Die Starken: Ein Athleten-Roman

Part 17

Chapter 173,427 wordsPublic domain

Die blanken Blicke der beiden Ringkämpfer kreuzten sich, wie Klingen. Claude le Titan duckte sich wie ein Tiger, als ob er Roland an den Hals springen wollte, richtete sich aber wieder auf:

„Fichtre....! -- -- du willst seriös ringen!“

„Ja!“ sagte Freidank achselzuckend.

„Sacré nom de Dieu! -- -- Roland, bist du wahnsinnig geworden!“

„Entschuldige.....“ sprach Roland gelassen, „ist es mein Recht, seriös zu ringen, oder nicht? Willst du, daß ich das Schiedsgericht anrufe, ob ich Falle machen muß oder nicht? Da draußen sitzen sechs, acht Sportjournalisten im Schiedsgericht...... Ich bin Sportsmann, cher ami! Ich ringe im Ernst -- wenn du erlaubst! -- Bei uns in Deutschland wird ernsthaft gerungen! Bei uns ist, was du noch nicht zu wissen scheinst, der Sieger wirklich -- der Stärkste!“

Er kreuzte die Arme, stand breitbeinig da und sah dem Franzosen in das tiefgerötete Gesicht, welches von Wut und Haß verzerrt war.

„C’est raide!“ sagte der Franzose und atmete tief auf. „Und du weißt, Carogne! daß ich die ganze Nacht und den ganzen Tag gelumpt habe... Wenn ich es wenigstens vorher gewußt hätte! -- Ah, du Judas, das ist ein verfluchtes Stück! -- Tu es infâme, toi.....! Infâme! Infâme! -- Mais je m’en fiche pas mal! -- Also gut, ringen wir seriös!“

Roland trat neben die Kulisse. Der Kampf zwischen dem Kosaken Syrin und Pierre Forgeron ging zu Ende. Man hörte in der aufgeregten Stille das derbe Klatschen der Griffe und das schwere Schnaufen des Russen. Aber Roland dachte mit seinem frohen Lächeln allein an sein schönes Mädchen, der zu Ehren er den langen, dicken Franzosen trotz aller Abrede, wie ein Ritter im Turnier, niederschmettern wollte, wenn das Schicksal ihm nur ein wenig günstig war, und in seiner Seele sang und klang es:

„Pour te plaire, la mort ne me serait qu’un jeu....! Je deviendrais infâme.......! Pour te plaire, Therese, meine Therese!“

„Vainqueur Pierre le Forgeron, 27 minutes!“ schrie der Obmann des Schiedsgerichtes in das Beifallsrasen der Zuschauer hinein, und:

„Match dernier: Roland, Allemand, Champion de St. Petersbourg, avec Claude le Titan, Paris, Champion de France!“

Claude le Titan sprang auf Roland mit jenem wilden Tigersprunge, den er eine Viertelstunde vorher in der Garderobe unterdrückt hatte.

So hatte Claude le Titan noch nie gerungen, so wild und voller Leidenschaft hatten die Pariser den allezeit Ruhigen noch nie gesehen. Er schlug Roland ins Genick, er versuchte ihm einen betäubenden Schlag mit der äußeren Kante der Hand gegen die Halsschlagader zu versetzen, welcher in den rohen Ringkämpfen der Ecole Bordelaise und der Ecole Marseillaise als „Colbac“ eine gefährliche Rolle spielt.

Die Pariser heulten vor Wut. Wie? Ihr Favorit, ihr Champion ließ sich derartig plumpe Reglementswidrigkeiten gegen diesen Prussien zu Schulden kommen? Wo blieb denn die Nationalehre, wenn ein Pariser sich im freien, öffentlichen Sport unfair gegen einen Allemand benahm? --

Dann besann sich Claude, daß er seine Kräfte nicht vorzeitig ausgeben durfte. Jetzt stand er ruhiger im Kampfe. Die Pariser wurden ihres Champions wieder froh. Parbleu, ja: man wußte doch, was man an Claude le Titan hatte, auch wenn sein Temperament ihm einmal durchgegangen war!

