Die Universität Basel in den fünfzig Jahren seit ihrer Reorganisation im Jahre 1835
Part 8
Jahr 1835: 40 " 1836: 60 " 1837: 53 (darunter 16 M.[28]) " 1838: 63 (darunter 17 M.[28]) " 1839: 42 " 1840: 43 Jahr 1841: 37 " 1842: 38 " 1843: 45 " 1844: 83 (darunter 13 M.[28]) " 1845: 62 " 1846: 65 Jahr 1847: 84 (darunter 10 M.[28]) " 1848: 76 " 1849: 60 " 1850: 58 " 1851: 69 (darunter 9 M.[28]) " 1852: 67.
1853-1869.
=Theologen.= =Juristen.= +Sommer Winter S. W.+ Jahr 1853: 44 45 15 14 " 1854: 44 45 8 9 " 1855: 54 51 6 3 " 1856: 54 41 4 2 " 1857: 50 41 4 4 " 1858: 47 45 7 6 " 1859: 46 38 6 2 " 1860: 47 46 5 4 " 1861: 50 45 7 9 " 1862: 45 38 8 6 " 1863: 39 35 4 8 " 1864: 40 50 7 8 " 1865: 60 50 6 7 " 1866: 44 46 10 9 " 1867: 57 54 9 11 " 1868: 57 48 12 11 " 1869: 43 36 12 9
=Mediciner.= =Philosophen.= =Gesamtzahl.= +S. W. S. W. S. W.+ Jahr 1853: 16 19 3 3 78 81 " 1854: 18 18 5 5 75 77 " 1855: 17 21 8 6 85 81 " 1856: 28 26 9 9 95 78 " 1857: 25 20 13 9 92 74 " 1858: 17 17 13 11 84 79 " 1859: 18 21 12 15 82 76 " 1860: 23 20 15 13 90 83 " 1861: 22 23 11 11 90 88 " 1862: 19 22 21 22 93 88 " 1863: 18 20 20 18 81 81 " 1864: 18 21 16 23 81 102 " 1865: 25 30 21 20 112 107 " 1866: 25 28 20 22 99 105 " 1867: 29 36 20 22 115 123 " 1868: 41 51 20 19 130 129 " 1869: 40 46 20 21 115 112
1870-1885.
=Theologen. Juristen. Mediciner. Philosophen.= Sommer 1870: 36 11 42 27 Winter 1870/71: 42 12 45 30 Sommer 1871: 43 18 58 39 Winter 1871/72: 41 14 69 37 Sommer 1872: 43 14 67 37 Winter 1872/73: 37 13 74 32 Sommer 1873: 38 19 65 28 Winter 1873/74: 43 16 83 26 Sommer 1874: 51 19 69 23 Winter 1874/75: 52 13 71 24 Sommer 1875: 54 25 73 35 Winter 1875/76: 50 25 82 45 Sommer 1876: 50 24 76 49 Winter 1876/77: 38 19 70 50 Sommer 1877: 36 19 62 48 Winter 1877/78: 51 24 74 44 Sommer 1878: 53 26 70 44 Winter 1878/79: 45 26 87 47 Sommer 1879: 48 24 77 49 Winter 1879/80: 49 19 81 42 Sommer 1880: 52 28 76 52 Winter 1880/81: 61 27 99 56 Sommer 1881: 67 33 100 65 Winter 1881/82: 56 41 100 70 Sommer 1882: 66 41 85 72 Winter 1882/83: 55 45 99 67 Sommer 1883: 63 44 100 70 Winter 1883/84: 66 40 108 74 Sommer 1884: 83 40 103 78 Winter 1884/85: 79 46 113 76 Sommer 1885: 82 55 104 84
=Basler. Schweizer. Ausländer. Gesamtzahl.= Sommer 1870: 27 70 19 116 Winter 1870/71: 27 84 18 129 Sommer 1871: 34 95 29 158 Winter 1871/72: 34 96 31 161 Sommer 1872: 37 97 27 161 Winter 1872/73: 32 107 17 156 Sommer 1873: 43 89 18 150 Winter 1873/74: 40 108 20 168 Sommer 1874: 39 101 22 162 Winter 1874/75: 37 105 18 160 Sommer 1875: 52 115 20 187 Winter 1875/76: 49 127 26 202 Sommer 1876: 55 118 26 199 Winter 1876/77: 52 102 23 177 Sommer 1877: 50 90 25 165 Winter 1877/78: 53 110 30 193 Sommer 1878: 58 103 32 193 Winter 1878/79: 55 122 28 205 Sommer 1879: 59 107 32 198 Winter 1879/80: 45 112 34 191 Sommer 1880: 52 119 37 208 Winter 1880/81: 52 151 40 243 Sommer 1881: 62 163 40 265 Winter 1881/82: 60 169 38 267 Sommer 1882: 72 158 34 264 Winter 1882/83: 63 161 42 266 Sommer 1883: 70 169 38 277 Winter 1883/84: 74 173 41 288 Sommer 1884: 90 169 45 304 Winter 1884/85: 82 183 49 314 Sommer 1885: 90 182 53 325
