Die von denen Faunen gepeitschte Laster

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Die von denen Faunen gepeitschte Laster

Aufgeführt von Sidonia Hedwig Zäunemannin, Kayserlich gekrönter Poetin. 1739

Gott / der vernünftigen und tugendhaften Welt, widmet diese Blätter die Verfasserin.

Vorrede.

Geehrter Leser!

Meine Muse, welche von dem siebenstuffigten Rohr verschiedener Wald=Götter aus ihrem fast jährigen Schlaf unverhoft erweckt worden, leget dir anjetzo eine ziemlich starcke Satyre vor, und giebt dir zugleich das Recht, darüber zu critisiren und zu richten.

Eine Satyre! wirst du sagen: Dieses ist ja ein solches Stück, das nicht allein viel Geschicklichkeit erfordert; sondern, was noch mehr ist, nach aller angewandten Mühe und Fleiß, Haß und Verdruß zum Lohn bekömmt. Du wirst meinen, ich hätte lieber ein Lob=Gedichte abfassen, zärtlich, galant and vortreflich schmeichlen, als einen kühnen Satyr nachspielen sollen.

Du hast recht, mein Leser! daß zu einer vernünftigen Satyre viel Kunst erfordert wird. Dieses hat mich auch bisher von solchen Arbeiten abgeschreckt. Allein wer nichts wagt und versucht, der bleibt immer in seinem Irrthum, und lernet nichts. Ich habe es dahero einmahl versuchen wollen, ob meine Muse auch zu solchen Schriften geschickt sey. Ich stelle sie also, wie Apelles seine Gemählde öffentlich der Welt vor die Augen, und erwarte hierüber das Urtheil vernünftiger und ächter Kenner der Poesie, um mich, wo ich hier und da, oder allenthalben gefehlt, künftig zu bessern, und geschickter zu machen.

Es ist auch wahr, daß ein Lob=Gedicht sehr liebreich aufgenommen wird; dahingegen eine Satyre, wenn sie auch noch so schön gerathen ist, dennoch nichts als unfreundliche Gesichter nach sich zieht, und gleiches Schicksal mit einem hellen Spiegel hat, der denen eitlen Gesichtern ihre Flecken und Runzeln zeiget, und deßwegen wohl nicht selten hinweg geworffen wird; obgleich die Schuld nicht an ihm liegt, daß sich die heßliche Gestalt nicht besser in ihm vorstellt, als sie würcklich von Natur gebildet ist.

Allein, ich habe bishero gelobt, ich habe gerühmt was zu rühmen war. Nun muß ich auch in Strafen eine Probe machen, und über diejenigen Stücke einen Haß bezeigen, an welchen zu allen Zeiten die tugendhafte Welt einen Abscheu gehabt hat. Ja ich glaube, daß ich hierinnen, wo nicht politischer doch tugendhafter handle, wenn ich eine Satyre schreibe, die die Häßlichkeit der Laster zum Objekt hat; als wenn ich ein falsches Lob Gedichte abfaßte, von welchem man sagen könte, ich hätte über dessen Verfassung nothwendig erröthen, und die Wahrheit manchen Schwerd=Stich durch ihre Seele geben müssen.

Und was wilst du denn von mir mehr haben? Mein Leser! ich lege dir ja in dieser einfachen Arbeit, ein gedoppeltes Stück, nemlich eine Satyre, da ich die Laster strafe; und ein Lob=Gedichte, da ich die guten Sitten den Lastern entgegen setze, und die Tugenden, nebst ihren Besitzern lobe und erhebe, vor die Augen!

Ich tadle die Unarten der Menschen: Dencke also nicht Mein Leser! daß ich von Personen schreiben und dieselben durchziehen, viel weniger mich an meinen Feinden oder Spöttern rächen, und sie auf den Schau=Platz stellen werde. O nein! Spöttern und Feinden mache ich das Vergnügen nicht, ihren Thorheiten zu gefallen, eine niederträchtige und wieder die Religion und Philosophie streitende Seele anzunehmen, und den Character eines vernünftigen Satyrici hierdurch zu überschreiten, welcher darinne besteht, daß man nicht Personen, oder natürliche Gebrechen, davor niemand als die Natur kan, sondern lasterhafte und strafbahre Handlungen, und solche wiederum nicht etwan auf eine unhöfliche, sondern auf eine überzeugende, sinnreiche und beisende Art vorzustellen, und zu bestrafen bemüht ist. In wie weit ich dieses letztere getroffen, das werde ich zu meiner künftigen Verbesserung von Kennern hören, und mit dem größten Danck annehmen.