Und die Viertelstunden dehnten sich.

Die beiden bleichen Körper glänzten schweißbedeckt, reckten sich aus und zogen sich wieder zusammen, schnellten sich herum, wie von ungeheurer Federkraft getrieben, und ruhten wieder unbeweglich, wie Steinklumpen, am Boden.

Claude le Titan hockte seit einiger Zeit wieder einmal auf dem blutroten Teppich. Roland kniete neben ihm und versuchte, den rechten Arm des Franzosen unter seinem Körper durchzuziehen. Die Kenner lachten höhnisch. Ramassement de bras! Ach nein, so plump ließ Claude le Titan, der alte Fuchs, sich nun doch nicht fangen. Er stützte sein mächtiges Bein auf und war mit einem starken Schwunge seines Körpers wieder auf den Füßen.

Da war Roland mit einem gedankenschnellen Sprunge hinter ihm, faßte ihn um beide Hüften, hob den schweren Körper hoch auf,... noch höher..... bog sich weit zurück und warf sich selbst rücklings nieder:

In weitem Bogen flog Claude le Titan nach rückwärts über Rolands Schulter hinweg und lag gerade, wie ein gefällter Baum, auf beiden Schultern platt am Boden! -- -- -- Ceinture en souplesse.....

„Vainqueur Roland, Allemand, -- -- une heure dix minutes! ....“

Und die Musikanten bliesen Tusch, Lorbeerkränze häuften sich ringsum, -- dann wurde Roland der goldene Gürtel von Frankreich um die Hüften gelegt. In einem Blumenregen stand er, mit der berühmten Ceinture d’or de France und mit der Meisterschaft der Welt geschmückt, aber in all seiner Siegerherrlichkeit sah er nichts, als das Mädchen im hyazinthenblauen Kleide mit dem Strauß von weißen Camelien vor der Brust......

Dann wartete sie auf ihn, und er kleidete sich mit fiebernden Händen an und eilte hinaus. Sie hätten einander in die Arme fliegen mögen, um sich festzuhalten für Zeit und Ewigkeit, sie hätten vor Liebe und Freude sterben mögen, aber sie hielten ihre Gefühle stolz zurück, reichten einander nur die Hände und flüsterten mit bebenden Lippen:

„Grüß’ dich Gott, Eberhard -- Therese, grüß’ dich Gott!“

* * *

Und als nach vielen Stunden der ganze Siegestrubel verrauscht, das Festmahl zu Ende war und die glänzenden Augen der Festteilnehmer matt geworden waren, waren allein zwei Augenpaare noch kerzenhell, und der neue „Champion du Monde“ flüsterte in Liebe und Seligkeit:

„Therese, hast du mir vergeben?“

„Ach, wirst du mir je verzeihen können, du Lieber?“

„Therese, wir sprechen heute davon und dann niemals mehr! Alles muß klar sein zwischen uns. Dann aber soll die Vergangenheit schlafen. Und wir wollen eine fröhliche Zukunft an uns reißen!“

„Sage, mein Freund, wie siehst du die Zukunft?“

„Sage zuerst, Therese, wie du sie siehst!“

„Du bleibst, was du heute geworden bist!“ sprach Therese mit freudigem, tiefem Erröten. „Obwohl.... Eberhard, ich habe in Berlin dein zweites Stück aufführen sehen....“

„Therese, was denkst du über das Stück?“

Sie zögerte einen Augenblick, denn sie wollte ihm nicht weh tun, erwiderte dann aber tapfer:

„Ich mag’s nicht leiden! Obwohl die Leute klatschten ... Du hättest sie applaudieren hören müssen! -- -- Aber was war das für ein Gefühl, dieselben Menschen jubeln zu hören, die damals gepfiffen haben! Sie sind so gemein... so launenhaft... so gedankenlos.....“

