Die Sebalduskirche in Nürnberg

Part 21

Chapter 213,103 wordsPublic domain

3. Reihe: Wappen von Hohenzollern, =Markgraf Johann Albrecht=, nachmals Erzbischof zu Magdeburg und Bischof von Halberstadt, =Markgraf Gumbert=, unkenntliches Wappen.

2. Reihe mit der Inschrifttafel: »Friderich von gottes gnaden marggraff zu Brandenburg zu Stetin Pomern der Cassuben vnd Wenden herczog burggraff zu Nürnberg und fürst zu Rügen 1. 5. 15.«

Die acht Markgrafen in den Reihen 6 bis 3 sind die acht Söhne Friedrichs und seiner Gemahlin Sophie in der Reihenfolge ihres Alters.

In den äußeren Feldern der Sockelreihe befanden sich ursprünglich zwei Engel, ähnlich den oberen Engeln auf der Bekrönung. 1817 mußten dieselben zwei schlechten Medaillons mit den Bildnissen Melanchthons und Luthers weichen.

10. Das =Pfinzingsche Fenster=. 1515 gemalt von Veit Hirschvogel d. Ä.

Es umfaßt acht Querreihen: Architektur mit zwei Stockwerken. Im oberen Stockwerk =die Heiligen Christoph, Sebald, Maria mit dem Christuskind und Anna selbdritt=. Im unteren Stockwerk der =Stifter und seine Gemahlin= mit den Wappen der Pfinzing und Grundherr, darunter knieend acht Familienangehörige beiderlei Geschlechts mit ebensovielen Pfinzingschen Wappen. In der untersten Reihe Inschrifttafel: »Siegfridus Pfinzing sibi suisque MDXV.« Darunter zwei Wappen (Pfinzing-Harsdorf). Einzelne Stellen, hier und da sogar mit Schriftscheiben, ziemlich barbarisch geflickt.

11. Das =Hallersche Fenster=. 1372-1379.

Es umfaßt 6 Querreihen:

1. Reihe (von unten): 4 Hallersche Wappen.

2. Reihe: =Legende des hl. Georg=.

3. Reihe: Ein =heiliger Mönch= mit Buch und zangenartigem Gerät, =St. Leonhard=, =St. Sebastian= und ein =heiliger Fürst= (Hermelinüberwurf) mit Palmwedel und Reichsapfel.

4. Reihe: Die =Heiligen Katharina=, =Anna selbdritt=, =Ursula= und =Elisabeth=.

5. =Herodes und der betlehemitische Kindermord.=

6. Reihe: schlichter Architekturaufsatz.

In der 7. Reihe zwei Hallersche Wappen (im 1. und 4. Feld) vom Jahre 1494.

12. Das =Schürstabsche Fenster=. 1372-1379.

Es umfaßt 7 Querreihen:

1. Reihe (von unten): Lamm Gottes, zum Schürstabschen Wappen gehörig, und drei Schürstabsche Allianzwappen.

2. Reihe: Hl. =Sebald=, ein kniender, den Heiligen verehrender =Ritter= mit dem Schürstabwappen und zwei kniende =Frauen= mit Stromerschen Wappen und Wappen der Graser (?).

3. Reihe: =Christus in der Vorhölle= (2 Felder), =der Auferstandene erscheint den heiligen Frauen= (2 Felder).

4. Reihe: Kreuzabnahme oder richtiger =Pietà=; =Grablegung= (je 2 Felder).

5. Reihe: =Himmelfahrt=, =Tod Mariä= (je 2 Felder).

6. und 7. Reihe: Architektur.

In der 8. Reihe (1. und 4. Feld) zwei Schürstabsche Wappen von 1493, über jedem das Lamm Gottes.