Ich habe demnach zum Object meiner Satyre nichts anderes als die im Schwang gehende Laster, und die unartigen Handlungen derer meisten Menschen genommen. Es sey ferne! daß ich von allen und jeden reden, und das ganze menschliche Geschlecht, wie man im Sprichwort sagt, in eine Brühe werffen solte! O nein! der Acker dieser Welt trägt auch noch guten Weizen, so häufig auch das Unkraut darzwischen wächst. Ich tadle nicht den Gebrauch verschiedener Sachen; sondern den Mißbrauch. Ich hätte auch wie bekannt, von noch weit mehrern Lastern und Mißbräuchen schreiben können; allein die Zeit, und die Betrübniß über den tödtlichen Hintrit meiner seel. Frau Mutter hat mich davon abgehalten.

Die meisten Menschen, und sonderlich das Frauenzimmer, haben den üblen Gebrauch, daß die sich bey müsigen Stunden über anderer Menschen von beyderley Geschlecht, öfters gar geringen Schwachheiten, Moden, Geberden, Gebräuchen und Handlung aufhalten. Um nun solchen Menschen, und besonders meinem Geschlechte mich gleich zu stellen, und nur von ihnen keinen Vorwurff machen zu lassen; so will ich mich auch allhier über andre Menschen, und zwar, damit kein Geschlecht zürnen darf, so wohl über die Mannes=Personen, als über das Frauenzimmer; doch nicht auf eine pöbelhafte, niederträchtige und kindische Art; sondern so viel mir möglich, auf eine ernsthafte Weise, in nachstehenden Zeilen moquiren.

Betrachtest du also, Mein Leser! diese Schrift, und du bist tugendhaft, so wirst du mit meinen Gedancken übereinstimmen, und deßwegen keinen Haß und Zorn auf mich werfen. Bist du aber mit ein oder den andern Lastern behaftet, so zürne nicht über mich. Was wilst du über den Spiegel, der dir deine Flecken zeigt, und über den Meister, der ihn geschliffen hat, böse werden. Schäme dich deiner dir selbst gemachten Flecken, und werde über deine muthwillige Unarten böse.

Du kanst dich an mir nicht besser davor rächen, als wenn du deine Thorheiten ablegest und dich besserst, und mir hernach, wie diejenigen, die warhaft tugendhaft sind, gewogen wirst und bleibst, als warum ich dich und alle Menschen freundlich ersuche.

Die von denen Faunen gepeitschte Laster von Sidonia Hedwig Zäunemann

Auf einmahl reget sich der fast erstickte Trieb; Das, was ich sonst gescheut, gewinn ich jetzo lieb; Das, was ich bloß aus Furcht, es möchte nicht gelingen, Bißher zurück gesetzt, das will ich jetzo singen. Caliope! dein Rohr, dein sanftes Sayten=Spiel, Das mich bezaubert hielt, und Göttern wohlgefiel, Mag dort im Winkel ruhn: ein Satyr läßt sich spühren. Der soll an deiner statt mich auf den Pindus führen. Ihr Götter! die ihr sonst so graß und heßlich seyd; Vor deren Gegenwart das Frauen=Volck sich scheut, Und schüchtern lauft und flieht, als ob ein Mörder käme, Der ihnen mit Gewalt Kranz, Schmuck und Leben nähme. Ihr seyd jetzt meine Lust und liebstes Augenmerk. Hier habt ihr meine Hand, kommt! führt mich auf den Berg, Wo Phöbus und sein Volk im Lorbeer-Walde tanzen. Kommt! lasset mich durch euch mein Glück bey ihnen pflanzen. Sezt eure Füsse nett, und laßt mich heute sehn, Ob ihr so künstlich springt, wie ehemahls geschehn. Spielt nur so gut ihr könnt, auf Pfeiffen oder Flöthen. Ihr dürft, weil ihr schon roth, euch nicht dabey erröhten. Auf! macht mir eine Lust! und auch dem Musen=Fürst; Und singt der Welt zu Trutz, die schon die Zähne knirst.