Vom 1. Sept. 1835 bis 1. Sept. 1885 inscribierten sich insgesamt 3285 Studierende.
A. Teichmann.
FUSSNOTEN:
[27] Die erst im J. 1866 eingeführte Trennung in zwei Abtheilungen wurde -- rücksichtlich der Einreihung der Lehrer -- als von Anfang an bestehend behandelt.
[28] M. = Missionszöglinge.
IV.
Sammlungen und Unterrichtsanstalten der Universität.[29]
1. Oeffentliche Bibliothek (Universitätsbibliothek).
Der § 5 des Gesetzes über Verwaltung und Verwendung des Universitätsgutes vom 6. April 1836 lautet:
»Die öffentliche Bibliothek und das Münzkabinet stehen unter einer aus wenigstens fünf Mitgliedern bestehenden [von der Regenz ernannten] Kommission, unter denen der Bibliothekar ist. Der Bibliothekar geniesst als Entschädigung freie Wohnung oder ein angemessenes Aequivalent und die bisherigen Fr. 32 [alter Währung = 2 Louisdor] aus dem Universitätsgut. Seine Ordnung wird von der Regenz entworfen und vom Erziehungskollegium genehmigt. Er wird aus der Mitte der ordentlichen Professoren auf doppelten Vorschlag der Curatel vom Erziehungskollegium ernannt. Die Bibliothek ist für ihre Vermehrung und Erweiterung auf den dazu bestimmten Fond verwiesen.«
Die Stelle des Bibliothekars wurde nach Erlass dieses Gesetzes ihrem bisherigen Inhaber, dem Professor der lateinischen Sprache und Litteratur _Franz Dorotheus Gerlach_, der sie seit 1829 bekleidet hatte, aufs Neue übertragen. Die Bibliothek war im Hause zur Mücke am obern Schlüsselberg aufgestellt. Die Oeffnungszeit derselben war bei der ersten Ernennung _Gerlachs_ von einem auf vier Tage ausgedehnt worden; späterhin, nach der Verlegung der Anstalt ins Museum und nachdem _Gerlach_ bereits von sich aus die ihm durch das Bibliotheksreglement auferlegte Arbeitszeit verlängert hatte, wurde sie auf alle sechs Wochentage erstreckt. Amtswohnung des Bibliothekars war der kürzlich abgebrochene Schönauer Hof hinter dem Münster. Eine Ergänzung der Einnahmen, welche die Zinsen des 1664 gegründeten fiscus bibliothecæ nebst den ihm zugewiesenen Inscriptions- und Examengebühren boten, bildeten die seit 1697 alljährlich eingesammelten Neujahrsgeschenke (strenæ). Der ebenfalls in die Einnahme der Bibliothek fliessende Miethzins des neben der Mücke gelegenen Reinacher Hofes fiel weg, als dieser nach Vollendung des Museumsbaues an den Staat abgetreten wurde. Einen erheblichen Zuwachs der ordentlichen Einnahmen brachte das Universitätsgesetz von 1855, welches festsetzte, dass jährlich 5000 Fr. aus Staatsmitteln an die akademischen Sammlungen vertheilt werden sollten. Der Bibliothek wurden hievon regelmässig 2000 Franken zugewiesen. Zu den strenæ traten im Laufe der Zeit mehr und mehr weitere freiwillige Gaben, Geschenke bei bestimmten Anlässen, Legate, regelmässige und ausserordentliche Beiträge der Akademischen Gesellschaft, des Museumsvereins u.s.w. (neuerdings auch der Ertrag der in der Aula von Universitätslehrern gehaltenen Abendvorlesungen).
