Die Universität Basel in den fünfzig Jahren seit ihrer Reorganisation im Jahre 1835
Part 1
Note: Images of the original pages are available through Internet Archive/American Libraries. See https://archive.org/details/dieuniversithat00teicrich
Anmerkungen zur Transkription:
Folgende Zeichen sind für die verschiedene Schriftformen benutzt:
_gesperrt gedruckter Text_
=fett gedruckter Text=
+kursiv gedruckter Text+
Eine Liste der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
DIE UNIVERSITÄT BASEL IN DEN FÜNFZIG JAHREN SEIT IHRER REORGANISATION IM JAHRE 1835.
PROGRAMM ZUR REKTORATSFEIER UND ZU DEM MIT IHR VERBUNDENEN JUBILÄUM DER FREIWILLIGEN AKADEMISCHEN GESELLSCHAFT
IM AUFTRAG E.E. REGENZ
UNTER MITWIRKUNG DER ANSTALTSVORSTEHER
ZUSAMMENGESTELLT
von
Prof. Dr. ALBERT TEICHMANN.
Basel. Schultze'sche Universitäts-Buchdruckerei (L. Reinhardt) 1885.
VORWORT.
Nachdem 1883 und 1884 die Universitäten Zürich und Bern ihr 50jähriges Bestehen gefeiert haben, schickt sich in diesem Jahre auch die ältere Schwester in den Grenzmarken des Schweizerlandes an, bei einer ähnlichen Feier einen Rückblick zu werfen auf eine gleich lange Periode der Entwicklung seit dem Jahre, in welchem der hochherzige Sinn der Behörden und der Bürgerschaft ihre Fortexistenz sicherte und ihr eine den Verhältnissen jener Zeit entsprechende Organisation gab.
Eingedenk der zu eigenem Gewinn siegreich bestandenen Prüfungen, wie andrerseits der erhebenden vierten Säcularfeier vor 25 Jahren, will sie bei der auf engere Kreise beschränkten diesjährigen Feier im Bewusstsein eines nunmehr verwirklichten grösseren Aufschwungs den Tribut des Dankes darbringen ihrer treuen, zur Hilfe stets bereiten Genossin in diesen 50 Jahren, der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft, welche, wenige Tage vor Einweihung der neu organisierten Universität im Jahre 1835 gestiftet, ihr Fest mit der Rektoratsfeier der Universität verbindet.
E.E. Regenz beschloss, bei diesem Anlass eine Schrift zu veröffentlichen, welche einen Einblick in die Organisation und die ökonomischen Verhältnisse der Universität, einen Ueberblick über das Lehrpersonal und die Studentenschaft der letzten 50 Jahre, eine Uebersicht über die mit der Universität verbundenen Sammlungen und Anstalten gewähren soll.
Möchte die nachfolgende bescheidene Schrift dazu anregen, bisher Versäumtes nachzuholen und dem durch einige der Jubelschriften und die Rektoratsrede im Jahre 1860 gegebenen meisterlichen Vorbilde in Fortführung dieser geschichtlichen Arbeiten nachzueifern!
Allen denen, welche durch Mitarbeit, Rathschläge und Mittheilungen vorliegende Arbeit förderten, insbesondere den Herren Professoren _Vischer_, E. _Hagenbach_, _Kinkelin_, Fritz _Burckhardt_ und Herrn Staatsarchivar Dr. _Wackernagel_, sodann den Herren Vorstehern der Sammlungen und Anstalten sei inniger Dank bezeugt!
Der Universität und ihrer Festgenossin
bringt die herzlichsten Segenswünsche für ferneres Blühen und Gedeihen dar
_Basel_, im November 1885.
A. Teichmann.
I.
Geschichte der Organisation der Universität.
