Die Tugend Auf Der Schaubuhne Oder Harlekins Heirath Ein Nachsp
Chapter 2
_Isabelle._ Keine Vorwürfe, Herr Graf. Da ich die Bühne betrete, so ist es meine Schuldigkeit, allen die dahin kommen, Höflichkeit und Dankbarkeit zu zeigen. Ich würde sonst unsrer Gesellschaft schaden, und eine Unanständigkeit begehen, die in den Umständen worin ich bin, für den Einen oder Andern beleidigend seyn könnte. Glauben Sie aber um deswillen ja nicht, mein lieber Herr Graf, daß wir mit unsrer Gütigkeit verschwendrischer sind als andre. Ieder Stand erfordert ein eignes Betragen; und wenn man das weiß, so macht man keine falsche Schlüsse.
_Valer._ Ich glaube nicht, daß Sie mir dergleichen Schuld geben können. Meine aufrichtige Liebe ist die beste Widerlegung, und die sicherste Probe, daß ich Ihre Gütigkeit in keinem Verdachte habe.
Neunter Auftritt.
Die _Vorigen_. _Harlekin_ und _Peter_.
_Harl._ Ha! ha! ha! Spielen Sie hier eine Comödie?
_Isabelle._ Nun, was fällt Dir ein, Harlekin? Die Reihe ist ja gar nicht an Dir.
_Harl._ Die Reihe mag an mir seyn oder nicht, so muß ich Ihnen sagen, daß Herr Barthold sich versehen, und daß heute gar nicht gespielt, sondern in allem Ernste an einer Heirath gearbeitet wird.
_Valer._ Aber, was bedeutet denn das?
_Harl._ Was das bedeutet, wenn man heirathet?
_Peter._ Wissen Sie das nicht?
_Valer._ Herr Barthold und Ihr alle seyd verrückt. Ein andermal soll man es mir zweymal sagen, ehe ich hierher kommen und meine Rolle spielen will. (Geht ab.)
_Isabelle._ Kann ich denn wohl so glücklich seyn, zu erfahren, was es für eine Heirath sey, woran heute gearbeitet wird?
_Harl._ Sie soll zwischen einem Bräutigam der sich Scrupel macht, einer Seits, und zwischen einer Braut die sich keine macht, ander Seits, geschlossen und nicht geschlossen werden.
_Isabelle._ Aus diesem räthselhaften Geschwätze schließe ich, Harlekin, daß Du es bist, der sich Scrupel macht.
_Harl._ Der Henker traue den Mädchen! Ich glaube, sie lesen einem aus den Augen was man denkt. Aber, was hat man denn auch anders in den Augen, wenn man erst zu Verstande kömmt, als die Lust zu heirathen? Sehen Sie mir das nicht gleich an?
_Isabelle._ O! das habe ich Dir lange angesehen, und Kolombinen ebenfalls.
_Harl._ Ey, schau doch, wie listig sie das Geheimniß herauslocken will!
_Isabelle._ So war denn doch die Heirath zwischen Dir und Kolombinen das Geheimniß? Nun, so wünsche ich Dir viel Glück damit; es ist ein braves Mädchen.
_Harl._ Dürfte ich wohl unterthänigst fragen, was Sie durch ein braves Mädchen verstehen? Ich habe sonst gemeint, die Pferde würden nur brav genannt.
_Isabelle._ Ich will damit nur sagen, daß Kolombine ihre Rolle gut spielt, daß sie sehr geschickt, sehr schön, sehr lustig, sehr gutherzig--
_Harl._ Aber nicht auch sehr tugendhaft sey?
_Isabelle._ O! das versteht sich von selbst; und ich kann Dir zur guten Nachricht sagen, daß sie noch gar kürzlich ein paar brillantene Ohrringe ausgeschlagen hat.
_Harl._ Aber der Freyer, der sie ihr angeboten, sollte der nicht so gewisse Vermuthungen gehabt haben, daß sie solche wohl annehmen würde?
_Isabelle._ Ich glaubte, Harlekin, Du dächtest besser von unsrer Schaubühne. Wenn man alle diejenigen von uns verurtheilen wollte, welche etwa einen freundlichen Blick vergelten, oder sich eine Versuchung zuziehen, so würde man sehr ungerecht gegen uns seyn.