Im Jahr 1849 wurde die Bibliothek in das neuerbaute Museum übertragen. Bei dieser Gelegenheit wurde die im Jahr 1822 ausgesonderte Bibliothek des naturwissenschaftlichen Museums wieder mit ihr vereinigt, dagegen das Münz- und Antiquitätenkabinet abgetrennt und unter die Aufsicht einer besonderen Kommission gestellt. Die Amtswohnung des Bibliothekars wurde in den südlichen Flügel des Museums verlegt.
In dem Bibliotheksreglement von 1837 ist von Gehilfen und Custoden die Rede. Schon 1837 erscheint als Custos Cand. theol. _Karl Buxtorf_ (1858 Dr.phil. h.c.); neben ihm finden wir nacheinander verschiedene Gehilfen, die nach Maassgabe der ihnen zugewiesenen Arbeiten honoriert werden. Zu Anfang des Jahres 1856 erfolgte auf Antrag der Bibliothekskommission und unter Genehmigung der Curatel eine neue Regelung des Verhältnisses dieser untern Angestellten durch die Regenz, indem den Herren _Buxtorf_ als Unterbibliothekar und Dr. _Ed. Wölfflin_ als Bibliothekssekretär fixe Gehalte mit der Verpflichtung zu einer bestimmten Arbeitszeit zuerkannt wurden. Diese Gehalte wurden aus den Einnahmen der Bibliothek und einem Beitrage des fiscus legatorum der Universität bestritten. Auf _Wölfflin_ folgten nacheinander die DDr. _Wilh. Vischer_, _Theoph. Burckhardt_, _Karl Meyer_.
Eine völlige Umgestaltung der Bibliotheksverhältnisse brachte das Universitätsgesetz von 1866. Das Bibliothekariat, das bis dahin als Nebenbeschäftigung einem ordentlichen Professor zugetheilt gewesen war, wurde in ein eigenes Amt umgewandelt. Der Bibliothekar, der andre Geschäfte nur mit besondrer Bewilligung des Erziehungskollegiums übernehmen darf, erhält aus Staatsmitteln eine Besoldung von Fr. 3000 (die nach dem Lehrerbesoldungsgesetz von 1875 bis auf 4000 erhöht werden kann); die Amtswohnung fällt weg. Er wird vom Erziehungskollegium auf den Vorschlag der Curatel, welche zuvor das Gutachten der Bibliothekskommission einzuholen hat, auf eine Amtsdauer von sechs Jahren gewählt. Die Bibliothekskommission ist ihm übergeordnet; er wohnt ihren Sitzungen, sofern es sich nicht um seine persönlichen Angelegenheiten handelt, mit berathender Stimme bei. Die nöthigen Unterbibliothekare werden auf seinen Vorschlag von der Bibliothekskommission ernannt und können jeweilen wieder entlassen werden. Für ihre Ausgaben ist die Bibliothek zunächst auf ihren Fiscus angewiesen, ausserdem erhält sie einen regelmässigen Staatsbeitrag von 2500 Franken und kann noch einen weitern aus den 2500 Franken erhalten, die der Kleine Rath jährlich auf Antrag des Erziehungskollegiums an die akademischen Anstalten vertheilt.