Au! Weh! was seh ich dort? Mein Wahn hat nicht gelogen, Ein grau Gewitter kömmt mit Blitz und Knall gezogen. Die Luft verfinstert sich, die Sonne büßt den Schein, Die Erde den Gesang der Luft-Sirenen ein. Das Vieh lauft hin und her, es schreyt, es bebt, es zittert, Es suchet Zweig und Schutz, dieweils so grausam wittert. Die Erde bebt und kracht; die Berge wancken fast, Und machen sich zum Fall mit ihrer Pracht gefaßt. Die Donner rollen fort, und brüllen aus dermasen, Als wolten sie der Welt zum Untergange blasen. Nun borst die Wolk entzwey, und läßt auf einmahl loß, Was sie mit harten Zwang bißher in ihren Schooß Und Leib getragen hat; wodurch es leyder! kommen, Daß Donner, Blitz und Furcht den Erdkreiß eingenommen. Was aber fällt denn wohl aus Wolk und Luft herab? Wie? ists ein güldner Thau den dorten Hammon gab? Sinds Fische, die sich hier in dieser Fluth bewegen? Es ist ja, wie mich dünkt kein schlecht, gemeiner Regen. Solls Ungeziefer seyn, das Feld und Wald vergift, Und Schaden und Verderb auf Berg und Wiesen stift?

So ists: jedoch weit mehr: es ist ein Menschen=Regen. Komm Pluto! komm und sieh! o welch ein schöner Seegen! Empfande Jupiter Angst, Schmerzen, Quaal und Noth, Als seine Stirn erhitzt, und als ein Feuer roth, Und aufgeblasen war, eh Pallas raus gesprungen; Was Wunder, wenn dieß Heer die Wolke so gedrungen, Und ihr so grosse Quaal und Unruh hat gemacht, Biß sie durch Knall und Blitz dieß Unheil fort gebracht. Wer muß ihr Anherr seyn? wie sind sie denn gestaltet? Wie der, so Phrygien bey güldner Zeit verwaltet. Nicht anders; Midas muß ihr Aelter=Vater seyn. An Ohren sieht mans ja; die Werke stimmen ein. Ein Volk, das an Verstand den schwachen Kindern gleichet. An Boßheit aber kaum dem Teufel selber weichet. Dieß Volk bedeckt die Welt; der Bart womit es prangt, Zeigt gnug, wie viel es schon an Kraft und Stärk erlangt. Ja Kräfte in der Faust; nicht aber im Gehirne, Mit Runzeln wächst zugleich die Boßheit in der Stirne.