_Peter._ Nein, der Faden muß wenigstens abbrechen und die Schnur vom Rade fallen, sonst kann man seiner Probe nicht sicher seyn.
_Isabelle._ Das dünkt mich auch, Peter; und wo ich Dich recht kenne, so würdest Du mein Cathrinchen gern nehmen, ohne Scrupel; und Du, Harlekin, thätest auch wohl, von der Probe nach der Hochzeit zu reden.
_Harl._ Das ist verflucht gefährlich, und zu seiner Zeit eben nicht tröstlich.
_Isabelle._ Ich wünsche Euch mit einander ein Paar Weiber, die Euch die Köpfe zurechte setzen; und wenn Herr Barthold seine selige Frau noch hätte, so würde er mich nicht hieher auf April geschickt haben. Das sagt ihm nur, wenn Ihr ihn sehet. (Geht ab.)
Zehnter Auftritt.
_Harlekin_ und _Peter_.
_Harl._ Nun, Peter, wo hast Du meine Companie gelassen?
_Peter._ Hier ist sie (indem er ihm das Kleid holet und übergiebt).
_Harl._ (Zieht das Kleid über das seinige, und macht dabey ein Theaterspiel).
Elfter Auftritt.
Die _Vorigen_ und _Scapin_.
_Scapin._ Ha! willkommen, mein werthester Herr Hauptmann!
_Harl._ Wie, Scapin, kennest Du mich denn nicht mehr?
_Scapin._ In der That, wenn Dich Deine Stimme nicht verrathen hätte, so würde ich Dich schwerlich erkannt haben.
_Peter._ Aber die Hosen?
_Scapin._ O! die kann man bey jedem Kleide tragen, und ein Witwer mag sie so gar in der Trauer anziehn.
_Peter._ Bey uns sagt man, es ist kein Herr so groß, oder der Narr blickt irgendwo hervor.
_Harl._ Ich bitte Dich, Peter, mache doch solche dumme Vergleichungen nicht. Ich habe diese Hosen mit Fleiß behalten; denn sollte die Probe unglücklich ablaufen, so hänge ich das Kleid sogleich an den Nagel, und bin wieder der ich war. Aber, was denkst Du, Scapin, sollte man mich wohl aus Achtung für die Uniform ungeschlagen zurückschicken?
_Scapin._ Mache Dir doch nur solche Skrupel nicht. Wenn Kolombine ein ehrliches Mädchen ist, und Du es recht bey ihr anfängst, so mußt Du Deine Schläge bekommen, oder ich verliere fünf Gulden.
_Harl._ Gut! es ist ein Wort.
_Peter._ Wahrhaftig, ich wette mit, Herr Harlekin. Kolombine ist ein ehrliches Mädchen. Sie bekommen die Schläge zuverlässig, und ich gewinne mein Geld, oder Sie haben es nicht recht darnach angefangen.
_Harl._ Peter, es gilt fünf Batzen; und mit Freuden will ich sie euch beyden auszahlen. Eins fällt mir aber itzt bey: ich habe gar kein Geld in der Tasche. Ich müßte doch wohl, wenn ich einen Versuch wagen will, so irgend einen Beutel mit Dukaten haben.
_Scapin._ Glaubst Du denn nicht, daß ich weiß, was Dir in solchen Fällen nöthig ist? Fühle nur einmal in die Taschen. In der einen steckt meines Herrn leerer Geldbeutel mit Zahlpfennigen, und in der andern das Futteral von seinen Schuhschnallen. Kolombine wird Dukaten und Iuwelen darin vermuthen, und wenn Du es ihr anbietest, Dir gewiß Beydes an den Kopf werfen, ohne zuzusehen was darin ist.
_Harl._ Weißt Du dies gewiß?
_Scapin._ So gewiß als Du den Glauben auf den Puckel bekommen wirst.
_Peter._ Viel Glücks dazu.
_Harl._ (zu Scapin) Wolltest Du mich wohl bey Kolombinen melden?
