ist jetzt leider! fast zur Exulantin worden. Die Boßheit und der Geitz, der Laster schnaubend Heer Treib sie aus ihrem Reich; und klagt sie noch so sehr, So sind die Ohren taub. Mit ihren frommen Minen, Muß sie der tollen Welt zum Hohn=Gelächter dienen. Wie jämmerlich siehts doch um ihr geheiligt Haus, Um ihren Richterstuhl und Schwerd und Wage aus.

Den Brief, den der Prophet am Himmel sahe fliegen, Nach welchem Diebstahl, Mord, und Meineid und Betrügen Vor from gesprochen ward, der ist anjetzt das Geld, Wodurch man Frömmigkeit und alles Recht erhält. Geld hat schon hier und da die Oberhand genommen; Nur durch der Berge Mark kan man zum Rechte kommen; Durchbrich das Mauerwerk und stiehl wie Nickel List. Wenn du nur Reich an Raub und alten Thalern bist, So fürchte dich nur nicht vor Bande, Strick und Ketten, Geld kan vom Staupenschlag, ja gar vom Galgen retten. Und bist du wieder loß, so stiehl behertzt aufs neu, Gedencke, daß dieß Gut vor böse Richter sey. Allein hast du kein Geld die Richter zu verblenden, Und deinem Advocat ein Wildpret zuzusenden: So halte Ruth und Strick nur Hals und Rücken hin, Und wär dein Diebstahl auch vom schlechtesten Gewinn; Hast du gleich Joabs Schwerd auf Abners Brust gezücket Und deinen Gegenpart in Plutons Reich geschicket, So geh und stelle nur verlangte Caution, Gieb denen Richtern Geld, so kömst du bald davon. Hast du die Eh befleckt, den Glaubiger betrogen; Dem Nachbar Wieß und Feld durch Falschheit abgelogen; Des Nächsten Unschulds=Kleid und guten Ruf verletzt, Und der Beträngten Pfand, das man bey dir versetzt, Mit List an dich gebracht: So darffst du nicht verzagen, Man mag dich noch so sehr in dem Gericht verklagen. Bemühe dich nur bald um einen Advocat, Der ein Gewissen so wie Priester-Ermel hat, Den Hader, Eigennutz und Zank so hoch vergnüget, Als einen Kriegesmann der was zu plündern krieget, Und dessen Herz voll Trotz, das Haupt voll arger List, Die Seele voll Betrug, und frecher Boßheit ist, Der sieben Zeilen nur auf eine Seite schreibet, Und seine Schriften stets auf zwanzig Bogen treibet. Der so viel Kosten macht als der Proceß begehrt, Und ihn so boßhaft dreht, daß er viel Jahre wehrt. Dem füll die krumme Hand mit Ophirs güldnen Schätzen, So wird er bald das Recht der Gegen=Part verletzen; Nimm selbst den Advocat von deinem Gegner ein; Schenk ihm ein Stück zum Kleid, ein stark und fettes Schwein, Ein Faß voll Rebensaft, und andre schöne Sachen, So wirst du ihn schon mild, und dir gewogen machen. Geh auch zum Richter hin, und fülle ihm die Hand Mit wilden Männern an, mit Gold aus Ungerland. Und weigert er sich ja; so gieb es seinem Weibe, Bring ihr ein Stück Damast und Sammtes Zeug zum Leibe, Band, Spitzen, Leinewand, und Peltz zum Unterkleid, Füll Stall und Küche aus; so kriegst du immer Zeit. Der Advocat hälts auf, der Richter wirds verziehen, Dein Gegner mag sich gleich auch noch so sehr bemühen Den letzten Spruch zu sehn. Ja wenn er sich beschwehrt, Des Zahlens müde wird, und endlich Recht begehrt, Da heists: Ihr habt kein Recht: Wer Geld giebt der gewinnet. Des Frommen Angesicht, das voller Thränen rinnet, Wird jetzt nicht mehr geacht; der Witwen Klag=Geschrey, Der Waysen heisses Flehn steht man durchs Recht nicht bey.