13. Das =Behaimsche Fenster=. 1372-1379.

Das Glasgemälde umfaßt die sechs unteren Reihen und greift mit der Bekrönung in die siebente Reihe über. Die mittleren Felder der Sockelreihe enthalten zwei Behaimsche Allianzwappen, in den Feldern daneben kniende Familienangehörige mit Behaimschen Allianzwappen. Die mittleren Bahnen sind kompositionell zusammengefaßt, und zwar sind die Reihen 2 bis 7 in drei Etagen gegliedert, welche von unten nach oben die =Verkündigung= (eine starke gelbe Röhre vermittelt den hl. Geist, eine Taube, vom Munde Gott Vaters dem Ohr der Maria), =Geburt Christi= und die =Krönung Mariä= zeigen. In den übrigen seitlichen Feldern, abgesehen von den erwähnten Wappenfeldern, neben der Verkündigung zwei weitere Anbetende, eine männliche und eine weibliche Figur mit Allianzwappen, zu den beiden Seiten der Geburt und Krönung vier musizierende Engel.

Im Maßwerk Medaillons mit dem zwei Behaimsche Allianzwappen, je von einem Engel gehalten, aus dem 16. Jahrhundert.

14. Das =Volckamersche Fenster=. Etwa 1490-1500.

Es umfaßt 6 Querreihen:

1. Reihe (von oben): Reiche gotische Baldachinarchitektur als Bekrönung.

2. Reihe: Von den Darstellungen, die diese Reihe enthielt, der =Verkündigung= und =Geburt=, ist nur mehr je eine Hälfte vorhanden, nämlich die Maria von der Verkündigung und der hl. Joseph von der Geburt. Sie nehmen die beiden mittleren Felder ein. An die Stelle der abhanden gekommenen anderen Hälften wurden ein Volckamersches und ein Gärtner-Schürstabsches Wappen in die Butzenverglasung der beiden seitlichen Felder eingefügt.

3. Reihe: =Anbetung der heiligen drei Könige=.

4. Reihe: =Beschneidung= und =Darstellung im Tempel=.

5. Reihe: Kniende männliche und weibliche Familienangehörige mit Volckamerschen Allianzwappen.

6. Reihe: In den mittleren Feldern zwei Wappen der Volckamer mit der Inschrift: »Anno domini 1488«, zu den Seiten männliche und weibliche Anbeterfiguren mit Spruchbändern und den Wappen der Stromer, Volckamer (2), Ebner und Schürstab.

15. Das =Imhoffsche Fenster=. Vom Jahre 1601 (links unten in der zweiten Reihe datiert), die beiden untersten Wappenpaare vom Jahre 1641. Von Jakob Sprüngli oder Christoph Maurer (1558-1614), ebenfalls einem geborenen Schweizer.

Das Glasgemälde umfaßt das ganze Fenster. Wirkungsvoller architektonischer Aufbau in kräftigen Renaissanceformen mit reichen Zutaten von Puttenfiguren, Festons usw. in den beiden äußeren Bahnen, oben die allegorischen Figuren Glaube und Liebe; in den beiden mittleren Bahnen 20 Einzelwappen und Allianzwappen der Imhoff, teils mit Wappenzier, teils von Kränzen umrahmt. Die zu diesem Fenster gehörigen Glasmalereien des Maßwerks sind bei der Versetzung des Fensters an dessen ursprünglichem Ort, nämlich in dem an der Nordseite des Ostchores gerade gegenüberliegenden Fenster zurückgeblieben (siehe oben).

16. Das =letzte Fenster im Ostchor=. Um 1360. Das Glasgemälde war wie das im gegenüberstehenden Fenster befindliche wahrscheinlich schon vor Beginn des Ostchorneubaues vorhanden.

Das Fenster ist entweder eine Paumgärtnersche Stiftung oder eine Stiftung der Familien Pirckheimer, Paumgärtner und Grabner, deren Wappen die Sockelreihe aufweist. Was die Komposition anlangt, so sind die beiden mittleren Bahnen zusammengefaßt und in drei Etagen mit je drei Feldern abgeteilt, wobei in den jeweiligen Bekrönungen zwei Giebel mit einem Rundbogen abwechseln; unten die =Anbetung der heiligen drei Könige=, in der Mitte die =Darbringung im Tempel=, zu beiden Seiten weibliche Figuren mit Tauben, darüber Propheten, oben der zwölfjährige =Jesus bei den Schriftgelehrten=, zu beiden Seiten Engel.