_Scapin._ Ey, warum nicht? Ich diene meines Herrn Uniform, und schäme mich nicht, solche bey Kolombinen anzumelden.
_Harl._ So gehe geschwind.
Zwölfter Auftritt.
_Harlekin_ und _Peter_.
_Harl._ Der Scapin ist doch ein durchtriebner Kopf, und weiß zu allem Rath.
_Peter._ Nach meinem dummen Verstande gehört eben nicht viel Witz dazu, Ihnen zu einer guten Tracht Schläge zu verhelfen. Das wollte ich auch wohl thun.
_Harl._ O mein guter Peter, das ist weit über Deinen Horizont. Du weißt es nicht, wie angenehm mir diese Schläge seyn werden.
_Peter._ Nun, meinethalben. Alles wie Sie wollen. Wenn ich nur meine fünf Batzen gewinne. Ich fange aber nunmehro an zu fürchten, Sie werden, wenn die Wette verloren geht, in den Beutel mit Zahlpfennigen greifen.
_Harl._ Du sollst Deine fünf Batzen gewiß haben, oder ich heiße nicht Hauptmann von Astaroth.
_Peter._ Ach, meynen Sie nicht, daß die Leute Sie erkennen werden? Ihre Stimme verräth Sie gleich.
_Harl._ Die weiß ich schon zu verstellen. Ich will die ordentliche Rolle eines Hauptmanns spielen, so wie ich sie gelernt habe.
Dreyzehnter Auftritt
Die _Vorigen_ und _Scapin_.
_Scapin._ Die Mademoiselle Kolombine Barthold läßt sich dem Herrn Hauptmann von Astaroth gar schön zurück empfehlen, und weil sie nicht glaubte, daß der Herr Hauptmann ihr etwas Heimliches zu sagen haben würden, so wollte sie die Ehre haben, denselben hier auf der Bühne zu empfangen.
_Harl._ War sie allein?
_Scapin._ Sie saß und nähete an einem Unterrocke, worin sie mit Dir, wie ich hoffe, getrauet werden wird; ein allerliebstes Röckchen von feuerfarbenem Atlas mit Spitzen eingefaßt, nicht kostbar, aber niedlich.
_Peter._ Sie kommt! Sie kommt!
_Scapin._ Komm Peter, wir wollen in die nächste Schenke gehn, und unsre künftige Wette vertrinken.
(Letztere gehn ab.)
Vierzehnter Auftritt
_Harlekin_. _Kolombine_.
_Harl._ Assah! Miß Pudding, wie stehts? Ist die Leber noch frisch, und seyd Ihr diesen Winter gut bequartirt?
_Kolombine._ Darf ich fragen: was zu des Herrn Hauptmanns Befehl sey?
_Harl._ Zu meinem Befehl? Drey Küsse auf eine Stelle, mein Schatz, drey Küsse--
_Kolombine._ Ich weiß nicht, ob ich es recht verstanden habe, der Herr Hauptmann von Astaroth sind bey mir gemeldet worden.
_Harl._ Das bin ich im Original, mein kleines Zuckermündchen. Darf ich aber auch wohl fragen, ob Sie nicht die Mademoiselle Kolombine Bartholdinn sind?
_Kolombine._ Ihnen aufzuwarten, Herr Hauptmann.
_Harl._ Nun, so sind wir ja bekannte Leute und Nachbars Kinder. Komm dann, mein Schatz, und küsse mich.
_Kolombine._ Ich glaube immer noch, ich irre mich. Man hat mir gesagt, daß Sie einige Bestellungen von einer sehr guten Freundinn, die ich auf dem Lande habe, an mich hätten.
_Harl._ Ia, recht, mein liebes Sauernüßchen. Hier habe ich ein Paar orientalische, peruvianische Ohrringe, und dort einen Beutel mit eintausend gerändelten Species-Dukaten. Was dünkt Dir dabey, mein Rosenknöspchen?
_Kolombine._ Ich begreife noch eigentlich nicht, wozu das alles?
_Harl._ Wozu, Mädchen? *Primo* sollst Du mich dafür neun und neunzig Mal küssen.
