Die Universität Basel in den fünfzig Jahren seit ihrer Reorganisation im Jahre 1835

Part 10

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Der Erfolg war ein Beitrag von circa 5000 Fr. an Geschenken aus dem Publikum. Verbessert wurden diese Verhältnisse durch das Gesetz vom 6. April 1836 über Verwendung des Universitätsgutes, wonach von nun an dem Museum aus letzterem ein jährlicher Beitrag von Fr. 800 zugewiesen wurde. Die Kommission zum Museum wurde bei diesem Anlass von der Regenz neu bestellt aus den Herren P. _Merian_, Präsident, Proff. _Meissner_, _Schönbein_ und J.J. _Mieg_, Dr. L. _Imhoff_ und Dr. J.J. _Bernoulli_. Dazu kamen wiederholt ausserordentliche Beiträge von Seiten der Gemeinnützigen Gesellschaft, welche sich schon seit längerer Zeit mit einem regelmässigen Beitrag von Fr. 200 betheiligt hatte, sowie von Privaten; namentlich flossen solche Hilfsquellen ergiebig bei Anlass der Versammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Basel im Jahre 1838.

Auch die Geschenke an Naturalien, über deren ältern Bestand und Quellen auf den schon genannten Bericht (Note 1) verwiesen werden kann,[32] nahmen wieder in erfreulicher Weise zu. An grösseren derartigen Vergabungen sind zu nennen die von den Professoren _Peter_ und _Rud. Merian_ zu Gunsten des Museums angekaufte Sammlung von Versteinerungen aus England von Professor Meissner; ferner eine ansehnliche Sammlung von Vögeln und Säugethieren von Herrn _Dettwyler_ von Langenbruck, niedergelassen in Pennsylvania, eine ähnliche Sammlung von Dr.Fr. _Ryhiner_ in Illinois, dann eine Sammlung von Land- und Süsswasser-Conchylien aus der Umgebung von Basel von Dr. J.J. _Bernoulli_, und in den vierziger Jahren eine Reihenfolge von höchst werthvollen Geschenken von Missionar _Riis_ von der afrikanischen Goldküste und später von den Antillen; von Herrn _Carl Respinger_ und Stadtrath _Bischoff-Respinger_ Thiere aus Mexico und Havannah, ähnliche Sendungen aus Mexico von Herrn _Bened. Wölfflin_, schweizerischem Konsul daselbst, javanische Vögel von Dr.C. _Streckeisen_ u.s.f. Für die Thierwelt der Goldküste besass Basel lange Zeit eine der bestversehenen Sammlungen. 1844 kaufte die Akademische Gesellschaft für das Museum von Prof. _Klipstein_ in Giessen eine ansehnliche Sammlung von Gipsabgüssen fossiler Säugethiere aus Rheinhessen (darunter den colossalen Schädel des Dinotherium).

Durch diese günstigen Verhältnisse hob sich der Zustand der meisten Abtheilungen in ansehnlicher Art. Des regelmässigsten und reichsten Ausbaues erfreute sich stets durch die Fürsorge ihres besonderen Vorstehers, P. _Merian_, woran sich auch während langer Zeit Dr. _Christ. Burckhardt_ betheiligte, die Abtheilung der Conchylien und Petrefakten, unter welchen namentlich die Echinodermen schon frühe eine hohe Stelle einnahmen. In gleich günstiger Lage befand sich die unter derselben Fürsorge stehende Mineraliensammlung, welcher von auswärts ansehnliche Geschenke, hauptsächlich von Hrn. C. _Vischer-Passavant_ in Mexico, zuflossen. Auch die Insektensammlungen, sowie diejenige der Corallen standen in raschem Fortschritt und ebenfalls vorwiegend durch Geschenke, unter welchen die reiche Privatsammlung von Dr. L. _Imhoff_, die lange Zeit den Grundstock dieser Abtheilung bildete, und die wiederholten Geschenke von Hrn. _Andr. Bischoff-Ehinger_ in erster Linie zu nennen sind. Die eigenen Hilfsmittel des Museums wurden dafür hauptsächlich auf Vervollständigung der früher unbedeutenderen Abtheilungen der Säugethiere und Vögel verwendet, deren Betrag hiedurch, wie durch die erwähnten Geschenke von auswärts, sich rasch hob. Am weitesten zurück blieben immer noch, obschon sie mindestens für Westafrika sehr Werthvolles enthielten, die Abtheilungen der Reptilien und Fische, sowie, mit Ausnahme der trocken aufzubewahrenden, diejenigen der niedern Thiere. Eine von Prof. _Alex. Ecker_ in Triest angelegte Sammlung von Meeresthieren der Art wurde im Jahre 1847 von der Naturforschenden Gesellschaft angekauft.

