Die Umsegelung Afrikas durch phönizische Schiffer ums Jahr 600 v. Chr. Geb.

Part 11

Chapter 112,609 wordsPublic domain

Zur Bekräftigung der eben vertretenen Ansicht, σῖτος bedeute an unserer Stelle Weizen, wird es sich noch empfehlen, im Folgenden zu untersuchen, ob die Bewohner des unteren Nilthales sich vorwiegend von Brot aus dem Mehle dieser Pflanze nährten; lautet die Antwort bejahend, so muss die Annahme, die Phönizier hätten anderes Getreide mitgenommen, von selbst ausgeschlossen erscheinen. Nach der soeben mitgetheilen Behauptung Herodots, betreffend die Abneigung der Aegypter gegen Weizenbrot, könnte es nun zwar – zumal da sie, wie wir aus den Opferlisten der Gräber wissen, mindestens 16 verschiedene Arten Brot und Kuchen kannten[321] – den Anschein haben, als wenn dieser Nachweis schwerlich glücken dürfte, und doch ist er möglich, denn in den allgemeinen Begriff Weizen können wir zweifellos die Abart des Spelzes oder, wie man in andern Gegenden Deutschlands sagt, des Dinkels hineinbeziehen, und diese wurde in Aegypten als Nahrungsmittel in ausgiebigster Weise verwendet: malte sich doch die Phantasie des dort ansässigen Bauern das Paradies als ein Gefilde, wo sie sieben Ellen hoch würde[322]. Die Griechen hatten – wie wir – zwei Namen für den Spelt, und Herodot sagt ausdrücklich[323]: „Die Aegypter leben von ὄλυρα, welche andere ζειά nennen“. De Candolle bezweifelt zwar das Vorkommen des echten Spelzes in Altägypten und den benachbarten Ländern[324], aber der angeführte Ausspruch Herodots lässt es mindestens sehr zweifelhaft erscheinen, ob er recht hat. Sehr erschwert werden Untersuchungen wie die vorliegende leider dadurch, dass die griechischen Autoren die Cerealien in so kurzer und nichtssagender Weise beschrieben haben und in Folge davon der Sinn, den sie mit ihren Worten haben verbinden wollen, häufig genug ganz unsicher erscheint[325]. Immerhin aber gewinnt aus mancherlei Gründen die Ansicht, dass in Aegypten irgend eine Weizenart – gleich viel welche – gebaut wurde und diese an unserer Stelle unter σῖτος zu verstehen sei, grosse Wahrscheinlichkeit. Nicht nur wies der fette Boden seine Bewohner wesentlich auf die Kultur dieses Getreides hin[326], sondern auch die Denkmäler zeigen Weizen als Ernteprodukt, wie ja auch heute noch diese Kornfrucht für das Land des untern Nil von hoher Bedeutung ist. Thomé bezeugt dies ausdrücklich, wenn er sagt: „Weizen und Mais, zu denen in Oberägypten die Mohrenhirse und im Delta Reis hinzutreten, sind die am meisten gebauten Getreide“[327]. War doch auch Aegypten während des ganzen Alterthums von den Zeiten Josephs[328] bis auf die des römischen Kaiserreiches[329] die Kornkammer seiner Nachbarländer, deren Bedarf an Weizen es grossentheils deckte, und wie sehr diese Erdstelle als Hauptproduktionsstätte jener nützlichen Pflanze angesehen wurde, zeigt uns