Steig alter Midas! steig! aus deiner schwarzen Gruft, Hör! wie dein edles Volk so sehnlich nach dir ruft, Vernimm wie treu es dich auch nach dem Tode liebet, Und deinen weisen Spruch noch täglich von sich giebet. Sieh! wie sich dein Geschlecht so wunderbar vermehrt, Wie hoch es dich erhebt, wie sehr es dich verehrt. Dieß dein erhitztes Volk verbietet den Poeten, Daß sie auf ihren Rohr und nettgestimmten Flöthen Nichts singen, das nach Kunst und Sitten=Lehre schmeckt, Und wie Apollo dort der Götter Gunst erweckt. Die Warheit will man nicht in ihren Schriften dulden, Man straft und richtet sie ohn billiges Verschulden. O wundert euch mit mir! daß viel so sinnreich sind, Und in den Schöppen=Stuhl der Advocaten Wind Und ihren Spötter=Kiel, den Gegner zu beschimpfen, Die Fehler der Persohn, das Mund= und Nase=Rümpfen, Gang, Kleidung, Jugend=Lust, und was dergleichen mehr, Mit ganz gelassenen und fröhlichen Gehör, Und lächlender Gestalt so klug vertragen können. Sie leiden ohne Scheu daß zwey zusammen rennen; Und wenn auch der Client aus Wehmuth und Verdruß, Wohl zwanzig Bogen mehr als sonsten zahlen muß. Dieß ist noch nicht genug; es wundere sich ein jeder, Wenn das erhitzte Blut auf Schulen und Catheder Sich unbescheiden zankt, und von dem Hauptzweck geht, Aus Neid und Tadelsucht den Gegner beisend schmäht, So hört man munter zu, und läßt sich unbekümmert. Schreibt aber ein Poet, wie sich die Welt verschlimmert, Und wie das Laster wächst, so sieht man scheel darzu, Und läßt aus tollen Neid dem Dichter keine Ruh Ob Orthodoxen schon sich auf den Schau=Platz stellen, Und durch den scharfen Kiel die Feinde glücklich fällen, Wie mancher Philosoph, wie mancher Moralist, In dem ein reines Feuer, Verstand und Weißheit ist, Hat von der Sitten=Kunst satyrisch gnug geschrieben, Und dennoch sind sie stets in Ruh und Fried geblieben. In Prosa fluchet man der Sitten=Lehre nicht; Die arme Poesie wird ohn Verhör gericht. Ein Redner, ein Poet steht in gelehrten Orden, Und beyde sind schon längst zu Moralisten worden. Ein jeder ehrt und liebt die Regeln der Natur; Ein jeder folget ja der Tugend Licht und Spuhr, Und zeigt die Laster=Bahn, und sucht der Welt zu nützen. Allein der Dichter kan fast niemahls ruhig sitzen.

Zu dieser tollen Art und frecher Seltenheit, Giebt der belebte Reim wohl nicht Gelegenheit; Nein, sondern die Vernunft ist noch nicht ausgeheitert, Weil sich der Weißheit Licht in ihnen nicht erweitert, Weil sie die Tugend nie in ihrem Glanz erkannt; Weil sie die meiste Zeit auf Trug und List verwandt; Weil ihres Vaters Geist auf ihnen zweyfach lieget, Ich meine, Midas Sinn, der sie so hoch vergnüget; Ja seines Hauptes Schmuck, den sie zugleich geerbt, Hat dieses Volkes Geist verfinstert und verderbt. Da nun so Herz als Sinn und Ohr und Mund verdorben, Und Tugend und Vernunft in ihrer Brust erstorben, Was Wunder? daß dieß Volk Satyren haßt und scheut, Und deiner Sitten=Lehr mit Fluch und Grimme dräut. O! daß doch Knall und Blitz dieß Volck herab gesendet, Das Klugheit und Vernunft in Dichter=Schriften schändet!

Wo ist die alte Zeit, in der die Dichtungs=Kunst, Von grossen Königen, mit hoher Huld und Gunst Und Preiß belohnet ward? Die Tage sind verschwunden, Da man auch Dichter noch am Kayser=Tisch gefunden. Augustus blieb ein Held der alle Welt bezwang, Obgleich Virgilius an seiner Tafel sang. Ward auch die Majestät durch diese That verletzet? Weil er die Dichterkunst vor andern hoch geschätzet. Des Nero Grausamkeit löscht doch den Ruhm nicht aus, Daß er in seiner Brust ein würdig Musen=Haus Bey seinen Thron erbaut. O! käm die Zeit zurücke, Da Barbarossens Hof, so Gnaden=volle Blicke Den Dichtern zugewandt! die von der Helden Schweiß, Von ihren Löwen=Muth, Geschicklichkeit und Fleiß, Wenn sie vor Staat und Reich, so treu sie nur vermochten, Gerahten und gesorgt, mit Arm und Schwerd gefochten, Gesungen und erzehlt: damit die neue Welt Davon ein Beyspiel nähm, der kein Poet gefällt. Wo bleibt jetzt Carolus der Eilfte der Franzosen? Der selbst durch diese Kunst mit schönen Ehren=Rosen Die Dichter überstimmt. Alfondus Kron und Macht, Der England Seegen gab, erhebet ihre Pracht, Und singt und spielet selbst. Wär Carl (a) noch jetzt auf Erden, So würd auf seinem Wink manch Lied gesungen werden. Ihr nahmt der Dichter Glück und Preiß mit euch ins Grab. Bey eures Scepters Rest liegt unser Ehren=Stab Vergraben und verdeckt. O! könntet ihr erwachen, Und uns, wie Reich und Volk beglückt und herrlich machen! Wo sind die Damen hin die Barbaros gekannt, Die man mit Fug und Recht der Fürsten Zier genannt? Verehrte nicht ihr Ohr geschickte Helden Lieder? In welchen der Poet des Tapfern Herculs Brüder, (Die Prinzen, die im Feld ein blutges Leder=Kleid, Ein todt gehaunes Roß und Wahlstadt nicht gescheut; Die Fürsten, die ihr Volk mit Billigkeit regieret, Und mit Gerechtigkeit und Huld den Stab geführet,) Der Ewigkeit geweyht, zum Beyspiel vorgestellt, Und angepriesen hat. O! möchtet ihr die Welt Mit eurer dunkeln Gruft, ihr Damen! jetzt vertauschen, An manches Fürsten Hof und Prinzens Kammer lauschen! Ihr würdet Wunder sehn, wie man der Dichtkunst spott, Und ihr Gedächtniß fast aus Geist und Seele rott. Wo fragen Damen jetzt nach alter Prinzen Thaten, Ob auch ihr Regiment, und Feldzug wohl gerathen? Homerus Helden=Lied weicht jetzt dem schnöden Reim In dem Secundens Kiel der Liebe Honigseim Natürlich abgemahlt. Banisens Flucht und Lieben Ergötzt jetzt mehr als das, was Seneca geschrieben.