Durch all das war allmählig das im Jahre 1822 bezogene Lokal im Falkensteiner Hof zu eng geworden. Im December 1841 entschloss sich daher eine zu diesem Zweck gebildete Kommission, bestehend aus Mitgliedern des Kunstvereins, der Naturforschenden Gesellschaft und der Bibliothekskommission, zum Aufruf an die Bürgerschaft, für die Erbauung des gegenwärtigen Museums, wozu der Grosse Rath durch Beschluss vom 21. März 1843 seine Betheiligung zusagte. An der Herstellung hat der Staat Fr. 184,000, die Stadt 16,000, der Universitätsfond 15,000, die Bürgerschaft nahezu 70,000 Fr. beigetragen. Schon im Spätjahr 1847 wurde das Gebäude bezogen und am 26. November 1849 eröfnet.[33] Das Jahr 1850 fügte dazu die Stiftung des Museumsvereins, der sich ausschliesslich die Sorge für die verschiedenen Sammlungen der neuen Anstalt zum Zweck setzte, und dessen kräftiger Beihilfe sich auch die naturhistorische Abtheilung besonders häufig zu erfreuen hatte.

Wenn wir uns für die fernere Entwicklung unserer Anstalt seit diesem Wendepunkt an eine Eintheilung halten, die sich von selbst aufdrängt, so wurden die regelmässigen Hilfsquellen, die also von 1849 an aus Fr. 800 aus dem Universitätsgut und Fr. 200 von der Gemeinnützigen Gesellschaft bestanden hatten, schon von 1850 an von dem Museumsverein um einen erst wechselnden, von 1857 an um einen auf Fr. 850 festgestellten Jahresbeitrag vermehrt, wozu aber sehr häufig ausserordentliche Beiträge kamen. Vom Jahr 1852 an wurde der Beitrag aus dem Universitätsgut auf Fr. 1200, derjenige der Gemeinnützigen Gesellschaft auf Fr. 300 gestellt. Von 1857 an kam zu dem ordentlichen Beitrag aus dem Universitätsgut noch ein ausserordentlicher aus dem Kredit für die akademischen Sammlungen, der im Durchschnitt dem ordentlichen an Höhe gleich stand, und vom gleichen Jahre an setzte der Museumsverein seinen jährlichen Zuschuss auf 850 Fr. Vom Jahre 1862 an flossen ferner zum ersten Mal ansehnliche Zuschüsse aus den durch Grossrathsbeschluss dem Museum zugewiesenen Zinsen von auswärtigen Anlagen der Universität, als »Spezialfonds für das naturhistorische Museum.«