das Urtheil Diodors[330], der sie geradezu als Vaterland der Weizenkultur rühmt. Ist seine Ansicht nun auch keineswegs richtig, so mag sie doch als Beweis dafür gelten, wie gut das fragliche Bodenerzeugniss dort gedieh. De Candolle[331] belehrt uns, dass sehr alte Denkmäler Aegyptens, aus der Zeit vor der Invasion der Hyksos, diese Kultur als eine schon begründete hinstellen, und wenn – wie erwähnt – in den Mumiensärgen vielfach Weizen gefunden wurde, so ist das bezeichnend genug für die Rolle, welche ein Getreide spielte, das Unger[332] mit Recht als die wichtigste der ägyptischen Kornfrüchte hinstellt. Wie unerschöpflich die Produktionsfähigkeit des Landes in Bezug auf Weizen war, zeigt uns die Notiz des Plutarch in seiner Vita des Perikles[333], wo er erzählt, der König von Aegypten habe den Athenern 40000 Scheffel dieses Getreides geschickt. Der betreffende König kann nur Amyrtäus gewesen sein[334], und er konnte das Geschenk machen, nachdem Theile Aegyptens 20 Jahre lang vom Kriege verheert worden waren. Hier wird übrigens nicht im allgemeinen von σῖτος gesprochen, sondern es heisst τετρακισμυρίουσ πυρῶν μεδίμνους, und wenn Link[335] nachweist, dass in den späteren Zeiten des Alterthums σῖτος geradezu für πυρός gebraucht wurde, also die besondere Bedeutung „Weizen“ annahm, so ist dies gewiss ein Grund mehr für die Richtigkeit der Vermuthung, das Wort könne auch bei Herodot dasselbe bezeichnen. Dafür dass die Phönizier sich wesentlich aus diesem Getreide ihr Brot gefertigt haben, spricht übrigens ferner der Umstand, dass in ihrer syrischen Heimath Weizen und Gerste am häufigsten gebaut wurden[336]; und wenn Herodot erzählt, die Aegypter hätten das Mehl jener Früchte nicht zum Backen benutzt, und dies als etwas besonders Bemerkenswerthes hinstellt, das sie von andern Leuten unterschied, so dürfen wir daraus doch ebenfalls schliessen, dass die erwähnten Getreidearten andern Völkern, also doch auch wohl den seekundigen Fremdlingen, ihr wichtigstes Nahrungsmittel gewährten. Zu der Annahme aber, die Phönizier, welche ihre Heimath verliessen und in Aegypten Kolonieen gründeten, hätten ihre Lebensweise geändert, liegt gar kein Grund vor. Wenn wir für ausgemacht halten dürfen, dass die ägyptische Handelsflotte, so weit es überhaupt eine solche gab, bei der Abneigung der Aegypter gegen das Meer, in Händen phönizischer Kaufleute und Schiffer war, so ist damit zugleich gesagt, wo diese sassen, nämlich im Delta, und hier fehlte es zur Zeit des neuen Reiches sicherlich an dem trefflichsten Marschboden für Weizenbau nicht. Kurz, man mag die Frage erörtern, wie man will; es wird stets dasselbe resultiren: die Phönizier lebten, was ihre vegetabilische Nahrung anbetraf, wesentlich von Weizenbrot, und σῖτος kann hier nichts anderes bedeuten als Weizen eventuell Spelz – oder – wie ja immer mit eingeschlossen – Gerste.