So giengs vor Zeiten nicht. Witz und Geschickligkeit War damahls wie man weiß, der Dame schönstes Kleid Und gröster Ehren=Schmuck; Tholusa läßt uns lesen, Wie edel ihr Verstand, und Urtheils=Kraft gewesen. Der Aquitaner Volk war, wie gesagt, auf Ehr Und Ruhm und Glanz bedacht; und suchte nichts so sehr, Als sich durch Tapferkeit und Weißheit aufzuschwingen, Und in die Ewigkeit vor andern einzudringen.

Die Alleredelsten und Grösten an Vernunft, Verbanden sich daher und schlossen eine Zunft, Worbey der Vorsatz war, die Thaten ihrer Helden In Liedern schöner Art der Ewigkeit zu melden. Wer sich von ihren Volk auch sonst hervor gethan; Wer im Turnier gesiegt und auf der Ehren=Bahn Den höchsten Preiß erkämpft; dem pflegten sie in Schriften Ein Denckmaal seines Ruhms auf gleiche Art zu stiften. Ja wer sich um das Reich und Volk verdient gemacht, Wer vor des Landes Ruh, der Bürger Wohl gewacht, Dem suchte ihre Hand in herrlichen Gedichten Ein köstlich Ehren=Maal und Lob=Lied aufzurichten. Ein jeder dieser Zunft versuchte voll Bemühn, Durch ein geschicktes Lied den Preiß an sich zu ziehn, Warum? sie wehlten sich, wer möchte nicht gewinnen? Das holde Frauenvolk zu ihren Richterinnen. Da war der Damen Geist mit Weißheit ausgeschmückt; Da ward der Preiß durch sie dem Würdigsten geschickt, Der sich in Kunst und Fleiß vor andern angegriffen, Und am geschicktesten auf Blat und Rohr gepfiffen. Der Damen kluger Geist sah reif= und weißlich ein Daß Dichter rechter Art nicht blose Schwätzer seyn; Ihr Sinn forscht weiter nach, und straft mit Witz die Laster, Erhebt die Tugenden, und zeigt wie man aufs Pflaster Des Wohlstands treten soll; wie man die Seele nehrt, Und sich durch Wissenschaft und Fleiß vom Pöbel kehrt; Wie man das höchste Gut der Seelen=Ruh erlanget, Und durch den Ehren=Kranz am Sternen=Himmel pranget; Wie man, wenn andre hier im Welt=Getöse sind, Dort in der Einsamkeit die gröste Anmuth findt.