_Kolombine._ Ach, wer weiß bey welchem Mädchen Sie diese Ohrringe wohl erbeutet haben, und ob Sie ihr nicht gar dabey die Ohren ausgerissen!
_Harl._ Ich eroberte sie in dem Laufgraben vor Schweidnitz, und diese tausend Dukaten habe ich einem französischen Marschalle *en rase campagne* abgenommen.
_Kolombine._ Ich sehe wohl, Herr Hauptmann, Sie haben an mich nichts zu bestellen, und ich will mich Ihnen nur gehorsamst wieder empfehlen.
_Harl._ O Prinzessinn! so wird es nicht gehn. Flugs hierher! (Er nimmt sie bey der Hand, und stellet sie so daß sie ihm nicht entgehen kann.) und diese Ohrringe, diese Dukaten, diese Küsse angenommen. (Er will sie küssen, und sie wehret sich.)
_Kolombine._ Ich bitte Sie recht sehr, Herr Hauptmann, mäßigen Sie Sich.
_Harl._ Was mäßigen? Drey Iahre belagere ich eure verdammte Schaubühne, als wenn ich eine Festung belagere; und beständig habe ich meine Kanonen auf Dich gerichtet. Daß ich endlich einmal Sturm laufe, mußt Du mir nicht verdenken. Sogleich diese Ohrringe eingesteckt! (Er dringt ihr solche auf, sie fallen aber auf die Erde.) und hier diese tausend Dukaten, oder (wie vorher.) und nun gehts auf die Bresche los. (Er umarmt sie auf seine Art.)
_Kolombine._ Ach mein Gott! Gewalt, Gewalt, Gewalt!
Funfzehnter Auftritt
Die _Vorigen_, _Barthold_, _Scapin_ und _Peter_ kommen von allen Seiten.
_Barth._ Was ists, was ists, was ists?
_Kolombine._ Sehen Sie nicht, der Herr Hauptmann will mich mit Gewalt küssen, und mich zwingen tausend Dukaten und ein Paar brillantene Ohrringe anzunehmen.
_Barth._ Und darum schreyest Du so, Mädchen? Ich wette, wenn ich den Herrn Hauptmann mit Gewalt zum Hause hinaus werfe, er macht nicht einen solchen Lerm.
(Kolombine hebt inzwischen das Kästchen auf und sieht aus Vorwitz hinein.)
_Harl._ Ich bitte, sprechen Sie mit mehr Achtung von mir, sonst will ich Ihnen was anders zeigen.
_Barth._ Geschwind heraus damit, was wolltest Du mir anders zeigen?
_Harl._ Ich habe es nicht nicht bey mir; aber, wenn Sie erlauben wollen, so will ich hingehen und es holen.
_Barth._ Du bist sehr fein, wie ich merke; inzwischen, wenn Sie es erlauben wollen, so will ich Ihnen vors erste wohlmeynend eine Tracht Schläge mitgeben. Sie mögten es vielleicht vergessen sie abzuholen. (Er prügelt ihn zur Schaubühne herunter. Scapin und Peter halten ihm überall wo er hin läuft, die Hände vor, um ihr Geld zu empfangen. Harlekin entflieht endlich.) Wo ist der Beutel mit den tausend Dukaten, und wo sind die demantenen Ohrringe? Diese erkläre ich hiermit für verfallen. Ich muß dieses Urtheil nur geschwind selbst sprechen, damit der Richter das *Corpus delicti* nicht zu sich nehme.
_Kolombine._ Ach daß Gott erbarme! Lassen Sie doch diese Sporteln immerweg dem Richter; er wird sie den Parteyen treulich wieder ausliefern, und sich gern mit der Gebühr befriedigen. Sehen Sie hier.
(Er nimmt den Beutel und das Kästchen.)
_Scapin._ Erlauben Sie, Herr Barthold, daß wir Ihnen eine Vorstellung thun. Es war unser guter Harlekin, der hier, in des Herrn Hauptmanns Kleidung, die Erfrischung zu sich genommen.
_Barth._ Wie? Harlekin?
_Peter._ Ia, bey meiner Treue; er hat die Schläge nur auf des Herrn Hauptmanns Rechnung genommen, und ich bin froh, daß er sie empfangen hat. Ich habe mit ihm um fünf Batzen gewettet, und bereits die Hälfte davon vertrunken.