Die Rastorte der Phönizier.

Mit dieser Erkenntniss ist aber unendlich viel gewonnen; wir können nun einen grossen Theil Afrikas von vornherein als ausgeschlossen in Bezug auf die Stationen der Phönizier bezeichnen. Wir wissen nämlich, dass innerhalb der Wendekreise mit Ausnahme einiger Gegenden, die in Folge besonderer lokaler Eigenthümlichkeiten, wie z. B. frischer Winde, eine exzeptionelle Stellung einnehmen, Weizen erst in solchen Höhen gebaut werden kann, die hinsichtlich ihrer klimatischen Verhältnisse den subtropischen Zonen entsprechen[337]. Murzuk z. B. ist einer der südlichsten Punkte nördlich des Aequators, wo in Afrika noch Weizen und Gerste gedeihen, aber nur im Winter[338]. Da nun innerhalb der Tropenzone der Küstensaum Afrikas durchweg niedrig und auch sonst der angedeuteten Vergünstigungen nicht theilhaftig ist, da ferner die Annahme, die Phönizier hätten sich von ihren Schiffen weg weiter ins Innere des Landes auf die zum Plateau führenden Terrassen begeben, um dort zu säen und zu ernten, ganz unhaltbar erscheint, können wir mit Sicherheit behaupten: innerhalb der Wendekreise haben die Phönizier ihre grossen Ruhepausen nicht abgehalten. Auch einige Küstenstrecken in den gemässigten Zonen können sogleich ausgeschlossen werden. In der nördlichen einmal die kleine Stelle an der Ostküste vom Abfahrtsorte bis zum Wendekreise des Krebses, weil da eine Ergänzung des Proviantes noch nicht nöthig war, sodann an der andern Seite des Erdtheils das Gebiet vom nördlichen Wendekreise bis zum Atlas hin als der Sahara angehörig; in der südlichen gemässigten Zone aber die Partie westlich von der Kalahari. Hier kann zwar Ackerbau getrieben werden, aber nur mit Hülfe künstlicher Bewässerung[339]. Wenn nun die Phönizier solche auch höchst wahrscheinlich kannten[340], so wird doch niemand behaupten, sie hätten dieselbe hier angewendet, denn die Anlage solcher Irrigationen erfordert Zeit. Da nun jedenfalls wohl zweimal gerastet wurde – in den beiden ersten Jahren je einmal – und diese Rastorte unbedingt auf der Strecke vom Abfahrtsorte bis zur Strasse von Gribraltar zu suchen sind – denn erst im dritten fuhren sie durch die Säulen des Herakles –, kann der erste nur in dem südlichen Zipfel des Erdtheils, der zweite im Atlasgebiet gelegen haben. Im Kaplande, wo das Klima bereits subtropisch ist, gedeiht Weizen schon in geringer Höhe über dem Meeresspiegel. Vivien de St. Martin sagt in seinem Dictionnaire de géographie universelle[341] über diese Stelle unseres Planeten: „Pendant la plus grande partie de l’année là ou il y a de l’eau la terre rend presque tout ce qu’on lui demande“. Nun zerfällt dieses Land hinsichtlich der Niederschlagsvertheilung in einen Ost- und einen Westtheil[342]; in ersterem regnet es in der Zeit vom September bis April, in letzterem im Winter (unserm Sommer). Wie ich später nachweisen werde, sind die Phönizier nun wahrscheinlich im Mai des ersten Jahres ihrer Fahrt in Südafrika angelangt; liessen sie sich hier im westlichen Kaplande nieder und säeten etwa Anfang Juni, so hatten sie die sicherste Aussicht in Betreff des Aufgehens der Saat. Es hat sich in den wärmern Ländern im allgemeinen der Gebrauch herausgestellt, zur Zeit des niedrigsten Sonnenstandes zu säen, wenn die folgenden Monate zugleich angenehme Feuchtigkeit bieten; die Periode, in welcher das Getreide wachsen soll, ist ja naturgemäss die milderer Temperatur, wie ansteigenden Lichtes und muss stets im Anfang viel, nachher weniger Feuchtigkeit bieten[343]. Das trifft alles für jene Gegend zu; wenn zu Beginn des Juni gesäet wurde, hatte man bis August ausgiebige Feuchtigkeit, von da an nahm sie bei steigender Temperatur allmählich ab[344]. Da der Zwischenraum zwischen Saat und Ernte von Weizen und Gerste in diesen Gegenden nun ungefähr 5-6 Monate beträgt, würden sie etwa im November geerntet haben. Der zweite Rastort wird im Atlasgebiete südlich der Strasse von Gibraltar, also etwa im heutigen Marokko zu suchen sein. Auch von dieser Gegend ist es, wie vom Kaplande, bekannt, dass sie zur Produktion von Weizen sehr geeignet ist. Hier mögen die Phönizier, wie weiter unten ausgeführt werden soll, etwa im folgenden November angekommen sein, und da die Aussaat in diesen Gegenden im Dezember stattfindet, konnten sie, wenn sie dies Geschäft rechtzeitig vornahmen, im Juni ernten[345].

