Die Technik der Lastenförderung einst und jetzt Eine Studie über die Entwicklung der Hebemaschinen und ihren Einfluß auf Wirtschaftsleben und Kulturgeschichte

Part 3

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Fig. 22 (entnommen aus Beck S. 142) zeigt in sehr anschaulicher Weise eine Fördermaschine, die durch ein Kehrrad betrieben wird, d. h. durch ein Wasserrad mit einem rechtsgängigen und einem linksgängigen Schaufelkranz. Man erkennt deutlich die beiden Zuaufschützen, von denen der eine geschlossen ist, während der andere geöffnet ist; man sieht den Steuermann, der die beiden Schützen bedient und die beiden Hilfsarbeiter, welche das Entleeren der Fördergefäße besorgen. Ein vierter Mann bedient die Bremse. Diese Maschine hatte ein Kehrrad von 10,40 m Durchmesser, die Welle war 60 cm stark und 10,40 m lang. Die Bremsscheibe hatte 1,80 m Durchmesser und war 30 cm breit. Es wurden also diese Fördermaschinen bereits in ansehnlichen Abmessungen ausgeführt; sie waren in ihren Einzelheiten den damaligen Herstellungsmethoden durchaus angepaßt und in der Gesamtordnung wohl durchdacht; für die damalige Zeit stellen sie eine erstaunliche Leistung dar.

Von dieser Zeit -- um 1500 -- bis zum Jahre 1800 bleibt die typische Gestaltung der Fördermaschinen unverändert. Aus dem Jahre 1826 liegt uns ein sehr umfangreiches und wertvolles Werk vor: »Ausführliches System der Maschinen-Kunde« von Prof. Langsdorf, ordentlichem Lehrer der Mathematik zu Heidelberg.

Kennzeichnend für das unbefangene Urteil dieses Verfassers sind die einleitenden Sätze, die er seinem Werk vorausschickt:

»Die Wichtigkeit einer Zusammenstellung von Lehren, die zur ~industriellen~ Mechanik gehören, ist allgemein anerkannt. Aber hat die industrielle Mechanik weniger Bedeutung als die Mechanik überhaupt? und haben wir nicht Anleitungen zu letzterer, selbst in unserer Muttersprache zum Überfluß? Man nehme Euler oder Lagrange, oder Kästner und ähnliche Werke zur Hand: Von besonderen Zwecken der Bewegung ist in diesen Behandlungen der ~allgemeinen~ Mechanik nicht die Rede, daher auch nicht von Anordnungen zur Erreichung bestimmter Zwecke; mit letzteren geht die Wissenschaft in die ~Technik über, die der reinen Wissenschaft, und oft genug auch dem Subjekte, das sie besitzt, ganz fremd ist~.«

»Karsten ging ungleich weiter als Kästner; er betrachtet schon mannigfaltige Maschinen, die für das bürgerliche Leben von großer Wichtigkeit sind. Ich glaube aber den großen Verdiensten dieses trefflichen scharfsichtigen und gründlichen Mathematikers unbeschadet bemerken zu dürfen, daß er, ich möchte sagen, zu sehr Mathematiker war.«

»Es ist nicht das künstliche Gewebe von Reihen und Kombinationen, was uns zu brauchbaren Resultaten führt; es ist ein geübtes praktisches Talent, das durch Mannigfaltigkeit von Beobachtungen zusammenwirkender Kräfte und dazu dienlicher Organe geleitet, die mannigfaltigen Kräfte und Organe aufzusuchen gewöhnt ist, deren Verein zu einer bestimmten Wirkung führt, jenes Talent, wodurch Belidor, v. Baader, v. Reichenbach sich zu Lehrern in diesem Fache erhoben -- nicht die bewunderten Kunstgriffe der neuen Analysis, die dabei nicht einmal ihre Anwendung finden.«

In diesem Werk findet sich eine vorzügliche Darstellung der technischen Mittel des damaligen Bergbaues. Unter anderem sind dort die von dem bayerischen Ingenieur v. Reichenbach in Berchtesgaden ausgeführten, noch heute erhaltenen Wassersäulenmaschinen eingehend dargestellt, die ein Jahrhundert hindurch in Betrieb gewesen sind.