Wer kan uns wohl anjetzt viel kluge Damen nennen, Die von der Poesie ein Urtheil fällen können? Ach leyder! ist bekant, daß man jetzt wenig findt, Die von so hohen Geist, als wohl von Herkunft sind. Warum? Die Zärtlichkeit läßt sich zu nichts mehr zwingen; Was thun die Hände mehr als daß sie Knötgen schlingen. Die Feder wird gewiß, so leicht nicht angesetzt; Wenn nicht ein Liebes=Brief zuvor das Aug ergötzt, Den Geist entzündet hat; wer wolte sonst was schreiben; Man kan sich schon die Zeit auf andre Art vertreiben. Ein lustig Karten=Spiel vergnügt die Brust weit mehr, Als wenn man Tag und Nacht in Büchern fleißig wär; Ja steht auch dieß nicht an, das Müthgen abzukühlen, So läßt man nur im Bret und auf der Dame spielen. O! solten wir den Preiß jetzt von den Damen sehn, Wie würd es doch so kahl um Sieg und Vorzug stehn?

Zwar kan ein Dichter noch zuweilen dieß geniessen, Daß Augen voller Gnad auf seine Blätter schiessen; Allein er nehme sich mit seinen Kiel in acht, Denn wer nicht schmeicheln kan, wird billig ausgelacht. Der Lea must er nur die schönsten Augen geben, Und Ahitophels Rath als Jethro Spruch erheben. Er tadle Nathans Wort, daß er so frey geredt, Und seinem Könige voll Glanz und Majestät Nichts nachgesehen hat. Wo wird nach Bürger Sitten, Der grossen Fürsten Lust und Handlung zugeschnitten? Dem Ahab leg er ja die klügste Einsicht bey, Daß nichts als Billigkeit in seinem Urtheil sey; Die Flecken such er fein mit Farben zu bestreichen, Und eine Jesabel der Sara zu vergleichen. Er schmücke alles schön, und was ein Joab schaft, Das nenn er fromm und treu, gerecht und tugendhaft. Er darf sich nicht darbey gewissenhaft Geberden, Vielweniger beschämt vor einer Lüge werden. Hüllt er dieß alles nun in nette Kleidung ein, So kan das Wiedergelt ein Gnaden=Blickgen seyn. Doch nur allein vors Blat; sonst hat er nichts zu hoffen. Zwey Menschen steht ein Weg zu gleichen Schicksaal offen; Doch suchen sie umsonst: Ein Dichter und Chymist, Weil einer so ein Narr als wie der andre ist.

Die Dichtkunst bleibt nicht nur ein Stief=Kind stets vom Glücke, Ihr Lohn sind noch darzu der Mißgunst Feuer=Blicke, Absonderlich wenn sich das Frauen=Volk bemüht, Und nach der Musen Art die Sayten künstlich zieht. Da sieht man Haß und Neid sich auf den Schau=Platz stellen; Sie borgen von dem Hund das ungezähmte Bellen; Sie knirschen mit dem Mund wenn unsre Lorbeer blühn, Und suchen uns den Ruhm durch Lästern zu entziehn. Der Ehre stoltzes Schif wird als vom Wind bestürmet, Mit giftgen Schaum umringt, von Wellen aufgethürmet, Um seinen schnellen Lauf nur Einhalt bald zu thun. Ihr Toben läßt sie nicht bey unsern Siegen ruhn. Der Neid, das Ungeheur das sich doch selber quälen Und endlich fressen muß, wohnt in so vielen Seelen, Die toben wider uns, wenn irgend unser Geist, Ein Philosophisches und Dichter=Feuer weist. Ihr dummer Hochmuth meint, wir dürften mehr nicht lesen, Als nur wer Ismael und Moses Weib gewesen, Wie dort Rebeccens Hand mit Isaacs Baarte scherzt, Wie Hiob allen Hohn von seiner Frau verschmerzt. Des Salomonis Spruch und Syrachs Sitten=Leben Wär uns, nur Seneca und Plato nicht gegeben. Blieb uns Sanct Paulus nur bekannt und offenbar, So wär es schon genug: Uns gienge Pallas Schaar Und Phöbus gar nichts an. Wir hätten gnug zu singen, Die zarten Kindergen in Schlaf und Ruh zu bringen. Zwirn, Nadel, Flachs und Garn, die Küche und der Heerd Wär nur vor uns bestimmt; nicht aber Kiel und Schwerd. Der Männer Eigenthum sey Feder, Buch und Waffen; Nur ihnen wär allein ein Löwen=Herz erschaffen. Gar recht! ihr brüllt zu Haus so arg als Löw und Bär. Wie feurig, wie ergrimmt lauft ihr oft hin und her? Ihr meint die Tapferkeit sey euch nur angebohren. Ihr habt so manchem Glaß, o That! den Tod geschworen. Ihr nennet euch beherzt; ihr kämpftet ritterlich; Ich widerspreche nicht, denn dieses zeiget sich Im Krieg, wo Cypripor der Venus Feldherr worden. Ihr sagt: Die Wissenschaft wär nur dem Männer=Orden Vom Schöpfer zugedacht: Ihr müstet nur allein Beherrscher über Buch, und Kunst und Federn seyn.