„Gedanken!“ sprach der Ringkämpfer mit leuchtender Stirn, „Gedanken! -- Sie sind ein Wahn, sie sind eine Qual! -- Ein Ruck tut mir die Dienste des sorglichsten Denkens, ein Recken der Glieder schüttelt die Qual der Gedanken ab! -- Ich habe den Gedanken Valet gesagt, Therese! Mein Training ist meine Denkkunst, mein Ringkampf ist meine Philosophie. Im Reiche der Kraft bin ich vorläufig der Herr! --“

„Ich habe auch gelitten unter schlimmen Gedanken,“ sagte sie leise. „Meine Sinne haben genossen, mein Geist hat geschwelgt, aber mein Herz blieb leer. Was hat er....“ sie sprach den Namen nicht aus, „was hat er nicht alles getan, um mich zu erfreuen! Bücher und Kunstwerke hat er gebracht, eine ganze Bibliothek... Und er war so zart, Eberhard, so zart -- -- --! Seitdem wir aus Italien zurück waren, besaß er nur noch das Bewußtsein meiner Treue... sonst nichts..... nichts... Und doch kam der Tag, an dem die Sehnsucht mir bis an den Hals stieg und ich darin untergegangen wäre, wenn ich nicht fortgereist wäre... zu dir... ob du mich wieder haben willst.....“

Er ging auf ihren demütigen Zweifel nicht einmal ein und blickte ihr strahlend in die Augen:

„Wie gut, Therese, daß du nun ganz eines Sinnes mit mir bist! -- Denn nun hält uns ja nichts mehr ab, den Bund unserer Liebe durch berufene, geweihte Hände segnen und heiligen zu lassen..... Du lächelst, meine Geliebte?“

„Nur vor Glück,“ erwiderte sie und wischte sich eine klare Träne von der Wange.

„Das mein’ ich auch, mein liebes Weib. Wir können uns vor Gottes Altar in allen Ehren finden und binden. Da geh’ ich mit Goethe, welcher es so frei und edel aussprach, daß die Trauung zwar nur eine Formel ist, aber eine so schöne: der Segen des Himmels zu dem Segen der Erde.“

Druck von Hallberg & Büchting, Leipzig.

Interessante belletristische Werke

aus dem

Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38.

Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, auch vom Verlag.

Ausführlicher, reich illustrierter Verlags-Katalog, Preis 50 Pfg.

~Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig.~

Hochaktuell! Sensationelle Novität!

Das Buch der Saison!

Unfruchtbarkeit

Roman von =DOLOROSA=.

Mit künstlerischem bunten Umschlagbild von =RAPHAEL KIRCHNER-PARIS=.

Umfang ca. 300 Seiten.

Preis Mk. 3.--.

Das =Tiroler Tagblatt= schreibt u. a.:

„Dolorosa’s neuester Roman „Unfruchtbarkeit“ ist ein Gegenstück zu Zolas „Fruchtbarkeit“. Ein Grosstadtroman, der die Schattenseiten der menschlichen Fortpflanzung bis ins kleinste Detail schildert und schliesslich in dem Axiom ausklingt: „Die Fruchtbarkeit ist das grösste Verbrechen.....“

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

KORSETTGESCHICHTEN

von

DOLOROSA

Mit farbigem Umschlag von Raphael Kirchner, Paris.

Preis Mark 3.--

Gibt es ein Thema, welches des Interesses so sicher ist, wie Schönheit und Liebe, wie die zarten Geheimnisse des Toilettenzimmers und des Damenboudoirs?

Wenn aber das Thema mit so entzückenden Variationen und mit so pikantem Charme vorgetragen wird, wie in der vorliegenden liebenswürdigen Novellensammlung der beliebten Autorin, so ist der Erfolg besiegelt. Die Grazien haben Pate gestanden bei dieser anmutigen Schöpfung, die von einem heitern, leichtlebigen, pariserischen Geiste durchweht ist. Wie bunte Falter um duftende Rosen, so gaukeln diese leichtbeschwingten Erzählungen um die entzückten Sinne des Lesers. Ist der fröhlich galante Geist Boccaccios wieder lebendig geworden? Sind all’ die Rosen und Kränzchen, die flatternden Schleifen und weissen Täubchen, die brennenden Herzen und verliebten Sentiments der Rokokozeit vom langen Schlafe erwacht? Man sollte es meinen, wenn man die gefühlvollen Helden dieser graziösen Novellen neckisch und zärtlich mit den Korsetts ihrer Herzensdamen schäkern und karessieren sieht.