_Kolombine._ O, der arme Harlekin! wenn ich das gewußt hätte, ich würde ihm gewiß zu seiner mehrern Beruhigung noch eins mitgegeben haben.
_Scapin._Ich kann Sie versichern, er ist so froh von seinen Schlägen, daß er sie gerne noch einmal nehmen wird, wenn er die Ehre haben kann und Sie Sich die Mühe nehmen wollen.
_Kolombine._Kömmt Zeit, kömmt Rath.
_Barth._Aber es ärgert mich doch, daß die tausend Dukaten-- Fast hätte ich Lust, ihm den Prozeß machen zu lassen. Falsche Münze! Nothzucht--wahrhaftig, eins von Beyden hat schon manchen ehrlichen Mann an den Galgen gebracht. Aber still; hört, geht Ihr hin, und trinkt Eure Zeche. Ich will alles gut machen. Sagt ihm aber nichts davon, daß ich einige Nachricht von seiner Verkleidung habe.
_Scapin._ Sie sind ein redlicher Mann, Herr Barthold. Kein Wort aus meinem Munde! (Er hält den Finger auf den Mund, und geht ab.)
_Peter._ Auf Ihre und Mamsell Kolombinens Gesundheit! (Er hält die ganze Hand auf den Mund, und geht ab.)
Sechszehnter Auftritt.
_Barthold_ und _Kolombine_.
_Barth._ Ich zweifle nicht daran; oder Harlekin wird itzt kommen, nachdem er seine närrische Probe gemacht, und um Dich anhalten. Euer sind viele, meine liebe Kolombine, und wenn Harlekin bisweilen ein bisschen einfältig ist, so mußt Du denken: daß diese seine Einfalt unsrer Bühne vielen Vortheil bringt, und daß wir ohne ihn nicht wohl fertig werden konnen. Was meynst Du also von ihm? Soll ich Ia, oder Nein sagen, wenn er um Dich anhält?
_Kolombine._ Nein, Papa!
_Barth._ Nein, Papa! und warum denn, Nein, Papa?
_Kolombine._ Aber ein Mann, der mir ein so schlechtes Vertrauen beweißt? Der erst mit Schlägen zur Vernunft gebracht werden muß?-- Der--
_Barth._ O! die Liebe macht auch kluge Leute Narren; man muß dieser Thorheit etwas zu gute halten, und Schläge auf der Bühne beschimpfen Harlekin nicht. Das ist so seine tägliche Rolle. Er wird zu allem geschlagen, und sogar zum Hahnrey. Und Du kannst mir als Deinem Vater wohl glauben, _die_ Leute, welche eine gewisse bekannte Art von Klugheit oder Narrheit haben, sind am besten zu regieren. Die mehrsten Menschen heirathen als Narren, und werden erst klug als Männer, wenn sie auch im Ehestande nichts weiter lernen, als die Kunst zu schweigen. Zu einer guten friedlichen Ehe gehört Iugend, Gesundheit und Geld. Das übrige läßt sich entbehren, insbesondere der Verstand, wenn man sein Brot mit der Dummheit verdienen muß.
_Kolombine._ Es sey darum wie es wolle; da wir keine Comödie spielten, so hätte er mehr Verstand gebrauchen sollen. Er ist so dumm nicht, wie Sie meynen, und ich habe von Natur einen verzweifelten Trieb die Listigen zu überlisten.
_Barth._ Du kannst ihn nicht besser überlisten, als wenn Du ihn zum Manne nimmst.
_Kolombine._ Erst soll er mir wenigstens hier vor allen Leuten öffentlich Abbitte thun, und dann will ich sehen was ich thue.
_Barth._ Warum soll er denn aber für den Hauptmann von Astaroth Abbitte thun, mein Kind? Wir brauchen es ja nicht zu wissen, daß Harlekin sich so übel aufgeführt hat.
Siebenzehnter Auftritt.
Die _Vorigen_ und _Harlekin_.
_Harl._ Nun, mein liebes Kolombinchen, wollen wir itzt Braut und Bräutigam spielen? _Ich_ will wohl, wenn _Sie_ will.