1. =Einleitung. -- Die Gesetze von 1818 und die Sprüche des Schiedsgerichts.=
Bis in den Anfang dieses Jahrhunderts hatte die Universität als Korporation eine unabhängige Stellung behauptet. Dies änderte sich, als durch das Gesetz vom 19. Mai 1813 die der Universität in den Jahren 1460, 1532 und 1539 ertheilte Verfassungsurkunde, Statuten und Privilegien zurückgenommen und aufgehoben wurden. Fortan sollte dieselbe allgemeine höhere Lehranstalt des Kantons sein und zu diesem Zwecke in einer den Zeiten angemessenen und gemeinnützigen Weise eingerichtet werden. Durch Gesetz vom 17. Juni 1818 über die Organisation der Universität wurde sie der Oberaufsicht und Leitung der Regierung unterstellt. Letztere übertrug diese Oberaufsicht und Leitung der zufolge Gesetzes vom gleichen Datum bestellten neuen Staatsbehörde, dem _Erziehungsrath_, dessen engerer Ausschuss (_Curatel_) die der Universität unmittelbar vorgesetzte Behörde wurde. Der Regenz der Universität -- bestehend aus sämmtlichen ordentlichen Professoren -- verblieb die Leitung der inneren Angelegenheiten, die Aufsicht über die akademischen Anstalten und Sammlungen und die Verwaltung des Universitätsvermögens. Die bisherige Universitätskommission erhielt, unter bester Verdankung ihrer Arbeiten, durch Rathsbeschluss vom 24. Juni 1818 ihre Entlassung. Die der Regenz noch gelassene Civilrechtspflege für die Angehörigen der Universität (sog. Universitätsbürger) entfiel 1821 bei der neuen Organisation des Gerichtswesens.
In den vier einander gleichgestellten Fakultäten sollten 18 Professoren mit einer Besoldung von je Fr. 1600 a.W. angestellt und diese Stellen nach öffentlicher Auskündung und eröffnetem Konkurse besetzt werden; in Fällen, wo es zum Vortheil der Anstalt gereiche, sollte der Kleine Rath, auf motivierten Vorschlag des Erziehungsrathes, durch unmittelbaren Ruf Professoren ernennen können. Hiemit war die früher übliche Verwendung des Looses, die öfters eine verhängnissvolle Rolle gespielt hatte, glücklich beseitigt.
Dieses Gesetz über die Organisation der Universität, auf das man im Jahre 1865 zurückgriff, berücksichtigte in angemessener Weise die einzelnen Unterrichtsfächer und fand bei einsichtsvollen Männern volle Billigung. So erklärte _Troxler_ (Die Gesammthochschule der Schweiz und die Universität Basel, Trogen 1830, S. 58):
»Es ist seinem wesentlichen Inhalte nach eine zweckmässige und zeitgemässe Grundlage einer wohlberechneten und verheissungsvollen Herstellung und Erhebung der Hochschule, im Geiste der ersten Gründung gedacht, würdig der grossen Erinnerungen, durch Erfahrungen geläutert, die Ansprüche und Bedürfnisse einer neuen Zeitbildung berücksichtigend, sowie selbst die weitern Verhältnisse des Gesammtvaterlandes umfassend.«