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

Tagebuch einer Erzieherin

von

DOLOROSA

Mit farbigem Umschlag von Raphael Kirchner, Paris.

12. Auflage. Preis Mark 3.--

Dieses Buch ist das zweite Romanwerk der jungen, um der unerhörten erotischen Kühnheit ihrer Dichtungen willen so schnell berühmt gewordenen und so viel gelästerten Dolorosa. Diese jugendliche Dichterin liebt es, merkwürdige und nicht alltägliche Schicksale zu schildern. Von dem „Tagebuche einer Erzieherin“ sagt sie selbst in der Einleitung:

„Ich will euch, meine Freunde, eine Geschichte von einem trüben Leben sagen; dieses Leben gehörte zu den Dingen, die so niedrig und alltäglich und gemein erscheinen, dass man nicht davon singen kann. Keine grosse, herrliche Tragödie, wie ein Gewitter. Kann einer davon singen, dass ein edles Purpurgewand durch den Staub der Strasse geschleift wurde?

„Einige ausgeschriebene Tagebücher kamen mir in die Hände, Briefe und sonst Blätter, und ein eichener Kasten mit allerlei Tand: eine kostbare Reitpeitsche, und seltsame Bilder und Gedichte und Kindersächelchen, und..

„Aber was liegt daran? -- Ich will euch die schlimme, trübe Geschichte sagen; nur vergesst mir nicht, ihr Freunde, dass aus all dem bizarren Lärm doch immer Harfenakkorde der Liebe hervorklingen.“

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

Schuhgeschichten

von

Restif de la Bretonne

übersetzt von E. LAFIÈRE

Mit künstlerischem Umschlagbild von

RAPHAEL KIRCHNER-PARIS

Preis Mark 2.--

In seinen Schuhgeschichten erzählt uns Restif de la Bretonne von den Liebeswonnen und Qualen zweier „=Schuhfetischisten=“. Er malt das Erwachen ihrer Leidenschaft, die Zuckungen ihrer krankhaften Sinnlichkeit mit einer Kraft, einer Anschaulichkeit, die erschreckend wäre ohne Restifs Meisterschaft, ohne die vollendete Kunst seiner Schilderung, die selbst die krassesten und gewagtesten Situationen zur Schönheit verklärt.

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

Venus im Pelz

Novelle von

Leopold von Sacher-Masoch

Reich illustriert

☛ Preis Mark 5.-- ☚

Von allen Werken Sacher-Masochs erfreut sich keines so ausgedehnter Popularität wie „+Venus im Pelz+“. Sie ist die typischeste Schöpfung ihres Meisters bezüglich alles den tiefsten Wesenskern seiner Individualität Betreffenden, und verdient überhaupt die klassische masochistische Novelle der Weltliteratur genannt zu werden. Besitzt sie schon darum Leben, Reiz und Wert, übertrifft sie durch blendenden Stil und glänzendes Kolorit an sich schon das meiste, was der eminente Sprachkünstler geschaffen, erweckt sie noch aus einem anderen Grunde besonderes Interesse, weil sie eine Episode aus dem Leben ihres Schöpfers erzählt und darum als ein Stück seiner Selbstbiographie gelten darf. -- Severin ist Sacher, Wanda -- nicht etwa seine spätere Gattin, sondern eine seiner vielen, der österreichischen Aristokratie angehörenden Herzensköniginnen, die er in einem Ischler Hotel kennen lernte, und mit der er später jene wunderliche phantastische Reise nach Florenz unternahm, während welcher er halb gezüchtigter Sklave, halb der in allen Himmeln schwelgende Liebhaber einer strengen Herrin war.