_Kolombine._ Ich will aber nicht.
_Harl._ Wie? Du willst nicht?
_Kolombine._ Haben Sie mich diese Antwort nicht selbst gelehret?
_Harl._ Ia, das habe ich gethan; aber das war nur eine Rolle in der Comödie.
_Kolombine._ Nun, ich spiele itzt die meinige. Ich will nicht.
_Barth._ Kinder, was Ihr thun wollt, das thut bald; es ist meine Zeit zu trinken, und die versäume ich nicht gern.
_Harl._ Noch einen Augenblick, Herr Barthold, ich muß Ihnen erst einen listigen Streich erzählen. Kennen Sie den Herrn Hauptmann von Astaroth?
_Barth._ O ja, ganz gut. Ich habe noch eben die Ehre gehabt, ihn aus meinem Hause zu prügeln.
_Kolombine._ Es ist ein sehr schlechter Mensch.
_Harl._ O wenn Sie es wüßten! (Er geht auf der Bühne herum, und freuet sich.)
_Barth._ Ich denke doch nicht; daß er sich der empfangenen Ehre rühmen wird?
_Harl._ O, mein guter Herr Barthold, wenn Sie es wüßten! Gelt? Sie glauben den Herrn Hauptmann von Astaroth geschlagen zu haben? Ha! ha! ha!
_Barth._ Ia, das meyne ich.
_Harl._ Sehen Sie mich einmal recht an! und fühlen hier auf meinen Rücken! He! he! he!
_Barth._ Bey meiner Ehre, ich sollte fast glauben, daß ich hieher geschlagen hätte. Ich kenne ungefähr meinen Zug. Aber, wie geht das in aller Welt zu?
_Kolombine._ O, mein lieber Harlekin, thun Sie mir den Gefallen, und sagen mir, ob nicht ein wenig Hexerey mit unterläuft?
_Harl._ Nun, was soll ich haben, wenn ich Dir das Geheimniß entdecke?
_Kolombine._ Wir wollen auch oft Braut und Bräutigam mit einander spielen.
_Harl._ Unvergleichlich! aber erst, mein liebes Kolombinchen, mußt Du mir im Vertrauen sagen, warum Du so gern die Braut spielest?
_Kolombine._ Das kann ich Ihnen nicht sagen; aber ich bin denn so munter, so leicht, so aufgeräumt, so tanzend.
_Harl._ Hast Du wohl schon so recht im Ernste getanzt?
_Kolombine._ Nun, da Sie wieder so fragen, will ich das Geheimniß gar nicht mehr wissen. Gehen Sie damit, und eröffnen es meinem Cathrinchen.
_Harl._ Du sollst es nun aber wissen.
_Kolombine._ Nichts! Itzt durchaus nicht; und wenn Sie mir auch tausend gerändelte Dukaten geben wollten.
_Harl._ Ich merke schon--
_Barth._ Vertrauen Sie es mir allein, Harlekin; bey Mädchen sind die Geheimnisse ohnehin etwas lose verwahrt. Sie fallen leicht aus der Hülse.
_Harl._ Hören Sie, Herr Barthold; und St! St! Kolombine,-- _ich_ war der Hauptmann von Astaroth. Ich hatte nur seinen Rock hier über den meinigen gezogen. Ha! ha! ha!
_Barth._ Nimmermehr.
_Harl._ In der That. Aber kannten Sie mich nicht hier an meinen bunten Hosen? Ha! ha! ha!
_Kolombine._ Ietzt besinne ich mich; ich sahe etwas davon schimmern.
_Harl._ Gelt! mein guter Herr Barthold, ich habe Sie einmal rechtschaffen angeführt? Ha! ha! ha!
_Barth._ Auf solche Art sollte der ehrlichste Mann betrogen werden. Aber, ich bitte Sie tausendmal um Vergebung, daß ich mich so nachdrücklich gegen Sie herausgelassen habe.
_Harl._ O! Sie haben gar nicht Ursache. Ich bin vielmehr froh, daß es so gekommen ist; denn nunmehr bin ich versichert, daß Kolombinchen die Krone von allen Iungfrauen ist. Meine Scrupel sind nun alle weg.