Durch Universitätsgesetz vom 30. Januar 1866 wurde endlich das naturhistorische Museum abgetrennt von dem physikalischen Kabinet und der chemischen Anstalt und unter Leitung einer besondern Kommission von wenigstens fünf Mitgliedern gestellt, wozu die ordentlichen Professoren der Zoologie und Geologie gehören sollten. Gewählt wurden von der Regenz unter dem Präsidium von P. _Merian_ die Professoren L. _Rütimeyer_ und _Albr. Müller_, ferner Dr. _Christ. Burckhardt_, Dr. L. _Imhoff_, wovon letzterer der Kommission schon seit 1834, die beiden vorhergenannten seit 1849 angehört hatten. 1867 kam dazu Herr _Andr. Bischoff-Ehinger_. Nach dem nemlichen Gesetz wurde das Museum für Unterhalt und Vermehrung zunächst auf die Eingänge des etwa 40,000 Fr. betragenden naturwissenschaftlichen Fonds und auf einen regelmässigen Staatsbeitrag von Fr. 500 angewiesen, so dass seit diesem Jahr die regelmässigen Einnahmen bestehen aus circa 2000 Fr. aus dem erwähnten Spezialfond, 500 Fr. ordentlichen und seit einer Anzahl von Jahren 500 Fr. ausserordentlichen Kredites (für die akademischen Sammlungen) von der Kirchen- und Schulgutsverwaltung, aus dem Beitrag von der Gemeinnützigen Gesellschaft von Fr. 300 bis 1877 und seither Fr. 500, aus dem regelmässigen Beitrag von Fr. 700 vom Museumsverein und, seit 1867, einem Jahresbeitrag von Fr. 115 von der Akademischen Gesellschaft. Seit dem Tode des Herrn _Bischoff-Ehinger_ ist dazu für die entomologische Sammlung ein besonderes Legat gekommen, das derselben jährlich 80 Fr. abwirft.

In und ausserhalb Basel ist bekannt genug, dass dabei ausserordentliche Hilfsquellen nicht fehlten. Wie für andere Anstalten, so sind auch für das naturhistorische Museum, wo es sich um grössere Einrichtungen oder besonders kostspielige Ankäufe handelte, bald die Behörden, bald freiwillige Korporationen, in besonders kräftiger Weise vor allem der Museumsverein hilfreich eingestanden. Zudem verzeichnet das Schenkbuch häufig, und bei besonderen Anlässen oft sehr ansehnliche freiwillige Beiträge von Freunden und aus Trauerhäusern, den letzten und grössten im Jahre 1883, von den Hinterbliebenen des Mannes, der unserer Anstalt als Mitglied der Kommission seit 1821, als Präsident derselben seit 1830 angehörte und ihr bis zu seinem Tode in stets gleicher Fülle sein ungewöhnlich reiches Kapital an Wissen, an Einsicht und an Einfluss zugewendet hat.

Ueber den unter solchen Verhältnissen erreichten Inhalt der Sammlungen geben die zwei oben genannten Berichte für 1883 und 1884 einlässliche Auskunft. Wir entnehmen denselben für die hier in Rede stehende Periode nur folgende Zahlen:

1834 1884 Säugethiere Arten-Zahl 75 462 Vögel 545 2,361 Reptilien 136 1,287 Fische 222 623 Conchylien 653 4,464 Gliederthiere 3,480 etwa 32,000 Corallen (lebende) 100 211

Es weisen also einzelne Abtheilungen in dem Zeitraum von fünfzig Jahren eine Verfünffachung bis Verzehnfachung der Spezies-Zahl auf. Dasselbe würde, wenn Zählung von Spezies sich hier durchführen liesse, für die Versteinerungen gelten, über deren Bestand der Bericht von 1884 eine allgemeine Uebersicht giebt.

Wenn dieser Anwachs für die Pfleger der einzelnen Sammlungen vor allem in der die Aufstellung immer bedenklicher erschwerenden Raumanfüllung an den Tag trat, so mag er für das Publikum in umgekehrter Weise durch scheinbare Raumvermehrung bemerkbar geworden sein. Im Jahr 1877 wurde zuerst ein neues Lokal in dem bisherigen amphitheatralischen Hörsaal eröffnet zu besonderer Aufnahme der Reptilien und Fische, deren ausserordentlich starke Zunahme bezeichnet ist durch den im Jahr 1875 erfolgten Eintritt von Hrn. Dr.Fr. _Müller_ in die naturhistorische Kommission. Im Jahr 1879 kam dazu ein neues Lokal hinter der Aula für Aufnahme einer besondern Sammlung von fossilen Wirbelthieren. Veranlasst war dieselbe zunächst durch den reichen Zufluss von Gipsabgüssen von Ueberresten grösserer Säugethiere aus einer grossen Zahl von Museen Frankreichs und Italiens. Jetzt birgt sie auch die für die Schweiz einzig dastehende Sammlung fossiler Säugethiere aus den Bohnerzen von Egerkingen, die uns Hr. Pfarrer _Cartier_ in Ober-Buchsiten im Jahr 1884 zum Geschenk gemacht hat, und eine sehr ansehnliche Originalsammlung ähnlicher Art aus Südfrankreich. 1882 wurde ein ferneres Lokal für die Aufstellung der Crustaceen, und 1883 eines für die Corallen eröffnet, beide letzteren ebenfalls besorgt von Herrn Dr.Fr. _Müller_.