_Südliches Seitenschiff._ Im =ersten Fenster= von der alten Querhausmauer an ein größeres Welsersches Wappen und vier kleinere runde Welsersche Allianzwappen, bei deren einem das heraldisch rechte Wappen durch buntes Glas ersetzt ist.

Im =zweiten Fenster= ein größeres Behaimsches, drei kleinere runde Welsersche und ein ebensolches Ölhafensches Allianzwappen.

Im =dritten Fenster Christus am Kreuz mit Maria und Johannes=, darüber prächtig stilisiert Helm, Helmdecke und Zimier zu einem jetzt fehlenden Ölhafenschen Wappen, außerdem vier kleine Rundscheiben mit dem Wappen der Gutschneider, Koler-Kreß, Ölhafen-Volckamer und Welser-Nützel.

Im =vierten Fenster=, dem kleinen Fenster über dem Südportal, das Wappenschild der Pömer und ein Spruchband, auf dem M. M. Mayer noch die jetzt fast verschwundene Inschrift las: »Heinrich Pömer Starb Anno 1331«, darunter zwei Donatoren (bezeichnet als Friedrich und Konrad Pömer) mit zwei Pömerschen Allianzwappen (Abb. 110).

Im =fünften Fenster= befinden sich jetzt sechs kleine Rundscheiben mit Allianzwappen der Familien Dietherr, Kreß, Harsdorf, Ölhafen und Rohleder sowie einem Pömerschen Wappen.

5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken.

=Gedenktafeln.= Diejenigen Geschlechter, deren Begräbnisstätten in der Kirche lagen oder welche sich durch hervorragende Stiftungen ausgezeichnet hatten, besaßen das Recht, große Tafeln mit Verzeichnissen der Vorfahren zum Andenken an dieselben in der Nähe der gestifteten Gegenstände aufzuhängen. Die Sitte kam zwar schon zur Zeit der Spätgotik auf, allein erst mit der um die Mitte des 17. Jahrhunderts durchgeführten Barockausstattung wurde vielfach Gebrauch davon gemacht. Die uns erhaltenen Gedenktafeln gehören den Patrizierfamilien Ebner, Fürer, Holzschuher, Kreß, Löffelholz, Pfinzing, Pömer, Scheurl, Tucher und Volckamer an.

Der Inhalt der Tafeln hat lediglich familiengeschichtliches Interesse. Von künstlerischem Wert sind nur einige Tafeln durch reichere Gestaltung der holzgeschnitzten Rahmen, insbesondere der die Tafeln bekrönenden Aufsätze und Wappenschilder. Von den der Mitte des 17. Jahrhunderts angehörigen Gedenktafeln verdienen hervorgehoben zu werden die der =Löffelholz= im Westchor, die der =Kreß= mit dem Holztafelgemälde des segnenden Weltheilandes und dem Wappenschilde aus der Rokokozeit (Abb. 111) und die der =Volckamer= im Ostchor vor dem Muffelschen Altar (Abb. 112); von den ein Jahrhundert jüngeren Tafeln im ausgesprochenen Rokokostil die der =Ebner= beim nördlichen Turm (Abb. 113), die der =Holzschuher= im südlichen Seitenschiff und die der =Fürer= im Ostchor beim Muffelschen Altar. In die Renaissancezeit fällt eine der vielen =Tucherschen Tafeln=, welche im Ostchor an der Wand des Tucherfensters hängt (Abb. 114). Sie zeichnet sich dadurch aus, daß in ihrer Mitte ein aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammendes Ölgemälde aus Holz eingelassen ist, darstellend den Tod vor offenem Grabe mit Schriftband: »Was ir seit, das was ich, vnd was ich bin, das wert ir.«

Auf einer anderen Tucherschen Gedächtnistafel im nördlichen Chorumgang hinter dem Hochaltar =Christus als Weltenrichter=, auf dem Regenbogen thronend. 17. Jahrhundert.