Fig. 23 (entnommen aus Langsdorf 2. Band, Taf. 48) gibt ein klares Bild einer im Freiberger Revier aufgestellten Fördermaschine mit Göpelbetrieb. Die Abmessungen, Geschwindigkeiten und Leistungen dieser Maschine werden vom Verfasser genau mitgeteilt; diese Angaben sind hier auf modernes Maßsystem umgerechnet, um dem Leser einen unmittelbaren Vergleich zu ermöglichen.

Teufe = 100 Lachter = rund 200 m, Nutzlast = 1100 Leipziger Pfund = rund 550 kg, Antrieb durch zwei Pferde, Seilgewicht = 14 Ztr. = rund 700 kg, Hubgeschwindigkeit = 0,95 Dresdener Fuß in der Sekunde = rund 0,27 sekm, Hubzeit = 12⅓ Min., Sturzpause = 3 Min., Schichtdauer = 6 Std., Stundenleistung = 550/1000 × 60/15,3 = rund 2 t, Anlagekosten = 900 bis 1500 Rheintaler = rund 2700 bis rund 4500 M.

Der Verfasser fügt noch folgende Bemerkungen hinzu: »Die größte Förderteufe, auf welche man in Sachsen die Pferdegöpel anwendet, beträgt 140 Lachter.« »Man rechnet, daß die Reparaturkosten in 15 Jahren den Anlagekosten gleichkommen.«

»Die bei einem solchen Göpel beschäftigten Arbeiter sind: ein Knecht zum Antreiben der Pferde, ein ~Treibmeister~ zum Stürzen, ein ~Anschläger~ zum Füllen der Tonne und ein ~Ausläufer~ zum Wegführen der Fördermasse aus dem Treibhause.« »Beim Schemnitzer Bergbau in Ungarn, wo der Mangel an Aufschlagwasser die Zahl der Wassergöpel sehr beschränkt, verlangt man von den Pferdegöpeln weit mehr als in Sachsen.« Teufe 200 Klafter, 4 Paar Pferde, jedes Paar an einem besonderen Göpelarm. Verhältnis von Göpelarm zu Trommelradius = 2 : 1.

Der Verfasser beschreibt dann weiter eine sehr primitive aber durchaus wirksame Senkbremse für größere Teufen mit folgenden Worten:

»Da in sehr tiefen Schächten, bei Anwendung einer zylindrischen Trommel, das Gewicht des Seils der leeren Tonne, sobald diese dem Füllort nahe kommt, das Übergewicht über die Last der vollen Tonne bekommt, so wird zur gehörigen Zeit ein sog. Göpelhund am Zugkranz angehängt, der aus zwei mit Steinen beschwerten Hölzern besteht und durch seine Reibung auf der Rennbahn das allzuschnelle Umgehen der Welle verhindert.«

Fig. 24 stellt eine besondere Ausführungsform von Wasserrad-Fördermaschinen dar. Es war nämlich zur Ausnutzung des Gefälles in vielen Fällen zweckmäßig, das Wasserrad soweit unter Tag aufzustellen, daß das Abfallwasser durch einen vorhandenen Stollen seitwärts an der Berglehne herauslaufen konnte. Die Trommelwelle mußte aber naturgemäß über Tag liegen. Es ergab sich daher die Notwendigkeit, die hochliegende Trommelwelle durch Kurbeln und Schubstangen von der tiefliegenden Wasserradwelle aus anzutreiben. Da die hölzernen Schubstangen mit ihren einfachen Angenlagern für die Aufnahme von Zerknickungsbeanspruchungen und von Wechseldrücken wenig geeignet gewesen wären, so sind vier Schubstangen ausgeführt, die stets nur auf Zug beansprucht sind. Die Kurbeln sind als Schmiedestücke mit doppelter Kröpfung ausgebildet.

Aus dem Bild ist ersichtlich, daß das Kehrrad aus dem Jahr 1800 dem von Agricola 1500 mitgeteilten aus dem Jahre 1500 durchaus gleichartig ist.

Trotzdem bei diesen Fördermaschinen nahezu alle Teile, namentlich die Wellen und Seiltrommeln aus Holz hergestellt sind, sind doch bereits Mittel angegeben, welche es gestatten, die eine Seiltrommel auf der Welle während des Stillstandes soweit zu verdrehen, und wieder festzusetzen, daß aus verschiedenen Teufen gefördert werden kann.