Da es nicht das Ziel dieses Berichtes sein kann, auf die Veränderungen im Bestand der Sammlung im Detail einzugehen und ohnehin das Wesentliche dieser Veränderung vielmehr in der allmähligen Vervollständigung der wissenschaftlichen Bedeutsamkeit des Inhalts, als etwa in Bauschzahlen oder Arealzunahme besteht, so ist es doch billig, auch für die Periode seit 1849 die grössern Schenkungen, so weit dies nicht schon geschehen ist, namentlich aufzuführen. Unablässig folgen sich hier, wenn auch in den amtlichen Berichten selten namentlich erwähnt, die Geschenke von P. _Merian_, vor allem auf dem Gebiet der Versteinerungen. 1862 erfolgte durch Testament von Hrn. Fr. _Heusler_ die Vereinigung von dessen aus 3-4000 Stücken bestehenden Mineraliensammlung mit dem Museum. Während nahezu eines Jahrzehntes folgten sich in den vierziger und fünfziger Jahren Zusendungen an Naturalien verschiedener Art von Dr.C. _Dieterich_, erst aus Aegypten, später aus Michigan. Aus derselben Zeit, etwa von 1850 an, datieren öftere Geschenke an Insekten von Hrn. _Andr. Bischoff-Ehinger_, welche nach dessen Tode im Jahre 1875 abschlossen mit der Vergabung seiner gesammten, etwa 18,000 Arten umfassenden Privatsammlung, nebst entomologischer Bibliothek und einem schon genannten Spezial-Legat für Pflege der Sammlung. Andere Insekten-Zuflüsse verdanken wir Herrn _Rud. Geigy_ und Herrn _Adolf Burckhardt-Bischoff_. Das Jahr 1871 brachte von den Erben von Prof. _Schönbein_ die ungefähr 3000 Arten enthaltende Conchyliensammlung von dessen Schwiegervater, Kanzleirath _Benz_ in Stuttgart, das Jahr 1876 die Petrefaktensammlung des im Jahr zuvor verstorbenen Dr. _Christoph Burckhardt_. Schon zwei Jahre vorher hatte Herr Dr. _Victor Gilliéron_ eine ansehnliche Sammlung ähnlicher Art aus dem Kanton Freiburg, dem Jura und der Umgebung von Basel dem Museum zum Geschenk gemacht. Der Vogelsammlung fielen grössere Schenkungen zu aus Ostindien im Jahr 1855 von Herrn _Rud. Geigy_, aus Australien von Hrn. _Achilles Bischoff_, und besonders reichlich (274 Arten) aus Brasilien von Herrn _Carl Euler_, und von eben daher 1873 von Konsul _Heinr. David_ daselbst. 1870 fiel durch Testament die ansehnliche Privatsammlung einheimischer Vögel (ca. 90 Arten in 600 Exemplaren) von Prof. J.J. _Mieg_ dem Museum zu. -- Die in einigen Zahlen schon angedeutete gewaltige Zunahme der Reptilien beruht hauptsächlich auf den von 1864-1878 fast jährlich wiederholten Geschenken von Dr. _Gust. Bernoulli_ in Guatemala und seit 1875 auf den an Auswahl nothwendiger Weise immer judiziöser gewordenen von Hrn. Dr.Fr. _Müller_. Aus dem Ausland sind dazu in den letzten Jahren wiederholt Zusendungen von Hrn. Dr.C. _Passavant_ und Dr.E. _Mähly_ aus Westafrika und von den Herren Dr. _Paul_ und _Fr. Sarasin_ aus Ceylon gekommen. Das letzte und eines der reichsten von derartigen Geschenken seit fünfzig Jahren, dasjenige von Hrn. Pfarrer _Cartier_, ist schon genannt worden.