Was vor ein toller Wurm hat euren Kopf durchfressen, Daß ihr euch nur allein dieß Recht sucht beyzumessen? Der Schöpfer hat uns ja mit gleichen Geist bedacht, Und gleiche Seelen=Kraft und Triebe beygebracht. Wie solten wir denn nun dieß theure Pfand und Gaben Um euren Eigensinn zu folgen, gar vergraben? So wahr Minerva lebt! so soll es nicht geschehn, Daß wir auf euer Wort der Musen Dienst verschmähn. Jemehr die Mißgunst raßt, und wider uns sich setzet; Jemehr der Neid auf uns ergrimmt die Zähne wetzet; Jemehr das Mannes=Volk aus toller Eifersucht Auf unsre Wissenschaft, Kunst, Fleiß und Feder flucht, Jemehr soll unser Geist das Chor der Musen lieben, Jemehr wird untersucht, je mehr wird aufgeschrieben. Wir sind dem Palm=Baum gleich, der sich gen Himmel schwingt, Jemehr man Druck und Last auf seine Zweige bringt.

Ein kluges Weibes=Bild das auf was hohes sinnet, Buch, Kiel und Rohr ergreift,und Phöbum lieb gewinnet; Der Warheit Grund erforscht; den Geist in Schriften übt, Stellt bey dem ersten Kuß, den ihr Apollo giebt, Sich gleich die Eifersucht, die Mißgunst und das Schmähen Der dummen Männer für. Wer dieses nicht will sehen, Wer dieß nicht leiden kan, der lege nur bey Zeit, Die Lust zur Wissenschaft, Buch, Kiel und Rohr beyseit. Der Haß wird gleich erweckt so bald die Flöthen klingen, Und wir nach Musen Art mit unsern Lippen singen.

Wie oftmals hab ich nicht aus Unmuth und Verdruß, Weil man so viel Geplärr und Narrheit hören muß, Manch schönes Tage=Werck in tausend Stück zerrissen, Und Phöbens Lauten=Spiel in Winkel hingeschmissen. Nur neulich nahm mich noch der feste Vorsatz ein, Ein Feind der Poesie biß in die Gruft zu seyn. Allein der jähe Schluß ward bald zurück getrieben; Wie könt ich das verschmähn, was kluge Leute lieben? Man schweige gänzlich still; man tadle Midas Sohn, Man lobe Mavors Kind, man findet gleichen Lohn. Man mag die Tugend schön, die Laster heßlich schelten, Der Danck ist einerley; wir müssens doch entgelten. Wer Tugend und Vernunft an allen Menschen liebt; Die Weißheit ehrt und schätzt, der Warheit Beyfall giebt, Sich niemahls scheel dazu, wenn man Satyrisch dichtet, Und auf die üble Zucht die schärfste Hechel richtet. Ist jemand Nabals Art, an Geld und Boßheit reich, Der bleibet doch verstockt es gilt ihm alles gleich. Kan ich die Narren nicht durch sanfte Lieder rühren, Ey! So versuch ichs jetzt durch beissende Satyren! Der Vorsatz ist gefaßt, die Flöthe ist gestimmt; Was frag ich nach dem Neid, der sich schon windt und krümt. Ich singe von der Welt und von verderbten Sitten: Mein Satyr hat sich schon ein neues Rohr geschnitten.

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