In Folge der Umgestaltung der Bibliothekarsstelle trat Professor _Gerlach_ mit Neujahr 1867 zurück, sein Nachfolger wurde Dr. _Wilh. Vischer_. Die Geschäfte der beiden bisherigen Unterbeamten wurden Einem Unterbibliothekar mit erhöhter Besoldung übertragen, und es wurde als solcher Dr. _Karl Meyer_ ernannt. Dr. _Buxtorf_ wurde nach Herstellung aus schwerer Krankheit bei den Vorarbeiten zur Anlage eines neuen Kataloges verwandt und entsprechend honoriert; zu diesen Arbeiten wurden auch eine Anzahl Studenten herangezogen, theils gegen Genuss von Stipendien, deren die Regenz zwei an solche Hilfsarbeiter vergab, theils gegen das Recht einer erweiterten Benutzung der Bibliothek.
Wie schon früher die naturforschende Gesellschaft ihre Bibliothek der Universitätsbibliothek unter gewissen Bedingungen einverleibt hatte, so geschah dasselbe 1868 auch von Seiten der historischen und der antiquarischen Gesellschaft. Im Jahr 1879 wurde unter Vorbehalt des Eigenthumsrechtes der naturforschenden Gesellschaft die derselben von Dr. _Jac. Melch. Ziegler_ geschenkte Kartensammlung, zu deren Fortführung sich ein eigener Verein bildete, der Universitätsbibliothek übergeben.
Im Jahr 1871 trat Bibliothekar _Vischer_ zurück, an seine Stelle wurde Dr. _Ludwig Sieber_ gewählt. Im Jahr 1874 verstand sich die Regenz dazu, an Stelle der Stipendien, die sie bisher an Hilfsarbeiter aus der Studentenschaft vergeben hatte, aus dem fiscus legatorum einen jährlichen Beitrag zur Besoldung eines zweiten Unterbeamten zu gewähren. Es konnten in Folge davon als Bibliothekssekretäre nacheinander angestellt werden die Doctoren _Jul. Cornu_, _Jac. Wackernagel_, _Alb. Burckhardt_, _Ad. Baumgartner_. Im Jahr 1876 wurde durch den Grossen Rath die Stelle eines Bibliotheksdieners errichtet, nachdem die Geschäfte eines solchen bisher dem Universitätspedellen obgelegen hatten.
Trotz diesen Verstärkungen des Personals wurde es bei der stets zunehmenden Benutzung der Anstalt immer schwieriger, die laufenden Geschäfte zu bewältigen, während die Arbeiten für die dringend nothwendige Neukatalogisierung ganz zurücktreten mussten. Als nun zu Anfang des Jahres 1883 Herr Altrathsherr _Peter Merian_ verstarb, der seit vielen Jahrzehnten die Katalogisierung der naturwissenschaftlichen Werke in freiwilliger Weise besorgt hatte, war der Augenblick gekommen, die untern Beamtungen der Bibliothek ebenso umzugestalten, wie es 1866 mit der obersten geschehen war, so dass auch sie nicht eine Nebenbeschäftigung, sondern die Hauptbeschäftigung der damit Betrauten ausmachen sollten. Im September 1883 beschloss der Grosse Rath, dass dem Oberbibliothekar, wie er nun genannt wurde, aus Staatsmitteln ein in Bezug auf Wahlart und Besoldungsansatz gleichgestellter zweiter Bibliothekar solle beigegeben werden. Die Bibliothekskommission ihrerseits übernahm es, aus den Mitteln der Bibliothek eine dritte entsprechende Stelle zu errichten, deren Inhaber in erster Linie an der Herstellung eines neuen Kataloges zu arbeiten hätte. Sie konnte dies um so eher thun, als einerseits die Regenz sich bereit fand, den Beitrag, den sie bis dahin aus dem fiscus legatorum für die Anstellung eines Bibliothekssekretärs gegeben hatte, auch künftig verabfolgen zu lassen, andrerseits die Mittel der Bibliothek selbst in letzter Zeit einen erheblichen Zuwachs erhalten hatten durch ein Legat von 40,000 Franken, mit welchem sie von dem 1880 verstorbenen Herrn _Wilh. Burckhardt-Forcart_ bedacht worden. Als zweiter Bibliothekar wurde der bisherige Unterbibliothekar Prof. _Karl Meyer_ gewählt, als dritter Dr. _Friedr. Thomæ_ aus Frankfurt a.M., der indessen kürzlich einem Rufe an die Universitätsbibliothek in Tübingen gefolgt ist.