Von dieser Aufzählung wäre es endlich unrecht die einzelnen hervorragenden Erwerbungen auszuschliessen, welche ihrer Seltenheit oder Bedeutung halber ein ausserordentliches Zusammenwirken von Gesellschaften und Privaten erforderten. Dahin gehört der Ankauf eines fossilen Krokodiles (Mystriosaurus) aus dem schwäbischen Lias im Jahr 1865, im Jahr 1871 die Erwerbung eines damals noch ungewöhnliche Opfer erfordernden Gorilla-Skelettes, die im Jahr 1876 als Nachgabe zu der schweizerischen Naturforscherversammlung in Basel erfolgte Schenkung der prachtvollen Ichthyosaurus-Tafel in dem palæontologischen Saal hinter der Aula, im Jahr 1877 die Erwerbung des schönen fossilen Moa-Skelettes (Palapteryx) und aus neuester Zeit die mehr als zur Hälfte durch Geschenk zu Stande gekommene prächtige Pentacrinitengruppe, welche seit diesem Jahr den Mineraliensaal schmückt.

Bezüglich des Personals der die Sammlungen besorgenden Kommission ist zu dem bereits Gesagten nur nachzutragen, dass dieselbe im Jahr 1868 durch den Tod Herrn Dr.L. _Imhoff_, im Jahr 1875 die Herren Dr.Chr. _Burckhardt_ und A. _Bischoff-Ehinger_ verlor, welche alle drei der Sammlung durch seltene Hingabe, die bis über den Tod hinaus dauerte, ausserordentliche Dienste geleistet hatten. Zum Ersatz traten durch Wahl der Universitäts-Regenz ein 1875 Hr. Dr.Fr. _Müller_, 1879 Hr. Fr. _Riggenbach-Stehlin_. Am 8. Februar 1883, zehn Tage nachdem er mit zum ersten Mal veränderter Handschrift seinen achtundvierzigsten Jahresbericht über das Museum niedergeschrieben hatte, schied _Peter Merian_. Von der Regenz wurde zum Vorsteher der Kommission der Unterzeichnete und als neues Mitglied Hr. Dr.V. _Gilliéron_ gewählt. Schon von 1877 an war als freiwilliger Mitarbeiter an der Abtheilung der Schmetterlinge Hr. _Hans Sulger_ beigetreten. Die besondere Aufsicht über die Bischoff-Ehinger'sche Sammlung war nach dessen Tode Herrn _Heinrich Knecht_ übertragen worden. Eines Präparators haben wir uns seit 1875 enthalten und die sämmtliche Besorgung, abgesehen vom Ausstopfen, das auswärts geschieht, ohne strenge Scheidung der Gebiete, auf unsere Mitglieder vertheilt, an Prof. _Albr. Müller_ für Mineralogie und einen Theil der Petrefaktensammlung, Hrn. _Hans Sulger_ und H. _Knecht_ für Insekten, Herrn Dr. Fr. _Müller_ für die übrigen wirbellosen Thiere und für Fische und Reptilien, an den Unterzeichneten für Vögel und Säugethiere und den übrigen Theil der Petrefaktensammlung.