Der schöne Beweis von Achtung für Wissenschaft, von Eifer für Bildung und von hochherziger Vaterlandsliebe, den der Grosse Rath an den Tag gelegt hatte, stellte eine gedeihliche Entwicklung in Aussicht. In der That finden sich unter dem Lehrpersonal der nächsten Jahre manche klangvolle, weitberühmte Namen von In- wie Ausländern. Aber man zögerte zu sehr mit Durchführung der Organisation im vollen Umfange, sodass schon 1823 der Rektor der Hochschule, Prof. _de Wette_, in seiner Rektoratsrede am 12. Mai mit Freimuth und Nachdruck äussern durfte: »Und jetzt an dieser Stelle, als zeitiger Rektor der Universität und Mitglied des Erziehungsrathes, im Namen der Anstalt, an deren Spitze ich zu stehen die Ehre habe, fordere ich Sie, weise Häupter und Räthe, feierlich auf, das Werk der Wiederherstellung der Universität fördersamst zu vollenden! Noch sind eine Lehrstelle der Rechte, zwei der Arzneikunde und die der Philosophie unbesetzt, und die der Geschichte ist von Neuem erledigt. Jedes Halbjahr, welches unter diesen Mängeln verstreicht, ist ein Verlust für die studierende Jugend, und der ganze Unterrichtsgang ist dadurch gelähmt. Je länger man aufschiebt, desto mehr ermattet der Eifer, desto mehr gewöhnt man sich an das Mangelhafte.«[1] Wieder vier Jahre darauf mahnte noch eindringlicher der damalige Rektor, Prof. _Gerlach_, an schleunige Vervollständigung[2] und schloss mit den verheissungsvollen Worten:
»Reichthum ist ein vergängliches Gut; -- Ruhm, erworben im Felde der Staatskunst, ist trügerisch und oft von zweideutiger Art; -- der aber lebt ewig im dankbaren Andenken der Nachwelt, dessen Name geknüpft ist an das Gedeihen einer Schule der Wissenschaft, die Jahrhunderte blühte, die in der Gegenwart sich auf's neue erhebt, die nicht untergehen wird im Strome kommender Zeiten.«
Die nächsten Jahre erfüllten die hochgespannten Hoffnungen noch nicht -- es nahte die dem Basler Staatswesen verhängnissvolle, mit muthiger Entschlossenheit durchgekämpfte Zeit, auf welche -- wie der trefflichste Darsteller der Ereignisse jener Periode sagte[3] -- »Basel sonder Scham und sonder Reue zurückblicken konnte, weil es das Bewusstsein davon trug, dass es billigen Begehren willig entsprochen hatte, dass es der Drohung und Gewalt beharrliche Entschlossenheit entgegengesetzt hatte und dass seine Bürger das Gesetz, für das sie kämpften, auch durch Gehorsam zu ehren wussten.«
Vergeblich war man bemüht, von dem gut eingerichteten und weise geleiteten Staatswesen den schwersten Schlag abzuwenden. Es war umsonst! -- Der am 17. August 1833 gefasste, am 26. August durch eingelangte Ratifikationen in Kraft erwachsene Beschluss der Eidgenössischen Tagsatzung erklärte den Kanton Basel in Bezug auf die Verwaltung in zwei besondere Gemeinwesen getheilt und verfügte, »es solle das gesammte Staatseigenthum des Kantons an Kapitalien, Gefällen, Gebäuden, Kriegsmaterial u.s.w. ohne irgend eine Ausnahme, und ausdrücklich mit Inbegriff der Kirchen-, Schul- und Armenfonds, auf billigem Fusse zwischen beiden Landestheilen ausgeschieden und getheilt werden.«
Diesem Beschlüsse zufolge wurden zu Schiedsrichtern erwählt:
1. Herr Alt-Bürgermeister _Joh. Herzog_, von Effingen, in Aarau } für Basel-Stadttheil. 2. Herr Alt-Bundespräsident _Joh. Friedrich Tscharner_, von Chur } 3. Herr Obergerichts-Präsident _Joachim Leonz Eder_, in Frauenfeld } 4. +a+) Herr _Carl Schnell_, J.U.D., Regierungsstatthalter zu Burgdorf (bis Ende 1833) } für Basel-Landschaft. +b+) Herr _Ludwig Schnyder_, Appellationsrichter von Sursee, (von Anfang 1834 an) } und seitens derselben als Obmann: Herr _Friedrich Ludwig Keller_, J.U.D., Obergerichtspräsident von Zürich.