Nach diesen Ausführungen wird die Ansicht Rennels, sie hätten zuerst in Angola und später in Senegambien Station gemacht, die, wie so manche andere, sein Landsmann Wheeler theilt, hinfällig[346]. Sein Irrthum ist übrigens verzeihlich; er publizirte sein Werk im Jahre 1800, also zu einer Zeit, wo der Gedanke an eine Wissenschaft der Pflanzengeographie in A. von Humboldts Kopfe noch unausgesprochen schlummerte. Ebenso unhaltbar ist natürlich auch die Vermuthung Junkers[347], dass sie auf der Küste von Mozambique oder Sofala und später in Oberguinea gesäet und geerntet haben könnten, und nicht minder diejenige Peschels, der von einem zweimaligen australischen Frühlinge[348] spricht. Wie dieser scharfsinnige Gelehrte zu der Annahme kommt, die Phönizier hätten an beiden Rastorten sich südlich vom Aequator befunden, ist mir, da er Gründe für seine Behauptung nicht anführt, leider unklar geblieben. Wunderbar könnte es auf den ersten Blick erscheinen, dass die Sendlinge Nechos die passenden Stellen und die richtige Jahreszeit für die Aussaat des Weizens erkannten; bei genauerer Betrachtung erklärt sich aber auch dieses leicht. Dass sie im Kaplande zu säen beschlossen, dazu mag sie der Stand der Sonne veranlasst haben, die sie hier bei ihrer Ankunft mittags etwa eben so tief im Norden erblickten, wie in Aegypten und in ihrer syrischen Heimath im Süden, wenn man dort im Dezember zur Aussaat des Weizens schritt[349]. Auch war die Temperatur der heissen Zone, die sie vorher durchsegelten, jedenfalls zu verschieden von der heimathlichen, als dass sie zu einem Versuche hätte einladen können; die des Kaplandes hingegen entsprach jener ungefähr, und dasselbe wird in Marokko der Fall gewesen sein. Ferner dürfen wir annehmen, dass die Phönizier mit dem Lande fortgesetzt in Verkehr standen; abgesehen von mancherlei Bedürfnissen, die sie gezwungen haben werden, hier und da anzulegen, musste ihnen bei ihren auf die Eröffnung eines neuen Handelsgebietes gerichteten Plänen eine möglichst genaue Erkundung von Land und Leuten am Herzen liegen. Sie wären nicht Phönizier gewesen, wenn sie darauf verzichtet hätten. In der Ausübung dieser Thätigkeit werden sie nun ohne Mühe aus den Beschäftigungen der Küstenvölker und dem Stande der Felder erkannt haben, wo und wann es angängig sein könnte, Weizen zu säen, und so in der westlichen Hälfte des Kaplandes als der ihrem Vorhaben günstigeren gelandet sein. Im Atlasgebiet kam ihnen aber vielleicht noch ein anderer Umstand zu Hülfe. Strabo[350] erzählt, die Phönizier hätten kurze Zeit nach dem trojanischen Kriege an der Westküste Libyens Städte angelegt. Nun äussert zwar derselbe Schriftsteller an anderer Stelle hinsichtlich dieser Gründungen Bedenken, aber seine Zweifel können nicht ins Gewicht fallen, denn Junker[351] weist nach, dass er auch sonst Glaubwürdiges verwirft. Diese Kolonieen, von denen ein Theil sehr wohl im heutigen Marokko liegen mochte, oder wenigstens Reste derselben, werden nun die nechonischen Phönizier berührt haben und durch den Rath ihrer Landsleute hinsichtlich der Zeit der Feldbestellung sicherlich unterstützt worden sein.

Was bedeutet Her. IV, 42 φθινόπωρον?