L. Rütimeyer.

6. Physikalische Anstalt.

Im Jahre 1835 bildete das physikalische Kabinet einen Theil des im Jahre 1821 gegründeten naturwissenschaftlichen Museums, und es war ihm ein Raum im Falkensteiner Hof zu ebener Erde links eingeräumt. Vorsteher desselben war _Chr. Fr. Schönbein_, der an der Universität zugleich die Chemie und Physik vertrat und die letztere Wissenschaft auch in der obersten Klasse des Pädagogiums (obern Gymnasiums) lehrte. Die Apparate des Kabinets dienten zu den die Vorträge begleitenden Demonstrationen, so wie auch zu den Forschungen des Professors, die, soweit sie die Physik betrafen, hauptsächlich dem Gebiete des Voltaismus angehörten. Im Jahre 1849 siedelte die physikalische Anstalt mit den andern wissenschaftlichen Sammlungen in das neuerbaute Museum an der Augustinergasse über; sie erhielt daselbst zu ebener Erde links einen schönen grossen Saal, der sich aber der feuchten Nordlage wegen nicht besonders zur Aufbewahrung der Instrumente eignete; der daran stossende speziell für die physikalischen Vorlesungen bestimmte Hörsaal wurde seiner schlechten akustischen Eigenschaften wegen nur selten entsprechend seiner Bestimmung gebraucht und diente später mehr als Laboratorium. Durch das Gesetz vom 30. März 1852 wurde der Lehrstuhl der Physik von dem der Chemie abgetrennt und Herrn _Christoph Stähelin_ sel. übertragen; Gesundheitsrücksichten nöthigten diesen, schon nach Ablauf eines Jahres zurückzutreten, und es wurde als Professor der Physik an der Universität Herr Dr. _Gustav Wiedemann_, bis dahin Privatdocent in Berlin, berufen. Dieser wusste nicht nur durch seinen frischen und anregenden Vortrag die Studierenden und ein weiteres wissenschaftliches Publikum für die Physik zu interessieren, sondern er hat auch in den äusserst mangelhaften Laboratoriumsräumen bedeutende wissenschaftliche Arbeiten, besonders aus der Lehre des Galvanismus und Magnetismus zu Tage gefördert. Im Jahre 1863 verliess er nach zehnjähriger reicher Thätigkeit Basel und wandte sich einem weiteren Wirkungskreise in Deutschland zu; der Lehrstuhl der Physik in Basel wurde nunmehr dem Unterzeichneten anvertraut. Die bedeutenden Fortschritte auf dem Gebiete der experimentellen Wissenschaften und die damit stets wachsenden Anforderungen bezüglich passender Einrichtungen für Forschung und Demonstration liessen den Mangel der Räumlichkeiten im Museum stets mehr empfinden und dem Wunsche, der Physik und Chemie eine neue Stätte zu bereiten, konnte entsprochen werden, als die Akademische Gesellschaft sich mit der Kommission, welche den beim Universitätsjubiläum 1860 gestifteten Sternwartefond verwaltete, zu gemeinsamem Vorgehen verständigte und mit noch weiterer Unterstützung von Seite des Staates, des Universitätsvermögens, der Stadtgemeinde, des Museumsvereines, der Gemeinnützigen Gesellschaft und mancher Freunde der Universität auf dem hohen Wall in der Nähe des Petersplatzes eine neue Anstalt für Physik, Chemie und Astronomie gründete, in Erinnerung an die berühmten Basler Mathematiker _Bernoullianum_ nannte und im Jahre 1874 der Universität als Geschenk übergab; nahezu 90% der für Bau und Ausrüstung nöthigen Summe von ungefähr Fr. 410,000 sind auf Privatweg durch freiwilligen Opfersinn beigesteuert worden. Die physikalische Anstalt nimmt nun die westliche Hälfte dieses Gebäudes ein. Sie hat zu ihrer Verfügung einen hellen trockenen Saal für die Instrumentensammlung, einen zweckmässigen Hörsaal für die Universitätsvorlesungen, ein praktisch eingerichtetes Laboratorium, in dem zeitweise vorgerücktere Praktikanten wissenschaftliche Forschungen machen und regelmässig die Uebungen der Studierenden der Medicin und der Naturwissenschaften abgehalten werden; ferner ein Zimmer und ein Laboratorium für den Professor der Physik, der zugleich Vorsteher der Anstalt ist, die nöthigen Lokalitäten für Aufstellung der galvanischen Batterie, photometrische Messungen und für Versuche, die grosse Höhe verlangen, einen Maschinenraum und eine mechanische Werkstätte, in welcher der Gehilfe die für Forschung und Demonstration nöthigen Konstruktionen und Reparaturen ausführen kann. Im ersten und zweiten Stock sind die Räumlichkeiten und Instrumente für die Meteorologie und die Astronomie; sie stehen mit der Physik unter der gleichen Direktion und werden seit einigen Jahren von Herrn Dr. _Albert Riggenbach_ besorgt, der freiwillig die Assistentenstelle für die beiden genannten Wissenschaften versieht. Ein grosser ungefähr 450 Personen fassender Hörsaal in der Mitte des Gebäudes eignet sich auch besonders zu physikalischen Demonstrationen und wird jeden Winter regelmässig bei öffentlichen populären Vorträgen zur Verbreitung physikalischer Kenntnisse in weiteren Kreisen benützt. In den verflossenen elf Jahren, während welcher die Physik im Bernoullianum haust, wurde manches zur Vervollkommnung gethan. Der Vorsteher war stets bestrebt, die Sammlung der Instrumente und die Einrichtungen für Demonstration und Forschung zu vervollständigen und, so weit es die sehr bescheidenen Mittel gestatteten, dem steten Fortschritt der Wissenschaft entsprechend den Bedürfnissen anzupassen; in dieser Hinsicht möchten wir besonders erwähnen die Aufstellung der astronomischen Instrumente im Jahre 1878, worauf die Akademische Gesellschaft etwas über Fr. 32,000 aus dem von ihr übernommenen Sternwartefond verwandte, und die Installation eines Gasmotors und einer Dynamomaschine mit den nöthigen Einrichtungen für Projektion mit elektrischem Licht im Jahre 1881, wozu der Ertrag besonderer Vorträge und freiwillige Gaben von Freunden der Wissenschaft die Mittel mit ungefähr Fr. 11,000 liefern mussten.