=Totenschilder.= Zum Inventar der Kirche zählen nunmehr auch eine große Anzahl von alten Totenschildern verschiedener Patrizierfamilien. Die früher in der Kirche aufgehängten Schilder wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis auf das unten erwähnte Stromersche, das auf seinem alten Platz oberhalb der Stromerschen Empore im nördlichen Seitenschiff verblieb, den Stiftern zurückgegeben. Wie weit die jetzigen Schilder mit den früheren identisch sind, dürfte sich schwerlich feststellen lassen. Von den Totenschildern, von denen manche, insbesondere ein Hallersches, sowohl nach der künstlerischen wie nach der technischen Seite von Interesse sind und bei deren Herstellung teilweise mit den einfachsten Mitteln (Roßhaare, vergoldete Hanfstricke usw.) gearbeitet worden ist, gehören 21 der =Löffelholz=schen (Abb. 115), 7 der =Kressi=schen (Abb. 116), 12 der =Haller=schen (Abb. 117, 118), 11 der =Harsdörfer=schen, 4 der =Ebner=schen (Abb. 119) (hievon 2 neu) und 1 (siehe oben) der =Stromer=schen Familie (Abb. 120) an. Sie stammen aus der Zeit vom 14. bis zum 18. Jahrhundert und hängen im Westchor, im Mittelschiff und im nördlichen Seitenschiff in der Nähe der Grabstätten der Stifterfamilien.

=Kirchenstühle und anderes Mobiliar.= Das in Eichenholz ziemlich derb geschnitzte =Chorgestühl= im Mittelschiff des Ostchores zwischen den Pfeilern stammt aus der Zeit der Vollendung des Chorneubaues zwischen den Jahren 1372 und 1379 (Abb. 121, 122 und 123). Die Seitenteile der Stühle sind mit ornamentalen, durchbrochen gearbeiteten und mit figürlichen Schnitzereien, Propheten, Apostel sowie andere Heilige und phantastische Tiergestalten darstellend, ausgestattet. An den Rückwänden der Chorstühle zu beiden Seiten des Altares sind jetzt zwei runde holzgeschnitzte Medaillons angebracht: links der heilige Sebald in einem Renaissanceraum, zu seinen beiden Seiten die Wappen von Dänemark und Frankreich, zu seinen Füßen das Schreyersche Wappen (vgl. Titelvignette), auf der anderen (rechten) Seite in Hochoval das Grundherrsche Wappen. Beide Medaillons rühren vermutlich von früheren Kirchenstühlen (einem Schreyerschen und einem Grundherrschen?) her.

Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben der Turmhalle ein zweisitziger =Kirchenstuhl= ohne besondere Dekoration, ebenfalls aus Eichenholz mit zwei eingeschnittenen Wappen der =Haller= (Abb. 124).

Im Löffelholz- oder Westchor ein im frühen Barockstil reichgeschnitzter =Stuhl= vom Jahre 1627 (Abb. 125).

Ihm gegenüber einfach geschnitzter =Stuhl des Handwerks der Holz- und Beindrechsler= mit deren Wappen auf vergoldetem Kupfer von 1738.

Im nördlichen Seitenschiff an der Turmwand hübsch ornamentierter =Stuhl= aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

Neben dem Eingange des nördlichen Seitenschiffes einfach geschnitzter =Stuhl des Handwerks der Bäcker=. 17. Jahrhundert.