Die Anlagekosten einer Wasserrad-Fördermaschine ohne Zu- und Ableitung aber einschließlich des Triebhauses gibt der Verfasser zu 500 Talern sächsisch an.

Wie typisch derartige Wasserrad-Fördermaschinen geworden waren, geht daraus hervor, daß sie in ähnlicher Art auch in Norwegen verwendet wurden. Borgnis beschreibt in seinem Werk »Traité complet de Mécanique appliquée aux Arts«, Paris 1815 eine Maschine dieser Art, die in dem Silberbergwerk Kongsberg in Norwegen in Betrieb war. Aus Fig. 25 (entnommen aus Borgnis Taf. 19) ist ersichtlich, daß die Maschine zugleich zur Wasserhaltung und zur Förderung dient. Das Wasserrad ist hier nicht als Kehrrad ausgebildet, sondern läuft stets in derselben Richtung um und treibt mittels einer Kurbel, eines Gestänges und zweier Kunstkreuze zwei Pumpengestänge an. Das Gestänge ist doppelt ausgeführt, damit nur Zugbeanspruchungen auftreten. Von den beiden Kunstkreuzen aus wird die Trommelwelle durch Klinken bewegt. Die Bewegung der Fördergefäße ist also keine stetige, sondern eine absetzende. Da die Teufe nur eine sehr geringe ist, wie aus der Anwendung von Ketten anstatt der sonst üblichen Seile und aus der geringen Trommelbreite geschlossen werden kann -- etwa 50 m --, und da die Hubgeschwindigkeit bei dem großen Durchmesser des Wasserrades -- 13 m -- und dem geringen der Kettentrommel -- 2 m -- ebenfalls nur eine sehr geringe gewesen sein kann, so dürfte die absetzende Bewegung keine Nachteile gehabt haben. Das Stillsetzen der Kettentrommeln wurde einfach durch Ausheben der Klinken bewirkt, während das Wasserrad und die Pumpengestänge stetig weiterliefen.

Fördermaschinen mit Wasserrad-Antrieb haben sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten. So ist in der »Enzyklopädie« des Prof. Hülße aus Chemnitz vom Jahre 1844 noch eine Darstellung eines Kehrrades mit Bremswerk mitgeteilt.

Auch Fördermaschinen, die durch Wassersäulenmaschinen betrieben wurden, scheinen ausgeführt gewesen zu sein. Wenigstens läßt eine Nachricht von Langsdorf darauf schließen. Vermutlich aber haben diese Maschinen der damaligen Fabrikation weit größere Schwierigkeiten bereitet als die so sehr einfachen und zweckmäßigen Wasserräder, die unmittelbar die drehende Bewegung der Seiltrommel erzeugten.

2. 1820 bis 1900: Antrieb durch Dampfkraft.

Wasserkraft war naturgemäß nur in bergigem Gelände verfügbar; für das Flachland gab es nichts anderes als den Pferdegöpel. Als daher die ersten Dampfmaschinen auftauchten, wurden sie nicht nur für die Wasserhaltung, sondern sehr bald auch für die Förderung benutzt.

Severin berichtet in seinen »Beiträgen zur Kenntnis der Dampfmaschine«, die als Abhandlung der Kgl. Technischen Deputation für Gewerbe in Berlin im Jahre 1826 erschienen, daß damals im ~preußischen Bergbau~ 77 Dampfmaschinen mit zusammen 1440 PS im Betriebe waren. Unter diesen waren folgende 20 Fördermaschinen, deren abgerundete Leistungen und Anlagekosten in umstehender Tabelle (S. 30) auf unser heutiges Maßsystem umgerechnet zu finden sind.

Über die Förderung in ~Belgien~ berichtet Dr. Poppe in Dinglers Polytechnischem Journal aus dem Jahre 1828 Bd. 29 S. 467 von einer Studienreise durch Belgien und Westfalen: »Das Steinkohlenbergwerk zu Hornu bei Mons war im Jahr 1811 bereits aufgelassen worden; die zwei Schächte waren erschöpft, und alles Gerät bestand aus einer schlechten Dampfmaschine und einem Pferdegöpel. In den Jahren 1810-13 baute Degorge-Legrand 10 neue Schächte, die mit 8 Dampffördermaschinen von zusammen 156 PS, also von durchschnittlich 156/8 = 19 PS ausgerüstet wurden.«

Über Dampffördermaschinen in ~Westfalen~ gibt derselbe Verfasser im Jahre 1838 die in nachfolgender Tabelle (S. 31) zusammengestellten Angaben.