Die Kosten für Laboratorium und Sammlung werden theils aus dem Staatskredit, theils aus Beiträgen der Akademischen Gesellschaft und des Museumsvereins, theils aus Geschenken verschiedener Freunde der Anstalt bestritten; in den verflossenen elf Jahren kamen ausser der auf Anschaffung der astronomischen Instrumente schon erwähnten Summe folgende Einnahmeposten der physikalischen Anstalt zu:

vom Staate direkt Fr. 13,800.-- von freiwilligen Gesellschaften » 10,572.-- von Freunden » 19,826.--

also durchschnittlich im Jahr Fr. 4000.--, wovon der Staat 31%, die freiwilligen Gesellschaften 24% und die Freunde 45% gaben; es wurden somit von den Ausgaben für die physikalische Anstalt mehr als zwei Drittel durch freiwillige Privatbeiträge gedeckt. Ausserdem sind, wie das Schenkbuch aufweist, noch manche verschiedene theils sehr werthvolle Apparate, wobei wir ganz besonders die von Herrn _Handmann-Howald_ sel. uns übergebenen elektrischen Instrumente erwähnen, so wie auch Präparate, Bücher, Photographieen und Zeichnungen von manchen Gönnern unserer Anstalt geschenkt worden.

Nähere Auskunft über die Geschichte und Einrichtung der physikalischen Anstalt geben folgende Druckschriften:

1. Die Eröffnungsfeier des Bernoullianums in Basel am 2. Juni 1874 mit der Festrede von Professor _Fritz Burckhardt_.

2. Bernoullianum, Anstalt für Physik, Chemie und Astronomie an der Universität Basel. -- Beschreibung und Pläne herausgegeben von _Eduard Hagenbach_, Professor der Physik, _Julius Piccard_, Professor der Chemie und J.J. _Stehlin_, Architekt. Basel 1876.

3. Bericht über die Ausrüstung der astronomischen Anstalt von _Ed. Hagenbach_. Basel 1878.

Jahresberichte über die physikalische Anstalt werden seit 1879 als Beilage zum Jahresbericht der Akademischen Gesellschaft gedruckt.

Ed. Hagenbach-Bischoff.

7. Chemische Anstalt.