Verfluchte Gottesfurcht! verdammtes Christen=Leben! Heist dieß dem Recht sein Recht nach GOttes Vorschrift geben? O! sollen dieses wohl der Armen Väter seyn? O! möchte nicht das Recht zu GOtt um Rache schreyn? Bey Heyden wird man kaum dergleichen That und Sünden, So wenig Gottesfurcht, als unter Christen finden.

O groser Samuel! bleib ja in deiner Gruft, Steh nicht von Todten auf; komm nicht in deutsche Luft. Man würde sonst dein Amt und richterlich verwalten Vor dumm, vor abgeschmackt, vor kahl und thörigt halten. Du hast ja, wie bekannt zu Israel gesagt: Kommt her! Wer wieder mich und meinen Richtstab klagt! Kommt! sagt mir, ob ich euch in meinem Amt betrogen? Ob ich Geschenk geliebt; das Gut an mich gezogen? Wem ich das Recht gebeugt, der zeuge wider mich! O! diese Reden sind anjetzt zu lächerlich: Der Hochmuth wächst und steigt, der Geitz hat zugenommen. Wie würde man denn sonst zu solchen Reichthum kommen?

O! gieng der Heyland jetzt von neuen auf die Welt, Und spräch: Wer unter euch nichts von Geschenken hält, Und davon freyer ist als dort die Pharisäer Von Sünd und Ehebruch, der komm und trete näher, Ihr andern weicht von mir! wie viele würden fliehn, Und sich beschämt und stumm mit Furcht zurücke ziehn.

Solt Alexander jetzt wie ehemals geschehen, In ganz verstellter Tracht auf manches Richthaus gehen, (b) Er träffe warlich nicht dergleichen Männer an, Die also handelten wie jener Mund gethan, Die Richter würden nicht den Schatz zurücke weisen, Da sie ihn heut zu Tag begierig zu sich reisen. Solt jetzt Cambyses wohl dem Richter, der das Recht Des Geldes wegen beugt, der Freundschaft wegen schwächt, Die Haut vom Leibe ziehn und an den Richtstuhl nageln, (c) Wie grausam würde man auf solche Strafe hageln? Wie mancher Richter=Sitz, den man jetzt prächtig schaut, Bekäm an statt des Schmucks wohl mehr als eine Haut. Erforschte mancher Fürst (d) zugleich die Advocaten, O! so bekäm gewiß der Hencker manchen Braten. Es würde mancher Baum zum Galgen abgehackt Und manches Glied vom Leib mit Eisen abgezwackt, Hingegen aber auch (was wünscht man mehr auf Erden?) Recht und Gerechtigkeit nicht leicht gequälet werden. Wo sieht man, daß der Herr jetzt im Gerichte wohnt? Daß man die Frevler straft, die Unschuld aber schohnt, Und den Regenten=Stab mit Tugend unterstützet, Mit rechtlich kluger Hand die Acten=Feder schnitzet?

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Wie glücklich ist ein Mensch der stets das Ohr verstopft, Wenn gleich die Tugend kömmt und thränend klagt und klopft. Wie wohl, wie wohl ist dem, der stille sitzt und schweiget, Wenn dort ein wüster Kopf die Ehren=Bahn besteiget. Ein zugeschloßenes Ohr, ein zugehüllt Gesicht, Und einen Mund der nichts als Ja zu allen spricht, Ein Auge voller List erfordern unsre Zeiten, Wer so nicht leben kan der wird nicht viel bedeuten.

Doch nein! mein Eifer brennt, er ist gerecht und gut. Wer nur die Laster schilt, wer nur die tolle Brut Bey ihren Nahmen nennt, und vor den Spiegel stellet, Der kämpft wie ein Soldat der tolle Feinde fället, Und kriegt ein gleiches Lob, von der noch guten Welt, Die nach der Tugend greift, und noch auf Wohlstand hält.