Aus dieser Zusammenstellung ist ersichtlich, daß die Dampffördermaschinen der damaligen Zeit im Mittel nur über eine Leistung von 8 PS verfügten; die stärkste Maschine leistete 20 PS. Es wurde meist nur ein Kohlenwagen bei jedem Hub gefördert und zwar mit einer mittleren Geschwindigkeit, die über 3 m in der Sekunde nicht hinausging. Die Teufen blieben unter 150 m.

Zusammenstellung von Fördermaschinen in Preußen von Severin 1826.

=================+===============+=========+========+========+========= | |Zylinder-| Nutz- | Anlage-| Anlage- Namen der | Konstrukteur |durch- |leistung| kosten | kosten Kohlengrube | |messer | | | für 1 PS | |in mm | in PS | in Mk. | i. Mk. -----------------+---------------+---------+--------+--------+---------

~Westfälischer Oberbergamtsbezirk.~

Trappe bei Wetter|Harkort Thomas | 380 | 7 | 9000 | 1200 | & Co. | | | | Sälzer u. Neue |Masch.-Inspekt.| 420 | 9 | 10000 | 1200 Ack b. Essen | Merker | | | | Kunstwerk bei | Dinnendahl | 790 | 30 | 35000 | 1150 Steele | | | | | do. | „ | 390 | 8 | 14000 | 1840 do. | „ | 390 | 8 | 14000 | 1840 Wiesche bei | | | | | Mühlheim | „ | 470 | 11 | 14000 | 1280 a. d. Ruhr | | | | | Sellerbeck bei |Englerth | | | | Mühlheim |Reuleaux u. | 680 | 12 | 10000 | 850 a. d. Ruhr |Dobbs | | | |

~Rheinischer Oberbergamtsbezirk.~

Hostenbach | Perrier | 550 | 15 | 20000 | 1350 a. d. Saar | | | | | Furth bei | Cockerill | 420 | 9 | 22000 | 2570 Bardenberg | | | | | Abgunst bei | „ | 390 | 35 | 45000 | 1280 Richterich | | | | | Neulangenberg bei| | | | | Kohlscheid | „ | 470 | 11 | 24000 | 2220 Neulaurweg |Englerth | 420 | 9 | 12000 | 1400 |Reuleaux u. | | | | |Dobbs | | | | Zentrum bei | „ | 420 | 9 | 12000 | 1400 Eschweiler | | | | | do. | „ | 420 | 9 | 12000 | 1400

~Schlesischer Oberbergamtsbezirk.~

Segen Gottes b. | Holzhausen | 310 | 5 | 4500 | 950 Altwasser | | | | | Glückhilf bei | „ | 310 | 5 | 3500 | 730 Hermsdorf | | | | | Luise Auguste b. | „ | 420 | 9 | 7000 | 790 Waldenburg | | | | | Königsgrube | „ | 420 | 9 | 7000 | 780 do. | „ | 420 | 9 | 7000 | 780 Charlotte zu | nach Newcomen | 310 | 5 | 4000 | 790 Czernitz | | | | |

Fig. 26 (entnommen aus Dinglers Journal 1838, Bd. 69, Taf. 2) zeigt den Aufbau der Fördermaschine von 8 PS auf der Kohlengrube Leonore und Nachtigall. Die Fördermaschinen der damaligen Zeit glichen vollständig den Dampfwasserhaltungsmaschinen. Sie hatten nur einen einzigen Dampfzylinder, der stehend angeordnet war und mittels einer Lenkergeradführung und eines Balanciers die Kurbelwelle antrieb; die Seiltrommel wurde von dieser durch ein Stirnradpaar betrieben. Die Förderung war in der Regel eintrümig angeordnet. Naturgemäß war die Steuerfähigkeit dieser einzylindrigen Maschinen sehr unvollkommen. Ein Stillsetzen der Maschine in den Totpunkten mußte sorgfältig vermieden werden, weil andernfalls die Maschine ohne Andrehen von Hand nicht wieder in Gang gesetzt werden konnte. Poppe schreibt über die genannte Maschine: »Das Manövrieren mit der Dampfmaschine erfordert große Aufmerksamkeit.«

Zusammenstellung westfälischer Fördermaschinen von Poppe 1838.