Im Jahr 1833, zur Zeit der Auseinandersetzung mit der Landschaft, wurde die Bändezahl der Bibliothek, abgesehen von den etwa 4000 in 1500 Bänden enthaltenen Manuscripten, auf 44,000 geschätzt, im Jahr 1849, nach der Uebersiedlung ins Museum und nachdem die in obiger Schätzung nicht inbegriffene Bibliothek des naturwissenschaftlichen Museums dazu gekommen, auf 70,000. Im Jahr 1870 wurden gegen 100,000 Bände gezählt; jetzt, 1885, mögen es deren gegen 140,000 sein. Der Zuwachs, namentlich der letzten Jahrzehnte, beruht zu grossem Theil auf einer Anzahl mehr oder weniger bedeutender Schenkungen, theils von den Erben verstorbener Professoren, theils von andern Freunden der Anstalt herrührend. Wir verweisen bezüglich derselben auf die Notizen, die sich in den Verwaltungsberichten der Regierung finden, für die letzte Zeit auch auf die gedruckten Jahresberichte der Bibliothek. Der Schenkung der Bibliothek _Wilh. Wackernagels_ durch dessen Erben im Jahr 1870 folgte die Errichtung einer Wackernagelstiftung, aus welcher der Bibliothek bisher alljährlich Fr. 250 zur Vervollständigung der in jener enthaltenen Litteratur zuflossen. Der Ergänzung andrer Zweige der Litteratur dienen ähnliche, kleinere Stiftungen. Der Tod des Herrn _Peter Merian_, der jährlich aus eigenen Mitteln namhafte Summen auf die Ergänzung der naturwissenschaftlichen Abtheilung verwendet hatte, gab Anlass zu einer _Peter Merian-Stiftung_, durch welche der entstehende Ausfall gedeckt werden sollte. Den 56,000 Franken, welche zu diesem Zwecke im Jahr 1883 gesammelt wurden, fügte die Familie des Verstorbenen noch weitere 10,000 bei.
Die Jahreseinnahme der Bibliothek betrug in den ersten Jahren nach der Reorganisation der Universität 4-5000 Franken jetziger Währung, im Jahr 1884 belief sie sich auf Fr. 19,166, eine freilich im Verhältnisse zu den heutigen Bedürfnissen immer noch bescheidene Summe.
Ueber die Benutzung der Anstalt finden sich aus den ersten Jahrzehnten unsres Zeitraums keine Zahlenangaben. Im Jahr 1868, dem ersten, das ganz unter die Herrschaft der neuen Reglemente von 1867 fällt, wurden 3892 Bände an 280 hiesige und 24 auswärtige Benutzer ausgeliehen, im Jahr 1884 6735 Bände gedruckter Bücher und 11 Manuscripte an 412 Hiesige und 62 Auswärtige.
* * * * *
Wegen Verhinderung des Oberbibliothekars zusammengestellt durch den Vorsteher der Bibliothekskommission
Wilhelm Vischer.