Was vor ein heiser Schmertz hat meine Brust befallen! Der Adern rothe Saft fängt kochend an zu wallen; Mein Herz bebt wie ein Blat, mein Geist entsezt sich ganz, Wenn ich die alte Zeit mit ihrem Werth und Glanz, Und unsre Zeiten seh. Wo ist der Römer Zierde, Ernst, Einsicht, Tugend, Recht und löbliche Begierde Nach guten Sitten hin? wodurch bestand ihr Flor? Sie zog nicht Geld und Stand der Kunst und Tugend vor. Wer vor das Vaterland beherzt und klug gestritten; Wer sich verdient gemacht, Vernunft und guten Sitten Begierig nachgestrebt; wer und klug redlich war, Den sezte man ins Amt und zu der Väter Schaar. Jezt scheint der Tugend=Licht sich gleichsam zu verdunkeln: Sie kan, O Finsterniß! nicht mehr wie ehmahls funkeln. Carthago schimpft sich noch. Denn sie vergab ums Geld Amt, Ehre, Stand und Dienst; was thut denn unsre Welt?

Wie thörigt würde doch dein Rath o Jethro! klingen, Wenn du wie ehemals den Vortrag woltest bringen: Sezt diese, diese nur in Amt und Dienste ein Die klug, gerecht und fromm, warhaft und redlich seyn, Ja, die den schnöden Geiz von Grund der Seele hassen: Man würde dir gewiß ein Liedgen singen lassen, Das dir sehr schlecht gefiel. Es hieß: der Mann ist toll, Er weiß noch nicht einmahl wie man recht leben soll.

Die Zeit ist nicht mehr hier, die ehedem gewesen, Denn was wir hier und da in alten Büchern lesen, Das geht bey uns nicht an. Die Zeiten sind jezt neu, Da man nicht lange fragt, ob jemand würdig sey. Wer in der Auction der Aemter wacker biethet; Die Stimmen um das Mark der tiefen Klüfte miethet, Der steiget schnell empor, und wird ein Licht der Stadt, So wenig er auch sonst an Witz und Tugend hat. So wenig er erlernt, wie man den Richt=Stuhl zieren, Und was man wissen muß, ein Amt gerecht zu führen.

So geht es, leider! her. Allein was folgt darauf? Dem Miethling ist nunmehr die Themis selbst zu kauf; Sein drangewandtes Geld läßt ihn nicht ruhig schlafen, Er trachtet Tag und Nacht, wie er es von den Schaafen Mit Vortheil wieder zieht. Da sinnt er auf Betrug, Setzt viele Sporteln an, und andre Kosten gnug. Da wird der Neben=Christ, der Unterthan gedrücket, So gut sichs nach der Zeit und seinem Anschlag schicket.

Wem aber nicht das Glück die Börse schwer gemacht, Der wird durch Kupplerey zu Amt und Stand gebracht, Er schleicht sich voller List und Schmeicheley nach Hofe, Und nimmt die abgeküßt und sonst beliebte Zofe Zum lieben Ehgemahl. Da wird er denn ein Mann Der wacker und galant und herrlich leben kan. Ey seht? Wer wolte nicht durch schöner Frauen Schürzen Sein Glück und Ehre baun, und seine Noth verkürzen! Ihr Männer! tretet auf! trotzt! raubt uns diesen Ruhm! Ist nicht die Zwingungs=Kraft der Weiber Eigenthum? Die Stärcke ihrer Hand, die Artigkeit der Minen, Und der beredte Mund muß euch zur Würde dienen. Man hat den alten Brauch nunmehro abgethan, Da bloß der Mann durch sich zum Manne werden kan. Durch Weiber müssen jetzt die Männer Männer werden: Durch Weiber werden jetzt auch Hirten über Heerden.