_Kolombine._ Die meinigen gehen aber nun erst an.
_Harl._ O, mein allerliebstes Lockvögelchen, Du kannst mich nur wieder ein Vierteljahr auf die Probe nehmen, ich bin es gerne zufrieden. Wenn _Sie_ will, _ich_ will wohl.
_Kolombine._ Die Probe mögte schlecht ausfallen; ich weiß schon, wie das geht.
_Harl._ Wie? Du weißt es wie das geht?
_Barth._ Haben Sie noch Scrupel?
_Harl._ Ach nein! aber Sie weiß wie das geht.
_Kolombine._ Ia, ich weiß wie das geht. Ein ehrliches Mädchen, das einen Mann auf die Probe nimmt, muß ihn hernach immer behalten; und das will ich nicht.
_Harl._ Höre, mein Schätzchen, wenn Du willst, so will ich es Dir schriftlich geben, daß die Probe nicht länger als einen Monat währen soll.
_Kolombine._ Bemühen Sie Sich nicht. Sie wissen, was Sie mir zuvor sagten: Wenn die Comödie aus ist, so hat die Freyerey ein Ende. Ich empfehle mich Ihnen ganz gehorsamst. (Sie will abgehn.)
_Harl._ O Herr Barthold! Herr Barthold! das wäre zu viel, erst Schläge, und nun gar einen Korb! Das ist eine Comödie und auch keine Comödie.
_Barth._ Hier, Kolombine! Die Comödie ist noch nicht zu Ende. Du weißt, sie muß allezeit mit einer Heirath schließen.
_Kolombine._ Nein, Papa! Das ist nicht nöthig; wir haben viele Stücke auf unsrer Bühne, welche sich bloß mit Schlägen endigen: und wenn es recht zugegangen wäre, so hätte Harlekin, oder der Herr Hauptmann von Astaroth, auch damit zu Hause gehen müssen.
_Barth._ Ich rathe Ihnen, mein lieber Harlekin, hier meiner Tochter Ihre Scrupel öffentlich abzubitten.
_Harl._ O von Herzen gern! Siehe hier, mein Engels Kolombinchen, ich liege hier vor Dir auf den Knieen, und bitte öffentlich um Vergebung.
_Kolombine._ Sie müssen mir erst Ihr Schwert übergeben. Es schickt sich nicht, daß Sie solches in dieser Stellung an der Seite tragen. (Er überreicht ihr seinen Säbel.) Sie hätten verdient, Herr Hauptmann von Astaroth, daß ich Ihnen jetzt mit Ihrem eigenen Säbel die Haut voll schlüge. --Weil Du es aber bist, mein allerliebstes Harlekinchen, so will ich--
_Harl._ O kein: will ich nicht! kein will ich nicht!
_Kolombine._ So will ich--
_Harl._ Nun, so will ich--
_Kolombine._ So will ich die Strafe fürs erste noch aufschieben--
_Harl._ Nur nicht bis in den Ehstand!
_Kolombine._ Aber mit der ausdrücklichen Bedingung: daß wir noch immerfort alle Tage Braut und Bräutigam spielen.
_Harl._ O ja! o ja!
_Barth._ Ach, meine lieben Kinder, ihr wißt noch nicht, was dazu gehört.
_Harl._ Wie? Herr Barthold, so bekomme ich ja alle Tage von der braunen Kruste.
_Barth._ Die ist für eine tägliche Kost etwas zu hart; und wenn man ein Stück zu oft wiederholt, so werden es sogar die Zuschauer müde.
_Kolombine._ Sorgen Sie nicht, Papa; ich weiß schon, wie Harlekin sie am liebsten ißt. Er kann es ja probiren, und wenn er sie dann nicht mehr mag, so will ich ihm was anders vorsetzen.
_Barth._ O du liebe Einfalt! aber kommt Kinder, weil der Braten noch warm ist.
_Kolombine._ Ich bin fertig.
_Barth._ Ie nun; so wollen wir den Zuschauern eine gesegnete Abendmahlzeit wünschen.
_Harl._ Und zur Probe, eine braune Kruste.