Das Schiedsgericht trat am 16. September 1833 in Zürich zusammen, begann seine Sitzungen am 30. September in Aarau und schloss dieselben erst im April 1835 in Bern.[4] Hier interessieren nur diejenigen Beschlüsse, welche -- zufolge Antrages der Landschaft, auf das Inventar der Staatsliegenschaften die Gebäude und Fonds der Universität zu setzen -- die Frage betrafen: »ob das Vermögen der Universität in die Theilung gezogen werden solle oder nicht?«
Schon am 9. November 1833 erging der Obmannsspruch:
1) Es gehöre das Universitätsgut zu dem in Theilung fallenden Staatsvermögen; 2) Sei das Inventar desselben von Basel-Stadt vorzulegen.
Dieser Entscheid rief natürlich grosse Bestürzung hervor und fand namentlich in juristischen Kreisen scharfe Kritik.[5] Dem Entscheide sich fügend, legte der Stadttheil am 6. Januar 1834 das »Inventarium über das der Universität angehörige und unter ihrer Verwaltung stehende Vermögen« zur Mittheilung an die Landschaft vor, welche zwar einige Punkte bemängelte, auf erhaltene Auskunft aber diese Bemängelung fallen liess.
Für die Vertretung der Rechte der Universität Namens des Standes Basel-Stadttheil bei den Verhandlungen beschloss man Zuziehung des Hofgerichtsadvokaten _Bertheau_ von Mannheim und bestellte zur Schätzung des Universitätsvermögens Sachverständige.
Die vom Obmann für die von beiden Theilen ernannten Sachverständigen entworfene Instruktion war für Basel-Stadt und die Universität durchaus günstig.
In der Sitzung vom 14. April 1834 wurde bei getheilten Stimmen der Schiedsrichter durch Entscheid des Obmanns anerkannt, »dass auf dem Universitätsgut zu Gunsten der Stadt Basel die Beschwerde des Ausschlusses solcher Verfügungen über dasselbe hafte, in Folge welcher für ihr Bedürfniss wissenschaftlicher Anstalten nicht mehr gesorgt sein würde,« und wurde im Urtheile vom 11. Juli festgesetzt:
dass bei den im Inventar auf Fr. 543,662.45 angegebenen akademischen Fisci wegen darauf haftender Beschwerden Fr. 120,662.45 in Abzug zu bringen seien;
dass auf den Sammlungen von _Amerbach_, _Fäsch_, _Huber_, _d'Annone_ und _Bernoulli_ die Beschwerde hafte, dass dieselben an die Oertlichkeit der Stadt Basel gebunden sind;
dass das gesammte Universitätsgut als eine untheilbare Einheit und dem Zwecke des höheren Unterrichtes bleibend gewidmet zu betrachten sei;
der Kanton Basel-Stadttheil einen billigen Anspruch habe, dass ihm auf den Fall, wenn er zur Uebernahme des gesammten Gutes als berechtigt und verpflichtet angesehen werden sollte, diesfalls eine gewisse Erleichterung, welche in der Bestimmung des Preises für das Ganze zu finden, verstattet werde.[6]
In Abänderung einzelner dieser Punkte erging am 6. August 1834 das Endurtheil dahin:
1) es sei das gesammte Universitätsgut mit Nutzen und Beschwerden, und unter der Verpflichtung, dasselbe seiner Bestimmung getreulich zu erhalten, dem Kanton Basel-Stadttheil allein und ausschliesslich zugetheilt;
2) es sei der durch die bisherigen Schätzungen und Urtheile ausgemittelte Gesammtwerth von Fr. 621,060, mit Hinzurechnung des in seinem Werthe noch nicht ermittelten Mobiliar-Bestandes, um 25% herabzusetzen und der sich ergebende Betrag als der definitive Preis und als die von Basel-Stadttheil einzuwertende und unmittelbar in Theilung fallende Summe festgesetzt;
3) sei der Kanton Basel-Landschaft bei seiner Erklärung, das ihm zufallende Capital einzig für höhere wissenschaftliche Anstalten zu benutzen und zu verwenden, feierlich behaftet.
Durch Einverständniss der Parteien wurde am 12. August der Werth des Mobiliarbestandes -- worunter auch Scepter und Pokale der Universität auf Antrag der Landschaft aufgenommen werden mussten -- auf Fr. 1440 bestimmt.