„Habent sua fata libelli“ sagt eine oft zitierte Sentenz. Da sich in keiner der Schriften ihres Verfassers Sachersche Individualität und masochistische Eigenart so rein wiederspiegelt wie in der „Venus im Pelz“, ist es als ein glücklicher Umstand anzusehen, dass gerade dieses Buch Sachers Namen lebendig erhalten hat und erhalten wird.

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

DÄMONE

Roman in 2 Bänden

von

R. BRÖHMEK

Mit buntem Umschlagbild von Raphael Kirchner-Paris.

Preis Mark 5.--

In vorliegendem Roman zeichnet der bekannte Verfasser mit gewandtem Griffel das Treiben zweier dämonischer Menschen, die Triebfedern ihrer absonderlichen Leidenschaften und Gelüste. Im Vordergrunde steht das Weib, eine jener herzlosen, raffinierten Koketten, welche zu den Teufelinnen gehören, hinter deren Schönheit und Majestät Härte und Grausamkeit, Tod und Verderben lauern. Sie weiss das traurige Geschick eines adeligen Hauses zu benutzen, um das junge, männliche Haupt der Familie, welches schon als Knabe ihre strenge Behandlung mit pathologischer Hingebung ertragen hat, in ihr gefährliches Garn locken. Sie demütigt ihre Nebenbuhlerin, deren Liebreiz die Sinne ihres adeligen Seladons von ihr abgewandt hat, verfolgt die Unschuldige mit ihrem Hass und facht die extremen Neigungen der Knabenseele zu wildem Sinnestaumel an. Und wie sich bekanntlich tausend Männerköpfe unter den Fuss eines schönen, grausamen Weibes beugen, so verliert auch der junge Baron den moralischen Halt, die Herrschaft über sich selbst, und erliegt der tödlichen Gewalt der dämonischen Messaline.

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

Der Hass der Polin

Roman von

KURT FELSINGEN

Mit buntem Umschlagbild von

RAPHAEL KIRCHNER-PARIS

Preis Mark 3.--

Der Roman schildert die Geschichte eines vornehmen, stolzen und herrschgewohnten Weibes, das, erfüllt von fast fanatischer Menschen- und Mannesverachtung, dem Drange diese ihrer Gelüste zu befriedigen freien Lauf lässt.

Doch diese Frau selbst schafft sich die Sühne.

Ein stolzer selbstbewusster Mann ist von ihr aufs Ungeheuerlichste gedemütigt worden in brutaler Vergewaltigung, und nun nimmt dieser Mann Rache. Die Schilderung dieser Vergeltung, die erst nach Jahren und unter den romantischsten Umständen eintritt, ist von wunderbarer Feinheit und packendster Wirkung, der Aufbau der Handlung derart spannend, dass der Leser bis zum Ende vollständig im Banne der Darstellung bleibt.

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

Die Venuspeitsche

von

Carl Felix von Schlichtegroll.

Band I:

Die Hexe von Klewan

Novelle.

Preis Mk. 3.--

Ungewöhnlich wie der Titel dieses Buches dürfte auch der Inhalt erscheinen. Der Verfasser hat es unternommen, in ihm ein sexual-pathologisches Problem, nämlich das der Algolagnie (Masochismus) in verschiedenen Einzeldarstellungen dichterisch zu behandeln. Er zeichnet in seiner Titelheldin eines jener dämonischen Weiber, deren schrankenloser Gewalt fast jeder ihr nahende Mann willenlos unterworfen ist. Durch seine Kenntnis der Völker des Ostens und die Schilderung des an religiösen Wahnsinn grenzenden Kultus einer der zahlreichen russischen Geheimsekten weiss er den Leser durch eine Reihe teils grausiger, teils ergreifender Bilder in gleicher Weise zu fesseln, wie zu erschüttern.