========================+=====+=====+==========+=====+============ | | | Mittlere |Nutz-| |Teufe|Nutz-| Hubge- |leis-| Namen der Kohlengrube |in m |last |schwindig-|tung |Bemerkungen | |in kg| keit |in PS| | | | in sekm | | ------------------------+-----+-----+----------+-----+------------ Frühlingshaus bei Wetter| 120 | 300 | 2-3 | 8 | Leonore und Nachtigall | 60 | | -- | 8 |zweitrümig Gewalt bei Stehle | 150 | 300 | 2,5 | 10 | Kunstwerk bei Stehle | 100 | -- | -- | 8 |zwei Förder- | | | | |maschinen Ath bei Aachen | -- | 500 | -- | 20 |

In den nächstfolgenden Jahrzehnten machte die Fördermaschine die gleiche Wandlung durch wie die Betriebsdampfmaschine: die inzwischen vervollkommnete Werkstättentechnik erlaubte es, die schwerfällige Lenkergeradführung mit Balancier durch die Gleitbahn mit Kreuzkopf zu ersetzen; die inzwischen eingeführte höhere Pressung verminderte die Zylinderabmessungen und ermöglichte es infolgedessen, den Zylinder liegend anzuordnen. Die Steuerfähigkeit wurde in hohem Maß vervollkommnet durch den Einbau von zwei Dampfzylindern, deren Stirnkurbeln unter einem Winkel von 90° versetzt waren. Dadurch wurde gleichzeitig die zweitrümige Förderung in betriebssicherer Weise ermöglicht.

In England behielt man die stehenden Maschinen bis in die Siebziger Jahre bei, während man in Frankreich und Belgien in den Sechziger Jahren bereits die liegenden Maschinen bevorzugte. Dowlais Eisenwerk in Südwales hatte im Jahre 1855 bereits 16 Fördermaschinen mit zusammen 1134 PS, entsprechend einer Durchschnittsleistung von 70 PS, wie »Iron Manufacture of Great Britain« von Truran berichtet.

Fig. 27 (entnommen aus Burat: »Cours d’exploitation des Mines« Paris 1871) stellt eine Fördermaschine der Compagnie d’Anzin dar, die auf der Kohlengrube von Havelny in den Sechziger Jahren in Betrieb war und mit zwei Zylindern von 700 mm Durchmesser und 2000 mm Hub ausgerüstet war. Die stehenden Zylinder sind noch beibehalten, der Balancier ist aber bereits durch eine Geradführung ersetzt. Der Maschinenrahmen wird zum Teil noch durch die Mauern des Geländes gebildet. Das Fördergerüst liegt noch innerhalb des Maschinenhauses, zeigt aber bereits einen an spätere Ausführungen erinnernden Aufbau. Das Fördergerippe hat bereits zwei Stockwerke und fördert vier Wagen bei jedem Zug. Auch ist bereits eine Dampfbremse eingebaut.

Die liegende Fördermaschine nahm sehr bald die Gestalt an, die sie auch in modernen Ausführungen noch zeigt: die Trommelwelle liegt in zwei Lagern und trägt Stirnkurbeln, an denen die Schubstangen der nach außen gelegten Zylinder angreifen: das Fördergerüst wird als freistehendes Eisengerüst neben dem Maschinenhaus aufgestellt, wie es aus Fig. 28 (entnommen aus Volk, »Geräte und Maschinen zur Förderung« Taf. 2) ersichtlich ist, die das Wesentliche einer modernen Anordnung darstellt. Diese Anordnung wurde von den Siebziger Jahren an typisch für Fördermaschinen, wie sie in Europa gebaut wurden. Abweichungen finden sich bei diesen Maschinen nur in der Konstruktion der Einzelheiten, hauptsächlich der Seiltrommeln und der Steuerung.

Einen Einblick in die Entwicklung der Dampffördermaschinen um die Mitte des 19. Jahrhunderts gibt Redtenbacher in seinem Werk »Der Maschinenbau« aus dem Jahre 1865. Er gibt in diesem folgende Tabelle über die Hauptabmessungen einer Anzahl von Fördermaschinen:

Zusammenstellung ausgeführter Fördermaschinen von Redtenbacher 1865.