Mit dem ganz eigenen, im November gestellten Antrage: »es möchte -- da verlaute, dass Basel-Stadttheil Willens sei, die Universität aufzuheben oder einzuschränken -- das Schiedsgericht die Rechte der Landschaft durch ein ferneres Urtheil so wahren, dass die Universität zu keiner Zeit von Basel-Stadttheil aufgehoben oder beschränkt werden könne, oder wenn man demselben freie Befugniss darüber einräumen wolle, der Stadttheil angehalten werden, der Landschaft, der gemachten Abzüge und der niedern Schätzung wegen, noch eine Entschädigungssumme von Fr. 256,619 herauszubezahlen,« -- wurde die Landschaft einmüthig am 17. November abgewiesen; dagegen der Stadttheil auf Antrag der Landschaft angehalten, Zinsen von dem ihr zukommenden Antheil vom 18. März 1832 bis 15. December 1834 zu 4% zu entrichten.
Die Verhandlungen ergaben für das Universitätsvermögen folgende Summen:
A. Akademische Fisci (laut Urtheil) Fr. 423,000.-- B. Gebäude (laut Schatzung) » 120,060.-- C. Sammlungen (laut Schätzung) » 78,000.-- D. Scepter und Pokale Fr. 812.50 -- übriges Mobiliar 627.50 = » 1,440.-- ----------------- Summa Fr. 622,500.-- abzüglich 25% » 155,625.-- ----------------- blieben Fr. 466,875.-- wovon nach Urtheil vom 10. Juni 1834 der Landschaft 60% gebührten, also » 298,800.-- nach Gewährung von Fr. 195 in Mobiliar blieben auszuweisen » 298,605.-- welche Summe sich durch Zinsen mit Fr. 32,846.55 erhöhte auf » 331,451.55
Dies war die Auskaufssumme, welche an die Landschaft zu entrichten war.
Wie so vielen anderen, genügte Basel-Stadt auch dieser Verpflichtung aufs Pünktlichste. Nach beendeter Vermögenstheilung konnten die in der Zwischenzeit ausgestellten Bürgschaftsinstrumente sehr bald entkräftet werden. Den muthig und hochherzig für die Interessen des Staatswesens eingetretenen Bürgern von Zürich und Basel wurde der gebührende Dank bezeugt.
Unter den vielen Aufgaben, die nunmehr rücksichtlich der Reorganisation der Staatsverwaltung zu lösen waren, war die Frage der Organisation der höheren Lehranstalten von grösster Bedeutung. Auch hier bewährte sich, was schon die Alten erkannt haben, dass im Unglück der Sporn zur Ausdauer und zu neuer Thatkraft liegt.
Unmittelbar nach Erlass des schiedsgerichtlichen Urtheils vom 6. August wurde durch Rathsbeschluss vom 13. August dem Erziehungskollegium[7] der Auftrag ertheilt, zu berathen, was nun in Hinsicht der Universität angenommen und vorgekehrt werden solle. Zu diesem Zwecke ernannte dasselbe eine Kommission.