Außerdem noch zwei ganz einfache =Kirchenstühle= in der nördlichen Turmhalle und beim Eingange des südlichen Seitenschiffes; letzterer mit reicherem barockem Aufsatz mit den Emblemen des =Schuhmacherhandwerks=. Ferner mancherlei kräftig geschnitztes Stuhlwerk an den Wänden der Kirche aus verschiedenen Epochen: an der Südwand des Ostchors einfaches =gotisches Chorgestühl=, gegenüber an der Nordwand die =Tucherschen Chorstühle= unter den Gedenktafeln des Tucherschen Geschlechts aus der Zeit der Spätrenaissance. Der gleichen Zeit gehören auch die beiden =Tucherschen Paramentenschränke= an, die sich jetzt hinter dem Altare befinden. Weitere =Chor- und Handwerkerstühle= mit einfach ausgeschnittenen Stuhlwangen in verschiedenen Teilen der Kirche.

Hinter dem Hochaltar zwei mit Schnitzerei verzierte =Sängerpulte= aus dem 17. Jahrhundert mit drehbaren Aufsätzen.

Die einfachen =Chorschranken= rühren vermutlich von der Restaurierung um die Mitte des 17. Jahrhunderts her.

Neben dem Eingange zur südlichen Sakristei und in der Pömerkapelle =je ein gotisches Wandschränkchen= mit hübscher holzgeschnitzter Tür und den alten Eisenbeschlägen.

Die =Laienstühle= der Kirche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden bei der letzten Restaurierung derart umgeändert, daß die in plumpen pseudogotischen Formen gehaltenen Wangen durch einfach ausgeschnittene Bretter ersetzt und so dem vorhandenen alten Gestühl angepaßt wurden.

Schließlich sei noch ein =neuer Paramentenschrank= in einfachen gotischen Formen erwähnt, der von Hauberrisser entworfen wurde und neben der südlichen Turmwand seinen Platz gefunden hat.

Beim Muffelaltar ist in die Wand eine =Steinplatte= eingelassen, in der oben in einer kleinen Nische das Erzschildchen eingemauert ist, das 1882 hinter einem Baldachin des Ostchors gefunden wurde. Wie die 1906 angebrachte Inschrifttafel besagt, handelt es sich bei dem Zeichen auf diesem alten Schildchen offenbar um das Meisterzeichen des bisher noch unbekannten Erbauers des Ostchors. Vgl. Abb. 26.

Die =eisernen Türen= neben dieser Steinplatte, die als Verschluß von Wandschränken dienen, sind alt (15. Jahrhundert) und zeichnen sich durch schön ornamentierte Schloßschilde und geschmackvoll geformte Griffe aus. Die Wandschränke beim Petrus- und Tucheraltar wurden nach diesem Muster mit neuen eisernen Türen versehen. Ebenfalls eine Arbeit der Neuzeit ist der eiserne =Opferstock= im Mittelschiff vor dem Löffelholz-Chor.

=Orgeln.= Die =große Orgel= im Ostchor (Abb. 126) wurde 1444 von Heinrich Traxdorf für 1150 fl. erbaut. Von dem Pfeifenwerke dieser gotischen Orgel sowie von den im Laufe der Jahrhunderte hinzugekommenen Registern hat sich nichts erhalten. Bei der letzten Restaurierung (1905) wurde ein der modernen Orgeltechnik entsprechendes Werk aufgestellt und zum Teil dem alten Gehäuse eingefügt. Aber auch mit diesem waren im Laufe der Zeiten bereits verschiedene Veränderungen vorgenommen worden. Während eine Anzahl urkundlich bezeugter Verbesserungen (1480/81, um 1520, 1572 usw.) sich wesentlich auf das Werk bezogen zu haben scheinen, das 1691 von Georg Siegmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg o. T., erneuert wurde, hatten die Umbauten und Reparaturen von 1658 und 1827 auch bedeutende Umformungen des Gehäuses zur Folge. 1658 wurde die Orgel der barocken Kirchenausstattung angepaßt, wobei Daniel Preißler die Flügel mit den Bildnissen der Scholarchen und Geistlichen an der Kirche und der damaligen Stadtmusiker schmückte. Diese Flügel haben sich indessen nicht erhalten. Bei der Ausbesserung des Werkes durch den Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner im Jahre 1827 wurden jene barocken Teile durch gotisch stilisierte, nach Plänen Heideloffs ausgeführte Teile ersetzt. Hiebei wurde nicht nur ein neues Positiv angebracht, sondern auch die Galerie für den Sängerchor nach beiden Seiten hin erweitert und mit einer hölzernen, mit gotischen Maßwerken versehenen Brüstung abgeschlossen.