Sacher-Masoch urteilte über von Schlichtegroll in bezug auf die vor mehreren Jahren erschienenen „Totentänze“:

„Schlichtegroll ist ein bedeutendes Talent, auch besitzt er jene Eigenart, welche heute unerlässlich ist, wenn man im Gewühl der literarischen Menge nicht unbemerkt bleiben soll. Seine Sprache ist lebendig und bildlich. Stoff und Kolorit werden ungleich bunter bei ihm durch die Vertrautheit mit der Welt des Ostens, der er verschiedene gelungene Bilder entlehnt; er trifft ebenso sicher den Ton für rumänische oder serbische oder galizische Stimmungen und Vorgänge. Alles in allem eine jener wenigen Sammlungen, die beachtet und vor allem gelesen zu werden verdienen.

Man braucht nicht gerade ein Prophet zu sein, um voraussehen zu können, dass wir von dem Dichter, der seines Zeichens eigentlich ein Maler ist, noch manches Schöne zu erwarten haben.

Man sieht es seinem starken Talent an, dass er noch lange nicht sein letztes Wort gesprochen hat.“

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

Die Venuspeitsche

von

Carl Felix von Schlichtegroll

Band II:

Ulrich von Liechtenstein

Novelle.

Preis Mk. 4.--

Der Autor führt auch in diesem Bande den sexualpathologischen Grundgedanken des ganzen Werkes konsequent weiter. Freilich bietet er diesmal kein Bild aus der Gegenwart, noch ein solches aus dem reizvollen Milieu Halbasiens, sondern er hat jetzt einen weiten Ritt in die Vergangenheit, in die Minnesängerzeit unternommen, aus welcher schöpfend er ein farbenreiches und zum Teil drastisches Gemälde vor unseren Augen aufrollt.

Die Seltsamkeiten, welche das Leben des Helden charakterisieren, schliessen sich, so ungeheuerlich sie erscheinen mögen, der historischen Überlieferung auf das Engste an. Ebenso kann für jeden Zug des monströsen Charakters der Pfannenbergerin, der Geliebten des berühmten Ritters, mehr als ein historisches Beispiel geliefert werden.

von Schlichtegrolls Werk liefert somit einen höchst interessanten Beitrag zur Charakterisierung jener fälschlich als sentimental angesehenen, in Wahrheit jedoch sinnlich-derben, ja brutalen Epoche unserer Vergangenheit.

Die Freunde, die der Autor sich durch seine „Hexe von Klewan“ erworben, werden auch in diesem seinem neuesten Buche die Kraft rücksichtsloser Schilderung wiederfinden, die jenes Werk auszeichnet.

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

Die Venuspeitsche

von

Carl Felix von Schlichtegroll

Band III:

Satans Töchter

Roman.

Mit künstlerischem bunten Umschlagsbild.

Preis Mk. 4.--

In ruhigem Flusse setzt die dem modernen Leben entnommene Erzählung ein. Alltägliche Vorgänge, nur ganz leise von Tönen der Leidenschaft durchzittert, spielen sich zunächst vor den Augen des Lesers ab, bis plötzlich ein Orkan wilder Gewalten, in den Gang der Handlung hereinbrechend, den Helden des Buches in tollem Wirbel und atembeklemmender Hast durch alle Höhen des Himmels und die Abgründe der Hölle hindurchjagt.

Je mehr der Gang der Ereignisse fortschreitet, desto verwirrender, grausiger und farbenglühender offenbaren sich die in kühnen Zügen entworfenen Bilder, bis endlich unerwartet hereinbrechendes Licht alle nächtlichen Wolken verscheucht und den Leser erlöst aufatmen lässt.

Die beiden Frauengestalten, denen das Buch seinen Titel verdankt, sind in ihrer skrupellosen Energie, in der Leidenschaftlichkeit und der Zügellosigkeit ihrer Natur mit Fug und Recht dem Dämonenreiche entstammende Geschöpfe zu nennen. Aber nicht nur ihre bis zu äusserster Konsequenz durchgeführte Charakteristik verleiht dem Werke Reiz und Glanz, auch die prachtvollen Schilderungen des landschaftlichen Milieus verdienen ausdrückliche Betonung und werden mit dazu beitragen, dem Autor als eigenartigen Schilderer absonderlicher Verhältnisse und Situationen neue Freunde zu gewinnen.