Ich tadle dieses nicht, daß sich ein Mann bemüht, Und bey dem Ehverband auf seine Wohlfahrt sieht, Ein kluger muß ein Schmidt von seinem Glücke heisen. Dieß kan er nirgends ehr als bey der Heyrath weisen, Wenn er durch Fleiß und Witz, Treu, Tugend und Verstand, Der Eltern Lieb und Gunst, der Gönner holde Hand Und Herze zu sich zieht, und solch ein Weib erlanget, Das nebst dem Reichthum auch mit schöner Tugend pranget. Dieß ist der Vorsicht=Schluß, dieß ist der Wächter Rath, Wenn Moses, den die Furcht und Angst vertrieben hat, Durch seiner Tugend Glanz sein Glück by Jethro gründet, Und Mahlon Glück und Wohl bey Moabs Töchtern findet, Wenn Jacob, der den Grimm des Esaus fliehen muß, Und in entfernter Luft durch GOttes weisen Schluß Sein Glücke suchen soll, der Rahel Herz gewinnet, Und Labans Gunst erhält, weil er auf Mittel sinnet, Wodurch der Segen sich in seiner Arbeit mehrt, So, daß ihn jedermann deswegen liebt und ehrt. Wenn Saul des Davids Glück und Treu und Dienst betrachtet, Und Michal ihm zur Braut zu geben würdig achtet, Diß kommt vom Sternen=Pol und von der Allmacht her. So fördert keusche Lieb Glück, Wohlstand, Ruhm und Ehr.

Wenn aber sich ein Mann nach Frauen=Lippen sehnet, Die schon ein geiler Mund beflecket und verwehnet; Wenn er die Delila so hoch als Sara schätzt, Und sich recht wissentlich in Hanrey=Orden setzt, Um nur der Fürsten Gunst und Liebe zu erlangen, Und als ein Herr und Mann in Amt und Dienst zu prangen Der muß schier fällt mir gleich das alte Sprichwort ein; Ein rechter braver Kerl, ja wohl noch sonst was seyn.

Doch warum ärgert euch, die Heyrath frecher Dirnen? Was, soll ich über euch ihr Venus=Nympfen zürnen? Nahm doch Hosea dort, der ein Prophete war, Zu seiner Frau ein Weib aus frecher Huren=Schaar. Wer kan es wohl mit Recht den Dürftigen verdencken, Wenn sie aus Geld=Begier ihr Herz der Dina schenken?

Wer hat bey Fürsten Glück? wer baut sein Ehren=Haus Bey Göttern dieser Welt? vieleicht wer frey heraus Und nach der Redlichkeit die rechte Art beschreibet, Nach welcher Volk und Land am ersten glücklich bleibet; Nach welcher sich ein Herr den Thron im Herzen baut; Daß man ihn Freudenvoll und nicht mit Zittern schaut; Daß dieß ein Titus sey der voller Huld regieret, Sein Amt dem Argus gleich auch schlummrend wachsam führet. Der für gemeine Ruh gleich als ein Pharus brennt; Der keine Schmeicheley; nur bloß die Warheit kennt; Der treue Diener nicht wie Sigismund (e) belohnet; Der zwar die Boßheit straft, der Unschuld aber schonet; Ja der wie Salomon der Weisheit sich ergiebt, Und solche höher noch als Ehr und Reichthum liebt. Was meint ihr: solte wohl ein Mann von solchen Wesen Und solcher Redlichkeit sein Glück am Hofe lesen? An manchen glaub ich wohl; doch möchten wenig seyn Die dieß beherzigten. Der schnöde Heuchel=Schein Hat meist die Oberhand, biß Artaxerxen träumet, Er hab an Esters Freund die Dankbarkeit versäumet. Indessen steigt doch fast nur Hamans Brut empor, Wer sich in Fuchs=Pelz hüllt, und mit der Schmeichler Flor Das Angesicht bedeckt, der darf nach Hofe kommen, Und wird noch desto ehr zum Diener angenommen, Wenn er Projecte macht, wodurch man Geld gewinnt; Wie man auf Aecker, Haus, auf Nahrung, Pferd und Rind Und Dienste Gaben legt, die vormahls nicht gewesen, Von welchen sonst kein Wort im Freyheits=Brief zu lesen; Wie man die Bürgerschaft mit Zoll, Accieß beschwert, Und ihnen mit Manier den Beutel folgends leert.