Bei der letzten Wiederherstellung der Kirche ließ sich das ursprüngliche Gehäuse der Orgel noch zum größten Teil aus den späteren Zutaten wieder herausschälen und bietet sich jetzt wesentlich in seiner alten Gestalt dem Auge dar. Das in Eichenholz kräftig und wirkungsvoll geschnitzte alte Gehäuse zeichnet sich durch reichen ornamentalen und figürlichen Schmuck aus. Es sei dabei einerseits auf die reizvolle und eigenartige Bildung der Wimperge mit ihren trefflich geschnitzten Krabben und Kreuzblumen, andererseits auf die figuralen Darstellungen, die sich in das abschließende Maßwerk der vorkragenden Sängerbühne einfügen, besonders hingewiesen: nicht nur Adam und Eva, sondern auch Wappenhalter mit den Nürnberger Wappen und allerlei Gestalten aus dem Volke, Ritter, Knechte, Bauern usw., finden sich hier in bunter Reihe angebracht. Die beiden unteren Konsolen tragen wiederum die beiden in Verbindung mit dem heiligen Sebaldus so oft wiederkehrenden Wappen; am Scheitel des Gewölbes, gewissermaßen als Schlußstein eine Teufelsfratze mit einer Zunge aus Leder, einem Bart aus Roßhaaren und einem Unterkiefer, der heute noch, wie ehedem, durch das Orgelwerk in Bewegung gesetzt wird.

Die Ergänzungen, die bei der letzten Restaurierung nötig wurden, beschränken sich in der Hauptsache auf die Bretterbrüstung zu beiden Seiten des gleichfalls neuen Positivs, bei dem indessen einzelne alte Teile zur Verwendung kommen konnten, und auf die schmalen Maßwerkfüllungen unterhalb der großen seitlichen Register.

Über die Wandmalerei zu beiden Seiten der Orgel, die mit dieser inhaltlich in Beziehung steht, ist oben bereits gehandelt worden.

Die =kleine Orgel= im Westchor ist 1732 am 13. Oktober gestiftet von Konrad Nikolaus Overdik und dessen Gattin Ursula, geb. Ebermayr, »als Haus Orgel zu Unterhaltung der Andacht bey der heil. Comunion in dem Chor nach St. Sebald«. Die Geschichte der Orgel ist übrigens bisher nicht völlig klargestellt. Heute wird sie von einem Muffelschen Wappen bekrönt, zu dessen beiden Seiten man die Jahreszahl 1776 liest. Auch die beiden vergoldeten Monogramme auf der Rückseite der Orgel scheinen auf die Patrizierfamilie Muffel hinzudeuten.

Sonst ist von Orgeln nur bekannt, daß 1447 eine kleinere Orgel gestiftet, 1570 aber wieder entfernt wurde. Auch zum Jahre 1517 wird von der Stiftung einer kleineren Orgel durch Hans Stauber berichtet.[XX] Von den Silberdrahtziehern soll 1657 eine kleine Orgel gestiftet worden sein.

[XX] Vgl. Hampe, Nürnberger Ratsverlässe. Bd. 1. Nr. 1101. 1108, 1109.

=Glocken. Im nördlichen Turm:=

1. =Die Betglocke.= Von Johann Weißenburger in Nürnberg 1391 gegossen.