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._

Die Venuspeitsche

von

Carl Felix von Schlichtegroll.

Band IV.

Die Wölfin.

ROMAN

Mit künstlerischem bunten Umschlagbild

Preis Mk. 4.--

Der Verfasser führt den Leser in die wildbewegte Epoche der französischen Revolution.

In jenen blutbesudelten und nach Umgestaltung alles Bestehenden ringenden Zeiten trat eine Anzahl politischer Amazonen auf, und eine dieser ist es, deren Werden und Vergehen Schlichtegroll in der Gestalt „Der Wölfin“ gezeichnet hat.

Théroigne de Méricourt ist ihr Name. Ein Geschöpf von brennendem Ehrgeiz und rasenden Leidenschaften; eine durch und durch Verworfene ihrem Wandel wie ihren Taten nach, und dennoch ein Weib, dessen starkem Geiste, dessen unerschrockenem Mute schaudernde Bewunderung gezollt werden muss, selbst von denen, die in ihr nichts als die Verkörperung weiblicher Bestialität zu erblicken vermögen. Eine Jeanne d’Arc d’impur hat Limartine sie genannt und mit diesem Ausdruck ihr Bild auf das schärfste und treffendste gekennzeichnet.

Doppelt interessant für die Gegenwart dürfte dies geniale Ungeheuer schon darum sein, weil sie ähnlichen Wünschen und Bestrebungen, wie unsere Frauenrechtlerinnen solche verfechten, bereits in ihren Tagen energischen Ausdruck verlieh. Sie wollte den Mann entthronen und die Herrschaft des Weibes begründen, da sie sich als berufene Rächerin ihres Geschlechts an dem anderen, dem stärkeren, fühlte.

In diesem Kampfe und an der Unmöglichkeit, ihre ehrgeizigen Phantastereien verwirklichen zu können, wie an der Unmässigkeit ihrer eigenen Natur ging sie unter -- und aus diesem tritt ihr Schicksal uns als ein tief tragisches entgegen.

So leidenschaftlich, erschütternd, grausig und ungewöhnlich die Taten und Schicksale „der Wölfin“ auch erscheinen mögen, so gilt doch auch von ihnen das Wort Shakespeares:

„Alles ist wahr.“

_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig_

In Servitute Felicitas

von =Irene Brug=

Preis Mk. 2.--

Eine neue Romandichterin tritt mit dem vorliegenden Buche zum erstenmale vor die Öffentlichkeit. Sie erzählt uns keine süßliche und sentimentale Liebesgeschichte von zwei Menschen, die sich nach Überwindung von allerlei Hindernissen glücklich „kriegen“, sondern sie greift mit anerkennenswertem Freimut ein Problem an, das mit gleicher Geradheit und Ehrlichkeit wohl noch nie von einer Frau behandelt worden ist: Das Problem der Herrin Weib, des Weibes, welches in maßlosem Geschlechtsstolz sich selbst zur Königin des Mannes ernennt und hochmütig, rücksichtslos und ränkevoll genug ist, um den liebenden Mann ihrer Herrschaft zu unterwerfen. In jeder Frauenseele liegt, mehr oder weniger bewußt, dieser herrschsüchtige Weibstolz, aber schwer und ungern entschließt sich das Weib, diese innere Triebfeder ihres Handelns einzugestehen.

Die Geschichte eines merkwürdigen Seelenlebens ist von der Autorin mit schlichter Einfachheit, ohne viel Ausschmückungen und Rankenwerk, erzählt, und diese große Natürlichkeit der Sprache und Schilderung bildet nicht den geringsten Charme dieser reizvollen Geständnisse einer Frau.

Sinnen und Lauschen

Briefe an einen Freund

Ein Beitrag zur Psychologie der Homosexualität

von

Hanns Fuchs

Preis Mk. 5.-- ord., eleg. geb. Mk. 6.--