Aber auch die Regenz musste zu den Sprüchen des Schiedsgerichts Stellung nehmen. Sie that dies, indem sie dem Amtsbürgermeister zu Handen des Grossen Rathes am 23. September eine ausführliche Protesterklärung gegen jene Sprüche überreichen liess, worin sie schliesslich, unter Anrufung der heiligsten Gefühle der Gerechtigkeit, der Wissenschafts- und Vaterlandsliebe, die Zuversicht aussprach, E.W.W. Rath werde vermöge seiner Weisheit und rechtlichen Gesinnung durch zweckdienliche Anordnungen dafür sorgen, dass das Universitätsgut nicht nur ungeschmälert und dem Zwecke des höheren Unterrichts gewidmet bleibe, sondern auch für die Zukunft eine solche rechtliche Stellung erhalte, wodurch es niemals durch irgend mögliche Wechselfälle seiner Bestimmung entrissen werden könne und wodurch auch wieder nach einer so niederschlagenden Erfahrung bei der Bürgerschaft Muth und Zutrauen geweckt würde, durch neue Stiftungen die Lehrmittel und Kräfte der Universität zu vermehren.[8]
Ebenso wurde von der Kommission des naturwissenschaftlichen Museums in einer Sitzung vom 6. Oktober eine Erklärung beschlossen, wonach fortan »alle Geschenke und Legate nur unter dem bestimmten Vorbehalte gemacht und angenommen werden sollen, dass sie unabänderlich und unveräusserlich in der Stadt Basel zu möglichst gemeinnützigem Gebrauche sollen aufgestellt bleiben, in allen Wechselfällen die Bedingung der Unentfremdbarkeit dieser Gegenstände von der Stadt Basel heilig und unverletzt gehalten werden solle, auch zur Wahrung dieser Bestimmung in keinem denkbaren Falle, weder dem Staate, zu dem die Stadt Basel jeweilen gehören wird, noch der Stadt Basel selbst irgend ein Opfer rechtmässig auferlegt werden könne, so dass folglich jede Theilung, jede Auferlegung einer Auskaufssumme, jede zu diesem Zwecke vorgenommene Schatzung der aus Schenkungen und Legaten herrührenden Bestandteile der Sammlung, sowie überhaupt jede Massregel ähnlicher Art als Raub und offenbare Gewaltthat zu betrachten wäre.«
Diese Wünsche fanden bald die gebührende Berücksichtigung.
2. =Das Gesetz über Einrichtung des Pädagogiums und der Universität vom 9. April 1835 und die weitere Entwicklung bis 1865.=
Am 20. December 1834 hatte die Kommission den von ihr erforderten Bericht über die Organisation der höheren Lehranstalten vorgelegt; derselbe fand am 19. Januar im Erziehungskollegium, wie später im Kleinen Rath Beifall und wurde in den am 2. März 1835 dem Grossen Rathe vorgelegten Rathschlag aufgenommen. Derselbe zeichnet sich durch seltene Vollständigkeit und Abrundung aus, stützt sich auf vielseitige Erfahrungen und ist ein rühmliches Zeugniss für den edlen Sinn und das herzliche Interesse der Männer jener Zeit für die Förderung des Bildungswesens als einer der Hauptaufgaben jedes Staatswesens. Mit hoher Befriedigung wird man auch heute noch in demselben die Worte lesen: »Wenn auch allerdings in der vorgefallenen Trennung des Kantons, in der daraus sich ergebenden Verminderung der Beamtenzahl, in der gegenwärtig bedeutenden Schuldenlast, eben so viele Gründe liegen möchten, wesentliche Einschränkungen eintreten zu lassen, so rufen doch andrerseits das um so fühlbarer gewordene Bedürfniss geistiger Regsamkeit und Tüchtigkeit, die sich täglich höher stellenden Anforderungen der Zeit, die eigentümliche Isolierung unserer Lage Basel dringend zu, sich im gegenwärtigen Augenblicke nicht zu versäumen und nicht zu vernachlässigen, und durch zweckmässige und wohleingerichtete wissenschaftliche Anstalten sein zukünftiges Wohl zu sichern.«
Im Anschluss an die Gesetze vom 18. Juni 1817 und 17. Juni 1818 wird für Bestehenbleiben des Pädagogiums eingetreten und dankbar anerkannt, dass der vortreffliche Zustand desselben besonders den eifrigen und gewissenhaften Bemühungen der zur Zeit angestellten Lehrer zuzuschreiben sei. Diese Anstalt soll in 2 Abtheilungen, für Humanisten einerseits, für Realisten (Techniker) andrerseits zerfallen.