Halsinschrift:

O REX GLORIE VENI CVM PACE LVCAS MARCVS MATHEVS JOHANNES AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDICTA TV IN MVLIERIBVS ET BENEDICTVS FRVCTVS VENTRIS TVI AMEN VITA + INTER NATOS MVLIERVM NON SVRREXIT MAIOR IOHANNE BAPTISTA QVI VIAM DOMINO PREPARAVIT IN HEREMO FVIT HOMO MISSVS A DEO CVI NOMEN IOHANNES ERAT ORA [P=] NOBIS BTE AG.

Fußinschrift:

ANNO DOMINI MCCCLXXXXI HEC CAMPANA EST CXXXXVIII CENTENARIIS ACTA PER IOHANNEM WYSSENBVRGER IN N[.V]RBERG IN VIGILIA S[=T]I LAVRENCII M[=R]IS A DOMINO HEINRICO PREPOSITO DE VESTENBERG GENITO CONPARATA REX KASPAR REX BALTHEZAR REX MELCHIOR DEVS [PPI=]CIVS ESTO [P=]INTCESSIONEM B[=T]I AVGVSTI +.

Höhe (ohne Krone) 1·30 m.

Die Betglocke heißt in den Chroniken wie ihre Vorgängerin auch »Benedicta«. Im Jahre 1600 sollte die jetzige Betglocke durch eine neue ersetzt werden. Eine Ausbesserung war jedoch noch möglich. Im Laufe des 18. Jahrhunderts fanden mehrere Reparaturen statt.

Nach Städtechroniken I, 357 wäre die alte Glocke erst 1392 »an unsers herrn leichnames abent« [12. Juni] geweiht worden.

2. Eine =Glocke= aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDI. +.

Höhe (ohne Krone): 0·88 m.

3. Eine =Glocke= vom Jahre 1418.

Halsinschrift:

Anno domini mccccxviii anno gloria patri et filio et spiritvi sancto et Mariae +.

Höhe (ohne Krone) 0·65 m.

4. Eine =Glocke= aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

MATHEVS MARCVS LVCAS IOHANNES MARIA +.

Höhe (ohne Krone): 0·56 m.

Die an zweiter Stelle angeführte Glocke des nördlichen Turmes, deren Inschrift den Englischen Gruß enthält, dürfte identisch sein mit der in den Chroniken genannten »Garausglocke«, eine von den beiden kleinen Glocken desselben Turmes mit dem »Vesperlein«.

Im =südlichen Turm=: 1. Die =Chorglocke=. 1324 gegossen.

Halsinschrift:

ANNO DNI MCCCXXIIII VOX EGO SVM VITE VOCO VOS ORARE VENITE XPO REGNAT +.

Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.

2. Die =Sturmglocke=. Aus dem 14. Jahrhundert.

Halsinschrift:

TITVLVS TRIVMPHALIS NRI SALVATORIS IHC NAZARENVS REX JVDEORVM +.

Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.

3. Die =Stundenglocke=, auch =Schlag- oder Uhrglocke= genannt. Im unteren Durchbruch des Helms. 1482 von Konrad Glockengießer gegossen.

Halsinschrift: »sant sebolcz schlach glock pin ich hern ruprecht haller hern niclas grosen vnd hern gabriel nvczel den obersten haubtlevten gebart ich maister cvnrat glockengisser gos mich anno domini 1482 +«.

Höhe (ohne Krone): 1·60 m.

Gotteshauspfleger Ruprecht Haller der Ältere, Hans Tucher der Ältere und Kirchenmeister Sebald Schreyer hatten mit Meister Konrad dem Glockengießer vereinbart, daß er für den Zentner der Glocke 10-1/2 fl. rhein. erhalten und den Zentner der alten gesprungenen Uhrglocke für 8 fl. nehmen solle. Er erhielt 1055 fl. rhein., nach Baader, Beiträge, I, 61 im ganzen 1380 Pfund 5 Schilling 8 Haller. Die Glocke wurde am 20. Juni 1483 gewogen und hatte ein Gewicht von 100 Zentnern 56 lb. Näheres bei Baader, ferner in den Städtechroniken, V, 480 ff. und in dem Manuskript XL, 3 im Stadtarchiv Nürnberg.