2. Kunstsammlung.
Zur Zeit der Reorganisation der Universität im Jahre 1834 bestand unsere Kunstsammlung der Hauptsache nach aus dem schon 1661 bei Anlass der zweiten Säcularfeier der Universität angekauften Amerbachischen Kabinet und der erst neuestens, im Jahr 1823, ihr zugefallenen Fäschischen Kunstkammer. Ragte jenes, nebst seinem Reichthum an Werken der beiden Holbein, hervor als die früheste von einem kunstsinnigen Privatmann gegründete Sammlung, so kam es dieser zu Gute, dass ihr Stifter, der Rechtsgelehrte _Rem. Fäsch_ (1595-1670), so glücklich gewesen war, während der unruhigen Zeiten des dreissigjährigen Krieges seine Kunstschätze sammeln zu können. Für weitere Erwerbungen scheint aber der Sinn noch nicht vorhanden gewesen zu sein, denn während anderthalb Jahrhunderten beschränkte sich der Zuwachs auf eine Anzahl von Gelehrten-Porträts und auf die Schenkung eines dem damaligen Bibliothekar befreundeten St. Gallers in Paris, welcher zwischen 1717 und 1724 der Sammlung eine Reihe der eben dort in Kupferstich erschienenen Prachtwerke vergabte. So mag es sich auch erklären, dass immer noch das alte Lokal zur Mücke, in welches die Kunstsammlung mit der Universitätsbibliothek sich theilen musste, für genügend gelten konnte.
Eine günstigere Zeit brach für unsere Kunstsammlung erst an, als diese nach den Wirren der dreissiger Jahre um den Preis von Fr. 22,500 n.W. aus der Theilung mit Baselland für die Stadt hatte können gerettet werden. Wie für die Universität, deren Erhaltung noch weit grössere Opfer erfordert hatte, so erwachte nun auch für die mit ihr verbundenen wissenschaftlichen Sammlungen ein ganz neues Interesse. Die erste Frucht desselben war der schon 1840 angeregte Gedanke, durch das Zusammenwirken freiwilliger Geber mit den staatlichen Behörden ein Museum zu errichten, in welchem gleichzeitig alle Sammlungen der Stadt ihre würdige Aufstellung finden könnten. Zugleich wurde die Kunstsammlung, welche bis dahin nur ein Anhängsel der Universitätsbibliothek gebildet hatte, behufs selbstständiger Verwaltung einer anfänglich aus fünf, später aus sieben Mitgliedern bestellenden Kommission unterstellt, deren erster Vorsteher Herr Prof. _Friedr. Fischer_ war. Ihm folgte Herr Prof. _Wilh. Wackernagel_ und nach dessen Rücktritt Herr Dr. _Ed. His-Heusler_. Diese Vorsteher sowohl als einzelne Mitglieder erwarben sich um die Sammlung nicht geringe Verdienste durch Ordnen und Katalogisieren ihres nach und nach zu ansehnlicher Bedeutung erwachsenen Bestandes an Handzeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten. Als 1849 das neue Museum fertig dastand, konnte Dank diesen Vorarbeiten um so leichter und übersichtlicher das Vorhandene in die neuen, höchst zweckentsprechenden Räumlichkeiten eingeordnet werden; die Gemälde in den schönen Oberlichtsaal, die vorzüglichsten Handzeichnungen, in viel grösserer Zahl als früher eingerahmt, schmückten die Wände des Vorsaales, während die verschliessbaren Schränke in der Mitte desselben den übrigen Bestand an einzelnen Stichen und Kopierwerken aufnahmen. Durch Ausscheidung und Herübernahme aller derjenigen Werke aus der Universitätsbibliothek, welche die Kunstgeschichte berühren, ward zugleich der Grund zu einer gesonderten Kunstbibliothek gelegt und so im Wesentlichen nunmehr erst die Sammlung dem eigentlichen Kunststudium dienstbar gemacht.