Die vorstehenden Auseinandersetzungen zeigen zur Genüge, dass das Wort φθινόπωρον an unserer Stelle nicht den Herbst im meteorologischen Sinne bezeichnen kann, sondern in der Bedeutung von „Saatzeit“ aufzufassen ist. Herbst – nach ägyptischen Verhältnissen gerechnet – haben unsere Schiffer überhaupt während ihres Aufenthalts auf den Hauptstationen nur einmal gehabt und zwar im zweiten Jahre in Marokko. Als im ersten Jahre der ägyptische Herbst kam, also in unserem September, rasteten sie auf der Südspitze und hatten demnach Frühling; als aber im März der Herbst der südlichen Halbinsel begann, waren sie sicher bereits wieder von dort abgefahren. Schon aus diesen Betrachtungen ergiebt sich, dass unter φθινόπωρον nicht das verstanden werden darf, was der Kalender als „Herbst“ bezeichnet. Gosselin[352] freilich behauptet, da das Fallen der Jahreszeiten in andere Monate, wie es doch auf der südlichen Halbinsel stattfinde, an der Stelle, wo von Saat und Ernte die Rede ist, garnicht erwähnt sei, könne man mit Sicherheit annehmen, dass die Phönizier von dieser Erscheinung selbst nichts gewusst und also die Fahrt überhaupt nicht gemacht hätten. Ich möchte dem gegenüber darauf hinweisen, dass wir in der kurzen Notiz bei Herodot schwerlich alles besitzen, was über jene Reise anderthalb Jahrhunderte vor dessen Aufenthalt in Aegypten in die Oeffentlichkeit gedrungen war. Da die Fahrt aber nicht die geringste Konsequenz für die Geschichte Aegyptens gehabt hatte, waren die Einzelheiten verschollen und wären es vielleicht für immer gewesen, wenn nicht die Priester dem wissensdurstigen Fremdling zu Liebe die wenigen Trümmer der Ueberlieferung, die man noch besass, wieder ans Tageslicht gezogen hätten. Wie viel Wunderbares mag den Phöniziern auf ihrer Fahrt in den fremden Gegenden aufgestossen sein! Und doch erfahren wir – sei es, dass sie absichtlich schwiegen, sei es, dass die Kunde im Laufe der Zeit verloren ging – über alle diese Dinge, abgesehen von dem veränderten Stande der Sonne, nichts. Wie dürfen wir nun eine Mittheilung gerade darüber erwarten, dass die Schiffer die Aussaat ein einziges Mal zu anderer Zeit vornahmen als daheim? Ich muss also dabei beharren: φθινόπωρον bedeutet hier „Saatzeit“; diese deckte sich im ersten Jahre der phönizischen Reise, als am Kap Halt gemacht wurde, keineswegs mit dem ägyptischen Herbste, wohl aber im zweiten bei Gelegenheit der marokkanischen Rast. Bähr sagt[353], φθινόπωρον bezöge sich „ad illud omnino tempus, quo sua quisque in terra maturos percipiat fructus“, vergisst aber dabei, dass nicht unter allen Himmelsstrichen und nicht für alle Früchte der Herbst die Zeit der Ernte ist; seine Erklärung passt hinsichtlich des Weizens weder für das Kap, noch für die Länder des Atlas. Die Gewährsmänner Herodots aber, welche zwar wussten, dass die Phönizier mehrmals gesäet und geerntet hatten, hinsichtlich der Einzelheiten sich jedoch völlig im Unklaren befanden, nahmen, da sie die klimatischen Verhältnisse der betreffenden Länder nicht kannten, mit einem gewissen Rechte an, ersteres sei zur Zeit des Herbstes ihrer ägyptischen Heimath geschehen, wo man im Dezember, spätestens im Januar, wenn das Wasser abgelaufen war, die Felder bestellte und Weizen Ende März[354], eventuell während des April oder Anfang Mai, Gerste etwas früher einheimste[355]. Vor allen Dingen erscheint es aber garnicht ausgemacht, dass die Priester dem Herodot gegenüber ein Wort mit der Bedeutung „Herbst“ gebraucht haben; vermuthlich sprachen sie nur von einer Zeit des Säens, und unser Schriftsteller bezog dies auf den ägyptischen Herbst, da auch ihm unmöglich bekannt sein konnte, dass z. B. am Kap die Saatzeit eine andere sei[356]. Dies ist um so wahrscheinlicher, als es nach Diodor fraglich erscheinen muss, ob die Aegypter überhaupt den Herbst als besondere Jahreszeit betrachtet haben. An einigen Stellen dieses Schriftstellers[357] ist nämlich nur von einem ägyptischen Frühling, Sommer und Winter die Rede, auch sagt er bei anderer Gelegenheit[358] ausdrücklich, die Aegypter hätten nur drei Jahreszeiten angenommen. Ich denke, aus allen diesen Erwägungen wird klar hervorgehen, wie sehr Gosselin und seine Anhänger[359] irren, wenn sie das Schweigen unseres Berichtes über die veränderte Lage der Jahreszeiten in Südafrika so auslegen, als ob die Phönizier die Fahrt überhaupt nicht gemacht hätten.

Genauere Vertheilung der Zeit auf die einzelnen Abschnitte der Reise.