Doch seht! ihr brüstet euch und gebt mir zu verstehen, Es fordre grosen Witz mit Prinzen umzugehen, Man müsse jederzeit aus Ehrfurcht, Lieb und Treu Auf ihr Intresse sehn, daß dieß in Wachsthum sey. Gar recht: Bedenkt auch nur fein allzeit das Gewissen; Ihr dürft es leicht versehn, so trit man euch mit Füssen; Vom Feuer und vom Licht bleibt schlaue Klugheit fern, Denn wer zu nahe kömmt derselbe brennt sich gern.

Ihr Thoren! die ihr euch so gern in Fuchs=Peltz kleidet Wie kömmt es, daß ihr nicht die glatten Worte meidet? Ist wohl ein Fuchs so dumm, daß er sich dahin hält, Wo man vor kurzer Zeit den Cammerad geprellt? List, Schmeicheln, Eigennutz, Verrähterey und Lügen Die dauren kurze Zeit, es kan sich leichte fügen, Daß sich das Blätgen kehrt; sehr selten findet man, Daß einer sich dadurch im Glück erhalten kan, Weil grosser Herren Gunst gar bald wie Schnee zergehet, Da nach dem heisen Strahl ein Regen=Guß entstehet. Die Unbeständigkeit findt stets bey Höfen Raum; Der Fürsten Gnad und Huld ist meist ein süsser Traum. Die Frucht, die jählings reift, die Blume die bald blühet, Fällt desto eher ab, wie man ja täglich siehet. Je schnell, je höher man bey grosen Herren steigt, Je näher ist das Glück zu seinem Fall geneigt. Wie öfters sinken nicht die grösten Favoriten! Erst herrschten sie im Schloß; jetzt darben sie in Hütten.

Ihr Thoren! die ihr euch nach Herren Gnade dringt, Und sie durch mancherley Betrug und List erzwingt, Wenn gleich der Bürger seufzt, und euch im Herzen hasset, Was ist es daß ihr euch auf ihre Gunst verlasset? Sie währet doch nicht lang; kömmt endlich euer Fall So ist kein Freund nicht da, so ruft man überall: Triumph! der Haman liegt, der Land und Bürgern fluchte, Und ihren Schaden nur durch seine Ränke suchte. Man diene seinem Herrn als ein getreuer Mann, Das heist weit klüglicher gehandelt und gethan, Drück aber nicht das Volk, und sey nicht stolz im Glücke, So kriegt man doch beym Fall noch Mitleids=volle Blicke: Da jener, welcher nur den Unterthan geplagt, Und ausgesogen hat, warhaftig nicht beklagt, Und nur verspottet wird; wer Herren Gnade trauet, Der hat sein Haus und Glück auf leichten Sand gebauet; Der schwebt wie auf dem Meer, da bald ein Sturm entsteht, Wodurch Glück, Hofnung, Trost und Leben untergeht.

Ein andrer Weg ist noch (wenn sonst nichts mehr zu hoffen, Und Treu und Tugend weg) zum Amt und Ehre offen. Verläugne deinen GOtt und die Religion, So trägest du ein Amt und manch Geschenk davon.

Ist das die schöne Bahn zur Ehren=Burg zu steigen? Wie will ein solcher sich gerecht und Treu bezeigen? Folgt nicht hieraus der Schluß: Wer GOtt nicht Glauben hält, Und ihn verschwört und teuscht, der wird gewiß der Welt, Dem Nächsten und dem Land wohl schwerlich treu verbleiben, Und sein vertrautes Amt gewissenhaftig treiben.

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Wie glücklich warst du doch berühmtes Griechenland! In deinem größten Glanz; ich meine, da dein Stand In Flor und Freyheit war; da man die Arbeit liebte; Da deine Jugend sich in Ritterspielen übte; Da man den Lorbeer=Zweig durch Kunst und Fleiß erwarb, Und wie man erst gelebt, so auch mit Ehren starb. Du warest ohne Geld und Stand berühmt und weise, Die Tugend ward belohnt; nach klug vergoßnem Schweise Ward jeden nach Verdienst der Ehren=Kranz gebracht, Und also durch sich selbst die Bahn des Glücks gemacht.