Wie sehr dieselbe aber durch ihre Versetzung in das neue Museum auch in der Werthschätzung der Bürger- und Einwohnerschaft gestiegen sei, das zeigte sich schon in dem weit zahlreichern Besuche, und auf erfreulichere Weise noch in den zahlreichen Schenkungen und Vermächtnissen, welche nun der Sammlung zuzufliessen begannen. Nicht nur aus dem, was der Einzelne etwa an Kunstschätzen besass, ward ein schönes Stück um's andre der öffentlichen Sammlung übergeben, auch wo Gelegenheit sich bot, Neues zu erwerben, da standen sofort Gönner und Geber zusammen, um durch ihre oft namhaften Beiträge den Ankauf eines Kunstwerkes zu ermöglichen.
Ausdrücklicher Erwähnung bedürfen einige Stiftungen besonderer Art. Zuerst war es die durch ihren Kunstsinn bekannte Fräulein _Emilie Linder_, die von 1847 an von München aus durch fast jährlich wiederholte Geschenke, sowohl aus ihren eigenen Erwerbungen, als aus dem reichen Nachlass ihres Grossvaters, des Stiftsschaffners _J. C. Dienast_, die Sammlung ihrer Vaterstadt bedachte, bis durch ihre letztwillige Verfügung 1867 jener Nachlass selbst der Sammlung zufiel. Waren unter den zahlreichen Oelgemälden und den prächtigen Handzeichnungen, welche letztere allein einen ganzen Saal füllen, vorzugsweise die Meister der neuern Münchnerschule vertreten, so fand sich unter dem reichen Vorrath an Kupferstichen und Holzschnitten neben einer Reihe von Dürer'schen Blättern mehr als die Hälfte des ganzen Werkes von _Rembrandt_, nicht zu gedenken der grossen Zahl von Kunstbüchern, welche die Bibliothek unserer Sammlung aufs Erwünschteste ergänzten.
Noch ehe aber diese Schätze alle in den Besitz der Kunstsammlung gelangt waren, fiel ihr ein zweites, nicht minder bedeutendes Vermächtniss zu, nämlich was die beiden Künstler und Kunsthändler _Peter Birmann_, der Vater, und sein Sohn _Samuel Birmann-Vischer_ (gest. 1846) an Gemälden, namentlich der niederländischen, französischen und italienischen Schule, sowie an Kupferstichen (über 20,000) zusammengebracht hatten, dazu noch neben einer reichhaltigen Kunstbibliothek die schon oben (Seite 40) erwähnte Kapitalstiftung für den Ankauf von Werken schweizerischer Künstler bestimmt.
Mehr noch durch den hohen Kunstwerth als durch die Zahl bedeutend war die Schenkung, welche in den Jahren 1850 und 1851 die Sammlung dem Gemeinsinn des Herrn _Peter Vischer-Passavant_ und seiner Erben zu verdanken hatte; befanden sich doch darunter zwei Originalzeichnungen Dürers, welche nun eine Hauptzierde unserer Handzeichnungssammlung bilden. Das Jahr 1859 brachte ferner das Vermächtniss von Fr. 10,000 von Seiten der Ehegatten _Bleiler-Mieg_, dessen Ertrag theils zur Erwerbung von Kunstgegenständen, theils zur Förderung angehender Künstler sollte verwendet werden. Eine gleiche Summe stifteten im Jahr 1862 die Erben des Herrn Bürgermeister _Felix Sarasin_ zur Anschaffung von Werken kunstwissenschaftlichen Inhalts und Fr. 5000 Herr Notar _Gedeon Meyer_ zum Ankauf von Gemälden. Endlich erfolgte im Jahre 1880 das Legat des Herrn W. _Burckhardt-Forcart_, durch welches dem Museumsverein eine Reihe auserlesener Werke der bisher nur schwach vertretenen holländischen Schule, sowie einige treffliche Bilder spanischer, deutscher und vlämischer Meister zufielen.