Aber es genügt das Pädagogium, welches junge Leute vom 15.-18. Jahre aufnimmt, für sich allein den Bedürfnissen nicht. Hiezu ist eine danebenstehende höhere Anstalt, die Universität, dringend nothwendig. Diese soll eine Anstalt für das Studium der Fakultätswissenschaften, aber auch eine bürgerliche Akademie sein, in höherem, unmittelbar praktischerem Sinne, als s.Z. _Isaak Iselin_ dies angedeutet hatte. Freilich sind hiebei bedeutende Einschränkungen des streng wissenschaftlichen Elementes angebracht, während die Fächer, welche der allgemeinen und technischen Bildung angehören, einige Ausdehnung erhalten können. In dieser Beziehung hält man einen Lehrstuhl für französische Sprache und Litteratur angezeigt und will auch dem Englischen und Italienischen, besonders aber der Nationalökonomie und Statistik, bei deren stets wachsender Bedeutung, Berücksichtigung schenken. Die philosophische Fakultät soll den Kern des Ganzen bilden. Lediglich als propädeutische Anstalten sind die juristische und medicinische Fakultät behandelt. In der theologischen Fakultät soll Nachdruck auf praktische Ausbildung und Pflege des Hebräischen gelegt werden.
In den Berathungen über den Rathschlag im Grossen Rathe am 7.-9. April erlitt der die Universität betreffende Abschnitt nur geringe Aenderungen. Man hielt es für passend, in § 13 (dem ersten Paragraphen des Abschnitts) die »Beibehaltung« der im Jahre 1460 gegründeten und in den Jahren 1532 und 1818 reorganisierten Universität bestimmter auszusprechen; gewährte für Gehaltszulagen und Besoldungen in ausserordentlichen Fällen einen jährlichen Kredit von Fr. 4000, regelte eingehend die Entlassung pflichtvergessener Lehrer, lehnte einen Antrag auf Bestätigung der Lehrer von 6 zu 6 Jahren ab; bestimmte dagegen, dass bei etwaigen Aenderungen in der Organisation die Professoren sich einer solchen gegen eine dann durch Gesetz zu bestimmende Entschädigung zu unterziehen hätten.
In der an erster Stelle genannten philosophischen Fakultät werden 9 Lehrstühle errichtet für theoretische und praktische Philosophie -- Mathematik -- Physik und Chemie -- Naturgeschichte -- griechische, lateinische, deutsche und französische Sprache wie Litteratur- und Geschichte. Besondere Lehrer können für die oben genannten Fächer angestellt werden. Die Professoren beziehen Fr. 1600 Gehalt.
Drei Professuren werden der theologischen Fakultät gegeben. Lehrfächer sind: Theologische Encyclopädie -- Hebräische Sprache -- Exegese des Alten und des Neuen Testamentes mit den nöthigen Hilfswissenschaften -- Kirchen- und Dogmengeschichte -- Dogmatik -- Christliche Moral -- Praktische Theologie mit homiletischen und katechetischen Uebungen. Zwei Professoren haben je Fr. 1600, der dritte Fr. 1200 Gehalt.
Die juristische Fakultät hat 2 Lehrstühle, einen mit Fr. 1600, einen andern mit Fr. 800 Gehalt. Lehrfächer sind: Römisches Recht -- Criminalrecht -- Handels- und Wechselrecht -- Vaterländisches Civilrecht -- Civilprozess.
Die medicinische Fakultät zählt 4 Lehrer für Anatomie -- Physiologie und Pathologie -- Chirurgie und Botanik mit nur Fr. 800 Gehalt, sowie einen Prosektor mit Fr. 450 Gehalt.
Die einzelnen Stellen sollen, nach Auskündung und Konkurs, sowie Anhörung der Curatel, durch Wahl seitens des Erziehungskollegiums besetzt werden, welche Wahlen sodann noch der Bestätigung des Kleinen Rathes unterliegen. Unmittelbare Berufung durch den Kleinen Rath ist auch hier, wie im Gesetz von 1818, vorgesehen.