================+=====+==========+==========+=======+===========+ | | | Mittlere | Nutz- | | Namen der |Teufe| Nutzlast | Hubge- | leis- | Material | Grube |in m | in kg | schwin- | tung | des Seils | | | | digkeit | in PS | | | | | in sekm | | | ----------------+-----+----------+----------+-------+-----------+ Bleiberg | 110 | 200 | 1,2 | 3 | Hanf | Altenberg | 32 | 1000 | 0,6 | 8 | Hanf | Kronprinz | 276 | 750 | 3 | 30 | Draht | Wilhelmina | 366 | 750 | 4 | 40 | Draht | Friedr. Wilhelm | 306 | 750 | 3 | 30 | Draht | Immenkoppel | 96 | 620 | -- | -- | -- | Bassin de | 100 | 1700 | 1,2 | 27 | Hanf | Commentri | | | | | | Cornwall | 520 | 220 | 2 | 6 | -- | Cornwall | 300 | 700 | 3 | 28 | -- | Julien | 120 | 800 | -- | -- | Draht | Julien | 300 | 700 | -- | -- | Hanf | Rive de Gière | 400 | 800 | -- | -- | -- | Anzin | -- | 700 | -- | -- | -- | Gauley | 240 | 600 | 1,7 | 14 | -- | Worm | 208 | 600 | 1 | 8 | Draht | Bensberg | 60 | 500 | -- | -- | Draht | Langenberg | 145 | -- | -- | -- | Draht | Apfel | -- | -- | -- | -- | Draht | Zentrum | -- | -- | -- | -- | Draht | Grand Hornu | -- | -- | -- | -- | Draht | Bassin de | 300 | 700 | -- | -- | Hanf | Bressac | | | | | |

================+===============+=========+=========+============ | Querschnitts- | Gewicht | Durch- | Namen der | abmessungen | des | messer | Gefördertes Grube | des Seils | Seils | der | Material | in mm | in kg | Trommel | | | pro m | in m | ----------------+---------------+---------+---------+------------ Bleiberg | 30 × 80 | -- | -- | Erz Altenberg | 30 × 1000 | -- | 1,2 | -- Kronprinz | 13 × 78 | 4,5 | -- | Kohle Wilhelmina | 13 × 78 | 4,5 | -- | Kohle Friedr. Wilhelm | 13 × 78 | 4,5 | -- | Kohle Immenkoppel | -- | -- | -- | Erz Bassin de | 35 × 140 | -- | -- | Erz Commentri | | | | Cornwall | -- | -- | -- | Erz Cornwall | -- | -- | -- | Kohle Julien | 18 | -- | 1,8 | Erz Julien | 30 × 130 | 4,26 | -- | -- Rive de Gière | -- | 3 | -- | -- Anzin | -- | 4,19 | -- | Kohle Gauley | -- | 3,34 | -- | -- Worm | 24 | 1,46 | 4,0 | -- Bensberg | 25 | -- | 2,0 | Erz Langenberg | 19,6 | -- | -- | -- Apfel | 25 | -- | 1,5 | Erz Zentrum | 30 | -- | 2,4 | Kohle Grand Hornu | -- | -- | 2,2 | Kohle Bassin de | 30 × 130 | 4,26 | -- | -- Bressac | | | |

Aus dieser Tabelle ist unter anderem ersichtlich, daß die Nutzleistung im Mittel zwar auf das Doppelte gestiegen war, daß sie aber noch immer über 40 PS nicht hinausging. Bei so geringen Leistungen entspricht die Zwillingsfördermaschine mit Seiltrommeln allen billigen Ansprüchen an Steuerfähigkeit und Betriebssicherheit. Der Dampfverbrauch ist allerdings groß im Vergleich zu einer Betriebsdampfmaschine, aber er ist, absolut genommen, gering im Vergleich zu dem Kraftbedarf anderer Bergwerksmaschinen, wie Kompressoren und Pumpen. Als im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Nutzlasten, Geschwindigkeiten und Teufen sich mehr und mehr vergrößerten, da machten sich auch die Nachteile der Dampffördermaschine in höherem Grade geltend. Die Steuerfähigkeit nahm ab, mit ihr die Betriebssicherheit; gleichzeitig wurde der relativ und absolut hohe Dampfverbrauch um so fühlbarer, je mehr man bei anderen Maschinen auf Sparsamkeit bedacht war.